Lesung aus Arthur W. Pink "Der Heilige Geist"

Empfehlungen, Kritik oder Rezensionen von christlichen Büchern und Medien

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Joschie
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Lesung aus Arthur W. Pink "Der Heilige Geist"11.Der Geist macht lebendig

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11.Der Geist macht lebendig


Das Wort und die Wahrheit Gottes, das wichtigste aller Gnadenmittel, ist nicht ein Mittel zur Wiedergeburt im Sinne eines separaten Eingriffs, abgekoppelt von Schulderkenntnis, Bekehrung und Heiligung. Das ist offensichtlich, wenn wir bedenken, dass es die Aufgabe eines Mittels oder Werkzeugs ist, ein bereits bestehendes Lebensprinzip anzuspornen und hervorzulocken. Physische Nahrung ist ein Mittel zum physischen Wachstum, aber sie setzt physische Lebendigkeit voraus. Wenn der Leib tot ist, kann Brot kein Mittel oder Werkzeug sein. Intellektuelles Wissen ist ein Mittel zu intellektuellem Wachstum, aber es setzt intellektuelle Lebendigkeit voraus. Wenn der Verstand dumm ist, kann säkulares Wissen kein Mittel oder Werkzeug sein. Geistliche Wahrheit ist ein Mittel zu geistlichem Wachstum, aber sie setzt geistliche Lebendigkeit voraus. Wenn der Geist tot in Übertretungen und Sünden ist, kann geistliche Wahrheit kein Mittel oder Werkzeug sein.
Das unerleuchtete Verständnis ist unfähig zu begreifen, und der unerneuerte Wille ist unfähig zu glauben. Diesen beiden wesentlichen Funktionen fehlt die Lebenskraft. Was an diesem Punkt fehlt, ist das Leben und die Kraft selbst. Folglich muss der Urheber geistlichen Lebens selbst in direkter Weise tätig werden – ohne den Einsatz von Mitteln oder Werkzeugen und zunächst einmal, ex nihilo, geistliches Leben und Kraft schenken, sich aus den Toten zu erheben. Das neue Leben wird nicht deshalb gegeben, weil der Mensch die Wahrheit sieht, sondern er sieht die Wahrheit, weil ihm neues Leben gegeben wurde. Ein Mensch ist nicht wiedergeboren, weil er zuerst an Christus geglaubt hat, sondern er glaubt an Christus, weil er wiedergeboren ist“ (W. T. Shedd, Presbyterian, 1889)
.

Unter dem Vorwand, das geschriebene Wort Gottes zu ehren, haben viele (zweifellos unwissentlich) den Heiligen Geist verunehrt. In „orthodoxen“ Kreisen scheint sich heute die Vorstellung durchgesetzt zu haben, dass es für die Bekehrung von Seelen lediglich erforderlich sei, das Wort in seiner Reinheit zu verkündigen, weil Gott sich verpflichtet habe, dasselbe zu segnen. Wie oft habe ich den Satz gehört: „Dem Wort Gottes wird es gelingen.“ Viele sind der Ansicht, die Heilige Schrift als solche sei völlig ausreichend, denen, die in Finsternis sind, Licht, und denen, die tot in Sünden sind, Leben zu vermitteln. Aber der Bericht, den wir vom Leben Christi haben, sollte diese Sichtweise umgehend korrigieren: Wer predigte das Wort so treu wie Er, und doch, wie wenige wurden in den dreieinhalb Jahren Seines irdischen Dienstes gerettet!

