Lesung aus Arthur W. Pink "Das Leben des Elia"

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Joschie
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Kapitel.18 Wirksames Gebet

Beitragvon Joschie » 29.07.2019 06:51

„Erhöre mich, HERR, erhöre mich, damit dies Volk erkennt, dass du, HERR, Gott bist“ (V. 37). Wie schwangen doch in diesen Worten die Intensität und das Feuer des Eifers für den Herrn der Heerscharen mit, von dem der Prophet erfüllt war. Dies war kein Lippendienst, sondern wahre, inbrünstige Fürbitte. Diese Wiederholung deutet an, wie wahrhaftig und tief die Last auf Elias Herz war.Er konnte es nicht ertragen, dass sein Meister allerorts geschmäht wurde: er erwartete sehnsüchtig zu sehen, wie Er sich rechtfertigte. „Erhöre mich, HERR, erhöre mich!“ war der notvolle Schrei einer eingepferchten Seele. Wie beschämt doch sein Eifer, seine Intensität die Kälte unserer Gebete! Einzig und allein der echte Schrei eines beladenen Herzens erreicht das Ohr Gottes. Nur das „Gebet des Gerechten, wenn es ernstlich ist“, vermag viel. O wie nötig haben wir es, die Hilfe des Heiligen Geistes zu suchen, denn Er allein kann wirkliches Gebet in uns erwecken.

„Damit dies Volk erkennt, dass du, HERR, Gott bist.“ Dies war die höchste Sehnsucht in Elias Seele: dass öffentlich und unwiderlegbar bewiesen würde, dass Jehova, und nicht Baal oder irgendein Götze, der wahre Gott war. Das Herz des Propheten war von dem Verlangen beherrscht, dass Gott verherrlicht werden möge. Und ist das nicht bei all seinen wahren Knechten so? Sie sind bereit, jedes Ungemach zu erdulden, sich hinzugeben und hingegeben zu werden, wenn nur dadurch ihr Meister erhöht wird. „Ich bin bereit, nicht allein mich binden zu lassen, sondern auch zu sterben in Jerusalem für den Namen des Herrn Jesus“ (Apg. 21,13). Wie viele sind seither tatsächlich in Seinem Dienst und zum Lobpreis Seines heiligen Namens gestorben! Und das ist auch die tiefste und beständigste Sehnsucht jedes Christen, der sich nicht in abgefallenem Zustand befindet: all seine Bitten gehen hieraus hervor und münden hierin das Gott verherrlicht werde. Sie haben, in ihrem Maße, von dem Geist ihres Erlösers getrunken: „Vater, verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche“ (Joh. 17,1). Wenn das die Motivation hinter unserem Gebet ist, dann ist uns die Erhörung gewiss.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Kapitel.18 Wirksames Gebet

Beitragvon Joschie » 06.09.2019 07:09

„... und ihr Herz wieder zu dir kehrst“ (V. 37) – von ihrem Herlaufen hinter den verbotenen Zielen wieder hin zu Dir, von dem Baal zu dem Dienst und der Anbetung des wahren und lebendigen Gottes. Nach der Ehre seines Meisters war die Befreiung Israels von den Verführungen des Satans das tiefste Verlangen in Elias Herz. Er war kein selbstsüchtiges, um sich selbst kreisendes Individuum, dem das Schicksal seiner Gefährten gleichgültig war: vielmehr war er bestrebt, dass auch sie als ihr Teil und höchstes Gut das bekämen, was seine eigene Seele so tief befriedigte. Und wieder frage ich: Gilt nicht dasselbe für alle wahren Knechte und Heiligen Gottes? Neben der Herrlichkeit ihres Herrn ist doch das, was ihren Herzen am nächsten liegt und beständiges Anliegen ihrer Gebete ist, die Errettung von Sündern, dass sie von ihren bösen und närrischen Wege zu Gott bekehrt werden mögen. Beachte die beiden kursivgedruckten Wörter: „dass du, HERR, Gott bist und ihr Herz wieder zu dir bekehrst“ – einzig die Hinwendung des Herzens zu Gott wird für die Ewigkeit Bedeutung haben, und einzig der Einsatz der mächtigen Kraft Gottes kann diese Verwandlung zustande bringen.

