Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

Beitragvon Joschie » 10.01.2018 18:26

Regelmäßige Lesungen aus der Schatzkammer Davids von C.H.Spurgeon

Vorwort

»Nun ist das Riesenwerk getan! Alle Ehre sei Gott dargebracht!« So schrieb Spurgeon, als er den letzten Band des »Treasury of David« hinausgehen ließ. »Mehr als zwanzig Jahre sind dahingeglitten, während diese Arbeit unter meinen Händen war; aber den Reichtum an Gnade zu ermessen, der während dieser Zeit verschwenderisch über mich ausgeschüttet worden ist, dazu ist mein Herz bei aller Dankbarkeit nicht imstande.

»Doch so freudig ich den Herrn dafür preise, dass er es mir hat gelingen lassen, das Werk zu vollenden, lagert sich ein Schatten von Traurigkeit über mein Gemüt, da ich nun die Schatzkammer Davids verlasse, um nie auf Erden ein reicheres Vorratshaus zu finden, wiewohl mir der ganze weite Palast der göttlichen Offenbarung offen steht. Es waren gesegnete Tage, da ich mit dem Psalmisten sinnend, betend, trauernd, hoffend, glaubend und frohlockend in tiefe innere Gemeinschaft treten durfte. Kann ich wohl hoffen, diesseits der Tore der goldenen Stadt noch freudenreichere Stunden zu erleben? Vielleicht nicht; denn diese Zeiten sind mir überaus köstlich gewesen, da die Harfe des großen Dichters des Heiligtums mein Ohr entzückte. Doch mag die Übung und innere Erziehung, die mir durch diese von Himmelsluft durchwehten Betrachtungen geworden ist, glücklicherweise von weitreichendem Einfluss sein, ein friedevolles Gemüt zu schaffen und zu erhalten, das nie ohne seinen eigenen seligen Psalmengesang sein wird und nie ohne das Streben nach noch Höherem, als es bisher kennen gelernt hat.
Das Psalmbuch unterweist uns ebenso sehr im Gebrauch von Flügeln, als in dem von Worten; es lehrt uns, der Lerche gleich von der Erde zu den Himmelshöhen uns singend emporzuschwingen. Oft habe ich bei der Arbeit die Feder hingelegt, um mit dem Psalm, den ich bearbeitete, in höhere Regionen aufzusteigen und Gesichte von Gott zu beschauen. Wenn ich hoffen darf, dass diese Bände andern Herzen beim Lesen so nützlich sein werden, wie meinem Herzen, während ich sie schrieb, dann bin ich durch diese Aussicht wohl belohnt.«

Aus diesem Zeugnis geht zur Genüge hervor, wie sehr es Spurgeon darum zu tun war, die Psalmen innerlich zu erleben, um sie dann mit lebensvoller Frische der Gemeinde auszulegen. Es wundert uns nicht, dass er manchmal die Feder geraume Zeit ruhen lassen musste, weil er sich in dem betreffenden Psalm noch nicht heimisch genug fühlte oder ihm die Aufgabe, die Psalmen würdig auszulegen, bei dem einen oder andern derselben allzu groß erschien. Mit gleicher Liebe und Sorgfalt widmete er sich jedem Psalm und strengte seine Kräfte bis zur äußersten Grenze seiner Fähigkeiten an, um die letzten Bände mit den früheren mindestens auf gleicher Höhe zu halten. Wusste er doch aus eigener Erfahrung reichlich, welche Enttäuschung es dem Leser bereitet, wenn er bei einer Auslegung nach einem viel verheißenden Anfang gegen das Ende eine bedenkliche Abnahme wahrnehmen muss.