Das Gleichnis vom Sämann deckt die Fehlerhaftigkeit der Theorie auf, die heute so verbreitet ist. Die ausgestreute Saat ist das Wort. Es wurde auf unterschiedliche Böden verteilt, doch ungeachtet der Reinheit und Lebendigkeit des Samens, geschah dort, wo der Boden ungeeignet war, kein Wachstum. Bis der Boden gut gemacht wurde, konnte der Same nicht wachsen. Dieser Same kann durch reichliche Schauer gewässert und von der Sonne kraftvoll gewärmt werden, doch solange die Erde schlecht ist, kann es keine Ernte geben. Der Boden muss verändert werden, bevor er fruchtbar sein kann. Es ist auch nicht der Same, der den Boden verändert: Welcher Bauer würde je darauf kommen zu sagen: Der Same wird die Erde verändern! An diesem Punkt dürfen wir nichts durcheinanderbringen: Der Heilige Geist muss zuerst die tote Seele zu neuem Leben erwecken, bevor das Wort Einlass findet.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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Joschie
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11.Der Geist macht lebendig
Wer sagt, daß die Seele Leben empfängt, wenn der Geist das Wort zur Anwendung bringt, und gleichzeitig argumentiert, daß das Prinzip des Lebens dem Wort Wirksamkeit verleiht, der dreht sich argumentativ im Kreis. Das Wort kann keiner Seele von geistlichem Nutzen sein, solange es nicht „mit dem Glauben vereinigt“ ist (Hebr. 4,2, Menge); Glaube wiederum kann nicht ausgeübt werden, es sei denn, er geht aus einem innewohnenden Prinzip des Lebens und der Gnade hervor. Daher kann dieses Prinzip des Lebens nicht erst durch den Glauben geschaffen werden.
„Zu sagen, daß die bloße, objektive Darreichung des Wortes das Werkzeug sei, wodurch Gott das inwendige Prinzip erzeugt, das uns in die Lage versetzt, das Wort anzunehmen, wäre das gleiche wie zu behaupten, daß die Darreichung eines Bildes an einen Blinden ihn sehend machen könne“ (Thos. Ridgley, Presbyterian, 1730-dieses Zitat soll zeigen, daß ich hier keine neue Lehre einführe).
Doch ungeachtet der angeführten Argumente werden wahrscheinlich noch immer viele auf der lebendigmachenden Kraft, die dem Wort selbst innewohnt, beharren und uns daran erinnern, daß in dem Wort schließlich die Stimme des Allmächtigen redet. Das will ich gern gelten lassen; aber ist es nicht so, daß alle unerneuerten Menschen sich widersetzen und sich weigern, auf diese Stimme zu hören? Wie nun soll dieser Widerstand beseitigt werden? Ich will das veranschaulichen: Nehmen wir an, das Fenster meines Zimmers wird von einer Eisenwand verdunkelt. Die Sonnenstrahlen treffen darauf, doch die Wand bleibt. Wäre sie aus Eis, so würde sie schmelzen, aber es liegt in der Natur des Eisens, daß es unter Hitzeeinfluß härtet, nicht aufweicht. Wie nun soll die Sonne in mein Zimmer kommen? Nur indem die Wand entfernt wird: Eine direkte Kraft muß zu ihrer Zerstörung eingesetzt werden. In gleicher Weise muß die tödliche Feindschaft des Sünders durch ein unmittelbares, Leben vermittelndes Eingreifen des Geistes entfernt werden, bevor das Wort Einlaß findet und ihn anrührt.

Doch ungeachtet der angeführten Argumente werden wahrscheinlich noch immer viele auf der lebendigmachenden Kraft, die dem Wort selbst innewohnt, beharren und uns daran erinnern, daß in dem Wort schließlich die Stimme des Allmächtigen redet. Das will ich gern gelten lassen; aber ist es nicht so, daß alle unerneuerten Menschen sich widersetzen und sich weigern, auf diese Stimme zu hören? Wie nun soll dieser Widerstand beseitigt werden? Ich will das veranschaulichen: Nehmen wir an, das Fenster meines Zimmers wird von einer Eisenwand verdunkelt. Die Sonnenstrahlen treffen darauf, doch die Wand bleibt. Wäre sie aus Eis, so würde sie schmelzen, aber es liegt in der Natur des Eisens, daß es unter Hitzeeinfluß härtet, nicht aufweicht. Wie nun soll die Sonne in mein Zimmer kommen? Nur indem die Wand entfernt wird: Eine direkte Kraft muß zu ihrer Zerstörung eingesetzt werden. In gleicher Weise muß die tödliche Feindschaft des Sünders durch ein unmittelbares, Leben vermittelndes Eingreifen des Geistes entfernt werden, bevor das Wort Einlaß findet und ihn anrührt.

„Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein“ (Mt. 6,22-3). Mit „Auge“ ist hier nicht nur der Verstand gemeint, sondern die Veranlagung des Herzens (vgl. Mk. 7,22-3). Hier sagt Christus, worin die Blindheit des Menschen besteht, nämlich in der bösen Veranlagung seines Herzens, und daß es nur einen Weg gibt, die Finsternis zu entfernen und das Licht einzulassen, nämlich das Herz zu verändern. Ein „böses Auge“ wird ebenso wenig allein dadurch geheilt und von seiner Finsternis befreit, daß man Licht darauf scheinen läßt, wie die Strahlen der Sonne jemandem, dessen Sehvermögen tot ist, das Augenlicht geben können. Das Auge muß geheilt, „lauter“ gemacht werden, und dann ist es in der Lage, das Licht wahrzunehmen.
Es steht geschrieben, der Herr tat Lydia das Herz auf, so daß sie darauf achthatte, was von Paulus geredet wurde (Apg. 16,14). Es wäre ein Widerspruch und sehr absurd zu sagen, daß das von Paulus gesprochene Wort Gottes es war, wodurch ihr Herz geöffnet wurde; denn sie wußte nicht, was er sprach, bis ihr Herz geöffnet wurde, um auf seine Worte achtzuhaben und sie zu verstehen. Ihr Herz wurde zuerst geöffnet, damit seine Worte überhaupt Wirkung haben und Licht geben konnten. Und das mußte durch ein unmittelbares Handeln des Geistes Gottes an Lydias Herzen geschehen. Dies war die Neugeburt, von der wir hier sprechen, durch welche ihr Herz erneuert und, wie das lautere Auge, zum Verständnis der Wahrheit zugerüstet wurde“ (Sam. Hopkins, 1792).
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11.Der Geist macht lebendig

