Sind Arminianer unsere Brüder?

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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Paulusbuch
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Beitragvon Paulusbuch » 12.02.2012 09:00

Hallo Donul aber die Arminianer glauben ja das wir einen freien Willen haben, und daß sie sich für Jesus entscheiden können wann sie es wollen, aber das ist Werkgerechtigkeit.Wir werden nur durch den Glauben errettet an Jesus was Gottes gabe ist.Aber ob sie glauben oder nicht das steht nicht mir zu nur Gott allein, ob sie glauben oder nicht den Gott sieht das Herz an.Jesus sagte "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen".
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Donul
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Beitragvon Donul » 12.02.2012 09:33

Kein Arminianer sieht das als "Werksgerechtigkeit". Sie glauben ja, dass durch die "vorhergehende Gnade" es ihnen ermöglicht wird zu Jesus zu kommen, aber halt jedem und sie glauben halt nicht dass Gott effektiv von sich aus ohne Zustimmung des Menschen die Herzen verändert...
Charismatic-turned-Reformed

Paulusbuch
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Beitragvon Paulusbuch » 19.02.2012 13:15

Vieleicht nicht alle aber es gibt aber viele die so denken.
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albi
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Beitragvon albi » 07.03.2015 13:46

Hallo!

So lautet meine Einstellung.

Ich halte Arminianer für Geschwister. Sie sind und werden gerettet.

Dennoch halte ich die Lehre für falsch und schädlich. Einer sagte mal in einem Bibelkreis: Alle die wir hier sitzen und wenn sie auch 40 Jahre lang schon dem Herrn dienen, haben noch unbiblische, falsche Ansichten und Einstellungen. (Wenn man nur mal denkt, wie krass wir bedürfnisorientiert-psychologisch geprägt sind und das völlig unbiblisch ist und wir das häufig nicht einmal wirklich bemerken!)

So müsste für mich JEDER wichtige Streit in Lehrfragen eigentlich mit tiefen gemeinsamen Bibelstudium geschlichtet werden. Nicht "Wer hat jetzt Recht!", sondern "Was sagt die Bibel?!"

Das Problem ist, dass fast immer beide Parteien nicht wirklich bereit sind, sich der Herausforderung zu stellen, wirklich die Bibel zu befragen und die Erkenntnisse der anderen Seite anzuhören und sich selbst zu stellen. Man ist sich oft so fest und sicher und ruft gleich "Irrlehre!", sobald ein Bruder eine andere Lehre hat.

Ich würde zB bei Zeugen Jehovas ebenso zuhören und anhand der Bibel ihre Lehren hinterfragen. "Aha, du glaubst das so? Aber hier steht doch dies und das..."

Auch Arminianer und Calvinisten müsste es eigentlich, theoretisch, möglich sein, ihre Lehrunterschiede in relativer Ruhe und Frieden an der Bibel zu prüfen und zu bestreiten. (Ebenso Dispensationalisten vs. Amilleniaristen etc.)

Das ist für mich ähnlich wie in der Wissenschaft. Da sind zwei Streitpartieen, der eine sagt über das Forschungsobjekt (hier: BIBEL) A, der ander B. Nun müssen beide anhand des Objekts (BIBEL) argumentativ belegen. ziel ist es, den anderen bzw. die Zuhörer anhand der Schrift von A oder B zu überführen, d.h. vernünftig und logisch am VERSTAND zu überzeugen (und nicht wer am lautesten Schreien kann).

Theoretisch müsste es möglich sein. Aber ich denke es ist die SÜNDE, die uns meist daran, hindert, genau so mit Andersgesinnten umzugehen.

Titus 1,9 lehrt: "einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht, damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen."

