Tägliche Lesung aus der Dogmatik von Eduard Böhl

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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Jörg
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§ 81. Von der sichtbar organisierten Kirche

Beitragvon Jörg » 25.09.2017 16:24

Das nun die rechten Organe da seien, welche den Dienst an der Gemeinde (Eph 4,12) übernehmen, dies muss(388) die Gemeinde immer von Neuem erbitten von Gott; dafür muß sie bei jeder Neuwahl, die ihr zusteht nach Apg 14,23 (s. Meyer dazu) und Tit 1,5, unter Leitung des Geistes Gottes immer aufs Neue Sorge tragen. Die Gemeinde ist mündig in dem Herrn. Aber garantieren und gleichsam durch eine vom Himmel gefallene Institution assecurieren läßt sich der Erfolg von vornherein nicht. Auf die Stiftung eines Amtes durch Christus, das kraft einer successio continua etwa gar an gewissen sedes apostolicae (besonders zu Rom)(389) bis auf unsere Zeiten gekommen wäre, können wir uns nicht berufen. Solches geschieht leider in gewissem Maße unter den reformierten Kirchen von der anglikanischen Kirche. Ein solches Amt, das sich durch Ordination und Handauflegung fortpflanzte und Träger der echten apostolischen Lehrtradition wäre, in Konzilien vereinigt, oder gar durch einen einzelnen repräsentiert ist durchaus nicht gestiftet von Jesus. Die Handauflegung in der Apostelgeschichte diente zur Mitteilung der besonderen für jene Zeit gegebenen Geistesgaben. Seit dieselben aufgehört, hat die Handauflegung nur noch die Bedeutung, den Segen, der zur Übernahme des Dienstes an der Gemeinde erforderlich ist, von Gott auf das Haupt des ins Amt Einzuweisenden herabzuflehen, nicht aber soll sie ihm ein gewisses Maß amtlicher Tüchtigkeit ex opere operato eingießen. Der bereits tüchtig Erfundene wird mittelst der Handauflegung beim Eintritt in sein Amt mit dem Segen Gottes bedacht. Sie ist aber kein wesentlicher Bestandteil der Ordination. Die letztere hat nach 1.Tim 4,14 durch die Ältesten zu geschehen, kann aber auch von Einzelnen vollzogen werden, 1.Tim 5,22.

Die in den neugründeten Gemeinden infolge einer Wahl bestellten Leiter der jungen Pflanzungen hießen entweder, wie vorher in der Synagoge, Älteste (also griechisch Presbyter) woher der Name Priester kommt – oder nach rein griechischer Anschauung „ἐπίσκοποι“ d h. Aufseher der Gemeinden. Daß beide Namen die gleichen Personen bezeichnen, leuchtet aus Apg 20,17.28; Tit 1,5.7 ein. Diese Presbyter hatten für die geistlichen Interessen der Gemeinde zu sorgen, besonders der am Worte
Arbeitende, 1.Tim 5,17; man soll sie nach Gebühr ehren.

Daneben treten zur Wahrung der materiellen Interessen die Diakonen, welche schon in Apg 6 erwähnt werden. – Doch das Nähere hierüber gehört ins Kirchenrecht, für das wir auf den mehrfach zitierten Holländer G. Voetius verweisen dürfen.
zu.388 Vgl. Harless, Einige Gewissensfragen hinsichtlich der Lehre von der Kirche und Kirchenregiment S.34ff.
zu.389 Der Vorrang des römischen Bischofsitzes war einst ein durch moralische Eroberungen erworbener; ein solcher Erwerb kann aber ebenso leicht wieder verloren gehen; er ging verloren und wurde nachher nur durch künstliche Mittel aufrecht erhalten. Selbst Augustin, wie Reuter, Augustinische Studien V, S 154.162 zeigt, kennt noch keinen römischen Bischof im päpstlichen Sinne.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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§ 82. Einleitung/ § 83. Die Fortdauer des Menschen nach dem Tode

