Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon
Moderatoren: Der Pilgrim, Anton, Peter01
Psalm 132
11.
Der HERR hat David einen wahren Eid geschworen,
davon wird er sich nicht wenden:
"Ich will dir auf deinen Stuhl setzen
die Frucht deines Leibes.
12.
Werden deine Kinder meinen Bund halten
und mein Zeugnis, das ich sie lehren werde,
so sollen auch ihre Kinder
auf deinem Stuhl sitzen ewiglich."
13.
Denn der HERR hat Zion erwählt
und hat Lust, daselbst zu wohnen.
14.
"Dies ist meine Ruhe ewiglich,
hier will ich wohnen; denn es gefällt mir wohl.
15.
Ich will ihre Speise segnen
und ihren Armen Brot genug geben.
16.
Ihre Priester will ich mit Heil kleiden,
und ihre Heiligen sollen fröhlich sein.
17.
Daselbst soll aufgehen das Horn Davids;
ich habe meinem Gesalbten eine Leuchte zugerichtet.
18.
Seine Feinde will ich mit Schanden kleiden;
aber über ihm soll blühen seine Krone."
11. In diesen Versen haben wir ein herrliches Gebet vorliegen, von einer Art, die stets bei unserem Gott wirksam ist; denn es ist ein Flehen, das sich auf des HERRN eigene Bundesverheißungen beruft. Der HERR hat David einen wahren Eid geschworen. Wir können bei unserem dringenden Flehen Gott nichts vorhalten, was seinem eigenen Wort und Eid gleichkäme. Jehovah schwört, damit unser Glaube in sein Wort feste Zuversicht setze; er kann nicht mehr geloben, als er zu halten vermag. Was er schwört, ist die lautere Wahrheit; es wird gewisslich eintreffen. Menschen mögen zu Meineidigen werden, aber niemand wird so gottlos sein, dies von dem Gott der Wahrheit zu denken. Durch den Propheten Nathan war dieser Bund Jehovahs dem David übermittelt worden, und es konnte dabei keine Täuschung geben. Davon wird er sich nicht wenden. Jehovah ist kein wetterwendisches Wesen. Er geht nie von dem ab, was er beschlossen, geschweige denn von seiner feierlich durch einen Eid bekräftigten Zusage. Er, Jehovah, wandelt sich nicht (Mal. 3,6). Er ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue. Sollte er etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten? (4. Mose 23,19.)
Auf was für Felsengrund stehen doch diejenigen, die einen unveränderlichen Eidschwur Gottes unter den Füßen haben! Wir wissen, dass dieser Bund in seinem tiefsten Sinne mit Christus, dem geistlichen Samen Davids, geschlossen worden ist, denn Petrus redet davon zu Pfingsten deutlich (siehe Apg. 2, 29-31, besonders V. 30). Christus also sitzt auf einem sicheren Thron für immer und ewig, denn er hat den Bund gehalten (V. 12 in unserem Psalm), und durch ihn kommt der Segen über Zion (V. 13), dessen Arme (V. 15) in ihm gesegnet werden. Ich will dir auf deinen Stuhl setzen die Frucht deines Leibes.Jesus entstammte dem Geschlechte Davids, wie die Evangelisten sorgfältig berichten; er war "von dem Hause und Geschlechte Davids" (Lk. 2,4; 1,32 usw.). Er ist der König der Juden, und der HERR hat ihm auch die Heiden zum Erbe gegeben. Er muss herrschen, und seines Königreichs wird kein Ende sein. Gott selber hat ihn auf den Thron gesetzt, und keine Empörung, weder von Menschen noch Teufeln, kann seine Herrschaft erschüttern. Die Ehre Jehovahs ist damit, dass er auf dem Thron bleibt, unlöslich verknüpft, darum ist seine Regierung nie in Gefahr; denn der HERR wird nicht zulassen, dass sein Eid zu Schanden werde.
12. Werden deine Kinder (wörtl.: Söhne) meinen Bund halten und mein Zeugnis, das ich sie lehren werde. Es ist eine Bedingung an den Bund geknüpft, sofern derselbe die Könige aus Davids Stamm vor dem Kommen des wahren Samens betraf; dieser Davidssohn im höchsten Sinne des Wortes hat aber jene Bedingung aufs vollkommenste erfüllt und damit den Bund sowohl in Bezug auf ihn selbst als auch in Bezug auf seinen geistlichen Samen auf ewige Zeiten unanfechtbar gemacht. Betrachten wir die Verheißung in ihrer zeitlichen Beziehung, so war es nichts Geringes für Davids Nachkommen, dass ihnen bei gutem Verhalten der Thron gesichert war. Diese Fürsten trugen ihre Krone von Gott zu Lehen unter der Bedingung der Treue gegen ihren Oberherrscher, der sie zu der hohen Stellung erhoben hatte. Ihre Bundestreue sollten sie erweisen durch Gehorsam gegen Gottes Gesetz sowie durch Glauben an die göttliche Wahrheit. Sie sollten Jehovah sowohl als ihren Gebieter als auch als ihren Lehrer anerkennen. Welche große Herablassung von Gott, dass er sie lehren wollte! Mit welcher Freude hätten sie ihm verständnisvollen Gehorsam entgegenbringen sollen! Wie angemessen, wie recht und billig und wie notwendig war die Bedingung, welche Gott macht, dass sie ihm aufrichtige Treue halten sollten, da der in Aussicht gestellte Lohn die herrliche Verheißung war: So sollen auch ihre Kinder (wörtl.: Söhne) auf deinem Stuhl sitzen ewiglich. Wollen sie zu seinen Füßen sitzen, so will Gott sie auf dem Thron sitzen lassen; werden sie den Bund halten, so sollen sie die Krone behalten von einem Geschlecht zum andern.
