54. Frage: Was glaubst du von der heiligen allgemeinen christlichen Kirche?
Ich glaube, dass der Sohn Gottes aus dem ganzen Menschengeschlecht sich eine auserwählte Gemeinde zum ewigen Leben durch seinen Geist und Wort in Einigkeit des wahren Glaubens von Anbeginn der Welt bis ans Ende versammelt, schützt und erhält und dass auch ich ein lebendiges Glied dieser Gemeinde bin und ewig bleiben werde.
In der von dem Prediger Joh. Hulsmann zu Kreuznach im Jahre 1602 besorgten Ausgabe der Hauskirchenpostille des ehemaligen Pastor M. Balthasar Copius zu Neustadt an der Hardt heißt es: Der ewige natürliche Sohn Gottes ist von Anfang der Welt bei seinem Volk und seiner Kirche gewesen und, wie Salomo sagt Sprüche Kap. 8. die ewige Weisheit Gottes hat Lust und Liebe gehabt, bei den Menschenkindern zu sein, und hat sein Völklein unterrichtet, getröstet, geführt und beschützet. Daher der Erzvater Jakob die zwei Söhne Josephs Ephraim und Manasse dem Engel des Bundes, dem Herrn Christo, der ihn bis dahin wunderbarer Weise hatte geführt, in seinen gnädigen Schutz und Schirm befiehlt. Das ewige Wort des Vaters ist der erste Prediger gewesen, der unsern ersten Eltern Adam und Eva im Paradiese ihren Abfall und Ungehorsam und den Zorn Gottes wider die Sünde hat unter Augen gestellt und sie gleich darauf mit der gnadenreichen Verheißung von dem gebenedeiten Weibes-samen (welchen er in Erfüllung der Zeit in Einigkeit der Person würde an sich nehmen), der der Schlange, dem Teufel, der sie schändlich verführet, den Kopf zertreten und sie mit ihren gläubigen Nachkommen Gott seinem himmlischen Vater wiederum versöhnen und von der Tyrannei und Gewalt des Satans ledig und los machen sollte, wieder getröstet. Welche Buß- und Gnadenpredigt der erste Mensch Adam samt seinen gottseligen Kindern und Nachkommen, dem Abel, Seth, Henoch und andern den Leuten zu ihrer Zeit oft und fleißig wiederholt und mit geringem Dank der gottlosen Welt eingeschärft haben.
Der 27. Artikel des niederländischen Glaubensbekenntnisses lautet: Wir glauben und bekennen Eine einige katholische oder allgemeine Kirche, welche ist eine heilige Vereinigung oder Gemeinschaft der wahren Christgläubigen, welche ihr ganzes Heil in Jesu Christo erwarten, gereinigt durch sein Blut, und durch den h. Geist geheiligt und versiegelt. Diese Kirche war von Anfang der Welt und wird bis zu ihrem Ende bleiben; wie dies auch daraus erhellt, dass Christus ein ewiger König ist, der niemals ohne Untertanen sein kann. Übrigens schützt Gott diese heilige Kirche und hält sie aufrecht gegen alle Wut und Angriffe der Welt, wenn sie auch für einige Zeit nur sehr klein und fast vernichtet in den Augen der Menschen erscheint; wie Gott in jener sehr gefährlichen Zeit des Ahab sich sieben Tausend Männer bewahrt hatte, die ihre Knie nicht vor dem Baal beugten. Endlich ist diese heilige Kirche an keinem bestimmten Orte gelegen oder beschränkt, oder irgend an bestimmte Personen gebunden, sondern sie ist über den ganzen Erdkreis zerstreut und verbreitet, obgleich sie in Herz und Willen, in ein und demselben Geiste, durch die Kraft des Glaubens ganz verbunden und vereinigt ist.
Gottfried von Ramelle, ein Schneider in Brabant, hatte sich vom Papsttum zur reformierten Kirche gewendet. Darüber wurde er als Ketzer zum Tode verurteilt am 23. Juli 1552. Als er das Wort Ketzer vernahm, sagte er: Ach, nicht Ketzer, sondern unnützer Knecht Gottes. Auf dem Richtplatze angelangt, ermahnte er das Volk zum Glauben an Jesus mit solchem Ernste, dass mehrere aus dem Volke sagten: Warum tötet man einen solchen Menschen, der so herrlich von unserm Herrn Christo reden kann? Nach der Vermahnung betete er den Glauben, und als er an den
Artikel: Ich glaube eine heilige allgemeine christliche Kirche kam, forderte ein Domherr zu Torneck, er solle das Wort römische hinzufügen. Mitnichten! erwiderte Gottfried, ich glaube nur eine allgemeine christliche Kirche. Nachdem er sich hierauf Gott befohlen, empfing er sanft und still den Todesstreich.
