Missionieren

Basiert auf "Biblische Lehre" - aber damit die Praxis nicht zu kurz kommt, ein Extra-Forum

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Jörg
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Missionieren

Beitragvon Jörg » 25.05.2015 06:28

Hallo,

mich bewegt seit einiger Zeit folgender Gedanke: Manche Prediger, die sich "reformiert" auf die Fahne geschrieben haben, erwecken bei mir den Eindruck, als wenn es beim Thema "Missionieren" doch am Christen liegt, ob Menschen errettet werden. Den einen Sonntag predigen sie, daß Gott alle Menschen erretten wird, die er erwählt hat und am nächsten Sonntag predigen sie, das Menschen verloren werden, wenn ich ihnen nicht das Evangelium sage. Es liegt also doch wieder am Menschen, ob Menschen gerettet werden. Hier ist meiner Meinung nach eine logische Lücke, ein Widerspruch. Ich weiß noch, was für einen Druck eine Liedstrophe in mir bewirkte; dort heißt es: "Wer das Wasser in der Wüste kennt und es verschweigt, der ist schuld daran, wenn andre untergehn". Konsequenterweise müsste ich dieser Liedstrophe zufolge bei jeder Straßenbahnfahrt den Fahrgästen das Evangelium predigen. Aber ich denke, nach einiger Zeit würde ich mit der Zwangsjacke in die Psychiatrie eingeliefert werden. Kann es sein, daß manche Prediger, die sicherlich ehrlich zur Mission motivieren wollen, unbewußt schuld sind an einem verkrampften Christsein, die mehr aus Furcht vor Strafe Traktate verteilen und missionieren. Christliche Freiheit ist anders. "Die Liebe Christi drängt uns" sagt Paulus in 2. Korinther 5,14 und „Wir können`s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben" heißt es in Apostelgeschichte 4, 20". Die Verkrampfung kommt aus dem Gesetz ( "du musst") und es fehlt ihr die Freude und die Liebe.

Meine Fragen an Euch: Missverstehe ich oben beschriebene reformierte Prediger und meine empfundene logische Lücke und Widersprüchlichkeit? Wie sieht Euer Missionieren im Alltag aus und welche Erfahrungen habt Ihr damit gemacht?

Lieben Gruß, Jörg
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

biggi
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Beitragvon biggi » 25.05.2015 09:38

Hallo Jörg,

ja, das Thema hat mich auch schon beschäftigt, also nach meiner Meinung ist man als Christ verpflichtet, das Evangelium weiterzusagen, aber ich bin nicht verantwortlich dafür, wie sich die Menschen entscheiden, denen ich von Christus erzählt habe. Ich denke, ich selbst habe viel mit Menschenfurcht zu kämpfen und ich bin nicht der Typ, der in der Strassenbahn jedem, der es hören will und der es nicht hören will, andere mit Traktaten und Bibelversen bombardiert.

Ich kenne verkrampftes Christentum aus meiner eigenen Erfahrung, das kam daher, dass ich mir Dogmen überstülpen liess und mir deshalb schlecht vorkam, weil ich das mir gelehrte eben nicht leben konnte.

Und ich denke, nicht jeder ist ein Redechrist, sonst wären es mehr Menschen wie Paulus, Petrus, Jakobus etc. in der Bibel gewesen. Und natürlich ist es wichtig zu beten für dieses Land, ob jeder predigen soll, weiss ich nicht. Ich weiss nicht, ob dir das jetzt weitergeholfen hat. Liebe Grüsse Biggi
Biggi

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Beitragvon Jörg » 25.05.2015 09:57

biggi hat geschrieben:nach meiner Meinung ist man als Christ verpflichtet, das Evangelium weiterzusagen


Hallo Biggi, danke für Deine schnelle Antwort! Die Frage, die sich mir stellt: wem bin ich vepflichtet, das Evangelium zu verkündigen? Die Antwort "Alle" ist sicherlich falsch und würde jeden maßlos überfordern. Interessant finde ich auch, daß selbst Jesus den Schächer am Kreuz nicht an-gepredigt hat, sondern der Schächer hat den Herrn Jesus angesprochen.

Außerdem kommt mir noch der Gedanke an das Bibelwort, daß wir die Perlen nicht vor die Säue werfen sollen. - Ich denke, es ist viel Weisheit von Gott erforderlich, hier recht zu unterscheiden, wann wir lieber schweigen und wann lieber reden sollen.