Beitragvon Jörg » 01.10.2017 07:35

V. TEIL
Die Eschatologie
§ 82. Einleitung


Wir haben hier mit den sogenannten letzten Dingen zu tun, d.h. den Lehrstücken, die den Abschluss des Ratschlusses Gottes mit der Welt bilden. Die letzten Dinge heben an mit der Wiederkunft Christi und enden mit der ewigen Seligkeit. In der Mitte liegen die Auferweckung der Toten, die Einsammlung der alsdann noch Lebenden und das jüngste Gericht. Als Überleitung zu den letzten Dingen behandeln wir zunächst die Fortdauer
nach dem Tode.(390)
zu.390. Das Heilsame der Betrachtung dieser „letzten Dinge“, besonders auch für die, welche mit Ps 73 sich ärgern daran, dass die Gottlosen es oft so viel besser haben, als die Gerechten leuchtet ein.

§ 83. Die Fortdauer des Menschen nach dem Tode

Die Gewissheit einer Fortdauer nach dem Tode liegt darin zureichend begründet, dass Gott den Menschen in seinem Bilde, nach seiner Gleichheit geschaffen hat. Demgemäß war auch die Seele von vornherein für eine ewige Dauer prädisponiert. In 1.Mose 1,26 liegt der Hauptgrund für die Annahme der Unsterblichkeit der Seele; und die Überzeugung davon ist eine auch in den heidnischen Religionen geläufige, und nicht etwas, das erst durch die göttliche Offenbarung den Menschen bekannt geworden wäre. Diese ewige Fortdauer gilt auch von den Gottlosen, aber das ewige Leben im biblischen Sinne dieses Wortes genießen sie nicht, sofern dieses ja stets den Nebenbegriff des Glücks und der Seligkeit hat. Indem nun der leibliche Tod das bestehende Verhältnis des Menschen zu Gott nicht wesentlich ändert, so bringt er, wie für die Glaubenden den Zustand der schon hier anfangenden Seligkeit (§ 72b), so für die Gottlosen eine Steigerung des Todes mit sich. Den Zustand des Todes empfinden die Gottlosen nach dem Verlust ihres Leibesorganes um so drückender, als ihnen jetzt das Gegengewicht des Sichtbaren fehlt. Was ihnen schon immer eignete, die Gottentfremdung oder der geistliche Tod, das enthüllt sich jetzt, nachdem ihnen das Licht des irdischen Lebens fehlt, in erschreckender Weise und so werden sie jetzt vollends zu höchst unseligen Wesen. Der leibliche Tod tut ihrer Seele und deren Verhältnis zu Gott keine Gewalt an, sondern derselbe bringt, wie gesagt, für die Gottlosen eine Affirmation desjenigen Zustandes mit sich, in welchem sie sich schon befanden. Sie befinden sich fortan, gemäß der biblischen Bildersprache, draußen, wo Heulen und Zähneklappern ist, wo ihr Gewissen sie beständig quält, also nicht im Himmel, nicht im friedvollen Anschauen Gottes versunken. Mt 5,22.29.30; 8,12; 22,13; 25,30; 2.Petr 2,9; Mk 9,44; Jes 66,24. Freilich direkte Schriftstellen, die diesen Zustand betreffen, gibt es nach Gottes weiser Anordnung wenige. Der reiche Mann in der Parabel Lk 16,24 dient noch am Besten zu veranschaulichen, was die Gottlosen zu leiden haben. Er befindet sich im Hades oder in der Scheol. Das ist der Ort der Bösen, von Gott bleibend Geschiedenen und somit der Qual Verfallenen, wo es ein Ende mit den falschen Hoffnungen nimmt. Die deutlichste Stelle, welche die Gleichstellung von Scheol und Hölle lehrt, ist Hos 13,14. wo die Hölle als ein zu besiegender allerschlimmster Feind in Rede steht, von dem Israel losgekauft werden soll. Das wäre unrichtig, wenn die Scheol nur das alle in sich aufnehmende Totenreich überhaupt sein sollte.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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§ 83. Die Fortdauer des Menschen nach dem Tode

