DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt mit den Worten

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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Joschie
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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt mit den Worten

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61. Frage: Warum sagst du, dass du allein durch den Glauben gerecht bist?

Ich gefalle Gott nicht deswegen, weil mein Glaube ein verdienstvolles Werk wäre. Allein die Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi ist meine Gerechtigkeit vor Gott. Ich kann sie nicht anders als durch den Glauben annehmen und mir zueignen.




1. Weil wir allein durch den Gegenstand des Glaubens gerecht werden, d. i. allein durch das Verdienst Christi, außer welcher unsere Gerechtigkeit keine ist, auch kein Teil derselben. Denn umsonst werden wir gerecht wegen Christus. Nichts außer Christi Verdienst kann unsere Gerechtigkeit vor Gott sein, weder gänzlich noch teilweise. Nur durch glauben und annehmen einer fremden Gerechtigkeit werden wir gerecht; nicht durch tun oder verdienen, sondern allein durch Annahme sind wir gerecht. Ausgeschlossen werden alle Werke, sogar der Glaube, sofern er eine Tugend oder Werk ist.

2. Weil der eigentliche Akt des Glaubens besteht im annehmen und sich zueignen die Gerechtigkeit Christi, ja der Glaube nichts anderes ist, als die Annahme und Ergreifung einer fremden Gerechtigkeit oder des Verdienstes Christi.

3. Weil allein der Glaube das Mittel ist, womit die Genugtuung Christi ergriffen wird. Hieraus erhellt, warum dieser ausschließlich behauptet und gegen die Papisten betont werden muss, nämlich 1. um das auszudrücken, was Paulus sagt Röm. 3,24.28: Wir werden gerecht umsonst, aus Gnade, ohne Werke; und was Christus sagt Mark. 5,36: Glaube nur. 2. Dass alle unsere Werke und Verdienste oder fremde von der Ursache der Rechtfertigung ausgeschlossen werden, und der Glaube nur als Korrelat verstanden wird. Durch den Glauben allein, d. i. allein durch Christi Verdienst werden wir gerecht. 3. Damit nicht nur all unser Verdienst, sondern auch der Glaube selbst ausgeschlossen wird von dem, was durch den Glauben empfangen wird, und der Sinn sei: Durch den Glauben allein, d. i. nicht durch verdienen, sondern annehmen werden wir gerecht, wie wenn man sagt: dieser Arme ist nur durch den Empfang von Almosen reich geworden, ohne alle Werke und Verdienste, ja sogar mit Ausschluss der Annahme des Almosens selbst, sofern dieses als Verdienst gerechnet wird. Deshalb sagt Paulus stets, dass wir gerecht werden aus dem Glauben und durch den Glauben, nie aber wegen des Glaubens, wie die Papisten wollen, welche beide Redensarten zulassen, als wenn der Glaube wäre eine Zueignung der Gerechtigkeit Christi, aber außerdem auch ein Werk oder Verdienst, wodurch wir verdienen gerecht zu sein, was mit der Natur des Glaubens schnurstracks im Widerspruch stehet. Denn wenn wir wegen des Glaubens gerecht wären, so wäre der Glaube nicht mehr die Annehmung einer fremden Gerechtigkeit, sondern wäre ein Verdienst und die Ursache eigener Gerechtigkeit und würde nicht die Genugtuung eines Andern empfangen, welche er nicht nötig hätte.

4. Damit die Notwendigkeit des Glaubens zur Rechtfertigung verstanden wird: nicht zwar durch das Verdienst des Glaubens, aber doch nur durch den Glauben, welcher Christi Gerechtigkeit annimmt, werden wir gerecht. Denn der eigentliche Act des Glaubens ist das Annehmen der Gerechtigkeit desselben.

5. Die rechtgläubigen Väter betonen oft das ausschließliche: allein durch den Glauben. So Origines: Der Apostel sagt, es genüge die Rechtfertigung des Glaubens allein, so dass wer nur glaubt gerecht wird, wenn auch kein Werk von ihm erfüllt worden sei. So Ambrosius: Diejenigen sind umsonst gerecht geworden, welche nichts wirkend und nicht gleiches mit gleichem vergeltend allein durch Gottes Gabe aus dem Glauben gerecht geworden sind. – Allein durch den Glauben werden wir also gerecht d. h. allein durch Christi Verdienst, welches der Glaube annimmt.

