Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

Moderatoren: Der Pilgrim, Anton, Peter01

Jörg
Moderator
Beiträge: 3031
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Psalm 132

Beitrag von Jörg »


11.
Der HERR hat David einen wahren Eid geschworen,
davon wird er sich nicht wenden:
"Ich will dir auf deinen Stuhl setzen
die Frucht deines Leibes.
12.
Werden deine Kinder meinen Bund halten
und mein Zeugnis, das ich sie lehren werde,
so sollen auch ihre Kinder
auf deinem Stuhl sitzen ewiglich."
13.
Denn der HERR hat Zion erwählt
und hat Lust, daselbst zu wohnen.
14.
"Dies ist meine Ruhe ewiglich,
hier will ich wohnen; denn es gefällt mir wohl.
15.
Ich will ihre Speise segnen
und ihren Armen Brot genug geben.
16.
Ihre Priester will ich mit Heil kleiden,
und ihre Heiligen sollen fröhlich sein.
17.
Daselbst soll aufgehen das Horn Davids;
ich habe meinem Gesalbten eine Leuchte zugerichtet.
18.
Seine Feinde will ich mit Schanden kleiden;
aber über ihm soll blühen seine Krone."



11. In diesen Versen haben wir ein herrliches Gebet vorliegen, von einer Art, die stets bei unserem Gott wirksam ist; denn es ist ein Flehen, das sich auf des HERRN eigene Bundesverheißungen beruft. Der HERR hat David einen wahren Eid geschworen. Wir können bei unserem dringenden Flehen Gott nichts vorhalten, was seinem eigenen Wort und Eid gleichkäme. Jehovah schwört, damit unser Glaube in sein Wort feste Zuversicht setze; er kann nicht mehr geloben, als er zu halten vermag. Was er schwört, ist die lautere Wahrheit; es wird gewisslich eintreffen. Menschen mögen zu Meineidigen werden, aber niemand wird so gottlos sein, dies von dem Gott der Wahrheit zu denken. Durch den Propheten Nathan war dieser Bund Jehovahs dem David übermittelt worden, und es konnte dabei keine Täuschung geben. Davon wird er sich nicht wenden. Jehovah ist kein wetterwendisches Wesen. Er geht nie von dem ab, was er beschlossen, geschweige denn von seiner feierlich durch einen Eid bekräftigten Zusage. Er, Jehovah, wandelt sich nicht (Mal. 3,6). Er ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue. Sollte er etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten? (4. Mose 23,19.)


Auf was für Felsengrund stehen doch diejenigen, die einen unveränderlichen Eidschwur Gottes unter den Füßen haben! Wir wissen, dass dieser Bund in seinem tiefsten Sinne mit Christus, dem geistlichen Samen Davids, geschlossen worden ist, denn Petrus redet davon zu Pfingsten deutlich (siehe Apg. 2, 29-31, besonders V. 30). Christus also sitzt auf einem sicheren Thron für immer und ewig, denn er hat den Bund gehalten (V. 12 in unserem Psalm), und durch ihn kommt der Segen über Zion (V. 13), dessen Arme (V. 15) in ihm gesegnet werden. Ich will dir auf deinen Stuhl setzen die Frucht deines Leibes.Jesus entstammte dem Geschlechte Davids, wie die Evangelisten sorgfältig berichten; er war "von dem Hause und Geschlechte Davids" (Lk. 2,4; 1,32 usw.). Er ist der König der Juden, und der HERR hat ihm auch die Heiden zum Erbe gegeben. Er muss herrschen, und seines Königreichs wird kein Ende sein. Gott selber hat ihn auf den Thron gesetzt, und keine Empörung, weder von Menschen noch Teufeln, kann seine Herrschaft erschüttern. Die Ehre Jehovahs ist damit, dass er auf dem Thron bleibt, unlöslich verknüpft, darum ist seine Regierung nie in Gefahr; denn der HERR wird nicht zulassen, dass sein Eid zu Schanden werde.

12. Werden deine Kinder (wörtl.: Söhne) meinen Bund halten und mein Zeugnis, das ich sie lehren werde. Es ist eine Bedingung an den Bund geknüpft, sofern derselbe die Könige aus Davids Stamm vor dem Kommen des wahren Samens betraf; dieser Davidssohn im höchsten Sinne des Wortes hat aber jene Bedingung aufs vollkommenste erfüllt und damit den Bund sowohl in Bezug auf ihn selbst als auch in Bezug auf seinen geistlichen Samen auf ewige Zeiten unanfechtbar gemacht. Betrachten wir die Verheißung in ihrer zeitlichen Beziehung, so war es nichts Geringes für Davids Nachkommen, dass ihnen bei gutem Verhalten der Thron gesichert war. Diese Fürsten trugen ihre Krone von Gott zu Lehen unter der Bedingung der Treue gegen ihren Oberherrscher, der sie zu der hohen Stellung erhoben hatte. Ihre Bundestreue sollten sie erweisen durch Gehorsam gegen Gottes Gesetz sowie durch Glauben an die göttliche Wahrheit. Sie sollten Jehovah sowohl als ihren Gebieter als auch als ihren Lehrer anerkennen. Welche große Herablassung von Gott, dass er sie lehren wollte! Mit welcher Freude hätten sie ihm verständnisvollen Gehorsam entgegenbringen sollen! Wie angemessen, wie recht und billig und wie notwendig war die Bedingung, welche Gott macht, dass sie ihm aufrichtige Treue halten sollten, da der in Aussicht gestellte Lohn die herrliche Verheißung war: So sollen auch ihre Kinder (wörtl.: Söhne) auf deinem Stuhl sitzen ewiglich. Wollen sie zu seinen Füßen sitzen, so will Gott sie auf dem Thron sitzen lassen; werden sie den Bund halten, so sollen sie die Krone behalten von einem Geschlecht zum andern.

Das Reich Juda könnte heutigen Tages noch bestehen, wenn die Könige dieses Reiches dem HERRN treu gewesen wären. Kein Aufruhr im Innern und kein Angriff von außen hatte das davidische Königshaus stürzen können; es fiel durch seine Sünde, und aus keiner anderen Ursache. Wiewohl er fort und fort gereizt ward, war der HERR doch erstaunlich langmütig; denn noch lange (134 Jahre) nachdem das abtrünnige Israel in die Gefangenschaft weggeschleppt worden war, blieb Juda bestehen. Wunder der Barmherzigkeit taten sich an diesem Volke kund. Gottes Geduld überschritt alle gewöhnlichen Grenzen, denn des HERRN Rücksicht auf David war außerordentlich groß. Die Fürsten aus dem Hause David schienen ganz darauf versessen, sich selber ins Unglück zu bringen, darum vermochte nichts sie vom Verderben zu retten. Die Gerechtigkeit zögerte lange, aber schließlich konnte sie doch nur noch das Schwert ziehen und zuschlagen. Doch wenn auch der Menschen Treubrüchigkeit den Bund nach seinem Buchstaben dahinfallen ließ, so ist der HERR dem Bunde dennoch dem Geist und Wesen desselben nach treu geblieben; denn Jesus herrscht und sitzt auf dem Thron für immer und ewig. Davids Same ist noch immer in der Königswürde, denn David war nach dem Fleische der Ahn dessen, der da ist der König aller Könige und der Herr aller Herren.

Unser Vers zeigt uns, wie notwendig die häusliche Frömmigkeit ist. Die Eltern haben die Pflicht, dazu zu sehen, dass ihre Kinder die Furcht des HERRN kennen, und sie müssen den HERRN bitten, dass er selber sie diese Wissenschaft lehre. Wir haben kein unverlierbares Erbrecht auf Gottes Huld. Der HERR selber zwar hält den Familien der Seinen die Freundschaft von einem Geschlecht zum andern, denn er verlässt nur höchst ungern die Nachkommen seiner Diener und tut es nie, es sei denn, dass sie ihn schwer und fortgesetzt reizen. Wir, die Gläubigen, stehen alle gewissermaßen unter Bundesvorrechten, die denen Davids ähnlich sind. Manche von uns können auf vier oder noch mehr Generationen frommer Voreltern zurückschauen, und freudig blicken wir in die Zukunft und sehen unsere Kinder und Kindeskinder in der Wahrheit wandeln. Doch wissen wir, dass die Gnade sich nicht mit dem Blut vom Vater auf den Sohn überträgt, und deshalb sind wir von heiliger Furcht erfüllt, es möchte einer von unseren Nachkommen ein arges ungläubiges Herz haben, das da abtrete von dem lebendigen Gott (Hebr. 3,12).

