Straßenpredigt als Mittel der Evangelisation

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PeterG
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Re: Straßenpredigt als Mittel der Evangelisation

Beitragvon PeterG » 03.03.2018 17:48

Eine grundsätzlichere Frage von mir dazu:
Wenn die Evangelisation bzw. die Mission (je nach Definition) so wichtig ist, warum findet diese praktisch keinen Niederschlag in den Gemeindebriefen? Nirgends wird eine Gemeinde für ihren evangelistischen Einsatz gelobt, noch eine andere für das Fehlen getadelt.
Ich bin auf eure Antworten gespannt.
Röm 1:16: "Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben."

Jose
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Re: Evangelisation bzw. Mission

Beitragvon Jose » 03.03.2018 19:38

Hier einige Worte die mich sehr ansprechen:

Wenn die Welt euch hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.
Joh 15,18-19

Und nun, Herr, sieh an ihre Drohungen und gib deinen Knechten, dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden; indem du deine Hand ausstreckst zur Heilung, dass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus. Und als sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit.
Apg 4,29-31

Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.
Röm 1,16

So sind wir nun Gesandte an Christi statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt; wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!
2. Kor 5,20

Dies nun sage und bezeuge ich im Herrn, dass ihr nicht mehr wandeln sollt, wie auch die Nationen wandeln, in Nichtigkeit ihres Sinnes.
Eph 4,17

Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts - denn die Frucht des Lichts besteht in lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit -, indem ihr prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist. Und habt nichts gemein mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern stellt sie vielmehr bloß!
Eph 5,8-11

Ich will aber, dass ihr wisst, Brüder, dass meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums ausgeschlagen sind, so dass meine Fesseln in Christus im ganzen Prätorium und bei allen anderen offenbar geworden sind und dass die meisten der Brüder im Herrn Vertrauen gewonnen haben durch meine Fesseln und viel mehr wagen, das Wort Gottes ohne Furcht zu reden.
Phil 1,12-14

Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus, damit ich, sei es, dass ich komme und euch sehe oder abwesend bin, von euch höre, dass ihr fest steht in einem Geist und mit einer Seele zusammen für den Glauben des Evangeliums kämpft.
Phil 1,27

Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Mazedonien und in Achaja, sondern an jeden Ort ist euer Glaube an Gott hinausgedrungen, so dass wir nicht nötig haben, etwas zu sagen. Denn sie selbst erzählen von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen.
1. Thess 1,8-9

So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide mit für das Evangelium nach der Kraft Gottes!
2. Tim 1,8

Geliebte, ich ermahne euch als Beisassen und Fremdlinge, dass ihr euch der fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten, enthaltet, und führt euren Wandel unter den Nationen gut, damit sie, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, aus den guten Werken, die sie anschauen, Gott verherrlichen am Tage der Heimsuchung!
1. Petr 2,11-12

Wundert euch nicht, Brüder, wenn die Welt euch hasst.
1. Joh 3,13

Das schönste Wort für mich ist aber:
Unser Brief seid ihr, eingeschrieben in unsere Herzen, erkannt und gelesen von allen Menschen; von euch ist offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, ausgefertigt von uns im Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf Tafeln, die fleischerne Herzen sind.
2. Kor 3,2-3

Möge es bei uns allen so sein, damit wir Licht und Salz sind in dieser Welt, von allen gesehen und wahrgenommen.

albi
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Re: Straßenpredigt als Mittel der Evangelisation

Beitragvon albi » 03.03.2018 21:04

Hallo lieber Jose.

Ich denke, du hast Recht. Nicht jeder ist zur Straßenpredigt berufen. Dabei ändere ich wohl gerade meine Ansicht etwas. Also ich will nicht sagen, wer das nicht tut ist ein schlechter Christ; ich denke nur, dass der Ruf allen gilt und jeder prüfen sollte, wie er evangelisiert oder besser gesagt, ob er überhaupt von Jesus Christus kündigt.