Die Seele wird also durch den direkten, übernatürlichen Eingriff des Geistes zu neuem Leben erweckt, ohne daß irgendein Mittel oder Werkzeug zum Einsatz kommt. Es geschieht nicht durch das Licht des Wortes Gottes, denn erst die Mitteilung des Lebens versetzt das Herz in die Lage, das Licht zu empfangen. Dieses ursprüngliche Werk des Geistes ist absolut unerlässlich, um geistliche Erleuchtung zu empfangen. Die Verderbtheit des Herzens hält das Denken in Finsternis gebunden; sie ist das eigentliche Merkmal des unerneuerten Menschen. Es ist ebenso absurd zu sagen, daß Erleuchtung durch das Wort vermittelt wird, um eine Verwandlung des Herzens zustande zu bringen, wie wenn man davon reden würde, die Fähigkeit, die Süße des Honigs zu schmecken, einem Menschen zu geben, der keinen Gaumen hat.

Nein, Menschen werden nicht durch das Wort „lebendig gemacht“, sondern sie müssen lebendig gemacht werden, um das Wort zu empfangen und zu verstehen. „Und ich will ihnen ein Herz geben, daß sie mich erkennen sollen, daß ich der Herr bin. Und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein“ (Jer. 24,7). Diese Aussage wäre recht sinnlos, wenn eine errettende Erkenntnis Gottes oder eine erfahrungsmäßige Gemeinschaft mit Ihm durch das Wort erlangt würden, bevor das „neue Herz“ oder geistliches Leben geschenkt wurde, und wenn somit das Wort das Mittel dafür wäre, daß wir lebendig gemacht werden. „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis“ (Spr. 1,7); einzig und allein die „Furcht des Herrn“, d. h. die Mitteilung göttlicher Gnade (geistlichen Lebens) an unsere Herzen, kann die Grundlage für geistliche Erkenntnis und geistliches Handeln legen.

„Denn wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will“ (Joh. 5,21); „Der Geist ist’s, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze“ (Joh. 6,63). Alles göttliche Handeln in der Haushaltung des Heils geht aus vom Vater, geschieht durch die Mittlerschaft des Sohnes und wird ausgeführt durch den Heiligen Geist. Lebendigmachung ist Sein anfängliches, ursprüngliches Handeln an den Auserwählten. Es ist jener übernatürliche Akt, wodurch Er sie aus dem Grab geistlichen Todes herausführt und auf den Boden der Auferstehung stellt. Hierdurch pflanzt Er ihnen ein Prinzip der Gnade, eine innere Befähigung zur Heiligkeit ein; es ist die Mitteilung des Lebens Gottes an die Seele. Es ist ein Schöpfungsakt (2.Kor. 5,17); ein göttliches „Werk“ (Eph. 2,10). All diese Begriffe bezeichnen einen Akt der Allmacht. Die Hervorbringung von Leben ist dem Geschöpf gänzlich unmöglich. Es kann Leben empfangen; es kann Leben nähren; es kann Leben nutzen und anwenden; aber Leben erschaffen kann es nicht.

In diesem Werk handelt der Geist souverän. „Der Wind bläst, wo er will ... So ist bei jedem, der aus dem Geist geboren ist“ (Joh. 3,8). Das heißt nicht, daß Er launisch handelt, oder ohne Vernunft oder Grund, sondern daß Er in Seinem Handeln ohne jede Verpflichtung gegenüber dem Geschöpf und von ihm völlig unbeeinflußt ist. Der Geist hätte sehr wohl jeden einzelnen von uns in der Härtigkeit unseres Herzens lassen und dem ewigen Verderben preisgeben können. Indem Er den einen lebendig macht und den anderen nicht, einige vom Tode zum Leben bringt, die Masse hingegen noch immer tot in Übertretungen und Sünden läßt, erbarmt sich der Geist, „wessen er sich erbarmen will“. Es steht Ihm absolut frei zu wirken, in welchem Er möchte, denn keiner der gefallenen Söhne Adams hat den geringsten Anspruch an Ihn.