Beitragvon Jörg » 09.10.2017 16:25

Den vollen Ernst der Sache lehrt uns diese mit den sonstigen biblischen Vorstellungen nicht im Widerspruch stehende Parabel vom reichen Mann und armen Lazarus, die beide Söhne Abrahams waren: Lk 16,10ff. Hier stehen der Freudenort und der Ort der Qual – Abrahams Schoss und der Hades als diametrale Gegensätze einander gegenüber. Eine weite Kluft trennt den Hades und den Ort der Wonne, Abrahams Schoss, oder auch Paradies genannt. Lk 23,24. Das daher die Scheol oder die Hölle vor Christus auch der Aufenthaltsort für die seligen Geister sei, ist ein übereilter Schluss aus übel verstandenen Psalmstellen. In den Psalmen, z.B. 6,16, oder Jes 38,18, wo über die Scheol geklagt wird, ist die momentane Lage der Sänger in Betracht zu ziehen. Dass es im Hades oder in der Hölle eine Möglichkeit der Besserung gebe, was manche Neuere annehmen, entbehrt des Schriftgrundes. Zunächst gibt schon Vater Abraham in jener Parabel Lk 16,29 die Antwort: sie haben Mose und die Propheten lass sie dieselbigen hören. Das ist entscheidend. Wäre noch eine Besserung im Hades möglich, so würde auch der reiche Mann gar nicht solche exorbitante Forderung an Abraham richten, wie jene, dass er Lazarus entsenden solle, um seine Brüder zur Buße zu rufen. Wer nun diesen von Abraham angegebenen Weg nicht auf Erden betreten, auf dem bleibt der Zorn Gottes, der ist schon gerichtet, Joh 3,18.36, oder den wird das Wort Jesu richten; Joh 12,48.

Das Endgericht nimmt auch allein auf dasjenige Rücksicht, was man vermittelst seines Leibes getan, nicht aber auf irgend welche Taten im Jenseits und nach dem Tode; 2.Kor 5,10. Ausdrücklich wird solche Besserungsfrist ausgeschlossen durch Hebr 9,27.28. Auf den Tod folgt als das nächste neue Moment das Gericht; nichts tritt mehr dazwischen. Die Stelle 1.Petr 3,19 handelt von den Geistern, welche innerhalb der 1.Mose 6,3 angegebenen Wartezeit von 120 Jahren lebten, nicht aber von einer Besserungsfrist im Jenseits.(391) Die andere, oft missbrauchte Stelle 1.Petr 4,6 geht auf die Verfolgungen, die auch die bereits verstorbenen Glieder der Gemeinde Christi zu erdulden gehabt haben. Wir müssen übersetzen: „mit solchem Resultat ward auch den Verstorbenen das Evangelium verkündigt, dass sie am Fleische nach Menschen (Meinung) gerichtet würden, aber nach Gott im Geiste lebten“. Sowie man eine solche Besserungsfrist im Jenseits zugestehen würde, so statuierte man die Willensfreiheit und müsste annehmen, dass Gott auf die eventuelle Bekehrung noch wartet; man alterierte dadurch folgerecht die Gnade Gottes und die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben allein.
zu.391. Vgl. dazu Calvin im Kommentar und Hofmann, Schriftbeweis 11,1. S. 477; ebenso Besser, Bibelstunden a.h.1.