Dieses ist mit Bestimmtheit festzuhalten 1. wegen der Ehre Gottes, damit nicht Christi Opfer geschmälert wird, 2. wegen unseres Trostes, damit wir gewiss sein können, unsere Gerechtigkeit hänge nicht von unsern Werken ab (sonst würden wir sie tausendmal verlieren), sondern allein von dem Opfer und Verdienst Christi.
Ursinus.
Wenn du glaubest und zu Christus kommst, so musst du alle deine eigene Gerechtigkeit zurücklassen und nichts mitbringen als deine Sünde. Das ist hart! Du musst fahren lassen alle deine Frömmigkeit, Heiligung, gute Werke, Demütigungen, und musst nichts mitbringen, als deine Mängel und Elend, sonst schickt sich Christus nicht zu dir und du nicht zu Christus. Christus will ein mit nichts vermengter Erlöser und Mittler sein und du musst nichts als ein verlorener Sünder sein, oder Christus und du werden nimmer übereinkommen.
Thomas Wilcock.
Da ist Freude und Trost, wo Gerechtigkeit ist, Gerechtigkeit aber ist da, wo demütiger Glaube ist, der sich auf Gottes Gnade in Christo verlässet und alle andere Zuversicht und alles Trotzen aufgibt und unter die Füße tritt. Denn Trotz hindert Trost.
Matth. Martinius.
Ist es nicht unser Trost, schreibt der hocherleuchtete Samuel Rutherford zu Aberdeen, 1638, an die Brüder in Irland, dass Christus, der Vermittler des neuen Bundes, zwischen uns und Gott ins Mittel getreten ist, so dass nun, Gott sei Dank, unsere Seligkeit auf Christum gegründet ist? Ich würde tausendmal alles aufgegeben haben, wenn nicht Christus es auf sich genommen hätte, durch seine freie Gnade uns unsere Seligkeit zu schenken.
Ein solcher Glaube, der von sich selbst nichts, von dem Herrn Alles erwartet, glaubt nie vergeblich. Es geschieht den Elenden stets nach solchem Glauben.
Kohlbrügge.

Die Würdigkeit, lehrt Matthäus Gargon, Prediger zu Vlissingen zu Anfang des vorigen Jahrhunderts, ist keine Verdienstlichkeit bei Gott, sondern ein Zeichen seiner Barmherzigkeit, die sie um des Heilandes willen heiligt, rechtfertigt und zu Erben seines Königreiches macht. Folglich ist ihre Würdigkeit in Christo, nicht in ihnen. Und so handelt Gott mit uns wie ein Vater mit seinen Kindern, der aus Liebe getrieben ihnen hie und da wohl einige Vergeltung für erzeigten Gehorsam beweist, wenn auch nicht nach Verdienst, so doch nach seinem väterlichen Wohlgefallen. Die aber anders darüber denken, machen des Heilandes Kreuzestod zunichte, zerstören den Glauben, entkräften die Gnade, suchen Ruhm außer dem Herrn und wollen die Frucht, ehe sie den Baum haben.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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Joschie
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62. Frage: Warum können denn unsere guten Werke uns nicht ganz oder teilweise vor Gott gerecht machen?

Die Gerechtigkeit, die vor Gottes Gericht bestehen soll, muss vollkommen sein und dem göttlichen Gesetz ganz und gar entsprechen. Aber auch unsere besten Werke sind in diesem Leben alle unvollkommen und mit Sünde befleckt.