Die Erweckung der geistlich Toten zu neuem Leben ist daher ein Akt wunderbarer Gnade: sie ist eine ungesuchte, unverdiente Gunstzuwendung. Der Sünder, der das auserwählte Ziel dieses göttlichen Eingreifens ist, der Empfänger dieser unschätzbaren Segnung, ist in sich selbst unendlich unwürdig, da er, bis diese Verwandlung in ihm gewirkt wird, durch und durch geneigt ist, in seiner Boshaftigkeit zu verharren. Er ist rebellisch und wird nicht auf das göttliche Gebot achten; er ist halsstarrig und will nicht Buße tun und das Evangelium annehmen. Wie erschrocken aus Furcht vor dem angedrohten Gericht er auch sein mag, wie ernst auch seine Sehnsucht sein mag, dem Elend zu entkommen und ewig glücklich zu sein, ganz gleich, wie viele Gebete er verrichten, wie viele Dinge er tun mag – er hat nicht die geringste Neigung, umzukehren und sich Gott zu unterwerfen. Sein Herz ist trotzig, voll Feindschaft gegen Gott, und täglich häuft er eine Ungerechtigkeit auf die andere. Daß der Geist jemandem wie ihm ein neues Herz schenkt, ist in der Tat ein Akt wunderbarer, souveräner Gnade.
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11.Der Geist macht lebendig

Die Lebendigmachung durch den Geist geschieht augenblicklich: sie ist ein göttlicher Akt, nicht ein Prozess; sie wird plötzlich, nicht allmählich gewirkt. In einem Augenblick geht die Seele vom Tode zum Leben über. Die Seele, die zuvor für Gott tot war, ist jetzt für Ihn lebendig. Die Seele, die vollkommen unter der Herrschaft der Sünde stand, ist jetzt befreit; wenn auch die sündige Natur noch nicht verschwunden oder unwirksam geworden ist, so ist ihr doch das Herz nicht länger einträchtig zugeneigt. Der Geist Gottes findet das Herz völlig verderbt und hoffnungslos böse vor, aber durch ein Wunder der Gnade verwandelt Er seine Neigung, indem Er ihm den unvergänglichen Samen der Heiligkeit einpflanzt. Es gibt kein Zwischenstadium zwischen dem fleischlichen und dem geistlichen Zustand: im ersteren waren wir von Natur aus, in den zweiten kommen wir aus Gnade, durch den plötzlichen, unwiderstehlichen Eingriff des allmächtigen Geistes.

Das anfängliche Werk der Lebendigmachung geschieht von uns vollkommen unbemerkt, denn es liegt außerhalb des menschlichen Bewusstseins Bereichs. Ein Toter besitzt keine Wahrnehmung, und obwohl das Werk, das ihn auf den Boden der Auferstehung bringt, wahrlich groß und kraftvoll ist, liegt es in der Natur der Sache, daß die betroffene Person bis nach seiner Durchführung überhaupt nichts davon wissen kann. Als Adam erschaffen wurde, war er sich dessen nicht bewusst, außer in dem Sinne, dass er jetzt existierte und frei war zu handeln; das göttliche Eingreifen, die Ursache für seine Existenz, war bereits geschehen, bevor er anfing, irgend etwas wahrzunehmen. Das anfängliche Wirken des Geistes, wodurch die Erwählten neue Kreaturen werden, kann nur an seinen Auswirkungen und Folgen erkannt werden. „Der Wind bläst, wo er will“, das kommt zuerst; und dann: „Du hörst sein Sausen wohl“ (Joh. 3,8): nun wird das Werk des Geistes dem Bewusstsein und dem Verständnis auf mannigfache Weise mitgeteilt.

Während dieses lebendig machende Werk an uns geschieht, sind wir vollkommen passiv; d. h. es gibt keinerlei Zusammenwirken zwischen dem Willen des Sünders und dem Akt des Heiligen Geistes. Wie schon gesagt, geschieht dieses anfängliche Werk des Geistes durch freie, souveräne Gnade und besteht in der Einführung eines Prinzips geistlichen Lebens in die Seele, durch welches all ihre Fähigkeiten auf übernatürliche Weise erneuert werden. Aus diesem Grund muss der Sünder vollkommen passiv sein, wie Ton in der Hand eines Töpfers, denn bis die göttliche Gnade an ihm wirksam geworden ist, ist er zu jeglichem geistlichen Handeln völlig untauglich, da er in Übertretungen und Sünden tot ist. Lazarus konnte bei seiner Auferweckung nicht mitwirken: er wusste nicht, dass der Erlöser zu seinem Grab gekommen war, um ihn vom Tode zu erlösen. So ist es mit allen Auserwählten Gottes, wenn der Geist beginnt, an ihnen zu handeln. Sie müssen zuerst zu neuem Leben erweckt sein, bevor sie die geringste Sehnsucht oder Willensregung für geistliche Dinge haben können; daher ist es für sie gänzlich unmöglich, auch nur das kleinste Jota zu ihrem Lebendig-werden beizutragen. Das Leben, das der Geist gibt, wenn Er lebendig macht, ist in allen Zielpersonen einheitlich.
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11.Der Geist macht lebendig
Wie der Same im Prinzip alles in sich trägt, was hernach daraus hervorgeht, das Keimblatt, den Stengel, die Ähre und das volle Korn in der Ähre, so enthält das erste Prinzip der Gnade, das ins Herz eingepflanzt wurde, in Samenform alle Gnade, die später in sämtlichen Früchten, Auswirkungen, Taten und Ausübungen sichtbar wird (John Gill).
Jede lebendig gemachte Seele erfährt die gleiche radikale Verwandlung, durch welche ihr das Ebenbild Gottes aufgeprägt wird: „Was vom Geist geboren ist, das ist Geist“ (Joh. 3,6), niemals weniger und niemals mehr. Jede lebendig gemachte Person ist eine neue Kreatur in Christus geworden und besitzt alle Bestandteile des „neuen Menschen“. Später, bei ihrer Geburt, mögen einige Menschen lebhafter und kräftiger sein, da Gott dem einen stärkeren Glauben schenkt als dem anderen; doch in ihrem Ursprung gibt es keinen Unterschied: alle sind Teilhaber desselben Lebens.

