Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon
Moderatoren: Der Pilgrim, Anton, Peter01
Psalm 135
8. Der die Erstgeburten schlug in Ägypten, beider, der Menschen und des Viehes. Nun besingt der Psalm die machtvollen Offenbarungen Gottes in der Heilsgeschichte Israels. Auch für seine Gerichte ist der HERR zu preisen; denn jene tödlichen Streiche in Ägypten waren eine Handlung der Gerechtigkeit gegen die Bedrücker des Gottesvolkes und eine Handlung der erbarmenden Liebe gegen dieses. Aber was für ein Schlag war es! Alle Erstgeborenen im ganzen Lande in einem und demselben Augenblick eine Beute des Todes! Welch ein Entsetzen muss die ganze Nation da erfasst haben! Da wurden auch die kühnsten Feinde Israels alles Mannesmutes beraubt. Die Tiere, zumal die Haustiere, müssen wegen ihrer nahen Beziehung zu dem Menschen, dem Herrn der Erde, in mannigfaltiger Weise mit dem Menschen leiden. Die Erstgeburten des Viehes mussten geradeso wie die erstgeborenen Söhne ihrer Eigentümer sterben, weil der Schlag das ägyptische Volk in Betäubung und Verwirrung setzen sollte, und das Gericht erreichte in der Tat seinen Zweck. Israel, der erstgeborene Sohn Jehovahs, war arg geschlagen und misshandelt worden, und er wurde befreit dadurch, dass der HERR den Unterdrückern mit gleicher Behandlung vergalt.
9. Und ließ seine Zeichen und Wunder kommen über dich, Ägyptenland, über Pharao und alle seine Knechte. Auch in diesem Vers richtet der Psalmist unser Auge auf das persönliche Handeln Gottes. Je deutlicher Gottes Walten erkannt wird, desto besser. Auch in seinen Gerichten ist er zu schauen, so gut wie in seinen Gnadentaten. Die ägyptischen Plagen waren nicht nur entsetzliche Wundertaten, die die Menschen bestürzt machten, sondern auch mächtige Zeichen, die ihnen eindringliche Lehren vor Augen führten. Es kann kein Zweifel sein, dass die Plagen auf die mancherlei Gottheiten der Ägypter zielten und diese in ihrer ganzen erbärmlichen Ohnmacht an den Pranger stellten. Jede der zehn Plagen hatte da ihre besondere Bedeutung. Die Gerichte des HERRN waren keine harmlosen Seitenstöße; sie trafen das Volk ins Herz: Der HERR sandte seine Pfeile "mitten in dich, Ägyptenland" (wörtl.). Diese Wunder geschahen inmitten der stolzen, durch den Kastengeist beherrschten Nation, die sich über andere Völker hoch erhaben dünkte; und viele der Plagen trafen das Volk an den empfindlichsten Punkten seines Stolzes und Ruhmes. Der Psalmsänger redet die hochmütige Nation an: "mitten in dich, o Ägyptenland", als wollte er es an die demütigenden Zurechtweisungen erinnern, die ihm durch des HERRN rechte Hand zuteil geworden waren. Der befehlshaberische Pharao war der Rädelsführer in der Empörung wider Jehovah gewesen, und er musste persönlich dafür büßen; aber auch seine schmeichlerischen Höflinge entgingen nicht der Strafe, auf jeden von ihnen sauste die göttliche Zuchtrute nieder. Gottes Knechte haben es doch besser als die Knechte Pharaos! Die in den Vorhöfen Jehovahs stehen, erfahren Gottes Heil, während die Hofleute Pharaos samt und sonders von Gottes Gerichten getroffen wurden, weil sie alle sich an seinen bösen Werken mitschuldig gemacht hatten. Preiswürdig ist der HERR, dass er also sein Volk errettet hat, während er dessen grausame Widersacher in des Todes Staub legte. O dass kein Israelit das Lied vom Schilfmeer vergesse! Möge immer wieder neu der Ruf sich hören lassen, der uns zu frohlockendem Lobpreis auffordert: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan. (2. Mose 15,21)
10. Der viele Völker schlug und tötete mächtige Könige. Die Völkerschaften Kanaans nahmen teil an dem verzweifelten Widerstande, den ihre Beherrscher Israel und dessen Gott entgegenstellten, und erlitten darum schwere Niederlagen, während ihre Könige, die Anführer in dem Kampfe, getötet wurden. Dass der Völker viele waren und ihre Könige große Macht besaßen, nützte nichts gegenüber dem Allmächtigen. Er ist gerüstet, an allen denen Strafgerechtigkeit zu üben, die sich seinen Ratschlüssen widersetzen; wer da wähnt, der HERR sei zu weichlich, um zuzuschlagen, der täuscht sich in dem Gott Israels! Jehovah hatte die Absicht, die Welt durch sein auserwähltes Volk zu segnen, und von diesem seinem Beschluss ließ er sich nicht abwenden; er war entschlossen, koste es, was es wolle, die Leuchte der Wahrheit, die er angezündet hatte, zu erhalten, und ob auch bei der Verteidigung derselben das Blut von ganzen Völkerschaften vergossen werden musste. Die gegen die kanaanitischen Stämme geführten Kriege waren der Preis, der gezahlt werden musste für die Begründung eines Volkes, das dazu ausersehen war, die Offenbarungen Gottes für die ganze Welt zu bewahren.
11. Sihon, der Amoriter König, und Og, den König zu Basan. Diese beiden Könige waren die ersten, die Widerstand leisteten, und gehörten zu den Angesehensten unter den Widersachern; dass sie geschlagen wurden, ist deshalb ein besonderer Anlass zum Lobpreis für treugesinnte Israeliten. Die Feindschaft dieser beiden Könige war mutwillig und durch keinerlei Reizung begründet; darum war ihr Sturz Israel desto willkommener. Sihon war in seinem Kriege mit Moab siegreich gewesen und gedachte mit Israel schnell fertig zu werden; Og war von dem Geschlecht der Riesen und flößte den Israeliten daher besonderen Schrecken ein; aber der vorhergehende Sieg über Sihon hatte ihren Mut belebt, und bald fiel auch dieser Recke unter ihrem Schwert. Und alle Königreiche in Kanaan. Groß war die Zahl dieser kleinen Herrscherreiche, und etliche von ihnen waren stark bevölkert und hatten mächtige Festungen; aber sie alle fielen unter der erobernden Hand Josuas, denn der HERR war mit ihm. Geradeso, ob auch mit anderen Waffen, werden die Feinde des Volkes des HERRN in unseren Tagen aufs Haupt geschlagen werden; Satan und die widergöttliche Welt werden gestürzt und all die Heere der Sünde vernichtet werden; denn unser Josua, ein größerer denn jener, zieht aus vor unserem Heer, sieghaft und dass er siege (Off. 6,2).
Achten wir darauf, dass wir in diesem Vers die Einzelheiten von dem vor uns haben, was im vorigen Vers im Allgemeinen erwähnt war. Wenn wir von Gottes Gnadentaten im Großen und Ganzen gesungen haben, tun wir gut, sie einzeln eine nach der andern zu betrachten und jeder Hilfe und jeder Segnung, die wir erfahren haben, einen besonderen Raum in unserem Liede zu geben. Es dient uns zur Stärkung des Glaubens, wenn wir von Gottes Erlösungswerk umfassende Denkschriften bewahren, so dass wir nicht nur im Allgemeinen von mächtigen Königen singen, sondern auch von Sihon, der Amoriter König, und Og, dem König von Basan, im Einzelnen.
12. Und gab ihr Land zum Erbe, zum Erbe seinem Volk Israel. Jehovah ist der Oberlehnsherr der ganzen Welt, der den Völkern ihr Land zu Lehen gibt, und zwar so, dass er die Lehensfrist jederzeit nach seinem Belieben aufhören lassen kann. Die Völkerschaften Kanaans waren durch schändliche Laster dem HERRN unerträglich geworden; darum erging über sie von ihm, dem Richter aller Welt, das Urteil, dass sie ausgerottet werden sollten aus dem Lande, das sie verunreinigten. Die zwölf Stämme wurden beauftragt, als Scharfrichter an ihnen das Urteil zu vollstrecken, und als Entgelt sollten sie Kanaan zum Besitz erhalten. Vor alters schon hatte der HERR dies Land Abraham und seinem Samen verliehen, aber er gestattete den Amoritern und den anderen kanaanitischen Völkern noch darin zu wohnen, bis ihre Missetat voll war; dann befahl er seinem auserwählten Volke, das Land, das diesem gehörte, aus den Händen der Inhaber zu nehmen. Das Land Kanaan war Israels Erbteil, weil Israel des HERRN Erbteil war, und er gab es dem Volke nun tatsächlich, weil er es ihm längst schon durch Verheißung gegeben hatte.
Die Auserwählten des HERRN haben auch heute noch ein Erbteil, das niemand ihnen vorenthalten kann. Bundessegnungen von unschätzbarem Wert sind ihnen verbürgt, und so wahr Gott ein Volk hat, das ihm zu Eigen gehört, so wahr soll sein Volk auch ein Erbteil haben. Es fällt ihnen zu als Geschenk, wiewohl sie darum zu kämpfen haben. Oft ereignet es sich, dass sie, wenn sie eine Sünde niedergestreckt oder eine Schwierigkeit überwunden haben, mit reicher Beute belohnt werden; ihnen dient auch das Übel zum Guten, und Anfechtungen sind ihnen Vorboten von Siegen. Kein Feind soll so übermächtig werden, dass er ihnen wirklich schaden kann; denn sie werden da ein Erbteil für sich bereitet finden, wo sich ihnen einst "alle Königreiche Kanaans" entgegengestellt hatten.
13. HERR, dein Name währet ewiglich. Gottes geoffenbartes Wesen, seine Denk- und Handlungsweise sind unwandelbar; und auch sein Ruhm und seine Ehre werden bleiben in alle Ewigkeit. Immerdar wird in dem Namen Jesu für uns das Leben sein und Freude und Trost. Und diejenigen, über welchen der Name des HERRN genannt ist, werden durch diesen erhalten werden und bewahrt vor allem Übel, auch dann noch, wenn die gegenwärtige Weltzeit zu Ende ist. Jehovah ist ein Name, der die Jahrtausende überdauert und die Fülle seiner Herrlichkeit und Macht ewiglich behalten wird. Dein Gedächtnis, HERR, währet für und für. Nie werden die Menschen dich, unseren HERRN und Meister, vergessen. Die heiligen Verordnungen deines Hauses werden dich in der Menschen Gedächtnis erhalten, und dein ewiges Evangelium und die Gnade, die es begleitet, werden die Menschenkinder stets an dich erinnern. Für und für werden dankbare Herzen zu deinem Preise schlagen und erleuchtete Gemüter fortfahren, über deine wunderbaren Werke und Taten zu staunen. Die Denksteine der Menschen zerbröckeln, aber des HERRN Gedächtnis bleibt für und für. Was für kräftiger Trost ist das für zaghafte Gemüter, denen das Herz bangt um die Lade Gottes (1. Samuel 4,13). Nein, o du köstlicher Name, du wirst niemals untergehen! Du Ruhm des Ewigen, du wirst niemals erlöschen!
Dieser Vers ist in seinem Zusammenhang auszulegen; dann führt er uns die Wahrheit vor, dass die Ehre und der Ruhm, die der HERR sich durch den Umsturz der mächtigen Könige erobert hat, niemals ersterben werden. Israel erntete lange Zeit die Früchte von dem Ansehen, das die Siege Jehovahs dem Volke erworben hatten. Und indem der HERR so seinen mit Abraham geschlossenen Bund hielt, darin er versprochen hatte, seinem Samen das Land zu geben, machte er es überdies ganz klar und gewiss, dass sein Bund und seine Verheißungen ihm allezeit vor Augen sein, niemals aus seinem Gedächtnisse schwinden würden. Sein Name währet für und für in all seiner Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit; davon ist Beweis, dass diejenigen, die das Israel gelobte Land innehatten, ausgetrieben wurden, damit die rechtmäßigen Erben desselben darin im Frieden wohnen könnten.
9. Und ließ seine Zeichen und Wunder kommen über dich, Ägyptenland, über Pharao und alle seine Knechte. Auch in diesem Vers richtet der Psalmist unser Auge auf das persönliche Handeln Gottes. Je deutlicher Gottes Walten erkannt wird, desto besser. Auch in seinen Gerichten ist er zu schauen, so gut wie in seinen Gnadentaten. Die ägyptischen Plagen waren nicht nur entsetzliche Wundertaten, die die Menschen bestürzt machten, sondern auch mächtige Zeichen, die ihnen eindringliche Lehren vor Augen führten. Es kann kein Zweifel sein, dass die Plagen auf die mancherlei Gottheiten der Ägypter zielten und diese in ihrer ganzen erbärmlichen Ohnmacht an den Pranger stellten. Jede der zehn Plagen hatte da ihre besondere Bedeutung. Die Gerichte des HERRN waren keine harmlosen Seitenstöße; sie trafen das Volk ins Herz: Der HERR sandte seine Pfeile "mitten in dich, Ägyptenland" (wörtl.). Diese Wunder geschahen inmitten der stolzen, durch den Kastengeist beherrschten Nation, die sich über andere Völker hoch erhaben dünkte; und viele der Plagen trafen das Volk an den empfindlichsten Punkten seines Stolzes und Ruhmes. Der Psalmsänger redet die hochmütige Nation an: "mitten in dich, o Ägyptenland", als wollte er es an die demütigenden Zurechtweisungen erinnern, die ihm durch des HERRN rechte Hand zuteil geworden waren. Der befehlshaberische Pharao war der Rädelsführer in der Empörung wider Jehovah gewesen, und er musste persönlich dafür büßen; aber auch seine schmeichlerischen Höflinge entgingen nicht der Strafe, auf jeden von ihnen sauste die göttliche Zuchtrute nieder. Gottes Knechte haben es doch besser als die Knechte Pharaos! Die in den Vorhöfen Jehovahs stehen, erfahren Gottes Heil, während die Hofleute Pharaos samt und sonders von Gottes Gerichten getroffen wurden, weil sie alle sich an seinen bösen Werken mitschuldig gemacht hatten. Preiswürdig ist der HERR, dass er also sein Volk errettet hat, während er dessen grausame Widersacher in des Todes Staub legte. O dass kein Israelit das Lied vom Schilfmeer vergesse! Möge immer wieder neu der Ruf sich hören lassen, der uns zu frohlockendem Lobpreis auffordert: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan. (2. Mose 15,21)
10. Der viele Völker schlug und tötete mächtige Könige. Die Völkerschaften Kanaans nahmen teil an dem verzweifelten Widerstande, den ihre Beherrscher Israel und dessen Gott entgegenstellten, und erlitten darum schwere Niederlagen, während ihre Könige, die Anführer in dem Kampfe, getötet wurden. Dass der Völker viele waren und ihre Könige große Macht besaßen, nützte nichts gegenüber dem Allmächtigen. Er ist gerüstet, an allen denen Strafgerechtigkeit zu üben, die sich seinen Ratschlüssen widersetzen; wer da wähnt, der HERR sei zu weichlich, um zuzuschlagen, der täuscht sich in dem Gott Israels! Jehovah hatte die Absicht, die Welt durch sein auserwähltes Volk zu segnen, und von diesem seinem Beschluss ließ er sich nicht abwenden; er war entschlossen, koste es, was es wolle, die Leuchte der Wahrheit, die er angezündet hatte, zu erhalten, und ob auch bei der Verteidigung derselben das Blut von ganzen Völkerschaften vergossen werden musste. Die gegen die kanaanitischen Stämme geführten Kriege waren der Preis, der gezahlt werden musste für die Begründung eines Volkes, das dazu ausersehen war, die Offenbarungen Gottes für die ganze Welt zu bewahren.
11. Sihon, der Amoriter König, und Og, den König zu Basan. Diese beiden Könige waren die ersten, die Widerstand leisteten, und gehörten zu den Angesehensten unter den Widersachern; dass sie geschlagen wurden, ist deshalb ein besonderer Anlass zum Lobpreis für treugesinnte Israeliten. Die Feindschaft dieser beiden Könige war mutwillig und durch keinerlei Reizung begründet; darum war ihr Sturz Israel desto willkommener. Sihon war in seinem Kriege mit Moab siegreich gewesen und gedachte mit Israel schnell fertig zu werden; Og war von dem Geschlecht der Riesen und flößte den Israeliten daher besonderen Schrecken ein; aber der vorhergehende Sieg über Sihon hatte ihren Mut belebt, und bald fiel auch dieser Recke unter ihrem Schwert. Und alle Königreiche in Kanaan. Groß war die Zahl dieser kleinen Herrscherreiche, und etliche von ihnen waren stark bevölkert und hatten mächtige Festungen; aber sie alle fielen unter der erobernden Hand Josuas, denn der HERR war mit ihm. Geradeso, ob auch mit anderen Waffen, werden die Feinde des Volkes des HERRN in unseren Tagen aufs Haupt geschlagen werden; Satan und die widergöttliche Welt werden gestürzt und all die Heere der Sünde vernichtet werden; denn unser Josua, ein größerer denn jener, zieht aus vor unserem Heer, sieghaft und dass er siege (Off. 6,2).
Achten wir darauf, dass wir in diesem Vers die Einzelheiten von dem vor uns haben, was im vorigen Vers im Allgemeinen erwähnt war. Wenn wir von Gottes Gnadentaten im Großen und Ganzen gesungen haben, tun wir gut, sie einzeln eine nach der andern zu betrachten und jeder Hilfe und jeder Segnung, die wir erfahren haben, einen besonderen Raum in unserem Liede zu geben. Es dient uns zur Stärkung des Glaubens, wenn wir von Gottes Erlösungswerk umfassende Denkschriften bewahren, so dass wir nicht nur im Allgemeinen von mächtigen Königen singen, sondern auch von Sihon, der Amoriter König, und Og, dem König von Basan, im Einzelnen.
12. Und gab ihr Land zum Erbe, zum Erbe seinem Volk Israel. Jehovah ist der Oberlehnsherr der ganzen Welt, der den Völkern ihr Land zu Lehen gibt, und zwar so, dass er die Lehensfrist jederzeit nach seinem Belieben aufhören lassen kann. Die Völkerschaften Kanaans waren durch schändliche Laster dem HERRN unerträglich geworden; darum erging über sie von ihm, dem Richter aller Welt, das Urteil, dass sie ausgerottet werden sollten aus dem Lande, das sie verunreinigten. Die zwölf Stämme wurden beauftragt, als Scharfrichter an ihnen das Urteil zu vollstrecken, und als Entgelt sollten sie Kanaan zum Besitz erhalten. Vor alters schon hatte der HERR dies Land Abraham und seinem Samen verliehen, aber er gestattete den Amoritern und den anderen kanaanitischen Völkern noch darin zu wohnen, bis ihre Missetat voll war; dann befahl er seinem auserwählten Volke, das Land, das diesem gehörte, aus den Händen der Inhaber zu nehmen. Das Land Kanaan war Israels Erbteil, weil Israel des HERRN Erbteil war, und er gab es dem Volke nun tatsächlich, weil er es ihm längst schon durch Verheißung gegeben hatte.
Die Auserwählten des HERRN haben auch heute noch ein Erbteil, das niemand ihnen vorenthalten kann. Bundessegnungen von unschätzbarem Wert sind ihnen verbürgt, und so wahr Gott ein Volk hat, das ihm zu Eigen gehört, so wahr soll sein Volk auch ein Erbteil haben. Es fällt ihnen zu als Geschenk, wiewohl sie darum zu kämpfen haben. Oft ereignet es sich, dass sie, wenn sie eine Sünde niedergestreckt oder eine Schwierigkeit überwunden haben, mit reicher Beute belohnt werden; ihnen dient auch das Übel zum Guten, und Anfechtungen sind ihnen Vorboten von Siegen. Kein Feind soll so übermächtig werden, dass er ihnen wirklich schaden kann; denn sie werden da ein Erbteil für sich bereitet finden, wo sich ihnen einst "alle Königreiche Kanaans" entgegengestellt hatten.
13. HERR, dein Name währet ewiglich. Gottes geoffenbartes Wesen, seine Denk- und Handlungsweise sind unwandelbar; und auch sein Ruhm und seine Ehre werden bleiben in alle Ewigkeit. Immerdar wird in dem Namen Jesu für uns das Leben sein und Freude und Trost. Und diejenigen, über welchen der Name des HERRN genannt ist, werden durch diesen erhalten werden und bewahrt vor allem Übel, auch dann noch, wenn die gegenwärtige Weltzeit zu Ende ist. Jehovah ist ein Name, der die Jahrtausende überdauert und die Fülle seiner Herrlichkeit und Macht ewiglich behalten wird. Dein Gedächtnis, HERR, währet für und für. Nie werden die Menschen dich, unseren HERRN und Meister, vergessen. Die heiligen Verordnungen deines Hauses werden dich in der Menschen Gedächtnis erhalten, und dein ewiges Evangelium und die Gnade, die es begleitet, werden die Menschenkinder stets an dich erinnern. Für und für werden dankbare Herzen zu deinem Preise schlagen und erleuchtete Gemüter fortfahren, über deine wunderbaren Werke und Taten zu staunen. Die Denksteine der Menschen zerbröckeln, aber des HERRN Gedächtnis bleibt für und für. Was für kräftiger Trost ist das für zaghafte Gemüter, denen das Herz bangt um die Lade Gottes (1. Samuel 4,13). Nein, o du köstlicher Name, du wirst niemals untergehen! Du Ruhm des Ewigen, du wirst niemals erlöschen!
Dieser Vers ist in seinem Zusammenhang auszulegen; dann führt er uns die Wahrheit vor, dass die Ehre und der Ruhm, die der HERR sich durch den Umsturz der mächtigen Könige erobert hat, niemals ersterben werden. Israel erntete lange Zeit die Früchte von dem Ansehen, das die Siege Jehovahs dem Volke erworben hatten. Und indem der HERR so seinen mit Abraham geschlossenen Bund hielt, darin er versprochen hatte, seinem Samen das Land zu geben, machte er es überdies ganz klar und gewiss, dass sein Bund und seine Verheißungen ihm allezeit vor Augen sein, niemals aus seinem Gedächtnisse schwinden würden. Sein Name währet für und für in all seiner Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit; davon ist Beweis, dass diejenigen, die das Israel gelobte Land innehatten, ausgetrieben wurden, damit die rechtmäßigen Erben desselben darin im Frieden wohnen könnten.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)
Psalm 135
14. Denn der HERR wird sein Volk richten. Er wird persönlich an ihnen Zucht üben und es nicht ihren Feinden überlassen, sie nach Belieben zu misshandeln. Hat die Züchtigung ihren Zweck erreicht, so wird er sich aufmachen und sein Volk rächen an seinen Unterdrückern, die er für eine Weile als Rute gebraucht hat. Es mag ja manchmal scheinen, als vergesse er seines Volks, aber das ist nicht der Fall; er wird die Sache der Seinen führen und sie erretten. Die "Richter" Israels waren ja auch die "Heilande" des Volks, die es erlösten von seinen Unterdrückern (Richter 3,9); darin waren sie die Werkzeuge des HERRN der Heerscharen, der der Heiland Israels ist (1. Samuel 14,39). In diesem Sinne ist es auch hier zu verstehen, dass der HERR sein Volk richten wird: er wird seinem bedrängten Volke Recht schaffen. Und seinen Knechten gnädig sein oder mit ihnen Mitleid haben. Wenn er sie hat züchtigen müssen und sie gedemütigt vor ihm liegen, wird er mit ihnen fühlen, wie ein Vater, den sein Kind erbarmt, denn er betrübt nicht von Herzen. Es geht Gott durchs Herz, wenn er seine Geliebten unter der Bedrückung ihrer Feinde so muss leiden sehen; wiewohl sie alles, was sie leiden, wohl verdient haben, und mehr als das, so kann der HERR sie doch nicht sich in Schmerzen winden sehen, ohne dass es ihm selber nahe geht.
Es ist bemerkenswert, dass die Nationen, durch welche Gott Israel gezüchtigt hat, samt und sonders vertilgt worden sind, als könnte das zarte Vaterherz die Werkzeuge nicht mehr sehen, mittelst deren seine Kinder bestraft worden sind. Israel wird hier erst "sein Volk", dann "seine Knechte" genannt: als sein Volk richtet er sie, als seiner Knechte schont er ihrer, wie ein Mann seines Sohnes schont, der ihm dient (Mal. 3,17), denn es rührt ihn, wenn er sieht, wie sie sich bestreben, ihm zu dienen. Sollten die Knechte dieses guten Herrn ihn nicht preisen? Pharaos Knechte plagte er; aber mit seinen Knechten hat er Mitleid und wendet sich ihnen wieder huldvoll zu, nachdem er sie in treuer Liebe um ihrer Missetaten willen gezüchtigt hat. Ja, lobet ihn, ihr Knechte des HERRN!
Nun kommen wir zu dem Teil des Psalms, worin der heilige Sänger die Götzen an den Pranger stellt. Diese scharfe Satire reiht sich sehr natürlich an das Vorhergehende, wo der Psalmist die Herrlichkeit des allein wahren und lebendigen Gottes gefeiert hatte.
15.
Der Heiden Götzen sind Silber und Gold,
von Menschenhänden gemacht.
16.
Sie haben Mäuler und reden nicht;
sie haben Augen und sehen nicht;
17.
sie haben Ohren und hören nicht;
auch ist kein Odem in ihrem Munde.
18.
Die solche machen, sind gleich also,
alle, die auf solche hoffen.
15. Der Heiden Götzen sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht. Ihr Wesen ist nicht Geist, sondern totes Metall, ihre Eigenschaften sind nur Beschaffenheiten vernunft- und gefühlloser Stoffe, und was sie an Form und Gestalt ausweisen, das verdanken sie der Kunst und Arbeit derer, die ihnen nun Anbetung darbringen. Es ist der Gipfel des Wahnsinns, Metallfabrikate anzubeten. Wiewohl Silber und Gold uns nützlich sind, wenn wir davon den richtigen Gebrauch machen, ist an ihnen nichts, das ihnen irgendwelchen Anspruch auf Verehrung und Anbetung geben könnte. Wenn wir nicht wüssten, dass die traurige Tatsache unleugbar ist, würde es uns unmöglich dünken, dass sich vernunftbegabte Wesen vor Gebilden niederwerfen könnten, deren Stoff sie selber von den Schlacken reinigen und denen sie mit eigener Hand eine Form geben mussten. Man würde es noch für weniger albern halten, wenn die Menschen ihre eigenen Hände anbeteten, als dass sie das als einen Gott verehren, was jene Hände gemacht haben. Was für große Taten werden diese Scheingottheiten für den Menschen vollbringen, da sie selber das Werk von Menschen sind? Die Götzen eignen sich wahrlich besser als Spielzeug wie die Puppen für die Kinder, denn dass sie von erwachsenen Menschen angebetet werden! Der Mensch gebraucht seine Hände besser dazu, Gegenstände, die zu solch blödsinnigem Gebrauch verwendet werden können, zu zerbrechen, als sie zu verfertigen. Dennoch lieben die Heiden ihre scheußlichen Götzen mehr als Silber und Gold; es wäre gut, wenn wir von manchen, die sich gläubige Christen nennen, sagen könnten, dass ihre Liebe zu ihrem Gott und Heiland dies Maß erreiche!
16. Sie haben Mäuler, denn ihre Bildner haben sie sich selber ähnlich gemacht. Ein Loch ist da, wo sich der Mund befinden sollte, und doch ist es kein Mund, denn sie essen nicht und reden nicht. Sie können mit ihren Anbetern keinerlei Verkehr pflegen; sie sind stumm wie das Grab. Vermögen sie nicht einmal zu sprechen, dann stehen sie ja sogar hinter unseren Abc-Schützen zurück. Jehovah spricht, und es geschieht; aber diese Götzenbilder bringen nie ein Wort heraus. Wahrlich, wenn sie reden könnten, so würden sie ihren Verehrern deren Unsinnigkeit vorhalten. Ist aber ihr Schweigen nicht ein noch eindringlicherer Tadel? Wenn übrigens gewisse gelehrte Leute leugnen, dass Gott sich irgendwie redend geoffenbart habe, so bekennen sie damit, dass auch ihr Gott stumm ist.
Sie haben Augen und sehen nicht. Wem würde es einfallen, einen blinden Menschen anzubeten? Wie können dann die Heiden so unsinnig sein, sich vor einem blinden Götzenbilde niederzuwerfen? Die Augen der Götzenstatuen sind oft sehr kostbar, man hat Diamanten von seltener Größe dazu verwendet;1 aber was nützen die darauf gewandten Millionen, da die Götzen trotzdem nichts sehen? Wenn sie uns nicht einmal zu sehen vermögen, wie können sie dann unsere Bedürfnisse kennen, unsere Opfer würdigen oder die Mittel entdecken, wie uns geholfen werden kann? Wie erbärmlich ist’s doch, dass ein Mensch, der selber die Sehkraft hat, sich vor einem Götzen niederwirft, der blind ist! Der Götzendiener ist an sinnlichen Fähigkeiten sicher seinem Gott überlegen, doch an Vernunft steht er ihm gleich; denn es ist sonnenklar, dass sein unverständiges Herz verfinstert ist, sonst würde er nicht so närrische Dinge tun.
17. Sie haben Ohren - und gewaltig große, wenn wir z. B. an gewisse Götzen der Hindus denken - und hören nicht. So nützen ihre Ohren also nichts; in Wirklichkeit sind sie nur Nachmachung und Betrug. Ohren, von Menschen gemacht, sind stets taub; das Geheimnis des Hörens ist mit dem Geheimnis des Lebens untrennbar verbunden, und beide haben ihren Ursprung in der unerforschlichen Weisheit des Ewigen. Verstehen wir’s recht, so sind diese heidnischen Götzen also stumm, blind und taub - ein nettes Häufchen von Gebrechen für eine Gottheit! Auch ist kein Odem in ihrem Munde: sie sind tot, kein Zeichen des Lebens ist wahrzunehmen, und das Atmen, diese Hauptäußerung des animalischen Lebens, ist ihnen etwas ganz Unbekanntes. Soll ein Mensch seinen Odem verschwenden, indem er zu einem Götzen ruft, der keinen Odem hat? Soll das Lebendige an das Tote Bitten richten? Das heißt doch wahrlich aller gesunden Vernunft hohnsprechen.
18. Die solche machen, sind gleich also: sie sind ebenso stockdumm, so ohne Verstand und Gefühl wie die Götter, die sie verfertigen, und gleich diesen sind sie Gott ein Abscheu und werden schließlich wie ihre Götzen zermalmt werden. Alle, die auf solche hoffen. Die Götzenanbeter sind ebenso schlecht wie Götzenmacher; denn wenn es keine Menschen gäbe, die solche Gräuel anbeten, so würde sich kein Markt finden für die nichtsnutzige Ware. Die Götzenanbeter sind geistlich tot, auch sie sind nur Schattenbilder von Männern; das Beste am Menschen ist bei ihnen dahin, sie sind nicht, was sie zu sein scheinen. Ihr Mund betet nicht wirklich, ihre Augen sehen nicht die Wahrheit, ihre Ohren hören die Stimme des HERRN nicht, und das Leben aus Gott ist nicht in ihnen. Alle jene, die an ihre selbsterfundene Religion glauben, verraten damit große Torheit und einen völligen Mangel an dem lebendigmachenden Geist. Menschenkinder, in denen die Gnade wirksam ist, vermögen es zu erkennen, wie unsinnig das ist, den wahren Gott zu verlassen und Nebenbuhler von ihm an seine Stelle zu setzen; aber diejenigen, die dies Majestätsverbrechen begehen, sehen die Sache nicht so an, im Gegenteil, sie sind stolz auf ihre große Weisheit und rühmen sich ihrer fortschrittlichen Gedanken und ihrer modernen Bildung. Andere setzen die Sakramente an die Stelle, die ausschließlich dem lebendigen Gott selber zukommt. Der HERR bewahre uns vor allen Nachahmungen dessen, was Gottes Werk allein ist, damit wir nicht den Götzen gleich werden, die wir uns gemacht haben.