Und natürlich sehe ich es auch so, dass man im Alltag die Chancen genauso nutzen sollte. Zum Beispiel war ich heute bei einer Geburtstagsfeier von einer Familie wegen ihrem kleinen Sohn (süßes ein Jahr alt $:D geworden), und dort ergab sich die göttliche Gelegenheit mit einer älteren Frau über das Evangelium zu sprechen. Da war ich auch froh und schenkte ihr am Ende noch eine Schrift; und nun bete ich für sie.
Jose hat geschrieben:
03.03.2018 11:38
als Christen sind wir immer Missionare
Ich finde es schön, dass du es so sagst. Wir müssen nicht erst eine "Beziehung" oder "Freundschaft" mit den Verlorenen eingehen. Wir können immer die Gelegenheit suchen, Leuten Zeugnis zu geben. Auch Fremden, wenn es sich ergibt; und ich bin auch dafür, sogar Fremde anzsprechen in Straßenmission. Den Missionsbefehl sehe ich als pro-aktiv. Wir dürfen nicht warten, bis die Leute uns fragen oder von allein in die Gemeinde kommen.
Jose hat geschrieben:
03.03.2018 11:38
Und was mir auch besonders wichtig wurde, ist die Frage, ob ich auch die Menschen, mit denen ich über Jesus rede, gerne in die Gemeinde einlade, damit sie dort das Wort Gottes hören und auf Gotteskinder treffen. Es geht darum, Menschen zu Jesus und in eine Gemeinde einzuladen. Letztlich dient jede Evangelisation dazu.
Das sehe ich etwas anders. Das Ziel muss nicht sein, Menschen in die Gemeinde einzuladen. Die Evangelisation ist nicht IN der Gemeinde, sondern DRAUSSEN. Ich halte es für einen großen Irrtum, dass man Sünder immer in die Gemeinde einlädt; natürlich können sie zu Besuch kommen, aber IN der Gemeinde sollen die Jünger erbaut und belehrt werden; dort ist nicht das primäre Ziel, Sünder zu bekehren. Dieser Aufgabe gilt außerhalb der Gemeinderäume. Wobei es natürlich nicht falsch ist, auch Leute einzuladen, um Christen und die GEmeinschaft kennen zu lernen; aber auch wenn die Leute "die Liebe, die ihr untereinander habt" sehen, ist das nicht Evangelisation. Auch nicht, wenn wir nett udn sozial und freundlich zu den Leuten sind. Evangelisieren ist immer die verbale Proklamation oder Zeugnis von der Heilsbotschaft.

Ein Christ oder eine Ortsgemeinde ist nicht das Evangelium - Jesus Chrisus am Kreuz um der Sünde willen, begraben und auferstanden um unserer Rechtfertigung willen: Das ist das Evangelium!

Gerade die unbiblische Lehre der sogenannten "Freundschafts-" oder "Beziehungs-Evangelisation" verdreht heute in der Gemeinde Jesu das Verständnis von Evangelisation in Richtung "knüpf viele soziale Kontakte, sei nett und freundlcih, zeige deinen guten Wandel und sei allezeit bereit, Rechenschaft zu geben von der Hoffnung, die in dir ist, wenn dich mal einer fragt was dich so besonders macht". Das macht aus der aktiven, offensiven Zeugnisgeben im Neuen Testament eine passive und defensive Sache; es geht darum, das Evangelium mit anderen "zu teilen". Christen warten ab, bis sie "die Erlaubnis" bekommen, über das Seelenheil zu reden. Jesus und Paulus aber "teilten" das Wort Gottes nicht mit anderen, sondern sie proklamierten offen die Wahrheit. Und Gott gebietet allen Sündern überall, Buße zu tun, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er durch Jesus Christus die Erde in Gerechtigkeit richten wird. Es ist ein Befehl des lebendigen Gottes, Buße zu tun und das Wort vom Kreuz zu glauben. Und wir dürfen/sollen durchaus zu Menschen den Befehl Gottes verkünden.
PeterG hat geschrieben:
03.03.2018 17:48
Wenn die Evangelisation bzw. die Mission (je nach Definition) so wichtig ist, warum findet diese praktisch keinen Niederschlag in den Gemeindebriefen? Nirgends wird eine Gemeinde für ihren evangelistischen Einsatz gelobt, noch eine andere für das Fehlen getadelt.
Das ist eine sehr interessante Frage. Ich weiß gerade keine Antwort. Vielleicht ein anderer? Aber es kann doch wohl auch kaum bedeuten, dass man dann die Mission / Evangelisation sein lassen kann. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Briefe zentral die Gemeinde INNEN erbauen und belehren soll, während die Außenmission eben vielfach in den Evangelien und der Apostelgeschichte beschrieben wird?