Es grüßt herzlich, Jörg
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Beitragvon Jörg » 25.05.2015 10:04

Noch eine Ergänzung. Wilhelm Busch sagte mal in einer Predigt: "Es gibt Leute, die überfallen jeden mit einer kleinen Predigt - das ist lästig manchmal. Das ist vielleicht gar nicht gut. Ich sag meinen Jungens oft, wenn sie ihren Chef bekehren wollen. Den bekehrt ihr das nächste Mal durch eine gute Arbeit, die ihr liefert und haltet dem nicht eine Predigt, das ist nicht nötig."
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Joschie
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Beitragvon Joschie » 25.05.2015 11:11

Hallo Ihr!
Gibt es einen Unterschied zwischen Missionieren, Evangelisieren und Zeuge Jesu Christie sein?

Jörg hat geschrieben: Manche Prediger, die sich "reformiert" auf die Fahne geschrieben haben, erwecken bei mir den Eindruck

Haben diese Prediger auch einen Namen?

biggi hat geschrieben:Ich kenne verkrampftes Christentum aus meiner eigenen Erfahrung, das kam daher, dass ich mir Dogmen überstülpen liess und mir deshalb schlecht vorkam, weil ich das mir gelehrte eben nicht leben konnte.

Sind das wirkliche christliche Domen die du dir überstülpen liess oder sind dieses die vorherrschende Meinung in deiner Gemeinde? Ich habe mir dieses Frage öfter gestellt und bin dadurch für mich zu ganz erstaunlichen Ergebnisse gekommen!
Gruß und Segen Joschie
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biggi
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Beitragvon biggi » 25.05.2015 19:28

Joschie hat geschrieben:Hallo Ihr!
Gibt es einen Unterschied zwischen Missionieren, Evangelisieren und Zeuge Jesu Christie sein?

Jörg hat geschrieben: Manche Prediger, die sich "reformiert" auf die Fahne geschrieben haben, erwecken bei mir den Eindruck

Haben diese Prediger auch einen Namen?

biggi hat geschrieben:Ich kenne verkrampftes Christentum aus meiner eigenen Erfahrung, das kam daher, dass ich mir Dogmen überstülpen liess und mir deshalb schlecht vorkam, weil ich das mir gelehrte eben nicht leben konnte.

Sind das wirkliche christliche Domen die du dir überstülpen liess oder sind dieses die vorherrschende Meinung in deiner Gemeinde? Ich habe mir dieses Frage öfter gestellt und bin dadurch für mich zu ganz erstaunlichen Ergebnisse gekommen!
Gruß und Segen Joschie

Sowohl als auch, je nachdem wie man gewisse Schriften sieht, aber in meinen frühen Jahren als Christ war es sehr oft die jeweilige Gemeindeordnung, die aber keiner zu erfüllen imstande war,. Herzliche Grüsse
Biggi

Jörg
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Beitragvon Jörg » 26.05.2015 04:28

Sehr treffend finde ich folgende Zeilen:

"Gegen die Aussage „Jeder Christ ist ein Evangelist“ hat sich der frühere Leiter der Evangelisationsbewegung ProChrist, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), gewandt. Diese Vorstellung sei biblisch falsch und produziere nur schlechte Gewissen, sagte er bei einem Tag missionarischer Impulse am 1. November in Güstrow bei Rostock. Zwar sei jeder Christ ein Zeuge für Jesus im Alltag, doch sei die Gabe der Evangelisation dem Epheserbrief (4,11) zufolge Einzelnen gegeben. Andere seien Apostel, Lehrer und Hirten (Leiter), sagte Parzany" (Quelle:http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/nicht-jeder-christ-ist-ein-evangelist-88488.html)

Auch glaube ich, daß der sogenannte Missionsbefehl nicht jedem einzelnen Christen, sondern der Gemeinde als Ganzes gegeben ist. Denn zum Missionsbefehl gehört ja auch das Taufen und das Lehren - aber nicht jeder Christ ist dazu aufgerufen zu taufen und zu lehren.

Was aber heißt konkret "Zeuge für Jesus im Alltag zu sein"? Bei manchen Christen beschränkt sich das auf die Aussage: "Seitdem ich Jesus kennengelernt habe, bin ich so glücklich". Oder: "Jesus hat meine Neurodermitis geheilt". Ich meine, solche Aussagen erwecken völlig falsche Erwartungen, auch wenn sie sicherlich in bester Absicht gesagt werden.