13. Denn der HERR hat Zion erwählt. Jerusalem war nicht mehr als irgendeine andere kanaanitische Stadt, bis Gott es erwählte, David es eroberte, Salomo den Tempel daselbst erbaute und der HERR darin Wohnung nahm. So waren auch die Herzen, die jetzt die Gemeinde Gottes bilden, nichts als eine Jebusiterfeste, bis die Gnade sie erkor, sie besiegte, umgestaltete und zu einem heiligen Tempel weihte, darin der HERR wohnt. Jehovah hat die Seinen erwählt, darum sind sie sein Volk. Er hat die Gemeinde erkoren, darum ist sie, was sie ist. So sind denn in dem Bunde David und Zion und ebenso Christus und die Seinen zusammengefasst. David war um Zions willen da und Zion um Davids willen; desgleichen steht die Sache Christi und die der Seinen miteinander in Wechselbeziehung. Und hat Lust, daselbst zu wohnen, wörtl.: hat es zum Wohnsitz für sich begehrt. Davids Frage hat eine Antwort gefunden. Der HERR hat gesprochen; der Ort des Tempels ist bestimmt, die Stätte, wo der HERR sich offenbaren will, deutlich gezeigt. Die Einwohnung folgt auf die Erwählung und ergibt sich aus ihr: Zion ist von Gott erkoren, und zwar als Wohnsitz für ihn. Dass Gott begehrt, unter dem Volke zu wohnen, das er sich zum Volk des Eigentums ausersehen hat, ist sehr huldreich von ihm und doch wiederum sehr natürlich: seine Liebe will denen nicht ferne bleiben, die sie sich erkoren hat. Ja, Gott verlangt danach, bei denen zu wohnen, die er mit ewiger Liebe umfangen hat, und wir wundern uns insofern nicht darüber, als auch wir ja die Gesellschaft unserer Lieben herzlich begehren. Doch ist es ein zwiefaches Wunder, dass der HERR sich solch geringe und elende Wesen, wie wir es sind, erkoren hat, und dass er nach ihrer Gemeinschaft verlangt; das Innewohnen des Heiligen Geistes in den Gläubigen ist ein Wunder der Gnade, das mit dem Wunder der Fleischwerdung des Sohnes Gottes verwandt ist und dazu in inniger Beziehung steht. Gott in der Gemeinde, das ist das Staunen der Engel, der Wunderrat der Ewigkeit, die Ruhmeskrone der unendlichen Liebe.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
Moderator
Beiträge: 3031
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Psalm 132

Beitrag von Jörg »

14. Dies ist meine Ruhe ewiglich. O welch herrliche Worte! Jehovah selbst ist es, der hier spricht. Denken wir nur: eine Ruhe für Gott; ein Sabbat für den Ewigen und eine Wohnstätte für den Unendlichen! Er nennt Zion seine Ruhe. Hier verweilt seine Liebe, hier offenbart sie sich mit Lust. "Zion, der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der ein Heiland ist. Er hat seine Lust an dir in Wonne, schweigt in seiner Minne, er frohlockt über dich mit Jauchzen!" (Zeph. 3,17 Grundtext) Und ewiglich soll es also bleiben. Er wird sich niemals eine andere Ruhestatt suchen; nie wird er der Seinen müde werden. An Christo hat das Herz Gottes seine volle Befriedigung gefunden, und um seinetwillen hat er auch an denen, die ihm angehören, Wohlgefallen und wird es haben allezeit, bis in alle Ewigkeit. Die hehren Worte unseres Verses bezeugen eine bestimmte, endgültige Wahl: dies und kein anderer Ort, und eine gegenwärtige Wahl: dies Zion, das jetzt vorhanden ist. Allerdings müssen wir dabei, Schrift mit Schrift erklärend, die Worte in ihrem inneren, ewig wahren Sinne erfassen. Gott hat seine Wahl vor Grundlegung der Welt getroffen, er hat sie nicht geändert und wird sie sich niemals reuen lassen: seine Gemeinde war seine Ruhe und ist noch heute seine Ruhe. Wie er sich von seinem Eid nicht wenden wird (V. 11), so auch nicht von seiner Wahl.


O dass wir in seine Ruhe eingehen, dass wir ein Teil seien seines Zion und durch einen Glauben aus heißer Liebe dem Herzen dessen Freude bereiten, der Gefallen hat an denen, die ihn fürchten, die auf seine Gnade trauen! Hier will ich wohnen, denn es gefällt mir wohl (wörtl.: denn nach ihr [nach dieser Ruhestatt] verlangte ich). Abermals erfüllt uns seliges Staunen, dass der, der alles erfüllt, in Zion, in seiner Gemeinde wohnen will. Gott besucht seine Auserwählten nicht mit unwilligem, halbem Herzen; er begehrt bei ihnen zu wohnen, es verlangt ihn nach ihnen. Er ist schon in Zion, denn wenn er sagt: "Hier will ich wohnen", so redet er als einer, der schon auf dem Platze ist. Er will nicht nur hier und da zu seiner Gemeinde kommen, sondern er will in ihr wohnen als seinem festen Sitz. Ihn zog nicht die Pracht des salomonischen Tempels an, wohl aber beschloss er, dass er sich auf dem Gnadenstuhl von Betern wollte finden lassen und sich von dort aus in der Herrlichkeit der Gnade unter dem so hoch durch seine Huld bevorzugten Volke kundtun. Dies irdische Heiligtum war jedoch nur ein schattenhaftes Vorbild von dem geistlichen Tempel, dessen Grund und Eckstein Jesus ist, auf welchem nun alle die einzelnen lebendigen Steine sich von dem göttlichen Baumeister miteinander aufbauen lassen zu einer Behausung Gottes im Geist (1. Petr. 2,5; Eph. 2,22). O wie köstlich ist der Gedanke, dass der HERR danach verlangt, bei den Seinen zu sein, unter ihnen zu weilen, ja in ihnen zu wohnen, dass er spricht: Es gefällt mir wohl! Wahrlich, wenn das sein Begehren ist, da zu wohnen, so wird er es zustande bringen. Wenn schon den Gerechten das, was sie begehren, gegeben werden soll (Spr. 10,24), wieviel mehr wird das Begehren des gerechten Gottes in Erfüllung gehen! Gefällt ihm das so wohl, dann ist es auch unseres Herzens Freude; denn in Gott ist unsere Ruhe, und mit ihm ewig vereint zu bleiben ist wahrlich unser tiefes Begehren. Dieser Vers macht auch allen unseren Befürchtungen für die Gemeinde Gottes ein Ende. Denn ist Gott bei ihr drinnen, so wird sie festbleiben (Ps. 46,6); begehrt der HERR ihrer, so vermag der Teufel sie nicht zu vernichten.

15. Ich will ihre Speise reichlich (Grundtext) segnen. Es muss ja so sein. Wie könnten wir ohne Segen sein, wenn der HERR in unserer Mitte ist? Alles, was zu unserem Lebensunterhalt gehört, empfangen wir von ihm und haben wir mit ihm, und wie könnte das, was seine Gnade den Seinen darreicht, anders als gesegnet sein? Reichlich segnen will er unsere Nahrung: dann wird sie also beides, reichlich und gesegnet sein. Eine tägliche, königliche, volle Genüge bietende, überschwänglich köstliche und herzerfreuende Versorgung soll die Gemeinde von ihrem Herrn empfangen; und der darauf ruhende Segen wird in uns bewirken, dass wir das göttliche Lebensbrot im Glauben nehmen, es tatsächlich essen, d. h. in der Erfahrung seine Kraft erproben, dadurch wachsen in der Heiligung, dadurch gestärkt werden zur Arbeit, dadurch erquickt werden zum Ausharren in Geduld, dadurch ausreifen zur Vollkommenheit. Und ihren Armen Brots genug geben, so dass sie völlig gesättigt werden. Die Bürger Zions sind von sich aus arme Leute, geistlich arm und oft auch am Beutel arm; aber ihre Herzen sollen so befriedigt werden, ihre Seele in solchem Überfluss wohnen, dass sie weder mehr nötig haben, noch mehr begehren werden. Volle Genüge - wer könnte Höheres wünschen? Diese zu erleben und zu besitzen, das ist der Gipfel dessen, was ein Mensch an Glückseligkeit erfahren kann. Wo Gott wohnt, da hat sein Volk genug. Sie sollen sich an dem sättigen, was der HERR selber Brot nennt, und wir dürfen ganz gewiss sein, dass er weiß, was wirklich Brot für die Seele ist. Er wird uns keine Steine für Brot bieten.