Hiernach, spricht Zwingli, kann Jeder bei sich selbst finden, ob er in der Kirche sei oder nicht: hat er nämlich alle seine Zuversicht, Hoffnung und Trost zu Gott durch Christum Jesus, so ist er in der Kirche, das ist, in der Gemeinschaft aller frommen Christen; denn hat er den einen, lauteren Glauben Christi, so hat er den Geist Gottes. Dieser ist ein einiger, und es kann niemand zweierlei Glauben haben in dem einen Geiste.
Der berühmte Theologe Ludwig Lavater, gestorben 1586 in Zürich, bekennt:
Wie die Samariter den Tempelbau auf verschiedene Weise gehindert haben, so widerstehen Satan, Antichrist und dessen Glieder dem Aufbau des geistlichen Tempels heimlich und offen mit aller Heftigkeit. So oft einige oder mehrere dem Götzendienst, Aberglauben und Laster entsagen und Gott dienen wollen und ein Tempel Gottes sein, unterlassen sie nichts, sie davon zu hindern oder davon zurückzubringen oder ganz zu unterdrücken. So sehen wir bei Esra 4,11-16 als in einem Spiegel, wie der Antichrist auf verschiedene Weise, besonders durch Lügen, Verleumdungen und falsche Beschuldigungen die Kirche Gottes bekämpft und bei den Königen und Fürsten verhasst macht. – (Ähnlich machen es viele römische Gelehrte in unseren Tagen, indem sie die Reformation als Revolution, und die Kirchen des Wortes als Synagogen des Unglaubens und der Freigeisterei darzustellen sich nicht entblöden.
Was im Allgemeinen dem Christen in Betreff der Kirche zu glauben ist, wird mit diesen Worten gelehrt: „Ich glaube, dass der Sohn Gottes vom Anbeginn der Welt bis ans Ende sich aus dem ganzen menschlichen Geschlechte eine zum ewigen Leben auserwählte Gemeine durch seinen Geist und Wort in Einigkeit des wahren Glaubens versammle, schütze und erhalte.“ Über die Kirche stellt der Katechismus zwei Kapitel auf, welche zu glauben sind: ihre Sammlung und ihre Erhaltung. Über die Sammlung behandelt er fünf Punkte: 1. Wer? 2. Wann und wie lange? 3. Woraus? 4. Wie oder mit welchen Mitteln? 5. Was sammelt er?
1. Wer? Die wirkende Ursache der Kirche ist der Sohn Gottes, unser Herr Jesus Christus. Unumwunden sagt er selbst: auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen Matth. 16,18. Und ebenso Paulus: Christus reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum Tit. 2,14. Er ist das Haupt der Kirche Eph. 5,23; der Bräutigam Joh. 3,29; Hos. 2,19.20. Er allein ist der gute Hirte Joh. 10,11; Eph. 2,20.21; 4,11.12.
2. Wann und wie lange? Vom Anfang der Welt bis ans Ende. Die Fundamente der Kirche hat Gott im Paradiese gelegt. Denn die Ersterschaffenen, welche durch die Sünde sich von Gott gekehrt und entfernt hatten, hat er gerufen und ihnen den Samen des Weibes verheißen, als Sieger über den Teufel, als Haupt der Kirche, als Erlöser und Sammler 1. Mos. 3,9.13. Deutlich sagt Moses über die Sammlung und Erneuerung der Kirche nach Enochs Geburt, des Sohnes Seths, des Enkels Adams: Damals fing man an, den Namen des Herrn anzurufen. 1. Mos. 4,26. Der Sinn ist der: Als Adam und Seth (unter deren Nachkommen die Kirche bleiben sollte) bemerkten, dass die von den Kainiten verderbten Sitten der übrigen Welt im Umgang von den ihrigen könnten angenommen, und die
Verehrung Gottes, dessen Diener sie waren, erschüttert werden, zogen sie die ihrigen von der Zeit an zu dem Leib der Kirche zusammen, andere aber lockten sie zu derselben durch die Verkündigung des Worts und brachten sie durch heilige Bitten und gottselige Übungen von der Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit los (was in verworrenen Lagen die einzige Zuflucht der Gottesfürchtigen ist) und erwarben sich dadurch den Namen der Söhne Gottes. Nachher schloss Gott mit Abraham und seinem Samen einen ewigen Bund. 1. Mos. 12 ff. Dann bediente er sich der Hilfe der Patriarchen, Propheten und Priester bis zur Zeit des neuen Testaments, wo er auch die Heiden zur Gemeinschaft seiner Kirche zusammengerufen und noch ruft und rufen wird bis ans Ende der Welt. Nicht eher wird er zu Gericht kommen, bis die Zahl seiner Gläubigen und Märtyrer voll sein wird. Offb. 16,11. Denn wie er Sodom nicht länger schonte, als Loth es verlassen: so wird so lange die Welt stehen, bis die Loth und Erwählten des Herrn vollzählig und aus der Welt gesammelt sind.
