Kritik an der sog. "Freundschafts-Evangelisation"

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albi
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Kritik an der sog. "Freundschafts-Evangelisation"

Beitragvon albi » 09.09.2017 17:10

Hallo Forum!

Ich habe hier mal einen Text von http://www.carm.org übersetzt (Christian Apologetic and Research Ministries). Es geht um die weit verbreitete evangelistische Praxis der sog. "Friendship Evangelism" bzw. "Freundschafts-Evangelisation".

Dieser Text deckt auf, was ich auch schon lange gespürt habe und falsch fand. Mir ist es eine Last, dass so viele Christen über "Beziehungen" und "Freundschaften aufbauen" und "gutes Zeugnis" evangelisieren wollen statt Ungläubigen verbal Christus zu verkünden (die allgemeine Lebensführung soll dabei natürlich den Worten nicht widersprechen, aber die Lebensführung ist nicht Evangelisation!). Warum sollen wir erst mühselig eine "Beziehung aufbauen" bevor wir einer Seele das Evangelium verkünden?

Aber lest erst selbst den Text. Was haltet ihr davon?!



Quelle: https://carm.org/friendship-evangelism
Freundschafts-Evangelisation ist weder Freundschaft noch Evangelisation

von Tony Miano


Ich erhielt die folgende Nachricht von einer Freundin über Facebook. Auf dieses Thema bin ich in der Vergangenheit sehr oft gestoßen, und dachte, die ehrliche Art meiner Freundin ihre Fragen zu stellen drückt sehr gut aus wie es vielen Christen damit geht, das Evangelium ihren Freunden mitzuteilen. Ihre Worte halfen mir auch das zu bestätigen, was ich schon eine lange Weile glaube. „Freundschafts-Evangelisation“, so wie es sehr oft unter Christen gelehrt und praktiziert wird, ist weder Freundschaft noch Evangelisation.

Mit der Erlaubnis meiner Freundin möchte ich ihre Bemerkungen mit euch teilen. Und danach werde ich ihre Fragen beantworten.


„Mein Leben lang habe ich Freundschaften geschlossen. Bis vor 6 Jahren wandelte ich noch nicht mit dem Herrn. Seit ich Christin geworden bin habe ich dies allen mitgeteilt, aber ich konnte mich nicht überwinden das Evangelium zu teilen. Ich weiß, dass meine Freunde „denken“, zu wissen, was die Bibel sagt. Deswegen weiß ich, dass sie nicht wollen, dass ich sie anpredige oder Jesus mit ihnen teile. Ich hoffte, dass Facebook sie ermutigen würde, mich zu fragen, aber sie tun es nicht.

Ich schaue bei Facebook wie ein Voyer ihrem Leben zu und ich hasse es. Ich sehe wie sie Bilder posten von ihren Nächten in der Stadt, glasige Augen, auf jedem Bild umarmt von einem anderen Kerl. Heute las ich wie sie darüber sprachen, ihr Geld in einer unverantwortlichen und frivolen Weise zu verschwenden. Ich sehe so viel Selbstsucht und Egoismus. Heute fängt es an, mir richtig weh zu tun.

Ich hatte gedacht, dass sie vielleicht mehr wissen wollen, wenn sie mein Vorbild sehen… Aber stattdessen sehe ich nur, wie sie meine Seite und meine Bemerkungen meiden. Sie kommentieren niemals irgendetwas, dass ich über den Retter, Gott, oder die Heilige Schrift sage, und kommentieren stattdessen nur, was ich an „regulären“ Beiträge poste.

Ich sorge mich bei den meisten meiner Freunde aus der Vergangenheit um ihr Seelenheil, um ihre Rettung. Ich bin mir sicher dass mein Ansatz das Ende von lebenslänglichen Freundschaften bedeuten würde. Sollte ich also weitermachen und den Herrn vor ihnen verheimlichen? Unsere Weihnachts-Treffen und kleinen andere Dinge sind die einzigen Kontakte, die wir noch wirklich haben. Sollte ich einfach gehen und riskieren, sie ganz zu verlieren? Ich weiß, das würde in vielen Fällen das Ende von guten Freundschaften bedeuten.