Die Armen des HERRN sollen Brot haben, das für sie passt; Brot, das ihrem Gaumen mundet, ihren Hunger stillt, ihre Muskeln stärkt und ihr Wachstum fördert. Das irdische Brot ist nur vergängliche Speise, Nahrung für den Augenblick; es gibt aber noch ein anderes Brot, das Gott uns darreichen will, das da bleibt in das ewige Leben (Joh. 6,27). In der Gemeinde des HERRN, wo der HERR seine Ruhestätte hat, sollen die Seinen nicht Hungers sterben; er würde nimmer da ruhen, wenn das geschähe. Er nahm sich keine Ruhe sechs Tage lang, bis er die Welt so für Adam bereitet hatte, dass dieser darin leben konnte. Er ließ seine Hand nicht rasten, bis alles fertig war; darum dürfen wir, wenn der HERR sich zur Ruhe niederlässt, gewiss sein, dass dies geschieht, weil alles vollbracht ist (Joh. 19,30) und der HERR in seiner Güte für uns Arme volle Fürsorge getroffen hat. Wo Gott findet, wonach ihn verlangt hat, da werden die Seinen auch ihr Begehren gestillt finden; wo es ihm gefällt, da wird es auch ihnen gefallen.
Nehmen wir die beiden Teile des Verses zusammen, so sehen wir, dass nichts als ein überschwänglich reicher Segen in der Gemeinde das arme Volk des HERRN wahrhaft befriedigen kann, so dass sie genug haben; sie sind elend und von allem entblößt, bis dieser Segen kommt. Alles, was selbst der reiche Salomo herbeischaffen konnte, hätte die Frommen seiner Tage nicht sättigen können; sie richteten ihre Blicke höher hinauf und sehnten sich nach dem reichen Segen, den nur der HERR selber geben kann, und hungerten nach dem Brot, das vom Himmel kommt. Sie hatten, gottlob, in diesem Vers die göttliche Zusage: Ich will es tun; was hätte ihrem Glauben eine bessere Stütze sein können?


16. Der HERR verheißt sogar noch mehr, als von ihm erbeten worden war. Beachten wir, dass der neunte Vers für die Priester erflehte, dass sie mit Gerechtigkeit bekleidet sein möchten, und wie die Antwort nun lautet: Ihre Priester will ich mit Heil kleiden. Gott ist’s gewohnt, zu tun überschwänglich über alles, das wir bitten oder verstehen. Die Gerechtigkeit ist nur ein Stück des Segens, das Heil dagegen ist die ganze Fülle. Welch köstliches Gewand ist dies, welch mehr als königlicher Schmuck: Kleider des Heils! Wir wissen, wer sie gewoben, wer sie gefärbt und wer sie seinem Volke gegeben hat. Das ist der beste Talar für Priester und Prediger, das beste Feierkleid für König und Volk; es ist seinesgleichen nicht, gib mir’s! (1. Samuel 21,10) Aber nicht alle Priester bekommen dieses Kleid, nur ihre, nämlich Zions, Priester, diejenigen, die in Wahrheit dem rechten Zion angehören durch den Glauben an Jesus Christus, der sie zu Priestern gemacht hat vor Gott (Off. 1,6). Diese werden von dem HERRN selbst eingekleidet, und niemand vermag also zu kleiden wie er. Wenn schon die Lilien auf dem Felde von ihrem Schöpfer also bekleidet sind, dass sie selbst Salomo in aller seiner Herrlichkeit übertreffen, wie herrlich werden erst seine Kinder gekleidet sein! Ja wahrlich, der Herr kommt, sich zu verherrlichen an seinen Heiligen und bewundert zu werden an allen Glaubenden. (2. Thess. 1,10 Grundtext) Die Herrlichkeit der Dienstkleidung der Priester Gottes wird das Staunen der Himmel sein. Und ihre Heiligen (oder Frommen) sollen fröhlich sein,Grundtext: laut aufjubeln. Wiederum übertrifft die göttliche Antwort die Bitte. Der Psalmist bat, der HERR wolle geben, dass seine Heiligen sich freuen. Ja, sagt der HERR, das sollen sie, und zwar soll ihre Freude so groß sein, dass sie in lauten Jubel ausbrechen.3


Sie sollen über alle Maßen voll von Wonne sein; ihre Gesänge und Freudenrufe sollen so voller Lust und so lebhaft sein, dass sie tönen wie das Rauschen großer Wasser und das Tosen gewaltiger Donner (Off. 14,2; 19,6). Diese fröhlichen Heiligen entsprechen sehr wenig jenen Afterheiligen, die der Aberglaube uns zur Verehrung vor Augen stellt; aber von diesen ist hier auch nicht die Rede, sondern von Zions Heiligen, von den Heiligen des Höchsten, den "Geheiligten in Christo Jesu" (1. Kor. 1,2). Die sollen so reich gesegnet (V. 15a), so mit Gottes Brot gesättigt (V. 15b) und so herrlich geschmückt sein mit den Kleidern des Heils (V. 16 a), dass sie nicht anders können als laut jubeln, um ihr Erstaunen, ihre Dankbarkeit, ihre Wonne, ihre Begeisterung, ihre Freude im HERRN zum Ausdruck zu bringen. Gottes Zion ist kein Trappistenkloster. Dass Gott unter seinen Auserwählten seine Ruhestatt erkoren hat und sich da kundtut in der Herrlichkeit seiner Gnade, ist genug, um auch die Schweigsamsten zu Freudenausbrüchen zu veranlassen. Wenn schon die Morgensterne allzumal Gott zujubelten, als der HERR die Erde gründete (Hiob 38,7), wieviel mehr werden alle Gottessöhne jauchzen, wenn der neue Himmel und die neue Erde vollendet sind und das neue Jerusalem aus dem Himmel von Gott herabkommt, bereitet als eine geschmückte Braut ihrem Manne! (Off. 21,1 f.) Inzwischen ist schon jetzt die Wohnung Gottes unter uns eine immer sprudelnde Quelle wonniger Freude für alle gottseligen Herzen. Dies Jubeln vor Freude ist allen Heiligen Zions verbürgt; Gott sagt: Sie werden froh frohlocken. Verlassen wir uns darauf, sie werden es tun; wer sollte sie an diesem Rühmen hindern können? Der Geist des HERRN hat die Bitte gewirkt: "Lass deine Heiligen sich freuen", und darauf hat der HERR die Verheißung gegeben: "Sie sollen vor Freude aufjubeln" - wer vermöchte es nun wohl, sie zum Schweigen zu bringen? Der Bräutigam ist bei ihnen; wie könnten die Hochzeitsleute fasten und Leid tragen? Nein, wahrlich, wir sind fröhlich, und wir wollen fröhlich sein!


Fußnote
3. So suchen wir die beachtenswerte Steigerung des Grundtextes zu Gefühl zu bringen. Sehr dem Grundtext entsprechend übersetzt Delitzsch V. 9 frohlocken, V. 16 froh frohlocken.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
Moderator
Beiträge: 3031
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Psalm 132

Beitrag von Jörg »

17. Daselbst will ich David ein Horn sprossen lassen. (Wörtl.) In Zion soll Davids Herrscherhaus Macht und Ruhm enthalten. Die Stierhörner sind ja ein sehr naturwüchsiges Sinnbild der Stärke, besonders der die Feinde zu Boden werfenden und vernichtenden Kraft sowie der auf Stärke und Macht beruhenden Ehre. Den Israeliten, deren Hauptbeschäftigung Ackerbau und Viehzucht waren und die nach göttlichem Gebot (3. Mose 22,24) keine ihrer natürlichen Kraft beraubten Ochsen, sondern nur Stiere hatten, bot sich dies Bild der Kraft fortwährend dar. Wenn der heutige Stier in Palästina sehr unansehnlich ist, so dürfen wir von dem jetzigen heruntergekommenen Stand des Landes nicht auf die frühere Zeit schließen. Im Gegenteil deuten schon der (in der Dichtkunst gebrauchte) Name des Stiers, "der Starke", sowie Stellen wie Ps. 22,13 darauf, dass das Rindvieh der Israeliten eine starke und ansehnliche Rasse war. Das Bild von den Hörnern kommt denn auch sehr häufig in der Schrift vor. Außer dem Stier dient auch an etlichen Stellen ein wildes Horntier, dessen Name von Luther irrtümlich mit Einhorn übersetzt ist (siehe zu Ps. 22,22), als Bild der wilden Stärke. An unserer Psalmstelle, wo vom Aufsprossen eines Hornes die Rede ist, hat man vielleicht an den Hirsch zu denken, der in biblischen Zeiten ganz ohne Zweifel im Heiligen Lande verbreitet war und oft in der Bibel genannt wird. Dieses Tier wirft ja bekanntlich im Februar, der deshalb Hornung heißt, sein Geweih ab, worauf dieses wieder, mächtiger als zuvor, aufsprießt. Wie der Hirsch, eine der edelsten, Stolz mit Anmut vereinigenden Tiergestalten, durch die Entwicklung seines Geweihes immer stattlicher und mächtiger wird, so soll das Haus Davids von Kraft zu Kraft fortschreiten. Diese Kraftentfaltung soll nach unserem Psalmwort durch göttliches Wirken geschehen, daher wird es ein gesundes, sicheres Wachstum sein; und in Zion, daselbst, wird dies Horn Davids aufsprießen. Wirkt Gott in uns ein Sprossen und Wachsen in Kraft, so vermag niemand uns zu Schwäche und Schwinden zu bringen.