Während das Wirken des Geistes von uns auf sehr vielfältige Weise wahrgenommen und verstanden wird, gibt es in dem ursprünglichen Werk selbst keinen Unterschied. Während die Entwicklung dieses Werkes zur Vollkommenheit im Wachstum der „neuen Schöpfung“ große Unterschiede zuläßt – manche machen schnelle Fortschritte, andere kommen langsam voran und bringen weniger Frucht hervor –, ist doch die neue Schöpfung selbst in allen dieselbe. Jeder kommt gleichermaßen ins Reich Gottes, wird ein lebendiges Glied am mystischen Leib Christi und bekommt einen Platz in der lebendigen Familie Gottes. Später mag einer schöner aussehen als ein anderer, weil er das Ebenbild des himmlischen Vaters deutlicher aufgeprägt bekommen hat; doch wenn es auch sichtbarer ist, so ist es doch nicht wahrer. In der Heiligung gibt es Abstufungen, nicht aber in der Lebendigkeit. Es hat niemals mehr als eine Art geistlicher Lebenszeugung gegeben – sie ist ihrem Wesen nach in allen genau dieselbe.

Zum Abschluss sei noch darauf hingewiesen, dass die Lebendigmachung durch den Geist lediglich der Beginn des Gnadenwerkes Gottes in der Seele ist. Dadurch ist das Herz noch nicht gleich vollständig erneuert. Im Gegenteil: Der innere Mensch muss „von Tag zu Tag erneuert“ werden (2.Kor. 4,16). Doch nach diesem unscheinbaren Anfang geht das Werk weiter Gott begießt es „immer wieder“ (Jes. 27,3) – und es schreitet fort bis zur Vollkommenheit, d. h. bis das Herz vollständig rein und heilig gemacht ist, was nicht vor dem Tode der Fall ist. Gott fährt fort, in Seinen Auserwählten „das Wollen und Vollbringen nach seinem Wohlgefallen“ zu wirken, und sie sind bei jeder richtigen Ausübung Seines Willens im späteren Verlauf ihres Lebens ebenso abhängig vom Einfluss des Geistes wie am Anfang. „Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu“ (Phil. 1,6).
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Lesung aus Arthur W. Pink "Der Heilige Geist"12.Der Geist erleuchtet

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12.Der Geist erleuchtet

Von Natur aus befindet sich der gefallene Mensch, was sein Verhältnis zu Gott betrifft, in einem Zustand der Finsternis. Sei er noch so weise, gebildet und geschickt in natürlichen Dingen, für geistliche Dinge ist er blind. Erst wenn wir im Geist unseres Sinnes durch den Heiligen Geist erneuert sind, können wir die Dinge im Licht Gottes sehen. Doch das ist etwas, was zu hören die Welt nicht ertragen kann, und wenn darauf bestanden wird, wird sie es energisch leugnen. So fragten die Pharisäer in den Tagen Christi erbost und voll Stolz und Hohn: „Sind wir denn auch blind?“ (Joh. 9,40), worauf unser Herr erwiderte, daß ihre Anmaßung geistlichen Lichts und Wissens ihre Sünde und Verdammnis nur noch schlimmer machte (V. 41); ohne zu zögern erklärte er den blinden religiösen Führern, daß sie ungeachtet ihres Prahlens die Stimme des Vaters „niemals“ gehört hatten (5,37).