Bisher ist die wahre Lehre von der Rechtfertigung aus Glauben erklärt und bestätiget worden. Nun folgt die Widerlegung der falschen papistischen Lehre, dass wir teils durch den Glauben, teils durch die Werke gerecht werden. Der Beweis ist: Die Gerechtigkeit, so vor Gottes Gericht bestehen soll, muss durchaus vollkommen und dem göttlichen Gesetze ganz gleichförmig sein. Aber usw. Also können auch unsere besten Werke nicht unsere Gerechtigkeit vor dem Gerichte Gottes sein, weder zum Teil noch gänzlich. Das erstere erhellt aus dem Gesetze: 3. Mos. 18,5: Wer das tun wird, wird darin leben. 5. Mos. 27,26: Verflucht ist, wer nicht bleibt in allem usw. Das andere ist offenbar. Denn wir tuen viel Böses, was wir unterlassen sollten, und viel Gutes unterlassen wir, was wir tun sollten, ja dem Guten, das wir tun, hängt viel Böses an, d. i. das Gute tun wir böse. Dies bezeugen die Klagen der Heiligen und die tägliche Bitte: Vergib uns unsere Schulden. Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte usw. (Psalm 143,2.) Unvollkommene Werke können daher keine vollkommene Gerechtigkeit sein.
Dieses 1. ist der Grund, warum wir durch die Werke nicht gerecht werden, weil nämlich unsere Gerechtigkeit unvollkommen ist, da unsere Werke unvollkommen sind. Denn 2., wenn auch unsere Werke vollkommen wären, so sind sie doch schuldige, so dass wir durch dieselben keine vergangenen Vergehungen austilgen können. Denn wenn ihr alles getan habet, müsset ihr sagen: wir sind unnütze Knechte, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren. (Luk. 17,10) 3. Sie sind nicht unsere Werke, sondern Gottes, der sie in uns wirkt. 4. Sie sind zeitlich und haben keine Ähnlichkeit mit den ewigen Gütern. Zwischen dem Lohn und Verdienst muss aber eine Ähnlichkeit bestehen. 5. Sie sind die Wirkung der Rechtfertigung, also nicht die Ursache. 6. Würden wir sonst etwas haben, dessen wir uns rühmen könnten; dagegen heißt es: Nicht aus den Werken, damit sich niemand rühme. (Eph. 2,9; Röm. 4,16; Gal. 2,21) 7. Das Gewissen wäre ohne zuverlässigen Trost. 8. Christus wäre vergeblich gestorben. 9. Es wäre nicht derselbe Weg des Heils in beiden Testamenten, wenn Abraham wäre gerecht geworden allein durch den Glauben, wir aber gerecht würden durch die Werke entweder allein oder in Begleitung des Glaubens. 10. Christus wäre kein vollkommener Heiland, weil außer ihm irgend ein Teil von Gerechtigkeit und Seligkeit wäre. Ursinus.
Abraham Scultetus lässt sich in seiner Kirchenpostille also vernehmen: Die guten Werke der Menschen sind nicht eine Ursache, warum die Menschen von Gott dem Herrn erwählet seien, zumal geschrieben stehet, Gott habe uns erwählet nach dem Wohlgefallen seines Willens (Eph. 1,5) und an einem andern Ort (Röm. 1,6): Ist’s aus Gnaden, so ist’s nicht aus Verdienst der Werke, sonst wird Gnade nicht Gnade sein. Ist’s aber aus Verdienst der Werke, so ist die Gnade nichts, sonst wäre Verdienst nicht Verdienst. So folgen auch die guten Werke auf die Gnadenwahl, nicht aber die Gnadenwahl auf die guten Werke. (1. Tim. 1,9; Röm. 3,29) Wie nun Gott nicht die guten Werke, also hat er auch den Glauben nicht angesehen, dass er uns deswegen erwählte, denn der Glaube ist eine Gabe Gottes.

Der sterbende Richard Baxter bekannte in Demut des Herzens: Mich wundert, dass Gott sich zu den Menschen so gnädig herablasset. Herr, was ist der Mensch, und was bin ich elender Erdenwurm gegen Dich, den großen Gott! Nachdem er ein wenig geschlummert hatte, sprach er: Nun soll ich ruhen von meiner Arbeit. Und als ein Prediger, der ihn besucht hatte, sagte: Und Euere Werke folgen Euch nach antwortete er: Nicht Werke; ich will nichts von Werken wissen, wenn mir Gott das andere geben will. Gott könnte mich rechtmäßig verdammen für das beste Werk, das ich jemals getan habe. Alle meine Hoffnung bestehet auf der freiwilligen Barmherzigkeit Gottes in Christo. Gott sei mir Sünder gnädig.
Ob du auch an allen deinen Werken verzweifeln musst, ob du auch wie Petrus geschworen hast, dass du des Menschen Sohn nicht kennest, ob du auch wieder ganz von vorne anfangen musst und nichts hast: verzweifle nimmer an dem Hirten, der für dich geschlagen ist. Du bleibst sein Jünger, Er bleibt dein Meister. Gib Ihm die Ehre in allen deinen Sünden, dass keine Sünde dich von seiner Liebe scheiden könne. A. Zahn.
Mit seinen Werken kann man sich wohl die Hölle, aber nimmer den Himmel verdienen.
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Joschie
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63. Frage: Verdienen aber unsere guten Werke nichts, obwohl Gott sie doch in diesem und dem zukünftigen Leben belohnen will?