Ein Teil von mir weiß, dass der Verlust dieser Freundschaften mir nicht allzu viel bedeuten sollte. Ich bin eher darum besorgt, die Tür offen zu halten, sie könnten ja… sie könnten… vielleicht eines Tages zur Buße kommen. Ich möchte die Tür offen halten.

Ich brauche wirklich Rat. Ich bin mir ziemlich sicher du wirst mir sagen, ich soll es einfach tun… aber ich dachte, vielleicht hast du auch eine andere Sichtweise oder einen anderen Weg, den ich als [evangelistischen] Ansatz anwenden könnte…


PS: Ich denke darüber nach, auf welche Weise ich sie evangelisieren kann [„evangelisieren“: die Frohe Botschaft von Jesus Christus an Ungläubige verbreiten, weitersagen, verkündigen, predigen]. Ich kenne den Ansatz von Ray Comfort [Straßen-Evangelist und Begründer von Living Water Ministries], dass sie durch die Zehn Gebote selbst überführt werden (das funktioniert wirklich). Auch du machst das ja so. Mir wurde auch gesagt ich solle ihnen sagen, sie sollen das Wort für sich selbst lesen, weil das Wort Kraft hat. Ich bin ein Angsthase und schickte ihnen „nicht-konfrontativ“ einen Brief. Einen Brief der Liebe, ich schüttete mein Herz vor ihnen aus. Aber das gab ihnen die Möglichkeit, nicht zu antworten und nicht darauf einzugehen. Ich weiß, dass Gott mich viel besser gebrauchen könnte wenn ich den Nerv hätte meine (SEINE) Botschaft persönlich auszurichten. Ich möchte ihren Geist füllen. Ich war noch nie zuvor so ein Angsthase. Ich möchte Gott nicht enttäuschen. Ich möchte meine (SEINE) Worte durchdringen lassen. Also bete und warte ich auf seine Inspiration und auf seine Weise, mich zu leiten. Vielleicht helfen mir deine Worte dabei, mich in die Welt hinaus zu pressen. Ich bin NICHT für Ihn beschämt, ich bin sozusagen besorgt um meine Freunde. Ich weiß wenn Er mit mir ist, wer kann gegen mich sein? Warum habe ich nur solche Kämpfe? O man, dieses Fleisch."


Bevor ich die Fragen meiner Freundin beantworte ist es notwendig einige klärende Bemerkungen zu machen. Erstens: Mein Kommentar ist keine Kritik an meiner Freundin – weder an ihrer Liebe für Christus noch an ihrer Liebe für ihre Freunde. Ich stelle nicht ihre Rettung in Frage oder die Ernsthaftigkeit ihres Verlangens, dass ihre Freunde gerettet werden. Mein Kommentar wird aber eine treffende Kritik an etwas sein, was ich für eine äußerst effektive Methode Satans halte (1. Petrus 5,8) – „Freundschafts-“ oder „Beziehungs“-Evangelisation.



Was ist Freundschafts-Evangelisation?

Ich bin davon überzeugt, dass viele Christen „Freundschafts-Evangelisation“ mit großem Ernst praktizieren. Aber traurigerweise ist es eine Ernsthaftigkeit, die aus Unwissenheit herrührt (1. Petrus 1,13-16), eine Unwissenheit über das Wort Gottes im Allgemeinen und über biblische Evangelisation im Besonderen. Doch zugleich empfinde ich kein solches Mitgefühl für Autoren, Pastoren, Lehrer, Redner und Leiter von christlichen Bewegungen – sowohl den echten als auch den falschen Bekehrten –, welche diese geistliche Gefahr den Nachfolgern Christi auferlegen. Sie werden ein strengeres Urteil empfangen (Jakobus 3,1).