In den »Erläuterungen und Kernworten« ist ein Teil des reichen Ertrages einer literarischen Schatzgräberarbeit von Jahrzehnten geborgen. Spurgeon wurde dabei von seinem Sekretär, sowie von Lehrern seiner Predigerschule und andern Freunden aufs Tatkräftigste unterstützt. Die Bibliothek des Britischen Museums und andere öffentliche und private Schatzkammern des theologischen Wissens wurden ständig benutzt. Neben den Puritanern und vielen anderen englischen Verfassern werden hier Stimmen sozusagen aus allen Jahrhunderten, allen Ländern und allen Kirchen (im Ganzen gegen 1500 verschiedene Verfasser) laut. Bei manchen Psalmen bot sich eine solche Fülle dar, dass nur ein verschwindend kleiner Teil der gesammelten und übersetzten Auszüge aufgenommen werden konnte. Bei anderen Psalmen hingegen, darunter auch manchen der ausgezeichnetsten, machte Spurgeon die Entdeckung, dass sie, soweit wirklich gründliche Auslegung in Frage komme, ein fast unbetretenes Land seien. Das trieb ihn desto mehr zu den lateinischen Schriftstellern, oft ganz seltenen Werken. Mächtige Folianten voll entsetzlich lang gesponnener Reden ergaben freilich auch da nur je und dann einige wenige gute Körnlein. Diese allerdings erschienen wertvoll genug, um die unsägliche Mühe und bedeutenden Kosten mit geistigem Gewinn zu lohnen.

Die Homiletischen Winke suchte Spurgeon immer reicher zu gestalten; Prof. Rogers, der Direktor des von Spurgeon gegründeten Predigerseminars, und manche aus dieser Anstalt hervorgegangene Prediger lieferten Beiträge. Die deutsche Bearbeitung strebte, soweit es sich dabei um das Übersetzen handelte, danach, bei wirklich treuer Wiedergabe des Originals und Wahrung des Spurgeon und den von ihm angeführten andern Schriftstellern eigentümlichen Gepräges, es den Leser möglichst wenig empfinden zu lassen, dass er eine Übersetzung vor sich hat. Es musste sich jedoch bei einem solchen Werke um mehr als eine bloße Übersetzung handeln. Könnte es doch auf den deutschen Leser nur störend wirken, wenn er sich fort und fort auf die englische Bibelübersetzung (die Authorised Version vom Jahr 1611) verwiesen sähe, die, wenn sie unter den älteren Übersetzungen auch einen ehrenvollen Platz einnimmt, bei dem deutschen Leser doch kein so hervorragendes Interesse beanspruchen kann. Den im Auftrag der deutschen Kirchenkonferenz durchgesehenen Luthertext setzten wir zwar zur Bequemlichkeit der Leser den Abschnitten voran; ihn der Bearbeitung durchweg zu Grunde legen konnten wir aber selbstverständlich ebenfalls nicht, wiewohl wir die bei aller Verbesserungsbedürftigkeit doch unvergleichlich schöne Übersetzung gern nach Möglichkeit berücksichtigten. Es musste vielmehr auf den Grundtext zurückgegangen und auf Grund eingehender Studien der Psalmen und ihrer bedeutendsten Auslegungen und Übersetzungen versucht werden, das von Spurgeon (und andern) Dargebotene mit allen irgend zu Gebote stehenden Mitteln dem Grundtext möglichst anzuschließen, es unter Umständen auch ganz frei zu bearbeiten, alles mit dem Ziel, dass das Werk dem deutschen Leser zum Verständnis und zur praktischen Anwendung des Schriftwortes möglichst gute Dienste leiste.

Der Kundige wird es Seite für Seite, sei es an der Wahl einzelner Ausdrücke, sei es an der ganzen Schattierung der Auslegung, wahrnehmen können, dass die besten Auslegungen und Übersetzungen andauernd in den Dienst der Bearbeitung des Werkes, namentlich auch der Spurgeonschen Auslegung, gestellt worden sind. Es wäre jedoch irrig, zu meinen, dass wir die von uns in der Auslegung gegebene Übersetzung des Bibeltextes stets für die uns entsprechendste Wiedergabe des Grundtextes ansähen. Dafür ist sie schon zu wörtlich gehalten. Ferner mussten wir in der Form derselben ja möglichst dem von Spurgeon Dargebotenen Rechnung tragen. Auch stehen sich, namentlich bei schwierigen Stellen, oft verschiedene Auffassungen, denen hie und da auch eine andere Weise, den Grundtext zu lesen, zu Grunde liegt, gegenüber, deren jede ihre bedeutenden Vertreter hat. Es haben sich, abgesehen von dem besondern Licht, das etwa einzelnen über gewisse Stellen zu bringen vergönnt war, in der Auffassung vieler Stellen verschiedene Traditionen gebildet, die sich von den alten Übersetzern und Auslegern her bis in unsere Tage verfolgen lassen. Da sind Spurgeon oder die sonst angeführten Verfasser oft einer anderen Auffassung gefolgt, als diejenige ist, welcher z.B. Luther sich angeschlossen hat oder aber wir uns anschließen würden.