Diese Belohnung geschieht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnade.


Keineswegs wird hierdurch das päpstliche Vorgeben vom Verdienst der Werke bestätigt, wenn
man also folgern will: Wo ein Lohn ist, da sei auch ein Verdienst; weil dein Gott die guten Werke mit dem ewigen Leben wolle belohnen, so folge, dass auch das ewige Leben durch gute Werke verdienet werde. Antwort: Die h. Schrift gedenkt zweierlei Lohnes, eines verdienten, wie etwa eines gedingten Knechtes oder Taglöhners (Jak. 5,4), oder eines Gnadenlohnes, welcher nicht aus und nach Verdienst, sondern aus Gnaden gegeben wird, wie etwa eines Kindes Lohn, das seines Vaters Gut erbt. Nun sind wir und alle anderen Gläubigen Kinder und Erben Gottes und Miterben Jesu Christi. (Röm. 8,17) Unser Erbe aber ist das ewige Leben. (Gal. 3,18; Eph. 1,11.) Und also wird die ewige Seligkeit den auserwählten Kindern Gottes als ein unverdientes Kindesteil und Erbgut aus Gnaden erteilt.


Denn obwohl niemand in diesem Leben die Gebote Gottes vollkommen halten kann, daher, wenn wir alles getan hätten, was uns befohlen worden, wir dennoch bekennen müssen: wir sind unnütze Knechte, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren (Luk. 17,10): so belohnt dennoch Gott die guten Werke seiner Gläubigen, aber nicht aus oder nach Verdienst, oder aus Pflicht und Schuldigkeit, sondern aus Gnaden, weil ihm solche Werke angenehm sind in Christo. Und das ist Gnade über Gnade, dass unsere Werke nicht sollen unbelohnt bleiben.
Hieraus erscheint, dass das Wörtlein „Lohn“ in der h. Schrift gleichnisweise vom ewigen Leben gebraucht wird. Denn gleichwie der Lohn einem Arbeiter nach gehabter und vollendeter Arbeit und Mühewaltung gegeben wird, und daher ein solcher in seiner harten und sauren Arbeit sich tröstet, dass er endlich nach verrichteter Arbeit am Feierabend seinen Lohn einnehmen werde, davon er sich ergötzen und erquicken mag: also wenn wir nach gehabter und ausgestandener Müh und Arbeit im Weinberge des Herrn den Lauf dieses Lebens dermaleinst vollendet und den Glauben und ein gutes Gewissen behalten haben, so werden wir aus Gnaden die Krone der Gerechtigkeit, das ewige Leben empfangen. (2. Tim. 4,8) Und Röm. 6,23; Eph. 2,8 bezeugt der Apostel, dass das ewige Leben und die Seligkeit ein lauteres Gnadengeschenk Gottes sei. Der getreue Gott krönet in uns seine selbsteigenen Gaben, wie Augustinus gar schön davon redet, das ist, sofern Gott unsere Werke belohnet, sofern sind sie nicht unser, sondern Gottes. Johann Salmuth um 1618 zu Amberg.
Nicht ein verdienter Lohn, den sie erworben hätten und den Gott ihnen zu geben schuldig wäre, sondern ein Gnadenlohn, den Gott aus Gnaden verheißen hat und aus Gnaden schenken will. Wir arme Menschen verdienen nichts, alle unsere Seligkeit; ihr Anfang, Mittel und Ende ist ein lauteres Gnadengeschenk der freien Güte und Barmherzigkeit Gottes. Aus Gnaden seid ihr selig durch den Glauben. (Eph. 2,6) Nach seiner Barmherzigkeit macht uns Gott selig. (Tit. 3,5) Wer hat dem Herrn etwas zuvor gegeben, das ihm wieder vergolten werde? (Röm. 11,35) Christus Jesus hat es alles verdient und Gottes Barmherzigkeit sieht uns in Jesu Christo an. Wir unsers Teils müssen sagen: wenn wir alles getan haben usw. (Luk. 17,10) Wie fromme Eltern ein Kind lohnen nicht nach verdienter Schuldigkeit, sondern nach selbstwilliger Liebe und Gütigkeit: also ist das ewige Leben die Gabe Gottes (Röm. 6,23), und ein seliges unverwelkliches Erbe der Kinder Gottes, das er in Christo Jesu ihnen bereitet hat. (1. Petr. 1,4) Darum heißt es: Ihre Werke folgen ihnen nach. (Offb. Joh. 14,13) Wenn es verdienende Werke wären, würden sie vorangehen, aber das tun sie nicht. Christi Werke und die durch ihn einmal vollbrachte teure Erlösung, die gehen voran, durch sie ist uns der Weg zum Himmel und die Türe ins ewige Leben eröffnet. Christus Jesus ist schon da und hat Raum für uns gemacht. Wir kommen nur mit unsern nachfolgenden Werken, das in Besitz zu nehmen, was durch ihn erworben ist, und aus seiner Gnadenhand die Kronen zu empfangen. (Offb. Joh. 4,10.11)
Franz Christian Rötscher, Hofprediger in Cüstrin 1678.