Jose
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Re: Straßenpredigt als Mittel der Evangelisation

Beitragvon Jose » 04.03.2018 19:41

Hallo lieber albi,
es würde mich genauer interessieren, ob du hierzu biblische Argumente hast:
albi hat geschrieben:
03.03.2018 21:04
Das Ziel muss nicht sein, Menschen in die Gemeinde einzuladen. Die Evangelisation ist nicht IN der Gemeinde, sondern DRAUSSEN. Ich halte es für einen großen Irrtum, dass man Sünder immer in die Gemeinde einlädt; natürlich können sie zu Besuch kommen, aber IN der Gemeinde sollen die Jünger erbaut und belehrt werden; dort ist nicht das primäre Ziel, Sünder zu bekehren.
Es geht in der Tat nicht lediglich darum, Menschen in eine Gemeinde einzuladen, - wobei schon beim Einladen die Evangelisation beginnt -, sondern es geht darum, Menschen mit Jesus bekannt zu machen, und die Gemeinde sollte hierzu durchaus als Ort geeignet sein. Und die Gemeinde ist nicht nur für die „Frommen“ dar, denn wir ermuntern doch auch unsere ungläubigen Angehörigen und Kinder in die Gemeinde zu kommen, um Gottes Wort zu hören.

albi hat geschrieben:
03.03.2018 21:04
Ein Christ oder eine Ortsgemeinde ist nicht das Evangelium - Jesus Chrisus am Kreuz um der Sünde willen, begraben und auferstanden um unserer Rechtfertigung willen: Das ist das Evangelium!
Auch der Straßenprediger ist nicht das Evangelium, sondern die Botschaft vom Kreuz. Und darum geht es, dass diese Botschaft Menschen erreicht.

albi hat geschrieben:
03.03.2018 21:04
Gerade die unbiblische Lehre der sogenannten "Freundschafts-" oder "Beziehungs-Evangelisation" verdreht heute in der Gemeinde Jesu das Verständnis von Evangelisation in Richtung "knüpf viele soziale Kontakte, sei nett und freundlcih, zeige deinen guten Wandel und sei allezeit bereit, Rechenschaft zu geben von der Hoffnung, die in dir ist, wenn dich mal einer fragt was dich so besonders macht". Das macht aus der aktiven, offensiven Zeugnisgeben im Neuen Testament eine passive und defensive Sache; es geht darum, das Evangelium mit anderen "zu teilen".
Ich weiß nicht, woran du genau dachtest, aber ein soziales Evangelium alleine taugt mit Sicherheit nichts und man muss sich vor Vermischung sehr in Acht nehmen. Allerdings, absondern sollte man sich auch nicht und ich muss anderen auch nicht immer wieder vorhalten: „Du musst dich bekehren!“.

Und ich dachte darüber nach, dass wenn wir mit Menschen über Jesus reden und ihnen Bibelworte sagen, dann sind es oftmals Worte, die in den Briefen an die Gemeinden geschrieben wurden, also eigentlich „Predigten“ an die Gläubigen. Da denke ich z.B. an: "Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit" 1. Joh 1,9, oder: "Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir" Offb 3,20. Gerade diese Bibelstelle aus Offenbarung wird oft Ungläubigen zugerufen, dabei war das Wort an eine Gemeinde geschrieben.