So sehr der Herausgeber an manchen Stellen dem Grundtext und den Abnehmern zuliebe von seiner Freiheit als Bearbeiter Gebrauch machen zu müssen glaubte, hat er sich doch redlich bemüht, die Pietät gegen Spurgeon darin zu wahren, dass er den als Auslegung bezeichneten Teil nichts sagen ließ, wovon er annehmen musste, dass es gegen Spurgeons Grundsätze verstoßen hätte.

In den Fußnoten hat der deutsche Bearbeiter versucht, denjenigen Mitbrüdern im Dienst am Wort, welchen weder die Zeit zu eingehenden eigenen Studien noch das umfangreiche Kommentarmaterial zur Verfügung steht, einige bescheidene Winke zur selbstständigen Beurteilung der in der Auslegung gegebenen Übersetzung, sowie auch jeweils zum besseren Verständnis sowohl der Lutherübersetzung als des Grundtextes zu geben. Die durchgreifendste Änderung hat das Werk bei der deutschen Bearbeitung in den »Erläuterungen und Kernworten« erfahren, einerseits durch abermalige scharfe Sichtung und oft sehr stark zusammenziehende, das Beste herausnehmende Kürzung, anderseits durch Bereicherung aus zahlreichen Werken, namentlich aus der zum Teil zwar schon von Spurgeon, aber doch in geringerem Maße benutzten deutschen exegetischen und erbaulichen Psalmenliteratur. In diesem Teil glaubte der Herausgeber in den entsprechend gekennzeichneten Absätzen auch noch manches aus dem Ertrag seiner eigenen, die Übersetzungsarbeit begleitenden Psalmenstudien darbieten zu dürfen. Die von einigen Mitarbeitern, besonders im Anfang, dann wieder zum 119. Psalm gelieferten Übersetzungen konnte der Herausgeber um der Einheitlichkeit des Ganzen willen nur als zum Teil sehr schätzenswerte Vorarbeiten benutzen; mithin ruht die ganze Verantwortung für das Werk in der vorliegenden Gestalt auf ihm allein.

Das englische Werk hat in Hunderttausende von Bänden eine Verbreitung gefunden, wie wohl kein ähnliches Werk. Wiewohl die sich natürlich in viel engeren Grenzen haltende Verbreitung des deutschen Werkes durch das langsame Voranschreiten der Bearbeitung ungünstig beeinflusst wurde, war doch die erste starke Auflage wenigstens der beiden ersten Bände schon bei der Vollendung des Werkes fast vergriffen. Den dadurch notwendig gewordenen Neudruck hat der Herausgeber gern benutzt, um diese beiden Bände in der während ihres ersten Erscheinens veränderten amtlichen Rechtschreibung den beiden späteren anzupassen und ihnen auch sonst die während der langen Arbeit gewonnenen Erfahrungen zugute kommen zu lassen, so dass sie nun, von unwesentlichen Kleinigkeiten abgesehen, den späteren gleichen. Das Werk ist getan, möge die Frucht reifen! Möge das unter viel Gebet geschriebene Werk des gottbegnadeten Mannes auch in der deutschen Gestalt dazu dienen, dass viele aus dem auch von einem Spurgeon nicht ausgeschöpften Gottesbrünnlein der Psalmen noch weiter schöpfen und auch andere nach Lebenswasser schmachtende Seelen mit einem frischen Trunk aus diesem Borne laben!
J. M.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.1