Lass mich nun zuerst auf einige grundlegende Rechtfertigungen antworten, auf die ich in meiner Positionierung eingehen werde. Ich tue dies im Voraus, da für einige Christen „Freundschafts-Evangelisation“ geradezu sakrosankt und heilig ist – eine essentielle evangelistische Tradition. Ich gebrauche den Begriff „Tradition“, da es keine biblische Begründung für diese Methode oder Philosophie des Dienstes gibt. Solche Traditionen wie die „Freundschafts-Evangelisation“ sind ein trauriger Beweis dafür, dass die moderne evangelikale Bewegung – ganz besonders nach US-amerikanischen Stil – sich schon sehr Rom angepasst hat. Denn auch Rom hält Traditionen für äußerst wichtig und gibt Traditionen mehr Autorität als der Heiligen Schrift (Matthäus 15,1-6).

Lass mich sehr deutlich sagen: Christen sind vom Wort Gottes her aufgefordert, sowohl freundlich als auch kontaktfreudig zu sein. „Und wenn ich alle meine Habe austeilte und meinen Leib hingäbe, damit ich verbrannt würde, und doch keine Liebe hätte, so wäre ich nichts“ (1. Korinther 13,3). Wenn man gegen „Freundschafts-Evangelisation“ ist bedeutet das nicht, dass man gegen Freundschaft oder gegen Beziehungen ist. Aber ein gottesfürchtiger und biblischer Christ wird Gott und Freunde vor und über alle Freundschaften stellen (Lukas 14,25-27).

Eine zweite Rechtfertigung auf die Argument gegen die „Freundschafts-Evangelisation“ lautet: „Es gibt viele Wege, das Evangelium zu teilen, und Freundschafts-Evangelisation ist einer davon.“ Nein, das ist nicht so. Es gibt nur einen Weg, wie man das Evangelium auf verschiedene Weisen kommunizieren kann – auf die Weise der Bibel. Jede Methode, die außerbiblisch ist (das bedeutet, dass die Bibel sie weder vorschreibt noch direkt verbietet) sollte mit großer Vorsicht ausprobiert und angewendet werden. Der unermessliche Schaden, den „Freundschafts-Evangelisation“ angerichtet hat, ist ein Beweis, dass die amerikanische Gemeinde Umsichtigkeit und Vorsicht verworfen hat und sehr nachlässig in der Umsetzung dieser außerbiblischen, falschen evangelistischen Methoden war.


Schadet Freundschafts-Evangelisation?

Woher weiß ich, dass „Freundschafts-Evangelisation“ großen Schaden bewirkt hat? Fast täglich treffe ich falsche Bekehrte auf den Straßen, die das Nebenprodukt dieser unbiblischen Form der Evangelisation sind. Sie wurden in die christliche Gemeinschaft eingeladen. Sie bekehrten sich zu den Annehmlichkeiten der Gemeinde, doch: Durch und zu dem Herrn Jesus Christus haben sie sich nie bekehrt.

Ich besuchte einmal eine Taufe, wo verschiedene Leute getauft wurden. Ein jugendliches Mädchen stand im Taufbecken und teilte ihr 'Zeugnis', bevor sie von ihrem Pastor getauft wurde. Ihr Zeugnis gebe ich hier etwas frei wieder, es klang etwa so: 'Ich wuchs römisch katholisch auf. Dann begann ich diese Gemeinde zu besuchen. Dieses Christentum gefällt mir besser und ist mir angenehmer, also möchte ich mich taufen lassen.' Und darauf taufte sie der Pastor als eine Nachfolgerin Jesu Christi.

Ich antworte nun mit dem oben Gesagten im Hinterkopf auf die Fragen und Sorgen meiner Freundin.