In seiner am 16. Februar 1620 zu Olmütz in Mähren gehaltenen Predigt über die Arbeiter im
Weinberge, Matth. 20, sagt Abraham Scultetus:
Wer im Weinberge des Herrn treulich arbeiten und Gott dem Herrn gefallen will, soll nicht stolzieren wegen seiner Arbeit. Denn solche stolze Arbeiter sollen von dem Angesichte Gottes verstoßen und ewiglich verdammet werden. Das bezeugt der Herr Christus: Die Ersten werden die Letzten sein, die Ersten sind die, welche sich für die Ersten ausgaben und ihrer vielfältigen guten Werke halber allein Anderen wollten vorgezogen sein. Er meint aber die Juden, welche immerdar rühmten, sie wären Gottes Volk, sie dienten Gott dem Herrn, vermaßen sich deshalb selbst, dass sie fromm wären, und verachteten die Anderen. Den verdienten Groschen haben sie empfangen, nicht aber den Gnadengroschen. In weltlichen Sachen können diese beiden einerlei Groschen sein, nicht aber in geistlichen. Im Handel unserer Rechtfertigung und Seligkeit kann nimmer das ewige Leben ein verdienter Groschen sein. Gott lässt sich den Himmel nicht abverdienen, sondern man muss ihm denselben abbeten. Auch wird man kein Exempel in der ganzen h. Schrift finden, dass jemals ein Heiliger sich unterstanden hätte, mit Gott zu rechten und ihm den Himmel als einen verdienten Groschen abzufordern. David sagt Ps. 143: Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte. Und die ganze Kirche bei Jesaja Kap. 64: Wir sind allesamt wie die Unreinen. So Daniel und die andern Gläubigen in Babel (Dan. 5): Hier liegen wir nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. In Summa: wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Christum Jesus geschehen ist. (Röm. 3) Nicht um der Werke willen, die wir getan haben, sondern aus seiner Barmherzigkeit macht er uns selig. (Tit. 3) Die murrenden Arbeiter empfingen auch ihren Groschen, den sie verdient hatten, die ewige Verdammnis. Solche murrende Arbeiter sind die stolzen Werkheiligen, die auf ihrem Wahne bleiben und behaupten wollen, dass ein Mensch mit seinen Werken den Himmel verdienen könne. Die Auserwählten aber werden nicht murren, wenn sie den Groschen des ewigen Lebens empfangen werden, sondern sie werden sich herzlich freuen und Gott dem Herrn dafür danken.