Lieben Gruß, Jörg

PS: Hallo Lutz, bitte habe Verständnis, daß ich keine Namen nennen möchte. Es kann nämlich auch sein, daß ich diese Prediger völlig falsch verstanden habe und bei mir ein falscher Eindruck entstanden ist. Habe nur diesen Widerspruch so empfunden; aber ich möchte unter keinen Umständen irgendwelche Personen in ein falsches Licht stellen. - Sehr passend und ausgewogen fand ich übrigens die Predigt am Pfingstsonntag von Wolfgang Wegert!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 13.06.2015 18:53

Hallo Ihr!
Bei dem Thema Missionieren/Missionieren Halt ich auch für entscheiden was für ein Gottesbild einem persönlich und der Gemeinde prägt. Hierein Beitrag zu diesem Thema.
Gruß Lutz
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Lydia
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Beitragvon Lydia » 11.07.2015 18:30

Hallo,

ich gehe in eine sehr missionarische Gemeinde in der Nähe von Hannover.

Wir haben regelmäßige Straßeneinsätze dort und in umliegenden Städten.
Dort machen wir einen Büchertisch mit Traktaten, Büchern, Bibeln und CDs, welches die Menschen kostenfrei mitnehmen können.

Es finden sich meist noch 2-4 Glaubensgeschwister aus anderen Gemeinden und wir verteilen dann auch Traktate, führen Gespräche, vermitteln Adressen und Kontakte, laden ein zu unseren Bibeltagen oder Versammlungen.

Ich kann mir kein Glaubensleben vorstellen, ohne Mission und auch ohne die gezielten Einsätze in den Fußgängerzonen.

Manchmal kommt auch eine befreundete Gruppe von einer russlanddeutschen Gemeinde, die dann singen.
Das ist für die meisten Fußgänger schon ein Ereignis.

Meine Bibel ermutigt mich eigentlich auf fast jeder Seite zur Evangelisation.
Das ist für das Fleisch nicht unbedingt angenehm, aber die guten Gespräche, die daraus erwachsen, sprechen soz. eine laute Sprache.

Wenn jedes Traktat ein Missionar ist, wordurch Gott sprechen kannn, ist das nichts Geringes, wenn man sich in diesen Dienst stellen läßt.

Und wenn die eigene Gemeinde es nicht will, kann man unter Gebet beginnen, gezielt christliche Literatur in Briefkästen, wo es erlaubt ist, zu werfen.

Natürlich ist nicht jeder Einsatz gleich intensiv, aber es ergeben sich immer Gespräche an "Hecken und Zäunen" über den Glauben. Und viele Menschen finden es auch gut, ein Gegengewicht zu der "anderen Religion" zu sehen.

Andere Büchertische von Glaubensgeschwistern sehen wir sehr selten.

Nur die Sekten stehen treu in den Fußgängerzonen, normale Christen kaum.

Leider.

Viele Grüße
Lydia

Jose
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Re: Missionieren

Beitragvon Jose » 11.07.2015 19:54

Lieber Jörg,
es ist interessant, dass du in deinem Eröffnungsbeitrag geschrieben hast:
Manche Prediger, die sich "reformiert" auf die Fahne geschrieben haben, erwecken bei mir den Eindruck, als wenn es beim Thema "Missionieren" doch am Christen liegt, ob Menschen errettet werden.

Da ich mich nicht als reformiert sehe, komme ich gedanklich gar nicht in diese Überlegung hinein. Allerdings, sehe ich zwar meine Verantwortung, den Menschen die Botschaft des Heils weiterzusagen und ein Werkzeug in der Hand Gottes zu sein, aber auch wenn Gott mich gebrauchen will, ist ER nicht von mir abhängig.

Bei dem Thema Missionieren habe ich über die Jahre verschiedene Erfahrungen durchlebt, die auch mit meinem eigenen Glaubensstand zusammenhingen und mit den Erfahrungen, die ich mit verschiedenen anderen Christen und Gemeinden gemacht habe.

Tatsache ist für mich, dass Gott will, dass wir den Menschen von Jesus weitersagen, denn so verstehe ich auch das Wort aus 2. Korinther: "So sind wir nun Gesandte an Christi Statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt; wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!" 2.Kor 5,20, das ist für mich eine grundsätzlich Herzensausrichtung, aber nicht jeder, und ich schon gar nicht, kann immer den Menschen von Jesus erzählen. Dass mein Leben ein Zeugnis für Jesus ist, ist mir am allerwichtigsten, damit ich nicht als Lügner erfunden werde.

