Seite 3 von 3

Aufzählung der Wesenseigenschaften Gottes

Verfasst: 05.03.2026 08:07
von Joschie
Die Unbedingtheit Gottes (Teil.1)

Herr allen Seins! Du allein kannst von Dir sagen: ICH BIN, DER ICH BIN. Doch wir, die nach Deinem Bilde geschaffen sind, können für uns nur »Ich bin« wiederholen, und bekennen damit, daß wir von Dir herkommen und unsere Worte nur ein Echo Deiner eigenen sind. Wir anerkennen Dich als das große Original, dessen dankbare, wenn auch unvollkommene Bilder wir durch Deine Güte sind. Wir beten Dich an, o ewiger Vater. Amen.

»Gott hat keinen Ursprung«, schrieb Novatian, und eben diese Ursprungslosigkeit ist es, wodurch sich das Was-Gott-Ist von allem unterscheidet, was nicht Gott ist.

Ursprung ist ein Wort, das nur in Verbindung mit erschaffenen Dingen gebraucht werden kann. Gott jedoch existiert in sich selbst, er ist unbedingt, während alles Erschaffene logischerweise irgendwo und irgendwann seinen Anfang genommen hat. Nur Gott allein hat seinen Ursprung in sich selbst.

Indem wir uns bemühen, den Ursprung der Dinge zu entdecken, bekunden wir unseren Glauben, daß alles von dem Einen erschaffen wurde, den niemand erschaffen hat. Unsere Erfahrung lehrt uns, daß alles von etwas anderem herkommt. Alles Bestehende muß eine Ursache haben, die schon vorher da war und die dem Neuen mindestens gleichwertig ist, da etwas wesensmäßig Geringeres nichts Größeres hervorbringen kann. Jede Person oder jede Sache kann beides zusammen sein: Wirkung und Ursache anderer Wirkungen. Gott dagegen, der die Ursache für alles ist, ist durch nichts verursacht.

Wenn ein Kind fragt: »Woher kommt Gott?«, so gesteht es damit ungewollt ein, daß es auch Gott für erschaffen hält. Der Gedanke an Ursprung und Ursache ist bereits fest in seiner Vorstellung verankert. Es weiß, daß alles ringsumher von etwas anderem herkommt und dehnt diese Vorstellung einfach auch auf Gott aus. Dieser kleine Philosoph denkt in den Maßstäben eines Geschöpfes, und seine Überlegung wenn man den Mangel an grundlegender Information berücksichtigt - ist daher berechtigt. Man muß ihm erst sagen, daß Gott keinen Anfang hat; doch dies zu erfassen wird für ihn nicht leicht sein, weil er mit einer völlig ungewohnten Kategorie bekannt gemacht wird. Dies läuft der allen intelligenten Wesen innewohnenden Neigung zuwider, allem einen Ursprung zuzuschreiben - eine Neigung, die sie dazu treibt, immer weiter zurückzutragen, um die Anfänge zu entdecken. Fest an das zu glauben, worauf sich der Ursprungsgedanke nicht anwenden läßt, ist nicht leicht, vielleicht sogar unmöglich. So wie man einen kleinen Lichtpunkt nur dann sehen kann, wenn man den Blick leicht auf die Seite und nicht direkt ins Licht richtet, also gewisse Bedingungen einhalten muß, verhält es sich auch mit der Vorstellung des Unerschaffenen. Wenn wir unsere Gedanken auf den Einen zu konzentrieren versuchen, der nicht erschaffen wurde, so erkennen wir vielleicht überhaupt nichts; denn er wohnt in einem Lichte, dem niemand nahen kann. Nur durch den Glauben und die Liebe können wir einen flüchtigen Blick auf ihn werfen, während wir in der Felsenkluft geborgen sind und ihn vorübergehen sehen (2 Mo 33,18-23). »Und obwohl dieses Schauen sehr schwach, vage und allgemeiner Natur ist«, sagt Miguel de Molinos, »bewirkt es, da es übernatürlich ist, ein deutlicheres und vollkommeneres Erkennen Gottes als irgendeine besondere Vorstellung, die man sich in diesem Leben bilden kann, da alle spür und fühlbaren Vorstellungen von Gott unendlich weit von ihm selbst entfernt sind.«

Dem erschaffenen menschlichen Geist ist es bei dem Gedanken an den Unerschaffenen begreiflicherweise unbehaglich zumute. Die Gegenwart eines Wesens zu akzeptieren, das gänzlich außerhalb unseres gewohnten Wissensbereiches steht, fällt uns nicht leicht. Die Vorstellungen von Einem, der uns das Dasein nicht begründet, keinem Rechenschaft schuldet, selbst-existent, unabhängig und in sich selbst genügsam ist, beunruhigen uns.

Philosophie und Wissenschaft stehen der Gottesidee nicht immer freundlich gegenüber. Der Grund dafür liegt in deren Bemühen, Dinge erklären zu wollen, und in ihrer Ungeduld allem gegenüber, das sich diesem Bemühen widersetzt. Sowohl der Philosoph wie der Wissenschaftler gibt zu, daß es viel gibt, was er nicht weiß. Aber das ist etwas ganz anderes als einzugestehen, daß es etwas gibt, das sie niemals wissen können und das sich dem Zugriff ihrer Techniken und Methoden entzieht. Zugegeben, daß es Einen gibt, der jenseits unseres Begreifens steht, der sich in keine unserer üblichen Kategorien einordnen läßt und sich nicht unserem neugierigen Forschen unterwirft all das erfordert ein beträchtliches Maß an Demut, jedenfalls mehr, als die meisten von uns besitzen. So wahren wir das Gesicht, indem wir Gott durch unser Denken auf unsere Ebene herunterholen oder zumindest dahin bringen, wo wir ihn handhaben können. Aber wie sehr entzieht er sich solchen Bestrebungen! Denn er ist überall und doch zugleich nirgendwo; denn »wo« hat mit Materie und Raum zu tun, und Gott ist von beidem unabhängig. Er steht jenseits von Zeit und Bewegung, ist völlig unabhängig und schuldet keiner der aus seinen Händen hervorgegangenen Welten irgend etwas.

Zeitlos, raumlos, einzig, einsam,
Doch erhabene Drei,
Du bist vornehm, immer allein,
Gott in Einigkeit.
Allein in Herrlichkeit, allein in Ehre -
Wer soll die herrliche Geschichte Deiner Existenz erzählen?
Ehrfurchtgebietende Dreieinigkeit !
FREDERICK W. FABER