Beitragvon Joschie » 11.01.2018 20:50

Kommentar & Auslegung zu PSALM 1

Überschrift und Inhalt
-Auslegung
-Erläuterungen und Kernworte
-Homiletische Winke
-Fußnoten


Inhalt
Wir können diesem Psalm die Überschrift das Vorwort geben, da gewissermaßen der Inhalt des ganzen Psalters darin angezeigt ist. Es liegt dem Psalmisten am Herzen, uns den Weg zu der wahren Glückseligkeit zu lehren und vor dem sicheren Untergang der Sünder zu warnen; und eben dies ist der Gegenstand des ersten Psalms, der so gleichsam als der Text gelten kann, wozu der ganze Psalter die göttliche Predigt bildet.

Einteilung.
Der Psalm besteht aus zwei Teilen. In dem ersten (V. 1-3) führt der Dichter aus, worin die Glückseligkeit des Frommen besteht, womit er sich beschäftigt und was für Segnungen er vom Herrn empfängt. In der zweiten Hälfte (V. 4-6) stellt er demgegenüber den Zustand und die Beschaffenheit des Gottlosen dar und enthüllt dessen Zukunft, indem er mit markigen Zügen sein schließliches Schicksal beschreibt.


Auslegung
1. Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen,
noch tritt auf den Weg der Sünder,
noch sitzt, da die Spötter sitzen,
2. sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn,
und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht!

1. Wohl dem, oder: Selig ist der Mann, der usw. Siehe, wie der Psalter mit einer Seligpreisung beginnt, gerade wie die gewaltige Bergpredigt unseres Heilandes. Wie viel liegt in diesem freudigen Ausruf über das Glück dessen, der bei Gott in Gnaden steht! Wörtlich wäre etwa zu übersetzen: "O der Glückseligkeiten des Mannes der usw." Dass das hebräische Wort (hier wie immer) in der Mehrzahl steht, können wir wohl darauf deuten, wie mannigfaltig die Segnungen sind, welche auf dem Manne ruhen, der bei Gott in Huld steht, und wie erhaben und vollkommen das Glück ist, das er genießt. Möge diese Seligpreisung auch auf uns ruhen!
Der Gerechte wird hier erst (V. 1) beschrieben nach dem, was er nicht tut, und sodann (V. 2) nach dem, was er tut. Er ist Mensch, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen . Er folgt weiserem Rat, er wandelt in den Geboten des Herrn, seines Gottes. Ihn dünken die Wege der Gottseligkeit friedliche und liebliche Pfade. Seine Schritte richten sich nach dem Worte Gottes und nicht nach den teuflisch klugen und doch so törichten ruchlosen Lebensregeln fleischlich gesinnter Leute. Es ist ein starker Erweis davon, dass im Innern die Gnade waltet, wenn im äußeren Wandel eine Umänderung eingetreten und das ungöttliche Wesen von unserem Handeln abgetan ist. Beachte ferner: Er steht nicht (Grundt.) auf dem Weg der Sünder . Sein Umgang ist gewählter als früher. Wohl ist auch er von Natur ein Sünder; aber er ist ein mit dem Blut der Versöhnung gewaschener Sünder, lebendig gemacht durch den heiligen Geist und im Herzen erneuert. Durch Gottes große Gnade steht er in der Gemeinschaft der Gerechten, und darum darf er sich nicht der Menge derer, die das Böse tun, beigesellen. Wiederum heißt es: Er sitzt nicht, wo die Spötter sitzen. Er findet keine Ruhe bei den Spöttereien der Gottesleugner. Mögen andere mit Sünde, Ewigkeit, Himmel und Hölle und dem ewigen Gott ihren Spott treiben, er hat eine bessere Weisheit kennen gelernt als die Philosophie des Unglaubens und ist von Gottes Gegenwart zu sehr durchdrungen, als dass er es ertragen könnte, seinen Namen lästern zu hören. Des Verächters Sitz mag stolz erhaben sein, dennoch ist er der Höllenpforte sehr nahe. Lasst uns von ihm fliehen, denn bald wird er leer sein und Verderben den Mann verschlingen, der jetzt darauf sitzt.-Man beachte die Steigerung im ersten Verse:

Er wandelt nicht in dem Rat der Gottlosen,
er steht nicht auf dem Weg der Sünder,
er sitzt nicht, da sitzen die Spötter.