Fußnote
1. So glänzte einst der Kohinor, der "Berg des Lichts", der seit 1850 die englische Krone schmückt, als das Auge eines indischen Götzen.
Es ist bemerkenswert, dass die Nationen, durch welche Gott Israel gezüchtigt hat, samt und sonders vertilgt worden sind, als könnte das zarte Vaterherz die Werkzeuge nicht mehr sehen, mittelst deren seine Kinder bestraft worden sind. Israel wird hier erst "sein Volk", dann "seine Knechte" genannt: als sein Volk richtet er sie, als seiner Knechte schont er ihrer, wie ein Mann seines Sohnes schont, der ihm dient (Mal. 3,17), denn es rührt ihn, wenn er sieht, wie sie sich bestreben, ihm zu dienen. Sollten die Knechte dieses guten Herrn ihn nicht preisen? Pharaos Knechte plagte er; aber mit seinen Knechten hat er Mitleid und wendet sich ihnen wieder huldvoll zu, nachdem er sie in treuer Liebe um ihrer Missetaten willen gezüchtigt hat. Ja, lobet ihn, ihr Knechte des HERRN!
Nun kommen wir zu dem Teil des Psalms, worin der heilige Sänger die Götzen an den Pranger stellt. Diese scharfe Satire reiht sich sehr natürlich an das Vorhergehende, wo der Psalmist die Herrlichkeit des allein wahren und lebendigen Gottes gefeiert hatte.
15.
Der Heiden Götzen sind Silber und Gold,
von Menschenhänden gemacht.
16.
Sie haben Mäuler und reden nicht;
sie haben Augen und sehen nicht;
17.
sie haben Ohren und hören nicht;
auch ist kein Odem in ihrem Munde.
18.
Die solche machen, sind gleich also,
alle, die auf solche hoffen.
15. Der Heiden Götzen sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht. Ihr Wesen ist nicht Geist, sondern totes Metall, ihre Eigenschaften sind nur Beschaffenheiten vernunft- und gefühlloser Stoffe, und was sie an Form und Gestalt ausweisen, das verdanken sie der Kunst und Arbeit derer, die ihnen nun Anbetung darbringen. Es ist der Gipfel des Wahnsinns, Metallfabrikate anzubeten. Wiewohl Silber und Gold uns nützlich sind, wenn wir davon den richtigen Gebrauch machen, ist an ihnen nichts, das ihnen irgendwelchen Anspruch auf Verehrung und Anbetung geben könnte. Wenn wir nicht wüssten, dass die traurige Tatsache unleugbar ist, würde es uns unmöglich dünken, dass sich vernunftbegabte Wesen vor Gebilden niederwerfen könnten, deren Stoff sie selber von den Schlacken reinigen und denen sie mit eigener Hand eine Form geben mussten. Man würde es noch für weniger albern halten, wenn die Menschen ihre eigenen Hände anbeteten, als dass sie das als einen Gott verehren, was jene Hände gemacht haben. Was für große Taten werden diese Scheingottheiten für den Menschen vollbringen, da sie selber das Werk von Menschen sind? Die Götzen eignen sich wahrlich besser als Spielzeug wie die Puppen für die Kinder, denn dass sie von erwachsenen Menschen angebetet werden! Der Mensch gebraucht seine Hände besser dazu, Gegenstände, die zu solch blödsinnigem Gebrauch verwendet werden können, zu zerbrechen, als sie zu verfertigen. Dennoch lieben die Heiden ihre scheußlichen Götzen mehr als Silber und Gold; es wäre gut, wenn wir von manchen, die sich gläubige Christen nennen, sagen könnten, dass ihre Liebe zu ihrem Gott und Heiland dies Maß erreiche!
16. Sie haben Mäuler, denn ihre Bildner haben sie sich selber ähnlich gemacht. Ein Loch ist da, wo sich der Mund befinden sollte, und doch ist es kein Mund, denn sie essen nicht und reden nicht. Sie können mit ihren Anbetern keinerlei Verkehr pflegen; sie sind stumm wie das Grab. Vermögen sie nicht einmal zu sprechen, dann stehen sie ja sogar hinter unseren Abc-Schützen zurück. Jehovah spricht, und es geschieht; aber diese Götzenbilder bringen nie ein Wort heraus. Wahrlich, wenn sie reden könnten, so würden sie ihren Verehrern deren Unsinnigkeit vorhalten. Ist aber ihr Schweigen nicht ein noch eindringlicherer Tadel? Wenn übrigens gewisse gelehrte Leute leugnen, dass Gott sich irgendwie redend geoffenbart habe, so bekennen sie damit, dass auch ihr Gott stumm ist.
Sie haben Augen und sehen nicht. Wem würde es einfallen, einen blinden Menschen anzubeten? Wie können dann die Heiden so unsinnig sein, sich vor einem blinden Götzenbilde niederzuwerfen? Die Augen der Götzenstatuen sind oft sehr kostbar, man hat Diamanten von seltener Größe dazu verwendet;1 aber was nützen die darauf gewandten Millionen, da die Götzen trotzdem nichts sehen? Wenn sie uns nicht einmal zu sehen vermögen, wie können sie dann unsere Bedürfnisse kennen, unsere Opfer würdigen oder die Mittel entdecken, wie uns geholfen werden kann? Wie erbärmlich ist’s doch, dass ein Mensch, der selber die Sehkraft hat, sich vor einem Götzen niederwirft, der blind ist! Der Götzendiener ist an sinnlichen Fähigkeiten sicher seinem Gott überlegen, doch an Vernunft steht er ihm gleich; denn es ist sonnenklar, dass sein unverständiges Herz verfinstert ist, sonst würde er nicht so närrische Dinge tun.
17. Sie haben Ohren - und gewaltig große, wenn wir z. B. an gewisse Götzen der Hindus denken - und hören nicht. So nützen ihre Ohren also nichts; in Wirklichkeit sind sie nur Nachmachung und Betrug. Ohren, von Menschen gemacht, sind stets taub; das Geheimnis des Hörens ist mit dem Geheimnis des Lebens untrennbar verbunden, und beide haben ihren Ursprung in der unerforschlichen Weisheit des Ewigen. Verstehen wir’s recht, so sind diese heidnischen Götzen also stumm, blind und taub - ein nettes Häufchen von Gebrechen für eine Gottheit! Auch ist kein Odem in ihrem Munde: sie sind tot, kein Zeichen des Lebens ist wahrzunehmen, und das Atmen, diese Hauptäußerung des animalischen Lebens, ist ihnen etwas ganz Unbekanntes. Soll ein Mensch seinen Odem verschwenden, indem er zu einem Götzen ruft, der keinen Odem hat? Soll das Lebendige an das Tote Bitten richten? Das heißt doch wahrlich aller gesunden Vernunft hohnsprechen.
18. Die solche machen, sind gleich also: sie sind ebenso stockdumm, so ohne Verstand und Gefühl wie die Götter, die sie verfertigen, und gleich diesen sind sie Gott ein Abscheu und werden schließlich wie ihre Götzen zermalmt werden. Alle, die auf solche hoffen. Die Götzenanbeter sind ebenso schlecht wie Götzenmacher; denn wenn es keine Menschen gäbe, die solche Gräuel anbeten, so würde sich kein Markt finden für die nichtsnutzige Ware. Die Götzenanbeter sind geistlich tot, auch sie sind nur Schattenbilder von Männern; das Beste am Menschen ist bei ihnen dahin, sie sind nicht, was sie zu sein scheinen. Ihr Mund betet nicht wirklich, ihre Augen sehen nicht die Wahrheit, ihre Ohren hören die Stimme des HERRN nicht, und das Leben aus Gott ist nicht in ihnen. Alle jene, die an ihre selbsterfundene Religion glauben, verraten damit große Torheit und einen völligen Mangel an dem lebendigmachenden Geist. Menschenkinder, in denen die Gnade wirksam ist, vermögen es zu erkennen, wie unsinnig das ist, den wahren Gott zu verlassen und Nebenbuhler von ihm an seine Stelle zu setzen; aber diejenigen, die dies Majestätsverbrechen begehen, sehen die Sache nicht so an, im Gegenteil, sie sind stolz auf ihre große Weisheit und rühmen sich ihrer fortschrittlichen Gedanken und ihrer modernen Bildung. Andere setzen die Sakramente an die Stelle, die ausschließlich dem lebendigen Gott selber zukommt. Der HERR bewahre uns vor allen Nachahmungen dessen, was Gottes Werk allein ist, damit wir nicht den Götzen gleich werden, die wir uns gemacht haben.
Fußnote
1. So glänzte einst der Kohinor, der "Berg des Lichts", der seit 1850 die englische Krone schmückt, als das Auge eines indischen Götzen.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)
Psalm 135
19.
Das Haus Israel lobe den HERRN;
lobet den HERRN, ihr vom Hause Aaron;
20.
ihr vom Hause Levi, lobet den HERRN;
die ihr den HERRN fürchtet, lobet den HERRN!
21.
Gelobet sei der HERR aus Zion,
der zu Jerusalem wohnt. Hallelujah!
19. Haus Israel, lobet den HERRN! (Wörtl.) Ihr alle, in allen Stämmen, preiset den einen Preiswürdigen! Jeder Stamm, von Ruben bis zu Benjamin, hat besondere Veranlassung, Jehovah zu lobpreisen, und das Volk als Ganzes hat in seiner Erwählung, seiner Geschichte und seinen Verheißungen starke Gründe, dankend und anbetend den Namen des HERRN zu rühmen. Ihr vom Hause Aaron, lobet den HERRN! Sie waren ja zu hohem Dienst erwählt und durften ganz nahe zu Gottes Gnadenthron dringen; daher hatten sie auch vor allen andern die selige Pflicht, den HERRN zu loben. Diejenigen, die den Vorzug haben, die Gemeinde Gottes zu leiten, sollten auch in der Anbetung Gottes allen vorangehen. In Gottes Hause sollte das Haus Aaron sich verpflichtet fühlen, vor dem ganzen Hause Israel Jehovahs Namen zu rühmen.
20. Ihr vom Hause Levi, lobet den HERRN! Sie, die in so vielen Stücken den Priestern Helferdienste tun durften, mögen auch in diesem köstlichsten Werk ihre Gehilfen sein. Das Haus Israel umfasst den ganzen auserwählten Samen; dann kommen wir zu dem kleinen, aber dem Mittelpunkt nächsten Kreise des Hauses Aaron, und nun erweitert sich dieser auf den ganzen Stamm Levi. Möge die Verehrung und Anbetung Gottes sich von Mensch zu Mensch ausbreiten, bis die ganze Menschheit davon durchdrungen ist. Das Haus Levi hatte wiederum auserlesene Gründe, Jehovah zu lobpreisen. Lesen wir die Geschichte dieses Stammes (vergl. besonders 1. Mose 49,5-7 mit 34,25-30 und 2. Mose 32,26-29 mit 5. Mose 33,8-11, ferner 4. Mose 3,5-51 usw.), so tritt uns das überwältigend entgegen. Gedenken wir daran, dass der ganze Stamm zu heiligem Dienst ausgesondert war und von den ihnen zugeteilten Stämmen erhalten wurde; darum lag auf ihnen die Ehrenpflicht, vor allen andern den HERRN mit Freuden anzubeten.
Die ihr den HERRN fürchtet, lobet den HERRN! Dies sind die edleren Seelen, die wahrhaft geistlichen; sie gehören dem HERRN nicht nur dem Namen nach an, sondern von Herzen und dienen ihm im Geiste. Der Vater sucht solche, die ihn also anbeten. Wenn beide, Aaron und Levi, ihrer Pflicht vergessen sollten, so werden doch diese nicht säumig sein. Wahrscheinlich beabsichtigt unser Versteil, auch die Gottesfürchtigen, die nicht zu Israel gehörten, in den Chor der dem HERRN Lobsingenden mit einzuschließen; er öffnet ihnen, den Proselyten aus den Heiden, die Tür und bittet sie, einzutreten. Wer Gott wahrhaft fürchtet, braucht auf keine andere Befähigung zu solch heiligem Dienst zu warten; seine Gottesfurcht beweist, dass er mit Israel dem Bunde angehört, mit Aaron dem Priesteramt, mit Levi dem Dienst des HERRN geweiht ist. Die kindliche Ehrfurcht, welche die Gläubigen gegenüber dem HERRN hegen, hindert nicht am Lobe Gottes, sie ist im Gegenteil die vorzüglichste Quelle der Anbetung
21. Gelobet sei der HERR aus Zion, der zu Jerusalem wohnt. Es ziemt sich, dass er daheim vor allem gepriesen werde. Wo er am meisten segnet, da werde er auch am meisten verehrt. Mögen der geliebte Zionsberg und die Stadt Jerusalem, die er erwählt hat, von seinem Preise widerhallen. Er bleibt bei seinem Volke: er ist der Seinen Zuflucht für und für, und sie sind seine Ruhestatt ewiglich; so möge denn diese traute Gemeinschaft bei seinen Auserkorenen immerdar aufs Neue die innigste Dankbarkeit erwecken. Der heilige Tempel des Höchsten, welcher ist Christus, und die Stadt des großen Königs, die da ist die Gemeine, sind die vorzüglichsten Stätten des Lobes Jehovahs, des Gottes Israels. Hallelujah: lobet den HERRN! Amen, Amen!
Erläuterungen und Kernworte
Zum ganzen Psalm. Dieses Loblied preist in je sieben Versen Jehovah für seine Güte als den Herrn der Schöpfung, für seine Gnade als den Befreier seines Volkes und für sein Wesen als den allein wahren und lebendigen Gott. James G. Murphy 1875.
Der Psalm ist offenbar für den Tempelgottesdienst bestimmt. Liturgische Art ist es allerorten und allerzeiten, sich in festgeprägten, allgemein bekannten und gangbaren und durch das Gewicht des Alters oder der Autorität solenn (feierlich) gewordenen Wendungen zu ergehen. Hieraus erklären sich die zahlreichen Entlehnungen und Anklänge an Thorasprüche, Prophetenworte und ältere Psalmen, die hier vorliegen. Lic. H. Keßler1899.
V. 1. Hallelujah, d. i. Lobet den HERRN! Wahre, durch den Heiligen Geist gewirkte Freude lässt sich nicht im Herzen verschließen, sondern strebt danach, Genossen zu finden, denen sie sich mitteilen, in die sie sich ergießen kann, dass auch sie mit dieser Freude erfüllet werden, wie auch, damit die Freude sich durch das vereinte Frohlocken vieler begnadigter Herzen mehre und noch heller entbrenne. Thomas Brightman † 1607.
Lobet, ihr Knechte des HERRN, denn ihr werdet damit wahrlich niemals etwas tun, was sich euch nicht gebührt, wenn ihr als Knechte euren Herrn lobet. Und wenn ihr für immer nur Knechte wäret, so solltet ihr den HERRN preisen. Wie viel mehr sollten denn jene Knechte den HERRN loben, denen das Kindesvorrecht zuteil geworden ist! Aurel. Augustinus † 430.
V. 1.3.19-21. Lobet. Um jedem Gefühl der Ermüdung vorzubeugen, das uns bei der so häufigen Wiederholung der Aufforderung, den HERRN zu loben, beschleichen könnte, brauchen wir uns nur daran zu erinnern, dass der HERR an keinem Opfer größeres Wohlgefallen hat als an dem Lobe gottseliger Herzen. So heißt es Ps. 50,14: Opfere Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde. Und Ps. 116,12.13: Wie soll ich dem HERRN vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut? Ich will den Kelch des Heils nehmen und des HERRN Namen verkündigen. Besondere Beachtung ist auch denjenigen Schriftstellen zu schenken, die in so hohen Ausdrücken von der geistigen Anbetung Gottes reden; sonst könnten wir in irregeleitetem Eifer versucht sein, unsere Mühe auf nichtige Dinge zu verwenden und in dieser Hinsicht das Beispiel so vieler nachzuahmen, die sich mit lächerlichen Versuchen abquälen, allerlei Zutaten zum Dienste Gottes zu erfinden, während sie das vernachlässigen, was vor allem andern das Wichtigste ist. Das ist der Grund, weshalb der Heilige Geist so oft die Pflicht, Gott zu loben, einschärft. Darin liegt freilich auch mittelbar eine Rüge unserer Lässigkeit; denn er würde die Ermahnung nicht so häufig wiederholen, wenn wir jene Pflicht zu erfüllen willig und eifrig wären. Jean Calvin † 1564.
Gotthold ging an eines Handwerksmannes Haus vorbei und hörte, dass derselbe mit seinen Leuten nach eingenommenem Frühstück einen Dankpsalm freudig und artig sang. Darüber erregte und bewegte sich sein ganzes Herz und sagte bei sich selbst: Ach mein Gott, wie lieblich ist dein Lob in meinen Ohren! Wie erfreulich ist es meiner Seele, dass du für all deine Güte dennoch von etlichen wenigen gepriesen wirst! Die meisten Menschen sind leider fast tierisch geworden und gleichen den Säuen, welche zur Herbstzeit die Eicheln unter dem Baum auflesen und davon fett werden, dem Baum aber, der sie gegeben, keinen Dank wissen, als dass sie sich etwa daran reiben und seinen Boden umwühlen. Sehr wohl haben es etliche gottselige alte Christen gemeint, die solche Klöster und Kirchen gestiftet, darinnen man dich, du heiliger, gütiger Vater, ohne Aufhören Nacht und Tag loben sollte, also dass ein Chor das andere immer ablösete und also das Lob göttlichen Namens immerdar fortgesetzt ward. Was hierbei von Aberglauben und Vertrauen auf Menschenwerk mit untergelaufen, wird billig unter Holz, Heu und Stoppeln gerechnet (1. Kor. 3,12). Indessen muss dein Lob, mein Vater, nicht stille sein, und wo wir Menschen schweigen, so werden die Steine schreien. Wir müssen das ewige Leben in dieser Welt anfangen, nicht allein im Genießen, sondern auch im Loben und Preisen.
Unsere Seele muss einer Blume gleichen, welche nicht allein den gütigen Einfluss des Himmels empfäht, sondern auch einen liebreichen Geruch als zur Dankbarkeit stets von sich duftet. Wir müssen wünschen mit jenem frommen Mann, dass unser Herz als ein Weihrauchkörnlein in dem Feuer der göttlichen Liebe zerschmelzen und zerfließen und den süßen Dampf des göttlichen Lobes von sich geben möge, oder mit jenem frommen Märtyrer uns willig erklären, zu Asche verbrannt zu werden, nur dass aus unserm Aschenhaufen ein Blümlein zu Gottes Lob und Preis entsprießen und hervorkommen möchte. Wir müssen willig sein, den Garten der Kirche Gottes mit unserm Blute zu feuchten, nur dass er desto fruchtbarer werde zum Lobe und zum Ruhm unsers Herrn. Nun, mein Gott, ich will dich loben allezeit, dein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Ein jeder Odem, den ich aus der gemeinen Luft schöpfe, ist mit deiner Güte zur Erhaltung meines Lebens gemengt, und ein jedes Hauchen, das aus meinem Munde geht, soll zum wenigsten mit einem herzlichen Verlangen deines Lobes und Preises gemischt sein. Hallelujah, Hallelujah, preiset mit mir, ihr heiligen Engel, ihr Menschen und alle Kreaturen, den HERRN, und lasset uns miteinander seinen Namen erhöhen. Hallelujah! Christian Scriver 1671.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)
Psalm 135
Erläuterungen und Kernworte
V. 3.5.6. Durch die Gottesoffenbarung an Mose erst ist der zwar schon gekannte, aber noch nicht allgemein gebräuchliche Gottesname Jehovah an die Stelle des alten El Schaddai (d. h. Gott der Allmächtige) getreten, womit man den Gott bezeichnete, der sich dem Stammvater geoffenbart hatte, ja mit dem Gott selbst am häufigsten sich bezeichnet hatte, wenn er sich an die Patriarchen wandte. Dieser Namenwechsel aber bedeutete nichts weniger als eine tiefgehende Umwandlung des religiösen Verhältnisses. Der Name El Schaddai, der Allmächtige, ließ neben Gott noch andere Mächte bestehen, die allerdings seiner Oberhoheit unterworfen waren, aber doch sich in gewisser Weise ihm entgegenstellen konnten. Dieser Name sagt fast das Gleiche wie jene andern. "Wesen der Wesen, höchstes Wesen", die eine gewisse religiöse Richtung so gerne braucht. Jehovah aber bedeutet: Der da ist und der da sein wird, dessen Wesen das Sein ist. Jehovah ist also nicht bloß das mächtigste, sondern geradezu das einzige Wesen, das wirklich existiert, das durch sich selbst besteht und alles Sein in sich beschließt; das Wesen, dem absolutes Sein zukommt, gleichermaßen als Subjekt und als Prädikat: Ich bin, der ich bin.
Neben El Schaddai ist noch Raum für andere, untergeordnete Wesen. Außer Jehovah ist nur das Nichts; wenn aber dennoch auch außer ihm noch etwas ist, so ist es allein durch ihn und durch die Tat seines Schöpferwillens. Die Verehrung El Schaddais schloss also den Polytheismus nicht ausdrücklich aus. Die Anbetung Jehovahs dagegen ist prinzipiell, wie sie es auch tatsächlich mehr und mehr geworden ist, die völlige Lossagung des Bewusstseins von dem Heidentum in allen seinen wirklichen und denkbaren Formen. Wir haben im 3. und 6. Kapitel des 2. Buches Mose die einfache und feierliche Darlegung des Gesichtes, durch welches Gott sich dem Mose zum ersten Mal als Jehovah geoffenbart hat. An diesem Tage ist der Grundstein gelegt worden zu dem Monotheismus Israels und zu der endgültigen Religion der Menschheit. Die Jehovahverehrung allein sollte fortan eine unübersteigliche Scheidewand sein nicht bloß gegen den Polytheismus, sondern auch gegen das verborgene Prinzip desselben, gegen den theoretischen und praktischen Materialismus. Wie könnte die Materie dem gegenüber, der das Sein hat aus sich selber, der das selbständige, absolute Ur-Ich ist, seiner selbst vollkommen bewusst und auch völlig mächtig, der ist, was er sein will, ganz ebenso wohl als er sein will, was er ist, wie könnte demgegenüber die Materie noch Anspruch erheben auch nur auf irgendwelche Selbständigkeit! Die ewige Materie, jener dunkle, blind notwendige Urgrund ohne Bewusstsein, der kein Wollen besitzt und der Erkenntnis immer unzugänglich und unerfassbar bleibt, jenes gestaltlose Wesen, jener rohe Stoff, den alle Völker, ja selbst alle Weisen des Altertums neben Gott und, wenn auch nicht der Form, so doch der Substanz nach, als unabhängig von ihm angenommen haben, diese unerschaffene Materie ist auf immer vernichtet durch die Offenbarung Gottes als Jehovah: "Ich werde sein". Nicht bloß kein einzelnes Wesen, auch nicht einmal der Stoff, aus welchem jene gebildet sind, hat Bestand, außer wenn der freie Wille Gottes ihm solchen verleiht. Das ist der Begriff, auf welchen allein das Reich Gottes auf Erden gegründet werden kann. Mit diesem erhabenen Gedanken ist bereits der Grund gelegt zum Reich des Geistes, zur Heiligkeit. Prof. F. Godet 1872.
V. 4. Denn der HERR hat ihm Jakob erwählt usw. Gottes aussondernde Gnade sollte die Seinen veranlassen, ihm gar manchen demütigen, fröhlichen und dankbaren Lobgesang darzubringen. John Trapp † 1669.
Jakob, Israel. Preiset den HERRN, dass er euch dieser auserwählten Gesellschaft einverleibt hat. Um euch zu solchem Lob anzufeuern, bedenkt, wer ihr wart, wie ihr keinerlei Anspruch auf Gottes Gnade hattet; gedenket an eure Vergangenheit. Und dann schaut um euch und sehet, wie viele nie etwas von Christo gehört haben, wie viele andere das Christentum nur als eine leere Form kennen gelernt haben, so dass sie von der Lebenskraft des Evangeliums kaum eine Ahnung haben. Welch ein hohes Vorrecht, dass ich zu dem Volk des Eigentums gehöre, ein lebendiges Glied am Leibe Christi bin. Wie bin ich dazu gekommen? Einzig durch Gottes freie Gnade. Darum preise, meine Seele, den HERRN! Thomas Manton † 1677.
Zu seinem (kostbaren) Eigentum ist Gottes Volk erwählt, zu Gottes köstlichem Schatz, den er für sich bewahrt zu seinem besonderen Dienst und seiner Verherrlichung. Wird nicht ein Mensch, der bei Verstand ist, seine Juwelen bewahren? Wenn es in einem Hause brennt, so wird der Bewohner desselben, nachdem Weib und Kinder gerettet sind, zuerst seine Kostbarkeiten in Sicherheit bringen und erst zuletzt an das Gerümpel denken. Christus bringt vor allem die Seinen in Sicherheit, denn sie sind seine Kleinode; die Welt ist im Vergleich dazu Gerümpel und Plunder. Richard Mayhew 1679.
V. 5. Denn ich weiß usw. Das Wort ich ist im Grundtext mit Nachdruck gesetzt. Wie immer es darin mit andern bestellt sein mag, ich habe persönliche herrliche Erfahrung von Jehovahs Macht und seiner unendlichen Erhabenheit über alle Götter. Henry Cowles 1872.
Auf welch festem Grunde steht der Psalmist: Ich weiß! Wie gerne hört man Männer Gottes mit solch heiterer, gewisser, allen Zweifel ausschließender Zuversicht reden, sei es, dass es sich um Gottes Freundlichkeit und Gnade, sei es, dass es sich um Gottes Größe handelt. Du sagst vielleicht, es habe dazu doch keines besonders großen Glaubens oder eines besonderen Maßes von Erkenntnis oder außerordentlichen Mutes bedurft, um zu bezeugen, dass der HERR groß sei; aber ich halte dafür, dass in den Tagen des Psalmsängers nicht viele Weise oder Mächtige zu dieser Erkenntnis gekommen waren oder dies Bekenntnis abgelegt haben, dass Jehovah, der Gott Israels, groß sei vor allen Göttern. Baal, Kamos, Milkom und Dagon, und wie die Götter alle hießen, machten in den Völkern rings umher Anspruch auf Anbetung, und David würde z. B. am Hofe des Königs Achis mit diesem Zeugnis höchst unwillkommen gewesen sein und erfahren haben, dass man es als eine Lüge zurückweise. Mose brachte einst eine Botschaft von Jehovah an den König von Ägypten, und Pharaos Antwort war: Wer ist Jehovah, dass ich ihm gehorchen sollte? Und selbst in Israel waren nicht alle echte Israeliten. - Es gibt ein Wissen, das wie das St. Elmsfeuer um die Köpfe herumspielt, ohne irgendwelche Wirkung; und es gibt ein Wissen, das wie ein befruchtender Fluss das ganze Herz durchdringt und Früchte der Heiligkeit, der Liebe, des Friedens und der Freude hervorbringt. Barton Bouchier † 1865.
Ich weiß bezieht sich, da es als Begründung der Anforderung zum Preisen Gottes eingeführt wird, auf die durch Erfahrung gesicherte Überzeugung des Psalmisten (Ps. 20,7) von dem Reichtum des für das Loblied vorhandenen Stoffes und der daraus entspringenden Berechtigung zu solchem Aufruf. K. B. Moll 1884.
V. 6. Der HERR schafft, was er macht, nicht weil er dazu durch eine Gewalt oder Notwendigkeit gezwungen ist, sondern alles, was er will, das tut er. Du baust dir ein Haus, weil du sonst ohne Obdach wärest, machst dir ein Kleid, weil du sonst nackend gingest; die Notwendigkeit, nicht dein freier Wille ist die Ursache davon. Du pflanzest einen Weinberg, du säst Samen, alles weil dir sonst fehlen würde, was du bedarfst. Gott bedurfte nichts von dem, was er machte, sondern er machte alles, was er wollte, aus reiner Güte.
Er tut alles, was er will, im Himmel und auf Erden; tust du auch alles, was du willst, auch nur auf deinem Acker? Du willst vieles, aber du kannst in deinem eigenen Hause nicht alles tun, was du wünschest. Dein Weib widerspricht dir zuweilen, deine Kinder hemmen dich, manchmal tritt dir sogar dein Gesinde frech entgegen, und du kannst nicht tun, was du willst. Aber du sagst: Doch, ich tue, was ich will, denn ich strafe die Ungehorsamen und Widersprecher. Nicht einmal dies tust du, wann du willst. Aurel. Augustinus † 430.
Seine Macht ist unbegrenzt. Er kann tun, was er will, im Himmel und auf Erden und überall. Alle Orte sind genannt - außer dem Fegefeuer. Vielleicht kann er dort nichts tun, sondern überlässt da die ganze Arbeit dem Papste! Thomas Adams 1614.
Einer der hervorragendsten Unterschiede zwischen den Berichten der göttlichen Offenbarung und der gewöhnlichen Geschichtsschreibung ist der, dass beim Erzählen der gleichen Ereignisse die Letztere das Handeln der Menschen, die Erstere das Handeln Gottes ausweist. Das Tun des Menschen ist eben das natürliche Gebiet der menschlichen Geschichtsschreibung, sie kann ohne das Licht der Offenbarung nicht weiter gehen. Die Profangeschichte stellt die Mittel und Werkzeuge ins Licht, durch welche der Ewige wirkt; der Finger der göttlichen Offenbarung hingegen weist auf die unsichtbare, aber allmächtige Hand hin, welche das Werkzeug hält und führt. Die Schrift führt uns vor Augen, wie selbst Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und dem Volk Israel tun, was des HERRN Hand und sein Rat zuvor bedacht hat, dass es geschehen sollte (Apg. 4,27.28). George Payne 1850.
V. 3.5.6. Durch die Gottesoffenbarung an Mose erst ist der zwar schon gekannte, aber noch nicht allgemein gebräuchliche Gottesname Jehovah an die Stelle des alten El Schaddai (d. h. Gott der Allmächtige) getreten, womit man den Gott bezeichnete, der sich dem Stammvater geoffenbart hatte, ja mit dem Gott selbst am häufigsten sich bezeichnet hatte, wenn er sich an die Patriarchen wandte. Dieser Namenwechsel aber bedeutete nichts weniger als eine tiefgehende Umwandlung des religiösen Verhältnisses. Der Name El Schaddai, der Allmächtige, ließ neben Gott noch andere Mächte bestehen, die allerdings seiner Oberhoheit unterworfen waren, aber doch sich in gewisser Weise ihm entgegenstellen konnten. Dieser Name sagt fast das Gleiche wie jene andern. "Wesen der Wesen, höchstes Wesen", die eine gewisse religiöse Richtung so gerne braucht. Jehovah aber bedeutet: Der da ist und der da sein wird, dessen Wesen das Sein ist. Jehovah ist also nicht bloß das mächtigste, sondern geradezu das einzige Wesen, das wirklich existiert, das durch sich selbst besteht und alles Sein in sich beschließt; das Wesen, dem absolutes Sein zukommt, gleichermaßen als Subjekt und als Prädikat: Ich bin, der ich bin.