Als die Thronfolger Davids den HERRN verließen und den Gottesdienst verfallen ließen, da wurden sie schwach und kamen in jeder Beziehung herunter, denn nur durch die Kraft des HERRN und in Verbindung mit seinem Dienst konnte und sollte ihr Horn aufsprossen. Als aber das Haus David in der tiefsten Erniedrigung war, da erwies Jehovah sich als der Mächtige, der vermag, was bei den Menschen unmöglich scheint, und als der Treue, der seine Verheißung aufs herrlichste erfüllt. Da durfte Zacharias, des Heiligen Geistes voll, die Weissagung unseres Psalms und ähnliche mit dem Auge des Glaubens als in Erfüllung gehend schauen und frohlockend rühmen: "Gelobet sei der HERR, der Gott Israels, denn er hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils in dem Hause seines Dieners David!" Ja, unser David ist mächtig, alle Feinde niederzuwerfen und zu vernichten. In der Offenbarung des Johannes schauen wir ihn inmitten des Thrones als ein Lamm, wie geschlachtet, aber mit sieben Hörnern, angetan mit der ganzen Fülle der Macht.
Ich habe (daselbst) meinem Gesalbten eine Leuchte zugerichtet. Die Leuchte ist das Sinnbild der Dauer und des Gedeihens eines Geschlechtes. Davids Name sollte leuchten und strahlen wie ein Licht; er sollte beständig scheinen wie die Leuchte im Heiligtum. So sollte er dem Volke ein Trost sein und auch umher unter den Völkern leuchten. Gott wollte das Licht Davids nicht erlöschen lassen durch Aussterben seines Geschlechtes; sein heiliger Rat hatte beschlossen, dass das Haus seines Dieners in Israel bestehen bleiben sollte. Wir dürfen die Verheißung unseres Verses jedoch ohne Zweifel als eine unmittelbar messianische Weissagung ansehen, die in dem Gesalbten, in Christo, herrlich in Erfüllung gegangen ist. Welch eine Leuchte ist unser Herr Jesus! Wie der alte Simeon schon es aussprach: Ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und Herrlichkeit für dein Volk Israel (Lk. 2,32). Er ist jetzt schon hienieden unser Licht, und er wird das Licht des Himmels sein. O dass uns Gnade zuteilwerde, unsere Erleuchtung und unseren Trost, unsere Freude von Jesus, dem wahren Gesalbten Jehovahs, zu empfangen, und nur von ihm allein!

18. Seine Feinde will ich mit Schanden kleiden. Sie sollen völlig und für immer geschlagen sein; alle ihre Anschläge sollen in so gänzlicher Enttäuschung enden, dass sie ihre gottwidrigen Pläne selber verabscheuen und vor aller Kreatur der Schmach und Verachtung anheimfallen werden, dafür dass sie den ewig Preiswürdigen gehasst und sich wider ihn erhoben haben. Sie werden ihre Schande nicht verbergen können, sie wird sie bedecken wie ein Gewand; Gott selber wird sie darin einkleiden für immer. Die Schande wird das Sträflingskleid sein, das sie in alle Ewigkeit tragen müssen. Welcher Gegensatz zu dem strahlenden Gewande des Heils, womit derselbe Gott seine Diener schmückt! (V. 16.) Aber über ihm (auf ihm) soll blühen seine Krone. Unverwelklich soll der Lorbeer seines Siegerkranzes sein. Er soll die Krone der Ehren gewinnen und tragen, und das Diadem seiner ererbten Fürstenwürde soll an Glanz zunehmen. Ist das nicht heutigen Tages an Jesu in der Erfüllung begriffen? Sein Königtum kann nicht erlöschen, seine Herrscherherrlichkeit nicht erbleichen. Ihn zu ehren ist unsere Lust; ihm gebührt die Krone, und auf ihm blüht sie. Will jemand sie ihm entreißen, so müssen solche Verräterpläne in Schande enden, er aber wird herrschen in immer herrlicher strahlendem Glanz.

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Psalm 132 gibt die Weissagung, welche die Regierung Salomos und den Tempelbau begleitete. Das Lied beginnt mit der Erinnerung an den Eifer Davids, dem HERRN ein Haus zu bauen, und ladet ihn nun ein, die Bitte des Königs zu erfüllen und in sein Haus zu kommen. Die Antwort darauf bildet Gottes Verheißung, durch die Davids Haus für immer zum königlichen Geschlecht und Jerusalem zur Stadt Gottes erkoren ist. Prof. Adolf Schlatter 1894.

Der Psalm erfleht um Davids willen göttliche Huld dem Gesalbten Jahves. Dieser Gesalbte ist in diesem Zusammenhang weder der Hohepriester noch Israel, welches nie so genannt wird, noch David selbst. Auch Serubabel konnte nicht gesalbt heißen, denn er war es nicht. Der Chronist, der 2. Chr. 6,41 f. den Psalm inhaltsgemäß verwendet, hat V. 10 als Fürbitte für Salomo verstanden, und die Situation, in welche wir durch V. 6-8 hineinversetzt werden, scheint das zu fordern. Der Psalm passt in Salomos Mund. Die Ansicht, dass er von Salomo selbst gedichtet sei, als die Bundeslade aus dem Zelttempel auf Zion in das Tempelgebäude auf Zion versetzt ward (Amyraldus, De Wette, Tholuck u. a.), hat für sich das Verhältnis des Hergangs, wie er 2. Chr. 5,5 ff. erzählt wird, zu den Wünschen des Psalms (wie auch eine gewisse Verwandtschaft des Stils mit demjenigen von Ps. 72). Möglich ist aber auch, dass ein jüngerer Dichter hier (Ps. 132) in V. 7.8 Worte aus dem Herzen der Gemeinde in Salomos Zeit reproduziert und damit V. 9.10 Bitten der Gemeinde der Gegenwart verbindet. Jedenfalls ist der Psalm aus einer Zeit, wo der davidische Thron noch bestand und die heilige Lade noch vorhanden war. Das, was nach 2. Samuel 6,7 David zu Ehren Jahves getan (vergl. im Ps. V. 1-5) und hinwieder ihm von Jahve verheißen worden (V. 11-18), wird hier von einem nachdavidischen Dichter zur Grundlage hoffnungsvoller Fürbitte für das sionitische Königtum und Priestertum und die von beiden verwaltete Gemeinde gemacht (V. 6-10). - Nach Prof. Franz Delitzsch † 1890.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
Moderator
Beiträge: 3031
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Psalm 132

Beitrag von Jörg »

Erläuterungen und Kernworte


Manche Ausleger, z. B. Hengstenberg, Keßler, Bäthgen, halten den Psalm (unter Herbeiziehung von Ps. 89 u. a.) für nachexilisch, vor allem um des Gepräges der zweiten Hälfte willen. Und zwar kommt da erstens das Messiasbild in Betracht (siehe die Erläuterungen S. 206 zu zamach V. 17) und zweitens die Bedeutung, welche Zion, d. i. Jerusalem, beigemessen wird. Dass der Psalm, was auch geltend gemacht wird, unter den Wallfahrtsliedern steht, kann uns dafür nicht maßgebend sein. Und die Vers 8-10 versetzen uns doch unbedingt in die vorexilische Zeit. Man muss dann dieser Schwierigkeit zu entkommen suchen, indem man vermutet, die nachexilische Gemeinde bediene sich bei ihrer Bitte in V. 8-10 absichtlich altüberlieferter, auch sonst vielleicht bei feierlichen Gelegenheiten gebrauchter Worte (vergl. zu V. 8 4. Mose 10,35) aus der großen vorexilischen Zeit, in welche die Frommen sich gerne zurückversetzten. Der Wortlaut passt freilich nicht mehr, da ja in der nachexilischen Zeit weder eine Lade noch ein Gesalbter des HERRN vorhanden ist, und die Bitte hat dann nur allgemein den Sinn, der HERR wolle sich an dem Ort seiner Wohnung auch wirklich machtvoll und herrlich erweisen. - James Millard

Der Psalm zerfällt in vier Absätze von je 10 Zeilen: (V. 1-5) (V. 6-10) (V. 11-13) (V. 14-18). Jede dieser vier Strophen enthält den Namen Davids. W. Kay 1871.