1.Menschen, die in der Sünde leben, sinken von einer Stufe des Bösen zur anderen. Erst wandelt man nach dem Rat der Gottlosen , die in ihrem Leichtsinn Gottes vergessen, -- das Böse wird tatsächlich ausgeübt, aber es ist noch nicht zur Natur geworden; aber darnach wird einem das Schlechte zur Gewohnheit, und man steht nun auf dem Wege der offenbaren Sünder, die in augenfälligen Tatsünden dahinleben und mit Vorsatz Gottes Gebote übertreten; und greift keine höhere Hand ein, so geht die natürliche Entwicklung noch einen Schritt weiter und man wird zum Lästerer und Verführer, der andere mit ruchloser Lehre pestartig ansteckt, und nun sitzt man, da die Spötter sitzen. Diese sind im Laster zu Würden gekommen, sie sind bestallt als echte Doktoren der Verdammnis und stehen als Meister der Verruchtheit bei den Bösen in hohem Ansehen. Aber der Mann, der die Glückseligkeit der Gemeinschaft mit dem Herrn und seinem Worte kennt und der Erbe der Segnungen Gottes ist, kann mit Leuten dieser Art keine Gemeinschaft pflegen. Er hält sich rein von solchen Aussätzigen. Alles Böse tut er ferne von sich, denn er hasst den vom Fleische befleckten Rock (Jud. V. 23). Er sondert sich von den Gottlosen ab und geht hinaus außer dem Lager, die Schmach Christi tragend (Hebr. 13,13). O dass auch uns die Gnade zuteil werde, also von den Sündern abgesondert zu sein.

2. Und nun lasst uns sehen, wie das Wesen des Frommen beschrieben wird. Er hat Lust zum Gesetz des Herrn. Er lebt nicht unter dem Gesetz als einem Fluch und Verdammungsurteil, sondern in demselben (vergl. 1.Kor. 9,21), und es ist seine Lust, sein Element und die Regel seines Lebens. Eine Lust ist es ihm auch, über das Gesetz des Herrn nachzusinnen (Grundt. 2, bei Tage darin zu lesen und bei Nacht darüber nachzudenken. Er nimmt sich ein Schriftwort heraus und trägt es den ganzen Tag mit sich umher; und wenn des Nachts der Schlaf seine Augenlider flieht, sinnt er über seines Gottes Gesetz. Am Tage des Glücks singt er Psalmen aus dem Worte Gottes und in der Nacht des Leidens tröstet er sich mit den Verheißungen aus demselben teuren Bibelbuche. "Das Gesetz des Herrn" ist das tägliche Brot des wahren Gläubigen. Und wie klein war doch wohl zu den Zeiten des Psalmisten der Umfang der heiligen Schriften! Wie viel mehr denn sollten wir das ganze geschriebene Wort Gottes schätzen, um so mehr noch, als wir so bevorzugt sind, es überall in unsern Häusern zu haben. Aber welch schlechte Behandlung wird diesem Boten des Himmels zuteil! Wir gleichen bei weitem nicht alle den Leuten zu Beröa, die täglich in der Schrift forschten (Apg. 17,11). Wie wenige unter uns können auf die Seligpreisung unseres Psalmwortes vollen Anspruch erheben. Vielleicht könnten einige von euch, liebe Leser, eine Art negativer Reinheit beanspruchen, indem ihr nicht in den Wegen der Gottlosen wandelt; aber lasst mich euch fragen: Habt ihr Lust zum Gesetz des Herrn? Forscht ihr in Gottes Wort? Macht ihr es zu eurem Geleitsmann, eurem besten Gesellschafter, eurem Führer zu allen Stunden? Wenn nicht, so dürft ihr euch diese Seligpreisung nicht zueignen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.1

Beitragvon Jörg » 16.01.2018 17:03

3. Der ist wie ein Baum, gepflanzet an den Wasserbächen,
der seine Frucht bringet zu seiner Zeit,
und seine Blätter verwelken nicht;
und was er macht, das gerät wohl.