Neben El Schaddai ist noch Raum für andere, untergeordnete Wesen. Außer Jehovah ist nur das Nichts; wenn aber dennoch auch außer ihm noch etwas ist, so ist es allein durch ihn und durch die Tat seines Schöpferwillens. Die Verehrung El Schaddais schloss also den Polytheismus nicht ausdrücklich aus. Die Anbetung Jehovahs dagegen ist prinzipiell, wie sie es auch tatsächlich mehr und mehr geworden ist, die völlige Lossagung des Bewusstseins von dem Heidentum in allen seinen wirklichen und denkbaren Formen. Wir haben im 3. und 6. Kapitel des 2. Buches Mose die einfache und feierliche Darlegung des Gesichtes, durch welches Gott sich dem Mose zum ersten Mal als Jehovah geoffenbart hat. An diesem Tage ist der Grundstein gelegt worden zu dem Monotheismus Israels und zu der endgültigen Religion der Menschheit. Die Jehovahverehrung allein sollte fortan eine unübersteigliche Scheidewand sein nicht bloß gegen den Polytheismus, sondern auch gegen das verborgene Prinzip desselben, gegen den theoretischen und praktischen Materialismus. Wie könnte die Materie dem gegenüber, der das Sein hat aus sich selber, der das selbständige, absolute Ur-Ich ist, seiner selbst vollkommen bewusst und auch völlig mächtig, der ist, was er sein will, ganz ebenso wohl als er sein will, was er ist, wie könnte demgegenüber die Materie noch Anspruch erheben auch nur auf irgendwelche Selbständigkeit! Die ewige Materie, jener dunkle, blind notwendige Urgrund ohne Bewusstsein, der kein Wollen besitzt und der Erkenntnis immer unzugänglich und unerfassbar bleibt, jenes gestaltlose Wesen, jener rohe Stoff, den alle Völker, ja selbst alle Weisen des Altertums neben Gott und, wenn auch nicht der Form, so doch der Substanz nach, als unabhängig von ihm angenommen haben, diese unerschaffene Materie ist auf immer vernichtet durch die Offenbarung Gottes als Jehovah: "Ich werde sein". Nicht bloß kein einzelnes Wesen, auch nicht einmal der Stoff, aus welchem jene gebildet sind, hat Bestand, außer wenn der freie Wille Gottes ihm solchen verleiht. Das ist der Begriff, auf welchen allein das Reich Gottes auf Erden gegründet werden kann. Mit diesem erhabenen Gedanken ist bereits der Grund gelegt zum Reich des Geistes, zur Heiligkeit. Prof. F. Godet 1872.
V. 4. Denn der HERR hat ihm Jakob erwählt usw. Gottes aussondernde Gnade sollte die Seinen veranlassen, ihm gar manchen demütigen, fröhlichen und dankbaren Lobgesang darzubringen. John Trapp † 1669.
Jakob, Israel. Preiset den HERRN, dass er euch dieser auserwählten Gesellschaft einverleibt hat. Um euch zu solchem Lob anzufeuern, bedenkt, wer ihr wart, wie ihr keinerlei Anspruch auf Gottes Gnade hattet; gedenket an eure Vergangenheit. Und dann schaut um euch und sehet, wie viele nie etwas von Christo gehört haben, wie viele andere das Christentum nur als eine leere Form kennen gelernt haben, so dass sie von der Lebenskraft des Evangeliums kaum eine Ahnung haben. Welch ein hohes Vorrecht, dass ich zu dem Volk des Eigentums gehöre, ein lebendiges Glied am Leibe Christi bin. Wie bin ich dazu gekommen? Einzig durch Gottes freie Gnade. Darum preise, meine Seele, den HERRN! Thomas Manton † 1677.
Zu seinem (kostbaren) Eigentum ist Gottes Volk erwählt, zu Gottes köstlichem Schatz, den er für sich bewahrt zu seinem besonderen Dienst und seiner Verherrlichung. Wird nicht ein Mensch, der bei Verstand ist, seine Juwelen bewahren? Wenn es in einem Hause brennt, so wird der Bewohner desselben, nachdem Weib und Kinder gerettet sind, zuerst seine Kostbarkeiten in Sicherheit bringen und erst zuletzt an das Gerümpel denken. Christus bringt vor allem die Seinen in Sicherheit, denn sie sind seine Kleinode; die Welt ist im Vergleich dazu Gerümpel und Plunder. Richard Mayhew 1679.
V. 5. Denn ich weiß usw. Das Wort ich ist im Grundtext mit Nachdruck gesetzt. Wie immer es darin mit andern bestellt sein mag, ich habe persönliche herrliche Erfahrung von Jehovahs Macht und seiner unendlichen Erhabenheit über alle Götter. Henry Cowles 1872.
Auf welch festem Grunde steht der Psalmist: Ich weiß! Wie gerne hört man Männer Gottes mit solch heiterer, gewisser, allen Zweifel ausschließender Zuversicht reden, sei es, dass es sich um Gottes Freundlichkeit und Gnade, sei es, dass es sich um Gottes Größe handelt. Du sagst vielleicht, es habe dazu doch keines besonders großen Glaubens oder eines besonderen Maßes von Erkenntnis oder außerordentlichen Mutes bedurft, um zu bezeugen, dass der HERR groß sei; aber ich halte dafür, dass in den Tagen des Psalmsängers nicht viele Weise oder Mächtige zu dieser Erkenntnis gekommen waren oder dies Bekenntnis abgelegt haben, dass Jehovah, der Gott Israels, groß sei vor allen Göttern. Baal, Kamos, Milkom und Dagon, und wie die Götter alle hießen, machten in den Völkern rings umher Anspruch auf Anbetung, und David würde z. B. am Hofe des Königs Achis mit diesem Zeugnis höchst unwillkommen gewesen sein und erfahren haben, dass man es als eine Lüge zurückweise. Mose brachte einst eine Botschaft von Jehovah an den König von Ägypten, und Pharaos Antwort war: Wer ist Jehovah, dass ich ihm gehorchen sollte? Und selbst in Israel waren nicht alle echte Israeliten. - Es gibt ein Wissen, das wie das St. Elmsfeuer um die Köpfe herumspielt, ohne irgendwelche Wirkung; und es gibt ein Wissen, das wie ein befruchtender Fluss das ganze Herz durchdringt und Früchte der Heiligkeit, der Liebe, des Friedens und der Freude hervorbringt. Barton Bouchier † 1865.
Ich weiß bezieht sich, da es als Begründung der Anforderung zum Preisen Gottes eingeführt wird, auf die durch Erfahrung gesicherte Überzeugung des Psalmisten (Ps. 20,7) von dem Reichtum des für das Loblied vorhandenen Stoffes und der daraus entspringenden Berechtigung zu solchem Aufruf. K. B. Moll 1884.
V. 6. Der HERR schafft, was er macht, nicht weil er dazu durch eine Gewalt oder Notwendigkeit gezwungen ist, sondern alles, was er will, das tut er. Du baust dir ein Haus, weil du sonst ohne Obdach wärest, machst dir ein Kleid, weil du sonst nackend gingest; die Notwendigkeit, nicht dein freier Wille ist die Ursache davon. Du pflanzest einen Weinberg, du säst Samen, alles weil dir sonst fehlen würde, was du bedarfst. Gott bedurfte nichts von dem, was er machte, sondern er machte alles, was er wollte, aus reiner Güte.
Er tut alles, was er will, im Himmel und auf Erden; tust du auch alles, was du willst, auch nur auf deinem Acker? Du willst vieles, aber du kannst in deinem eigenen Hause nicht alles tun, was du wünschest. Dein Weib widerspricht dir zuweilen, deine Kinder hemmen dich, manchmal tritt dir sogar dein Gesinde frech entgegen, und du kannst nicht tun, was du willst. Aber du sagst: Doch, ich tue, was ich will, denn ich strafe die Ungehorsamen und Widersprecher. Nicht einmal dies tust du, wann du willst. Aurel. Augustinus † 430.
Seine Macht ist unbegrenzt. Er kann tun, was er will, im Himmel und auf Erden und überall. Alle Orte sind genannt - außer dem Fegefeuer. Vielleicht kann er dort nichts tun, sondern überlässt da die ganze Arbeit dem Papste! Thomas Adams 1614.
Einer der hervorragendsten Unterschiede zwischen den Berichten der göttlichen Offenbarung und der gewöhnlichen Geschichtsschreibung ist der, dass beim Erzählen der gleichen Ereignisse die Letztere das Handeln der Menschen, die Erstere das Handeln Gottes ausweist. Das Tun des Menschen ist eben das natürliche Gebiet der menschlichen Geschichtsschreibung, sie kann ohne das Licht der Offenbarung nicht weiter gehen. Die Profangeschichte stellt die Mittel und Werkzeuge ins Licht, durch welche der Ewige wirkt; der Finger der göttlichen Offenbarung hingegen weist auf die unsichtbare, aber allmächtige Hand hin, welche das Werkzeug hält und führt. Die Schrift führt uns vor Augen, wie selbst Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und dem Volk Israel tun, was des HERRN Hand und sein Rat zuvor bedacht hat, dass es geschehen sollte (Apg. 4,27.28). George Payne 1850.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)
Psalm 135
Erläuterungen und Kernworte
V. 7. Der die Wolken lässt aufsteigen vom Ende der Erde usw. Die Wasserschicht, welche in der heißen Zone alljährlich als Dunst in die Atmosphäre aufsteigt, beträgt durchschnittlich 16 Fuß. Wiewohl auch die Regenmenge in der heißen Zone am größten ist, ist die Wassermenge, welche dort in die Luft aufsteigt, doch weit beträchtlicher als die Regenmenge, welche in jenen Gegenden ins Meer zurücksinkt. Eine unsichtbare Hand schöpft alljährlich mehr als zehn Billionen Zentner Wasser aus dem Meere und führt diese Masse tausend Meilen weit durch die Lüfte, um sie allmählich als Regen und Tau auf unsere Wälder, Fruchtfelder, Wiesen und Weinberge herabzuträufeln, wo die Gewächse auf die belebende Kraft des Wassers harren. Die gesamte Regenmenge, welche alljährlich zur Erde niederströmt, würde, wenn sie sich gleichmäßig auf die ganze Erdoberfläche verteilte, eine Wassermasse von drei Fuß Höhe ergeben. - Nach Dr. A. N. Böhner 1878.
Der die Blitze samt dem Regen macht. Wenn die Gewohnheit uns nicht mit dem Schauspiel vertraut machte, so würden wir diese Vermischung von Feuer und Wasser im Gewitter für ein ganz unglaubliches Wunder erklären. Ebenso sind die Winde mit ihren verschiedenen Strömungen ein wunderbares Werk Gottes. Gott ist nicht nur insofern der Urheber von Regen, Blitz und Donner und Wind, als er ursprünglich diese Naturordnungen geschaffen hat, sondern der Psalmist geht noch weiter und behauptet, dass, wenn es regnet, dies geschieht infolge eines Befehles von Gott, dem es beliebt, zu einer Zeit den Himmel mit Wolken zu verdunkeln und zu einer andern ihn wieder durch Sonnenschein zu erhellen. Jean Calvin † 1564.
Es ist ein hervorragendes Beispiel von Gottes Weisheit und Güte, dass die elektrischen Entladungen von Regen begleitet sind, wodurch die elektrische Spannung sich auslöst und die Gefährlichkeit der Blitze gemindert wird. So gedenkt Gott mitten im Gericht seiner Gnade. Die Drohungen des Wortes Gottes gegen die Sünder sind wie Blitze; sie würden uns zermalmen und verbrennen, wenn nicht die einem gnädigen Regen vergleichbaren Verheißungen desselben Wortes für die Bußfertigen die furchtbare Kraft der Drohungen ablenkten und unser erschrockenes Gemüt trösteten. Bischof G. Horne † 1792.
V. 8. Der die Erstgeburten schlug in Ägypten. Nur die Erstgeburten wurden getötet; mit einer Genauigkeit, die auch nicht einen Fehlgriff tat, wurden diese herausgesucht. Der Tod aller dieser Tausende, beider, der Menschen und des Viehes, trat in einem und demselben Augenblick ein - zur Mitternacht (2. Mose 12,29). War Gott darin ungerecht? Nein. Die Ägypter hatten die Knäblein der Israeliten getötet, indem sie sie in den Nil warfen. Nun kommt in gerechter Vergeltung die gleiche Trübsal über sie, die Lust ihrer Augen wird ihnen genommen, und zwar auf Gottes Ankündigung hin. Th. S. Millington 1873.
Und des Viehes. Die Ägypter beteten viele Tiere an, und als die Erstgeburten der heiligen Tiere starben, vertiefte jener Umstand sehr die Eindrücklichkeit der Plage als eines Angriffs auf die Götter Ägyptens. C. H. Spurgeon 1885.
V. 8-12. Preiswürdig ist er, denn er ist der Erlöser aus Ägypten, V. 8 f.; preiswürdig, denn er ist der Eroberer des Verheißungslandes, V. 10-12. Prof. Franz Delitzsch † 1890.
V. 10. Der viele Völker schlug usw. Lasst uns bedenken, was unser Schicksal und das jedes andern Volkes unter dem Himmel heute wäre, wenn das Schwert der Israeliten sein Werk schonender verrichtet hätte. Selbst trotzdem die Israeliten das Land im Großen und Ganzen eroberten, waren die kleinen Reste der Kanaaniter, die in Israels Grenzen übrigblieben, sowie die umwohnenden Völker durch ihren Götzendienst eine solche Versuchung für die Israeliten, dass wir immer wieder davon lesen, dass das Volk sich von dem Dienst Jehovahs abkehrte. Hätten aber die Heiden in gleicher Stärke mit Israel im Lande gelebt und, vor allem, sich in großer Zahl mit den Israeliten durch Heirat vermengt, wie wäre es dann wohl möglich gewesen, dass sich irgendwelche Strahlen des göttlichen Wahrheitslichtes bis zu dem Kommen Christi erhalten hätten? Würden die Israeliten nicht ihre ganze Eigentümlichkeit verloren haben? Und würden sie nicht, selbst wenn sie Jehovah dem Namen nach als ihren Gott behalten hätten, alle Erkenntnis seiner Heiligkeit verlierend ihn zu einem Götzen erniedrigt und ihm in ebenso scheußlicher Weise gedient haben, wie die Moabiter dem Kamos oder die Philister ihrem Dagon? Aber das durfte nicht geschehen, und darum mussten die Kanaaniter ausgerottet werden. Das Schwert der Israeliten vollzog, so schrecklich die Strafurteile waren, die es ausrichten musste, damit ein Werk der Barmherzigkeit für alle Länder der Erde bis zu den fernsten Enden der Welt. Diese beständigen Kämpfe mit den Amoritern und Kanaanitern und Midianitern und Philistern usw., von denen die Bücher Josua und Richter und Samuelis voll sind, scheinen uns ja von geringer Bedeutung, und wir wundern uns fast darüber, dass Gott sich in diese Streitigkeiten gemischt und gar Wunder vollbracht haben soll, um dem einen Volke den Sieg über die andern zu geben. Aber an diesen Kriegen und an dem Geschick dieses einen Volkes hing das Wohlergehen und das Heil des ganzen Menschengeschlechtes. Die Israeliten fochten nicht nur für sich, sondern auch für uns. Sie bewahrten damit den Samen des ewigen Lebens und waren in Gottes Hand das Mittel, den Segen über alle Geschlechter der Erde zu bringen. Thomas Arnold † 1842.
V. 11. Wiewohl Sihon Moab besiegt hatte und viel mehr zu fürchten war als jene Kanaaniter, vor denen das Volk Israel in Kades den Mut verloren hatte, fiel er dennoch nach leichtem Kampfe, weil Israel im Glauben kämpfte. Es gibt keinen Widersacher, der uns wirklich auf unserem Vormarsch wirksamen Widerstand leisten könnte, wenn wir ihn in der Kraft des HERRN mit fröhlichem Mute angreifen. Og, der König zu Basan, war ein noch gewaltigerer Feind als selbst Sihon; aber aus dem kurzen Bericht über seine Besiegung scheint man schließen zu dürfen, dass er sogar noch leichter überwunden wurde. So gewinnen wir, wenn wir erst eine Schwierigkeit überwunden oder eine böse Gewohnheit besiegt haben, leicht und fast wie selbstverständlich auch andere Kämpfe, an die wir vorher auch nur zu denken nicht hätten wagen dürfen. Gerade im inneren Leben ist es wahr: Siege, so lernst du siegen. R. Winterbotham 1881.
Og, der König von Basan. Die Aufgabe war nicht leicht, denn Edrei (5. Mose 3,1), "die Starke", Ogs Hauptstadt, war unter gewöhnlichen Umständen kaum angreifbar, weil sie in seltsamer Weise in einem Hohlraum erbaut war, den man künstlich in dem oberen Teil eines Berges ausgehöhlt hatte, den die tiefe Schlucht des Jarmuk von der umliegenden Gegend scheidet. Die Straßen dieser unterirdischen Stadt kann man heute noch in allen Richtungen unter der jetzigen Stadt Adraha verfolgen. Kenath aber, in dem jetzt Argob (5. Mose 3,4) genannten Gebiet, war noch stärker, denn es war in den Rissen einer mächtigen Lavamasse erbaut, die beim Erkalten in unzählige Spalten zerborsten war, durch deren Labyrinth kein Feind einzudringen wagen durfte. In diesen Spalten waren die Straßen und Häuser, von welchen etliche aus späterer Zeit noch heute vorhanden sind. Und dies waren nicht die einzigen Festungen. Nicht weniger als sechzig Städte, befestigt mit hohen Mauern, Toren und Riegeln (5. Mose 3,4.5) mussten eingenommen werden; aber sie alle fielen vor den erobernden Israeliten, und noch lange hernach konnte man zu Rabba der Kinder Ammon eine Beute aus dem Siege sehen, das gewaltige eiserne Bett oder, wofür die meisten es jetzt halten, den mächtigen Sarkophag, den der König Og nach der Sitte der kanaanitischen Könige sich hatte herstellen lassen. Cunningham Geikie 1881.
V. 13. Gott ist für seine Gemeinde allezeit derselbe gnadenreiche, treue, Wunder wirkende Gott; und seine Gemeinde wird allezeit ein dankbares, ihn lobendes Volk sein; so währet sein Name ewiglich, und sein Gedächtnis für und für. Matthew Henry † 1714.
V. 15. Der Heiden Götzen. Die Tempel auf den Hügelspitzen waren sehr kunstlose Gehege aus rohen Steinmauern und enthielten elende Götzen - Klötze von verwittertem Holz, alte Steinblöcke und Stücke verrosteten alten Eisens. Die geschnitzten hölzernen Götzen waren von Wind und Wetter so mitgenommen, dass ihre Gestalt ganz entstellt war. Einer, der nicht wie die übrigen aus einem Stück gemacht, sondern zusammengezimmert war, war noch schlechter weggekommen als seine geringeren Kameraden. Er hatte keine Arme mehr, und Brust, Herz und Bauch waren herausgefallen; sonderbarerweise war sein Haupt stehen geblieben, und es war lächerlich, solch eine Spottgestalt mit feierlichen Mienen einen anstarren zu sehen. Die Steingötzen hatten durch manchen Sturz schwer gelitten, und den Göttern aus gegossenem Metall war vielfach der abgebrochene Kopf sorgfältig wieder aufgesetzt, um zu halten, bis der nächste Sturm ihn wieder herunterrollen ließ. - "Unter den Mongolen", von James Gilmour 1883.
Von Menschenhänden gemacht. Darum sollten sie, die Götzen, doch vielmehr, wenn es möglich wäre, den Menschen als ihren Schöpfer und Gebieter anbeten, als von diesem angebetet werden. Mt. Pool † 1679.
V. 7. Der die Wolken lässt aufsteigen vom Ende der Erde usw. Die Wasserschicht, welche in der heißen Zone alljährlich als Dunst in die Atmosphäre aufsteigt, beträgt durchschnittlich 16 Fuß. Wiewohl auch die Regenmenge in der heißen Zone am größten ist, ist die Wassermenge, welche dort in die Luft aufsteigt, doch weit beträchtlicher als die Regenmenge, welche in jenen Gegenden ins Meer zurücksinkt. Eine unsichtbare Hand schöpft alljährlich mehr als zehn Billionen Zentner Wasser aus dem Meere und führt diese Masse tausend Meilen weit durch die Lüfte, um sie allmählich als Regen und Tau auf unsere Wälder, Fruchtfelder, Wiesen und Weinberge herabzuträufeln, wo die Gewächse auf die belebende Kraft des Wassers harren. Die gesamte Regenmenge, welche alljährlich zur Erde niederströmt, würde, wenn sie sich gleichmäßig auf die ganze Erdoberfläche verteilte, eine Wassermasse von drei Fuß Höhe ergeben. - Nach Dr. A. N. Böhner 1878.
Der die Blitze samt dem Regen macht. Wenn die Gewohnheit uns nicht mit dem Schauspiel vertraut machte, so würden wir diese Vermischung von Feuer und Wasser im Gewitter für ein ganz unglaubliches Wunder erklären. Ebenso sind die Winde mit ihren verschiedenen Strömungen ein wunderbares Werk Gottes. Gott ist nicht nur insofern der Urheber von Regen, Blitz und Donner und Wind, als er ursprünglich diese Naturordnungen geschaffen hat, sondern der Psalmist geht noch weiter und behauptet, dass, wenn es regnet, dies geschieht infolge eines Befehles von Gott, dem es beliebt, zu einer Zeit den Himmel mit Wolken zu verdunkeln und zu einer andern ihn wieder durch Sonnenschein zu erhellen. Jean Calvin † 1564.
Es ist ein hervorragendes Beispiel von Gottes Weisheit und Güte, dass die elektrischen Entladungen von Regen begleitet sind, wodurch die elektrische Spannung sich auslöst und die Gefährlichkeit der Blitze gemindert wird. So gedenkt Gott mitten im Gericht seiner Gnade. Die Drohungen des Wortes Gottes gegen die Sünder sind wie Blitze; sie würden uns zermalmen und verbrennen, wenn nicht die einem gnädigen Regen vergleichbaren Verheißungen desselben Wortes für die Bußfertigen die furchtbare Kraft der Drohungen ablenkten und unser erschrockenes Gemüt trösteten. Bischof G. Horne † 1792.
V. 8. Der die Erstgeburten schlug in Ägypten. Nur die Erstgeburten wurden getötet; mit einer Genauigkeit, die auch nicht einen Fehlgriff tat, wurden diese herausgesucht. Der Tod aller dieser Tausende, beider, der Menschen und des Viehes, trat in einem und demselben Augenblick ein - zur Mitternacht (2. Mose 12,29). War Gott darin ungerecht? Nein. Die Ägypter hatten die Knäblein der Israeliten getötet, indem sie sie in den Nil warfen. Nun kommt in gerechter Vergeltung die gleiche Trübsal über sie, die Lust ihrer Augen wird ihnen genommen, und zwar auf Gottes Ankündigung hin. Th. S. Millington 1873.
Und des Viehes. Die Ägypter beteten viele Tiere an, und als die Erstgeburten der heiligen Tiere starben, vertiefte jener Umstand sehr die Eindrücklichkeit der Plage als eines Angriffs auf die Götter Ägyptens. C. H. Spurgeon 1885.
V. 8-12. Preiswürdig ist er, denn er ist der Erlöser aus Ägypten, V. 8 f.; preiswürdig, denn er ist der Eroberer des Verheißungslandes, V. 10-12. Prof. Franz Delitzsch † 1890.
V. 10. Der viele Völker schlug usw. Lasst uns bedenken, was unser Schicksal und das jedes andern Volkes unter dem Himmel heute wäre, wenn das Schwert der Israeliten sein Werk schonender verrichtet hätte. Selbst trotzdem die Israeliten das Land im Großen und Ganzen eroberten, waren die kleinen Reste der Kanaaniter, die in Israels Grenzen übrigblieben, sowie die umwohnenden Völker durch ihren Götzendienst eine solche Versuchung für die Israeliten, dass wir immer wieder davon lesen, dass das Volk sich von dem Dienst Jehovahs abkehrte. Hätten aber die Heiden in gleicher Stärke mit Israel im Lande gelebt und, vor allem, sich in großer Zahl mit den Israeliten durch Heirat vermengt, wie wäre es dann wohl möglich gewesen, dass sich irgendwelche Strahlen des göttlichen Wahrheitslichtes bis zu dem Kommen Christi erhalten hätten? Würden die Israeliten nicht ihre ganze Eigentümlichkeit verloren haben? Und würden sie nicht, selbst wenn sie Jehovah dem Namen nach als ihren Gott behalten hätten, alle Erkenntnis seiner Heiligkeit verlierend ihn zu einem Götzen erniedrigt und ihm in ebenso scheußlicher Weise gedient haben, wie die Moabiter dem Kamos oder die Philister ihrem Dagon? Aber das durfte nicht geschehen, und darum mussten die Kanaaniter ausgerottet werden. Das Schwert der Israeliten vollzog, so schrecklich die Strafurteile waren, die es ausrichten musste, damit ein Werk der Barmherzigkeit für alle Länder der Erde bis zu den fernsten Enden der Welt. Diese beständigen Kämpfe mit den Amoritern und Kanaanitern und Midianitern und Philistern usw., von denen die Bücher Josua und Richter und Samuelis voll sind, scheinen uns ja von geringer Bedeutung, und wir wundern uns fast darüber, dass Gott sich in diese Streitigkeiten gemischt und gar Wunder vollbracht haben soll, um dem einen Volke den Sieg über die andern zu geben. Aber an diesen Kriegen und an dem Geschick dieses einen Volkes hing das Wohlergehen und das Heil des ganzen Menschengeschlechtes. Die Israeliten fochten nicht nur für sich, sondern auch für uns. Sie bewahrten damit den Samen des ewigen Lebens und waren in Gottes Hand das Mittel, den Segen über alle Geschlechter der Erde zu bringen. Thomas Arnold † 1842.
V. 11. Wiewohl Sihon Moab besiegt hatte und viel mehr zu fürchten war als jene Kanaaniter, vor denen das Volk Israel in Kades den Mut verloren hatte, fiel er dennoch nach leichtem Kampfe, weil Israel im Glauben kämpfte. Es gibt keinen Widersacher, der uns wirklich auf unserem Vormarsch wirksamen Widerstand leisten könnte, wenn wir ihn in der Kraft des HERRN mit fröhlichem Mute angreifen. Og, der König zu Basan, war ein noch gewaltigerer Feind als selbst Sihon; aber aus dem kurzen Bericht über seine Besiegung scheint man schließen zu dürfen, dass er sogar noch leichter überwunden wurde. So gewinnen wir, wenn wir erst eine Schwierigkeit überwunden oder eine böse Gewohnheit besiegt haben, leicht und fast wie selbstverständlich auch andere Kämpfe, an die wir vorher auch nur zu denken nicht hätten wagen dürfen. Gerade im inneren Leben ist es wahr: Siege, so lernst du siegen. R. Winterbotham 1881.
Og, der König von Basan. Die Aufgabe war nicht leicht, denn Edrei (5. Mose 3,1), "die Starke", Ogs Hauptstadt, war unter gewöhnlichen Umständen kaum angreifbar, weil sie in seltsamer Weise in einem Hohlraum erbaut war, den man künstlich in dem oberen Teil eines Berges ausgehöhlt hatte, den die tiefe Schlucht des Jarmuk von der umliegenden Gegend scheidet. Die Straßen dieser unterirdischen Stadt kann man heute noch in allen Richtungen unter der jetzigen Stadt Adraha verfolgen. Kenath aber, in dem jetzt Argob (5. Mose 3,4) genannten Gebiet, war noch stärker, denn es war in den Rissen einer mächtigen Lavamasse erbaut, die beim Erkalten in unzählige Spalten zerborsten war, durch deren Labyrinth kein Feind einzudringen wagen durfte. In diesen Spalten waren die Straßen und Häuser, von welchen etliche aus späterer Zeit noch heute vorhanden sind. Und dies waren nicht die einzigen Festungen. Nicht weniger als sechzig Städte, befestigt mit hohen Mauern, Toren und Riegeln (5. Mose 3,4.5) mussten eingenommen werden; aber sie alle fielen vor den erobernden Israeliten, und noch lange hernach konnte man zu Rabba der Kinder Ammon eine Beute aus dem Siege sehen, das gewaltige eiserne Bett oder, wofür die meisten es jetzt halten, den mächtigen Sarkophag, den der König Og nach der Sitte der kanaanitischen Könige sich hatte herstellen lassen. Cunningham Geikie 1881.
V. 13. Gott ist für seine Gemeinde allezeit derselbe gnadenreiche, treue, Wunder wirkende Gott; und seine Gemeinde wird allezeit ein dankbares, ihn lobendes Volk sein; so währet sein Name ewiglich, und sein Gedächtnis für und für. Matthew Henry † 1714.
V. 15. Der Heiden Götzen. Die Tempel auf den Hügelspitzen waren sehr kunstlose Gehege aus rohen Steinmauern und enthielten elende Götzen - Klötze von verwittertem Holz, alte Steinblöcke und Stücke verrosteten alten Eisens. Die geschnitzten hölzernen Götzen waren von Wind und Wetter so mitgenommen, dass ihre Gestalt ganz entstellt war. Einer, der nicht wie die übrigen aus einem Stück gemacht, sondern zusammengezimmert war, war noch schlechter weggekommen als seine geringeren Kameraden. Er hatte keine Arme mehr, und Brust, Herz und Bauch waren herausgefallen; sonderbarerweise war sein Haupt stehen geblieben, und es war lächerlich, solch eine Spottgestalt mit feierlichen Mienen einen anstarren zu sehen. Die Steingötzen hatten durch manchen Sturz schwer gelitten, und den Göttern aus gegossenem Metall war vielfach der abgebrochene Kopf sorgfältig wieder aufgesetzt, um zu halten, bis der nächste Sturm ihn wieder herunterrollen ließ. - "Unter den Mongolen", von James Gilmour 1883.
Von Menschenhänden gemacht. Darum sollten sie, die Götzen, doch vielmehr, wenn es möglich wäre, den Menschen als ihren Schöpfer und Gebieter anbeten, als von diesem angebetet werden. Mt. Pool † 1679.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)
Psalm 135
Erläuterungen und Kernworte
V. 15-17. Der Missionar John Thomas in Indien reiste eines Tages allein durchs Land, als er eine große Menschenmenge bei einem Götzentempel versammelt fand. Er ging zu ihnen hinauf, und sobald die Tore des Tempels geöffnet waren, betrat er das Heiligtum. Dort sah er ein Götzenbild hoch aufgerichtet, so dass es das Volk überragte. Er ging kühn darauf zu, erhob seine Hand und bat um Gehör. Dann legte er seine Finger auf die Augen, Ohren usw. des Götzenbildes und sagte: "Es hat Augen und sieht nicht. Es hat Ohren und hört nicht. Es hat eine Nase, riecht aber nichts. Es hat Hände, kann aber nicht greifen. Es hat einen Mund, kann aber nicht reden, und ist kein Odem darin." Statt dem kühnen Missionar ein Leid zuzufügen für die Beleidigung, die er ihrem Götzen und damit ihnen selber angetan, waren die Eingeborenen alle vor Staunen still, und ein alter Brahmane war durch das, was Herr Thomas gesagt hatte, so von der Torheit des Götzendienstes überzeugt worden, dass er ausrief: "Es hat Füße und kann nicht weglaufen!" Die Volksmenge schrie laut auf und verließ dann, ganz beschämt, den Tempel, um nach Hause zu gehen. Illustrative Anecdotes 1873.
Mäuler, Augen, Ohren usw. So viele Glieder die Götzenbilder haben, die ja dazu dienen, die Vollkommenheiten darzustellen, die man ihnen zuschreibt, so viel sind der Lügen. David Dickson † 1662.
V. 18. Die solche machen, sind gleich also, alle, die auf solche hoffen. Die Menschen erheben sich nie über die Höhe, auf der ihre Götzen stehen, denn diese sind ihnen ihr besseres Ich. A. R. Fausset 1866.
Auf wen man hofft, dem wird man unvermerkt gleich und nimmt vieles von seinem Wesen an. So macht einen auch das Vertrauen auf Gott seinem Bilde ähnlich und zieht einen in das Wohlgefallen an Gottes Wegen und Gerichten hinein, woran aller Friede und Ruhe für unsere Seelen hanget. Karl Heinrich Rieger † 1791.