Johann Philipp Mylaeus schreibt in seiner Postille zu Matth. 25:
Dass wir die Seligkeit mit unseren guten Werken nicht können verdienen, ist aus dem Texte abzunehmen. Denn erstlich nennt Christus die Auserwählten Gesegnete des Vaters. Sind sie nun Gesegnete, so sind sie durch den gebenedeiten Weibes Samen Christum gesegnet, denn der ist für uns ein Fluch worden, auf dass er für uns den Segen erlangte. Gal. am 3. Zudem bezeugt der Herr allhier, das Reich Gottes sei ein Erbgut, das uns von Anfang der Welt her bereitet sei. Ist es denn ein Erbgut, so ist es kein Verdienst, denn wie hätten wir können etwas verdienen, ehe denn die Welt erschaffen und ehe wir zur Welt geboren gewesen sind? So sollen wir auch nicht gedenken, dass sich die ewige Wahl Gottes sollte gründen auf den freien Willen des Menschen und auf seine guten Neigungen, die Gott in uns sollte erschaffen haben. Wie denn etliche, auf gut Pelagianisch, vorgeben, es seien alle Menschen zur Seligkeit erwählet, es stehe allein bei dem Menschen, ob er in solcher Seligkeit bleiben und verharren wolle. Aber die Schrift bezeugt allenthalben, dass der Glaube und alle guten Werke allein aus der Gnade Gottes her fließen, und dass solche Gaben allein uns und allen Auserwählten widerfahren, wie St. Paulus schreibt (Eph. 1): Er habe uns in Christo zur Seligkeit erwählet, ehe der Welt Grund gelegt worden; und anderswo (Apg. 13) steht, dass durch die Predigt des Paulus gläubig geworden seien, soviel ihrer vorordnet seien gewesen zum ewigen Leben.
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Frage 64.
Macht aber diese Lehre die Menschen nicht leichtfertig und gewissenlos?

Nein; denn es ist unmöglich, dass Menschen, die Christus durch wahren Glauben eingepflanzt sind, nicht Frucht der Dankbarkeit bringen.


Marcus Beumler, Diener der Kirche zu Zürich, hat in seinem 1595 veröffentlichten Büchlein:
„Der christlich Glaub“ geschrieben:
Auf dass den Gleisnern und Maulchristen aller falscher Schein benommen werde, so ist hier wohl zu behalten, dass der rechte Glaube sich durch die guten Werke d. i. durch die Werke der Liebe, die Buße, die Bekehrung und die Wiedergeburt erweiset und offenbaret, wie ein guter Baum durch seine Frucht anzeigt und beweist, dass er ein guter Baum sei. (Gal.5,6.) Dasselbe bezeugt er von der Lehre von der Gnadenwahl: dieselbe gebiert bei den rechten Kindern Gottes kein gottloses Leben, sondern vielmehr eine kindliche Furcht, einen Eifer zu Gottes Wort und zu allen guten Werken, wie St. Paulus dieses erklärt. (Phil. 2,12.13)

Johann Taffin bekennt, dass kein kräftigerer Beweggrund sei, uns zur Besserung unseres Lebens zu bringen, als die Betrachtung und die Gedächtnis unserer Erwählung und der Liebe Gottes gegen uns, welche daraus hervorleuchtet. Das bestätiget klar St. Paulus an die Römer. Nachdem er im 9., 10. und 11. Kapitel weitläufig von der Erwählung und Verwerfung geredet, ziehet er daraus zu Anfang des 12. Kapitels diese bewegliche Ermahnung zur Besserung ihres Lebens: Ich bitte euch, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euere Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Er muntert sie auf zur Betrachtung der großen Barmherzigkeit Gottes, die in ihrer Erwählung zur Seligkeit hervorleuchtet, damit zu verstehen zu geben, wie hoch sie verpflichtet seien durch dieselbe und wie sie also geneigt gemacht werden, ihr Leben zu bessern. So oft wir uns also faul und träge zum Dienste Gottes finden, oder auch versucht werden, ihn zu beleidigen, so sollen wir uns unserer Erwählung erinnern, wie auch der Liebe und Barmherzigkeit Gottes als des Grundes derselben, auf dass wir uns ermuntern, Gott zu lieben und diese Liebe durch eine ernsthafte und stetige Besserung unseres Lebens zu erweisen.