Wir müssen in diesem § auch noch etwas eingehender des Zustandes der Seligen gedenken. Wir haben schon in § 72b gesehen, dass die Seele nach dem Tod ein seliges Leben nur fortsetzt, das bereits hier anfangsweise begonnen war. Es fragt sich nun, ob diese Seligkeit vor der Auferstehung des Leibes von der Seligkeit nach derselben verschieden sei? Da ist zu sagen: dass diese Trennung.der Seele vom Leibe immer noch ein Minus von Seligkeit einschließt, weil sie ein Überbleibsel aus der ersten Sünde ist. Seit dem Sündenfall trennte sich im Tode der Leib von der Seele, und erst, wenn beide wiedervereint Gott loben, wird die letzte Spur jenes schweren Falles ausgewischt sein. Bis dahin genießt die Seele zwar der Seligkeit im Anschauen Gottes, aber sie wartet noch auf etwas, nämlich auf des Leibes Erlösung. Röm 8,23. Jedoch ist dieses Zuwarten der Seele des Gerechten nach dem Tode ein mit völliger Zuversicht verbundenes, wie etwa die glückliche Braut auf die Ankunft des Bräutigams wartet. Im übrigen ist kein weiterer Entwicklungsprozess der Seele anzunehmen, sondern sie ist gleich nach überstandenem Todeskampf völlig Siegerin, sie ist im Paradiese. Lk 23,43;J oh 12,26; Apg 7,58.59. Weshalb die Gläubigen überhaupt noch sterben müssen, erledigt am einfachsten der Heidelb. Katech Fr. 42. „Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsre Sünde, sondern nur eine Absterbung der Sünden und Eingang zum ewigen Leben“. Paulus verlangt, daheim zu sein bei dem Herrn, 2.Kor 5,8; vgl. Phil 1,22.23. Über den Zustand der Seele im Himmel können wir am füglichsten aus den Psalmen uns unterrichten : z.B. Ps 16,11; 17,15; 73,24. In Offb 14,13 preist Johannes die Toten selig vom Moment des Todes an: „selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben – schon jetzt“; d.h. ganz abgesehen von dem, was zur Vollendung des Reiches Gottes dann noch weiter zu geschehen hat.
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§ 84. Die Wiederkunft Christi

Beitragvon Jörg » 17.10.2017 16:09

§ 84. Die Wiederkunft Christi

Seit der Himmelfahrt Christi warten die Seinigen auf die Wiederkunft ihres Herrn aus dem Himmel in ähnlicher Weise, wie vormals die Patriarchen und Propheten auf die erste Ankunft des Erlösers warteten. Schon die Engel Apg 1,11 weisen darauf hin. Den Aposteln hatte Christus seine Wiederkunft als nahe bevorstehend bezeichnet, als ob dieselbe noch während ihres Lebens eintreten werde; vgl. Joh 21,22.23; Mt 10,23; 24,34. So lässt auch Paulus in 1.Thess 4,15.17 die Möglichkeit offen, dass er die Parusie noch miterleben könnte; er redet daselbst communicativ („wir“). Das ist nicht verwunderlich, nachdem Christus obige bestimmte Aussagen getan hat. Wann hat sich nun aber solche Aussage erfüllt?

Offenbar ist von Jesus in den obigen Stellen auf sein Kommen zum Gericht über Jerusalem hingewiesen, welches ein Vorspiel des letzten Gerichtes sein sollte. Jesus Christus kommt öfter; er kommt, wenn große Gerichtstage eintreten. Aber alle diese Gerichtstage erreichen an Bedeutsamkeit nicht das jüngste Gericht, das mit der sichtbaren, letzten Wiedererscheinung des verherrlichten Menschensohnes verknüpft ist. Mt 25,31ff. Dieser letztere Akt ist ein bisher nie dagewesener; zu ihm verhalten sich die früheren Gerichtstage als Vorstufen. Es verhält sich diese letzte Parusie zu den früheren Ansätzen, wie das Kommen des Sohnes Gottes im Fleische zu seinem oftmals wiederholten Kommen als Engel des Herrn, oder auch bloß innerhalb des Wortes der Psalmen und Propheten; von welch letzterem Kommen Stellen, wie Hebr 1,6; 10,5 sprechen. Diese Parusie fällt ferner in einen bestimmten Zeitmoment und ist eine solche, die dem ganzen Weltkreis offenbar wird: Apg 17,31, und zwar tritt sie plötzlich ein. Für diese Plötzlichkeit zeugen Stellen, wie Lk 17,24; Mt 25,1-13; 1.Thess 5,1-3, und so auch die vorbildliche Schilderung, die von Jerusalems Zerstörung zunächst handelt: Mt 24,36ff.; 44.50.