Es gibt zweierlei geistliche Finsternis, eine äußerliche und eine innerliche. Von der ersten sind diejenigen betroffen, die ohne Evangelium sind, bis Gott die äußerlichen Gnadenmittel zu ihnen sendet: „Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen“ (Mt. 4,16). Letztere betrifft alle Menschen, bis Gott, der Heilige Geist ein Wunder der Gnade in ihrer Seele vollbringt und die Toten zu neuem Leben erweckt: „Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen“ (Joh. 1,5). Ganz gleich, wie vertraut wir mit dem Buchstaben der Schrift sind, ganz gleich, wie richtig und treu die Predigten sind, die wir hören, oder die Bücher, die wir lesen – bevor die Seele durch einen göttlichen Eingriff lebendig gemacht wurde, hat sie keine geistliche Einsicht und keine praktische Wahrnehmung göttlicher Dinge. Bevor ein Mensch von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen (Joh. 3,3).

Die innerliche Finsternis, welche die Seele des natürlichen Menschen erfüllt, ist etwas weit Furchtbareres als die bloße intellektuelle Unkenntnis geistlicher Dinge. Unkenntnis ist etwas Negatives, aber diese geistliche „Finsternis“ ist positiv in dem Sinne eines aktiven Prinzips, das sich gegen Gott richtet. Die Finsternis, die auf der menschlichen Seele lastet, gibt dem Herzen eine Neigung zum Bösen, indem sie es gegen Heiligkeit einnimmt und den Willen gefangen hält, so daß er sich niemals auf Gott zubewegt. So lesen wir von der „Macht der Finsternis“ (Kol. 1,13), die so groß ist, daß unter ihrem Einfluß alle „die Finsternis mehr als das Licht lieben“ (Joh. 3,19). Wie kommt es, daß Menschen wenig Schwierigkeiten haben, ein Geschäft zu erlernen, und schnell entdecken, wie sie viel Geld verdienen und ihre Lüste befriedigen können, aber in den Dingen Gottes dumm und unbelehrbar sind? Wie kommt es, daß Menschen so empfänglich für religiöse Lügen, der Wahrheit gegenüber aber so abgeneigt sind? Niemand als der Geist kann sie von dieser schrecklichen Finsternis befreien. Es sei denn, die Sonne der Gerechtigkeit gehe über uns auf (Mal. 4,2), bleiben wir in Ewigkeit in der „dunkelsten Finsternis“ eingeschlossen (Jud. 13).

Aufgrund der Finsternis, die auf ihm liegt und in seiner ganzen Seele regiert, kann der natürliche Mensch den wahren Gott in geistlicher Weise weder kennen noch bewundern, lieben, anbeten oder Ihm dienen. Wie kann Gott einem Menschen unendlich lieblich erscheinen, dessen Herzensneigung ihn in jeder Hinsicht zum Haß gegen die göttlichen Vollkommenheiten anregt? Wie kann eine verderbte Seele von einem Charakter entzückt sein, der zu dem ihrigen absolut gegensätzlich ist? Welche Gemeinschaft kann zwischen Finsternis und Licht bestehen; welche Eintracht kann es zwischen Sünde und Heiligkeit geben, welche Übereinstimmung zwischen dem fleischlichen Verstand und Ihm, gegen den er „Feindschaft“ ist? Falsche Gedanken über Gott können selbst ein unerneuertes Herz begeistern, aber nur eine von Gott lebendig gemachte Seele kann Ihn geistlich kennen und lieben. Der wahre Gott kann für jemanden, der tot in Übertretungen und Sünden ist und völlig der Herrschaft des Teufels untersteht, niemals als ein unendlich liebenswertes und schönes Wesen erscheinen.
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12.Der Geist erleuchtet
Es ist wahr, daß so mancher fleischliche Mensch sich hinreißen läßt zu meinen, Gott liebe ihn und werde ihn erretten; aber in diesem Falle ist es nicht der wahre Charakter Gottes, der sein Herz entzückt: es ist nicht Gott, den er liebt. Streng genommen, kann er nur sich selbst lieben, und Eigenliebe ist die Quelle all seiner Zuneigung. Oder, wenn wir es ‘Liebe’ zu Gott nennen, so ist sie von keiner anderen Qualität als diejenige, die Sünder zueinander empfinden: ‘Denn auch die Sünder lieben ja die, die ihnen Liebe erweisen’ (Lk. 6,32, Menge). Die fleischlichen Israeliten lieferten (in der Wüste) den klaren Beweis ihrer Abgeneigtheit gegen den göttlichen Charakter, wie ihn Gott selbst vor ihren Augen entfaltet hatte; und doch waren sie einst am Ufer des Roten Meeres von derselben Art von ‘Liebe’ erfüllt gewesen (Joseph Bellamy).
Lieber Leser, die bloße Tatsache, dass Ihr Herz von dem Glauben, dass Gott Sie liebt, entzückt ist, beweist noch lange nicht, dass Gottes wahrer Charakter Ihrem Geschmack zusagen würde, wenn Sie ihn recht verstehen würden. Die Galater liebten Paulus, solange sie ihn als Werkzeug ihrer Bekehrung ansahen; aber bei näherem Kennenlernen wurden sie zu seinen Feinden, denn sein Charakter, richtig verstanden, war ihnen ganz und gar nicht sympathisch. Wenn Gottes „Augen zu rein sind, als dass [Er] Böses ansehen könnte“, und Er auf Sünde nur mit unendlicher Abscheu blicken kann; wenn all die Phantasien, Gefühle und Handlungen, die dem Geschmack des fleischlichen Herzens so lieblich vorkommen, in den Augen Gottes so widerlich sind, dass sie Ihm der ewigen Höllenqualen würdig erscheinen, dann ist es einem fleischlichen Herzen absolut unmöglich, etwas Schönes in dem göttlichen Charakter zu sehen, bis es erkennt, daß sein eigener Charakter unendlich widerlich ist.