Heute, im Gottesdienst, erwähnte der Prediger u.a. auch die Notwendigkeit, dass wir Buße tun sollten über die Schuld der Christen in Deutschland. Und er ermahnte auch sehr dringend, nicht auf andere zu zeigen und meinen: „Wenn alle so wären wie ich, dann sähe es nicht so aus“. Es hat mich sehr bewegt, denn in der Tat, wir sind gut darin, von uns viel zu halten und die Schuld auf andere zu schieben. Es gibt viele Christen die über andere Christen lästern und nur negativ reden und das auch vor Ungläubigen. Was soll die Welt von den Christen halten?

Jesus sagt: "Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt" Joh 13,34-35. Es geht hier um die Welt, sie soll an der Liebe, die wir untereinander haben, erkennen, dass wir Jünger Jesu sind. Und wo soll die Welt das sehen, wenn nicht in der Gemeinde?

Im Gottesdienst wurde auch die Bibelstelle erwähnt: "Denn »der Name Gottes wird euretwegen unter den Nationen gelästert«, wie geschrieben steht" Röm 2,24. Es ist leider eine Tatsache, und die lässt sich mit der Straßenpredigt nicht aus der Welt schaffen. Daher mein Anliegen, dass wenn wir Menschen von Jesus erzählen und ihnen die Notwendigkeit der Bekehrung versuchen zu erklären, wir dann auch überlegen, wohin wir sie einladen können, um Gotteswort zu hören. Das beschäftigt mich persönlich sehr.

albi
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Re: Straßenpredigt als Mittel der Evangelisation

Beitragvon albi » 05.03.2018 11:56

Hallo Jose.

Ja, oft werden Bibelworte, die im Kontext der Schrift für Gläubige gelten, an Ungläubige zur Bekehrung gesagt. Das fiel mir auch auf. Mir fällt dazu noch ein:

"heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht" (Hebräer 3,7-8). Auch das spricht Gläubige an und soll sie ermahnen und ist kein Bekehrungsruf an die Welt.

Die Verlorenen dürfen natürlich die Gemeinde besuchen. Aber schau doch nur mal historisch: Als die Gemeinde begründet wurde war sie verfolgt und unterdrückt. Auch in den späteren Jahrhunderten. Oder heute viele Geschwister in Russland. Man kann oft nicht einfach wild alle möglichen Leute einladen und sagen "schau mal vorbei". Es gibt Gegenden, wo es lebensgefährlich sein kann, Christ zu sein und die Gemeinde zu besuchen.

Und Namenschristen und Scheinbekehrten wie der Zauberer Simeon wurden sofort ermahnt um ihrer Sünde. Ananias und Saphira wurden damals noch sofort vom Herrn totgeschlagen wegen ihrer Heuchelei. Jesus Christus will seine Gemeinde rein erhalten und nicht Namenschristen und Scheinbekehrten vermischen lassen oder so, dass sie voller ungläubiger (= gotthassender) Besucher wird, die nur wegen den "netten sozialen Christen kommen". (Wenn ich Gemeindeleiter wäre - was ich nicht bin - würde ich mit diesen Personen immer wieder über ihr Seelenheil sprechen und dann mittelfristig zur Buße und Glauben rufen, und wenn sie nicht zum Glauben kommen ihnen auf Dauer den Gemeindebesuch nicht mehr gestatten. Die Gemeinde besteht nicht aus vielen ungläubigen "Besuchern", sondern aus wiedergeborene Kinder Gottes. Besucher düfen kommen, aber eben als das: Besucher. Kein Besucher bleibt dauerhaft. Er darf sehr gerne ein Familienmitglied werden, oder er soll mittelfristig wieder das Haus Gottes verlassen, weil er sich weigert, sich Christus zu unterwerfen. Dann bestünde die Versammlung Kindern Gottes und Gottlosen. Ich persönlich würde diese Vermischung des Tempel Gottes auf Dauer nicht dulden. Jeder bekäme als Besucher genügend Zeit, das Evangelium zu hören und Christus und die Jünger kennenzulernen, wenn er dann aber in dieser Zeit nicht zum Glauben findet, würde ich ihn vom weiteren Besuch ausschließen. Je mehr solcher ungläubiger regelmäßigen Besucher eine Kirche hat, führte das doch nur dazu, dass die Gemeinde sich immer mehr vermischt und verweltlicht und an Kraft verliert.)