Wir können Menschen nicht retten, aber Jesus hat Seine Jünger ausgesandt, das Evangelium weiterzusagen, und ich denke, dass wo Jesus lebt, auch das Verlangen ist, von Ihm weiterzusagen. Selbst der Schächer am Kreuz ermahnte den anderen, kaum dass die Gnade anfing in ihm zu wirken. Auch die Frau am Jakobsbrunnen ging hin und gab Zeugnis von Jesus, obwohl sie noch so wenig erfasst hatte, von dem was Jesus ihr gesagt hatte.

Ich möchte aber noch auf die Frage zurückkommen:
Den einen Sonntag predigen sie, daß Gott alle Menschen erretten wird, die er erwählt hat und am nächsten Sonntag predigen sie, das Menschen verloren werden, wenn ich ihnen nicht das Evangelium sage. Es liegt also doch wieder am Menschen, ob Menschen gerettet werden. Hier ist meiner Meinung nach eine logische Lücke, ein Widerspruch.

Von einem Reformierten haben ich mal gelesen, dass Gott zu denen, die gerettet werden sollen, auch Menschen schickt, die ihnen das Evangelium verkündigen. Das könnte eine Antwort sein, aber für mich persönlich nicht befriedigend. Denn die Frage die sich mir stellt ist: Will Gott mich gebrauchen? Und was ist, wenn ich nicht gehorsam bin? Was ist, wenn ich mein Herz nicht für Seine Liebe öffne und mich mit Seiner Liebe für die Verlorenen füllen lasse?

Im alten Bund sagt Gott zu Hesekiel: "Wenn ich zu dem Gottlosen spreche: »Du musst sterben!« und du hast ihn nicht gewarnt und hast nicht geredet, um den Gottlosen vor seinem gottlosen Weg zu warnen, um ihn am Leben zu erhalten, dann wird er, der Gottlose, um seiner Schuld willen sterben, aber sein Blut werde ich von deiner Hand fordern" Hes 3,18. Ist dieses Wort nicht auch für uns wichtig? Und in der Offenbarung lesen wir eine ähnliche Ermahnung: "Wach auf und stärke das Übrige, das im Begriff stand zu sterben! Denn ich habe vor meinem Gott deine Werke nicht als völlig befunden" Offb 3,2. Diese Aufforderung gilt für uns alle, die wir schon lange im Glaubensleben stehen, hier sogar in Bezug auf andere Gläubige, damit wir einander zur Erbauung dienen.

Vorhin musste ich an das Wort denken:
41 Und als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie 42 und sprach: Wenn doch auch du erkannt hättest, wenigstens noch an diesem deinem Tag, was zu deinem Frieden dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen. Lk 19,41-42

Sollten die Menschen um uns, die sich dem Heil verschließen, nicht auch so ein Herzensanliegen sein?

Mit freundlichen Grüßen,
José
Zuletzt geändert von Jose am 15.07.2015 06:55, insgesamt 1-mal geändert.

biggi
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Beitragvon biggi » 11.07.2015 21:25

Lydia hat geschrieben:Hallo,

ich gehe in eine sehr missionarische Gemeinde in der Nähe von Hannover.

Wir haben regelmäßige Straßeneinsätze dort und in umliegenden Städten.
Dort machen wir einen Büchertisch mit Traktaten, Büchern, Bibeln und CDs, welches die Menschen kostenfrei mitnehmen können.

Es finden sich meist noch 2-4 Glaubensgeschwister aus anderen Gemeinden und wir verteilen dann auch Traktate, führen Gespräche, vermitteln Adressen und Kontakte, laden ein zu unseren Bibeltagen oder Versammlungen.

Ich kann mir kein Glaubensleben vorstellen, ohne Mission und auch ohne die gezielten Einsätze in den Fußgängerzonen.

Manchmal kommt auch eine befreundete Gruppe von einer russlanddeutschen Gemeinde, die dann singen.
Das ist für die meisten Fußgänger schon ein Ereignis.

Meine Bibel ermutigt mich eigentlich auf fast jeder Seite zur Evangelisation.
Das ist für das Fleisch nicht unbedingt angenehm, aber die guten Gespräche, die daraus erwachsen, sprechen soz. eine laute Sprache.

