G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

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Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 09.12.2017 17:08

Eine volle Seele zertritt wohl Honigseim, aber einer hungrigen ist alles Bittre süß.
Sprüche 27,7


Es geht im Natürlichen so, dass Entbehrungen erst auf den Wert der Dinge aufmerksam machen, die man außerdem wenig beachtet. Die Gesundheit, ein schmerzloser Zustand, wird von denen nicht hoch angeschlagen, die ihn fortwährend genießen, sondern die schätzen ihn hoch, welche ihn entbehren. Eine satte Seele zertritt wohl Honigseim, aber einer hungrigen Seele ist auch das Bitterste süß, sagt Salomo. Und so findet's sich auch im Gnadenreich. O, wie schätzbar werden Brosamen, die von des Herrn Tisch fallen, solchen Seelen, die sich zu den Hündlein rechnen müssen. Es kann jemand wohl so arm sein, dass er einen Pfennig mit Danksagung empfängt, und so elend, dass schon ein Schimmer der Hoffnung erquickt; Gott will, wir sollen jedes Gnadenbröcklein gar hoch, und uns dessen für ganz unwürdig achten, und dies lernen wir auf ungewöhnlichen Wegen. Er kann uns in den Kot tunken, uns eine Zeit lang allein lassen, dass wir inne werden müssen, was wir sind , können, wissen, haben, und so klein werden, wie ein Wurm. Da lernen wir aus der Tiefe der Not zu Gott schreien.

Ich bin ein armes Würmelein;
Mir ist so wohl, das ich's darf sein,
Und hab's erfahren in der Tat,
Dass man dich so am nächsten hat.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 10.12.2017 17:18

Und es wird eine Rute aufgehen vom Stamme Isai, und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.
Jesaja 11,1


Im Paradiese stand ein Baum, von welchem es hieß: Esset nicht davon, damit ihr nicht sterbt; hier aber steht ein Baum, von dem gesagt wird: Esst, so werdet ihr leben! denn, sagt Jesus, Joh. 6: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brote essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Was muss das für ein Baum, was für ein Brot muss das sein, das dem, der nur etwas davon isst, ewiges Leben gibt! Wer sollte da nicht mit den Juden sagen: Herr, gib uns allewege solches Brot. Das Essen von jenem Baum brachte der ganzen Welt den Tod. Hier ist Arznei dagegen. Willst du gesund werden, dann iss! – Freilich werden die Früchte dieses Baums auch zum Teil herbe und sauer sein. Gewiss werden dir, der du davon issest, die Augen darnach übergehen. Aber siehe! hast du dich nicht gescheut zu sündigen, so scheue dich auch nicht, es zu beweinen. Haft du oft ohne Grund gelacht, so weine auch, wozu du so viel Grund und Ursache hast; und wünsche dir Glück dazu, weil dir von diesem Baum eine Frucht gereicht wird, die dein hartes Herz in Wehmut auflöst, und dir die heilsamen Tränen eines Petrus, und jener berüchtigten Sünderin auspresst. Es wird deiner Seele besser bekommen, als wenn du einer von denen wärst, von welchen Jesus sagt: Wehe euch, die ihr hier lacht, denn ihr werdet weinen und heulen. Ja, niemand kann euch dafür stehen, ob euch nicht von diesem Baum so herbe Früchte gegeben werden, dass ihr an's Zittern davon kommt. Ging's nicht jenem Manne in Philippen, ging es Paulus nicht selbst so, welche zitternd fragten: Was soll ich tun? Hast du nicht gezittert, Gott zu beleidigen, so zittere darnach, dass du ihn beleidigt hast; der Herr möchte dir vielleicht gnädig sein. Ja, zerreißt eure Herzen. Lässt sich ein leiblich Kranker viel bittere Arznei und harte Kuren gefallen, in Hoffnung, seine körperliche Gesundheit wieder zu erlangen, wer wollte dann, in Absicht seiner Seele und seiner ewigen Gesundheit so weichlich sein? – Es werden auch von Zeit zu Zeit so ungemein angenehme und erfrischende Früchte gereicht, dass du, der du mit den herben auch vorlieb nimmst, gestehen wirst, dass kein Genuss diesem gleicht.