Scultetus:
Mit dem Spruche: Viele sind berufen, wenige sind auserwählt (Matth. 20) gibt uns Christus so viel zu verstehen, weil allein die Auserwählten den Gnadengroschen des ewigen Lebens davon bringen, und deshalb nicht allein der Anfang und Mittel, sondern auch das Ende unseres Glaubens und die Beharrung im Glauben allein von der Erwählung, und also von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes herrühret, so sollen wir ja nicht stolz und vermessen sein, wenn wir gleich noch so viel getan oder gelitten hätten im Weinberge Gottes, sondern vielmehr uns vor Gott demütigen und an seiner Gnade allein kleben, weil doch an derselben alles gelegen ist, und wir sonst, wenn wir schon ziemlich weit gekommen wären auf dem Wege des Lebens, dennoch endlich zurückfallen und auf den Höllenweg geraten würden, da uns nicht Gott mit seiner Hand halten und erhalten sollte zur Seligkeit. Daraus zu sehen, dass die Lehre von der Gnadenwahl keineswegs zur Sicherheit und Vermessenheit Anlass gebe, wie etliche sagen. Das Widerspiel ist wahr. Kein Hammer kann das stolze Herz des Menschen also mürbe machen und weich, und dasselbe zur Demut bewegen, als eben die Lehre von der Gnadenwahl. Denn wie kann’s doch möglich sein, dass ein Mensch sollte stolz und vermessen sein, der da bedenkt, dass er von sich selbst auch nicht könne anfangen zu glauben, wenn ihm Gott nicht den Glauben gegeben hätte, und ob er gleich angefangen, dass er doch keinen Augenblick in solchem Glauben könne beständig bleiben, wenn ihn Gott nicht durch seine Macht im Glauben erhielte. Unmöglich ist es, dass ein Mensch, der das recht bedenkt, nicht solle mit Furcht und Zittern sein Heil schaffen, und mit jenem frommen Märtyrer allezeit beten: Ach Herr, verlass mich nicht, auf dass ich Dich auch nicht verlasse. Du hast, mir den Anfang des Glaubens gegeben, verleih mir auch Beständigkeit zu meiner Seele Seligkeit. So höre ich aber doch, möchte jemand denken, dass gleichwohl diese Lehre eine solche ist, welche den Menschen nicht tröstet, sondern schrecket. Antwort: Es ist nicht ohne, dass in diesem Texte ( Matth. 20) die Lehre von der Gnadenwahl nicht eben zum Troste eingeführt wird, sondern zum Schrecken, damit der Mensch von der Hoffart abgeschreckt und demütig gemacht werde. Aber sonst ist es eine recht tröstliche Lehre, wie denn im 8. Kap. an die Römer und in andern Orten der Schrift zum Fundament alles unseres Trostes gesetzt wird. Nur müssen wir sie in rechter Ordnung betrachten. Das ist aber die rechte Ordnung, dass man sie von unten, nicht aber von oben betrachte, d. i. der Mensch muss sich nicht unterstehen, den geheimen Rat Gottes zu erforschen und in das Buch des Lebens zu gucken, denn das ist vergeblich. Gott lässt sich auch nicht ins Buch gucken, er hat’s verschlossen und versiegelt, wie der Apostel Paulus sagt: Der feste Grund Gottes bestehet und hat dieses Siegel: der Herr kennet die Seinen. – Wüsste ich nur, ob ich auserwählt wäre? Antwort: Das kannst du wohl wissen. Das Siegel, das Gott auf das Buch des Lebens aufgedrückt, hat noch eine Überschrift: Es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Jesu nennet. Das sind die Kennzeichen der Erwählten: sie nennen den Namen Jesu, sie treten ab von der Ungerechtigkeit. Findest du das bei dir, wohl dir, du hast ein lebendiges Zeugnis bei dir, dass dein Name im Himmel angeschrieben und dass du ein auserwähltes Kind Gottes seiest, und kannst daraus mit Freuden schließen: Wenn ich denn in der Zahl der Auserwählten bin, so gehören mir auch die Güter der Auserwählten, so gilt mir auch der Trost der Auserwählten: die Auserwählten können nicht verführet werden und nicht verloren werden. Nimmermehr sollen sie umkommen, spricht Christus, ich gebe ihnen das ewige Leben. Wohlan, mögen denn einreißen alle Rotten und Ketzereien, ich werde nicht verführet werden. Es mögen daher sausen und brausen alle Trübsale und Anfechtungen, ich werde nicht umkommen. Gott hat mich in seine Hand gezeichnet, er wird meiner nicht vergessen. Christus hat mich mit seiner starken Hand gefasst, Er wird mich wohl erhalten. Niemand wird mich herausreißen, weder die Sünde, denn die Gnade ist mächtiger, noch Satan, denn Christus ist stärker, noch der Tod, er ist in den Sieg verschlungen. In Summa, ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben usw. mich scheiden mag von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist unserm Herrn.