Es will beachtet sein, dass die zweite Hälfte des Psalms, welche Verheißungsworte des HERRN enthält, zu der ersten Hälfte parallel läuft. (V. 1-6) finden ihre göttliche Antwort in (V. 12), (V. 2) in (V. 11), (V. 7) in (V. 13), (V. 8) in (V. 14), (V. 9) in (V. 15.16), (V. 10) in (V. 17.18). Aufmerksame Beachtung dieser Parallelismen ist oft notwendig, wenn die Bedeutung der Worte der Heiligen Schrift richtig gewürdigt werden soll. Joseph Angus1862.

Der ganze Psalm ist, dass ich so sage, ein heiliger Wettstreit, darin Gott und ein König sich messen, der König mit Frömmigkeit, Gott mit freigebiger Güte. Der König erscheint als ein Muster von Eifer für Gott, und Gott bezeugt sich als herrlicher Vergelter seiner Diener. Der König versagt sich alle Bequemlichkeit und Ruhe, um ein würdiges Haus zu bereiten, da er Gott zu Gast bitten dürfe, und Gott, der Himmel und Erde erfüllet, lässt sich herab, an der Stätte, die der König für ihn bereitet hat, für immer Wohnung zu nehmen. Der König bringt sein Flehen dar nicht nur für sich, sondern auch für Priester und Volk; und Gott enthält seinen Segen dem Könige nicht vor, aber er verheißt ihn auch der Kirche und dem Staate. Und Gott geht in seinen Zusagen jedes Mal noch hinaus über das, was von ihm erbeten worden war. Endlich: der König bindet sich mit einem Eide, sein Gelübde zu erfüllen, und Gott besiegelt ebenfalls mit einem Eide das, was er dem König (V. 11 f.) und dem ganzen Volke samt dem Königshause (V. 14-18) verheißt. Arthur Lake † 1626.

V. 1. Gedenke, HERR. Es ist ein herrliches Vorrecht, Gott gleichsam als sein Kammersekretär4 erinnern zu dürfen. Es ist dem Glauben gestattet, und wir finden in der Schrift viele Ermutigungen dazu, Gott an seinen Bund und seine kostbaren Verheißungen zu erinnern. Gott kennt ja freilich keine Vergesslichkeit. Die Vergangenheit liegt, gerade so wie die Zukunft, wie ein aufgeschlagenes Buch vor ihm. Aber der HERR hat Wohlgefallen an dem Glauben seiner Kinder, der sich in solchen Gebeten kundtut, und wir prägen uns durch solche Übung des Glaubens unschätzbar wertvolle Lektionen ein. Henry Law † 1882.

An all sein Leiden. Die Leiden der Gläubigen um der Wahrheit willen sind zwar nicht verdienstlich, aber auch nicht vergeblich; sie sind bei Gott unvergessen (Mt. 5,11.12). Christoph Starcke † 1744.

Gedenke, HERR, dem David all seine Mühsal oder seine Bemühungen. (Grundtext) "Man gedenkt jemandem etwas", sagt Delitzsch, "indem man ihm vergilt, was er geleistet, oder indem man ihm leistet, was man ihm verheißen hat." An diese Bitte der nachdavidischen Gemeinde, in der erstgenannten Bedeutung aufgefasst, und an ähnliche Worte konnte eine spätere dem Geist der Heiligen Schrift entfremdete Theologie die Lehre von dem Verdienst der Väter knüpfen, die ja nebst den weiter aus ihr sich ergebenden Lehren von der Fürbitte der Heiligen usw. in der jüdischen Orthodoxie hernach eine große Rolle spielt. - James Millard

V. 1-5. Mit der Mühsal Davids ist all die Sorge und Mühe gemeint, welche David um Beschaffung einer würdigen bleibenden Stätte für Jahves Heiligtum hatte. Das Zeitwort bedeutet sich mit etwas mühen oder plagen, das davon gebildete Wort hier die selbstauferlegte oder auch die durch Umstände, wie die langwierigen Kriege (1. Könige 5,17), auferlegte Mühe eines lange erfolglosen und doch nie erschlafften Strebens. Denn David hatte sich Gott verschworen, dass er sich schlechterdings keine Ruhe und Rast gönnen wolle, bis er eine feste Wohnung für Jahve erreicht habe. Was er 2. Samuel 7,2 zu Nathan sagt, ist Andeutung des angelobten Entschlusses, der nun in einer Zeit siegreichen Friedens, wie es schien, zur Ausführung reif war, nachdem in der Übersiedelung der Bundeslade nach Zion 2. Samuel 6 schon der erste Schritt dazu getan war (denn 2. Samuel 7 ist an 2. Samuel 6 unchronologisch und nur des inneren Zusammenhangs halber angeschlossen). Nachdem die lang ersehnte (vergl. Ps. 101,2 Grundtext: Wann kommst du zu mir?) und nicht ohne Schwierigkeiten und Schrecknisse vor sich gegangene Einholung der Bundeslade bewerkstelligt war, verging wieder eine Reihe von Jahren, während welcher David den Gedanken, Gott ein Tempelgebäude zu errichten, mit sich herumtrug. Und als er durch Nathan den Bescheid erhalten hatte, dass nicht er, sondern sein Sohn und Nachfolger Gott ein Haus bauen solle, tat er doch für den Wunsch seines Herzens so viel, als bei dieser Willenserklärung Jahves möglich war: er weihte die Stätte des künftigen Tempels, schaffte die zum Bau nötigen Mittel und Materialien, traf die für den künftigen Tempeldienst nötigen Einrichtungen, begeisterte das Volk für den bevorstehenden Riesenbau und übergab seinem Sohne das Modell desselben, wie uns das alles ausführlich vom Chronisten erzählt wird. Prof. Franz Delitzsch † 1890.

V. 2. Und gelobte. Es ist sehr beachtenswert, wie wenige Beispiele von Gelübden die Heilige Schrift berichtet im Vergleich mit den vielen Beispielen herrlicher und wunderbarer Führungen der göttlichen Vorsehung, die sie uns vor Augen stellt. Wir gewinnen den Eindruck, die Schrift wolle uns an einigen Beispielen die nötige Unterweisung geben, wie wir uns zu verhalten haben, wenn wir etwa ein Gelübde zu tun beabsichtigen, sie führe uns aber auch nur wenige vor, damit wir erkennen, dass wir es nicht oft tun sollen. Der Erzvater Jakob lebte 147 Jahre; doch lesen wir, soviel ich mich erinnere, nur von einem Gelübde in seinem Leben. Henry Hurst † 1690.

Gelobte dem Mächtigen Jakobs. Der erste, von dem wir lesen, dass er ein heiliges Gelübde abgelegt habe, ist Jakob, den man deshalb auch etwa den Vater der Gelübde nennt. Abraham Wright † 1690.

Der Gottesname "der Starke Jakobs" ist wie Jes. 1,24; 49,26; 60,16 aus 1. Mose 49,24. Prof. Franz Delitzsch † 1890.

Dem Mächtigen Jakobs. Das Wort abir, welches groß und mächtig bedeutet, wird bisweilen denen Engeln, auch oftmals andern Dingen, welche eine Stärke und Macht haben, als nämlich denen Stieren usw. zugeeignet. Aber allhier ist es ein schön Wörtlein des Glaubens, dass Gott seines Volks Macht und Stärke sei. Denn allein der Glaube eignet Gott das zu, die Vernunft und das Fleisch eignet es dem Reichtum und anderer fleischlicher Hilfe und Beistand, welchen sie verstehet, vielmehr zu. Aber alles, was von solchem fleischlichen Trost und Beistand ist, das sind Götzen, welche trügen; aber das ist die Tugend, Kraft und Stärke dieses Volks, welches einen Gott hat. Diese Kraft hat mitten unter denen Feinden diese Hand voll Volks und geringes Häuflein des jüdischen Volks erhalten. Derowegen wird dies Wort Gott zugeeignet, dass du verstehen sollst, dass er alleine sei, der Kraft und Sieg verleihet. Also spricht der Text an einem andern Orte (Ps. 20,8): Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse, wir aber denken an den Namen des HERRN, unseres Gottes. Also sagt Paulus: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Denn diese Stärke ist unvergänglich und trügt nicht; die andern, über das, dass sie den Stich nicht halten, sind auch vergänglich. Martin Luther 1533.