V. 21. Dieser Schluss spielt an auf den Schluss des vorhergehenden Psalms. Dort: Der HERR segne dich aus Zion, hier: Er sei gesegnet aus Zion. Von der Stätte, von der der Segen, geht auch der Lobpreis aus; denn Zion ist die Stätte, wo die Gemeinde des HERRN mit ihm zusammenwohnt. Prof. E. W. Hengstenberg 1845.
Zion und Jerusalem ist Ausgangs- und Endpunkt aller Gnadenoffenbarungen Gottes. Die Tragweite ihrer Bedeutung reicht bis in die Ewigkeit. E. Taube 1858.
Segnen - loben. Das Segnen bezieht sich mehr auf Gottes Wohltaten, das Loben auf Gottes Vollkommenheiten. Wir benedeien ihn für das, was er uns ist, wir preisen ihn für das, was er in sich selber ist. Ob wir ihn aber segnen oder loben, durch beides soll unsere Liebe zu ihm und unsere Wonne an ihm zunehmen; denn Gott rührt kein schmeichlerisches Lob aus liebeleeren Herzen. Thomas Manton † 1677.
Hallelujah! Damit, dass der Lobgesang gesungen, ist die Aufgabe, Gott zu preisen, nicht zu Ende; das Werk muss fortgesetzt, immer wieder neu begonnen und ohne Aufhören getan werden. David Dickson † 1662.
Homiletische Winke
V. 1-4.
I. Das selige Werk. Dreimal fordert der Psalm zum Lobe Gottes auf, und zwar 1) mit Rücksicht auf Gott: Preiset nicht nur seine Taten, sondern ihn selbst; 2) mit Rücksicht auf uns: Gott zu loben ist lieblich und förderlich; 3) mit Rücksicht auf andere: Gottes Lob empfiehlt unsere Religion am besten. Alle anderen Religionen sind Religionen der Furcht, die unsere ist eine Religion der Freude und des Lobpreises. II. Wer dies Werk tun soll: Die Knechte, die vor dem HERRN stehen in seinem Hause, bereit, seine Stimme zu hören und seinen Befehlen zu gehorchen. III. Die Beweggründe zu diesem Werk des Lobens: 1) im Allgemeinen: Gott hat Anspruch darauf, denn er ist gut und freundlich, und für uns ist es lieblich (V. 3). 2) Im Besonderen: Diejenigen, die von Gott besonders bevorzugt sind, sollten ihn auch besonders loben (V. 4, vergl. Jes. 43,21). George Rogers 1885.
V. 1.
Hallelujah! 1) Der HERR soll gepriesen werden, 2) von euch, 3) jetzt, 4) immerdar.
Lobet, ihr Knechte des HERRN. Preiset ihn 1) für das Vorrecht, dass ihr seine Diener sein dürft; 2) für die Gnade, die er euch zu solchem Dienst darreicht, 3) dafür, dass er eure Dienstleistungen trotz ihrer Unvollkommenheiten annimmt, 4) damit auch andere dadurch bewogen werden, sich ihm zum Dienste hinzugeben. W. H. Page 1885.
V. 2.3.
Je näher wir Gott stehen, desto lieblicher wird unser Lobgesang sein, denn desto mehr werden wir erfahren, wie freundlich der HERR ist.
V. 2.5.
Unser Gott unser Herr. Ein feines Thema. Vergl. die Auslegung.
V. 4.
Da der Psalm ein Loblied ist, ist die Erwählung erwähnt als Beweggrund, Gott zu lobsingen. 1) Die Wahl. Sie geht von Gott aus, ist schlechthin frei, gnadenvoll, unwandelbar. 2) Die Weihung: Ihm erwählt. Dass Jakob den HERRN kenne, seine Wahrheit bewahre, seine Anbetung aufrechterhalte auf Erden; dass seine Gnade sich an diesem Volk entfalte und dass die Hoffnung auf den kommenden Erlöser sich lebendig erhalte. 3) Die Absonderung, eingeschlossen in der besonderen Erwählung; vollzogen durch Berufung in das besondere Bundesverhältnis, durch Zuteilung des Bundeserbes, des gelobten Landes, durch die Erlösung aus Ägypten durch Macht und Blut, durch die Absonderung in der Wüste, durch die Einsetzung in das abgeschlossene Kanaan. 4) Die Erhöhung. Im Namen Jakob - Israel angedeutet. Ferner: Das in Ägypten so verachtete Volk gewinnt hohen Wert als Gottes kostbares Eigentum, dient als solches einem erhabenen Zwecke, wird bewahrt wie ein Schatz und ist Gottes Lust.
V. 5.
Ich weiß, dass der HERR groß ist. 1) Aus der Beobachtung der Schöpfung und des Waltens der Vorsehung. 2) Aus Gottes heiligem Buche. 3) Aus meiner eigenen Bekehrung und Beseligung. 4) Aus meiner seitherigen Erfahrung. 5) Aus meiner tiefen Ehrfurcht vor ihm erzeugenden Umgang mit dem HERRN. - Solche Bestimmtheit des Glaubens kann man erlangen, und sie ist köstlich für das eigene Herz und wohltuend für die Gott suchenden Seelen.
V. 6.
Gottes freier Wille in dem Werk der Gnade. Er ist zu ersehen nicht in dem Tode der Gottlosen (Hes. 33,11), sondern in der Erwählung des Gottesvolkes (1. Samuel 12,22), in der Auflegung der Strafe auf den Stellvertreter (Jes. 53,10), in der Bereitung aller Fülle für die Seinen in Christo (Kol. 1,19), in der Anordnung des Heils durch den Glauben (Joh. 6,40), in der Einrichtung der Verkündigung als Mittel des Heils (1. Kor. 1,21), in der Annahme der Gläubigen zu Kindern Gottes (Eph. 1,5), in ihrer Heiligung (1. Thess. 4,3), in ihrem endlichen Sieg und Anteil am Reich (Lk. 12,32). Charles A. Davis 1885.
V. 6b.
Die Macht Gottes an Stätten der Not, des Wechsels und der Gefahr: im Meer, und in Zuständen von Sünde, Schwachheit, Verzweiflung und Hilflosigkeit: in allen Tiefen.
V. 6-12.
Der Wille Jehovahs in seiner unwiderstehlichen Macht. I. Betrachte ihn nach Anleitung der hier vorgeführten Beispiele, wie er 1) die ganze Natur regiert, 2) ein sich wider ihn auflehnendes mächtiges Weltvolk überwältigt, 3) überhaupt mit Königen und Kronen nach Belieben schaltet, 4) seinem Volke ein Land, das von Milch und Honig fließt, zu Füßen legt. II. Darum sei klug in Hinsicht desselben. 1) Unterwirf dich diesem Willen; er gebietet dem Meer und umfasst Himmel und Erde. 2) Denke nicht, du könntest dich vor ihm verbergen oder dich ihm entziehen. Die Enden der Erde und alle Tiefen sind vor ihm offenbar. Dieser Wille ist schneller als die Blitze, die er aussendet. 3) Scheue dich vor seiner Majestät. Gottes Weg ist bestreut mit Königskronen und den Gebeinen von Riesen und Großen der Erde. 4) Suche seinen Schutz: Die machtvollsten Taten dieses Willens geschehen zur Verteidigung derer, welchen sich seine Huld zuwendet. 5) Mögen, alle, die dem HERRN angehören, alle Furcht vor Menschen und aller Kreatur fahren lassen angesichts eines so großen Gottes und seiner unerschöpflichen Rüstkammer. William Bickle Haynes 1885.
V. 13.
HERR, dein Name wäret ewiglich: 1) Als Inbegriff aller Vollkommenheit. 2) Als Gegenstand der Verehrung: Heilig und hehr ist sein Name (Ps. 111,9). 3) Als Grund des Heils: Um meines Namens willen. 4) Als Mittelpunkt der Anziehung: Die Heiden werden auf seinen Namen hoffen (Mt. 12,21). Des Herzens Lust steht zu deinem Namen (Jes. 26,8). Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen (Mt. 18,20). 5) Als Stützgrund des Flehens: Um deines Namens willen, HERR, sei gnädig meiner Missetat (Ps. 25,11). Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen (Joh. 16,24). 6) Als Vollmachtsbrief zum Handeln: Alles, was ihr tut, das tut in dem Namen usw. (Kol. 3,17.) 7) Als Zuflucht in Trübsal: Der Name des HERRN ist ein festes Schloss; der Gerechte läuft dahin und wird beschirmt (Spr. 18,10). Ich erhielt sie in deinem Namen (Joh. 17,12). 8) Als Zeichen der Verherrlichung: Ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes (Off. 3,12). 9) Als Schrecken der Übertreter: Mein Name ist schrecklich unter den Heiden (Mal. 1,14). William Jackson 1885.
V. 14.
Die Heil schaffende Gerechtigkeit Gottes zugunsten seines bedrängten Volkes.
1) Die Stellung der Gläubigen zu dem HERRN: sie sind sein Volk, seine Knechte. 2) Die Zucht in Gottes Haushalt. 3) Die zarte, mitleidsvolle Liebe des HERRN gegen die Seinen. 4) Die Sicherheit der Gläubigen: sie sind und bleiben sein.
V. 15.
Silber und Gold: Götzen in unserem eigenen Lande, verehrt von den Kindern der Welt, aber auch von manchen, die sich zum Evangelium bekennen. Man zeige die Torheit und Gottlosigkeit der Liebe zum Reichtum und die Übel, die aus ihr hervorgehen.
V. 16.17.
Ein Bild von vielen: 1) Sie haben Mäuler und reden nicht - kein Gebet, kein Lob Gottes, kein Bekenntnis seines Namens. 2) Sie haben Augen und sehen nicht - sie unterscheiden nicht, verstehen nicht, lassen sich nicht warnen, blicken nicht auf zu Christo. 3) Sie haben Ohren und hören nicht - kommen nicht unter die Verkündigung des Wortes oder sind zwar anwesend, aber teilnahmslos; hören nicht auf Gottes Stimme. 4) Auch ist kein Odem in ihrem Munde - kein Leben, keine Lebenszeichen, kein Gebet und Lobpreis, die das Atmen des geistlichen Lebens sind.
V. 18.
1) Die Menschen machen sich Götzen, die ihnen gleichen. 2) Die Götzen machen ihre Anbeter sich gleich. Man schildere beide Vorgänge.
V. 19.
Das Haus Israel lobe den HERRN. Die große Güte des HERRN gegen sein ganzes Volk sollen wir erkennen und bezeugen und den HERRN dafür loben.
Lobet den HERRN, ihr vom Hause Aaron. Gottes Segen über das Haus Aaron als Vorbild seiner Gnade gegen diejenigen, welche Priester sind vor Gott (Off. 1,6).
V. 19-21.
I. Die Ermunterung. 1) Den HERRN zu loben (zu benedeien). 2) Ihn zu loben in seinem Hause. II. An wen sie gerichtet ist. 1) An das Haus Israel oder die ganze Gemeinde des HERRN. 2) An das Haus Aaron, d. i. an die Diener im Heiligtum. 3) An das Haus Levi, an die Gehilfen in dem heiligen Dienst. 4) An alle, die den HERRN fürchten, wer immer und wo immer sie seien. Die Einladung an diese, die im Alten Bunde noch im äußeren Vorhof bleiben mussten, den HERRN zu loben, ist ein sicheres Zeichen, dass der HERR ein Gott aller Gnade ist. George Rogers1885.
V. 20.
Die Leviten, ihre Geschichte, ihre Obliegenheiten, ihr Lohn und ihre Verpflichtung, den HERRN zu loben.
V. 21.
I. Die zwiefache Tatsache. 1) Segnender Lobpreis steigt beständig aus Zion zu Gott auf. 2) Gott segnet sein Volk beständig, da er bei ihm in Zion wohnt. II. Die zwiefache Ursache zum Lobe Gottes, die in der genannten zwiefachen Tatsache enthalten ist und jedes Glied der Gemeinde des HERRN betrifft.
V. 15-17. Der Missionar John Thomas in Indien reiste eines Tages allein durchs Land, als er eine große Menschenmenge bei einem Götzentempel versammelt fand. Er ging zu ihnen hinauf, und sobald die Tore des Tempels geöffnet waren, betrat er das Heiligtum. Dort sah er ein Götzenbild hoch aufgerichtet, so dass es das Volk überragte. Er ging kühn darauf zu, erhob seine Hand und bat um Gehör. Dann legte er seine Finger auf die Augen, Ohren usw. des Götzenbildes und sagte: "Es hat Augen und sieht nicht. Es hat Ohren und hört nicht. Es hat eine Nase, riecht aber nichts. Es hat Hände, kann aber nicht greifen. Es hat einen Mund, kann aber nicht reden, und ist kein Odem darin." Statt dem kühnen Missionar ein Leid zuzufügen für die Beleidigung, die er ihrem Götzen und damit ihnen selber angetan, waren die Eingeborenen alle vor Staunen still, und ein alter Brahmane war durch das, was Herr Thomas gesagt hatte, so von der Torheit des Götzendienstes überzeugt worden, dass er ausrief: "Es hat Füße und kann nicht weglaufen!" Die Volksmenge schrie laut auf und verließ dann, ganz beschämt, den Tempel, um nach Hause zu gehen. Illustrative Anecdotes 1873.
Mäuler, Augen, Ohren usw. So viele Glieder die Götzenbilder haben, die ja dazu dienen, die Vollkommenheiten darzustellen, die man ihnen zuschreibt, so viel sind der Lügen. David Dickson † 1662.
V. 18. Die solche machen, sind gleich also, alle, die auf solche hoffen. Die Menschen erheben sich nie über die Höhe, auf der ihre Götzen stehen, denn diese sind ihnen ihr besseres Ich. A. R. Fausset 1866.
Auf wen man hofft, dem wird man unvermerkt gleich und nimmt vieles von seinem Wesen an. So macht einen auch das Vertrauen auf Gott seinem Bilde ähnlich und zieht einen in das Wohlgefallen an Gottes Wegen und Gerichten hinein, woran aller Friede und Ruhe für unsere Seelen hanget. Karl Heinrich Rieger † 1791.
V. 21. Dieser Schluss spielt an auf den Schluss des vorhergehenden Psalms. Dort: Der HERR segne dich aus Zion, hier: Er sei gesegnet aus Zion. Von der Stätte, von der der Segen, geht auch der Lobpreis aus; denn Zion ist die Stätte, wo die Gemeinde des HERRN mit ihm zusammenwohnt. Prof. E. W. Hengstenberg 1845.
Zion und Jerusalem ist Ausgangs- und Endpunkt aller Gnadenoffenbarungen Gottes. Die Tragweite ihrer Bedeutung reicht bis in die Ewigkeit. E. Taube 1858.
Segnen - loben. Das Segnen bezieht sich mehr auf Gottes Wohltaten, das Loben auf Gottes Vollkommenheiten. Wir benedeien ihn für das, was er uns ist, wir preisen ihn für das, was er in sich selber ist. Ob wir ihn aber segnen oder loben, durch beides soll unsere Liebe zu ihm und unsere Wonne an ihm zunehmen; denn Gott rührt kein schmeichlerisches Lob aus liebeleeren Herzen. Thomas Manton † 1677.
Hallelujah! Damit, dass der Lobgesang gesungen, ist die Aufgabe, Gott zu preisen, nicht zu Ende; das Werk muss fortgesetzt, immer wieder neu begonnen und ohne Aufhören getan werden. David Dickson † 1662.
Homiletische Winke
V. 1-4.
I. Das selige Werk. Dreimal fordert der Psalm zum Lobe Gottes auf, und zwar 1) mit Rücksicht auf Gott: Preiset nicht nur seine Taten, sondern ihn selbst; 2) mit Rücksicht auf uns: Gott zu loben ist lieblich und förderlich; 3) mit Rücksicht auf andere: Gottes Lob empfiehlt unsere Religion am besten. Alle anderen Religionen sind Religionen der Furcht, die unsere ist eine Religion der Freude und des Lobpreises. II. Wer dies Werk tun soll: Die Knechte, die vor dem HERRN stehen in seinem Hause, bereit, seine Stimme zu hören und seinen Befehlen zu gehorchen. III. Die Beweggründe zu diesem Werk des Lobens: 1) im Allgemeinen: Gott hat Anspruch darauf, denn er ist gut und freundlich, und für uns ist es lieblich (V. 3). 2) Im Besonderen: Diejenigen, die von Gott besonders bevorzugt sind, sollten ihn auch besonders loben (V. 4, vergl. Jes. 43,21). George Rogers 1885.
V. 1.
Hallelujah! 1) Der HERR soll gepriesen werden, 2) von euch, 3) jetzt, 4) immerdar.
Lobet, ihr Knechte des HERRN. Preiset ihn 1) für das Vorrecht, dass ihr seine Diener sein dürft; 2) für die Gnade, die er euch zu solchem Dienst darreicht, 3) dafür, dass er eure Dienstleistungen trotz ihrer Unvollkommenheiten annimmt, 4) damit auch andere dadurch bewogen werden, sich ihm zum Dienste hinzugeben. W. H. Page 1885.
V. 2.3.
Je näher wir Gott stehen, desto lieblicher wird unser Lobgesang sein, denn desto mehr werden wir erfahren, wie freundlich der HERR ist.
V. 2.5.
Unser Gott unser Herr. Ein feines Thema. Vergl. die Auslegung.
V. 4.
Da der Psalm ein Loblied ist, ist die Erwählung erwähnt als Beweggrund, Gott zu lobsingen. 1) Die Wahl. Sie geht von Gott aus, ist schlechthin frei, gnadenvoll, unwandelbar. 2) Die Weihung: Ihm erwählt. Dass Jakob den HERRN kenne, seine Wahrheit bewahre, seine Anbetung aufrechterhalte auf Erden; dass seine Gnade sich an diesem Volk entfalte und dass die Hoffnung auf den kommenden Erlöser sich lebendig erhalte. 3) Die Absonderung, eingeschlossen in der besonderen Erwählung; vollzogen durch Berufung in das besondere Bundesverhältnis, durch Zuteilung des Bundeserbes, des gelobten Landes, durch die Erlösung aus Ägypten durch Macht und Blut, durch die Absonderung in der Wüste, durch die Einsetzung in das abgeschlossene Kanaan. 4) Die Erhöhung. Im Namen Jakob - Israel angedeutet. Ferner: Das in Ägypten so verachtete Volk gewinnt hohen Wert als Gottes kostbares Eigentum, dient als solches einem erhabenen Zwecke, wird bewahrt wie ein Schatz und ist Gottes Lust.
V. 5.
Ich weiß, dass der HERR groß ist. 1) Aus der Beobachtung der Schöpfung und des Waltens der Vorsehung. 2) Aus Gottes heiligem Buche. 3) Aus meiner eigenen Bekehrung und Beseligung. 4) Aus meiner seitherigen Erfahrung. 5) Aus meiner tiefen Ehrfurcht vor ihm erzeugenden Umgang mit dem HERRN. - Solche Bestimmtheit des Glaubens kann man erlangen, und sie ist köstlich für das eigene Herz und wohltuend für die Gott suchenden Seelen.
V. 6.
Gottes freier Wille in dem Werk der Gnade. Er ist zu ersehen nicht in dem Tode der Gottlosen (Hes. 33,11), sondern in der Erwählung des Gottesvolkes (1. Samuel 12,22), in der Auflegung der Strafe auf den Stellvertreter (Jes. 53,10), in der Bereitung aller Fülle für die Seinen in Christo (Kol. 1,19), in der Anordnung des Heils durch den Glauben (Joh. 6,40), in der Einrichtung der Verkündigung als Mittel des Heils (1. Kor. 1,21), in der Annahme der Gläubigen zu Kindern Gottes (Eph. 1,5), in ihrer Heiligung (1. Thess. 4,3), in ihrem endlichen Sieg und Anteil am Reich (Lk. 12,32). Charles A. Davis 1885.
V. 6b.
Die Macht Gottes an Stätten der Not, des Wechsels und der Gefahr: im Meer, und in Zuständen von Sünde, Schwachheit, Verzweiflung und Hilflosigkeit: in allen Tiefen.
V. 6-12.
Der Wille Jehovahs in seiner unwiderstehlichen Macht. I. Betrachte ihn nach Anleitung der hier vorgeführten Beispiele, wie er 1) die ganze Natur regiert, 2) ein sich wider ihn auflehnendes mächtiges Weltvolk überwältigt, 3) überhaupt mit Königen und Kronen nach Belieben schaltet, 4) seinem Volke ein Land, das von Milch und Honig fließt, zu Füßen legt. II. Darum sei klug in Hinsicht desselben. 1) Unterwirf dich diesem Willen; er gebietet dem Meer und umfasst Himmel und Erde. 2) Denke nicht, du könntest dich vor ihm verbergen oder dich ihm entziehen. Die Enden der Erde und alle Tiefen sind vor ihm offenbar. Dieser Wille ist schneller als die Blitze, die er aussendet. 3) Scheue dich vor seiner Majestät. Gottes Weg ist bestreut mit Königskronen und den Gebeinen von Riesen und Großen der Erde. 4) Suche seinen Schutz: Die machtvollsten Taten dieses Willens geschehen zur Verteidigung derer, welchen sich seine Huld zuwendet. 5) Mögen, alle, die dem HERRN angehören, alle Furcht vor Menschen und aller Kreatur fahren lassen angesichts eines so großen Gottes und seiner unerschöpflichen Rüstkammer. William Bickle Haynes 1885.
V. 13.
HERR, dein Name wäret ewiglich: 1) Als Inbegriff aller Vollkommenheit. 2) Als Gegenstand der Verehrung: Heilig und hehr ist sein Name (Ps. 111,9). 3) Als Grund des Heils: Um meines Namens willen. 4) Als Mittelpunkt der Anziehung: Die Heiden werden auf seinen Namen hoffen (Mt. 12,21). Des Herzens Lust steht zu deinem Namen (Jes. 26,8). Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen (Mt. 18,20). 5) Als Stützgrund des Flehens: Um deines Namens willen, HERR, sei gnädig meiner Missetat (Ps. 25,11). Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen (Joh. 16,24). 6) Als Vollmachtsbrief zum Handeln: Alles, was ihr tut, das tut in dem Namen usw. (Kol. 3,17.) 7) Als Zuflucht in Trübsal: Der Name des HERRN ist ein festes Schloss; der Gerechte läuft dahin und wird beschirmt (Spr. 18,10). Ich erhielt sie in deinem Namen (Joh. 17,12). 8) Als Zeichen der Verherrlichung: Ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes (Off. 3,12). 9) Als Schrecken der Übertreter: Mein Name ist schrecklich unter den Heiden (Mal. 1,14). William Jackson 1885.
V. 14.
Die Heil schaffende Gerechtigkeit Gottes zugunsten seines bedrängten Volkes.
1) Die Stellung der Gläubigen zu dem HERRN: sie sind sein Volk, seine Knechte. 2) Die Zucht in Gottes Haushalt. 3) Die zarte, mitleidsvolle Liebe des HERRN gegen die Seinen. 4) Die Sicherheit der Gläubigen: sie sind und bleiben sein.
V. 15.
Silber und Gold: Götzen in unserem eigenen Lande, verehrt von den Kindern der Welt, aber auch von manchen, die sich zum Evangelium bekennen. Man zeige die Torheit und Gottlosigkeit der Liebe zum Reichtum und die Übel, die aus ihr hervorgehen.
V. 16.17.
Ein Bild von vielen: 1) Sie haben Mäuler und reden nicht - kein Gebet, kein Lob Gottes, kein Bekenntnis seines Namens. 2) Sie haben Augen und sehen nicht - sie unterscheiden nicht, verstehen nicht, lassen sich nicht warnen, blicken nicht auf zu Christo. 3) Sie haben Ohren und hören nicht - kommen nicht unter die Verkündigung des Wortes oder sind zwar anwesend, aber teilnahmslos; hören nicht auf Gottes Stimme. 4) Auch ist kein Odem in ihrem Munde - kein Leben, keine Lebenszeichen, kein Gebet und Lobpreis, die das Atmen des geistlichen Lebens sind.
V. 18.
1) Die Menschen machen sich Götzen, die ihnen gleichen. 2) Die Götzen machen ihre Anbeter sich gleich. Man schildere beide Vorgänge.
V. 19.
Das Haus Israel lobe den HERRN. Die große Güte des HERRN gegen sein ganzes Volk sollen wir erkennen und bezeugen und den HERRN dafür loben.
Lobet den HERRN, ihr vom Hause Aaron. Gottes Segen über das Haus Aaron als Vorbild seiner Gnade gegen diejenigen, welche Priester sind vor Gott (Off. 1,6).
V. 19-21.
I. Die Ermunterung. 1) Den HERRN zu loben (zu benedeien). 2) Ihn zu loben in seinem Hause. II. An wen sie gerichtet ist. 1) An das Haus Israel oder die ganze Gemeinde des HERRN. 2) An das Haus Aaron, d. i. an die Diener im Heiligtum. 3) An das Haus Levi, an die Gehilfen in dem heiligen Dienst. 4) An alle, die den HERRN fürchten, wer immer und wo immer sie seien. Die Einladung an diese, die im Alten Bunde noch im äußeren Vorhof bleiben mussten, den HERRN zu loben, ist ein sicheres Zeichen, dass der HERR ein Gott aller Gnade ist. George Rogers1885.
V. 20.
Die Leviten, ihre Geschichte, ihre Obliegenheiten, ihr Lohn und ihre Verpflichtung, den HERRN zu loben.
V. 21.
I. Die zwiefache Tatsache. 1) Segnender Lobpreis steigt beständig aus Zion zu Gott auf. 2) Gott segnet sein Volk beständig, da er bei ihm in Zion wohnt. II. Die zwiefache Ursache zum Lobe Gottes, die in der genannten zwiefachen Tatsache enthalten ist und jedes Glied der Gemeinde des HERRN betrifft.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)
Psalm 136
PSALM 136 (Auslegung & Kommentar)
Überschrift
Von wem dieser Psalm verfasst ist, darüber wissen wir nichts. Er lehnt sich dem Inhalt nach an den vorhergehenden an, mit dem er zum Teil sogar wörtlich übereinstimmt. Der Anfang des Psalms mit dem Kehrreim stammt wohl schon aus alter Zeit, denn schon in Salomos Tagen sang man also im Tempel (2. Chr. 5,13; 7,6), und auch das Heer Josaphats sang sich in der Wüste Thekoa mit diesem Lobpreis in den Sieg (2. Chr. 20,21, vergl. V. 26). Wir können uns bei der Eigenart des Liedes gut denken, dass dieser Psalm bei dem alten Volke Gottes sehr beliebt war. Lieder mit einem einfachen, gediegenen Kehrreim bürgern sich meist schnell und dauernd in den Gemeinden ein. Der Psalm enthält nichts als Lobpreis; er ist auf Begeisterung gestimmt und kann nur von wahrhaft dankerfüllten Herzen so recht genossen und würdig gesungen werden.
Einteilung
Der Psalm beginnt mit einer dreifachen Aufforderung zum Lobpreis Jehovahs (V. 1-3). Darauf bringt er sechs kurze Lobpreisungen auf den Schöpfer (V. 4-9), sechs auf die Befreiung aus Ägypten (V. 10-15) und sieben in Bezug auf die Reise durch die Wüste und den Einzug in Kanaan (V. 16-22). Dann kommen zwei Vers frohen Dankes für Gnadenerfahrungen der Gegenwart (V. 23.24), einer, der Gottes allgemeine Fürsorge besingt (V. 25), und zum Schluss nochmals eine Aufforderung, Gott zu preisen (V. 26).
Auslegung
1.
Danket dem HERRN, denn er ist freundlich;
denn seine Güte währet ewiglich.
2.
Danket dem Gott aller Götter;
denn seine Güte währet ewiglich.
3.
Danket dem Herrn aller Herren;
denn seine Güte währet ewiglich.
1. Danket dem HERRN. Die ermunternde Mahnung geschieht mit großem Ernst; dreimal dringt der Psalmist in Gottes Volk, dem HERRN den gebührenden Dank zu opfern. Der Dank ist ja das Mindeste, das wir darbringen können, und damit sollten wir nicht zurückhalten. Der Psalmdichter ruft uns, von dem Geiste Gottes dazu getrieben, auf, Jehovah zu preisen für alle seine Freundlichkeit gegen uns und für all die Größe seiner Macht, die sich in seinem Walten gegen seine Erwählten kundtut. Wir danken unseren Eltern, so lasst uns auch unseren himmlischen Vater ehren; wir sind gegen unsere Wohltäter erkenntlich, so wollen wir gegen den Geber aller guten Gaben nicht undankbar sein. Denn er ist freundlich, wörtl. gut. Er ist seinem Wesen nach die Güte selbst, alles, was er tut, ist gut, und seine Geschöpfe erfahren es immer neu, wie gütig er ist. Lasst uns ihm danken, dass wir geschaut, erprobt, geschmeckt haben, dass er freundlich ist. Er ist die Quelle alles Guten, der Erhalter des Guten, der Vollender des Guten und der Vergelter des Guten. Dafür gebührt ihm nimmer aufhörender Dank seines Volkes. Denn seine Güte währet ewiglich. Diesen Kehrreim werden wir in jedem der sechsundzwanzig Vers des Liedes wiederfinden, doch wird es auch nicht ein einziges Mal zu oft sein. Es ist das Lieblichste, Süßeste, was ein Mensch singen kann. Welche Freude, dass es Gnade gibt, und zwar göttliche, dauernde, ewig währende Gnade. Wir bedürfen ihrer stets, wir stellen sie immer wieder auf die Probe, wir beten stets aufs Neue um Gnade und empfangen immer wieder neue Wohltaten derselben; darum lasst uns auch immerdar von ihr singen.
Dankt dem HERRN, denn er ist freundlich, gnädig;
Jede Seele rühm’ und freue sich!
Sprechet, aller Sorge los und ledig:
Seine Güte währet ewiglich.
2. Danket dem Gott aller Götter. Gibt es Mächte im Himmel oder auf Erden, denen als bevollmächtigten Werkzeugen Gottes der Name Götter beigelegt werden kann (Ps. 82,1.6; Joh. 10,34; Sach. 12,8), so ist er der Gott dieser Götter; von ihm haben sie ihre Herrschaft, ihre Hoheit leitet sich von ihm ab, ja ihr ganzes Dasein hängt von seinem Willen ab. Nehmen wir ferner für einen Augenblick an, die Götzen der Heiden seien wirkliche Götter, so kann doch keiner von ihnen mit unserem Elohim verglichen werden, der unendlich erhaben ist über alles, was jene den Fabeln der Menschen nach sein sollen. Jehovah ist unser Gott, den wir anbeten sollen, und er ist unserer ehrfürchtigen Verehrung in dem höchsten Maße würdig. Wenn die Heiden sich mit Eifer dem Dienst ihrer Götter hingeben, mit wieviel mehr Inbrunst und Eifer sollten wir die Ehre des Gottes der Götter, des allein wahren und lebendigen Gottes suchen! Törichte Leute haben aus diesem Vers geschlossen, die Israeliten hätten an das wirkliche Vorhandensein vieler Götter geglaubt und dafürgehalten, ihr Jehovah sei der höchste unter diesen Göttern; aber das ist ein Widerspruch in sich selbst, da Götter, die einen Gott über sich haben, schlechterdings nicht selber wirklich göttlichen Wesens sein können. Die Worte sind nach gemein menschlicher Redeweise zu verstehen, nach der man oft von Dingen spricht, nicht wie sie wirklich sind, sondern wie sie zu sein sich den Anschein geben. Dem allerhabenen Gott gebührt als solchem unser innigster Dank, denn seine Güte währet ewiglich. Stellen wir uns vor, der Allmächtige wäre ohne Güte! Dann würde sein Dasein in eben dem unendlichen Maße ein Gegenstand des Schreckens sein, als es jetzt eine Quelle immer neu sprudelnden Dankes ist. Lasst uns den Höchsten aufs höchste preisen, denn fürwahr, sein Wesen und seine Taten haben Anspruch auf die Dankbarkeit aller seiner Geschöpfe.