Wo sollen denn die Verlorenen das Evangelium hören? Natürlich dort, wo sie eh schon sind, im Alltag. Die Leute haben doch im Alltag mit uns zu tun. Auch Arbeit, Nachbarschaft, oder eben auf der Straße oder den Märkten durch öffentliche Predigt / Evangelisation/ Traktaten / Büchertischen usw. Mich frustriert sehr oft die Einstellung der Christen: "Ach, ich lade die Person in die Gemeinde ein, dann wird sie dort schon irgendwie das Evangelium in der Predigt hören." Die Einstellung sollte aber sein: "Es ist meine eigene Verantwortung, der Person selbst vom Evangelium zu sagen, und zwar in den Situationen, wo mich Gott mir ihr hingestellt hat." Man lädt zu oft die Verantwortung auf die Gemeinde ab und meint und lädt Leute ein und meint, das sei "Evangelisation".

Im Übrigen erlebe ich auch in meiner eigenen Gemeindegruppe, dass Besucher selten aktiv evangelisiert werden. Ich kann mich nur an ein einziges mal erinnern, dass ein muslimischer Besucher aktiv von mehreren über sein Seelnheil und Christus gesprochen wurde. Man ist halt sonst einfach "nett" und "sozial", aber es kommt selten vor, dass jemand aktiv die Verlorenen "nötigt, in das Reich Gottes zu gelangen" (aktive und engagierte Überzeugungsarbeit).

Die Gemeinde bräuchte dringend Zurüstung der Heiligen ,wie man das Evangelium an die Verlorenen verkündet. Aber genau das fehlt so oft. Man denkt, das sei nicht nötig. Aber ich erlebe fast keinen anderen Christen, der überhaupt sich bemüht, das Evangelium zu verkünden (ich meine jetzt persönlich im Gespräch). Auch einige Umfragen ergaben ja, dass ganz, ganz wenige Christen überhaupt andere aktiv evangelisieren. Das ist ein schrecklicher Zustand. :cry:

Das "in die Gemeinde einladen" führt in Gemeinde auch oft zu guten sozialen und freundschaftlichen Kontakten, so dass sich die Menschen mehr mit der Gemeinde und den Christen verbinden als mit Christus. Man findet alle so nett und will dazugehören, also lässt man sich taufen ("Freundschafts- und Beziehungsevangelisation"). So entstehen viele Scheinbekehrungen.

Ich meine, die Gemeinde ist primär zur Erbauung der Christen da, damit sie dann draußen Zeugnis geben können.

In 1. Korinther 14 scheint es auch so, als wäre die Gegenwart von Unerlösten eher eine Ausnahme in der ekklesia:

"23 Wenn nun die ganze Gemeinde am selben Ort zusammenkäme, und alle würden in Sprachen reden, und es kämen Unkundige oder Ungläubige herein, würden sie nicht sagen, dass ihr von Sinnen seid?
24 Wenn aber alle weissagten, und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger herein, so würde er von allen überführt, von allen erforscht;
25 und so würde das Verborgene seines Herzens offenbar, und so würde er auf sein Angesicht fallen und Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig in euch ist."

So, noch mal: Ich will nicht sagen, Ungläubige dürfen nicht kommen, nein nein! Sie mögen gerne kommen! Ich bin nur sehr dagegen, dass man diese Gemeindebesuche als "evangelistisches Mittel" sieht, sofern in der Gemeinde dann nicht wirklich ernsthaft versucht wird, den Menschen vom Heil zu überzeugen. Aber oft sind die Christen dann einfach nur "nett" und "sozial", freuen sich über neue Besucher und wollen keinen Anstoß geben. So redet man nicht über Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. Dann kommen die Leute immer wieder, werden schon fast ein Teil der sozialen Gruppe, und dass sie immer noch verloren sind verliert dann fast an Gewicht.