3. Woraus? Die Materie, aus welcher Christus seine Kirche sammelt, ist das ganze menschliche Geschlecht. Christus ist zwar auch das Haupt der Engel Eph. 1,21 und die Erwählten werden gute Engel genannt 1. Tim. 5,21. Aber die Erwählung der Menschen wie Engel kann außer Christo nicht verstanden werden. Nicht waren zwar die guten Engel eines Erlösers bedürftig, um sie von Sünden zu erlösen, da sie im Gehorsam gegen Gott geblieben sind; auch haben sie die Gunst eines Mittlers, sie aus dem Stand des Zorns zu befreien, nicht nötig gehabt, da sie Gott nie zum Feinde gehabt. Aber sie waren der Gunst Christi als eines Mittlers bedürftig, um ihren Stand fest zu halten in Gerechtigkeit, ihren Frieden sicher und unverletzt mit Gott und würdig geachtet zu werden der ewigen Genießung Gottes. Der Unterweiser handelt aber eigentlich von der Kirche, welche aus den Menschen gesammelt wird. Diese waren vordem zerstreuet, die guten Engel nicht und bedurften daher nicht der Sammlung. Die Menschen waren durch Sünden von Gott getrennt. Klar sagt dies Jes. 59,2 wie Schafe ohne Hirten K. 53,6. Aus dem ganzen menschlichen Geschlechte sammelt Christus seine Kirche, nicht nur aus dem jüdischen Geschlechte, sondern auch aus den Heiden. Joh. 11,51; Offb. 5,9; 7,4.9. Christi Befehl: Gehet und lehret alle Völker Matth. 28,19; Mark. 16,15. Obgleich einige Spuren von Sammlung der Kirche aus dem ganzen menschlichen Geschlechte auch im alten Testamente sich finden, so hat doch Gott vor dem Gesetz seine Kirche in die Familien der Väter also eingeschlossen, dass alle übrigen Völker von dieser Gemeinschaft ganz ausgeschlossen waren, wie die Geschichte Moses und Hiobs bezeugt. Unter dem Gesetz nahm er mit Übergehung der Heiden nur die Juden zu seinem Volke an. Ps. 147,19.20. Allmählich jedoch schlossen sich einige aus den Heiden den Juden an und nahmen ihre Religion an, welche gottesfürchtige Männer und Proselyten genannt wurden Apg. 2,5.10. Damals als die Juden ins Exil geführt wurden, wurden sie in verschiedene Gegenden zerstreut und lehrten die Geheimnisse ihrer Religion in griechischer Sprache.
4. Wie und durch welche Mittel? Durch seinen Geist und Wort. Diese zwei verbindet Gott selbst Jes. 59,21. Durch diese beiden Mittel sind nach Pauli Bericht Röm. 15,15-19 die Heiden bekehrt worden. Das Wort ist gleichsam das Werkzeug und der Dienst des h. Geistes 2. Kor. 3,8. Durch das Wort werden wir zu Christus gerufen und gesammelt wie die Schafe zum Hirten. Deutlich sagt Paulus: der Glaube ist aus dem Gehör, das Gehör aber durch das Wort Gottes. Röm. 10,17. Womit jenes Wort 2. Thess. 2,14. zusammen stimmt. Durch das Gesetz bereitet Gott das Herz für seine Gnade vor, aber die Tropfen des Öles des Evangeliums erweichen, beruhigen und wiedergeburt das Herz. Was ist klarer als des Apostels Wort: Das Evangelium ist eine Kraft Gottes zur Seligkeit jedem Glaubenden Röm. 1,16? Aber dieses äußere Mittel hat nicht solche Kraft, wenn nicht die innere wirksame Berufung und Wirkung des h. Geistes hinzukommt. Paulus ist dafür Zeuge 1. Kor. 3,5-7. Mit dem kirchlichen Dienste hat es nämlich dieselbe Bewandtnis wie mit dem Ackerbau. Wie nämlich zu diesem Bauern nötig sind, welche das Land pflügen, bepflanzen, besäen, bewässern und mit Pflanzen und Getreide versehen, aber doch nichts zu Stande bringen können, wenn ihnen nicht von Oben Wachstum gegeben wird: so sind, damit die Gemeinen gesammelt und erhalten werden, Prediger nötig, welche das Wort verkündigen, die Samenkörner des Glaubens in die Herzen der Menschen streuen, die wahre Gottesfrucht pflanzen und deren Form erhalten, auch das wohl Angefangene zu Ende führen. Aber auch diese alle richten mit ihrer Arbeit und ihrem Fleiß nichts aus, wenn nicht Gott durch seinen Geist in den Seelen der Menschen wirkt, dass sie sein Wort ordentlich hören, im Herzen bewahren, damit es zu seiner Zeit lebendig gemacht Frucht bringe.