Wer nur nach ihm hungrig ist, Unaussprechlich süße Weide,
Und voll Durst nach seiner Freude, Bis es ganz wird satt gemacht,
O, ein solches Herz genießt Wenn's nach seinem Bild erwacht.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 11.12.2017 08:17

Erkennet doch, dass der Herr seine Heiligen wunderbar führt.
Psalm 4,4


Gott geht überhaupt nicht mit allen den nämlichen Weg, und macht sich seine Regeln selbst. Manche geraten zur Zeit ihrer Bekehrung, oder bald nachher, in große Finsternis, Angst und Not. Ihre Sonne geht gleichsam verfinstert auf, und bleibt es lange. Heman sagt: Von Jugend auf sei er im Elend gewesen, und wir finden nicht, dass er je seine Straße habe mit Freuden ziehen können, wie dort der Kämmerer von Stund an. Andere dagegen genießen bald nach ihrer Bekehrung einen ganz ausnehmenden Trost, eine, außerordentliche Freudigkeit, und hernach wohl nie, wenigstens nicht in dem Maße wieder, oder werden darauf von einer Langwierigen und großen Dürre und Trostlosigkeit überfallen. Einige wahre Kinder Gottes erfahren weder von dem Einen, noch von dem Adern etwas sonderliches. Ihr Weg geht längs sanft hinfließenden Wassern – und sie gleichen ihnen selber – Nathanaels – Seelen, ohne Falsch, – Einigen verbirgt sich der Herr, und legt sie in Finsternis und Dunkel, weil und nachdem sie eine Sünde begangen haben, welche – vergleichsweise – nicht einmal sonderlich bedeutend ist, und stäupt sie dafür mit unbarmherziger Staupe, stößt sie weg von sich, als hätte er seine Barmherzigkeit vor großem Zorn verschlossen, und wollte fortan keine Gnade mehr erweisen. Fast, wie Esau, suchen sie vergebens Raum zur Buße mit Tränen. Einige werden nie ausnehmender getröstet, als nach einem, erkannten und bereuenden Fehltritt, wie Petrus, und so gibt's der regellosen Fälle noch weit mehrere, und ihre Zahl kann um so größer sein, da die Tröstungen nicht zum Wesen des Christentums hier auf Erden gehört, sondern nur seinen Wohlstand ausmachen, also da sein und mangeln können.

Wie Gott mich führt, so will ich gehn,
Ohn' alles eigne Wählen;
Geschieht, was er mir ausersehn,
Was kann mir da dann fehlen?

-
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Beitragvon Joschie » 11.12.2017 19:29

Seht zu, lieben Brüder, dass nicht Jemand unter euch ein arges, unläubiges Herz habe.
Hebräer 3,12


Ist das Herz verfinstert, so wird es auch in seinem Dichten eitel, wie Paulus Röm. 1,21 von den Heiden sagt, und so erhebt sich eine ganze Menge verkehrter Urteile über Gott, seine Wege und den eignen Seelenzustand. Statt davon nach dem göttlichen Worte zu urteilen, das uns auch Züchtigungen als Liebeszeichen ansehen, und die Trübsal von einer Seite kennen lehrt, wo sie als höchst vorteilhaft erscheint und Anlass zum Rühmen gibt, – das uns zum Herrn weist, und uns ermuntert, auf den Namen des Herrn zu hoffen, und uns zu verlassen auf unsern Gott, wenn wir im Finstern wandern, – lässt es einer Menge eigener Gedanken Raum, und urteilt nach der Empfindung und nach den Eingebungen der Vernunft, und nicht nach dem untrüglichen Wort, dem wir festlich glauben sollen, und darin den Faden finden, der uns durch die verschlungensten Irrgänge leitet. Ach! Wir sind ohnehin so voll jämmerlichen Misstrauens und Argwohns gegen den so vertrauenswürdigen Gott. Ereignet sich das Geringste, das dieses zu rechtfertigen scheint, so ist des Argdenkens kein Ende. Heißt es nicht: sollte Gott gesagt haben? so heißt es doch: sollte er es halten? Heißt es nicht: kann er's? so heißt es doch: will er's tun? Zweifelt man nicht an andern, so tut man's um so mehr an sich selbst, und es wird uns weit leichter, ihm, aller Versicherung vom Gegenteil ungeachtet, schlimme als gute Gesinnungen gegen uns zuzuschreiben. Das ist ein großer Teil und eine reiche Quelle unseres Elends.