In wie unbesorgtem Zustande man von dieser Wiedererscheinung Christi wird überrascht werden, das folgt aus Stellen, wie Mt 24,37-51; 25,5; Lk 17,26-37. Deshalb werden die Gläubigen so ausdrücklich zur Wachsamkeit ermahnt. Mt 25,1ff. Ja, die Welt wird spotten über die von den Gläubigen erwartete Wiederkunft Christi, 2.Petr 3,3.4. Aber die Welt hüte sich! Auch zu Noahs Zeit war man unbesorgt und sicher, bis die Sintflut kam (Mt 24,37-39).
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§ 84. Die Wiederkunft Christi

Beitragvon Jörg » 22.10.2017 10:28

Wie man diesen Vorgang selbst sich vorzustellen hat, darüber ist nur wenig Sicheres zu sagen. Da er jedoch sichtbar vor sich gehen soll, so darf man auf Grund prophetischer Darstellungen, z.B. Joel 4,2.14ff.; Offb 20,9 einen, oder dann mehrere Haupt- oder Mittelpunkte auf der Erde annehmen, wo die den Heiden gleich gewordene äußerliche Kirche – die evangelische nicht ausgeschlossen – die kleine Herde Christi, den „Rest“, der gerettet werden soll, gerade zu erdrücken im Begriffe stehen wird. Alsdann wird Christus plötzlich, durch seine herrliche Erscheinung, dazwischentreten und das Gericht über die Boshaftigen zunächst vollziehen. Ein Vorspiel davon haben wir am Gericht im Tale Josaphat Joel 4,12ff. Verkehrt aber ist die Meinung, daß es eine doppelte Wiederkunft Christi gäbe, wobei das tausendjährige Reich zwischen beiden mitteninne läge (Hofmann, Schriftbeweis II, 2, S. 722 u.a.). Der Anfang von Offb 20 ist im Anschluß an Kap 19 in die Zeit nach der Zerstörung Jerusalems zu setzen; also auch die tausend Jahre. Es gibt kein anderes tausendjähriges Reich, als das, in dem wir seit Christi sieghafter Himmelfahrt schon leben (S. 429). Und in der Tat, wenn in Offb 19,11ff. Johannes Christus in naher Zukunft seine Obmacht geltend machen sieht, so wird auch das tausendjährige Reich, dieses Reich des Sieges und der Herrschaft Christi, sich in den näheren Horizont des Johannes einfügen lassen, nicht aber erst in ferner Zukunft beginnen. Das tausendjährige Reich gehört der laufenden Ära Christi an. Wir leben mitten darin.(392) Alles Herrliche, alles Sieghafte sagt Johannes von dem Reiche Christi Offb 21-22,6 aus, aber erst nachdem seine Feinde, besonders das Jerusalem hier unten, in Schranken gewiesen sein werden. Die Bindung Satans in Offb 20,2 ist ein Ereignis, das völlig geistiger Natur ist und in der Fesselung, die Jesu Regierungsgewalt ihm gleich damals auferlegte,(393) besteht.
zu.392. Interessant ist eine altchristliche Inschrift bei Le Bas-Waddington, welche nach einer Ära Cristou/ basileuvontoj rechnet (vgl. Böhl, Alte christliche Inschriften in den Studien und Kritiken, 1881). Das ist eben die Ära des Millenniums.
zu.393. Dasjenige, was diese Fesselung bewirkt, wäre zu kombinieren mit dem κατέχων des 2. Thessalonicherbriefes, s. Thomasius a.a.O. III, 2. S. 459.
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§ 84. Die Wiederkunft Christi