Nachdem wir detailliert und ausführlich jede Bitte in Elias wirksamem Gebet betrachtet haben, möchte ich die Aufmerksamkeit auf ein weiteres Merkmal lenken, nämlich auf seine auffällige Kürze. Es nimmt nur zwei Verse in unserer Bibel ein und besteht in der deutschen Übersetzung nur aus fünfzig, im ursprünglichen Hebräisch aus noch weniger Wörtern. Welch ein Unterschied zu den langgezogenen, ermüdenen Gebeten auf so mancher Kanzel heutzutage! „Sei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein“ (Pred. 5,1). Solche Verse scheinen für die Mehrheit der Geistlichen keine Bedeutung zu haben. Eines der Kennzeichen der Schriftgelehrten und Pharisäer war es, dass sie „zum Schein (um die Menschen mit ihrer Frömmigkeit zu beeindrucken) lange Gebete“ verichteten (Mk. 12,40). Ich will die Tatsache nicht übersehen, dass unter der Salbung des Geistes dem Knecht Christi viel Freiheit gewährt werden kann, sein Herz ausgiebig vor Gott auszuschütten, doch das ist die Ausnahme, nicht die Regel, wie Gottes Wort klar beweist.

Eines der vielen Übel, die aus langen Gebeten von der Kanzel erwachsen, ist die Entmutigung schlichter Seelen unter den Zuhörern: sie können leicht zu dem Schluss kommen, dass, wenn ihre private Andacht sich nicht auch in gleicher Länge hinzieht, der Herr ihnen wohl den Geist des Gebets versagt hat. Wenn einer meiner Leser darüber beunruhigt ist, möchte ich ihn auffordern, die Gebete der Heiligen Schrift im Alten und Neuen Testament – zu studieren: er wird finden, dass sie fast alle überaus kurz sind. Die Gebete, die solch bemerkenswerte Antworten aus dem Himmel zur Folge hatten, waren wie dieses von Elia: kurz und auf den Punkt, inbrünstig und bestimmt. Kein Mensch wird aufgrund der Menge seiner Worte erhört, sondern nur, wenn seine Bitten vom Herzen kommen, aus dem Verlangen nach Gottes Ehre entspringen und in kindlichem Glauben dargebracht werden. Möge der Herr uns gnädig vor Heuchelei und Formalismus bewahren und uns unsere Bedürftigkeit spüren lassen, zu Ihm zu rufen: „Herr, lehre uns (nicht, wie wir beten, sondern) beten.“
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Kapitel.19 Die Antwort mit Feuer

Beitragvon Joschie » 19.09.2019 16:08

Kapitel.19 Die Antwort mit Feuer

In unserem letzten Kapitel habe ich versucht, praktische Anwendungen aus dem Gebet, das Elia auf dem Berg Karmel an Gott richtete, für uns abzuleiten. Es ist „uns zur Lehre geschrieben“ (Röm. 15,4) und zur Ermutigung; und es sind viele wertvolle Lektionen darin enthalten, wenn unsere Herzen nur bereit sind, sie anzunehmen. Mit wenigen Ausnahmen geben die modernen Kanzeln wenig oder gar keine Hilfestellung zu diesem wichtigen Thema, vielmehr sind sie denen, die den Weg des Herrn vollkommener erkennen möchten, noch ein Hindernis. Wenn junge Christen Sehnsucht haben, die Geheimnisse angenehmen und wirksamen Betens zu entdecken, dürfen sie sich nicht von dem leiten lassen, was sie jetzt in der religiösen Welt sehen und hören; stattdessen sollten sie sich der göttlichen Offenbarung zuwenden, die Gott gnädig als ihres Fußes Leuchte und Licht auf ihrem Wege gegeben hat. Wenn sie demütig Unterweisung aus Gottes Wort suchen und vertrauensvoll auf die Hilfe Seines Heiligen Geistes zählen, dann werden sie von jener Anomalie erlöst, die man heute Gebet nennt.


Auf der einen Seite müssen wir von einer kalten, mechanischen und formellen Art des Betens befreit werden, die lediglich ein Lippendienst ist und in der keine echte Annäherung an den Herrn, kein Sich-freuen in Ihm, kein Ausgießen des Herzens vor Ihm enthalten ist. Auf der anderen Seite müssen wir vor einer unziemlichen, wilden und fanatischen Raserei bewahrt werden, die in einigen Gruppierungen mit geistlicher Wärme und Ernsthaftigkeit verwechselt wird. Es gibt manche, die allzu sehr an die Anbeter Baals erinnern, wenn sie beten, indem sie Gott anrufen, als wäre Er taub. Sie scheinen die Erregung ihrer animalischen Geister und wilde Körperverdrehungen als das Wesen des Gebets anzusehen und verachten solche, die zu Gott in einer stillen, gesetzten, schicklichen und ordentlichen Weise reden. Solch unehrerbietige Raserei ist sogar noch schlimmer als Formalismus. Lärm darf nicht mit Inbrunst verwechselt werden, und Schwärmerei nicht mit andächtiger Hingabe. „So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet“ (1.Petr. 4,7) das ist das göttliche Korrektiv für dieses Übel.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Kapitel.19 Die Antwort mit Feuer