5. Was? Christus sammelt sich eine auserwählte Gemeine zum ewigen Leben in Einigkeit des wahren Glaubens. Dies ist die ganze Erklärung der allgemeinen oder katholischen Kirche, wobei zwei Stücke zu erwägen: 1. welche zu dieser Kirche gehören, 2. woran man sie erkennt. – 1. Zu dieser Kirche gehören alle, welche zum ewigen Leben erwählet sind. Was die Erwählung zum ewigen Leben ist, drückte ich mit den Worten der Dordrechter Synode Art. 7 über die göttliche Vorherbestimmung aus: „Die Erwählung aber ist ein unveränderlicher Vorsatz Gottes, durch den er vor Grundlegung der Welt aus dem gesamten Menschengeschlechte, das aus der anfänglichen Unschuld durch seine eigene Schuld der Sünde und dem Verderben verfallen war, nach freiem Belieben seines Willens, aus reiner Gnade, eine bestimmte Menge von Menschen, die weder besser noch würdiger als Andere waren, sondern mit ihnen in gemeinschaftlichem Elende lagen, zum Heile auserwählt hat in Christo, den er auch von Ewigkeit her zum Mittler und Haupte aller Erwählten, sowie zum Grunde der Seligkeit bestimmt hat; und so hat er auch sie ihm zur Rettung zu übergeben und sie wirksam zur Gemeinschaft mit ihm durch das Wort und seinen h. Geist zu berufen und zu führen; oder sie mit dem wahren Glauben an ihn zu beschenken, sie zu rechtfertigen, sie zu heiligen, und, nachdem er sie mächtig in der Gemeinschaft mit seinem Sohne bewahrt hat, endlich zu verherrlichen beschlossen, und seine Barmherzigkeit und den Ruhm des Reichtums seiner gepriesenen Gnade zu zeigen, wie geschrieben stehet: Gott hat uns in Christo auserwählet, bevor usw. Eph. 1,4-6. Und a. a. St. die er vorherbestimmt hat, die usw. Röm. 8,30.“ Hieraus ergibt sich klar, welche die zum ewigen Leben Erwählten sind, aus denen die Kirche besteht. Viele gibt es zwar in den Partikular-Kirchen, welche durch die Predigt des Worts äußerlich von Gott berufen werden, aber in Wirklichkeit nicht von den Schafen Christi sind. Matth. 20,16: Viele sind berufen usw. Sie sind in der Kirche, aber nicht von oder aus der Kirche, wie Joh. 1. Br. 2,19. bezeugt. Die besonderen Kirchen sind auf dieser Erde der Acker, auf dem der Weizen vom Herrn und das Unkraut vom feindlichen Menschen gesät wird. Matth. 13,24. Der verschlossene Garten Hohel. 4,12. Das Netz Matth. 13,47. Der Kasten 1. Mos. 7,8, 1. Petr. 3,20, worin reine und unreine Tiere waren. Die Tenne Matth. 3,12. Der Stall Matth. 25,32 f. Joh. 10,12. Das große Haus, 2. Tim. 2,20. Zur wahren, heiligen und katholischen Kirche gehören aber allein die Erwählten, daher die Kirche genannt wird das auserwählte Geschlecht 1. Petr. 2,9 u. ä. Hebr. 12,23. Solche, welche Verworfene, Gottlose, Heuchler sind ohne inneren Glauben, Liebe, Heiligung und geistliches Leben, rechnen wir nicht zur Kirche, wie die Päpstler tuen, sondern unter die Glieder des Antichrist. Denn sie sind keine Glieder der heiligen katholischen Kirche, sondern Geschwüre. 2. Die Erwählten und Glieder der Kirche werden an der Einigkeit des wahren Glaubens erkannt. Unter dem wahren Glauben wird hier verstanden die Lehre des wahren Glaubens, welche durch das Wort Gottes gegeben und mit gläubigem Herzen angenommen wird. Die Übereinstimmung der Kirche besteht aber nicht in Bezug auf irgend eine Lehre oder Religion, sondern in Bezug auf die wahre Lehre, wie auch die Kirche eine Säule des lebendigen Gottes und eine Grundfeste der Wahrheit ist 1. Tim. 3,15, weil sie erbauet ist auf den Grund der Apostel und Propheten Eph. 2,20. Diese Übereinstimmung der Kirche ist aber eine nicht bloß des Mundes, sondern auch des Herzens Röm. 10,9.10; in Betreff der Sakramente 1. Kor. 12,13; 10,17. Über diese Einigkeit sagt Christus: Ich habe noch andere Schafe usw. Joh. 10,16 vgl. 1. Kor. 12,25. Sie werden von einem Geiste regiert Eph. 4,3; 4,5; Joh. 17, 20-23; Apg. 2,42; 4,32. Kasp. Sibelius.