Freundschafts-Evangelisation verkündigt nicht Christus

Meine Freundin schrieb:

„Seit ich eine Christin geworden bin habe ich dies allen mitgeteilt, aber ich konnte mich nicht überwinden das Evangelium zu teilen.“

Meine Freundin summiert in diesem Satz den großen Nachteil der „Freundschafts-Evangelisation“. Es gibt nur eine schockierend geringe Anzahl bekennender Christen, die in einem Jahr das Evangelium auch nur einer einzigen anderen Person mitteilen (oder sogar ihrem ganzen Leben); und dazu gehören offensichtlich auch die meisten Christen, die „Freundschafts-Evangelisation“ betreiben. Warum ist das so? Durch das Ausüben von „Freundschafts-Evangelisation“ verwendet der Christ weit mehr Zeit, sich selbst seinen Freunden bekannt zu machen, als dass er seinen Freunden Christus bekannt macht (1. Korinther 2,2).

Viele Christen, die „Freundschafts-Evangelisation“ betreiben, wurden zu dem Glauben gebracht, dass es schon evangelistisch sei ein sichtbares christliches Leben vor den ungläubigen Freunden zu führen oder den Ungläubigen offen zu bekennen, dass sie Christen sind. Doch an diesem Bekenntnis ist gar nichts besonders, besonders in Amerika. Die Mehrheit der Amerikaner gibt laut Umfragen und Statistiken an, dass sie Christen sind. Viele Christen beantworten die Frage 'Welcher Religion gehören sie an?' aus dem einfachen Grund mit der Antwort 'Ich bin Christ', weil sie nicht Muslim, Jude oder Atheist sind. Das Kreuz bei 'Christ' zu setzen ist die Voreingenommenheit der meisten Amerikaner. Aber die meisten sind ebenso wenig Christen wie sie auch nicht Juden, Muslime oder Atheisten sind.

„Freundschafts-Evangelisation“ verfehlt zu häufig, den Freunden Christus bekannt zu machen. Das ist ein Teil des Beweises, dass „Freundschafts-Evangelisation“ nicht evangelistisch ist.


Meine Freunde wollen nicht, dass ich ihnen Christus verkündige

Meine Freundin schrieb:

„Ich weiß deswegen, dass sie nicht wollen, dass ich sie anpredige oder Jesus mit ihnen teile.“

Der moderne Evangelikalismus hat fälschlicherweise die unregenerierten Empfindungen und Bedürfnisse der Sünder an die Stelle ihres tatsächlichen Bedürfnisses nach Erlösung gestellt. Das bedeutet nicht, dass wir die Bedürfnisse einer Person nicht beachten sollten. Wenn man das tut stellt man oft fest, dass die Wurzel eines bestimmten empfundenen Bedürfnisses Sünde ist; das lässt dann die Möglichkeit, der Person das Gesetz Gottes und das Evangelium mitzuteilen. Allerdings hat der Evangelikalismus eine ganz falsche Richtung eingeschlagen, wenn er die empfundenen Bedürfnisse zu befriedigen versucht – so als sei die Stillung von diesen Bedürfnissen das gleiche wie Evangelisation.

Lieber Leser: Wenn du Menschen Essen gibst, sie bekleidest und Leute zur Ehre Gottes in dein Haus aufnimmst (Matthäus 5,16), aber ihnen dabei nicht das Evangelium mitteilst, dann hast du diese bedürftigen Menschen auf ihren Weg zur Hölle letztlich nur gewärmt und gesättigt. Du hast es ihnen in ihren Körpern einfach nur etwas bequemer gemacht. Du hast überhaupt gar nichts für ihre Seelen getan.