Beitragvon Jörg » 29.10.2017 08:27

Keine andere Kette würde Satan halten. Die Wiederbringung der Juden ist ebenso wenig ein Ereignis, das der sichtbaren Wiederkunft Christi voraufgehen wird. In Röm 11,26 stellt Paulus nicht die Bekehrung der Juden am Ende der Weltzeiten in Aussicht. Ihm stand ja vielmehr die Wiederkunft Christi in nächster Nähe und, bis dies geschehen, wies alles darauf hin, dass das Heil ausschließlich zu den Heiden übergehen werde. Dennoch sollen die Juden, deren Paulus einer war (Röm 11,1), nicht ohne weiteres in Wegfall kommen – sondern nur zum Teil (V.26), und die Heidenchristen sollen an ihren eignen Heilsweg erinnert werden, auf daß sie sich nicht erheben, sondern sich fürchten lernen (V.20). Israel ist für sie (die Heiden) verstockt worden – aber nicht absolut. Um der Väter willen bleiben sie die „Geliebten“, und die „Wahl“ erlangt es auch noch bis heute, wo Paulus solches schreibt – dies ist die Meinung des Apostels aus den Juden! Genug, eine schliessliche Judenbekehrung hier gelehrt zu finden, würde mit dem ganzen Horizont der Apostel im Widerspruch stehen und den Heiden auch kein nützliches Geheimnis sein, was ihnen nach V.26 mitzuteilen wäre. Von Nutzen war diese Mitteilung nur, insofern dadurch die damalige Exklusivität der Heidenchristen in Schranken gewiesen ward.

Gegen das Ende des tausendjährigen Reiches wird nun aber ein großer Abfall stattfinden. Es ist dies prophetische Lehre und auch Lehre Jesu. Sach 12-14; Mt 24; Lk 21. Wo nun dieser Abfall, der in der Kirche selber entsteht, die Gemeinde aufs höchste bedrängen wird, da erscheint dann Jesus, und damit ist die Auferstehung der Toten, das Gericht und das Ende der Welt herbeigekommen: prophetisch ist das beschrieben in Offb 20,7-9.


Die nächste Wirkung dieser Wiederkunft Christi wird nunmehr die Auferstehung der im Herrn bereits Entschlafenen und die Einsammlung der noch lebenden Gläubigen sein. Besonders klar ersieht man aus 1.Thess 4,14-17, wie unmittelbar sich beides an die Wiederkunft Christi anschließen wird. Und zwar ist nach jener Stelle die Ordnung dabei diese, dass erst die bereits Gestorbenen auferstehen und dem Herrn entgegen gerückt und dann die noch Lebenden nach oben entrückt werden, wo Christus ihrer wartet.
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§ 85. Die Auferstehung der Toten

Beitragvon Jörg » 05.11.2017 11:48

§ 85. Die Auferstehung der Toten

Der Leib, welchen wir hier auf Erden getragen, wird, durch die Kraft Christi auferweckt, mit der Seele wiederum vereint und dem verklärten Leibe Christi gleichförmig werden nach Phil 3,21. Solche Auferweckung hoffte schon Hiob 19,25f. vgl. Ps 16,10; und weissagte Henochs und Elias Lebensausgang, ohne daß sie den Tod geschmeckt hatten, 1.Mose 5; 2.Kön 2; besonders Hes 37,1-10; Jes 26,19; Hos 13,14; 1.Kor 15,53.54; 1.Thess 4,13-18. Hebr 11,19. Die volle Gewißheit solcher Auferstehung wird nun aber den Christen in besonderem Maße zuteil durch die Auferstehung ihres Heilandes. Dieselbe ist nicht ein bloßes Vorbild für die Auferstehung unseres Leibes: sondern deshalb, weil Christus unser Stellvertreter und unser Haupt ist, und die Gläubigen seine Glieder, so wird die Verklärung seines Leibes auch unserem Leibe zuteil werden. 1.Kor 15,20ff. 48.49. Wie solche Auferweckung des Leibes nun aber zustande kommen kann, dafür hat schon Paulus in 1.Kor 15,35ff. auf Gottes analoges Wirken in der Natur hingewiesen. Zunächst sagt er, dass es ganz in der Ordnung sei, wenn der menschliche Leib verwese: denn dies finde auch beim Saatkorn statt, das erst völlig sterben und sich auflösen muss, bevor etwas Neues entstehe. In gleicher Weise sei auch das Verwesen unseres Leibes nur die Vorbereitung auf ein Neues. Solchen verwesten Körnern gebe Gott dann einen Leib je nach ihrer Art. Und zwar disponiere Gott ja über die verschiedenartigsten Leiber, wie das bereits die natürliche Schöpfung lehre. Er habe herrliche und minder herrliche Leiber zu seiner Verfügung. V.39-41. Ist das nun der Fall, schafft er den Tieren ihren Leib, den Sternen den ihrigen und der Sonne den ihrigen, nun so möge man sich daraus eine Lehre auch für die Auferstehung unseres Leibes entnehmen. Gott kann dem aus dem Tode Erweckten alsdann selbst einen besseren Leib nach der Verwesung des alten verschaffen, nämlich einen geistlichen Leib, da ihm ja so viele zu Gebote stehen.