Durch diese Lehre sammelt ihm Gott aus dem menschlichen Geschlechte für und für eine ewige Kirche, und bindet dieselbige also an diese einige Lehre, dass gewisslich keine Kirche und keine Erben ewiger Seligkeit sind, wo diese Lehre nicht ist. – Denn also spricht St. Paulus: Es kann kein anderer Grund gelegt werden, denn dieser der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Und Gal. 1: So jemand ein anderen Evangelium predigen würde, auch ein Engel vom Himmel, der sei verflucht. Eph. 2: Ihr seid erbauet auf den Grund der Apostel und Propheten, da Christus der Eckstein ist. Dagegen aber wo reine christliche Lehre gepredigt wird, da ist gewisslich Gottes Kirche, denn da wirket Gott kräftiglich durch sein Evangelium und sind in dieser Versammlung für und für etliche Heilige und Auserwählte, die selig werden, wie der Herr Christus spricht: Meine Schäflein hören meine Stimme. Christoph Pezelius in der 1592 aufgestellten nassauischen Bekenntnisschrift.
Die Kennzeichen, durch welche die wahre Kirche sich von der falschen unterscheidet, sind diese: wenn die Kirche die reine Predigt des Evangeliums treibt und die lautere Verwaltung der Sakramente nach der Einsetzung Christi bedient; wenn die Kirchenzucht zur Bestrafung der Sünden gehandhabt wird; endlich, damit wir Alles mit einem Wort zusammenfassen, so man sich hält nach dem lauteren Worte Gottes und alles, was ihm widerstreitet, verwirft, und Jesus Christum für das einzige Haupt anerkennt. Niederländ. Bek. Art. 29.
Dass ich derselben ein lebendiges Glied bin und ewig bleiben werde, der Katechismus zeigt damit an, dass der Leib Christi allein aus lebendigen Gliedern bestehe. Denn weil Christus selbst eine Kraft des unvergänglichen Lebens besitzet, so teilt er auch dieses Leben seinen Gliedern mit und sie leben in und durch ihn Joh. 14,19; 1. Petr. 2,5. Und so werden dann solche lebendige Glieder unterschieden und entgegengestellt denen, die für Glieder der Kirche sich ausgeben und dafür gehalten werden, aber in der Tat keine wahren lebendigen Glieder sind. Offb. 3,1; Jak. 2,26; 2. Tim. 3,15. Worauf gründet sich die Versicherung: dass ich derselben ein lebendiges Glied bin und ewig bleiben werde? Auf die Grundwahrheit von der Beharrung der Heiligen. Matth. 24,24; 2. Tim. 2,19; Joh. 10,28; Röm. 8,38.39; 2. Tim. 1,12; Jes. 54,10; 55,3. Es ist ein ewiger Salzbund, den Gott mit den Seinen gemacht. Joh. D’Outrein
(S. Fr. 28.)
Die eigentliche Kirche ist die auserwählte Gemeine, welche der Sohn Gottes usw., so dass nur Diejenigen eigentliche Christen zu nennen sind, welche durch den wahren Glauben Glieder Christi und also seiner Salbung teilhaftig sind, dass sie seinen Namen mit Wort und Wandel bekennen, sich ihm, der sie erkauft hat, zum lebendigen Opfer darstellen usw. (s. Fr. 32). Ein wahrer Christ ist demnach die herrlichste Person, und es zu sein oder zu werden, das höchste Glück und die höchste Ehre. G. D. Krummacher.