V. 3. Die Hütte meines Hauses. Ist dieser Ausdruck ein Beispiel davon, wie die Erinnerung an das Zeltleben der alten Erzväter in der Sprache des Volkes fortlebte, oder wählt David diese Redeweise mit Bedacht, um anzudeuten, dass selbst sein schönes Zedernhaus nur eine Hütte sein solle im Vergleich zu dem Hause, das er für Gott erbauen wolle? Sam. Cox1874.

Noch das Lager meines Bettes besteigen. (Wörtl.) Während der gemeine Mann im Orient in alten Zeiten gerade wie noch heute nur auf einer Matte am Boden schlief, scheint ein hohes Bett, zu dem man auf einem Treppchen aufstieg, nicht nur ein den Reichen unentbehrlich scheinender Luxus, sondern auch ein besonderes Zeichen des vornehmen Standes gewesen zu sein, ähnlich wie das auch manchmal bis zu sechs Fuß hohe reich geschmückte und mit Vorhängen abgeschlossene Prunkbett in den Fürstenhäusern unserer Länder ein Hausgerät von hervorragender Bedeutung gewesen ist und noch ist. Im Orient besteht diese Sitte auch noch fort, und ein Koranvers (in Kap. 56) erklärt es als eine der Freuden der Gläubigen in dem künftigen Paradies, dass sie auf hohen Betten ruhen werden. Häufig waren diese Prunkbetten von dem kostbarsten und prächtigsten Material. Amos spricht von Betten von Elfenbein (Am. 6,4). Die Staatsbetten im vizeköniglichen Palast zu Kairo sind von Silber. Dasjenige des Großmoguls Aureng-Zeyb in Ostindien war mit Juwelen verziert. The Biblical Museum 1879.


Fußnote
4. Remembrancer, Erinnerer, Titel eines Beamten der englischen Krone.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
Moderator
Beiträge: 3031
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Psalm 132

Beitrag von Jörg »

Erläuterungen und Kernworte


V. 3-5. Ich will nicht usw. Dieser weitläufige Umschweif ist gebräuchlich bei denen Hebräern, wenn man einen sonderlichen großen Fleiß anzeigen will (vergl. z. B. Spr. 6,4). Wir könnten das alles kürzlich so fassen: "Ich will mich nicht zu Frieden geben, bis dass ich dem HERRN eine Hütte gefunden habe." Es ist aber allhier nicht vonnöten, auf die kindische Frage zu antworten, wie dieser Eid hat können einen Bestand haben, dieweil David den Tempel nicht gebauet hat, und wenn er ihn gleich gebauet, so hätte er ihn doch nicht können zum Ende bringen, ehe denn er oftmals zu Bette gegangen wäre und geschlafen hätte; denn er redet von dem Willen oder Herzen, wie David das Werk zu vollbringen gesinnet gewesen ist. Zudem so fasset ein Werkmeister alles zusammen, Vorbereitung, Zweck und Ausführung. Dieweil denn David auch für unbillig gehalten, dass er im Zedernhause wohnen und die Bundeslade unter der Hütte stehen sollte (2. Samuel 7,2), zeiget diese Rede den höchsten Willen an, dass er diese Unbilligkeit hat wollen abschaffen. Martin Luther 1533.

In dem allem war David ein Vorbild auf Christus, den wahren David, der in seinem Verlangen, Gott einen lebendigen Tempel und ein ewig währendes Heiligtum aufzurichten, ganze Nächte im Gebet verbrachte und auf alle Bequemlichkeit des Familienlebens und alle Ruhe verzichtete, um ihm selbst darzustellen eine Kirche, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas (Eph. 5,27), die auch nicht erbaut sei mit vergänglichem Silber oder Gold, sondern mit seinem eigenen kostbaren Schweiß und noch kostbareren Blut (vergl. 1. Petr. 1,18 f.). Damit erbaute er die himmlische Stadt, die St. Johannes in der Offenbarung schaute, geschmückt mit allerlei Edelsteinen (Off. 21,19). Daraus mögen wir alle ermessen, wieviel Sorge, Kosten und Arbeit es für uns bedarf, um in unseren Herzen Gott einen würdigen Tempel zu errichten. Kardinal R. Bellarmin † 1621.

Dieser bewunderungswürdige Eifer des frommen Königs verdammt die Gleichgültigkeit derjenigen, die die geweihten Stätten, welche von ihrer Fürsorge abhangen, in einem Zustand schändlicher Vernachlässigung lassen, während sie allen Fleiß daran verschwenden, sich selber üppige Häuser herzurichten. Pasquier Ouesnel 1700.

V. 6. So einfach die Worte dieses Verses lauten, so verwickelt ist doch die Frage, wie der Vers zu übersetzen und aufzufassen sei. Wir können nur einige der Lösungsversuche, deren keiner noch zu einem sicheren Ergebnis geleitet hat, anführen. Wir mögen sie zunächst in zwei Hauptgruppen scheiden, je nachdem, ob man die Feminin-Suffixe auf die Bundeslade bezogen oder neutrisch aufgefasst hat.
A. Schon die LXX, so auch Luther, haben V. 6 auf die Bundeslade bezogen. Zwar ist aron(die Lade) für gewöhnlich masc. gen.; immerhin an zwei Stellen (1. Samuel 4,17; 2. Chr. 8,11) fem. Das gewichtigere Bedenken, dass die Bundeslade erst in dem Gebet V. 8 genannt wird, ist bei dem Zusammenhang des Inhalts, bei der Bedeutung der Bundeslade in dem Heiligtum und bei der Freiheit, die dem Dichter, zumal in der sichtlich bewegten Rede, zuzuerkennen ist, auch zu überwinden; denn ein starker Grund spricht für diese Auffassung: das zweite Zeitwort "wir haben gefunden" lässt sich nur bei der Beziehung auf die Bundeslade ohne Zwang (siehe unter B) deuten.
Doch ergeben sich Schwierigkeiten bei den nun folgenden Fragen.

1) Jaar (Wald) mag man wohl für eine poetische Bezeichnung der ohnehin vielnamigen Stadt Kirjath-Jearim ("Wälderstadt, Waldstatt") halten. Dort war die Bundeslade ja zwanzig Jahre lang, und von dort versuchte David sie nach dem Zelte zu bringen, das er für sie auf dem Zion erbaut hatte. Also: Wir fanden sie auf Jaars Fluren.
2) Aber was ist mit ephrata gemeint? Das Wort heißt seiner Abstammung nach Fruchtgefilde, wird aber stets als Eigenname gebraucht. Und zwar ist es alter Name Bethlehems, und an diese Stadt muss man in dem Zusammenhang, wo von David die Rede ist, zunächst denken. Aber die Bundeslade war ja nie in Bethlehem! (Siehe unten unter 5.)
3) Da das nomen gentil. "der Ephrater" nicht nur den Bethlehemiten (1. Samuel 17,12; Ruth 1,2), sondern ebenso auch den Ephraimiten bezeichnet (Richter 12,5; 1. Samuel 1,1; 1. Könige 11,26), so hat man den Ausweg gesucht, auch das Wort Ephrata gleich Ephraim zu nehmen und an Silo, den ersten Sitz der Bundeslade, zu denken: "Wir hörten von ihr, dass sie im Gebiete von Ephraim (in Silo) sei, aber da fanden wir sie nicht, sondern auf den Fluren Jaars", oder: "im Waldgefilde", mit Anspielung auf die "Waldstadt" Kirjath-Jearim.
4) Delitzsch hat auf Grund der genealogischen Notizen 1. Chr. 2,19; 4,4; 2,50 die Vermutung aufgestellt, Ephrata sei hier als Name des Gebietes gemeint, in welchem Kirjath-Jearim lag, so dass der Sinn wäre: "Wir hörten, die Lade sei in jenem Gebiete (Kaleb-Ephrata, 1. Chr. 2,24), und wir fanden sie auch wirklich dort, und zwar in Kirjath-Jearim."
5) Wir haben bisher unter 2-4 vorausgesetzt, dass "Wir hörten von ihr in Ephrata" heißen solle: "Wir hörten von ihr, dass sie in Ephrata sei." Allein diese Annahme ist keineswegs gesichert; nach 1. Mose 1,4 sollte das dass nicht fehlen. Daher erklärt Hengstenberg den Vers: "Wir wussten von der Bundeslade in Bethlehem (wo David seine Jugend zugebracht hatte) nur von Hörensagen, niemand bekam sie zu sehen - wir suchten sie und fanden sie endlich in Kirjath-Jearim, dort in der waldigen Umgebung der Stadt, wo sie wie in Dunkel und Einsamkeit vergraben war."