Wenn jedes Traktat ein Missionar ist, wordurch Gott sprechen kannn, ist das nichts Geringes, wenn man sich in diesen Dienst stellen läßt.

Und wenn die eigene Gemeinde es nicht will, kann man unter Gebet beginnen, gezielt christliche Literatur in Briefkästen, wo es erlaubt ist, zu werfen.
Hallo, Lydia, das ist sehr ermutigend. Ich habe auch schon versucht, in meiner Gemeinde zu Evangelisation anzuregen. Gut, viele Geschwister sind schon etwas älter und die Gesundheit macht nicht immer mit. Aber ich glaube ich muss weiter beten, dass die Herzen der Gläubigen sich dem MMissionsbefehl öffnen. Liebe Grüsse - Biggi
Natürlich ist nicht jeder Einsatz gleich intensiv, aber es ergeben sich immer Gespräche an "Hecken und Zäunen" über den Glauben. Und viele Menschen finden es auch gut, ein Gegengewicht zu der "anderen Religion" zu sehen.

Andere Büchertische von Glaubensgeschwistern sehen wir sehr selten.

Nur die Sekten stehen treu in den Fußgängerzonen, normale Christen kaum.

Leider.

Viele Grüße
Lydia
Biggi

albi
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Re: Missionieren

Beitragvon albi » 09.09.2017 11:50

Hallo Forum!
Ich freue mich über dieses Thema, es ist ein schönes, interessantes Thema.

Sind wir verantwortlich, dass Menschen gerettet oder verdammt werden? Nein. Sind wir verantwortlich, Menschen das Evangelium weiterzusagen, damit sie aus Gottes Gnade durch den Glauben vielleicht gerettet werden? Ja.

Mehr müssen wir nicht spekulieren. Die großen Evangelisten der Christenheit zögerten nicht und dachten nicht Jahrelang fruchtlos über abstrakte Fragen nach, sondern gingen einfach raus und predigten überall. Sie vertrauten dabei auf Gott, dass der Herr selbst die Menschen erreicht, die er erreichen möchte.

Jedes Nachdenken "will Gott nun auch den erretten? Sollte ich ihn ansprechen? er sieht so ablehnend aus, außerdem ist er Marxist, Marxisten hassen Jesus" usw. ist unsinnig. Genau die Lehre der Erwählung sollte uns ja motivieren, dass JEDER Mensch von Gott geöffnet werden kann, um Buße zu tun und zu glauben.

Gleichzeitig ist die Lehre der Erwählung unsere Verantwortung, das Evangelium auch weiterzugeben. Denn gerettet werden Menschen nur durch das Hören vom Wort Gottes. Und dazu sind wir als Christen und Gemeinde berufen.

Lydias Beitrag über ihre missionarische Gemeinde gefiel mir sehr. Ich wäre auch gerne in so einer Gemeinde. Leider sind die meisten Gemeinden, die ich kenne, auch meine eigene, nicht sehr missioniarisch. Oder sie haben ein ganz andere Vorstellung von Evangelisieren, z.B. ein "gutes Zeugnis vorleben" und irgendwann fragen die Leute dich dann schon von allein, warum du "so anders" bist und "was die Hoffnung in dir ist" (Eisegese in 1. Petrus 3,15b).

Lydia hat geschrieben:Nur die Sekten stehen treu in den Fußgängerzonen, normale Christen kaum.

Das ist das Schlimmste. Ich sehe fast jeden Tag Jehovas Zeugen überall in der Stadt, teilweise schon um 7.30 Uhr wenn ich zur Arbeit fahre am Bahnhof stehen. Aber Christen, die bekennen, dass sie "wiedergeboren" sind und "Jesus nachfolgen" sehe ich ganz, ganz selten. Und auch dann sind es meist entweder Pfingstler oder recht gesetzliche Russlanddeutsche (Baptisten).

Ein großes Problem halte ich die Um-Definition von Evangelisation von verbal ZEUGNIS GEBEN VON JESUS CHRISTUS in "ein gutes Zeugnis vorleben" und "Beziehungen mit Ungläubigen aufbauen". Dazu will ich aber lieber ein eigenes Thema eröffnen (zu Freundschafts-Evangelisation). Das führt nämlich dazu, dass die Gemeinde nach außen kaum noch Sichtbarkeit und Wirksamkeit hat mit der öffentlichen PREDIGT (!!!) von Jesus Christus, sondern sich fast nur noch auf den Privatsektor begrenzt (Familie, Bekannte, Arbeitskollegen).


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