Wenn wir, schreibt Johann von Münster zu Wortlage, sollten glauben, was unsere Vorfahren (welche wir keineswegs verurteilen 1. Kor. 4,5, sondern das beste von ihnen hoffen müssen, dass sie Gott mitten in den Finsternissen durch Jesu Christi Geist erleuchtet habe) geglaubt haben, so müssten wir nicht allein die jetzige römische Religion (welche ich gern wollte katholisch nennen, wenn sie katholisch wäre) annehmen, sondern auch die vor derselben bestandene heidnische Religion. Denn unsere Vorfahren zur Zeit Karls des Großen ja Heiden gewesen. Gott sei gedankt, dass wir gelernt haben: Es ist kein Schaden, den besten Weg annehmen nach dem Gesetz und Zeugnis Jes. 8,20. Ja, es ist eine große Weisheit, zu verlassen, was wider Gottes Wort ist, wie Augustinus lehrt.
Ob man auch außerhalb der Kirche selig werden kann? Niemand kann außerhalb der Kirche selig werden. Denn 1. außerhalb der Kirche ist kein Erlöser, also auch kein Heil. Joh. 15,1: Ohne mich könnt ihr nichts tun. 2. Welche Gott erwählt zum Ziele, d. i. zum ewigen Leben, die erwählt er auch zu den Mitteln, d. i. zu der innerlichen und äußerlichen Berufung. Die Erwählten werden also, wenn sie auch nicht immer Glieder der sichtbaren Kirche sind, doch alle solche werden, ehe sie sterben. An die h. katholische (allgemeine) Kirche glauben heißt demnach: glauben, dass es immer in der Welt gegeben habe, gebe und geben werde eine solche Kirche und in der sichtbaren Gemeine der Kirche immer einige wahrhaft wiedergeborene vorhanden seien, und dass ich zu deren Zahl gehöre, weiter, dass ich auch sein lebendiges Glied der unsichtbaren und sichtbaren Kirche und es beständig bleiben werde. Aus der Lehre von der Kirche entspringt die Lehre von der ewigen Vorherbestimmung Gottes, oder von der Erwählung und Verwerfung. Ursinus.
Winandus Zonsius, Prediger zu Bretten, sagt in seiner 1618 erschienenen Schrift über die Prädestination: Diese Lehre ist den Gläubigen nützlich und tröstlich, aber man muss vorsichtig von diesem Geheimnis handeln, dass man den Unterschied halte zwischen den Zuhörern, welcher uns Hebr. 5,13 gezeigt wird. Darum muss man diese starke Speise nicht den Unerfahrenen, sondern denen vortragen, welche durch Gewohnheit geübte Sinne haben.
Es ist, schreibt Jakob Mayer zu Winterthur in seinem Trostquell der Gnadenwahl, 1677, die Lehre von der Gnadenwahl wohl ein schweres, unverständliches Geheimnis für die Klugen dieser Welt, aber geoffenbart auch den geringsten Kindern Gottes. Sie ist wohl ein verdecktes Evangelium für diejenigen, welche verloren werden, aber ein helles Licht für die Auserwählten selbst.
Georg Spindler: Die Lehre der Prädestination ist vortrefflich nütze und gar hoch nötig, ohne welche man nicht recht wissen und verstehen kann, was Gottes Gnade, Liebe und gnädige Barmherzigkeit und ernste strenge Gerechtigkeit sei. Wie man denn nicht recht wissen kann, wie der Mensch vor Gott gerecht und selig werde, wie er zum Glauben komme und anfange, nach Gottes Willen zu leben und Gott seine Ehre gebe; und woher es komme, dass die Gottlosen nicht anders können denn sündigen und Unrecht tun, und wie Gott keine Ursache der Sünden sei. Auch können furchtsame und erschrockene Gewissen keinen festeren, seligem und gewissem Trost schöpfen, denn aus dieser Lehre in Einigkeit des wahren Glaubens.
Es ist unmöglich, dass die Lehre, welche man unbillig lutherisch und calvinisch nennet, eine falsche, irrige Lehre, sondern gewiss, dass sie die wahre seligmachende Lehre und Gottesdienst sei, und das darum, einesteils weil solche Lehre den rechten Probstein, Regel und Richtschnur, d. i. die h. Schrift zum Zeugnis hat, welche nicht irren und fehlen kann, sondern die Wahrheit ist: Joh. 17,17; andernteils weil diese Lehre des Gesetzes und Evangeliujm Lehr’ also erkläret, wie es die Ehre Gottes erfordert, das teuere Verdienst Jesu Christi erheischet und die Seligkeit, der Trost und die Besserung der Menschen nötig hat. Kurz, Gott müsste nicht Gott sein, Gottes Wort müsste nicht
Gottes Wort sein, wenn diese Lehre falsch und unrecht sein sollte. Joh. Jak. Hermann 1627 gegen den Jesuiten Coppenstein.