Es gibt keine geistliche Liebe für den wahren Gott, bis das eigene Leben gehasst wird. Das eine schließt notwendig das andere mit ein. Ich kann nicht Gott als ein unendlich schönes, liebliches Wesen betrachten, ohne mich selbst als unendlich niederträchtig und hassenswert anzusehen. Als Jesus zu den Pharisäern sagte, „Ihr Schlangen, ihr Otternbrut! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?“, trugen diese Worte dazu bei, ihre Meinung von Seinem Charakter zu prägen, und es wäre ein Widerspruch zu denken, der Charakter Christi könnte schön und lieblich auf sie wirken, ohne daß der eigene ihnen abscheulich und Seiner Aussage entsprechend vorkäme. Dem Herzen eines Pharisäers lag es fern, seinen eigenen Charakter in einem so verächtlichen Licht zu sehen, und deshalb konnten alle Worte und Werke des Erlösers sie nur verbittern. Je mehr sie von Christus wussten, umso mehr hassten sie Ihn; wie es natürlich war, ihre eigenen Charaktere zu billigen, so war es für sie ebenso natürlich, den Seinigen zu verdammen.

Die Pharisäer waren der Macht der „Finsternis“ völlig unterworfen, und so ist es bei jedem Menschen, bevor der Geist ihn lebendig macht. Wenn die Pharisäer nicht verkehrt waren, so musste Christus verkehrt sein, und hätten sie zugegeben, dass Christus nicht verkehrt war, so hätten sie damit anerkannt, dass sie „Schlangen“ und der ewigen Vernichtung würdig waren. Sie konnten Ihn nicht als gut ansehen, bevor sie sich selbst als abgrundtief schlecht erkannten; doch das war jeglicher Neigung ihres Herzens diametral entgegengesetzt. Deshalb muss ihnen ihr altes Herz fortgenommen und ein neues Herz gegeben werden, sonst würden sie die Dinge nie in ihrem wahren Licht sehen. „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (Joh. 3,3).

„Finsternis war über der Tiefe“ (1.Mose 1,2, Elberf.) – das ist der natürliche Zustand des gefallenen Menschen. „Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern“ (1.Mose 1,2) – eine Vorschattung Seines ursprünglichen, lebendig machenden Wirkens. „Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht“ (1.Mose 1,3). Natürliches Licht war das erste, was bei der Erschaffung der Welt gemacht wurde, und geistliches Licht ist das erste, was in der neuen Schöpfung gegeben wird. „Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi“ (2.Kor. 4,6). Das göttliche Licht, das den Denk Sinn erleuchtet, ermöglicht neue Dimensionen der Wahrnehmung dessen, was ihm dargeboten wird. Bisher hatte die betreffende Person „vom Hörensagen“ viel von Christus vernommen, aber nun hat ihr Auge Ihn gesehen (Hiob 42,5): sie erkennt klar Seine innewohnende transzendente Vortrefflichkeit, ebenso Seine absolute Unverzichtbarkeit und das vollkommene Genüge, das in Ihm liegt.

„In deinem Lichte sehen wir das Licht“ (Ps. 36,10). Das ist es, was geistliche Erleuchtung ausmacht. Nicht eine bloße Information des Denkens oder Mitteilung intellektuellen Wissens, sondern ein erfahrungsorientiertes, kraftvolles Bewußsein von der Realität und dem Wesen göttlicher und geistlicher Dinge. Sie befähigt uns, die Sünde in ihrer ganzen Boshaftigkeit und Abscheulichkeit zu sehen und Gott in Seiner „heiligen Pracht“ (Ps. 96,9, Elberf.) zu erkennen und Ihm in herzlicher Liebe zugeneigt zu sein. Sie ist ein geistliches Licht, das dem Menschen zusätzlich zu allen angeborenen Wahrnehmungsmöglichkeiten seines Verstandes gegeben wird und das so rein und erhaben ist, dass es gänzlich außerhalb der Reichweite des natürlichen Menschen liegt. Es ist etwas, von dem das natürliche Herz sich keine Vorstellung machen kann, dessen Erkenntnis aber durch die Erleuchtung des Geistes vermittelt wird (1.Kor. 2,9-10).
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12.Der Geist erleuchtet