Das Reich Juda könnte heutigen Tages noch bestehen, wenn die Könige dieses Reiches dem HERRN treu gewesen wären. Kein Aufruhr im Innern und kein Angriff von außen hatte das davidische Königshaus stürzen können; es fiel durch seine Sünde, und aus keiner anderen Ursache. Wiewohl er fort und fort gereizt ward, war der HERR doch erstaunlich langmütig; denn noch lange (134 Jahre) nachdem das abtrünnige Israel in die Gefangenschaft weggeschleppt worden war, blieb Juda bestehen. Wunder der Barmherzigkeit taten sich an diesem Volke kund. Gottes Geduld überschritt alle gewöhnlichen Grenzen, denn des HERRN Rücksicht auf David war außerordentlich groß. Die Fürsten aus dem Hause David schienen ganz darauf versessen, sich selber ins Unglück zu bringen, darum vermochte nichts sie vom Verderben zu retten. Die Gerechtigkeit zögerte lange, aber schließlich konnte sie doch nur noch das Schwert ziehen und zuschlagen. Doch wenn auch der Menschen Treubrüchigkeit den Bund nach seinem Buchstaben dahinfallen ließ, so ist der HERR dem Bunde dennoch dem Geist und Wesen desselben nach treu geblieben; denn Jesus herrscht und sitzt auf dem Thron für immer und ewig. Davids Same ist noch immer in der Königswürde, denn David war nach dem Fleische der Ahn dessen, der da ist der König aller Könige und der Herr aller Herren.
Unser Vers zeigt uns, wie notwendig die häusliche Frömmigkeit ist. Die Eltern haben die Pflicht, dazu zu sehen, dass ihre Kinder die Furcht des HERRN kennen, und sie müssen den HERRN bitten, dass er selber sie diese Wissenschaft lehre. Wir haben kein unverlierbares Erbrecht auf Gottes Huld. Der HERR selber zwar hält den Familien der Seinen die Freundschaft von einem Geschlecht zum andern, denn er verlässt nur höchst ungern die Nachkommen seiner Diener und tut es nie, es sei denn, dass sie ihn schwer und fortgesetzt reizen. Wir, die Gläubigen, stehen alle gewissermaßen unter Bundesvorrechten, die denen Davids ähnlich sind. Manche von uns können auf vier oder noch mehr Generationen frommer Voreltern zurückschauen, und freudig blicken wir in die Zukunft und sehen unsere Kinder und Kindeskinder in der Wahrheit wandeln. Doch wissen wir, dass die Gnade sich nicht mit dem Blut vom Vater auf den Sohn überträgt, und deshalb sind wir von heiliger Furcht erfüllt, es möchte einer von unseren Nachkommen ein arges ungläubiges Herz haben, das da abtrete von dem lebendigen Gott (Hebr. 3,12).
13. Denn der HERR hat Zion erwählt. Jerusalem war nicht mehr als irgendeine andere kanaanitische Stadt, bis Gott es erwählte, David es eroberte, Salomo den Tempel daselbst erbaute und der HERR darin Wohnung nahm. So waren auch die Herzen, die jetzt die Gemeinde Gottes bilden, nichts als eine Jebusiterfeste, bis die Gnade sie erkor, sie besiegte, umgestaltete und zu einem heiligen Tempel weihte, darin der HERR wohnt. Jehovah hat die Seinen erwählt, darum sind sie sein Volk. Er hat die Gemeinde erkoren, darum ist sie, was sie ist. So sind denn in dem Bunde David und Zion und ebenso Christus und die Seinen zusammengefasst. David war um Zions willen da und Zion um Davids willen; desgleichen steht die Sache Christi und die der Seinen miteinander in Wechselbeziehung. Und hat Lust, daselbst zu wohnen, wörtl.: hat es zum Wohnsitz für sich begehrt. Davids Frage hat eine Antwort gefunden. Der HERR hat gesprochen; der Ort des Tempels ist bestimmt, die Stätte, wo der HERR sich offenbaren will, deutlich gezeigt. Die Einwohnung folgt auf die Erwählung und ergibt sich aus ihr: Zion ist von Gott erkoren, und zwar als Wohnsitz für ihn. Dass Gott begehrt, unter dem Volke zu wohnen, das er sich zum Volk des Eigentums ausersehen hat, ist sehr huldreich von ihm und doch wiederum sehr natürlich: seine Liebe will denen nicht ferne bleiben, die sie sich erkoren hat. Ja, Gott verlangt danach, bei denen zu wohnen, die er mit ewiger Liebe umfangen hat, und wir wundern uns insofern nicht darüber, als auch wir ja die Gesellschaft unserer Lieben herzlich begehren. Doch ist es ein zwiefaches Wunder, dass der HERR sich solch geringe und elende Wesen, wie wir es sind, erkoren hat, und dass er nach ihrer Gemeinschaft verlangt; das Innewohnen des Heiligen Geistes in den Gläubigen ist ein Wunder der Gnade, das mit dem Wunder der Fleischwerdung des Sohnes Gottes verwandt ist und dazu in inniger Beziehung steht. Gott in der Gemeinde, das ist das Staunen der Engel, der Wunderrat der Ewigkeit, die Ruhmeskrone der unendlichen Liebe.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)