Da alle diese Auffassungen, sei es sprachlich, sei es sachlich, Bedenken unterworfen sind, kam man zu einer ganz anderen, nämlich
B. die Suffixe neutrisch zu fassen, wobei
6) Keßler (1899) zugleich ephrata und jaar nicht als Ortsbezeichnungen, sondern als Gattungsnamen auffasst: "Siehe, wir haben es gehört im Fruchtlande, es traf uns im Waldgefilde." Was? Der Ruf in V. 7. Dann wäre also der Sinn: "Weit und breit, in Feld und Wald erscholl die Losung: Lasst uns in seine Wohnung gehen, lasst uns niederfallen zum Schemel seiner Füße!" Diese Deutung ist sehr ansprechend, zumal wenn wir bedenken, dass es sich um einen Wallfahrtspsalm handelt. Doch kommt auch hier ein Aber, und zwar ein sehr bedenkliches: dass das Zeitwort mazah (finden) in V. 6b vom Empfangen einer Botschaft gesagt sein soll, was, wie Keßler selbst zugeben muss, nicht ohne Künstelei möglich ist. Da der Versuch Bäthgens, durch willkürliche Textänderung abzuhelfen, den Knoten nur zerhaut, bleibt die Schwierigkeit bestehen.
Spurgeon folgt ja der unter 3) angeführten Deutung. Sie scheint auch uns noch am meisten für sich zu haben. - James Millard

V. 7. Wir wollen gehen und anbeten. Beachten wir ihre Eintracht und ihren gemeinsamen Entschluss. Dies "Wir" macht aus den vielen eine Gemeinde. Wir gehen miteinander zum Hause des HERRN, und wir hoffen miteinander zum Himmel einzugehen. Siehe auch, wie munter und froh gesinnt sie zum Hause des HERRN wallen. Ihr langes Entferntsein vom Heiligtum machte ihnen dieses umso herrlicher; denn was wir lieben und doch entbehren müssen, das lernen wir noch höher schätzen, und danach verlangen wir noch eifriger. Der Liebe wachsen Flügel; sie eilt dem entgegen, wonach ihr Herz begehrt. Wir wollen gehen: wir sehnen uns danach, dort zu sein; wir wollen unsere Schritte beflügeln; wir wollen durch alle Schwierigkeiten hindurchbrechen, die sich uns auf dem Wege entgegenstellen. Anthony Farindon † 1658.

Und anbeten vor seinem Fußschemel. Der Psalmist nennt die Bundeslade Gottes Fußschemel, um anzuzeigen, dass das Heiligtum nimmermehr das unermessliche Wesen Gottes zu fassen vermochte, wie Menschen sich alberner Weise einzubilden geneigt waren. War der äußerliche Tempel mit all seiner Erhabenheit nur der Fußschemel Gottes, so enthielt das für das Volk die Mahnung, zu dem Himmel als dem Throne Gottes emporzublicken und seine Betrachtung mit gebührender Ehrfurcht auf Gott selbst zu richten. Jean Calvin † 1564.

Zu der Bundeslade als dem Fußschemel Jehovahs vergleiche 1. Chr. 28,2; Ps. 99,5; Klgl. 2,1. Joseph Mede † 1638.


V. 8. Die Lade deiner Macht. Die Bibel berichtet von der Bundeslade vieles Merkwürdige. Oft geschahen Wunder bei ihrer Gegenwart. Als Israel z. B. an den Jordan kam und die Füße der Priester, die die Lade trugen, eben vorne ins Wasser tunkten, da richtete sich das von obenher zufließende Wasser zu einem Wall auf, und das Volk Gottes ging trocken durch (Jos. 3,14-17). Bei der Belagerung Jerichos nahm die Lade den vornehmsten Platz in der Mitte der Prozession ein, die die Stämme Tag für Tag um die dem Untergang geweihte Stadt hielten. Umso schrecklicher war es für Israel, als der HERR in der unglücklichen Philisterschlacht, die Sünde der Söhne Elis und des Volkes heimsuchend, "seine Macht ins Gefängnis gab, und seine Herrlichkeit in die Hand des Feindes" (Ps. 78,61). Aber die Philister samt ihrem Gott Dagon bekamen es zu fühlen, dass die Bundeslade die Lade des Mächtigen Jakobs (V. 2.5) war, siehe 1. Samuel 5. Und ebenso die Israeliten selbst, als sie die zurückkehrende Bundeslade unehrerbietig angafften, 1. Samuel 6,19. Frank H. White 1877.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
Moderator
Beiträge: 3031
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Psalm 132

Beitrag von Jörg »

Erläuterungen und Kernworte


V. 9. Deine Priester lass sich kleiden mit Gerechtigkeit. Das vorzüglichste Abzeichen der Würde und das sicherste Erkennungszeichen der wahren Diener des HERRN ist die rechte Lehre von der Rechtfertigung und der sich in heiligem Wandel betätigende Gehorsam des Glaubens. David Dickson † 1662.

Deine Heiligen. Dies Wort steht in den Übersetzungen für zwei ganz verschiedene hebräische Ausdrücke. Für das eine Wort (qadosh), das z. B. Ps. 16,3; 34,10 vorkommt und die Gottseligen als für Gott Abgesonderte, Gott Geweihte bezeichnet, ist die Übersetzung Heilige beizubehalten. Das andere Wort (chasid) hingegen, das Ps. 4,4 und oft, auch hier Ps. 132,9.16 steht, bezeichnet die Gottseligen als solche, die Liebe (chesed) erweisen, vor allem gegen Gott, und dann mag man es mit fromm übersetzen, die aber auch gegen die Menschen liebreich und gütig sind, so dass es Spr. 11,17 z. B. mit Barmherzig übersetzt ist. Die beiden Ausdrücke sind sehr lehrreich. Mögen die Heiligen allezeit als solche erfunden werden, deren Kennzeichen die Liebe zu Gott und Menschen ist! Man hat das Wort chasid auch etwa (z. B. Hupfeld) passivisch auffassen zu sollen gemeint: einer, der chesed (Huld, Gnade) erfährt, also der Begnadigte; aber wenn Gottes Liebe und Gnade auch im Alten Testamente schon die Grundlage des ganzen Bundes bildet, so ist doch im Neuen Bunde erst die Liebe Gottes in Fülle in die Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, so dass sie sich den herrlichen Namen "die Geliebten Gottes" voll zueignen können. Auch Johannes gehörte zu den Gott liebenden Laien, von denen unser Psalmvers (gegenüber den Priestern, V. 9a) redet; aber er nennt sich nicht, wie Abraham Jes. 41,8; Jak. 2,23 genannt wird, den Freund oder Liebhaber Gottes bez. Jesu, sondern den Jünger, welchen Jesus lieb hatte. Vergl. Gal. 2,20. - James Millard

V. 10. Die Bitte, dass Gott das Flehen des derzeitigen Trägers der Krone nicht zurückweisen wolle um seines Knechts David willen, erscheint dadurch als gerechtfertigt, dass Gott selber so oft die Rücksicht auf seinen Knecht David als Grund seines Handelns angibt, siehe Jes. 37,35 und viele Stellen. Diese Begründung leistet dem Glauben an die Fürbitte verstorbener Heiligen keinerlei Vorschub, denn die Bitte richtet sich ja nicht an David, sondern an Gott um Davids willen. Ebenso wenig unterstützt sie die Meinung von überverdienstlichen Werken Davids, sondern weist nur darauf hin, dass David ein besonderer Gegenstand der Liebe Gottes war, der Mann, den Gott nach seinem Herzen erwählt hat (im Gegensatz zu Saul, der ein Mann nach des Volkes Herzen war). Ist aber das Wohlgefallen, das Gott dem David entgegengebracht hat, freie Liebe, also Gnade, so muss auch, was Gott um Davids willen tut, Gnade sein. Beachten wir ferner, dass solche bittende Berufungen auf fromme Vorfahren in der Schrift des Alten Testaments bestimmt auf zwei Fälle, nämlich auf Abraham und auf David, beschränkt sind, mit welchen beiden der HERR einen besonderen Bund, der ihre Nachkommen einschloss, gemacht hatte, und dass eben diese Bundesverheißung zu dem Gebrauch der Bitte "um Abrahams, um Davids willen" ermächtigte, jedoch nur denjenigen diese Ermächtigung gab, die kraft der Verheißung in dem Bunde eingeschlossen waren, und keinen andern, sowie auch nur zu den Zwecken, die mit dem Bunde beabsichtigt waren. Aber diese Bitte war ein Vorbild der herrlichen christlichen Bitte: "um Christi Jesu willen". In dieser Bitte sind jene andern alten aufgegangen. John Field 1885.