Sollt' es gleich bisweilen scheinen,
Als verließe Gott die Seinen,
Ei, so weiß und glaub' ich dies:
Er hilft endlich doch gewiss.
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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 12.12.2017 08:27

Er erniedrigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz.
Philipper 2,8


Bei diesem Gehorsam ist dreierlei zu bemerken. Er war nämlich freiwillig, unendlich, anrechnungsfähig. Freiwillig, nicht bloß insofern er ihn gern und willig leistete; vielmehr bestand das Freiwillige darin, dass er sich, wenn er gewollt, von dem Verhältnisse, was ihm Gehorsam auferlegte, hätte fern halten und in dem Stand beharren mögen, in welchem er vorher war, nämlich in dem glänzenden Stande eines Gebieters, nicht in dem untergeordneten eines Knechts. Unendlich war dieser Gehorsam. Gott liebte hier Gott mit einer unendlichen Liebe. Gott verherrlichte hier Gott mit einer erschöpfenden Verherrlichung. Ein König ehrte den König königlich, denn hier ist Immanuel. Und hieraus fließt die erfreuliche Eigenschaft der Zurechnungsfähigkeit dieses Gehorsams. Auch dieses Stück des Evangeliums ist, wie Paulus vom Ganzen sagt, nie in eines Menschen Herz gekommen, und wenn es ihm vorgehalten wird, dünkt's ihm Torheit oder ist ihm ein Ärgernis; doch aber wollte dieser große Heilige keine andere, als diese zugerechnete Gerechtigkeit haben, achtete alles Andere dagegen sogar für Schaden und Kot. Wozu anders sollte dieser Knecht Gehorsam, den er für sich selbst nicht bedurfte, geleistet haben, als in der Absicht, dass er anderen zugerechnet würde? Nun bedenke man aber, mit was für einem Prachtgewand derjenige geschmückt wird, den der Herr mit diesem Rock der Gerechtigkeit bekleidet, die eine Gottes Gerechtigkeit ist.

Er ist da, des Vaters Willen
Im Gehorsam zu vollbringen,
Er will durch sein eigen Blut
Alles wieder machen gut.
Und durch schmerzlich's Todesringen,
Was verloren, wiederbringen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 14.12.2017 10:50

Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtigt, auf dass wir nicht samt der Welt verdammt werden.
1. Korinther 1,32


Irdische Väter züchtigen ihre Kinder, indem sie deren Leiber hauen, der Vater der Geister aber züchtigt den inwendigen Menschen. Und das gibt Schmerz. Doch, indem er also schlägt mit unbarmherziger Züchtigung, zeigt er dabei keineswegs, dass dies ein ewiger Zorn sei, sondern bloß eine göttliche Ungnade, ein Verbergen des Angesichts in einem Augenblick des Zorns, wogegen er sich mit ewiger Gnade erbarmen will. Jes. 54,8. Jedoch kann der heilige Geist fortfahren, die Seele sogar mit dem ewigen Zorn zu bedrohen, besonders wenn sie den Herrn mit Sünden und einem leichtsinnigen Wandel beleidigt, und noch wohl gar trotzig und unlenkbar dabei geworden ist, und sich nicht sagen lässt. Damit sie nicht auf diesem Wege fortgehe, sucht der Hirt sie mit dein Stab Wehe heim, und insinuiert ihr Drohungen, wie die sind: So ihr nach dem Fleische lebt, werdet ihr sterben müssen, so ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Dahin gehören auch die warnenden Exempel derer, welche um ihrer beharrlichen Sünden willen von Gott verworfen wurden das ganze jüdische Volk Esau in ihrem Maße sogar Miriam, Moses, Aaron wie der Apostel die Hebräer und Korinther, obschon sie Gläubige waren, darauf verweist. Wenn aber die Seele in ihrer Angst denkt: also wird dir's auch gehen, so ist das nicht gründlich geurteilt, und muss nicht dem Urteil Gottes entsprechen.