Der HERR ist groß! Ihn lasst uns preisen,
Ihn, den Gütigen, Ihn, den Weisen,
Ihn lasst uns preisen!
3. Danket dem Herrn aller Herren. Es sind der Herren viel, aber Jehovah ist ihrer aller Herr. Alle Herrschaft ist im Besitze des Ewigen. Er macht und verwaltet die Gesetze des Weltalls im Großen und Kleinen, er beherrscht und regiert Kraft und Stoff, er besitzt in sich selbst alle Hoheit und Macht. Alle Herren zusammengerechnet reichen nicht hinan an diesen einen, seine Würde übertrifft die aller Könige und Kaiser miteinander. Dafür haben wir allen Grund dankbar zu sein; denn wir wissen, dass der höchste Gebieter all die Fehler und Missbräuche der Amtsgewalt richtig stellen wird, die sich die untergeordneten Befehlshaber, die jetzt über die Menschheit die Herren spielen, zu Schulden kommen lassen. Er wird die Machthaber vor seinen Richterstuhl fordern und mit ihnen abrechnen für jede Bedrückung und Ungerechtigkeit, die sie begangen haben. Er ist ebenso wahrhaftig der Herr aller Herren, wie er der Herr der Geringsten im Lande ist, und er herrscht mit einer unbeugsamen Unparteilichkeit, für die jeder gerecht denkende Mensch ihm von ganzem Herzen Dank sagen sollte. Denn seine Güte währet ewiglich. Jawohl, er vereinigt Gnade mit Gerechtigkeit und führt seine Herrschaft zum Wohle seiner Untertanen. Er hat Mitleid mit den Bekümmerten, beschützt die Hilflosen, sorgt für die Bedürftigen und vergibt den Schuldigen; und dies tut er von Geschlecht zu Geschlecht und wird niemals müde, gnädig zu sein, denn er hat Lust an der Barmherzigkeit. Auf, lasst uns unseren glorreichen Herrscher erheben! Zum dritten Mal lasst uns ihm danken, der unser Gott und Herr ist, und möge dieser eine Grund schon uns genügen für drei-, nein für dreitausendfältigen Dank.
Dankt dem HERRN, gebt Ihm nur Ehr’,
Er ist aller Herren Herr.
Seine Güt ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
4.
Der große Wunder tut allein;
denn seine Güte währet ewiglich.
5.
Der die Himmel weise gemacht hat;
denn seine Güte währet ewiglich.
6.
Der die Erde auf Wasser ausgebreitet hat;
denn seine Güte währet ewiglich.
7.
Der große Lichter gemacht hat;
denn seine Güte währet ewiglich;
8.
die Sonne, dem Tage vorzustehen;
denn seine Güte währet ewiglich;
9.
den Mond und die Sterne, der Nacht vorzustehen;
denn seine Güte währet ewiglich.
4. Der große Wunder tut allein. Jehovah ist der große Thaumaturg, der Wundertäter ohnegleichen. Niemand kann ihm darin an die Seite gestellt werden, er steht allein auf seiner erhabenen Höhe, er, der Erzeuger und Wirker wahrhaftiger Wunder, gegen die alle sonstigen Staunen erregenden Dinge das reine Kinderspiel sind. Seine Werke sind alle voller Wunder, selbst wenn sie an Gestalt nicht groß sind; in der Tat schauen wir in den mikroskopisch kleinen Geschöpfen ebenso große Wunder, wie sie uns selbst das Teleskop enthüllen kann. Alle die Werke seiner unvergleichlichen Kunst wirkt er allein, ohne jemandes Beistand und Mithilfe; deshalb soll auch die Ehre ihm unverkürzt zuteilwerden. Keiner der Götter oder Herren half dem Ewigen bei der Schöpfung, keiner bei der Erlösung seines Volkes; seine Rechte und sein heiliger Arm haben diese großen Taten gewirkt. Was haben die Götter der Heiden überhaupt je getan? Wird nach Taten gefragt, dann steht Jehovah wahrlich allein da. Es ist über alle Maßen verwunderlich, dass es Menschen gibt, welche Götter anbeten, die nichts tun und nichts tun können, und des HERRN vergessen, der allein große Wunder tut. Selbst wenn Gott Menschen als seine Werkzeuge gebraucht, bleibt das Wunderbare an den Werken doch sein allein; darum lasst uns nicht auf Menschen vertrauen oder sie vergöttern oder vor ihnen zittern. Preis dem Ewigen, denn seine Güte währet ewiglich. Die Gnade in den Wundertaten des HERRN ist ein Wunder der Gnade; und das ewig währende Wesen dieser Gnade ist das innerste Wunder dieses Wunders. Wie versinken wir doch oft in anbetendes Staunen, wenn wir beschauen, was seine Gnade für uns gewirkt und bereitet hat! Preis sei seinem hochheiligen Namen,
Der, sein Heil uns zu verleihn,
Große Wunder tat allein.
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
Überschrift
Von wem dieser Psalm verfasst ist, darüber wissen wir nichts. Er lehnt sich dem Inhalt nach an den vorhergehenden an, mit dem er zum Teil sogar wörtlich übereinstimmt. Der Anfang des Psalms mit dem Kehrreim stammt wohl schon aus alter Zeit, denn schon in Salomos Tagen sang man also im Tempel (2. Chr. 5,13; 7,6), und auch das Heer Josaphats sang sich in der Wüste Thekoa mit diesem Lobpreis in den Sieg (2. Chr. 20,21, vergl. V. 26). Wir können uns bei der Eigenart des Liedes gut denken, dass dieser Psalm bei dem alten Volke Gottes sehr beliebt war. Lieder mit einem einfachen, gediegenen Kehrreim bürgern sich meist schnell und dauernd in den Gemeinden ein. Der Psalm enthält nichts als Lobpreis; er ist auf Begeisterung gestimmt und kann nur von wahrhaft dankerfüllten Herzen so recht genossen und würdig gesungen werden.
Einteilung
Der Psalm beginnt mit einer dreifachen Aufforderung zum Lobpreis Jehovahs (V. 1-3). Darauf bringt er sechs kurze Lobpreisungen auf den Schöpfer (V. 4-9), sechs auf die Befreiung aus Ägypten (V. 10-15) und sieben in Bezug auf die Reise durch die Wüste und den Einzug in Kanaan (V. 16-22). Dann kommen zwei Vers frohen Dankes für Gnadenerfahrungen der Gegenwart (V. 23.24), einer, der Gottes allgemeine Fürsorge besingt (V. 25), und zum Schluss nochmals eine Aufforderung, Gott zu preisen (V. 26).
Auslegung
1.
Danket dem HERRN, denn er ist freundlich;
denn seine Güte währet ewiglich.
2.
Danket dem Gott aller Götter;
denn seine Güte währet ewiglich.
3.
Danket dem Herrn aller Herren;
denn seine Güte währet ewiglich.
1. Danket dem HERRN. Die ermunternde Mahnung geschieht mit großem Ernst; dreimal dringt der Psalmist in Gottes Volk, dem HERRN den gebührenden Dank zu opfern. Der Dank ist ja das Mindeste, das wir darbringen können, und damit sollten wir nicht zurückhalten. Der Psalmdichter ruft uns, von dem Geiste Gottes dazu getrieben, auf, Jehovah zu preisen für alle seine Freundlichkeit gegen uns und für all die Größe seiner Macht, die sich in seinem Walten gegen seine Erwählten kundtut. Wir danken unseren Eltern, so lasst uns auch unseren himmlischen Vater ehren; wir sind gegen unsere Wohltäter erkenntlich, so wollen wir gegen den Geber aller guten Gaben nicht undankbar sein. Denn er ist freundlich, wörtl. gut. Er ist seinem Wesen nach die Güte selbst, alles, was er tut, ist gut, und seine Geschöpfe erfahren es immer neu, wie gütig er ist. Lasst uns ihm danken, dass wir geschaut, erprobt, geschmeckt haben, dass er freundlich ist. Er ist die Quelle alles Guten, der Erhalter des Guten, der Vollender des Guten und der Vergelter des Guten. Dafür gebührt ihm nimmer aufhörender Dank seines Volkes. Denn seine Güte währet ewiglich. Diesen Kehrreim werden wir in jedem der sechsundzwanzig Vers des Liedes wiederfinden, doch wird es auch nicht ein einziges Mal zu oft sein. Es ist das Lieblichste, Süßeste, was ein Mensch singen kann. Welche Freude, dass es Gnade gibt, und zwar göttliche, dauernde, ewig währende Gnade. Wir bedürfen ihrer stets, wir stellen sie immer wieder auf die Probe, wir beten stets aufs Neue um Gnade und empfangen immer wieder neue Wohltaten derselben; darum lasst uns auch immerdar von ihr singen.
Dankt dem HERRN, denn er ist freundlich, gnädig;
Jede Seele rühm’ und freue sich!
Sprechet, aller Sorge los und ledig:
Seine Güte währet ewiglich.
2. Danket dem Gott aller Götter. Gibt es Mächte im Himmel oder auf Erden, denen als bevollmächtigten Werkzeugen Gottes der Name Götter beigelegt werden kann (Ps. 82,1.6; Joh. 10,34; Sach. 12,8), so ist er der Gott dieser Götter; von ihm haben sie ihre Herrschaft, ihre Hoheit leitet sich von ihm ab, ja ihr ganzes Dasein hängt von seinem Willen ab. Nehmen wir ferner für einen Augenblick an, die Götzen der Heiden seien wirkliche Götter, so kann doch keiner von ihnen mit unserem Elohim verglichen werden, der unendlich erhaben ist über alles, was jene den Fabeln der Menschen nach sein sollen. Jehovah ist unser Gott, den wir anbeten sollen, und er ist unserer ehrfürchtigen Verehrung in dem höchsten Maße würdig. Wenn die Heiden sich mit Eifer dem Dienst ihrer Götter hingeben, mit wieviel mehr Inbrunst und Eifer sollten wir die Ehre des Gottes der Götter, des allein wahren und lebendigen Gottes suchen! Törichte Leute haben aus diesem Vers geschlossen, die Israeliten hätten an das wirkliche Vorhandensein vieler Götter geglaubt und dafürgehalten, ihr Jehovah sei der höchste unter diesen Göttern; aber das ist ein Widerspruch in sich selbst, da Götter, die einen Gott über sich haben, schlechterdings nicht selber wirklich göttlichen Wesens sein können. Die Worte sind nach gemein menschlicher Redeweise zu verstehen, nach der man oft von Dingen spricht, nicht wie sie wirklich sind, sondern wie sie zu sein sich den Anschein geben. Dem allerhabenen Gott gebührt als solchem unser innigster Dank, denn seine Güte währet ewiglich. Stellen wir uns vor, der Allmächtige wäre ohne Güte! Dann würde sein Dasein in eben dem unendlichen Maße ein Gegenstand des Schreckens sein, als es jetzt eine Quelle immer neu sprudelnden Dankes ist. Lasst uns den Höchsten aufs höchste preisen, denn fürwahr, sein Wesen und seine Taten haben Anspruch auf die Dankbarkeit aller seiner Geschöpfe.
Der HERR ist groß! Ihn lasst uns preisen,
Ihn, den Gütigen, Ihn, den Weisen,
Ihn lasst uns preisen!
3. Danket dem Herrn aller Herren. Es sind der Herren viel, aber Jehovah ist ihrer aller Herr. Alle Herrschaft ist im Besitze des Ewigen. Er macht und verwaltet die Gesetze des Weltalls im Großen und Kleinen, er beherrscht und regiert Kraft und Stoff, er besitzt in sich selbst alle Hoheit und Macht. Alle Herren zusammengerechnet reichen nicht hinan an diesen einen, seine Würde übertrifft die aller Könige und Kaiser miteinander. Dafür haben wir allen Grund dankbar zu sein; denn wir wissen, dass der höchste Gebieter all die Fehler und Missbräuche der Amtsgewalt richtig stellen wird, die sich die untergeordneten Befehlshaber, die jetzt über die Menschheit die Herren spielen, zu Schulden kommen lassen. Er wird die Machthaber vor seinen Richterstuhl fordern und mit ihnen abrechnen für jede Bedrückung und Ungerechtigkeit, die sie begangen haben. Er ist ebenso wahrhaftig der Herr aller Herren, wie er der Herr der Geringsten im Lande ist, und er herrscht mit einer unbeugsamen Unparteilichkeit, für die jeder gerecht denkende Mensch ihm von ganzem Herzen Dank sagen sollte. Denn seine Güte währet ewiglich. Jawohl, er vereinigt Gnade mit Gerechtigkeit und führt seine Herrschaft zum Wohle seiner Untertanen. Er hat Mitleid mit den Bekümmerten, beschützt die Hilflosen, sorgt für die Bedürftigen und vergibt den Schuldigen; und dies tut er von Geschlecht zu Geschlecht und wird niemals müde, gnädig zu sein, denn er hat Lust an der Barmherzigkeit. Auf, lasst uns unseren glorreichen Herrscher erheben! Zum dritten Mal lasst uns ihm danken, der unser Gott und Herr ist, und möge dieser eine Grund schon uns genügen für drei-, nein für dreitausendfältigen Dank.
Dankt dem HERRN, gebt Ihm nur Ehr’,
Er ist aller Herren Herr.
Seine Güt ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
4.
Der große Wunder tut allein;
denn seine Güte währet ewiglich.
5.
Der die Himmel weise gemacht hat;
denn seine Güte währet ewiglich.
6.
Der die Erde auf Wasser ausgebreitet hat;
denn seine Güte währet ewiglich.
7.
Der große Lichter gemacht hat;
denn seine Güte währet ewiglich;
8.
die Sonne, dem Tage vorzustehen;
denn seine Güte währet ewiglich;
9.
den Mond und die Sterne, der Nacht vorzustehen;
denn seine Güte währet ewiglich.
4. Der große Wunder tut allein. Jehovah ist der große Thaumaturg, der Wundertäter ohnegleichen. Niemand kann ihm darin an die Seite gestellt werden, er steht allein auf seiner erhabenen Höhe, er, der Erzeuger und Wirker wahrhaftiger Wunder, gegen die alle sonstigen Staunen erregenden Dinge das reine Kinderspiel sind. Seine Werke sind alle voller Wunder, selbst wenn sie an Gestalt nicht groß sind; in der Tat schauen wir in den mikroskopisch kleinen Geschöpfen ebenso große Wunder, wie sie uns selbst das Teleskop enthüllen kann. Alle die Werke seiner unvergleichlichen Kunst wirkt er allein, ohne jemandes Beistand und Mithilfe; deshalb soll auch die Ehre ihm unverkürzt zuteilwerden. Keiner der Götter oder Herren half dem Ewigen bei der Schöpfung, keiner bei der Erlösung seines Volkes; seine Rechte und sein heiliger Arm haben diese großen Taten gewirkt. Was haben die Götter der Heiden überhaupt je getan? Wird nach Taten gefragt, dann steht Jehovah wahrlich allein da. Es ist über alle Maßen verwunderlich, dass es Menschen gibt, welche Götter anbeten, die nichts tun und nichts tun können, und des HERRN vergessen, der allein große Wunder tut. Selbst wenn Gott Menschen als seine Werkzeuge gebraucht, bleibt das Wunderbare an den Werken doch sein allein; darum lasst uns nicht auf Menschen vertrauen oder sie vergöttern oder vor ihnen zittern. Preis dem Ewigen, denn seine Güte währet ewiglich. Die Gnade in den Wundertaten des HERRN ist ein Wunder der Gnade; und das ewig währende Wesen dieser Gnade ist das innerste Wunder dieses Wunders. Wie versinken wir doch oft in anbetendes Staunen, wenn wir beschauen, was seine Gnade für uns gewirkt und bereitet hat! Preis sei seinem hochheiligen Namen,
Der, sein Heil uns zu verleihn,
Große Wunder tat allein.
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)
Psalm 136
5. Der die Himmel weise gemacht hat. Seine Güte tut sich herrlich kund in der Erschaffung der oberen Regionen. Er wandte seine Weisheit daran, das Himmelsgewölbe zu bilden und die Erde mit einem Luftkreis1 zu umgeben, der den Lebensbedürfnissen des Menschen angemessen ist. Welch eine Fülle von Weisheit liegt schon nur in dieser einen schöpferischen Tat verborgen! Die Entdeckungen unserer kühnsten Forscher haben noch lange nicht alle Beweise von Planmäßigkeit herausgefunden, die in diesem Werk der Hände Gottes zusammengehört sind. Das Leben der Pflanzen, der Tiere und der Menschen ist ja völlig abhängig von dem uns umgebenden Lufthimmel; wäre dieser von anderer Beschaffenheit, so wäre keiner von uns da, um Gott zu preisen. Gottes Fürsorge hat Luft und Wolken nach seinem erhabenen Plane bereitet zum Besten des Menschengeschlechts. Denn seine Güte währet ewiglich. Von diesem Vers an beschreibt der Psalmist die Güte Gottes im Einzelnen. Er beginnt seine Schilderung in den höchsten Regionen und steigt stufenmäßig herab von den Himmeln bis zu unserer Niedrigkeit (V. 23 Grundtext). Dies Herabsteigen ist in Wahrheit ein Aufsteigen, denn die Güte wird umso größer, je geringer die Wesen sind, denen sie sich zuwendet. Gottes Barmherzigkeit reicht weit, währet lang und umfasst alles. Nichts ist für sie zu hoch, dass sie es nicht erreichen könnte, und nichts zu tief für ihre Herablassung.
Der mit Weisheit, Ordnung, Pracht
Himmel schuf und - an uns dacht’!
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
6. Der die Erde auf Wasser ausgebreitet hat, indem er sie aus dem Gemisch von festen und flüssigen Bestandteilen aus dem bodenlosen Morast zum Festland gerinnen ließ und zur Wohnstätte für den Menschen bereitete. Wer anders als der HERR hätte dies Wunder zustande bringen können? Wenige denken auch nur je an die göttliche Weisheit und Macht, die alles dies vor alters gewirkt hat; und doch wird, wenn es sich nachweisen lässt, dass ein Weltteil sich innerhalb der geschichtlichen Zeit auch nur um einen Fuß gehoben oder gesenkt hat, diese Entdeckung in den Verhandlungen der gelehrten Gesellschaften berichtet und immer wieder besprochen. Denn seine Güte währet ewiglich. Das erweist sich an dem ursprünglichen Emporheben des bewohnbaren Landes und daran, dass dieses ständig über den Ozean hervorragt, so dass keine Flut unser Geschlecht ersäuft. In seiner Kraft setzt Jehovah die Berge fest (Ps. 65,7) und erhält er den Erdboden, darauf wir wohnen.
7. Der große Lichter gemacht hat. Auch dies ist ein Schöpfungswunder, das unserer wärmsten Danksagungen wert ist. Was hätten die Menschen ohne Licht machen sollen? Wenn sie auch das Himmelsgewölbe über sich gehabt hätten und das trockene Land als Boden unter ihren Füßen, was hätte es ihnen genützt, was hätten sie sehen können und wohin hätten sie gehen sollen ohne Licht? Dank, ewig Dank dem HERRN, dass er uns nicht der Finsternis anheimgegeben hat. Und in großer Güte hat er uns nicht einem ungewissen und undeutlichen Lichtschimmer oder stoßweise ohne Regel und Ordnung umherflutenden Lichtwellen überlassen, sondern das Licht für uns in zwei große Lichtträger vereinigt. Der Psalmdichter hat dies Lied für gewöhnliche Menschenkinder und nicht für die Herren Gelehrten verfasst; darum spricht er von Sonne und Mond so, wie sie uns erscheinen, als die größten Lichter. Sie hat der HERR im Anfang erschaffen (1. Mose 1,1) und für die jetzige Weltzeit zu Lichtträgern für die Erdenwelt gemacht (1. Mose 1,14). Denn seine Güte währet ewiglich. Des Ewigen Güte funkelt uns in jedem Lichtstrahl entgegen, und besonders deutlich ersehen wir sie in der wunderbaren Anordnung, nach welcher das Licht uns so regelmäßig und pünktlich von Sonne und Mond her ausgeteilt wird.
8. Die Sonne, dem Tage vorzustehen. Wir können, wenn wir Gottes Lob singen, nicht zu weit darin gehen, seine Wohltaten einzeln zu nennen. Nach Erwähnung der großen Lichter dürfen wir von jedem derselben singen, ohne zu fürchten, dass uns der Stoff ausgehe. Im Gegenteil, die Einwirkungen der Sonne auf unser Erdenleben sind viel zu mannigfaltig, als dass wir sie alle anführen könnten. Unzählige Wohltaten werden allen Klassen von Geschöpfen zuteil durch das Licht, die Wärme und die anderen Wirkungen dieses Himmelskörpers. So oft wir uns des lieblichen Sonnenscheins erfreuen, sollte unsere Dankbarkeit sich entzünden. Die Sonne ist ein gewaltiger Herrscher,2 aber das Regiment, das sie führt, ist für uns lauter Wohltätigkeit, weil ihre Kraft durch Gottes weise Güte so gemäßigt ist, dass sie sich unserer Schwäche vollkommen anpasst; möchten doch alle Herrscher die Sonne sich zum Vorbild nehmen, die nur herrscht, um zu segnen! Jeden Tag, da uns die Sonne wieder aufgegangen ist, haben wir Anlass, Gott zu danken, weil er uns durch das Licht erfreut. Die Sonne herrscht, weil Gott herrscht; nicht die Sonne sollen wir anbeten wie die Parsen (die alten Feueranbeter Persiens), sondern den Schöpfer der Sonne preisen wir, wie es der Dichter unseres Psalms tut. Denn seine Güte währet ewiglich. Ein Tag übermittelt dem andern die Botschaft von Gottes Güte; jeder Sonnenstrahl ist ein Gnadenerweis, denn er bescheint unwürdige Sünder, die sonst in kläglicher Finsternis sitzen und die Erde schon als eine Hölle empfinden würden.
9. Den Mond und die Sterne, der Nacht vorzustehen. Keine Stunde des Tages wie auch der Nacht entbehrt der sie beherrschenden Ordnung. Gott sei Dank, dass er uns nie der Anarchie (Gesetzlosigkeit) und ihrer Verwirrung überlässt. Die Herrschaft aber, der er die Erde unterworfen hat, ist ein Regiment des Lichtes und des Segens. Der Mond mit seinen anmutigen Wechseln und die Sterne mit ihren festen Bahnen erheitern uns die Nächte. Wenn es um uns dunkel und traurig zu werden beginnt, weil die Sonne uns entschwunden ist, dann kommen alsbald die vielen kleineren Tröster hervor. Die Sonne genügt für sich allein; aber wenn sie von uns gegangen ist, dann reicht eine ganze zahlreiche Schar nicht hin, uns mehr als ein ganz geringes Nachbild ihres Glanzes zu geben. Jesus, die Sonne der Gerechtigkeit, vermag für sich allein mehr für uns als alle seine Diener zusammengenommen. Ist er da, dann ist’s Tag; verbirgt er sich uns, dann ist es Nacht und bleibt es Nacht für uns, mögen die menschlichen Tröster auch all ihr Licht aufbieten, um uns das Dunkel zu erhellen. - Wie gibt sich uns Gottes Güte zu schauen in den Himmelslampen, die uns die Landschaft bei Nacht erhellen! Und die gleiche Güte erkennen wir in dem Einfluss des Mondes auf Ebbe und Flut, diese mächtigen das Leben erhaltenden Kräfte! Der HERR ist auch der Erschaffer eines jeden der unzähligen Sterne, welcher Art sie auch seien. Er ruft sie alle mit Namen, und auf sein Geheiß erleuchtet jeder dieser Himmelsboten mit seiner Fackel unsere Finsternis. Denn seine Güte währet ewiglich. Mögen unsere Lobgesänge an Zahl mit den Sternen wetteifern, und o dass unser Leben die Güte des HERRN widerspiegele, gerade wie der Mond das Licht der Sonne zurückstrahlt! Die nächtlichen Führer und Erleuchter der Menschen auf deren Fahrten zu Wasser und zu Land halten ihre Wacht nicht je und dann für eine Weile, sondern allezeit. Sie leuchteten schon auf Adam im Paradies, und sie glänzen über uns. So sind sie Wahrzeichen und Unterpfänder der nimmer aufhörenden Gnade des Höchsten gegen die Menschenkinder.
Himmel, Erd’ und ihre Heere
Hat Er mir zum Dienst bestellt;
Was mich nähret, was mich hält,
Ist, wo ich mein Aug’ hinkehre.
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb’ in Ewigkeit!
Fußnoten
1. Wahrscheinlicher ist doch wohl, dass der Psalmist bei Himmel und Erde V. 5.6 an 1. Mose 1,1 gedacht und also damit hat das Weltall bezeichnen wollen. - James Millard
2. Etliche Sonnenstrahlen, in einem Brennglas von einem Fuß Durchmesser gesammelt, erzeugen, obwohl sie ja aus einer Entfernung von 20 Millionen Meilen kommen, eine Hitze, die Gold und fast alle Metalle schmilzt, und zwar in einem Augenblick. Wie groß muss dann die Menge der Wärme sein, die das Sonnenlicht auf der ganzen Oberfläche der Erde jährlich erzeugt! Und doch sind die ungeheuren Ströme von Licht und Wärme, welche die Sonne unaufhörlich der Erde zusendet, nur ein ganz winziger Teil derer, welche die Sonne ebenso unaufhörlich in den Weltraum hinausstrahlt. - James Millard
Der mit Weisheit, Ordnung, Pracht
Himmel schuf und - an uns dacht’!
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
6. Der die Erde auf Wasser ausgebreitet hat, indem er sie aus dem Gemisch von festen und flüssigen Bestandteilen aus dem bodenlosen Morast zum Festland gerinnen ließ und zur Wohnstätte für den Menschen bereitete. Wer anders als der HERR hätte dies Wunder zustande bringen können? Wenige denken auch nur je an die göttliche Weisheit und Macht, die alles dies vor alters gewirkt hat; und doch wird, wenn es sich nachweisen lässt, dass ein Weltteil sich innerhalb der geschichtlichen Zeit auch nur um einen Fuß gehoben oder gesenkt hat, diese Entdeckung in den Verhandlungen der gelehrten Gesellschaften berichtet und immer wieder besprochen. Denn seine Güte währet ewiglich. Das erweist sich an dem ursprünglichen Emporheben des bewohnbaren Landes und daran, dass dieses ständig über den Ozean hervorragt, so dass keine Flut unser Geschlecht ersäuft. In seiner Kraft setzt Jehovah die Berge fest (Ps. 65,7) und erhält er den Erdboden, darauf wir wohnen.
7. Der große Lichter gemacht hat. Auch dies ist ein Schöpfungswunder, das unserer wärmsten Danksagungen wert ist. Was hätten die Menschen ohne Licht machen sollen? Wenn sie auch das Himmelsgewölbe über sich gehabt hätten und das trockene Land als Boden unter ihren Füßen, was hätte es ihnen genützt, was hätten sie sehen können und wohin hätten sie gehen sollen ohne Licht? Dank, ewig Dank dem HERRN, dass er uns nicht der Finsternis anheimgegeben hat. Und in großer Güte hat er uns nicht einem ungewissen und undeutlichen Lichtschimmer oder stoßweise ohne Regel und Ordnung umherflutenden Lichtwellen überlassen, sondern das Licht für uns in zwei große Lichtträger vereinigt. Der Psalmdichter hat dies Lied für gewöhnliche Menschenkinder und nicht für die Herren Gelehrten verfasst; darum spricht er von Sonne und Mond so, wie sie uns erscheinen, als die größten Lichter. Sie hat der HERR im Anfang erschaffen (1. Mose 1,1) und für die jetzige Weltzeit zu Lichtträgern für die Erdenwelt gemacht (1. Mose 1,14). Denn seine Güte währet ewiglich. Des Ewigen Güte funkelt uns in jedem Lichtstrahl entgegen, und besonders deutlich ersehen wir sie in der wunderbaren Anordnung, nach welcher das Licht uns so regelmäßig und pünktlich von Sonne und Mond her ausgeteilt wird.
8. Die Sonne, dem Tage vorzustehen. Wir können, wenn wir Gottes Lob singen, nicht zu weit darin gehen, seine Wohltaten einzeln zu nennen. Nach Erwähnung der großen Lichter dürfen wir von jedem derselben singen, ohne zu fürchten, dass uns der Stoff ausgehe. Im Gegenteil, die Einwirkungen der Sonne auf unser Erdenleben sind viel zu mannigfaltig, als dass wir sie alle anführen könnten. Unzählige Wohltaten werden allen Klassen von Geschöpfen zuteil durch das Licht, die Wärme und die anderen Wirkungen dieses Himmelskörpers. So oft wir uns des lieblichen Sonnenscheins erfreuen, sollte unsere Dankbarkeit sich entzünden. Die Sonne ist ein gewaltiger Herrscher,2 aber das Regiment, das sie führt, ist für uns lauter Wohltätigkeit, weil ihre Kraft durch Gottes weise Güte so gemäßigt ist, dass sie sich unserer Schwäche vollkommen anpasst; möchten doch alle Herrscher die Sonne sich zum Vorbild nehmen, die nur herrscht, um zu segnen! Jeden Tag, da uns die Sonne wieder aufgegangen ist, haben wir Anlass, Gott zu danken, weil er uns durch das Licht erfreut. Die Sonne herrscht, weil Gott herrscht; nicht die Sonne sollen wir anbeten wie die Parsen (die alten Feueranbeter Persiens), sondern den Schöpfer der Sonne preisen wir, wie es der Dichter unseres Psalms tut. Denn seine Güte währet ewiglich. Ein Tag übermittelt dem andern die Botschaft von Gottes Güte; jeder Sonnenstrahl ist ein Gnadenerweis, denn er bescheint unwürdige Sünder, die sonst in kläglicher Finsternis sitzen und die Erde schon als eine Hölle empfinden würden.
9. Den Mond und die Sterne, der Nacht vorzustehen. Keine Stunde des Tages wie auch der Nacht entbehrt der sie beherrschenden Ordnung. Gott sei Dank, dass er uns nie der Anarchie (Gesetzlosigkeit) und ihrer Verwirrung überlässt. Die Herrschaft aber, der er die Erde unterworfen hat, ist ein Regiment des Lichtes und des Segens. Der Mond mit seinen anmutigen Wechseln und die Sterne mit ihren festen Bahnen erheitern uns die Nächte. Wenn es um uns dunkel und traurig zu werden beginnt, weil die Sonne uns entschwunden ist, dann kommen alsbald die vielen kleineren Tröster hervor. Die Sonne genügt für sich allein; aber wenn sie von uns gegangen ist, dann reicht eine ganze zahlreiche Schar nicht hin, uns mehr als ein ganz geringes Nachbild ihres Glanzes zu geben. Jesus, die Sonne der Gerechtigkeit, vermag für sich allein mehr für uns als alle seine Diener zusammengenommen. Ist er da, dann ist’s Tag; verbirgt er sich uns, dann ist es Nacht und bleibt es Nacht für uns, mögen die menschlichen Tröster auch all ihr Licht aufbieten, um uns das Dunkel zu erhellen. - Wie gibt sich uns Gottes Güte zu schauen in den Himmelslampen, die uns die Landschaft bei Nacht erhellen! Und die gleiche Güte erkennen wir in dem Einfluss des Mondes auf Ebbe und Flut, diese mächtigen das Leben erhaltenden Kräfte! Der HERR ist auch der Erschaffer eines jeden der unzähligen Sterne, welcher Art sie auch seien. Er ruft sie alle mit Namen, und auf sein Geheiß erleuchtet jeder dieser Himmelsboten mit seiner Fackel unsere Finsternis. Denn seine Güte währet ewiglich. Mögen unsere Lobgesänge an Zahl mit den Sternen wetteifern, und o dass unser Leben die Güte des HERRN widerspiegele, gerade wie der Mond das Licht der Sonne zurückstrahlt! Die nächtlichen Führer und Erleuchter der Menschen auf deren Fahrten zu Wasser und zu Land halten ihre Wacht nicht je und dann für eine Weile, sondern allezeit. Sie leuchteten schon auf Adam im Paradies, und sie glänzen über uns. So sind sie Wahrzeichen und Unterpfänder der nimmer aufhörenden Gnade des Höchsten gegen die Menschenkinder.