Ich sage noch etwas zu der Bemerkung meiner Freundin: Es ist völlig natürlich, dass die nicht-wiedergeborene Person nicht will, dass der Christ ihm das Evangelium verkündet. Warum? Sie hassen Jesus (Johannes 15,18). Sie lieben ihre Sünde (Hiob 15,16) und sie hassen Gott (Römer 1,30). Kakerlaken laufen nicht in die Mitte der Tanzfläche und tanzen vor dir den Squardance, wenn du das Licht einschaltest. Sie flüchten in die dunklen Ecken unter den Teppichen. Sie hassen das Licht, und so ist es auch mit dem nicht-wiedergeborenen Sünder (Johannes 3,20). Ihre Liebe zu ihrer Sünde ist so groß, dass jedes in ihr Leben getragene heilige Licht nicht nur unbequem und unangenehm für sie ist, sondern sogar abscheulich und ekelhaft.

Es ist traurig, denn der moderner Evangelikalismus reagiert auf diese Tatsache damit, dass man alles tun, um verlorene Sünder nach deren eigenen empfundenen Bedürfnissen in und mit ihrer eigenen Kultur zu erreichen. Dabei denkt man überhaupt nicht mehr daran, den Lichtschalter des Evangeliums einzuschalten. Der moderne Evangelikalismus fragt viel mehr, wie sich verlorene Leute dabei fühlen, wenn „das Licht“ leuchtet, um daraufhin zu entscheiden ob das Licht gestrahlt werden soll oder nicht. Viele Christen wurden auf diese Weise menschengefällig; das geht bis hin zu dem Punkt, dass sie das Evangelium vor den Leuten verheimlichen (Matthäus 5,15). Wer immer so etwas aber tut hört auf, ein Knecht Gottes zu sein (Galater 1,10). Offen gesagt: Es ist überhaupt nicht wichtig, was verlorene Menschen wollen. Wichtig ist allein, was sie brauchen, und das ist Erlösung allein aus der Gnade Gottes (Epheser 2,8-9), allein durch den Glauben (Römer 1,17), und allein durch Jesus (Apostelgeschcihte 4,12). Was sie wirklich brauchen, ob sie es nun selbst empfinden oder nicht, ist Buße zu tun und dem Evangelium zu glauben (Markus 1,15; Lukas 13,1-5; Apostelgeschichte 17,29-31).


Freundschafts-Evangelisation ist nicht evangelistisch

Meine Freundin schrieb:

„Ich hatte gedacht, dass sie vielleicht mehr wissen wollen, wenn sie mein Vorbild sehen… Aber stattdessen sehe ich nur, dass sie meine Seite und meine Bemerkungen meiden.“

Ein Teil des Beweises, dass „Freundschafts-Evangelisation“ nicht evangelistisch ist, ist, dass es den „Assisi-ismus“ praktiziert.

Franz von Assisi ist sehr oft mit der Aussage zitiert worden: 'Predige das Evangelium zu jeder Zeit, und wenn es sein muss mit Worten!' Es gibt nur zwei Probleme mit diesem Zitat: 1) Es ist unbiblisch; und 2) Assisi hat es niemals gesagt. Katholische Gelehrte haben methodisch und akribisch die gesamten Schriften von Assisi durchsucht und konnten ihm dieses Zitat doch nicht zuschreiben. In unserer Zeit ist das eigentlich Allgemeinwissen. Und doch gebrauchen Christen dieses mysteriöse Zitat weiter, und noch schlimmer: Sie setzen diese Aussage in ihrem Leben um. Dieses Zitat hat auch eine modernere Variante. Sie lautet dann in etwa wie folgt: 'Lebe dein Leben auf eine solche Weise, dass die Leute dich nach dem Warum fragen.'

Obwohl es einerseits wahr ist, dass unsere guten Werke, die wir allein für die Ehre Gottes tun, die Verlorenen veranlassen können Gott zu preisen (Matthäus 5,16), ist es nicht stimmig zu behaupten, dass die Verlorenen durch deinen christlichen Lebenswandel Jesus in dir sehen können. Warum? Der Grund ist ganz einfach. Nichtwiedergeborene Sünder sind geistlich blind.

„Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muss.“ (1. Korinther 2,14)

Es ist auch wichtig zu erkennen, was Matthäus 5,16 nicht sagt. Denn der Vers sagt gar nichts darüber, dass Leute zur echten Buße und Glauben an den Herrn Jesus Christus kommen. Gar nichts.

Die Ungläubigen sind nicht allein geistlich blind, sie sind auch tot in ihren Sünden. Nicht schlafend; nicht krank; sie benötigen nicht ein wenig Hilfe. Sie sind tot.

„– auch euch, die ihr tot wart durch Übertretungen und Sünden, in denen ihr einst gelebt habt nach dem Lauf dieser Welt, gemäß dem Fürsten, der in der Luft herrscht, dem Geist, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirkt; unter ihnen führten auch wir alle einst unser Leben in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten; und wir waren von Natur Kinder des Zorns, wie auch die anderen.“ (Epheser 2,1-3)


Das Evangelium ist eine verbale, gesprochene Botschaft

Das Evangelium ist eine gesprochene Botschaft – das bedeutet, es wird in verbaler oder schriftlicher Form kommuniziert. Das Evangelium wird nicht kommuniziert durch interpretative Tänze, zufällige Handlungen von Freundlichkeit oder Pantomime.

„Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne einen Verkündiger? Wie sollen sie aber verkündigen, wenn sie nicht ausgesandt werden? Wie geschrieben steht: 'Wie lieblich sind die Füße derer, die Frieden verkündigen, die Gutes verkündigen!' Aber nicht alle haben dem Evangelium gehorcht; denn Jesaja spricht: 'Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt?' Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber aus Gottes Wort.“ (Römer 10,14-17)

Jeden Tag sterben 160.000 Menschen, und die allermeisten davon wird das Gericht Gottes treffen (Matthäus 7,13-14). Bei diesen Tatsachen abzuwarten, bis die verlorenen Menschen irgendetwas Besonderes an uns sehen und uns fragen, was mit uns anders ist, ist verdorbene Gleichgültigkeit. Uns wird von Gottes Wort befohlen zu gehen (Matthäus 28,18-20) und das Evangelium so vielen Leuten zu predigen wie wir nur können (Markus 16,15), wann immer wir können, und so oft wir können (Apostelgeschichte 1,8). Die Zeit ist viel zu kurz um auf etwas zu warten, was niemals eintreffen wird – dass eines Tages geistlich tote und blinde Menschen in uns Christen Jesus sehen werden; in uns Gläubigen, die immer noch von sündhaften menschlichen Fleisch umkleidet sind.

Es ist regelrecht arrogant, selbstgerecht und selbstzentriert für einen Christen zu denken, er oder sie schaue regelrecht aus wie Jesus. Jesus war und ist Gott (Johannes 8,58; Johannes 10,30; Philipper 2,6-11; Hebräer 2,5-18). Der Christ ist es nicht. Jesus war und ist ohne Sünde (2. Korinther 5,21). Der Christ ist es nicht. Jesus war und ist vollkommen (Hebräer 1,3). Der Christ wird jenseits vom Himmel niemals vollkommen sein. Und weil nicht-wiedergeborene Menschen Jesus hassen wird der geistlich Blinde und Tote immer nur das in dir sehen, was ihnen am meisten zusagt (Römer 1,28-32; 2. Timotheus 3,1-5): Deine Sünde. Um ihren eigenen Unglauben zu rechtfertigen versuchen Menschen deine Sünden in deinen schwachen Momenten zu entdecken (Lukas 10,29; Lukas 16,15).