Ach, schone doch, du großer Menschenhüter,
Ach, strafe nicht, barmherziger Gebieter!
Ach, rechne nicht, wer kann vor dir besteht!
Ach, zürne nicht, ich will doch zu dir gehn.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 16.12.2017 16:26

Wo ist der neugeborne König der Juden?
Matthäus 2,2

O glückselige Seelen, die Jesus suchen!O dreimal glückselige Seelen, die Jesus finden! Ehrt und braucht alle Mittel der Gnade; hört, lest, betrachtet, erwägt das Wort Gottes; aber bleibt dabei nicht stehen, sondern betrachtet es als einen Stern, der uns zu Jesu weist, und ruht mit den Weisen nicht eher, bis ihr Jesus selber gefunden habt, diesen Schatz, der im Acker des Worts verborgen ist. Übt euch mit allem Fleiß in allen guten Dingen, aber haltet doch die Reise nicht für Christus selbst, wie die Weisen nicht nur bis nach Jerusalem und Bethlehem, sondern bis in's Haus gingen, wo sie nicht bloß Maria, sondern auch das Kindlein fanden, und nun erst ruhten und durch einen anderen Weg heimzogen. Der Weg aber ist Christus. Lernt, aber lernt von ihm: wirkt, aber solche Speise, die euch der Sohn Gottes darreichen wird; seid stark, seid fröhlich, aber in dem Herrn! Achtet sie hoch und wert alle Erquickungen, die euch zu Teil werden, die Trostsprüche, die euch einfallen, die Versicherungen, die ihr empfangt, die Aufmunterungen, die euch werden, – aber dringt weiter, dass ihr in Christus erfunden werdet. Alle Welt sei stille vor dem Herrn, und bete ihn an. Huldigt ihm, indem ihr ihm euer Herz gebt, und lasst euren Augen seine Wege wohl gefallen. Empfangt ihn und lasst euer Herz das Haus sein, worin er wohne. Er nehme Besitz von uns, und mache sich alles in uns untertänig, damit wir ewiglich vor ihm anbeten.

Wo ist Jesus, mein Verlangen,
Mein Geliebter und mein Freund?
Ach, wo ist er hingegangen?
Wo mag er zu finden sein?
Ach! auf deiner Liebe Flügel
Flöge meine Seele gern
Über alle Erdenhügel,
Zu dir, ew'ger Morgenstern!
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 17.12.2017 17:01

Und sie wird einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird sein Volk retten von seinen Sünden.
Matthäus 1,21


Sehr übel lauten unsere Namen, und weil das wahrhaftige Wort sie uns gibt, so können wir uns derselben nicht weigern, ohne den wahrhaftigen Gott zum Lügner zu machen, welches eine entsetzliche Lüge wäre. Aber ach! was gehört dazu, ehe es dahin kommt. Wie lange pflegt man manchmal alle Versuche zu machen, um zu bewirken, dass man den Namen eines Frommen verdiene, und welchen Kummer und Not verursacht's, wenn dies alles misslingt. Man will sich von seiner Sünde los beten, los ängstigen und kämpfen. Und solche Versuche sind auch um so nützlicher, je ernstlicher sie sind, denn über denselben lernt der Mensch desto gründlicher an sich verzagen, desto gründlicher sein Heil bei Christus allein suchen, und mit desto größerem Erstaunen an den glauben, der die Gottlosen gerecht spricht. Allein gewiss ist es: will man den Namen Jesus verstehen lernen, es geschieht auf keine andere Weise, als dass man zuvor seinen eigenen Namen: Sünder, wohl einsehe. Je völliger wir den gelten lassen, desto mehr wird auch der Name Jesus bei uns gelten, der nur Sünder selig macht.