Darum obwohl wir in Religionssachen keinen anderen Grund legen sollen, denn der gelegt ist, Jesus Christum, der auch allein der Weg, die Wahrheit und das Leben ist; uns auch nicht gebühren will, uns nach einem andern als Christi Namen nennen zu lassen, und Athanasius wohl geschrieben, dass das nicht ein Glaube von Gott sei, welcher den Namen von einem Menschen nimmt, und weil wir von Gott geboren sind, so gebühret uns nicht, einen Namen von den Menschen zu nehmen. Jedoch wenn die Augsburgische Konfession nach des Autors Sinn und Auslegung recht soll genommen und verstanden, und der Schrift ebenmäßig und dem Glauben ähnlich vorgetragen werden, alsdann schämen sich die Reformierten gar nicht, sich zu der Augsburgischen Konfession zu bekennen und haben sich auch niemals davon abgesondert, können auch mit Fug nicht davon abgesondert werden. Johann von Münster zu Vortlage.
Johann von Münster zu Vortlage.
Es müssen Ärgernisse sein. Was uns Christus zuvor gesagt, hat er uns darum gesagt, auf dass wir nicht irre und erschrocken würden, wenn solches geschieht. Joh. 16. Wie er uns auch Matth. 13. durch das Gleichnis von dem Unkraut genugsam zu verstehen gibt, dass solche Ärgernisse aus des Feindes Nachstellung kommen. Und obschon das Unkraut bei und neben dem guten Samen wachse, dass doch der gute Same nichts desto weniger gut bleibe und sich von dem Unkraut wohl unterscheiden lasse. Und wie der gute Same wegen des Unkrautes nicht verworfen wird, also sollen wir wegen der Irrtümer, die im Schwange gehen, die gesunde heilsame Lehre nicht scheuen, die Irrtümer und Zänkereien aber meiden und uns davor hüten. Dan. Tossanus.
Der halben muss man nun vornehmlich sehen auf die Lehre und den rechten Gebrauch der Sakramente. Das sind die rechten Bande und Kennzeichen der christlichen Kirche. Denn wo Gottes Wort unverfälscht gepredigt und mit Glauben und Gehorsam wird angenommen, und wo die h. Sakramente nach der Ordnung Christi werden gespendet, da hat Gott seine Kirche und da soll man sich nicht leicht von einer solchen Kirche trennen und absondern, unangesehen, dass sich noch viele Heuchler und vermeintliche Christen in derselben Versammlung finden lassen. So ist Christus mit seinen Aposteln zu seiner Zeit die wahre Kirche gewesen, unangesehen, dass sich in derselben kleinen Versammlung ein Verräter Christi gefunden hat. Denn wie ein menschlicher Leib nicht aufhöret ein Leib zu sein, obschon an demselben etliche kranke Glieder oder sonstige Gebrechen sich finden: also höret auch die Kirche Gottes nicht auf, Gottes Kirche zu sein und zu bleiben, wiewohl sich etliche faule, unbußfertige Menschen darunter befinden. Joh. Phil. Myläus, Prediger zu Heidelberg 1616.
Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre, in der Gemeinschaft, und im Brotbrechen, und im Gebet. Apg. 2,42.
Einigkeit, ein festes Band,
Hält zusammen Leut und Land; –
Zwietracht macht Ohnmacht.