Er spricht hier von ÄLTESTEN, also geistig reifen Christen, von Vätern in Christus. Ein großes Problem empfinde ich, dass entgegen der Warnung von Jakobus - nicht viele Brüder sollten Lehrer werden, da wir ein strengeres Gericht empfangen -, so viele Brüder meinten, sie könnten und sollten ihre stückweise Erkenntnis schon als biblische Wahrheit lehren und präsentieren und alle andern Erkenntnisse als Irrlehre brandmarken. So kenne ich einen arminanischen Bruder, der in auseinandersetzung mit mir und anderen nun ein Traktat für junge Christen verfasst hat, in der er vor "dem Calvinismus" warnt. Ja, die Schrift strotzt vor Einseitigkeiten und Auslegungsfehlern und Römer 9 ist in wenigen Sätzen "entwaffnet" und dutzende zentrale Bibelabschnitte sind nicht einmal genannt. Aber dennoch meint er, damit die Erwählungslehre "wiederlegt" zu haben.

Durch solches voreilige Verhalten entsteht riesen Verwirrung und Spalterei und Rechthaberei.

Ich denke wirklich, dass nur ÄLTESTE und dazu berufene Brüder echte Lehrer sein sollten. Und die sollten dann theoretisch auch die geistige Reife haben, Lehrfragen demümtig und sanftmütig zu besprechen ohne sich völlig in die Haare zu kriegen. Bei jungen Sputniken, Frischbekehrten und den "jungen Männern", da ist es klar, dass die sich gerne zerfleischen. Die sollten eher viel demütiger und bescheidener sein.

Ich selbst trat früher sehr selbstsicher auf und "wusste" viel über Prophetie (viel falsches!). Ja dann redet man sich um Kopf und Kragen und spricht doch nur Dummheiten aus.

Heute würde ich mit einem Arminianer viel lieber hören, was er genau glaubt, wie er das begründen kann, und ihm dann anhand der Bibel zeigen, warum ich das nicht glaube und das falsch finde.

Daniel Stippinger
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Beitragvon Daniel Stippinger » 23.03.2015 00:11

Ich kann dir nur aus vollem Herzen zustimmen, albi. Leider gibt es oft, wie man so schon im Englischen sagt, "more heat than light".
Ich finde es schade, dass es oft nicht möglich ist, respektvolle Konversationen über mehr oder weniger kontroverse Themen zu haben. Daran ist wahrscheinlich praktisch jeder ein wenig Schuld (ich habe auch schon sehr, sagen wir mal, unliebevoll und unweise diskutiert), manche leider jedoch mehr als andere...

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 23.03.2015 12:31

albi hat geschrieben:So lautet meine Einstellung.

Ich halte Arminianer für Geschwister. Sie sind und werden gerettet.

Dennoch halte ich die Lehre für falsch und schädlich.
Hallo albi, siehst du den Widerspruch in deiner Aussage? Wenn die Lehre der Arminianer falsch und schädlich ist, wie du sagst, welche Grundannahme bewegt dich dazu, zu glauben, dass sie dennoch gerettet sind und werden?

Ich finde es ermutigend, wie du vorbildlich die Leser mit deinem Beitrag dazu animierst, den Andersgesinnte (Arminianer, Zeugen Jehovas u.a.) vernünftig anzuhören, Ruhe zu bewahren, alles anhand der Schrift zu prüfen usw. Das wird nicht immer - und ehrlich gesagt - viel zu wenig gemacht. Aber die unvorbildliche Vorgehensweise, wie man mit Andersgesinnten umgeht, rechtfertigt doch nicht die Position, Menschen, die ein anderes Evangelium vertreten, die in ihrem Lehrunterschied, den Kern des Evangeliums, das Erlösungswerk Christi und damit Jesus als den Christus selbst leugnen, als Brüder anzuerkennen.

Man meint vielleicht, dass es lieblos erscheint, wenn man Arminianer nicht als Brüder bezeichnen kann, aber viel zu oft, ist man sich nicht bewusst, dass diese Haltung auf Kosten der Liebe gegenüber Christus eingenommen wird.