Himmel, Erd’ und ihre Heere
Hat Er mir zum Dienst bestellt;
Was mich nähret, was mich hält,
Ist, wo ich mein Aug’ hinkehre.
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb’ in Ewigkeit!
Fußnoten
1. Wahrscheinlicher ist doch wohl, dass der Psalmist bei Himmel und Erde V. 5.6 an 1. Mose 1,1 gedacht und also damit hat das Weltall bezeichnen wollen. - James Millard
2. Etliche Sonnenstrahlen, in einem Brennglas von einem Fuß Durchmesser gesammelt, erzeugen, obwohl sie ja aus einer Entfernung von 20 Millionen Meilen kommen, eine Hitze, die Gold und fast alle Metalle schmilzt, und zwar in einem Augenblick. Wie groß muss dann die Menge der Wärme sein, die das Sonnenlicht auf der ganzen Oberfläche der Erde jährlich erzeugt! Und doch sind die ungeheuren Ströme von Licht und Wärme, welche die Sonne unaufhörlich der Erde zusendet, nur ein ganz winziger Teil derer, welche die Sonne ebenso unaufhörlich in den Weltraum hinausstrahlt. - James Millard
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)
Psalm 136
10.
Der Ägypten schlug an ihren Erstgeburten;
denn seine Güte währet ewiglich;
11.
und führte Israel heraus;
denn seine Güte währet ewiglich;
12.
durch mächtige Hand und ausgereckten Arm;
denn seine Güte währet ewiglich.
13.
Der das Schilfmeer teilte in zwei Teile;
denn seine Güte währet ewiglich;
14.
und ließ Israel hindurchgehen;
denn seine Güte währet ewiglich.
15.
Der Pharao und sein Heer ins Schilfmeer stieß;
denn seine Güte währet ewiglich.
10. Wir haben von den Wundern der Güte Gottes in der Erschaffung der Welt gesungen; jetzt sollen wir den HERRN preisen für die Wunder seiner Güte, die sich in der Erschaffung des Volkes seiner Wahl und dessen Ausführung aus Ägypten kundgetan haben. Weil der Herrscher Ägyptens den Gnadenratschlüssen des HERRN im Wege stand, wurde es notwendig, mit ihm nach strenger Gerechtigkeit zu verfahren; der eigentliche Zweck dabei aber war, Israel, und durch Israel den kommenden Geschlechtern, ja der ganzen Welt, Gnade zu erweisen. Der Ägypten schlug an ihren Erstgeburten. Die letzte und schwerste der Plagen traf ganz Ägypten ins Herz. Man kann sich den Kummer und das Entsetzen, die dieses Gericht in der ganzen Nation hervorrief, nicht zu groß vorstellen. Vom König bis zum niedrigsten Sklaven waren alle an der empfindlichsten Stelle schwer verwundet. Die Freude und Hoffnung jeder Familie war in einem und demselben Augenblick dahin, und jedes Haus hatte sein besonderes Leid. All die vorhergehenden gewaltigen Hiebe hatten den Lebensnerv nicht getroffen; aber diese Heimsuchung schlug Ägypten. Der erstgeborene Sohn Jehovahs war von den Ägyptern misshandelt und bedrückt worden, und schließlich erfüllte der HERR seine Drohung: "Lass meinen Sohn ziehen, dass er mir diene. Wirst du dich des weigern, so will ich deinen erstgeborenen Sohn erwürgen." (2. Mose 4,22 f.) Denn seine Güte währet ewiglich. Ja, sogar bis zu diesem äußersten Grad, der Rache an einer ganzen Nation, währte Gottes treue Liebe gegen sein Volk. Der HERR ist langsam zum Zorn, und Gericht üben ist ihm ein Werk, das er nur ungerne tut; aber wenn seine Gnadenabsichten, die er gegen die Menschheit hegt, scharfe Eingriffe erheischen, so scheut er als rechter Arzt nicht davor zurück. Was galten alle Erstgeburten Ägyptens, wenn es sich um die Wahl handelte, entweder sie zu schonen oder jene göttlichen Ratschlüsse der Gnade gegen alle Geschlechter der Menschheit auszuführen, die mit der Befreiung des auserwählten Volkes unlöslich verknüpft waren? Lasst uns, selbst wenn Gottes Gerichte über die Erde ziehen, fortfahren, sein Lob zu singen.
Nun, so jauchzt, ob’s Satan auch verneine:
Seine Güte währet ewiglich!
11. Und führte Israel heraus (aus ihrer, der Ägypter, Mitte, Grundtext). Wiewohl die Kinder Israel hin und her im Lande mitten unter den Ägyptern zerstreut waren und ihre Unterdrücker sie augenscheinlich mit einem Griff gepackt hatten, der nicht gewillt war, sie je wieder loszulassen, wirkte der HERR doch ihre Befreiung und machte sie los von ihren götzendienerischen Fronvögten. Nicht einer von ihnen blieb in der Sklaverei. Der HERR führte sie aus, sie alle miteinander, und gerade zu der Stunde, da seine Verheißung fällig war (1. Mose 15,13). Er fand sie heraus, wiewohl sie mitten unter den Ägyptern waren, und führte sie aus, um sie nie wieder dahin zurückkehren zu lassen. Seinem Namen lasst uns danken für diesen weiteren Erweis seiner Güte gegen seine Auserwählten, denn seine Güte währet ewiglich. Es hatte eine Zeit gegeben, wo die Israeliten gar keine Lust hatten, auszuziehen, sondern lieber noch das schlimme Los, das jetzt ihr Teil war, tragen wollten, als wer weiß was für neuen Gefahren sich aussetzen; aber die Güte des HERRN bestand auch diese Probe und ließ nicht nach, das Nest so lange zu beunruhigen, bis die Vögel froh waren, ihre Schwingen gebrauchen und sich davon machen zu können. Er wandelte das Vorratshaus, wo ihnen einst in der Teuerung die Fülle gewinkt hatte, in ein Diensthaus, so dass die so hart verfolgte Nation schließlich mit tausend Freuden der Sklaverei entrann. Die unermüdlich treue Gnade des HERRN wird herrlich kund in der Weise, wie er seine Auserwählten aus der Welt ausscheidet. Er führt seine Erlösten aus, und sie sind hinfort ein Volk, das seinen Ruhm verkündigt.
Israel, du Volk des HERRN, ihm eigen -
Staune voll des Glaubens über dich!
Sprich mit sel’gem, demutsvollem Neigen:
Seine Güte währet ewiglich!
12. Durch mächtige Hand und ausgereckten Arm. Nicht nur die Ziele, sondern auch die Art und Weise der großen Taten des HERRN sollten uns Anlass zum Lobe Gottes sein. In dem Auszug Israels tat sich die große Macht und die Herrlichkeit Jehovahs erstaunlich kund. Er zerschmetterte mit seiner Rechten den Feind. Er führte sein Volk nicht heimlich oder ohne Ehren aus. "Er führte sie aus mit Silber und Gold, und es war kein Gebrechlicher unter ihren Stämmen" (Ps. 105,37). Ägypten war froh, dass sie auszogen. Gott wirkte da mit großer Machtentfaltung und erwies seine Majestät; er reckte seinen Arm aus, wie ein Arbeiter es tut, der mit vollem Eifer an der Arbeit ist, er erhob seine Hand wie jemand, der sich nicht schämt, bei seinem Werk gesehen zu werden. Ganz ähnlich ging es uns, als er uns aus der Tyrannei der Sünde befreite "nach der Wirkung seiner mächtigen Stärke, welche er gewirkt hat in Christo, da er ihn von den Toten auferweckt hat und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel" (Eph. 1,19.20). Denn seine Güte währet ewiglich: darum tat sich seine Macht kund zur Rettung der Seinen. Genügt eine Plage nicht, um sie in Freiheit zu versetzen, so mögen deren zehn kommen; aber frei sollen sie werden zur festgesetzten Stunde, auch nicht ein Israelit soll unter Pharaos Gewalt bleiben. Gott gebraucht dazu nicht nur seine Hand, sondern auch seinen Arm - eher lässt er seine Kraft in außergewöhnlicher Weise in Wirksamkeit treten, als dass sein Gnadenratschluss nicht durchgehen sollte.
Opfert Weihrauch, singet, Hochbeglückte:
Seine Güte währet ewiglich!
13. Der das Schilfmeer teilte in zwei Teile. Er machte eine Bahn quer über den Meeresgrund, indem er die zerteilten Wasser gleich Mauern zu beiden Seiten aufrecht stehen ließ. Viele leugnen ja die Wunder und suchen an ihnen herumzudeuteln; aber vorausgesetzt, dass es einen Gott gibt, ist es doch leicht, an sie zu glauben. Da ich, um vernünftigerweise das Wunder verwerfen zu können, notwendig erst ein Gottesleugner werden muss, ziehe ich jedenfalls die ungleich geringere Schwierigkeit vor, an die unbeschränkte Macht Gottes zu glauben. Derselbe, der für gewöhnlich die Gewässer des Meeres als eine Masse beisammenbleiben lässt, kann sie mit gleicher Leichtigkeit teilen. Wer einen Stein in der einen Richtung zu werfen vermag, kann mittelst der gleichen Kraft ihn in einer anderen Richtung werfen. Der HERR kann genau das tun, was er will, und sein Wille ist, zu tun, was immer nötig ist, um sein Volk zu befreien. Denn seine Güte währet ewiglich, darum reicht sie durch das Meer hindurch so gut wie über das trockene Land. Ist’s nötig, so tut er etwas Neues, Unerhörtes, um sein altes Verheißungswort zu halten. Sein Weg ist im Meer und sein Pfad in großen Wassern, und er schafft seinem Volke eine ebene Bahn in dem Element, wo noch keines Menschen Fuß einen Pfad gefunden.
Der sein Israel macht frei
Von des Feindes Tyrannei,
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
14. Und ließ Israel (mitten) hindurchgehen. Er war es, der dem Volke den Mut gab, den vorgezeichneten Pfad durch den gähnenden Abgrund zu gehen, ein Weg, der wohl ein altes, geübtes Kriegsheer hätte in Schrecken setzen können. Es bedurfte keiner geringen Führerkunst, um einen so gewaltig großen und buntscheckigen, aller Vorübung entbehrenden Haufen Volks einen so völlig neuen und augenscheinlich so gefährlichen Weg zu führen. Aber der HERR vollbrachte das Werk; er leitete sie den noch von keinem Menschenfuße betretenen Pfad, führte sie hinunter in die Tiefe und am andern Ufer wieder hinauf in voller Ordnung, und hielt die ganze Zeit ihre Feinde zurück durch das Dunkel der Wolkensäule. In diesem Vorgang schattete sich die herrliche Befreiung des Volkes Gottes von der Sünde ab. Beim Gläubigwerden geben auch wir alles Vertrauen auf unsere Werke auf und wagen es, einen Weg einzuschlagen, der uns bisher völlig fremd war, nämlich den des Vertrauens auf das sühnende Blut; auf diese Weise werden wir höchst wirksam geschieden von dem Ägypten unseres früheren Zustandes, und unsere Sünden sinken in die Tiefe des Meeres, sie fallen zu Grunde wie die Steine (2. Mose 15,5), um nie wieder sich wider uns zu erheben. Das Volk ging trockenen Fußes mitten durchs Meer. Hallelujah! Denn seine Güte währet ewiglich. Die Gnade bahnte den Weg, die Gnade gab dem Heer den Mut, die Gnade führte sie hinab, und die Gnade brachte sie wieder heraus. Selbst bis zu den Tiefen des Meeres reicht Gottes Barmherzigkeit, für sie gibt es kein Hindernis, und solange sie über Gottes Volk waltet, gibt es für dieses keine Gefahr, denn der HERR ist um sein Volk her. Vorwärts! sei darum unsere Losung wie einst Israels, gehe es durchs Feuer oder durchs Wasser, denn Gottes Güte ist unser Schutz und Schirm.
Lob und Ehr und Dank gebührt,
Der sein Volk hindurchgeführt;
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)
Psalm 136
15. Der Pharao und sein Heer ins Schilfmeer stieß (oder wörtlich: schüttelte). Nun entladet sich das Zorneswetter Jehovahs vollends mit tödlichen Strahlen über den Unterdrückern des Gottesvolkes. Wiewohl wir aber die Gerichte des HERRN Schlag um Schlag krachen hören, sind diese doch, wenn wir sie auf ihren vornehmsten Zweck besehen, nur mit Donnerstimme predigende Gnadenwunder, die den Feind in Verwirrung und Vernichtung donnern, damit Jehovahs Auserwählte vor jenem nicht mehr zittern müssen. Die Wagen werden umgeworfen, die Reiter von den Rossen gestürzt. Der König und seine Krieger, miteinander werden sie von den Wogen verschlungen; sie werden von ihren Kriegswagen geschleudert wie die Heuschrecken, die vom Wind ins Meer geschüttelt werden. Gebrochen ist die Macht Ägyptens, sein Stolz dahin. Jehovah hat den Feind bezwungen. "Bist du nicht der, so das Ungetüm zerhauen und den Drachen (Bezeichnungen Ägyptens und Pharaos) durchbohrt hat?" (Jes. 51,9) Niemand ist für den HERRN zu mächtig, dass er ihn nicht bezwingen, niemand zu erhaben, dass er ihn nicht erniedrigen könnte. Der Feind folgte in der Wut seines Eifers Israel nach ins Meer, aber dort fand sein Grimm einen schrecklichen Lohn in dem Wellengrabe.
Denn seine Güte währet ewiglich. Jawohl, Gottes Barmherzigkeit fuhr fort, seine Kinder zu schützen, und rief darum die Gerechtigkeit zu Hilfe, dass sie das Todesurteil an den Widersachern vollstrecke. Auf frischer Tat wurden sie ergriffen, mitten in der Empörung wider den Höchsten ereilte die frechen Angreifer das Geschick, das sie selber über sich herbeigerufen hatten. Wer sich in die Mitte des Meeres begibt, verlangt ersäuft zu werden. Die Sünde ist Selbstmord. Der Frevler geht aus eigener Wahl hinab in die Tiefe, und wenn er dann, wo es zu spät ist, inne wird, dass er aus dem Abgrund nicht mehr heraus kann, kommt dann sein Blut nicht über sein eigenes Haupt? Die beharrlich Unbußfertigen werden, so entsetzlich ihr Los auch sein wird, doch nichts wider die Gnade vorzubringen wissen; vielmehr wird das gerade ihr Elend ihnen noch schrecklicher machen, dass sie ihren Weg der Gnade zum Trotz gegangen sind und sich dem nicht ergeben wollten, dessen Güte ewiglich währet. Wenn die Israeliten diese Verse sangen, dann dachten sie dabei gewiss einzig an die Erlösung ihrer Väter von dem grimmigen Unterdrücker. Wie ein Lamm, das dem Löwen aus den Zähnen genommen wird, waren sie errettet worden; darum hat Israel allen Grund, seinen Retter zu preisen.
Rühmt, rühmt den HERRN! Schaut, sein Erbarmen
Bestrahlet uns in trüber Zeit,
Und seine Gnade trägt uns Armen
Von Ewigkeit zu Ewigkeit!
16.
Der sein Volt führte durch die Wüste;
denn seine Güte währet ewiglich.
17.
Der große Könige schlug;
denn seine Güte währet ewiglich;
18.
und erwürgte mächtige Könige;
denn seine Güte währet ewiglich;
19.
Sihon, der Amoriter König;
denn seine Güte währet ewiglich;
26.
und Og, den König zu Basan;
denn seine Güte währet ewiglich;
21.
und gab ihr Land zum Erbe;
denn seine Güte währet ewiglich;
22.
zum Erbe seinem Knecht Israel;
denn seine Güte währet ewiglich.
16. Der sein Volk führte durch die Wüste. Er hatte sie hineingeführt, darum war es auch seine Sache, sie hindurchzuführen. Sie waren sein Volk, und doch mussten sie in die Wüste, und die Wüste musste so dürr und öde bleiben, wie sie jemals war; aber zuletzt mussten sie doch aus der Wüste in das Gelobte Land kommen. Gottes Walten ist geheimnisvoll, aber es muss dennoch recht sein, einfach weil er es ja ist, der also handelt. Das Volk hatte keine Ahnung von dem Wege, den es zu gehen hatte, aber es wurde geleitet. Sie waren ein großer Haufe, doch umfasste die Führung sie alle. Es gab in der Wüste weder Weg noch Steg, aber weil die nimmer irrende Weisheit sie leitete, verloren sie nie die Richtung. Er, der sie aus Ägyptens Sklaverei erlöst hatte, geleitete sie auch durch die Wüste. Durch Mose und Aaron, durch Jethro und durch die Wolkensäule führte er sie. Welch eine Menge von Erweisungen der Güte sind doch zusammengehäuft in der Führung einer solch ungeheuren Schar durch ein Gebiet, worin nicht einmal für den einzelnen Wanderer Unterhalt zu finden war; doch geleitete der HERR in seiner unendlichen Macht und Weisheit eine ganze Nation vierzig Jahre lang durch die große und grausame Wüste, und zwar so, dass ihre Füße nicht schwollen und ihre Kleider nicht veralteten auf dem ganzen langen Wege. (5. Mose 8,4). Denn seine Güte währet ewiglich. Das Verhalten der Kinder Israel in der Wüste stellte die Güte des HERRN in kaum glaublichem Maße auf die Probe; aber sie hielt stand. Gar oftmals vergab er ihnen, und wiewohl er sie züchtigte um ihrer Übertretungen willen, wartete er doch darauf, ihnen gnädig sein zu können, und wandte sich ihnen eilends wieder zu in seinem Erbarmen. Ihre Treue ging bald in die Brüche, aber nicht die seine. Die Wolken- und Feuersäule, die nicht abließ, dem Heer voranzuziehen, war der sichtbare Erweis seiner unwandelbaren Liebe.
Der sein Volk durch Wüsten führt
Und doch väterlich regiert,
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
17. Der große Könige schlug. Im Angesicht seines Erbes hatte Israel mächtigen Feinden die Stirn zu bieten. Könige, die für groß angesehen wurden wegen der Heere, die hinter ihnen standen, versperrten ihnen den Weg. Aber dieses Hindernis verschwand bald, denn der HERR schlug die Widersacher, und ein einziger Streich genügte zu ihrer Vernichtung. Er, der den wirklich mächtigen Herrscher Ägyptens bezwungen hatte, war mit diesen kleinen Königen schnell fertig, so groß sie auch in der Schätzung der Nachbarfürsten waren. Denn seine Güte währet ewiglich. Die Gnade, welche die Auserwählten bis hierhergebracht hatte, ließ sich durch den Widerstand großsprecherischer Feinde nicht zum Wanken bringen. Jehovah, der am Anfang des Wüstenzuges Pharao geschlagen hatte, schlug Sihon und Og am Schluss desselben. Wie konnten diese Könige auf Gelingen hoffen, da die Gnade selber wider sie zu Felde zog?
18. Und erwürgte mächtige (wörtl.: herrliche, gepriesene) Könige. Was nützte ihnen all ihre Berühmtheit? Da sie Gott widerstanden, verwandelte sich ihr Ruhm in Schande, sie wurden berüchtigt statt berühmt. Ihr Ende ließ des HERRN Ruhm groß werden unter den Völkern, während all ihre Macht und Ehre in schmählicher Niederlage endete. Denn seine Güte währet ewiglich. Die rechten Israeliten, die ihr Volk und Vaterland lieb hatten, konnten von solcher Musik nie genug haben. Gott hatte ihr Volk gnädig beschützt, und sie sangen sein Lob immer wieder mit unermüdlichem Eifer.
Der die Kleinen liebreich trug,
Große Könige für sie schlug,
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
19. Sihon, der Amoriter König. Sein Name werde erwähnt, damit Gottes Güte desto besser im Gedächtnis bleibe. Sihon hatte Moabs Herrlichkeit zunichte gemacht, aber Israel konnte er nicht schlagen, denn der HERR schlug ihn. Er war ein tapferer und mächtiger Held und war somit beides, groß und berühmt (V. 17.18); aber da er sich eigensinnig weigerte, den Israeliten friedlichen Durchzug durch sein Land zu gestatten (4. Mose 21,21 ff.), und aus Bosheit wider sie stritt, war keine andere Wahl, als ihn in sein Verderben rennen zu lassen. Er wollte den Fluch haben, so kam er über ihn (Ps. 109,17). Sein Sturz geschah schnell, und es war ein Todessturz, und dieses Ereignis machte auf das auserwählte Volk solch einen gewaltigen Eindruck, dass es noch lange davon in seinen Volksliedern sang. Denn seine Güte währet ewiglich. Gottes Barmherzigkeit gegen die Seinen kennt kein Ansehen der Person; weder die Größe noch der Ruhm Sihons konnten diesen schützen, nachdem er sich erfrecht hatte, Israel anzugreifen. Der HERR wird sein Volk nicht deshalb verlassen, weil ein Sihon tobt und poltert.
20. Und Og, den König zu Basan. Er war vom Geschlecht der Riesen, aber er ward in die Flucht geschlagen wie ein Zwerg, als er wider den Gott Israels auf den Kampfplatz trat. An Gottes Volk erging der Ruf, wider ihn zu kämpfen, aber Gott war es, der den Sieg gewann. Die Festen Basans waren keine Schutzwehr gegen den Allmächtigen. Og war aus seinen höhlenreichen Schlupfwinkeln bald vertrieben, als der Fürst über das Heer des HERRN (Jos. 5,13 f.) den Krieg wider ihn anführte. Er musste sein eisernes Bett (5. Mose 3,11) mit einem Lager im Staube vertauschen, denn er fiel auf dem Schlachtfeld. Preis sei dem göttlichen Sieger, denn seine Güte währet ewiglich. Wenn ein Sihon den HERRN nicht hat von seinem erhabenen Ratschlusse abbringen können, dann dürfen wir sicher sein, dass es auch ein Og nicht vermag. Er, der uns aus einer Trübsal errettet, wird uns auch aus einer andern erlösen und alles Wohlgefallen seiner Güte an uns erfüllen.
Er war seines Volkes Freund,
So besiegt es jeden Feind.
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
Denn seine Güte währet ewiglich. Jawohl, Gottes Barmherzigkeit fuhr fort, seine Kinder zu schützen, und rief darum die Gerechtigkeit zu Hilfe, dass sie das Todesurteil an den Widersachern vollstrecke. Auf frischer Tat wurden sie ergriffen, mitten in der Empörung wider den Höchsten ereilte die frechen Angreifer das Geschick, das sie selber über sich herbeigerufen hatten. Wer sich in die Mitte des Meeres begibt, verlangt ersäuft zu werden. Die Sünde ist Selbstmord. Der Frevler geht aus eigener Wahl hinab in die Tiefe, und wenn er dann, wo es zu spät ist, inne wird, dass er aus dem Abgrund nicht mehr heraus kann, kommt dann sein Blut nicht über sein eigenes Haupt? Die beharrlich Unbußfertigen werden, so entsetzlich ihr Los auch sein wird, doch nichts wider die Gnade vorzubringen wissen; vielmehr wird das gerade ihr Elend ihnen noch schrecklicher machen, dass sie ihren Weg der Gnade zum Trotz gegangen sind und sich dem nicht ergeben wollten, dessen Güte ewiglich währet. Wenn die Israeliten diese Verse sangen, dann dachten sie dabei gewiss einzig an die Erlösung ihrer Väter von dem grimmigen Unterdrücker. Wie ein Lamm, das dem Löwen aus den Zähnen genommen wird, waren sie errettet worden; darum hat Israel allen Grund, seinen Retter zu preisen.
Rühmt, rühmt den HERRN! Schaut, sein Erbarmen
Bestrahlet uns in trüber Zeit,
Und seine Gnade trägt uns Armen
Von Ewigkeit zu Ewigkeit!
16.
Der sein Volt führte durch die Wüste;
denn seine Güte währet ewiglich.
17.
Der große Könige schlug;
denn seine Güte währet ewiglich;
18.
und erwürgte mächtige Könige;
denn seine Güte währet ewiglich;
19.
Sihon, der Amoriter König;
denn seine Güte währet ewiglich;
26.
und Og, den König zu Basan;
denn seine Güte währet ewiglich;
21.
und gab ihr Land zum Erbe;
denn seine Güte währet ewiglich;
22.
zum Erbe seinem Knecht Israel;
denn seine Güte währet ewiglich.
16. Der sein Volk führte durch die Wüste. Er hatte sie hineingeführt, darum war es auch seine Sache, sie hindurchzuführen. Sie waren sein Volk, und doch mussten sie in die Wüste, und die Wüste musste so dürr und öde bleiben, wie sie jemals war; aber zuletzt mussten sie doch aus der Wüste in das Gelobte Land kommen. Gottes Walten ist geheimnisvoll, aber es muss dennoch recht sein, einfach weil er es ja ist, der also handelt. Das Volk hatte keine Ahnung von dem Wege, den es zu gehen hatte, aber es wurde geleitet. Sie waren ein großer Haufe, doch umfasste die Führung sie alle. Es gab in der Wüste weder Weg noch Steg, aber weil die nimmer irrende Weisheit sie leitete, verloren sie nie die Richtung. Er, der sie aus Ägyptens Sklaverei erlöst hatte, geleitete sie auch durch die Wüste. Durch Mose und Aaron, durch Jethro und durch die Wolkensäule führte er sie. Welch eine Menge von Erweisungen der Güte sind doch zusammengehäuft in der Führung einer solch ungeheuren Schar durch ein Gebiet, worin nicht einmal für den einzelnen Wanderer Unterhalt zu finden war; doch geleitete der HERR in seiner unendlichen Macht und Weisheit eine ganze Nation vierzig Jahre lang durch die große und grausame Wüste, und zwar so, dass ihre Füße nicht schwollen und ihre Kleider nicht veralteten auf dem ganzen langen Wege. (5. Mose 8,4). Denn seine Güte währet ewiglich. Das Verhalten der Kinder Israel in der Wüste stellte die Güte des HERRN in kaum glaublichem Maße auf die Probe; aber sie hielt stand. Gar oftmals vergab er ihnen, und wiewohl er sie züchtigte um ihrer Übertretungen willen, wartete er doch darauf, ihnen gnädig sein zu können, und wandte sich ihnen eilends wieder zu in seinem Erbarmen. Ihre Treue ging bald in die Brüche, aber nicht die seine. Die Wolken- und Feuersäule, die nicht abließ, dem Heer voranzuziehen, war der sichtbare Erweis seiner unwandelbaren Liebe.
Der sein Volk durch Wüsten führt
Und doch väterlich regiert,
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
17. Der große Könige schlug. Im Angesicht seines Erbes hatte Israel mächtigen Feinden die Stirn zu bieten. Könige, die für groß angesehen wurden wegen der Heere, die hinter ihnen standen, versperrten ihnen den Weg. Aber dieses Hindernis verschwand bald, denn der HERR schlug die Widersacher, und ein einziger Streich genügte zu ihrer Vernichtung. Er, der den wirklich mächtigen Herrscher Ägyptens bezwungen hatte, war mit diesen kleinen Königen schnell fertig, so groß sie auch in der Schätzung der Nachbarfürsten waren. Denn seine Güte währet ewiglich. Die Gnade, welche die Auserwählten bis hierhergebracht hatte, ließ sich durch den Widerstand großsprecherischer Feinde nicht zum Wanken bringen. Jehovah, der am Anfang des Wüstenzuges Pharao geschlagen hatte, schlug Sihon und Og am Schluss desselben. Wie konnten diese Könige auf Gelingen hoffen, da die Gnade selber wider sie zu Felde zog?
18. Und erwürgte mächtige (wörtl.: herrliche, gepriesene) Könige. Was nützte ihnen all ihre Berühmtheit? Da sie Gott widerstanden, verwandelte sich ihr Ruhm in Schande, sie wurden berüchtigt statt berühmt. Ihr Ende ließ des HERRN Ruhm groß werden unter den Völkern, während all ihre Macht und Ehre in schmählicher Niederlage endete. Denn seine Güte währet ewiglich. Die rechten Israeliten, die ihr Volk und Vaterland lieb hatten, konnten von solcher Musik nie genug haben. Gott hatte ihr Volk gnädig beschützt, und sie sangen sein Lob immer wieder mit unermüdlichem Eifer.
Der die Kleinen liebreich trug,
Große Könige für sie schlug,
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
19. Sihon, der Amoriter König. Sein Name werde erwähnt, damit Gottes Güte desto besser im Gedächtnis bleibe. Sihon hatte Moabs Herrlichkeit zunichte gemacht, aber Israel konnte er nicht schlagen, denn der HERR schlug ihn. Er war ein tapferer und mächtiger Held und war somit beides, groß und berühmt (V. 17.18); aber da er sich eigensinnig weigerte, den Israeliten friedlichen Durchzug durch sein Land zu gestatten (4. Mose 21,21 ff.), und aus Bosheit wider sie stritt, war keine andere Wahl, als ihn in sein Verderben rennen zu lassen. Er wollte den Fluch haben, so kam er über ihn (Ps. 109,17). Sein Sturz geschah schnell, und es war ein Todessturz, und dieses Ereignis machte auf das auserwählte Volk solch einen gewaltigen Eindruck, dass es noch lange davon in seinen Volksliedern sang. Denn seine Güte währet ewiglich. Gottes Barmherzigkeit gegen die Seinen kennt kein Ansehen der Person; weder die Größe noch der Ruhm Sihons konnten diesen schützen, nachdem er sich erfrecht hatte, Israel anzugreifen. Der HERR wird sein Volk nicht deshalb verlassen, weil ein Sihon tobt und poltert.
20. Und Og, den König zu Basan. Er war vom Geschlecht der Riesen, aber er ward in die Flucht geschlagen wie ein Zwerg, als er wider den Gott Israels auf den Kampfplatz trat. An Gottes Volk erging der Ruf, wider ihn zu kämpfen, aber Gott war es, der den Sieg gewann. Die Festen Basans waren keine Schutzwehr gegen den Allmächtigen. Og war aus seinen höhlenreichen Schlupfwinkeln bald vertrieben, als der Fürst über das Heer des HERRN (Jos. 5,13 f.) den Krieg wider ihn anführte. Er musste sein eisernes Bett (5. Mose 3,11) mit einem Lager im Staube vertauschen, denn er fiel auf dem Schlachtfeld. Preis sei dem göttlichen Sieger, denn seine Güte währet ewiglich. Wenn ein Sihon den HERRN nicht hat von seinem erhabenen Ratschlusse abbringen können, dann dürfen wir sicher sein, dass es auch ein Og nicht vermag. Er, der uns aus einer Trübsal errettet, wird uns auch aus einer andern erlösen und alles Wohlgefallen seiner Güte an uns erfüllen.
Er war seines Volkes Freund,
So besiegt es jeden Feind.
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)
Psalm 136
21. Und gab ihr Land zum Erbe. Als der Herr der ganzen Erde übertrug er das Land von einem Lehnsmann auf einen andern. Kanaan ward Eigentum der Israeliten nicht durch ihr Schwert und ihren Bogen (Jos. 24,12), sondern durch eine Schenkung vom Thron. Diese Besitznahme des gelobten Landes war das große Ziel, das der HERR die ganze Zeit von Ägypten an bis zum Überschreiten des Jordans im Auge gehabt hatte. Er, der sein Volk herausgeführt hatte, führte sie auch hinein. Er, der das Land Abraham und seinem Samen verheißen hatte, sorgte dafür, dass die Schenkungsurkunde nicht toter Buchstabe blieb. Sowohl unsere zeitlichen als auch unsere geistlichen Güter werden uns zuteil durch einen königlichen Gnadenbrief. Was Gott uns verleiht, das ist unser kraft des besten Rechtstitels. Ein Erbe, das uns als Gottes Gabe zukommt, ist ein Besitz, den uns auch der Satan nicht streitig machen kann. Denn seine Güte währet ewiglich. Treue Liebe hat kein Ende und führt ihre Pläne durch. "Du bringst sie hinein", so hatte Mose schon in prophetischem Geiste gesungen (2. Mose 15,17), und nun sehen wir die glorreiche Tat vollendet.