Der lutherische Prediger Laurentius Klimpkius zu Fischbach in Schlesien hat im Jahre 1610 ein vortreffliches Büchlein geschrieben, welches 1712 wieder neu aufgelegt wurde. Dessen Titel lautet: „Kurtzer und Einfältiger Bericht von der Gnaden-Wahl der Kinder Gottes zum ewigen Leben; samt einem nachdenklichen Anhang, worin klar vorgestellt wird, dass in der Lehre von der Gnaden-Wahl alle wahren Reformierte recht gut lutherisch gesinnt sind“ – oder dass, setzen wir hinzu, vielmehr alle wahren Lutherische recht gut reformiert gesinnt sind.“
Bekannt ist, dass die Römischen sich immer auf die Größe und das Alter ihrer Kirche berufen. Dem gegenüber hat Graf Johann der Mittlere von Nassau-Siegen seinem 1613 auf jesuitische Verführung hin zum Papsttum abgefallenen Sohne Johann dem Jüngeren geschrieben: Was für eine geringe Anzahl ist gewesen im Hause Gottes vor der Sündflut, da nicht mehr aus der ganzen Welt, denn acht Personen in der Arche und unter derselben die Kirche erhalten wurde, unter welchen acht doch noch ein Heuchler war. 1. Mos. 6. Nachdem aber in Sems Nachkommen die Kirche Gottes wieder gemehrt worden, ist sie allein auf den Samen Abrahams bestanden. 1. Mos. 15. usw. Wenn das Alter den Vorzug in der Kirche Gottes haben sollte, hätte Ismael, der nicht weniger aus Abrahams Samen hervorgekommen und das Zeichen der Beschneidung zuvor empfangen, den Vorzug haben sollen, aber in Isaak ward die Kirche Gottes erhalten. Es haben weder die Pharisäer noch die Juden wegen ihres Tempels, noch ihrer Geburt von Abraham halber, sich einiger Sukzession (Nachfolge) rühmen oder darauf ihre Gewalt gründen können. In Summa, wo man nicht bei Gottes Wort bleibt, da kann das Alter nichts erheben, sondern man gerät vielmehr von einem Menschen Tand zu dem anderen.
Der edle Baron Wenzel Budowecz von Budowa, Herr auf Münchengrätz, einer der ersten Märtyrer Jesu Christi in Böhmen nach dem Unterliegen der Sache des König Friedrich V. im Jahre 1621, erwiderte den zwei Kapuzinern, welche ihn im Gefängnisse auf den Weg zum Himmel weisen wollten, den er nicht kenne, weil er der römischen Kirche nicht zugehöre: Ich habe es nicht aus bloßem Wahne gesagt, ich kenne den Weg zum Himmel, sondern aus einem herzlichen Glauben an meinen lieben Heiland Christum Jesus. Ich habe die vortreffliche Verheißung: wer an ihn glaubt, soll nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Darum will ich bei unserer wahren (reformierten) Kirche bleiben bis an meinen Tod.
Und dass ich derselben ein lebendiges Glied bin und ewig bleiben werde.
Ob wir rechte, wahre, lebendige Glieder der Kirche seien oder nicht, dies können wir abnehmen aus dem Zeugnis unserer ewigen Erwählung, d. i. in Summa aus der Gegenwart des h. Geistes, welcher Zeugnis gibt unserem Geiste, dass wir Kinder Gottes seien (Röm. 8), auch aus der kräftigen Berufung aus der Welt zu Christo, welche in der Feindschaft der Sünden, Liebe der Gerechtigkeit und rechtschaffenen Lust, nach dem Willen Gottes zu leben und ihm zu dienen bestehet. Item aus der Gerechtwerdung, und also aus einem ungezweifelten Vertrauen und gewisser Zuversicht, dass uns durch Christum alle unsere Sünden vergeben und das ewige Leben aus Gnaden geschenkt sei; und endlich aus der Liebe des Nächsten, welche mit dieser gewissen Zuversicht vereinbart ist. Denn weil aus solchen Leuten die Kirche bestehet, soll derjenige, welcher diese Gaben des h. Geistes in sich befindet, gar nicht zweifeln, dass er ein Glied derselben sei. Denn daran, sagt Johannes (1. Ep. 4), erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geiste gegeben hat. Hieron. Zanchius.
Gott hat es wohl versehen, dass er unsere Seligkeit nicht zweimal hat wollen in unsere Hände und in unseren freien Willen stellen, sondern im Bunde der Gnade auch dieses versprochen, dass er alle, die er durch seinen Geist wiedergeboren und mit wahrem Glauben begabt, erhalten wolle, dass sie immerzu mit Christo, ihrem Haupte, verbunden bleiben und durch dessen allmächtige Kraft zur Seligkeit bewahret werden, dass also die Aufrichtigkeit des Glaubens an Christum die Beständigkeit mit sich hat, dass einer, der kräftig berufen oder wiedergeboren, gerechtfertigt und geheiligt ist, auch herrlich gemacht und selig werden soll. Und darum gibt’s denen auch Gott, dass sie ihr Amt hierbei verstehen, dass sie es wollen, können und tun. Damit wir uns aber nicht lang aufhalten, soll man wissen, dass diese Beharrlichkeit ihren Grund hat nicht auf einiger unserer Stärke oder Verdienst, sondern auf dem Gnadenbunde Gottes, der sich also verhält, dass der Anfang, das Mittel und Ende unserer Seligkeit bestehet auf der gewissen Gnade unseres Erlösers. Matthias Martinius.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31