Ein Toter kann weder sehen noch hören: das gilt für den natürlichen wie für den geistlichen Bereich. Es muß Leben da sein, bevor Wahrnehmung geschehen kann: Der Geist muß die Seele lebendig machen, bevor sie die Fähigkeit haben kann, göttliche Dinge zu erkennen und von ihnen in geistlicher Weise angerührt zu werden. Ich sage „in geistlicher Weise“, denn selbst ein Blinder kann eine genaue Vorstellung von Gegenständen bekommen, die sein Auge niemals gesehen hat; ebenso kann ein unerneuerter Mensch ein natürliches Wissen von göttlichen Dingen erlangen. Doch der Unterschied zwischen der Erkenntnis göttlicher Dinge bei einem unerneuerten Menschen – und seien seine Ansichten noch so orthodox und schriftgemäß – und der Erkenntnis, die ein Wiedergeborener hat, ist weit größer als derjenige zwischen der Vorstellung eines Blinden von einem herrlichen Sonnenuntergang und den Eindruck, den er haben würde, wenn er sehend wäre und die Möglichkeit hätte, selbst einen zu beobachten. Nicht nur, daß der einstmals Blinde eine korrektere Wahrnehmung vom Werk des Schöpfers haben würde, sondern die Wirkung, die diese Veränderung auf ihn hätte, wäre so gewaltig, daß Worte sie nicht beschreiben könnten.

Die Erweckung der Seele zu neuem Leben durch den Heiligen Geist legt die Grundlage für all Sein weiteres Handeln. Sobald die Seele zur Empfängerin geistlichen Lebens gemacht ist, sind all ihre Instanzen zu geistlichen Regungen tauglich: der Verstand ist befähigt, geistlich wahrzunehmen, das Gewissen, geistlich zu fühlen, die Gefühle, geistlich zu empfinden, und der Wille, geistlich zu handeln. Ursprünglich formte Gott den Leib des Menschen aus Lehm zu einem vollständigen Organismus, ausgestattet mit der vollen Zahl der Organe und Glieder; doch erst als Gott ihm den „Odem des Lebens“ einblies (1.Mose 2,7), konnte Adam sich bewegen und handeln. Entsprechend besitzt auch die Seele des natürlichen Menschen all die Fähigkeiten, die ihn von den Tieren unterscheidet, aber erst, wenn der Geist ihn lebendig macht, ist er fähig, göttliche Dinge zu erkennen und von ihnen in geistlicher Weise angerührt zu werden.

Sobald der Geist einen von Gottes – ehemals toten – Auserwählten auf den Boden der Auferstehung versetzt hat, beginnt Er, ihn zu erleuchten. Das Licht Gottes strahlt nun auf ihn, und die einst-blinde, jetzt von Gott sehend gemachte Seele ist in der Lage, dieses Licht zu empfangen. Die Erleuchtung durch den Geist beginnt unmittelbar nach der Wiedergeburt, währt das ganze Leben des Christen hindurch und wird in der Herrlichkeit vollendet: „Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag“ (Spr. 4,18). Wie ich bereits geschrieben habe, ist diese geistliche Erleuchtung nicht bloß eine Information des Verstandes oder eine Weitergabe geistlichen Wissens, sondern ein erfahrungsorientiertes, kraftvolles Bewußtsein von der Wahrheit. In 1.Joh. 2,20; 27 (Elberf.) heißt es von ihr: „Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisset alles ... Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr bedürfet nicht, daß euch jemand belehre.“

Durch diese „Salbung“ oder Erleuchtung kann der wiedergeborene Mensch das wahre Wesen der Sünde begreifen – nämlich als Widerstand gegen Gott, der in der Eigenliebe zum Ausdruck kommt. Er erkennt die Verseuchung seines eigenen Herzens und muß feststellen, daß er ein moralisch Aussätziger ist, völlig verderbt und im Kern seines Wesens entartet. Durch die Salbung entdeckt er die Lügen des Satans, der ihn bisher glauben machte, daß bitter süß, und süß bitter sei. Durch sie begreift er die Ansprüche Gottes: daß Er absolut würdig und uneingeschränkt berechtigt ist, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller Kraft geliebt zu werden. Durch sie lernt er Gottes Weg der Errettung kennen: daß nur der Weg der praktischen Heiligung zum Himmel führt. Durch sie schaut er die absolute Angemessenheit und Hinlänglichkeit Christi: daß Er der Einzige ist, der allen Ansprüchen Gottes an Ihn gerecht werden konnte. Durch sie fühlt er seine eigene Untauglichkeit für alles Gute und bietet sich selbst als leeres Gefäß dar, um aus Christi Fülle zu empfangen.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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