22. Zum Erbe seinem Knecht Israel. Wiederholungen sind in Liedern sehr wirkungsvoll, und zumal, wenn sie irgendeine kleine Veränderung enthalten, die einen Punkt heller ins Licht stellt, der sonst der Beachtung entgangen wäre. Die Gebiete der heidnischen Könige wurden Israel gegeben: mit diesem Namen wird der auserwählte Same im Psalme jetzt zum dritten Mal genannt, hier mit dem Beisatz: seinem Knecht. Das Lehensrecht auf Kanaan ward Israel gegeben unter der Bedingung, dass es dem Eigentumsherrn des Grundes und Bodens, der es ihm zu Lehen verlieh, Dienst und Heerfolge leiste. Das Land war es wert, besungen zu werden; seine Vorzüglichkeit rechtfertigte es völlig, dass ihm zwei Strophen unseres Psalms gewidmet wurden. Auch die Austeilung des Landes durchs Los sowie die Gesetze, wodurch die Familiengüter den Eigentümern und deren Nachkommen als beständiges Erbe gesichert waren, gaben Anlass zu fröhlichem Lobpreis. Hätten andere Nationen solch vorzügliche Grundrechtsgesetze, die jeder Familie ein Fleckchen Erde zur Bebauung sicherten, so hätte ein gut Teil der gegenwärtig herrschenden Unzufriedenheit niemals entstehen können, der Bettel würde bald etwas ganz Ungewöhnliches und völlige Armut äußerst selten sein. Denn seine Güte währet ewiglich. Jawohl, des HERRN Güte eroberte das Land, teilte die Beute unter die, welchen seine Huld sich zugewandt hatte, und sicherte jeden in seinem Erbteil. Preis sei dem treuen Gott.
Jauchz’ Israel, und bring’ ihm Ehre!
Er zeigte dir es jederzeit
- Frohlock’-, dass seine Gnade währe
Von Ewigkeit zu Ewigkeit!
23.
Denn er dachte an uns, da wir unterdrückt waren;
denn seine Güte währet ewiglich;
24.
und erlöste uns von unseren Feinden;
denn seine Güte währet ewiglich.
23. Er gedachte an uns in unserer Niedrigkeit. (Wörtl.3 Gnadentaten, die wir persönlich erfahren haben, wecken die süßesten Lieder. "Er gedachte an uns!" Unser Flehen ist: "HERR, gedenke an mich", und wir werden dazu ermutigt durch die Tatsache, dass er an uns gedacht hat. Welch erstaunliche Güte ist es, wenn der HERR unser auch nur gedenkt, denn wie tief muss er sich herablassen zu unserer Niedrigkeit! Unsere Lage war in der Tat eine sehr gedrückte; wir waren völlig hilflos. Israel blieb zwar in seinem Erbteil, aber wir waren trotzdem in Sklaverei und seufzten in schrecklicher Gefangenschaft, und der HERR schien uns vergessen zu haben, denn er ließ uns in unserem Elend. Aber so blieb es nicht lange; er kehrte sich wieder zu uns voll Erbarmen, denn er gedachte seiner betrübten Kinder. Wir waren einst so tief heruntergekommen, dass wir uns am Abgrund der Hölle befanden; aber auch seither sind wir oft in schwer bedrückter Lage gewesen durch Armut, Vereinsamung, Krankheit und Herzeleid aller Art, und ach leider auch durch Mangel an Glauben, an Liebe, an Hoffnung. Wir klagten wohl: "Mein ist vergessen im Herzen wie eines Toten" (Ps. 31,13); aber nein, der HERR gedachte unser dennoch mit der ganzen Zartheit seiner Liebe. Wir hielten uns für zu gering und zu unwürdig, als dass der HERR sich um uns bekümmern sollte; aber er übersah uns nicht. Denn seine Güte währet ewiglich. Fürwahr, dies ist einer der klarsten Beweise der Unwandelbarkeit seiner Barmherzigkeit; denn wenn er gegen irgendjemand sich veränderlich erweisen könnte, dann wäre das sicher gegen uns der Fall gewesen, die wir so vielfach an unserem Elend selber schuld waren, im Staube liegen blieben und, wenn es auf uns angekommen wäre, immer tiefer gesunken wären. Das ist in der Tat denkwürdige Gnade, dass er unser gedachte in unserem Elend. So sind wir denn gewiss, dass er uns auch jetzt nicht verlassen noch versäumen wird. Drum lasst uns ihm mit Herz und Mund lobsingen,
Der auch in der tiefsten Nacht
Immer huldreich an uns dacht’.
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
24. Und erlöste uns von unseren Feinden. Die Feinde Israels waren es, die das Volk in solche Niedrigkeit gebracht hatten; aber der HERR trat ins Mittel und wendete das Blatt durch eine große, herrliche Erlösung. Er riss uns los von unseren Bedrängern: der Ausdruck zeigt, dass es sich um eine machtvolle Tat Jehovahs und um Errettung aus der äußersten Gefahr handelte. Was uns selbst betrifft, so ist die Erlösung, in Christo Jesu uns widerfahren, wahrlich auch Anlass genug, dem HERRN Dank zu sagen. Die Sünde ist unser Feind, aber gottlob! wir sind von ihr erlöst durch das kostbare Blut. Der Satan selbst ist unser Feind, aber gottlob! wir sind von ihm errettet durch die Macht unseres Erlösers. Die Welt ist unser Feind, aber gottlob! wir sind von ihr erlöst durch den Heiligen Geist. Wir waren in schrecklicher Sklaverei, aber wir sind befreit; o lasst uns von unserer Freiheit Gebrauch machen! Christus hat unsere Erlösung vollbracht; o lasst uns seinen Namen erhöhen! - Denn seine Güte währet ewiglich:
Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer,
Nein, er gibt ihn für mich hin,
Dass er mich vom ewigen Feuer
Durch sein teures Blut gewinn.
O du unergründter Brunnen,
Wie will doch mein schwacher Geist,
Ob er sich gleich hoch befleißt,
Deine Tief ergründen können?
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit!
25.
Der allem Fleisch Speise gibt;
denn seine Güte währet ewiglich.
25. Der allem Fleisch Speise gibt. Gottes allwaltende Vorsehung ist unseres innigsten Dankes wert. Denken wir an die Himmelsspeise, durch die alle Gläubigen erhalten werden, so wird unser Lobpreis auf eine noch höhere Tonart gestimmt; doch ist auch die allgemeine Güte Gottes, in der er alle seine Geschöpfe speist, ebenso des Preises würdig wie die besonderen Gnadenerweisungen, die er seinem auserwählten Volke angedeihen lässt. Weil der HERR alles, was Leben hat, so gütig erhält, darum erwarten wir bestimmt, dass er für die Seinen, für die, welche ihm am nächsten am Herzen liegen, in besonderer Liebe sorgen wird. Denn seine Güte währet ewiglich. Reicht sie sogar hinunter zu den Tieren und dem Gewürm, dann ist sie wahrlich schrankenlose Güte, die in der Niedrigkeit derer, die ihrer bedürfen, kein Hindernis findet.
Dankt dem HERRN mit frohem Mut,
Er ist freundlich, er ist gut!
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
26.
Danket dem Gott des Himmels;
denn seine Güte währet ewiglich.
26. Danket dem Gott des Himmels. Das ist ein Name, hoch an Ehren. Der HERR ist Gott in den höchsten Höhen, ihn beten die himmlischen Wesen an. Sein Thron steht in erhabener Herrlichkeit, hoch über allem, außer dem Bereich aller Feinde, und an einer Stätte, von wo aus alles zu übersehen ist. Er, der sich herablässt, den Raben und den Sperlingen Speise zu geben, ist und bleibt dennoch der hocherhabene Gott des Himmels. Die Engel rechnen es sich zur höchsten Ehre, seinen Ruhm kundzutun in allen Regionen des Himmels. Lasst uns daran erkennen die Erhabenheit seines Wesens, die Tiefe seiner Herablassung, die Länge und Breite seiner Liebe. Beachten wir, was der alleinige Grund all seiner freigebigen Wohltaten ist: Denn seine Güte währet ewiglich. Alles, was er tut, geschieht aus Liebe und Barmherzigkeit; und weil seine Güte nimmer aufhört, wird er fortfahren, seine Liebestaten zu vervielfältigen ein Menschenalter ums andere, eine Ewigkeit um die andere. Und wir sollten aufhören, seinen hochheiligen Namen zu preisen? Nein,
Bringt dem Gott des Himmels Dank;
Schweige nie, mein Lobgesang!
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
Fußnote
3. Unter der Niedrigkeit ist jedenfalls hier die gedrückte Lage der Gemeinde zu verstehen. Luthers Übers.: Da wir unterdrückt waren, ist daher nicht unrichtig, hebt aber nur eine Seite hervor.
22. Zum Erbe seinem Knecht Israel. Wiederholungen sind in Liedern sehr wirkungsvoll, und zumal, wenn sie irgendeine kleine Veränderung enthalten, die einen Punkt heller ins Licht stellt, der sonst der Beachtung entgangen wäre. Die Gebiete der heidnischen Könige wurden Israel gegeben: mit diesem Namen wird der auserwählte Same im Psalme jetzt zum dritten Mal genannt, hier mit dem Beisatz: seinem Knecht. Das Lehensrecht auf Kanaan ward Israel gegeben unter der Bedingung, dass es dem Eigentumsherrn des Grundes und Bodens, der es ihm zu Lehen verlieh, Dienst und Heerfolge leiste. Das Land war es wert, besungen zu werden; seine Vorzüglichkeit rechtfertigte es völlig, dass ihm zwei Strophen unseres Psalms gewidmet wurden. Auch die Austeilung des Landes durchs Los sowie die Gesetze, wodurch die Familiengüter den Eigentümern und deren Nachkommen als beständiges Erbe gesichert waren, gaben Anlass zu fröhlichem Lobpreis. Hätten andere Nationen solch vorzügliche Grundrechtsgesetze, die jeder Familie ein Fleckchen Erde zur Bebauung sicherten, so hätte ein gut Teil der gegenwärtig herrschenden Unzufriedenheit niemals entstehen können, der Bettel würde bald etwas ganz Ungewöhnliches und völlige Armut äußerst selten sein. Denn seine Güte währet ewiglich. Jawohl, des HERRN Güte eroberte das Land, teilte die Beute unter die, welchen seine Huld sich zugewandt hatte, und sicherte jeden in seinem Erbteil. Preis sei dem treuen Gott.
Jauchz’ Israel, und bring’ ihm Ehre!
Er zeigte dir es jederzeit
- Frohlock’-, dass seine Gnade währe
Von Ewigkeit zu Ewigkeit!
23.
Denn er dachte an uns, da wir unterdrückt waren;
denn seine Güte währet ewiglich;
24.
und erlöste uns von unseren Feinden;
denn seine Güte währet ewiglich.
23. Er gedachte an uns in unserer Niedrigkeit. (Wörtl.3 Gnadentaten, die wir persönlich erfahren haben, wecken die süßesten Lieder. "Er gedachte an uns!" Unser Flehen ist: "HERR, gedenke an mich", und wir werden dazu ermutigt durch die Tatsache, dass er an uns gedacht hat. Welch erstaunliche Güte ist es, wenn der HERR unser auch nur gedenkt, denn wie tief muss er sich herablassen zu unserer Niedrigkeit! Unsere Lage war in der Tat eine sehr gedrückte; wir waren völlig hilflos. Israel blieb zwar in seinem Erbteil, aber wir waren trotzdem in Sklaverei und seufzten in schrecklicher Gefangenschaft, und der HERR schien uns vergessen zu haben, denn er ließ uns in unserem Elend. Aber so blieb es nicht lange; er kehrte sich wieder zu uns voll Erbarmen, denn er gedachte seiner betrübten Kinder. Wir waren einst so tief heruntergekommen, dass wir uns am Abgrund der Hölle befanden; aber auch seither sind wir oft in schwer bedrückter Lage gewesen durch Armut, Vereinsamung, Krankheit und Herzeleid aller Art, und ach leider auch durch Mangel an Glauben, an Liebe, an Hoffnung. Wir klagten wohl: "Mein ist vergessen im Herzen wie eines Toten" (Ps. 31,13); aber nein, der HERR gedachte unser dennoch mit der ganzen Zartheit seiner Liebe. Wir hielten uns für zu gering und zu unwürdig, als dass der HERR sich um uns bekümmern sollte; aber er übersah uns nicht. Denn seine Güte währet ewiglich. Fürwahr, dies ist einer der klarsten Beweise der Unwandelbarkeit seiner Barmherzigkeit; denn wenn er gegen irgendjemand sich veränderlich erweisen könnte, dann wäre das sicher gegen uns der Fall gewesen, die wir so vielfach an unserem Elend selber schuld waren, im Staube liegen blieben und, wenn es auf uns angekommen wäre, immer tiefer gesunken wären. Das ist in der Tat denkwürdige Gnade, dass er unser gedachte in unserem Elend. So sind wir denn gewiss, dass er uns auch jetzt nicht verlassen noch versäumen wird. Drum lasst uns ihm mit Herz und Mund lobsingen,
Der auch in der tiefsten Nacht
Immer huldreich an uns dacht’.
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
24. Und erlöste uns von unseren Feinden. Die Feinde Israels waren es, die das Volk in solche Niedrigkeit gebracht hatten; aber der HERR trat ins Mittel und wendete das Blatt durch eine große, herrliche Erlösung. Er riss uns los von unseren Bedrängern: der Ausdruck zeigt, dass es sich um eine machtvolle Tat Jehovahs und um Errettung aus der äußersten Gefahr handelte. Was uns selbst betrifft, so ist die Erlösung, in Christo Jesu uns widerfahren, wahrlich auch Anlass genug, dem HERRN Dank zu sagen. Die Sünde ist unser Feind, aber gottlob! wir sind von ihr erlöst durch das kostbare Blut. Der Satan selbst ist unser Feind, aber gottlob! wir sind von ihm errettet durch die Macht unseres Erlösers. Die Welt ist unser Feind, aber gottlob! wir sind von ihr erlöst durch den Heiligen Geist. Wir waren in schrecklicher Sklaverei, aber wir sind befreit; o lasst uns von unserer Freiheit Gebrauch machen! Christus hat unsere Erlösung vollbracht; o lasst uns seinen Namen erhöhen! - Denn seine Güte währet ewiglich:
Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer,
Nein, er gibt ihn für mich hin,
Dass er mich vom ewigen Feuer
Durch sein teures Blut gewinn.
O du unergründter Brunnen,
Wie will doch mein schwacher Geist,
Ob er sich gleich hoch befleißt,
Deine Tief ergründen können?
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit!
25.
Der allem Fleisch Speise gibt;
denn seine Güte währet ewiglich.
25. Der allem Fleisch Speise gibt. Gottes allwaltende Vorsehung ist unseres innigsten Dankes wert. Denken wir an die Himmelsspeise, durch die alle Gläubigen erhalten werden, so wird unser Lobpreis auf eine noch höhere Tonart gestimmt; doch ist auch die allgemeine Güte Gottes, in der er alle seine Geschöpfe speist, ebenso des Preises würdig wie die besonderen Gnadenerweisungen, die er seinem auserwählten Volke angedeihen lässt. Weil der HERR alles, was Leben hat, so gütig erhält, darum erwarten wir bestimmt, dass er für die Seinen, für die, welche ihm am nächsten am Herzen liegen, in besonderer Liebe sorgen wird. Denn seine Güte währet ewiglich. Reicht sie sogar hinunter zu den Tieren und dem Gewürm, dann ist sie wahrlich schrankenlose Güte, die in der Niedrigkeit derer, die ihrer bedürfen, kein Hindernis findet.
Dankt dem HERRN mit frohem Mut,
Er ist freundlich, er ist gut!
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
26.
Danket dem Gott des Himmels;
denn seine Güte währet ewiglich.
26. Danket dem Gott des Himmels. Das ist ein Name, hoch an Ehren. Der HERR ist Gott in den höchsten Höhen, ihn beten die himmlischen Wesen an. Sein Thron steht in erhabener Herrlichkeit, hoch über allem, außer dem Bereich aller Feinde, und an einer Stätte, von wo aus alles zu übersehen ist. Er, der sich herablässt, den Raben und den Sperlingen Speise zu geben, ist und bleibt dennoch der hocherhabene Gott des Himmels. Die Engel rechnen es sich zur höchsten Ehre, seinen Ruhm kundzutun in allen Regionen des Himmels. Lasst uns daran erkennen die Erhabenheit seines Wesens, die Tiefe seiner Herablassung, die Länge und Breite seiner Liebe. Beachten wir, was der alleinige Grund all seiner freigebigen Wohltaten ist: Denn seine Güte währet ewiglich. Alles, was er tut, geschieht aus Liebe und Barmherzigkeit; und weil seine Güte nimmer aufhört, wird er fortfahren, seine Liebestaten zu vervielfältigen ein Menschenalter ums andere, eine Ewigkeit um die andere. Und wir sollten aufhören, seinen hochheiligen Namen zu preisen? Nein,
Bringt dem Gott des Himmels Dank;
Schweige nie, mein Lobgesang!
Seine Güt’ ermüdet nie,
Ewig, ewig währet sie!
Fußnote
3. Unter der Niedrigkeit ist jedenfalls hier die gedrückte Lage der Gemeinde zu verstehen. Luthers Übers.: Da wir unterdrückt waren, ist daher nicht unrichtig, hebt aber nur eine Seite hervor.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)
Psalm 136
Erläuterungen und Kernworte
Zum ganzen Psalm. Die griechische Kirche nennt diesen Psalm Polyeleos wegen seiner beständigen Hinweisung auf die Güte Gottes. James Millard Neale † 1866.
In der liturgischen Sprache heißt vorzugsweise dieser Psalm das große Hallel; denn seinem weitesten Umfange nach befasst das große Hallel Psalm 120 bis Psalm 136, während das Hallel schlechtweg von Psalm 113 bis Psalm 118 reicht. Prof. Franz Delitzsch† 1890.
Preiset den HERRN für das, was er ist (V. 1-3), für das, was er zu tun vermag (V. 4), für das, was er in der Erschaffung getan (V. 5-9), für das, was er in der Erlösung Israels aus der Knechtschaft getan (V. 10-15), für das, was er in seiner Fürsorge für Israel getan (V. 16-22), für seine Gnade in Zeiten des Unglücks (V. 23.24), für seine Güte gegen alles Fleisch (V. 25). Preiset diesen Gott als den Gott des Himmels (V. 26). Andrew Alexander Bonar 1859.
Als zur Zeit des Kaisers Konstantius der Bischof Athanasius i. J. 356 von den kaiserlichen Truppen des Nachts in seiner Kirche zu Alexandrien angegriffen und viele Gläubige verwundet und getötet wurden, blieb der Bischof in seinem Stuhle und befahl dem Diakonen, diesen Psalm anzuheben, und die Gemeinde antwortete pünktlich mit dem Wechselgesang: Denn seine Güte währet ewiglich. Christ. Wordsworth † 1885.
Wie der vorige Psalm schließt sich dieser dem Deuteronomium an. Die Vordersätze von V. 2.3 sind aus 5. Mose 10,17; V. 12a aus 5. Mose 4,34; 5,15 usw. (vergl. Jer. 32,21); V. 16a wie 5. Mose 8,15. Ebenso sind V. 19-22 (vergl. Ps. 135,10-12) deuteronomisch, siehe 5. Mose 3,21; 4,38; 7,1; 9,1; 11,23 usw. - Nach Prof. Franz Delitzsch † 1890.
Zum Kehrreim. Nicht alle Wiederholungen sind müßig, und nicht alle langen Gebete fallen unter das Urteil des Viele-Worte-Machens. Wiederholungen dürfen wir gebrauchen: 1) Wenn sie der Ausdruck der Inbrunst und des Eifers sind. So lesen wir von Christus selbst: Er betete zum dritten Mal und redete dieselben Worte (Mt. 26,44). Ein anderer Evangelist deutet uns an, dass er dies aus besonderer Inbrunst des Geistes tat: Und es kam, dass er mit dem Tode rang, und betete heftiger (Lk. 22,44). 2) Wiederholungen darf man ferner nicht abfällig beurteilen, wenn dieselben zu kräftiger Hervorhebung einer großen Wahrheit dienen und von besonderer innerer Schönheit sind, wie hier in Ps. 136. Da wird das "Denn seine Güte währet ewiglich " sechsundzwanzigmal wiederholt, weil der Psalmist die Unermüdlichkeit der göttlichen Güte ins Licht stellen will und deren unerschöpflichen Reichtum, da Gott trotz all der Gnadenwunder, die er gewirkt, noch immer so reich ist an Güte wie je. Wir geben uns schnell aus, unser Tröpflein Güte ist bald verbraucht; Gottes Güte aber ist immer wieder aufs Neue zum Wohltun bereit. Thomas Manton † 1677.
Denn seine Güte währet ewiglich. Sollen wir dsexe mit Güte oder Gnade übersetzen? Die LXX haben es bekanntlich meist mit e}leoj wiedergegeben, und dies Wort steht z. B. auch Lk. 1,54 dafür, während der eigentliche neutestamentliche an die Stelle von dsxgetretene Ausdruck ca)rij ist. dsx = e}leoj = Güte ist (vergl. Cremer, Neutestamentl. Gräcität) die in heiligem Affekt wallende Liebe Gottes, die sich dem menschlichen Elend, der menschlichen Hilfsbedürftigkeit (und besonders auch dem Elend und der Hilfsbedürftigkeit des auserwählten Volkes) als mitleidende Barmherzigkeit heilvoll zuwendet, es ist die sich gebunden wissende und sich bindende Liebe Gottes gegen die Bedrängten und Elenden. In dsx = ca)rij = Gnade hingegen tritt einerseits die Freiwilligkeit der sich dem Menschen zuneigenden Liebe Gottes, die Souveränität der Gnade hervor, andererseits die Beziehung derselben nicht nur auf das Elend im Allgemeinen, sondern insbesondere auf die Sündenschuld. Danach richtet sich auch die Wahl des deutschen Ausdrucks. Luther hat sich auch hierin als Meister erwiesen, dass er z. B. in unserem Psalm chesed mit Güte übersetzt, hingegen in den "paulinischen" Psalmen, z. B. Ps. 103,17; 130,7, für das gleiche Wort, sich von den LXX losmachend, Gnade sagt. Aber auch bei einem und demselben alttestamentlichen Ausspruch über die göttliche chesed werden wir je nach der Färbung der Bedeutung, in welcher wir ihn verwenden, bald besser Güte, bald besser Gnade sagen. - James Millard
Viel liebliche, köstliche Dinge sind in Gottes Wort, aber das Wort Gnade ist doch das süßeste in der ganzen Heiligen Schrift. Kein Wunder, dass es den Psalmsänger dazu bewegt, in diesem Liede sechsundzwanzigmal in die Saiten seiner Harfe zu greifen, um sie, die ewig währende, zu besingen. Wie die Lerche, wenn sie so recht in der Sangeslust ist, schmetternd und trillernd ihre Kreise immer höher zieht, so der Psalmist hier. Henry Smith † 1591.
V. 1. Denn er ist gut. (Wörtl.) Beachten wir, wofür wir danken sollen: nicht wie der Pharisäer Lk. 18, dessen Dankgebet seine Spitze in dem Ruhm der Vortrefflichkeit des Betenden hatte - "Ich danke dir, Gott, dass ich usw." -, sondern so, dass alle unsere Danksagungen auf Gottes Ehre zielen. Matthew Henry † 1714.
V. 4. Der große Wunder tut allein. Dreierlei wird hier über Gott bezeugt, dass er Wunder tut, dass die Wunder, welche er wirkt, groß sind und dass er allein sie tut. Aurel.Augustinus † 430.
Er hat keinen, der ihm die Gedanken eingibt, und keinen, der ihm bei der Ausführung hilft. Ganz aus eigenem Antrieb geht er ans Werk, und alles, was er wirkt, ist Gottes würdig. So haben wir also sonst niemand nötig, wir sind von allen andern unabhängig; alle unsere Quellen sind in ihm (vergl. Ps. 87,7 Grundtext). Andrew Alexander Bonar 1859.
Es geziemt dem großen Gott, große Dinge zu gewähren. Wenn du Großes von ihm erbittest, so begehrst du eben solches, was zu geben Gott wohl ansteht, dessen Güte bis an den Himmel reicht. Nichts unter dem Himmel kann für ihn zum Geben zu groß sein. Je größere Dinge er gewährt, desto größere Herrlichkeit fällt auf seinen Namen zurück. David Clarkson † 1686.
Christen sollten sich der Geheimnisse und Wunder ihrer Religion nicht schämen. In den letzten Jahren tritt einem bei manchen eine Neigung entgegen, von der Verteidigung des Übernatürlichen im Christentum abzustehen. Das ist ein großer Missgriff. Gibt man das Wunderbare auf, das in der wahren Religion enthalten ist, so bleibt keine Macht übrig, die imstande wäre, ein Herz zur Anbetung zu bewegen, und ohne Anbetung gibt es keine Frömmigkeit. William Swan Plumer † 1880.
Je länger ich lebe, desto mehr staune ich, o mein Gott, über all die Werke deiner Hände. Ich schaue solch bewundernswerte Kunst in den allergeringsten und scheinbar verächtlichsten deiner Geschöpfe, dass ich bei der Beobachtung derselben Tag für Tag mehr staunen muss. Ich brauche dazu gar nicht meine Blicke zum Himmel schweifen zu lassen, wiewohl du dich da vollends als der unendlich Herrliche erweisest; aber selbst wenn ich nur eine Spinne an meinem Fenster, eine Biene im Garten oder ein Käferchen zu meinen Füßen betrachte, so werde ich schon von Staunen überwältigt; und doch sehe ich nichts als ihr Äußeres, in die innere Gestalt derselben, in den Herd ihres Lebens und Wirkens vermag ich nicht hineinzuspähen. Bischof Joseph Hall † 1656.
V. 7. Der große Lichter gemacht hat. Durch sie werden Tag und Nacht, Hitze und Kälte, Sommer und Winter beständig geregelt, so dass Gottes Bund, die gegenwärtige Weltzeit betreffend, durch ihre Vermittlung aufrechterhalten wird. So erweist sich denn in ihrem Wirken auch sonderlich die Beständigkeit der göttlichen Güte. John Morison 1829.
V. 7-9. Licht ist das Leben und die Seele des Weltalls, das edelste Abbild und Sinnbild von der Macht und Herrlichkeit des großen Gottes, der uns auch in der Nacht nicht ohne solche Zeugen lässt, sondern uns dann einen Teil des Lichtes, das wir bei Tage aus der großen Lichtquelle im Herzen des Himmels hervorströmen sehen, als Widerschein leuchten lässt. - Deine Gemeinde und deine Heiligen, o HERR, sind der Mond und die Sterne, die durch Übermittlung der Wahrheit und durch das Licht des Beispiels unseren Füßen ein Licht sind, während wir in der Nacht, die uns befallen hat, harrend auf das Anbrechen des ewigen Tages, vorwärts wandern. Dann werden wir deine Herrlichkeit erblicken und dich sehen, wie du bist. Bischof G. Horne † 1792.
Ohne Licht wäre das Weltall eine ungeheure Totengruft. Das Sonnenlicht ist das große Mittel in der Hand des Schöpfers, die ganze irdische Schöpfung zu beleben. Eintauchend in die Feuchtigkeit des Auges bewirkt das Licht die Empfindung des Sehens; eindringend in den Saft der Pflanzen bewirkt es das Wachstum der Zellen, das Grün der Blätter, den Duft der Blüten, das Reifwerden der Früchte, die Pracht der Farben. Alle die lieblichen Farbentöne, welche den Himmel und die Erde schmücken, der Glanz der Sterne, das Blau des Himmels, die Pracht des Regenbogens, das Feuer des Diamanten, der Glanz des Goldes, das Schillern des Brillantkäfers, die Pracht der Blumen, - sie sind ein Zauber des Lichts.
Eindringend in die unteren dichteren Schichten der Atmosphäre und in die Oberfläche der Erde bewirkt das Licht die Erwärmung der Luft und des Bodens, durch welche alle Strömungen der Luft und der Gewässer, alle Entwicklung der Pflanzen und Tiere, kurz alles Leben der Erde bedingt wird. Eindringend in den Wasserdunst der Wolken entwickelt das Licht die Elektrizität des Blitzes. Es erzeugt in der gesamten Erdoberfläche die Strömungen des Erdmagnetismus. Es verwandelt sich in Wärme und bedingt als solche alle chemischen und physikalischen Bewegungen, ja die Kraft des Lichtes setzt sogar die Himmelskörper in Bewegung und hält sie im Gleichgewichte ihrer Bahnen.
Alles, was Gott erschaffen hat, zeugt von seiner Allmacht, Weisheit und Güte; aber die Wunder des Lichts stehen unter den Zeugen seiner Majestät obenan. Der Leben weckende Lichtstrahl, welcher die Nacht in Tag, Tod in Leben, die Grabesruhe des Winterfrostes in die Wonne des Frühlings umwandelt, ist zugleich der Gottesbote, welcher uns Kunde bringt von den Gliedern des unermesslichen Vaterhauses, von den Welten, die Millionen von Sonnenweiten von uns entfernt sind; er ist der Herold der ewigen Liebe, welche mit ihren unsichtbaren Banden Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit, Geist und Leib in Verbindung setzt. Die Schwingen des Lichts durcheilen den Weltraum bis an den Markstein der irdischen Schöpfung, um Leben zu wecken, Segen zu spenden, jede empfindende Seele aus dem Schlummer zur Freude in Gott zu erheben. Dr. A. N. Böhner1878.
Zum ganzen Psalm. Die griechische Kirche nennt diesen Psalm Polyeleos wegen seiner beständigen Hinweisung auf die Güte Gottes. James Millard Neale † 1866.
In der liturgischen Sprache heißt vorzugsweise dieser Psalm das große Hallel; denn seinem weitesten Umfange nach befasst das große Hallel Psalm 120 bis Psalm 136, während das Hallel schlechtweg von Psalm 113 bis Psalm 118 reicht. Prof. Franz Delitzsch† 1890.
Preiset den HERRN für das, was er ist (V. 1-3), für das, was er zu tun vermag (V. 4), für das, was er in der Erschaffung getan (V. 5-9), für das, was er in der Erlösung Israels aus der Knechtschaft getan (V. 10-15), für das, was er in seiner Fürsorge für Israel getan (V. 16-22), für seine Gnade in Zeiten des Unglücks (V. 23.24), für seine Güte gegen alles Fleisch (V. 25). Preiset diesen Gott als den Gott des Himmels (V. 26). Andrew Alexander Bonar 1859.
Als zur Zeit des Kaisers Konstantius der Bischof Athanasius i. J. 356 von den kaiserlichen Truppen des Nachts in seiner Kirche zu Alexandrien angegriffen und viele Gläubige verwundet und getötet wurden, blieb der Bischof in seinem Stuhle und befahl dem Diakonen, diesen Psalm anzuheben, und die Gemeinde antwortete pünktlich mit dem Wechselgesang: Denn seine Güte währet ewiglich. Christ. Wordsworth † 1885.
Wie der vorige Psalm schließt sich dieser dem Deuteronomium an. Die Vordersätze von V. 2.3 sind aus 5. Mose 10,17; V. 12a aus 5. Mose 4,34; 5,15 usw. (vergl. Jer. 32,21); V. 16a wie 5. Mose 8,15. Ebenso sind V. 19-22 (vergl. Ps. 135,10-12) deuteronomisch, siehe 5. Mose 3,21; 4,38; 7,1; 9,1; 11,23 usw. - Nach Prof. Franz Delitzsch † 1890.