O Name, werde doch in mir
Durch Gottes Geist verkläret,
Da, was verborgen ist in dir,
Kein fleischlich Herz erfähret;
Denn die Vernunft begreift es nicht,
Ohn' deines Geistes Gnadenlicht
Bleibt es unaufgeschlossen.
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Beitragvon Joschie » 19.12.2017 08:31

Da die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Gesetz getan, auf dass er die, so unter dem Gesetz waren, erlöst, dass wir die Kindschaft empfingen.
Galater 4,4.5


Christus ist insofern des Gesetzes Ende, als er's bewirkt hat, dass Niemand durch die Erfüllung desselben die Gerechtigkeit zu suchen braucht, welches auch eine reine Unmöglichkeit ist. Die Gerechtigkeit vor Gott kann und soll man auf einem ganz andern Wege finden. Dieses aber hat Christus dadurch zuwege gebracht, dass er alle Forderungen desselben vollkommen erfüllte, wozu kein Mensch fähig war, weil die Sünde es ihm unmöglich machte. Röm. 8,3. Christus hat alle Forderungen des Gesetzes vollkommen erfüllt, nicht für sich selbst, sondern für uns. Für sich selbst hatte er's nicht nötig, ja war vor seiner Menschwerdung, als eine göttliche Person, gar nicht in der Lage des Gehorsams, sondern des Gebietens; er konnte auch für sich keinen Vorteil von seinem Gehorsam haben, weil er ohne ihn alles besitzt. Weil aber das Gesetz erfüllt werden musste, wenn wir sollten begnadigt werden können, so ward der Sohn Gottes, der im Anfange bei Gott und Gott war, ein Mensch. Er ließ sich auch, nach Gal. 4, unter das Gesetz tun, und nahm bei seiner Beschneidung, und nachgehende bei seiner Taufe, die Erfüllung des ganzen Gesetzes auf sich, wie er auch zu Johannes sagte: Uns gebührt es, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Dadurch ward unsere Schuld auf einmal und vollkommen, ja überflüssig bezahlt, denn das Gesetz forderte nur einen menschlichen, Christus leistete aber einen göttlichen Gehorsam, und erwarb uns armen Sündern dadurch eine göttliche Gerechtigkeit, die weit herrlicher ist, als diejenige war, die Adam im Stande der Unschuld, ja die heiligen Engel selbst besitzen. Also hat man sich nicht erst durch des Gesetzes Werke die Gerechtigkeit zu erwerben, wie die Juden tun wollten, die Paulus eines Bessern zu belehren suchte, sondern sie ist schon längst erworben. Also hat Christus freilich insofern das Gesetz aufgehoben, als Niemand durch dasselbe seine Gerechtigkeit, womit er vor Gott bestehen kann, auf dem Wege zu suchen braucht, den es vorschreibt, den wir ohnehin nicht betreten können, da die Sünde uns gelähmt hat, und nicht dürfen, wenn wir dem Hohenpriestertum und Opfer Christi nicht zu nahe treten, und das Blut des Bundes unrein achten wollen.

Moses hat nun ausregieret. Wer gehört in Gottes Haus,
Christi freier Geist uns führet, Kann durch unsers Heilands Büßen
Die Gefangenschaft ist aus. Freier Kindschaft nun genießen.
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Beitragvon Joschie » 20.12.2017 18:50

Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, da er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet.
2. Korinther 8,9