Beitragvon Joschie » 31.10.2019 15:49

Nun wollen wir die bemerkenswerten Ereignisse betrachten, die diesem schlichten Gebet Elias folgten. Und auch hier lade ich den Leser ein, sich mit mir die Szene bildlich vorzustellen und gleichsam seinen Platz auf dem Karmel einzunehmen. Wir lassen unsere Augen über die gewaltige Volksmenge schweifen, die dort versammelt ist. Wir sehen die große Gruppe der mittlerweilen erschöpften, geschlagenen Baalspriester. Wir hören die Schlussworte von Elias Gebet: „Erhöre mich, HERR, erhöre mich, damit dies Volk erkennt, dass du, HERR, Gott bist und ihr Herz wieder zu dir kehrst!“ (1,Kön.18,37). Welch ein erhabener Moment muss das gewesen sein! Mit welch angespannter Erwartung muss die Menge den Ausgang erwartet haben! Was wird geschehen? Wird der Knecht Jehovas ebenso zuschanden werden wie die Baalspropheten? Wenn keine Antwort erfolgt, wenn kein Feuer vom Himmel kommt, dann hat der Herr nicht mehr Anrecht, sich Gott nennen zu lassen, als Baal. Dann würde alles, was Elia getan hatte, sein ganzes Zeugnis davon, dass sein Meister der einzige wahre und lebendige Gott sei, als Täuschung angesehen werden. Welch ein ernster und feierlicher Augenblick!

Doch das kurze Gebet Elias war kaum beendet, da lesen wir: „Da fiel das Feuer des HERRN herab und fraß Brandopfer, Holz, Steine und Erde und leckte das Wasser auf im Graben“ (V. 38). Durch dieses Feuer verbürgte sich der Herr, dass Er der einzig wahre Gott war, und bezeugte gleichzeitig, dass Elia Sein Prophet und dass Israel Sein Volk war. Mit welch wunderbarer Gnade lässt sich Gott zu den Menschen herab, dass Er ihnen immer wieder die offensichtlichsten Wahrheiten bezüglich Seines Wesens, Seiner Eigenschaften, der göttlichen Autorität Seines Wortes und der Natur Seines Gottesdienstes vor Augen führt. Nichts ist erstaunlicher als dies, ausgenommen vielleicht die Verkehrtheit der Menschen, die solche wiederholten Kundgebungen missachten. Wie gnädig von Gott, solche Beweise zu liefern und jegliche Zweifel absolut widersinnig und unentschuldbar zu machen! Wer die Lehren der Heiligen Schrift ohne zu hinterfragen annimmt, ist kein leichtgläubiger Narr, denn er folgt keinen klug ersonnenen Fabeln, sondern er nimmt den unanfechtbaren Zeugenbericht jener an, die mit eigenen Augen die erstaunlichsten Wunder gesehen haben. Der christliche Glaube ruht auf einem Fundament, das sich vor keiner noch so genauen Untersuchung zu fürchten braucht.

„Da fiel das Feuer des HERRN herab.“ Dass dies kein gewöhnliches, sondern ein übernatürliches Feuer war, war an seiner Wirkung klar zu erkennen. Es kam von oben. Dann verschlang es die Stücke des Opfers, und danach das Holz, worauf es gelegt war diese Reihenfolge macht deutlich, dass das Fleisch des Stieres nicht durch das Holz verbrannt wurde. Sogar die zwölf Steine des Altars wurden verzehrt, um es noch offensichtlicher zu machen, dass dies kein normales Feuer war. Als ob dies noch nicht Beweis genug für die außerordentliche Natur dieses Feuers wäre, fraß es auch noch „die Erde und leckte das Wasser auf im Graben“ und verdeutlichte damit, dass es ein Feuer war, dessen Kraft nichts widerstehen konnte. In jedem Falle war die Wirkung dieses Feuers abwärts, also entgegen der Natur alles irdischen Feuers. Hier waren keine Tricks im Spiel, sondern eine übernatürliche Kraft, die jeglichen Grund zum Argwohn in den Zuschauern beseitigte und sie mit der Macht und Majestät Dessen konfrontierte, den sie so schmählich missachtet hatten.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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