Was nun diesen geistlichen Leib betrifft, dessen Paulus in V.48 gedenkt, im Gegensatz zum irdischen psychischen Leib, so ist damit ein Leib gemeint, der sich völlig zum Organ des ihm einwohnenden Geistes eignet. Es ist das ein Leib, der frei ist vom vergänglichen Wesen des irdischen Leibes, der also die reine, ungetrübte Betätigung des Geistes zulässt. Um dies ins rechte Licht zu setzen, verweist uns der Apostel auf zwei Leibestypen, auf den Leib Adams und auf Christi Leib, den derselbe im Himmel hat (V.45ff.). Wir sind zunächst auch dem Leibe nach des ersten Adam Erben gewesen, und also werden wir nun auch Erben des zweiten Adam sein und zwar ebenfalls dem Leibe nach. Christus ist auch in diesem Punkte ein anderer und zweiter Adam, dass er unseren Leib ähnlich macht seinem herrlichen
Leibe. Phil 3,21.(394)
zu.394. Diese Anschauung des Apostels vom ersten und zweiten Adam geht durch alles hindurch und bestimmt sein ganzes Denken. Sie hält zugleich den Mittelweg ein zwischen den Einseitigkeiten der philosophischen Weltanschauung, dem Pantheismus und Deismus. Bei der Annahme bloß eines Adam steht man sofort auf dem Boden des Pantheismus, wonach die Gottheit überall sich ein Dasein gibt, und so auch in Adam; oder man verfällt in den Deismus, wo Gott und Mensch wie Teile auseinanderfallen die sich gegenseitig bedingen, aber nie zur vollen Einheit zusammengehen. Die biblische Anschauung steht, was wir schon S. 50.53.57.113.141.253.379 hervorhoben, über den Gegensätzen, die der Verstand hier sieht, und vermittelt sie für den Glauben.
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§ 85. Die Auferstehung der Toten

Beitragvon Jörg » 14.11.2017 16:55

Bei aller Verschiedenheit der zwei Leiber bewahrt nun aber das höhere Leibesorgan, das der Mensch bei der Auferstehung erhält, die Kontinuität (das Band) mit dem gegenwärtigen Leibe des Menschen; der verklärte Leib wächst heraus aus einem irgendwie erhaltenen Samenkorn des verwesten Leibes. Dies folgt nach 1.Kor 15 aus der Analogie des Leibes mit dem Samenkorn und aus der Tatsache, daß die am Ende der Welt noch Lebenden ohne Tod verwandelt werden, 1.Kor 15,51; 1.Thess 4,17. Es ist jener verklärte Leib so recht eigentlich als der unverhüllte Kern des irdischen Leibes anzusehen.