Es geht nicht darum, jemanden das Heil abzusprechen. Ich bin mir sicher, dass Gott auch in einer Katholischen Gemeinde seine Kinder hat, aber nicht aufgrund, sondern trotz des katholischen Glaubens. Der Glaube ist unmittelbar mit einem Inhalt verbunden. Der Inhalt ist in der Schrift klar dargelegt. Ein falscher Inhalt folgt zum falschem Glauben. Daher, so wie wir uns davor hüten müssen, jemanden das ewige Leben abzusprechen, sollen wir uns genauso davor hüten, jemanden, der aufgrund seiner Überzeugung ein falsches Evangelium vertritt, als einen wahren Gläubigen anzuerkennen. Denn das wäre lieblos gegenüber Jesus Christus, der das Erlösungswerk allein gewirkt hat.

Gruß

Peter

PeterG
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Beitragvon PeterG » 29.03.2015 13:41

Hm - aus der Praxis heraus kenne ich wohl nur Namens-Arminianer. Denn alle, die sagen, dass der Mensch sich für Gott entscheiden kann, beten dafür, dass sich Menschen entscheiden. Wenn der freie Wille zählen würde, dürften sie ja so nicht beten ;-)
Röm 1:16: "Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben."

albi
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Beitragvon albi » 03.04.2015 18:27

Hallo Peter01.

Ich halte Arminianer aus diesem Grunde für Brüder.

Wenn sie wirklich wiedergeboren wurden, SIND sie errettet. Ich halte es tatsächlich für möglich, dass man ein Kind Gottes ist und doch nicht in so tiefen Dingen wie die Gnadenlehre Einsicht fand. Vor allem, wenn man in solche arminianischen Dunstkreisen geistlich aufwuchs und von früh an dieser Lehre indoktriniert wurde.

Das Kinder Gottes, die einmal wirklich wahrhaft wiedergeboren wurden, errettet wurden und ins kommende Zeitalter erretet werden, sagt doch unsere lehre, die wir hier vertreten?!

Denn sonst würden wir uns ja mit unserer Lehre selbst widersprechen.

Bezüglich dem Katholizismus sehe ich es wieder sehr kritisch. Da kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es da wahre Brüder gibt. Ja, ich glaube, dass dort auch welche zum wahren Evangeliium kommen. ABer ich bin überzeugt, wer Kind Gottes wurde, wird irgendwann merken, dass er in dieser falschen Kirche nicht bleiben kann. Allein schon, weil er da umgeben ist von geistlich toten Namenschristen und ein Kind Gottes ja seinesgleichen sucht.

Da verstehe ich deine Meinung weniger, als wenn man sagt, Arminianer sind nicht unsere Geschwister.

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 13.04.2015 19:52

Von dem wie wie John Wesley und Georg Whitefield miteinander umgegangen sind, können wir heute noch sehr viel lernen
Hier findet ihr ab die Seite. 426 1. Die Predigt »Freie Gnade«, gehalten von John Wesley in Bristol im April 1739 und 2. Ein Brief an Reverend Mr. Wesley als Antwort auf seine Predigt »Freie Gnade«. Hier wird nochmal ganz klar wie weit die verschiedenen Ansichten von Wesley und Whitefield in diesen Punkten auseinanderlagen.
Zur weiteren Geschichte gehört: Whitefield war von London abwesend, als die Nachricht von Johns herannahmendem Tod ihn erreichte. Er brach sofort nach London auf, unterwegs schrieb er an einen Mitarbeiter:
Ich eile nach London, um meinem sterbenden Freund meine letzte Ehre
zu erweisen. Vielleicht ist Mr. John Wesley bald nicht mehr … Ich bedauere die Kirche Christi, ich bedauere mich selbst; aber nicht ihn. Wir müssen zurückbleiben, während er sich zum Thron der Herrlichkeit hinanschwingt.
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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