Frucht der Dankbarkeit hervorbringen. Der Reformator Martin Bucer schreibt darüber:
Es ist am Tage, dass aller Welt Weisen das fromme Leben so vollkommen nicht haben dar geben können, als uns das in göttlicher Schrift dar gegeben ist. Der halben sollten wir doch greifen, dass die Schrift aus Gott ist, und ihr einfältig Glauben geben. Und so wir denn wissen, dass Gott nichts denn ewige Güte ist, uns aller Güte befleißen, und demnach wir uns nur zum Bösen geartet finden, uns an Christum unsern Herrn in wahrem Glauben gänzlich ergeben, so würde uns geholfen und hernach auch anderen durch uns genutzt. Dieses alles, ist wohl wahr, muss der Herr in uns wirken, der Vater muss zu Christo ziehen. Wo Er aber das tut, gibt sich auch hierauf des Menschen Sinn und Herz und all sein Vermögen, und lasset alle andere vorwitzige, gottlose Gedanken und Fragen fahren, glaubet, Gott habe ihn erwählet und zum ewigen Leben verordnet, sei und wolle in ihm alles Gute wirken. Dieser Gnade und Berufung wollte er dann gern gemäß leben und sich dankbar beweisen von ganzem Herzen, ganzer Seele und allen Kräften.

Urbanus Pierius zu Bremen schreibt 1603 wider Philipp Nicolai zu Hamburg, der über der Lehre der Gnadenwahl die Reformierten des Türkenglaubens beschuldigte:
Das ist dieser Leute Art, wenn sie nirgends hinaus wissen und sehen, dass sie verloren haben … Aber daran soll sich kein Christ ärgern, der da weiß, dass auch Christus für einen Beelzebub, Aufrührer und Gotteslästerer ist ausgeschrieen worden. In Christo hat uns Gott erwählet, ehe der Welt Grund geleget ward. Eph. 1. Und der feste Grund Gottes bestehet und hat dieses Siegel: der Herr kennet die Seinen. 2. Tim. 2. Dies stehet, so zu sagen, inwendig im Buche Gottes. Aber auswendig stehet darauf geschrieben: Es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennet, d. i. man soll an Christum glauben und den Glauben mit guten Werken beweisen, und danach nicht zweifeln, dass man erwählet sei. Also haben wir allezeit gelehrt und lehren noch so. Und Zwingli schreibt in den Schlussreden: Wenn ich meine Ohnmacht ermesse und finde, dass ich nicht also zu sein vermag, noch irgend jemand von sich selbst, so vernehme ich inmitten dieser Angst die gewisse, gute Botschaft: Christus ist dein Heil, du bist nichts, du vermagst nichts, Christus ist der Anfang und das Ende, Er ist alles, vermag alles, dem vertraue zuversichtlich dein Heil, sonst werden dich alle Kreaturen betrügen; denn sie können vor Gott nicht als rein erkannt werden und deshalb nicht für dich bezahlen. Aber Christus, der Gerechte, der Unschuldige, macht dich rein, Er ist die Gerechtigkeit für uns und für alle, die vor Gott gerecht worden sind. Hier wenden aber die Vorwitzigen dieser Zeit folgendes ein: Diese Lehre bildet leichtsinnige Leute. Denn hängt alles von der Bezahlung Christi ab, so wird jeder sich darauf zu gute tun und desto ärger sündigen; denn Christus bezahlet ja für alles. Aber wende ein, was du willst, es liegt uns nichts daran; das ist dennoch die Summe des Evangelien (gegenüber allen Verdächtigungen der guten Lehre unserer Kirche seitens der Römischen und aller übrigen Werktreiber unserer Tage).

Der Krankenbesucher und Vorleser an der großen Kirche zu Dordrecht zu Mitte des vorigen Jahrhunderts Dingeman Ouboter schreibt zu unserer Frage:
Dies ist eine schmutzige und bösartige Lästerung parteiischer Menschen, denen die Kraft der Wahrheit der reinen Gnadenlehre zu stark ist und die lieber lästern wollen, als der Wahrheit gehorsam sein. O äußerste Torheit und Bosheit gegen den Herrn! Was ist nicht für ein Bedenken des Fleisches vorhanden bei dem natürlichen Menschen, welches feindlich und blind ist gegen alle die Seele beseligenden Wahrheiten Gottes! Aber wir kehren uns keineswegs an solche, denn das alles ist das alte Geschwätz, welches die Werkheiligen pflegen gegen die freie Gnadenlehre einzubringen und zu singen als Liedlein s. Röm. 3,8.
Die Päpstlichen haben von jeher bis heute die Bekenner der evangelischen Wahrheit mit dem Namen Ketzer genannt, aber Matth. 5,11.12.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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