Freundschafts-Evangelisation macht die Freundschaft wichtiger als Evangelisation

Auf die Weise wie Christen „Freundschafts-Evangelisation“ praktizieren folgt als tragisches Resultat, dass Freundschaften wichtiger werden als die Seelen der Freunde. Christen wurden fälschlich davon überzeugt, dass sie Zeit benötigen (oftmals sehr viel Zeit), um Beziehungen mit anderen Menschen aufzubauen, damit ihnen die verlorene Person eines Tages die Erlaubnis erteilt – der Christ muss sich „das Recht verdienen“ –, das Evangelium mit ihm zu teilen. Also investiert der Christ Zeit, Energie und seine Ressourcen und versucht mühsam, liebevolle und helfende Beziehungen zu den Menschen um sich herum aufzubauen. Ist es falsch, das zu tun? Nein. Aber nur allzu oft ist das tragische Resultat dieser Praxis: Auch wenn der Christ dann die Möglichkeit hat, das Evangelium weiterzugeben, tut er es nicht. Warum? Der Christ will nunmehr nicht gefährden, die so mühsam aufgebaute Beziehung wieder zu stören und zu gefährden. Und wir sehen erneut: Die Freundschaft wurde wichtiger als die Seele des Freundes.

Wenn wir das näher betrachten ist es eigentlich ein wirklich selbstsüchtiges Verhalten. Glaubt der Christ, dass er derart bedeutsam sei, dass der verlorene Freund nicht ohne ihn leben könnte? Oder ist es so, dass der Christ selber so viel Freude aus der Beziehung zieht, aus dem, was der verlorene Freund ihm bedeutet, so dass er diese für ihn „gute Sache“ nicht ruinieren will?

Jesus sagte: „Größere Liebe hat keiner als der, der sein leben lässt für seine Freunde.“ (Johannes 15,13) Wenn Christen ihre verlorenen Freunde wirklich lieben, werden sie alles aufgeben, sogar ihr eigenes Leben und ganz sicher ihre Beziehungen, auf dass der verlorene Freund ewiges Leben habe. Oder möchten Christen wirklich lieber dieses Leben mit ihren Freuden verbringen, mehr als dass sie ihren Freunden wünschen mit Jesus zu sein und ewiges Leben zu empfangen?


Keine geht in die Hölle weil du nicht sein Freund gewesen bist

Meine Freundin schrieb:

„Ein Teil von mir weiß, dass der Verlust dieser Freundschaften mir nicht allzu viel bedeuten sollte. Ich bin eher darum besorgt, dass ich die Tür offen halten will, sie könnten ja… sie könnten… vielleicht eines Tages zur Buße kommen. Ich möchte die Tür offen halten.“

Kein Christ kann eine Tür schließen, die Gott offen haben will. Kein Christ kann eine Tür öffnen, die Gott schließen will (Offenbarung 3,8). Gott ist souverän (Apostelgeschichte 4,24), und er braucht unsere Hilfe nicht. Gott braucht von Menschen nichts (Psalm 50,7-15). Allein das Evangelium ist Gottes Kraft zur Errettung (Römer 1,16). In seiner Gnade entschied sich Gott, dass wir als seine Kinder diese lebensrettende Botschaft einer verlorenen und sterbenden Welt kommunizieren sollen. Keiner gelangt in den Himmel, weil wir uns mit ihm befreundeten, und keiner kommt in die Hölle, weil wir keine Beziehung zu ihm aufbauten.


Fazit

Lass mich abschließend betonen, dass Christen liebevolle (1. Petrus 4,8), barmherzige (Sacharja 7,9), freundliche (Galater 5,23) und freigiebige (Sprüche 21,21) Leute sein sollen. Wir sollen die Wahrheit in Liebe sprechen (Epheser 4,15). Evangelisation ist kein Spiel und kein Hobby. Es ist kein Sport. Es ist etwas, was Gott jedem Nachfolger Christi befohlen hat zu tun. Evangelisation ist ein Lebensstil – und dabei ist nicht die Weise, wir unser Leben leben, Evangelisation, sondern die verbale Proklamation des Evangeliums soll jeden Aspekt unseres Lebens durchdringen und alle unsere Beziehungen maßgeblich gestalten.