Zum Kehrreim. Nicht alle Wiederholungen sind müßig, und nicht alle langen Gebete fallen unter das Urteil des Viele-Worte-Machens. Wiederholungen dürfen wir gebrauchen: 1) Wenn sie der Ausdruck der Inbrunst und des Eifers sind. So lesen wir von Christus selbst: Er betete zum dritten Mal und redete dieselben Worte (Mt. 26,44). Ein anderer Evangelist deutet uns an, dass er dies aus besonderer Inbrunst des Geistes tat: Und es kam, dass er mit dem Tode rang, und betete heftiger (Lk. 22,44). 2) Wiederholungen darf man ferner nicht abfällig beurteilen, wenn dieselben zu kräftiger Hervorhebung einer großen Wahrheit dienen und von besonderer innerer Schönheit sind, wie hier in Ps. 136. Da wird das "Denn seine Güte währet ewiglich " sechsundzwanzigmal wiederholt, weil der Psalmist die Unermüdlichkeit der göttlichen Güte ins Licht stellen will und deren unerschöpflichen Reichtum, da Gott trotz all der Gnadenwunder, die er gewirkt, noch immer so reich ist an Güte wie je. Wir geben uns schnell aus, unser Tröpflein Güte ist bald verbraucht; Gottes Güte aber ist immer wieder aufs Neue zum Wohltun bereit. Thomas Manton † 1677.
Denn seine Güte währet ewiglich. Sollen wir dsexe mit Güte oder Gnade übersetzen? Die LXX haben es bekanntlich meist mit e}leoj wiedergegeben, und dies Wort steht z. B. auch Lk. 1,54 dafür, während der eigentliche neutestamentliche an die Stelle von dsxgetretene Ausdruck ca)rij ist. dsx = e}leoj = Güte ist (vergl. Cremer, Neutestamentl. Gräcität) die in heiligem Affekt wallende Liebe Gottes, die sich dem menschlichen Elend, der menschlichen Hilfsbedürftigkeit (und besonders auch dem Elend und der Hilfsbedürftigkeit des auserwählten Volkes) als mitleidende Barmherzigkeit heilvoll zuwendet, es ist die sich gebunden wissende und sich bindende Liebe Gottes gegen die Bedrängten und Elenden. In dsx = ca)rij = Gnade hingegen tritt einerseits die Freiwilligkeit der sich dem Menschen zuneigenden Liebe Gottes, die Souveränität der Gnade hervor, andererseits die Beziehung derselben nicht nur auf das Elend im Allgemeinen, sondern insbesondere auf die Sündenschuld. Danach richtet sich auch die Wahl des deutschen Ausdrucks. Luther hat sich auch hierin als Meister erwiesen, dass er z. B. in unserem Psalm chesed mit Güte übersetzt, hingegen in den "paulinischen" Psalmen, z. B. Ps. 103,17; 130,7, für das gleiche Wort, sich von den LXX losmachend, Gnade sagt. Aber auch bei einem und demselben alttestamentlichen Ausspruch über die göttliche chesed werden wir je nach der Färbung der Bedeutung, in welcher wir ihn verwenden, bald besser Güte, bald besser Gnade sagen. - James Millard
Viel liebliche, köstliche Dinge sind in Gottes Wort, aber das Wort Gnade ist doch das süßeste in der ganzen Heiligen Schrift. Kein Wunder, dass es den Psalmsänger dazu bewegt, in diesem Liede sechsundzwanzigmal in die Saiten seiner Harfe zu greifen, um sie, die ewig währende, zu besingen. Wie die Lerche, wenn sie so recht in der Sangeslust ist, schmetternd und trillernd ihre Kreise immer höher zieht, so der Psalmist hier. Henry Smith † 1591.
V. 1. Denn er ist gut. (Wörtl.) Beachten wir, wofür wir danken sollen: nicht wie der Pharisäer Lk. 18, dessen Dankgebet seine Spitze in dem Ruhm der Vortrefflichkeit des Betenden hatte - "Ich danke dir, Gott, dass ich usw." -, sondern so, dass alle unsere Danksagungen auf Gottes Ehre zielen. Matthew Henry † 1714.
V. 4. Der große Wunder tut allein. Dreierlei wird hier über Gott bezeugt, dass er Wunder tut, dass die Wunder, welche er wirkt, groß sind und dass er allein sie tut. Aurel.Augustinus † 430.
Er hat keinen, der ihm die Gedanken eingibt, und keinen, der ihm bei der Ausführung hilft. Ganz aus eigenem Antrieb geht er ans Werk, und alles, was er wirkt, ist Gottes würdig. So haben wir also sonst niemand nötig, wir sind von allen andern unabhängig; alle unsere Quellen sind in ihm (vergl. Ps. 87,7 Grundtext). Andrew Alexander Bonar 1859.
Es geziemt dem großen Gott, große Dinge zu gewähren. Wenn du Großes von ihm erbittest, so begehrst du eben solches, was zu geben Gott wohl ansteht, dessen Güte bis an den Himmel reicht. Nichts unter dem Himmel kann für ihn zum Geben zu groß sein. Je größere Dinge er gewährt, desto größere Herrlichkeit fällt auf seinen Namen zurück. David Clarkson † 1686.
Christen sollten sich der Geheimnisse und Wunder ihrer Religion nicht schämen. In den letzten Jahren tritt einem bei manchen eine Neigung entgegen, von der Verteidigung des Übernatürlichen im Christentum abzustehen. Das ist ein großer Missgriff. Gibt man das Wunderbare auf, das in der wahren Religion enthalten ist, so bleibt keine Macht übrig, die imstande wäre, ein Herz zur Anbetung zu bewegen, und ohne Anbetung gibt es keine Frömmigkeit. William Swan Plumer † 1880.
Je länger ich lebe, desto mehr staune ich, o mein Gott, über all die Werke deiner Hände. Ich schaue solch bewundernswerte Kunst in den allergeringsten und scheinbar verächtlichsten deiner Geschöpfe, dass ich bei der Beobachtung derselben Tag für Tag mehr staunen muss. Ich brauche dazu gar nicht meine Blicke zum Himmel schweifen zu lassen, wiewohl du dich da vollends als der unendlich Herrliche erweisest; aber selbst wenn ich nur eine Spinne an meinem Fenster, eine Biene im Garten oder ein Käferchen zu meinen Füßen betrachte, so werde ich schon von Staunen überwältigt; und doch sehe ich nichts als ihr Äußeres, in die innere Gestalt derselben, in den Herd ihres Lebens und Wirkens vermag ich nicht hineinzuspähen. Bischof Joseph Hall † 1656.
V. 7. Der große Lichter gemacht hat. Durch sie werden Tag und Nacht, Hitze und Kälte, Sommer und Winter beständig geregelt, so dass Gottes Bund, die gegenwärtige Weltzeit betreffend, durch ihre Vermittlung aufrechterhalten wird. So erweist sich denn in ihrem Wirken auch sonderlich die Beständigkeit der göttlichen Güte. John Morison 1829.
V. 7-9. Licht ist das Leben und die Seele des Weltalls, das edelste Abbild und Sinnbild von der Macht und Herrlichkeit des großen Gottes, der uns auch in der Nacht nicht ohne solche Zeugen lässt, sondern uns dann einen Teil des Lichtes, das wir bei Tage aus der großen Lichtquelle im Herzen des Himmels hervorströmen sehen, als Widerschein leuchten lässt. - Deine Gemeinde und deine Heiligen, o HERR, sind der Mond und die Sterne, die durch Übermittlung der Wahrheit und durch das Licht des Beispiels unseren Füßen ein Licht sind, während wir in der Nacht, die uns befallen hat, harrend auf das Anbrechen des ewigen Tages, vorwärts wandern. Dann werden wir deine Herrlichkeit erblicken und dich sehen, wie du bist. Bischof G. Horne † 1792.
Ohne Licht wäre das Weltall eine ungeheure Totengruft. Das Sonnenlicht ist das große Mittel in der Hand des Schöpfers, die ganze irdische Schöpfung zu beleben. Eintauchend in die Feuchtigkeit des Auges bewirkt das Licht die Empfindung des Sehens; eindringend in den Saft der Pflanzen bewirkt es das Wachstum der Zellen, das Grün der Blätter, den Duft der Blüten, das Reifwerden der Früchte, die Pracht der Farben. Alle die lieblichen Farbentöne, welche den Himmel und die Erde schmücken, der Glanz der Sterne, das Blau des Himmels, die Pracht des Regenbogens, das Feuer des Diamanten, der Glanz des Goldes, das Schillern des Brillantkäfers, die Pracht der Blumen, - sie sind ein Zauber des Lichts.
Eindringend in die unteren dichteren Schichten der Atmosphäre und in die Oberfläche der Erde bewirkt das Licht die Erwärmung der Luft und des Bodens, durch welche alle Strömungen der Luft und der Gewässer, alle Entwicklung der Pflanzen und Tiere, kurz alles Leben der Erde bedingt wird. Eindringend in den Wasserdunst der Wolken entwickelt das Licht die Elektrizität des Blitzes. Es erzeugt in der gesamten Erdoberfläche die Strömungen des Erdmagnetismus. Es verwandelt sich in Wärme und bedingt als solche alle chemischen und physikalischen Bewegungen, ja die Kraft des Lichtes setzt sogar die Himmelskörper in Bewegung und hält sie im Gleichgewichte ihrer Bahnen.
Alles, was Gott erschaffen hat, zeugt von seiner Allmacht, Weisheit und Güte; aber die Wunder des Lichts stehen unter den Zeugen seiner Majestät obenan. Der Leben weckende Lichtstrahl, welcher die Nacht in Tag, Tod in Leben, die Grabesruhe des Winterfrostes in die Wonne des Frühlings umwandelt, ist zugleich der Gottesbote, welcher uns Kunde bringt von den Gliedern des unermesslichen Vaterhauses, von den Welten, die Millionen von Sonnenweiten von uns entfernt sind; er ist der Herold der ewigen Liebe, welche mit ihren unsichtbaren Banden Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit, Geist und Leib in Verbindung setzt. Die Schwingen des Lichts durcheilen den Weltraum bis an den Markstein der irdischen Schöpfung, um Leben zu wecken, Segen zu spenden, jede empfindende Seele aus dem Schlummer zur Freude in Gott zu erheben. Dr. A. N. Böhner1878.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)
Psalm 136
Erläuterungen und Kernworte
V. 9. Sterne. Als der erste Napoleon auf seinem Zuge nach Ägypten über das Mittelländische Meer fuhr, hatte er eine Schar von Gelehrten bei sich, die sich in mancher Hinsicht sehr nützlich erwiesen. Unter ihnen waren jedoch, wie in jener Zeit nicht anders zu erwarten, nicht wenige von der Schule Voltaire-Diderots. Napoleon begünstigte zu seiner eigenen Belehrung und Unterhaltung während der Fahrt Disputationen dieser Herren untereinander. Bei einer Gelegenheit unterfingen sie sich, beweisen zu wollen, dass es keinen Gott gebe, und nach ihrer Meinung gelang es ihnen auch, durch unwidersprechliche Sätze der Logik das klipp und klar zu beweisen. Bonaparte, der im innersten Grunde aller spekulativen Philosophie, allem abstrakten Denken und logischen Demonstrationen, einerlei um was es sich dabei handeln mochte, abhold war, ließ sich mit den spitzfindigen Meistern der Disputierkunst diesmal in kein Gefecht ein, sondern führte sie einfach auf Deck und sagte, auf die Sterne am klaren Nachthimmel weisend: "Ganz gut, meine Herren, aber wer hat diese alle gemacht?" George Wilson 1862.
V. 10. Auch dann waltete die Gnade über Israel, als Gericht über andere kam. Sollte das unserem Lobpreis nicht besondere Kraft verleihen? Der dunkle Hintergrund lässt die Gestalten im Vordergrunde umso deutlicher hervortreten. Andrew Alexander Bonar 1859.
V. 11. Und führte Israel heraus. Eine Auswanderung wie diese hat die Welt nie gesehen. Nach der niedrigsten Schätzung muss die gesamte Volksmenge sich auf zwei Millionen belaufen haben. (Vergl. 2. Mose 12,37 f.) Ob die Bibelleser sich von der Größe dieser Massenbewegung für gewöhnlich wohl einen Begriff machen? Denken wir uns eine Menschenmasse, die der Bevölkerung einer ganzen Provinz gleichkommt, ausziehen mit all ihrem Hab und Gut und ihrem gesamten Viehstand! Das Zusammenbringen einer so ungeheuren Menge in einer Nacht, das Anordnen des Heereszuges, die Beschaffung der nötigen Nahrung auch nur für wenige Tage, das alles wäre unter den obwaltenden Umständen ganz unmöglich gewesen, wenn nicht ein ganz besonderes Eingreifen der göttlichen Vorsehung alle Schwierigkeiten beseitigt hätte. Kaum erscheint eins der Wunder, welche die göttliche Macht in Ägypten gewirkt hatte, dem nachdenkenden Leser größer als dieser Auszug des Volkes. George Smith 1850.
V. 12. Die Bildrede von dem ausgereckten Arm ist durchaus passend. Wir strecken den Arm aus, wenn eine besondere Kraftanstrengung erforderlich ist, und eben dies will der Ausdruck besagen, dass Gott eine außerordentliche, nicht eine gewöhnliche oder kleine Erweisung seiner Macht geoffenbart habe, da er sein Volk erlöste. Jean Calvin † 1564.
V. 14. Und machte, dass Israel mitten hindurch hinüberging. (Andere Übers.) Nicht minder gütig und machtvoll als die Vorbereitung der Befreiung selbst war jenes Werk Gottes in den Herzen, da er den Seinen die Gnade gab, von dem dargebotenen Mittel der Befreiung Gebrauch zu machen, so dass sie willig und mutig hindurch gingen. Und auch nicht einer ging bei dem Übergang verloren. David Dickson † 1662.
Gar manchmal erfahren die Gerechten Heil, während es den Gottlosen übel geht (vergl. Jes. 3,10). Abraham sieht von dem Berge Sodom in Flammen. John Trapp † 1669.
V. 15. Der Pharao und sein Heer ins Schilfmeer stieß, wörtlich ausschüttelte, wie ein Baum sein Laub abwirft (Jes. 33,9). Das gleiche Wort ist 2. Mose 14,27 von der Katastrophe am Schilfmeer gebraucht. Vergl. auch Neh. 5,13. Gott schüttelte die Ägypter von sich; er war es müde, sie zu tragen, und überließ sie dem Verderben. Albert Barnes † 1870.
Ich weiß, dass die Bibel das Buch von Gottes Gnade ist, dass die Propheten viele Verheißungen der Gnade haben und sogar in den zehn Geboten ausdrücklich die Gnade erwähnt wird (2. Mose 20,6). Doch, ob auch auf jedem Blatt der Bibel Gottes Gnade verkündigt wird, so nützt diese doch den vermessenen, unbußfertigen Sünder nichts. Ist Gott von großer Langmut, so bleibt er doch der Heilige und Allmächtige. Beachte in diesem Psalm, der sechsundzwanzigmal die ewige Gnade des HERRN besingt, den krachenden Donnerschlag des vorliegenden Verses. Abraham Wright † 1690.
V. 16. Der sein Volk führte durch die Wüste. Es ist eine überaus tröstliche Wahrheit in diesem Vers enthalten, die wir uns recht zu Gemüt führen sollten. Sein Volk, sein Volk des Eigentums, seine Auserwählten und Geliebten, diese Hochbevorzugten, die er wert hielt wie seinen Augapfel, die ihm in die Hände gezeichnet waren und die er mit ewiger Liebe liebte, sie führte er durch die Wüste - denn seine Güte währet ewiglich! In einem anderen Psalm heißt es: Er leitet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser; die unfruchtbare Wüste hat aber keine grünen Auen, die sengend heiße, dürre Öde keine frischen Wasser. Und doch sollen Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Land, und es wird daselbst eine Bahn sein, und die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und gen Zion kommen mit Jauchzen, ewige Freude wird über ihrem Haupte sein (Jes. 35,6-10). Es ist eine jener köstlichen Gotteswahrheiten, die die, welche draußen sind, so in Verlegenheit bringen, Gottes Kindern aber so reichen Trost darreichen, dass die "Wüste" und die "Gnade" in unserem Vers und überhaupt in Gottes Führungen untrennbar verbunden sind. "Siehe, ich will sie locken und will sie in eine Wüste führen und freundlich mit ihr reden" (Hos. 2,16). Barton Bouchier † 1865.
Beachte, wie in diesem Vers mit dem, was vorausgeht und nachfolgt, drei Stücke der göttlichen Führung hervortreten. Er führt aus, er führt hindurch, und er führt ein: aus Ägypten durch die Wüste ins gelobte Kanaan - aus der Sünde durch die Welt in den Himmel. Er führt aus durch den Glauben, hindurch mittelst der Hoffnung, hinein durch die Liebe. Michael Ayguan † 1416.
V. 17. Dass es auch über die Vertilgung der Feinde heißt: "Seine Güte währet ewiglich ", ist so anzusehen, wie wenn ein Kind von einem Tier angefallen worden wäre, und man erlegt dem Kind zuliebe das Tier, so wäre das eigentlich ein Werk der Liebe. Ebenso erweist Gott seine Güte, wenn er den Seinigen zuliebe die Feinde erlegt. Seine Rache ist Eifer, und sein Eifer ist Liebe, und daraus fließen alle seine Werke. Karl Heinrich Rieger † 1791.
V. 19. Sihon hatte das ganze Gebiet zwischen dem Arnon und dem Jabbok inne, durch welches man hindurch musste, wenn man zum Jordan wollte. Er hatte das Land dem Vorgänger Balaks abgewonnen und seine Residenz nicht in Ar, der alten Hauptstadt Moabs, aufgeschlagen, sondern in Hesbon, der noch heute durch ihre weite Aussicht und ausgedehnten Ruinen den Reisenden auffallenden Stadt. Die Erinnerung an jenen Sieg Sihons über Moab lebte in der Nachwelt fort in einem wilden Kriegsgesang (4. Mose 21,27-29, wiederholt in Jer. 48,45 f.):
Kommt nach Hesbon!
Aufgebaut und befestigt werde die Stadt Sihons!
Ja, ein Feuer ging aus von Hesbon,
eine Flamme von der Stadt Sihons;
Die verzehrte Ar Moab,
die Bewohner der Anhöhen des Arnon.
Weh dir, Moab!
Du bist verloren, Volk des Kamos!
Er ließ seine Söhne Flüchtlinge werden,
seine Töchter Gefangene Sihons, des Königs der Amoriter.
Die entscheidende Schlacht zwischen Sihon und seinen neuen selbsterwählten Feinden, den Israeliten, fand bei Jahza, wohl an der Grenze zwischen den üppigen Weiden des Moabiterlandes und der Wüste, aus der die Israeliten herkamen, statt. Es war das erste Gefecht, in welchem diese sich den künftigen Feinden ihres Volkes gegenübergestellt sahen. Die hernach so berühmt gewordenen Schleuderer und Bogenschützen Israels zeigten hier zum ersten Mal ihre Kunst. Sihon fiel, sein Heer ward in die Flucht geschlagen, und, wie Josephus nach der Überlieferung erzählt, vom Durst überwältigt an dem Bett eines der Bergströme hingemetzelt. Das Andenken an diese Schlacht wurde in einem Triumphlied gefeiert, in welchem zunächst der soeben angeführte Gesang auf den Sieg der Amoriter über Moab mit beißendem Spott wiederholt wurde, dann aber im triumphierenden Gegensatz zu der vormaligen Größe Sihons und seines Reiches dessen nunmehriger Fall besungen wurde:
Wir beschossen sie, verloren war Hesbon bis Dibon;
wir verwüsteten bis Nophah, mit Feuer bis Medeba.
(4. Mose 21,27-29 nach der Übers. von Kautzsch.) A. P. Stanley † 1891.
V. 20. Gottes Volk erlangt einen Sieg nach dem andern. Die zweite Schwierigkeit verschwindet wie die erste. Og, dem König zu Basan, dem letzten von dem Geschlechte der Riesen (5. Mose 3,11), erging es trotz all seiner Stärke nicht besser als Sihon. Es war nicht irgendeine besondere Schwäche, welche Sihon den Untergang bereitet hatte. Alle Widersacher Gottes, mögen sie gegen einander betrachtet an Kraft und Hilfsmitteln noch so verschieden sein, sind einer wie der andere ohnmächtig gegenüber denen, die in der Kraft des HERRN wider sie zu Felde ziehen. Die Macht, in welcher der Christ den einen Feind überwindet, wird ihn befähigen, sie alle zu überwältigen. Weil jedoch Og dem Volke Israel als ein furchtbarerer Feind erschien als Sihon, gewährte Gott seinem Volke eine besondere Ermutigung vor dem Kampf gegen ihn, 4. Mose 21,34. Der HERR ist dessen wohl eingedenk, dass auch die treuesten und eifrigsten seiner Kinder und Knechte sich so schwer ganz von der Betrüglichkeit der äußeren Erscheinung losmachen können. The Pulpit Commentary 1891.
V. 9. Sterne. Als der erste Napoleon auf seinem Zuge nach Ägypten über das Mittelländische Meer fuhr, hatte er eine Schar von Gelehrten bei sich, die sich in mancher Hinsicht sehr nützlich erwiesen. Unter ihnen waren jedoch, wie in jener Zeit nicht anders zu erwarten, nicht wenige von der Schule Voltaire-Diderots. Napoleon begünstigte zu seiner eigenen Belehrung und Unterhaltung während der Fahrt Disputationen dieser Herren untereinander. Bei einer Gelegenheit unterfingen sie sich, beweisen zu wollen, dass es keinen Gott gebe, und nach ihrer Meinung gelang es ihnen auch, durch unwidersprechliche Sätze der Logik das klipp und klar zu beweisen. Bonaparte, der im innersten Grunde aller spekulativen Philosophie, allem abstrakten Denken und logischen Demonstrationen, einerlei um was es sich dabei handeln mochte, abhold war, ließ sich mit den spitzfindigen Meistern der Disputierkunst diesmal in kein Gefecht ein, sondern führte sie einfach auf Deck und sagte, auf die Sterne am klaren Nachthimmel weisend: "Ganz gut, meine Herren, aber wer hat diese alle gemacht?" George Wilson 1862.
V. 10. Auch dann waltete die Gnade über Israel, als Gericht über andere kam. Sollte das unserem Lobpreis nicht besondere Kraft verleihen? Der dunkle Hintergrund lässt die Gestalten im Vordergrunde umso deutlicher hervortreten. Andrew Alexander Bonar 1859.
V. 11. Und führte Israel heraus. Eine Auswanderung wie diese hat die Welt nie gesehen. Nach der niedrigsten Schätzung muss die gesamte Volksmenge sich auf zwei Millionen belaufen haben. (Vergl. 2. Mose 12,37 f.) Ob die Bibelleser sich von der Größe dieser Massenbewegung für gewöhnlich wohl einen Begriff machen? Denken wir uns eine Menschenmasse, die der Bevölkerung einer ganzen Provinz gleichkommt, ausziehen mit all ihrem Hab und Gut und ihrem gesamten Viehstand! Das Zusammenbringen einer so ungeheuren Menge in einer Nacht, das Anordnen des Heereszuges, die Beschaffung der nötigen Nahrung auch nur für wenige Tage, das alles wäre unter den obwaltenden Umständen ganz unmöglich gewesen, wenn nicht ein ganz besonderes Eingreifen der göttlichen Vorsehung alle Schwierigkeiten beseitigt hätte. Kaum erscheint eins der Wunder, welche die göttliche Macht in Ägypten gewirkt hatte, dem nachdenkenden Leser größer als dieser Auszug des Volkes. George Smith 1850.
V. 12. Die Bildrede von dem ausgereckten Arm ist durchaus passend. Wir strecken den Arm aus, wenn eine besondere Kraftanstrengung erforderlich ist, und eben dies will der Ausdruck besagen, dass Gott eine außerordentliche, nicht eine gewöhnliche oder kleine Erweisung seiner Macht geoffenbart habe, da er sein Volk erlöste. Jean Calvin † 1564.
V. 14. Und machte, dass Israel mitten hindurch hinüberging. (Andere Übers.) Nicht minder gütig und machtvoll als die Vorbereitung der Befreiung selbst war jenes Werk Gottes in den Herzen, da er den Seinen die Gnade gab, von dem dargebotenen Mittel der Befreiung Gebrauch zu machen, so dass sie willig und mutig hindurch gingen. Und auch nicht einer ging bei dem Übergang verloren. David Dickson † 1662.
Gar manchmal erfahren die Gerechten Heil, während es den Gottlosen übel geht (vergl. Jes. 3,10). Abraham sieht von dem Berge Sodom in Flammen. John Trapp † 1669.
V. 15. Der Pharao und sein Heer ins Schilfmeer stieß, wörtlich ausschüttelte, wie ein Baum sein Laub abwirft (Jes. 33,9). Das gleiche Wort ist 2. Mose 14,27 von der Katastrophe am Schilfmeer gebraucht. Vergl. auch Neh. 5,13. Gott schüttelte die Ägypter von sich; er war es müde, sie zu tragen, und überließ sie dem Verderben. Albert Barnes † 1870.
Ich weiß, dass die Bibel das Buch von Gottes Gnade ist, dass die Propheten viele Verheißungen der Gnade haben und sogar in den zehn Geboten ausdrücklich die Gnade erwähnt wird (2. Mose 20,6). Doch, ob auch auf jedem Blatt der Bibel Gottes Gnade verkündigt wird, so nützt diese doch den vermessenen, unbußfertigen Sünder nichts. Ist Gott von großer Langmut, so bleibt er doch der Heilige und Allmächtige. Beachte in diesem Psalm, der sechsundzwanzigmal die ewige Gnade des HERRN besingt, den krachenden Donnerschlag des vorliegenden Verses. Abraham Wright † 1690.
V. 16. Der sein Volk führte durch die Wüste. Es ist eine überaus tröstliche Wahrheit in diesem Vers enthalten, die wir uns recht zu Gemüt führen sollten. Sein Volk, sein Volk des Eigentums, seine Auserwählten und Geliebten, diese Hochbevorzugten, die er wert hielt wie seinen Augapfel, die ihm in die Hände gezeichnet waren und die er mit ewiger Liebe liebte, sie führte er durch die Wüste - denn seine Güte währet ewiglich! In einem anderen Psalm heißt es: Er leitet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser; die unfruchtbare Wüste hat aber keine grünen Auen, die sengend heiße, dürre Öde keine frischen Wasser. Und doch sollen Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Land, und es wird daselbst eine Bahn sein, und die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und gen Zion kommen mit Jauchzen, ewige Freude wird über ihrem Haupte sein (Jes. 35,6-10). Es ist eine jener köstlichen Gotteswahrheiten, die die, welche draußen sind, so in Verlegenheit bringen, Gottes Kindern aber so reichen Trost darreichen, dass die "Wüste" und die "Gnade" in unserem Vers und überhaupt in Gottes Führungen untrennbar verbunden sind. "Siehe, ich will sie locken und will sie in eine Wüste führen und freundlich mit ihr reden" (Hos. 2,16). Barton Bouchier † 1865.
Beachte, wie in diesem Vers mit dem, was vorausgeht und nachfolgt, drei Stücke der göttlichen Führung hervortreten. Er führt aus, er führt hindurch, und er führt ein: aus Ägypten durch die Wüste ins gelobte Kanaan - aus der Sünde durch die Welt in den Himmel. Er führt aus durch den Glauben, hindurch mittelst der Hoffnung, hinein durch die Liebe. Michael Ayguan † 1416.
V. 17. Dass es auch über die Vertilgung der Feinde heißt: "Seine Güte währet ewiglich ", ist so anzusehen, wie wenn ein Kind von einem Tier angefallen worden wäre, und man erlegt dem Kind zuliebe das Tier, so wäre das eigentlich ein Werk der Liebe. Ebenso erweist Gott seine Güte, wenn er den Seinigen zuliebe die Feinde erlegt. Seine Rache ist Eifer, und sein Eifer ist Liebe, und daraus fließen alle seine Werke. Karl Heinrich Rieger † 1791.
V. 19. Sihon hatte das ganze Gebiet zwischen dem Arnon und dem Jabbok inne, durch welches man hindurch musste, wenn man zum Jordan wollte. Er hatte das Land dem Vorgänger Balaks abgewonnen und seine Residenz nicht in Ar, der alten Hauptstadt Moabs, aufgeschlagen, sondern in Hesbon, der noch heute durch ihre weite Aussicht und ausgedehnten Ruinen den Reisenden auffallenden Stadt. Die Erinnerung an jenen Sieg Sihons über Moab lebte in der Nachwelt fort in einem wilden Kriegsgesang (4. Mose 21,27-29, wiederholt in Jer. 48,45 f.):
Kommt nach Hesbon!
Aufgebaut und befestigt werde die Stadt Sihons!
Ja, ein Feuer ging aus von Hesbon,
eine Flamme von der Stadt Sihons;
Die verzehrte Ar Moab,
die Bewohner der Anhöhen des Arnon.
Weh dir, Moab!
Du bist verloren, Volk des Kamos!
Er ließ seine Söhne Flüchtlinge werden,
seine Töchter Gefangene Sihons, des Königs der Amoriter.
Die entscheidende Schlacht zwischen Sihon und seinen neuen selbsterwählten Feinden, den Israeliten, fand bei Jahza, wohl an der Grenze zwischen den üppigen Weiden des Moabiterlandes und der Wüste, aus der die Israeliten herkamen, statt. Es war das erste Gefecht, in welchem diese sich den künftigen Feinden ihres Volkes gegenübergestellt sahen. Die hernach so berühmt gewordenen Schleuderer und Bogenschützen Israels zeigten hier zum ersten Mal ihre Kunst. Sihon fiel, sein Heer ward in die Flucht geschlagen, und, wie Josephus nach der Überlieferung erzählt, vom Durst überwältigt an dem Bett eines der Bergströme hingemetzelt. Das Andenken an diese Schlacht wurde in einem Triumphlied gefeiert, in welchem zunächst der soeben angeführte Gesang auf den Sieg der Amoriter über Moab mit beißendem Spott wiederholt wurde, dann aber im triumphierenden Gegensatz zu der vormaligen Größe Sihons und seines Reiches dessen nunmehriger Fall besungen wurde:
Wir beschossen sie, verloren war Hesbon bis Dibon;
wir verwüsteten bis Nophah, mit Feuer bis Medeba.
(4. Mose 21,27-29 nach der Übers. von Kautzsch.) A. P. Stanley † 1891.
V. 20. Gottes Volk erlangt einen Sieg nach dem andern. Die zweite Schwierigkeit verschwindet wie die erste. Og, dem König zu Basan, dem letzten von dem Geschlechte der Riesen (5. Mose 3,11), erging es trotz all seiner Stärke nicht besser als Sihon. Es war nicht irgendeine besondere Schwäche, welche Sihon den Untergang bereitet hatte. Alle Widersacher Gottes, mögen sie gegen einander betrachtet an Kraft und Hilfsmitteln noch so verschieden sein, sind einer wie der andere ohnmächtig gegenüber denen, die in der Kraft des HERRN wider sie zu Felde ziehen. Die Macht, in welcher der Christ den einen Feind überwindet, wird ihn befähigen, sie alle zu überwältigen. Weil jedoch Og dem Volke Israel als ein furchtbarerer Feind erschien als Sihon, gewährte Gott seinem Volke eine besondere Ermutigung vor dem Kampf gegen ihn, 4. Mose 21,34. Der HERR ist dessen wohl eingedenk, dass auch die treuesten und eifrigsten seiner Kinder und Knechte sich so schwer ganz von der Betrüglichkeit der äußeren Erscheinung losmachen können. The Pulpit Commentary 1891.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)