Also nicht ein wilder Baum ist er, sondern er ist gepflanzt (wörtl.: verpflanzt), ein auserwählter, als Eigentum wertgeschätzter und gepflegter Baum, der darum auch vor dem schrecklichen Ausreißen gesichert ist, das allen Pflanzen, die der himmlische Vater nicht gepflanzt hat, als Endschicksal bevorsteht (Mt. 15,13). An den Wasserbächen steht er, so dass, wenn ein Bach versiegen sollte, ein anderer ihn tränkt. Die Wasserbäche der Vergebung und der Gnade, der Verheißung und der Gemeinschaft mit Christo sind nie versiegende Quellen. Er ist gleich einem Baume, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringet zu seiner Zeit: nicht unzeitige Früchte, gleich den frühreifen Feigen, die nie den vollen Wohlgeschmack haben, sondern der Mann, der seine Lust an dem Worte Gottes hat, welches ihn unterweist, bringt in der Zeit des Leidens Geduld als köstliche Frucht, Glauben in der Zeit der Prüfung, geheiligte Freude in der Zeit des Glückes. Fruchtbarkeit ist eine wesentliche Eigenschaft des begnadigten Menschen, und diese Fruchtbarkeit muss sich zur rechten Zeit erweisen. Und seine Blätter verwelken nicht ; sein schwächstes Wort hat eine dauernde Wirkung, seine kleinen Liebestaten bleiben im Andenken. Nicht allein seine Früchte, sondern auch sein Laub bleibt erhalten. Er verliert weder Schöne noch Fruchtbarkeit. Und was er macht, das gerät wohl, oder: Und alles, was er tut, führt er glücklich hinaus . Wohl dem Manne, der solche Verheißung hat. Aber wir dürfen die Erfüllung einer Verheißung nicht immer nach dem Augenschein beurteilen. Wie oft würden wir, meine Brüder, wenn wir nach unserm schwachen Verstand urteilten, zu der trüben Schlussfolgerung kommen: Alles ist wider mich! Denn obwohl wir wissen, dass wir an der Verheißung unseres Verses Anteil haben, sieht unser Auge, wenn wir in Prüfungen und Trübsalen sind, doch oft das gerade Gegenteil von dem, was die Verheißung uns zusagt. Aber für das Glaubensauge ist dies Wort zuverlässig und mit seiner Hilfe nehmen wir wahr, dass unser Wirken gedeiht, auch wenn alles uns zuwider zu gehen scheint. Nicht äußeres Wohlergehen ist es, was der Christ am meisten begehrt und schätzt; ihn verlangt nach Wohlfahrt des inneren Menschen. Wir machen etwa gleich Josaphat (1.Kön. 22,49) Schiffe aufs Meer, die nach Ophir gehen sollen, Gold zu holen; aber sie werden zerbrochen zu Ezeon-Geber. Doch auch dies dient zu unserer wahren Wohlfahrt, denn um der Gesundheit der Seele willen müssen wir oft arm, verlassen und bedrängt sein. Das Schlimmste ist manchmal für uns das Beste. Wie in den Wohltaten, die einem Gottlosen widerfahren, ein Fluch verborgen ist, so ein Segen in des Gerechten Kreuz, seinen Verlusten und Kümmernissen. Die Prüfungen der Gläubigen sind ein kräftiger Mutterboden, darin Gottes Pflänzlein gedeihen und reiche Frucht bringen.