Das ganze Gepräge, die Physiognomie, die unser Leib hiernieden gewonnen, wird bewahrt bleiben, wenn auch verklärt und frei von den leiblichen Entstelllungen, die rein akzidentiell sind. Hierdurch wird dann auch das Wiedererkennen möglich, welches den Seligen zur höchsten Freude gereichen muss. Jedoch begeben wir uns hiermit schon auf ein Gebiet, von dem wir keine auf die Schrift sich gründende Vorstellung mehr haben, und wo das Dogma also seine Grenze findet.

Die bis dahin nicht Gestorbenen sollen nun am Ende der Welt sofort verwandelt werden und, ohne eine Vernichtung ihres gegenwärtigen Leibes durch den Tod zu erfahren, in den Zustand der Verklärung übergehen. 1.Kor 15,51-54; 1.Thess 4,17.

Wo im Neuen Testamente von der Auferstehung die Rede ist, da wird fast ausschließlich auf die Auferstehung der Gerechten und zum Leben gesehen, und ihre Verhältnisse werden angedeutet. Sie sind gleich den Engeln und Kinder Gottes, heißt es Lk 20,35. Die Lichtseite dieser Auferweckung der Toten wird also hervorgehoben. Von der Bedeutung, welche die Auferstehung für die Ungerechten hat, ist nur beiläufig die Rede. Dan 12, 2; Mt10, 28; 5, 29; Apg 24, 15. Es ist aber die Auferstehung eine gleichzeitig einleitende und allgemeine, sowohl für die Gerechten als auch die Ungerechten. Dan 12,2; Mt 10,28; Apg 24,15; Joh 5,29. Über die Beschaffenheit des Leibes, den die Gottlosen empfangen, sagt die Schrift nichts. Aber selbstverständlich ist, dass sie nicht einen verklärten Leib nach der Art des verklärten Leibes Christi erhalten werden. Vielmehr wird der Leib der Ungerechten das Gepräge ihres Vorlebens an sich tragen, wie das bei den Gerechten ebenso der Fall sein wird. Der Ungerechten Leib wird also den zerrütteten inneren Zustand abspiegeln, der einst auf Erden ihnen eigen war, nach dem Satz Gal 6,7: „was der Mensch sät, das wird er ernten.“ Auch dieser neue Leib der Unseligen wird aber Unverweslichkeit haben, da er zur Ertragung ewiger Strafen bestimmt ist. Mt 25,41.46; Dan 12,2. Der göttlichen Gerechtigkeit ist es nur entsprechend, dass ihr nicht ihr Substrat entzogen wird.(395) Den radikalen Unterschied zwischen beiden Klassen der Auferstandenen charakterisiert Joh 5,29; Dan 12,2, wonach die Auferstehung der Gerechten eine Auferstehung zum Leben ist, dagegen die Auferstehung der Ungerechten eine Auferstehung zum Gericht. Von dieser allgemeinen Totenauferweckung, verbunden mit der Verwandlung der Lebendigen, datiert aber zugleich die Überwindung und Vernichtung des Todes durch Christus. 1.Kor 15,54.55; vgl. Hos 13,14. Dieselbe vollzieht sich durch die Auferweckung aller. Wir dürfen uns nicht vorstellen, dass Christus auf andere Weise mit dem Tode kämpfte, indem ja der Tod kein mythologisches Wesen, sondern ein Zustand ist. Der Tod ist hinsichtlich der Gläubigen auch betreffs ihres Leibes völlig und für immer aufgehoben. Hinsichtlich der Ungläubigen ist er zeitweilig aufgehoben, Offb 20,6.13.14; um dann als zweiter oder ewiger Tod (Offb 20, 6.14) aufs neue und ewig über sie zu herrschen. Man steht im Bannkreise des Todes für immer.
zu.395 Die Vernichtung der Verdammten (wonach es also nur eine bedingte Unsterblichkeit der Seele gäbe) lehren neuerdings Rothe (Theol. Ethik II, S. 332), Gess, Weisse, H. Schultz u. E. White, Life in Christ 1878 und leider eine große Zahl der heutigen französischen Protestanten. S. Dorner II, 2, 922. 959).
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