Viele moderne Gemeinden bestehen wegen solchen Praktiken schon fast aus mehr halbbekehrten Besuchern und scheinbekehrten Mitgliedern als aus wiedergeborenen Kindern Gottes. Dann ist es auch kein Wunder, wenn Rock and Roll Musik eingeführt werden soll, um das Fleisch zu befriedigen.

PS: Vielleicht mögen mich jetzt einige nicht, weil ich so denke. Aber ich meine schon, das dies biblisch richtiger ist als eine offene "Einladung an jeden und alle". Wie gesagt, in Russland oder China können es sich die Untergrundkirche auch nicht leisten, einfach jeden einzuladen. Ich nehme an, dort wird also auch anders - nämlich draußen - aktiv evangelisiert, im Alltag.

Jose
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Re: Straßenpredigt als Mittel der Evangelisation

Beitragvon Jose » 11.03.2018 18:50

albi hat geschrieben:
05.03.2018 11:56
Wenn ich Gemeindeleiter wäre - was ich nicht bin - würde ich mit diesen Personen immer wieder über ihr Seelenheil sprechen und dann mittelfristig zur Buße und Glauben rufen, und wenn sie nicht zum Glauben kommen ihnen auf Dauer den Gemeindebesuch nicht mehr gestatten.
Wir können niemand bekehren, und Besucher sind und bleiben Gäste. Jemand den Gemeindebesuch nicht mehr gestatten, nur weil sich die Person nicht bekehrt? Das sind für mich seltsame Ansichten. Bekehren kann nur Gott, aber die Gemeinde sollte sich fragen, warum die Gläubigen oft so wenig „Zeugen- und Zeugungskraft“ haben, wie es mal jemand ausgedrückt hat.

albi hat geschrieben:
05.03.2018 11:56
Mich frustriert sehr oft die Einstellung der Christen: "Ach, ich lade die Person in die Gemeinde ein, dann wird sie dort schon irgendwie das Evangelium in der Predigt hören." … Man lädt zu oft die Verantwortung auf die Gemeinde ab und meint und lädt Leute ein und meint, das sei "Evangelisation".
Die Einstellung ist natürlich verkehrt, denn man sollte ernstlich für die Person beten. Ich vermute eher, wie mir vor einiger Zeit jemand schrieb und es mir bestätigte, dass manche Christen gar nicht gerne Ungläubige in die eigene Gemeinde einladen, weil man dort sich nur um sich selber dreht und die Gemeinde nicht evangelistisch ist.

albi hat geschrieben:
05.03.2018 11:56
Im Übrigen erlebe ich auch in meiner eigenen Gemeindegruppe, dass Besucher selten aktiv evangelisiert werden.
In eine Gemeinde sollten schon die Lieder, die Gebete und besonders die Predigt auf Jesus hinweisen. Ich denke, dass der muslimische Besucher, wenn er schon in der Gemeinde war, - und da gehört viel dazu -, in der Predigt etwas über das Seelenheil in JESUS gehört hatte. Wenn nicht, ist es schade. Vielleicht haben auch einige, während der Predigt, für ihn gebetet. Das ist oftmals das entscheidende.


Ich wünsche uns viel Freude und Mut, um von Jesus zu zeugen, aber besonders viel Liebe für die Verlorenen, wie es mir aus dem Zeugnis von John Harper so bewusst wurde. Vielleicht ist sein Zeugnis bekannt: hier

PeterG
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Re: Straßenpredigt als Mittel der Evangelisation

Beitragvon PeterG » 13.03.2018 17:17

Ich hoffe, meine Frage führt jetzt nicht zu weit weg vom Thema "Straßenpredigt", aber ...
Welche Mittel, Methoden usw. der Evangelisation wird in euren Gemeinden oder von euch eingesetzt? Büchertisch, Traktate verteilen, evangelistische Veranstaltungen, Singen in der Fußgängerzone, von Haus zu Haus? Vielleicht bekommen wir hier ja eine gute Liste mit Möglichkeiten zusammen, die auch biblisch sind.
Röm 1:16: "Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben."


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