Ihr hört die apostolischen Worte: Jesus ist reich. Sein Reichtum ist unaussprechlich. Er ist reich über alle, die ihn anrufen. Aber er wurde arm, so arm, dass er nicht hatte, wo er sein Haupt hinlegte; so arm, dass er über keinen Trunk Wasser zu verfügen hatte, da er doch das Paradies verschenken konnte, auch am Geiste so arm, dass er kein Tröpflein von den himmlischen Süßigkeiten genoss, sondern voll Trauerns war bis in den Tod. Und was bewog ihn dazu, freiwillig so arm zu werden? Nichts als seine Gnade gegen uns, damit wir reich würden, reich an den kostbarsten Gütern, reich an ewigen, an wahrhaftigen, an unvergänglichen Gütern, welche über alle Zufälle und Glückswechsel dieser Erde erhaben, mit durch Grab und Tod gehen, wenn alles andere zurückbleibt. Was dies für Güter seien, will ich jetzt nicht näher angeben; das wollen wir nur bemerken, dass wir sie der Armut Jesu verdanken, wie seinem Tod das Leben, seiner Angst den Frieden, seiner Traurigkeit das Loben; das wollen wir nun bemerken, dass diese Güter erlangbar sind; denn, wer da will, der komme und trinke von dem Wasser, das ich ihm geben werde! das wollen wir nur bemerken, dass wir ganz arm sind an allem, was zum Leben und göttlichen Wandel dient, dass aber Jesus der einzige und genügsame Reiche ist, der uns beschenken kann. Werdet demütig genug, euch für blutarm zu halten, und euch alles schenken zu lassen, geistliche Kleider und Schuhe, damit ihr reich werdet und keinen Mangel habt an irgend einer Gabe.

Er ist auf Erden kommen arm,
Dass er unser sich erbarm',
Uns in dem Himmel mache reich,
Und seinen lieben Engeln gleich,
Halleluja!
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Beitragvon Joschie » 21.12.2017 12:19

Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
Johannes 3.16


Wer versteht dieses: Also ? Der wäre im Himmel. Wer ist der Geber, welches ist die Gabe, wer ist der Empfänger, was ist der Zweck, was ist die Ursache? O, des gottlosen Teufels, der uns dies, verdeckt! O, des gottlosen Unglaubens, der uns wehrt! O, der abscheulichen Eigenliebe, die sich selbst vergöttert! Also, also preist und rühmt Gott seine Güte, seine Liebe gegen uns. Und wir? haben wir geglaubt und erkannt die Liebe, die Gott zu uns hat? Sie treibt alle Furcht aus. Tut sie das bei dir? – Wollen wir die Größe der Liebe weiter beschauen ist es nicht, als wollten wir in die Mittagssonne hineinschauen? Seht den ewigen Sohn Gottes, welcher ist Gott hochgelobt in Ewigkeit, seht ihn im Stall und in der Krippe zu Bethlehem, seht ihn in der Werkstatt zu Nazareth, seht ihn im Staube mit dem Tode ringend in Gethsemane, seht ihn unter der Geißel, seht ihn mit Dornen gekrönt, ja seht ihn als einen wirklich Verfluchten, tot am Kreuze. Denkt euch dabei: für uns dabei: es ist Gott, dieser Mensch dabei: dies Alles hat er uns getan, sein' große Lieb' zu zeigen an müsst ihr nicht bekennen: die Liebe Christi übersteigt allen Verstand. Bedenken und erwägen wir die großen Wohltaten, die wir dieser Liebe verdanken, die unermesslichen Übel, wovon sie uns erlöst, erwäge ich, dass ich dadurch gerecht und zwar so gerecht worden bin, als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt, und selbst alle den Gehorsam vollbracht, den Christus für mich geleistet – erwäge ich, dass aus dieser blutigen Quelle meine Heiligung, dass das ewige Leben daraus herfließt: so merke ich, wie viel Ursache vorhanden sei, die Güte Gottes groß zu nennen.

Dies ist der Mittelpunkt von Gottes Wegen,
Der Tiefen Schlüssel und des Wortes Kern,
Hier träuft ein angenehmer Gnadenregen,
Hier gehet auf ein heller Morgenstern.
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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 22.12.2017 12:04

Nachdem nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ist er es gleichermaßen teilhaftig geworden.
Hebräer 2,14