V. 11. Der HERR hat David einen wahren Eid geschworen. Da die stärkste Waffe, bei Gott zu streiten, sein eigenes Wort ist, so halten sie ihm, gleichwie Ps. 89,20 ff. auch Ethan tut, das feierliche Wort vor, welches er durch Nathan gesprochen und das damals noch in aller Erinnerung sein musste. Auch in seinem Gebet bei der Einweihung des Tempels hat Salomo dieses große Trostwort nicht unerwähnt gelassen, sondern sich vor seinem Gott daraus berufen. Prof. F. A. Tholuck 1843.

V. 12. Werden deine Kinder meinen Bund halten usw. Dies Gedinge, so hierbei gesetzt, gehöret wider die Vermessenheit. Als wollte er sagen: Es wird meine Zusagung von Christo kommen, und ich will gewisslich den Thron bestätigen meinem David; ihr aber, die ihr sitzet unterdes auf meinem Stuhl und das Reich regieret, dürfet nicht gedenken, dass ihr nicht fehlen könnet, oder aber, dass Gott eure Irrtümer loben und nicht vielmehr verdammen wollte. Darum so verwaltet entweder das Reich nach dem Worte oder seid gewärtig, dass ich euch will herunterstürzen und verderben. Diese Verheißung mutzet er jetzt sein auf, V. 13 ff. Martin Luther 1533.

Das ich sie lehren werde. Er sagt aber ausdrücklich: Die Zeugnisse, welche ich lehren will, nämlich durch die Priester. Denn obwohl dieselben das Predigtamt hatten, so will dennoch der HERR ein Lehrer sein und will, dass man ihn und nicht die Konzilia oder aber die Lehrer, welche lehren, was er nicht gelehrt hat, hören soll. Denn Gott gibt denen Menschen keine Gewalt über das Wort. Welche nun dasselbige in Ehren halten, dem folgen und das bewahren, die sein die Kirche, ob sie gleich in der Welt verachtet sind; die es aber nicht bewahren, sein des Satans Kirche, und hilft nicht, dass sie prächtige Titel führen. Und dies ist auch die Ursache, welche ausdrücklich in dem Text gesetzt wird: die Zeugnisse, welche ich sie lehren will. Denn Gott will, dass man auf die Weise des Amts der Lehre gebrauchen soll, dass er doch der höchste Lehrer sei, und alle Diener, auch der Papst, ja auch die Kirche durch das Wort regieret und geleitet werden. Martin Luther 1533.

V. 13. Denn der HERR hat Zion erwählt. Er gebraucht dieses Wort aus sonderlichem Rat und Bedenken, wie es denn Moses 5. Mose 16,2; 26,2 auch gebraucht. An der Stätte, die der HERR, dein Gott, erwählet hat, dass sein Name da wohne. Denn im Anfang war kein gewisser Ort der Hütte, sondern sie schwebet und webet nicht alleine durch mancherlei Örter, sondern auch durch mancherlei Stämme, Ephraim, Manasse, Dan usw. So zerbricht er durch dies Wort allerlei eigene Erwählung der Menschen oder, wie es Paulus nennet (Kol. 2,23), eigene erdichtete Gottesdienste, welcher unzählig viel bei denen Juden waren. Darum die Propheten mit großem Fleiß dawider fechten, dass ihnen die Leute nichts sollen auserwählen, außer Gott; denn Gott verfluchet kein Ding so sehr, als eigene erwählte Gottesdienste, die er nicht befohlen hat. Darum sollen wir nicht die Wahl haben, sondern gehorchen. Wo das nicht geschieht, alsdenn wird uns begegnen, das Jeremias droht: Ich will ihr Wählen verwerfen (Jer. 7,15). Dies gehöret auf die Erwählung, so wir im Papsttum gesehen haben. Denn dass einer in den Orden, ein andrer in einen andern sich ergibt, item, dass er gewisse Fasttage hält, desgleichen gewisse Heiligen, die er anruft usw., wenn du um das alles fragest, wer es ihm befohlen hat, so wird ihn sein Gewissen dahin bringen, dass er dir antworten muss, er habe es selbst also erwählet. Das heißt aber nicht Gott, sondern dem Satan dienen. Denn man kann Gott nicht anders dienen, denn wenn das geschieht, welches er befohlen hat. Darum ist die Erwählung nicht unser, sondern Gottes; wir aber sollen dem gehorsam sein, welches Gott erwählet und zu tun befohlen hat. Martin Luther 1533.

V. 13.14. Als Grund der Verheißung von V. 11 f. wird Jahves Vorliebe für Zion genannt. Weil Jahve Zion erwählt und es zu seinem Sitz auserkoren hat, darf diesem auch seine höchste Zier, der verheißene Spross aus Davids Stamm, nicht fehlen. Zion ist hier gleichbedeutend mit Jerusalem. V. 14. ist die göttliche Antwort auf V. 8. Ja, Jahve will seine Ruhestätte in Jerusalem nehmen, wozu er aufgefordert war; er will es segnen, und ihm insbesondere den verheißenen Messias schenken (V. 17). Prof. Friedrich Baethgen 1904.

V. 15. Im ersten Teil des Psalms ist lauter Trachten nach dem Reich Gottes, im andern Teil ist die frohe Verheißung: Ich will ihre Speise segnen und ihren Armen Brots genug geben.Ach, dass nur nichts so groß in unseren Augen wäre als das Reich Gottes und wir mit Beten und Forschen der göttlichen Verheißungen so anhielten wie die Gläubigen vor uns! Karl Heinrich Rieger † 1791.

Leckereien verspreche ich ihnen nicht; genug, aber nicht einen Überfluss. Arm mögen sie sein, aber nicht verlassen. Brot sollen sie haben, und das als Gottes Gabe; eben darum auch nicht kärglich, sondern genug, - genug, um sie zum Vaterhaus zu bringen, wo Brots die Fülle ist (Lk. 15,17). Möge darum der arme Israelit nicht ängstlich sein, seine Opfer zum Tempel zu bringen, und fürchten, sich selber dadurch des Nötigen zu berauben. John Trapp † 1669.

V. 15 ff. Gottes Gegenwart ist Bürgschaft alles Guten; denn all die Segnungen dieser Vers folgen auf das Wort: Hier will ich wohnen. J. W. Burgon 1859.
Bürger (V. 15), Priester (V. 16) und Könige (V. 17) sollen gesegnet sein. Lic. H. Keßler1899.


V. 16. Ihre Heiligen sollen laut jubeln. (Grundtext) Es würde einen Europäer in Erstaunen setzen und belustigen, die Eingeborenen hier in Bengalen singen zu hören. Von Harmonie und melodischem Wohllaut haben sie keine Ahnung; aber Lärm zu machen verstehen sie, und wer am lautesten singt, der kann es nach ihrer Meinung am besten. Ich habe ihnen früher manchmal darüber Vorstellungen gemacht, aber vergeblich; und die Antwort, die ich einmal dabei erhielt, ließ mich hernach für immer schweigen. "Sing doch leiser, Bruder", sagte ich eines Tages zu einem der hervorragendsten Glieder meiner Gemeinde. "Was, ich soll leise singen?" erwiderte er, "Du, unser Vater, sagst uns, wir sollen leise singen? Hast du uns je gehört, wenn wir den Ruhn unserer Hindugötzen sangen, wie wir da den Kopf zurückwarfen und aus aller Macht das Lob derer sangen, die doch nicht Götter sind? Und nun kommst du und sagst uns, wir sollten den Lobpreis Jesu flüstern? Nein, Herr, das geht nicht; wir müssen laut unsere Dankbarkeit bezeugen gegen ihn, der uns geliebt hat und für uns in den Tod gegangen ist!" Und so fuhren sie denn fort, aus aller Macht zu singen, und ich sagte kein Wort mehr dagegen. G. Gogerly 1870.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Antworten