Meine Freundin hat all das verstanden. Sie weiß, was sie zu tun hat. Sie hat vieles davon gegen Ende ihres Briefes selbst erkannt. Ich hoffe ich habe ihre Fragen beantwortet, und vielleicht auch einige von dir.

albi
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Re: Kritik an der sog. "Freundschafts-Evangelisation"

Beitragvon albi » 09.09.2017 17:27

Zwei weitere gute Texte dazu, die ich nicht übersetzt habe:
https://carm.org/what-is-friendship-evangelism

Und eine richtige Auslegung von 1. Petrus 3,15b im Nah- und Fernkontext des Textes. Dieser Vers wird leider immer wieder missbraucht, um Freundschafts-Evangelisation zu rechtfertigen ("Wir leben ein gutes Zeugnis und warten, bis sie etwas Besonderes an uns sehen und uns nach der Hoffnung, die in uns ist, fragen"; das ist nur nicht das, was der Zusammenhang in 1. Petrus sagt):
https://carm.org/friendship-evangelism-1-Peter-3-15

Zu 1. Petrus 3,15b kann man ergänzen:
Die Ungläubigen dort fordern "Rechenschaft". Rechenschaft wird aber im ganzen NT nur im negativen Sinne gebraucht, meist im Zusammenhang mit dem Gericht Gottes:

Mt 12,36 Ich sage euch aber, dass die Menschen am Tag des Gerichts Rechenschaft geben müssen von jedem unnützen Wort, das sie geredet haben.

Lk 16,2 Und er rief ihn zu sich und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Lege Rechenschaft ab von deiner Verwaltung; denn du kannst künftig nicht mehr Haushalter sein!

Röm 14,12 So wird also jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben.

Hebr 4,13 Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben.

Hebr 13,17 Gehorcht euren Führern und fügt euch ihnen; denn sie wachen über eure Seelen als solche, die einmal Rechenschaft ablegen werden, damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das wäre nicht gut für euch!

1Petr 3,15 sondern heiligt vielmehr Gott, den Herrn, in euren Herzen! Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, [und zwar] mit Sanftmut und Ehrerbietung;

1Petr 4,5 sie werden aber dem Rechenschaft geben müssen, der bereit ist, die Lebendigen und die Toten zu richten.


In allen Stellen wird "Rechenschaft" im Sinne von sich rechtfertigen vor Gericht oder vor Anklage gebraucht. Vor allem müssen wir Gott Rechenschaft geben. Deswegen kann ich die Auslegung nicht teilen: Die geforderte Rechenschaft der Ungläubigen in 1. Petrus 3,15b bedeute, dass sie aufgrund des "guten Wandels" aufrichtiges Interesse am Glauben der Christen haben und nun aufrichtige, ehrliche Fragen stellen. Das widerspricht auch dem gesamten Nahkontext, den Versen zuvor und danch. Dort werden die Christen geschmäht, verfolgt, unterdrückt, beleidigt um ihres Glaubens willen.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dann in 3,15b auf einmal einer dieser Ungläubigen sagt "ah, euer Wandel ist ja so gut, erzählt mir mal mehr über Jesus". Nein, diese Ungläubigen dort haben kein Interesse Christen zu werden, sondern sie FORDERN RECHENSCHAFT!

PeterG
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Re: Kritik an der sog. "Freundschafts-Evangelisation"

Beitragvon PeterG » 13.09.2017 15:48

Mir ist es eine Last, dass so viele Christen über "Beziehungen" und "Freundschaften aufbauen" und "gutes Zeugnis" evangelisieren wollen statt Ungläubigen verbal Christus zu verkünden

Ich denke, genau DA liegt der Fehler. Es ist kein Entweder-Oder. Es ist immer beides zusammen. Wenn ich das Evangelium verkündige, aber mit meinem Leben dem Gesagten völlig widerspreche, werde ich damit keinen erreichen. Wenn ich vorbildlich als Christ leben, aber nicht erkläre, warum, werden die Menschen mich bestaunen, aber nicht Jesus sehen.

Viele Grüße
Peter
Röm 1:16: "Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben."


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