Gott ist worden als unser Einer, damit wir würden als einer aus der Gottheit. Zählen wir nun die Menschen, siehe, so treffen wir unter ihnen Einen, welcher zugleich in der Höhe Gott der Herr ist. – O! Wunder ohne Gleichen. O! anbetungswürdiges, O! segenreiches Wunder, Wurzel alles Heils. Wodurch wurde Gott ein Mensch? Dadurch, dass er unsere wirkliche menschliche Natur aus der gesegneten Jungfrau Maria an sich nahm, wie durch den Propheten Jesajas war vorher verkündigt worden: Siehe! eine Jungfrau ist schwanger, und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel. Diese unsere menschliche Natur hat er noch in diesem Augenblick, da wir von ihm reden, wiewohl verklärt, an sich. Hienieden war er uns nur in zwei Stücken ungleich. Er hatte nämlich keinen menschlichen Vater, und keine Sünde, wie wir. Sonst wurde er, wie wir auch, müde, hungrig, durstig, schläfrig, traurig, fröhlich, und man sah ihm nichts an, was ihn von anderen Menschen unterschieden hätte, wiewohl er Gott war, über alles gelobt in Ewigkeit! Und erleuchtete Augen seiner Herrlichkeit sahen eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Wozu ward er Mensch? Zu was für einen hohen und erhabenen Zweck geschah dies über alle Begriffe erhabene Wunder? Wie? Der Ewige fängt an,seine Existenz nach Jahren zu rechnen. Der Unermessliche wird in ein Maß eingeschränkt. Der Gott der Geister wird mit Händen betastet, mit Augen gesehen. Derjenige, welcher die Freude selbst und ihr Brunnquell ist, weint. Das ewige Leben stirbt. Welche Wunder, und zu welchem Zweck? Der muss ja groß und herrlich sein. Das ist er auch. Wir erwähnen nur eines vierfachen Zwecks. Durch dies Wunder über alle Wunder bekamen wir ein neues Haupt, einen Bürgen, einen Versöhner und einen Schatz.

O Jesu Christ, Sohn eingeborn
Deines himmlischen Vaters,
Versöhner derer, die war'n verlor'n,
Du Stiller unsers Haders.
Lamm Gottes, heil'ger Herr und Gott!
Nimm an die Bitt' in unsrer Not,
Erbarm dich unser aller.
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Beitragvon Joschie » 03.01.2018 17:19

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, dass er sein Volk angesehen und ihm Erlösung geschaffen hat.
Lukas 1,68


Er hat erlöst. Diese Zuverlässigkeit ist des Glaubens Art; daher sagt auch Johannes nicht: Der Glaube ist der Sieg, der die Welt überwinden wird, sondern der sie, überwunden hat. Und Paulus sagt zu den Gläubigen nicht: Ihr werdet selig werden, sondern ihr seid selig geworden. Ja, sogar nicht: Ihr werdet auferstehen, ihr wertet in's himmlische Wesen versetzt werden, sondern: Ihr seid auferstanden, ihr seid in's himmlische Wesen versetzt worden. Freilich kann sich der schwache Glaube in eine solche Zuversichtlichkeit nicht wohl schicken, sie nicht fassen, und er betrachtet das Heil seiner Seele mehr, wie ein solches, das noch auszuwirken sei, als wie ein schon Vollendetes. Er kann bekümmert fragen: Wie komme ich durch? Wie überwinde ich das? Aber der völlige Glaube sagt: In dem Allen überwinden wir weit. O, seliger Blick, wo der Glaube sich des Siegs schon im Voraus freuen, und wie Josaphat mit Loben und Danken in den Streit ziehen kann, und das kann er dann, wenn er nicht auf sich selbst, sondern auf den Herrn sehen kann. Doch, wie bestimmt sich auch der fromme Priester in Absicht der Erlösung ausspricht, so ist doch seine Art zu reden, nach der Beschaffenheit der Sprache, welche Lukas braucht, unbestimmt; das heißt, es kann sowohl so gegeben werden: Er hat erlöst, als auch, Er erlöste, erlöse und wird erlösen. Denn, ist gleich die Erlösung an sich vollkommen, so geschieht doch die Zueignung, die Ausführung und Mitteilung derselben staffelweise, wie auch Paulus sagt: Er hat uns erlöst, erlöst uns täglich, und so hoffen wir, dass er uns auch künftig erlösen wird. Und so bedürfen
wir's ja auch.

Gott sei gelobt, wir sind versühnt
Durch unsers Mittlers Dulden;
Der Tod ist hin, den wir verdient
Mit unsern schweren Schulden,
Getrost hinzu zur ew'gen Ruh'!
Gott ist voll Gnad' und Hulden
Durch unsers Mittlers Dulden.
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