4. Aber so sind die Gottlosen nicht,
sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.


Wir stehen nun an dem zweiten Teil unseres Psalms. In dem vierten Vers wird der schlimme Zustand der Gottlosen als Gegensatz benutzt, um dadurch die Farbe des vorhergehenden lieblichen Bildes noch zu heben. Aber so sind die Gottlosen nicht! Das gibt uns zu verstehen: Was immer für Gutes vom Gerechten ausgesagt ist, das ist nicht wahr vom Gottlosen. Septuaginta und Vulgata wiederholen nachdrücklich das "nicht so". Wie schrecklich ist es, wenn einem die Verheißungen so mit einer doppelten Verneinung belegt sind, und doch ist das gerade die Lage der Gottlosen. Beachten wir, dass hier wieder das Wort Gottlose gebraucht ist, das zu Beginn des Psalms zur Bezeichnung der Anfänger im Bösen, der noch am wenigsten anstößigen Sünder angewandt worden war. Wenn das der traurige Zustand derer ist, die noch verhältnismäßig ehrbar leben und nur gegen Gott gleichgültig sind, was muss es sein mit den offenbaren Sündern und schamlosen Ungläubigen! Der erste Satz ist eine negative Beschreibung der Gottlosen, der zweite stellt ihr wirkliches Bild dar. Ihr Wesen wird so geschildert: Sie sind wie Spreu, ohne inneren Wert, ohne Leben, ohne Nutzen, ohne Kern; daher ihr Schicksal: Der Wind verstreut sie. Der Tod wird sie mit seinem schrecklichen Hauche in das Feuer treiben, das sie verzehren wird.

5. Darum bleiben die Gottlosen nicht im Gericht,
noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.


Sie werden dort stehen, um gerichtet, und nicht, um freigesprochen zu werden. Furcht wird sie da packen. Sie werden nicht standhalten können und doch vergeblich zu entfliehen versuchen. Sie werden sich nicht verteidigen können, denn ewige Schmach und Schande (Dan. 12,2) wird sie ergreifen. Mit Recht sehnen sich die Heiligen Gottes nach dem Himmel, denn kein Böser wird daselbst wohnen, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Alle unsere Versammlungen auf Erden sind gemischt. Jede Gemeinde hat einen Teufel in ihrer Mitte (Joh. 6,70). Das Unkraut, der Afterweizen (Mt. 13,24 ff.) wächst in denselben Furchen wie der Weizen. Es gibt jetzt noch keine Tenne, die ganz von der Spreu gereinigt ist. Sünder sind noch vermischt mit den Heiligen, wie Schlacken mit dem Gold. Gottes köstliche Diamanten liegen noch auf einem Feld zusammen mit Kieselsteinen. Gerechte Seelen wie Lot werden diesseits des Himmels beständig gequält von den schändlichen Leuten Sodoms (2. Petr. 2,7 f.). So wollen wir uns denn freuen, dass zu der großen Versammlung droben, der Gemeinde der Erstgeborenen (Hebr. 12,23), auch nicht einer unwiedergeborenen Seele der Zutritt verstattet sein wird. Sünder können im Himmel nicht leben. Sie wären außer ihrem Element. Eher könnte ein Fisch auf einem Baume leben, als ein Gottloser im Paradiese. Der Himmel würde für den Unbußfertigen eine unerträgliche Hölle sein, auch wenn ihm der Eintritt erlaubt würde; aber solches Vorrecht wird dem, der in seinen Missetaten beharrt, niemals zuteil werden. Gott gebe, dass unsere Namen im Himmel angeschrieben seien und ein Platz in den Vorhöfen droben unser warte.

6. Denn der Herr kennet den Weg der Gerechten;
aber der Gottlosen Weg vergehet.

Fortwährend achtet Jahwe auf den Weg der Gerechten: Mag derselbe oft in Nebel und Finsternis gehüllt sein, durch dunkle Wolken und Unwetter der Trübsal hindurchführen, der Herr kennt ihn. Er zählt die Haare auf unserem Haupte und wird nicht dulden, dass irgendein Unglück uns überfalle. "Er kennet meinen Weg wohl. Er versuche mich, so will ich erfunden werden wie das Gold. (Hiob 23,10.) Aber der Gottlosen Weg vergeht. Nicht nur sie selbst werden vergehen, sondern ihr Weg wird auch vergehen. Der Gerechte gräbt seinen Namen auf den Felsen ein, der Gottlose schreibt sein Gedächtnis in den Sand. Der Gerechte pflügt Furchen in die Erde und sät hier eine Saat aus, deren Ernte erst völlig gesammelt wird, wenn er zu den Freuden der Ewigkeit eingeht; der Gottlose aber zieht Furchen durchs Wasser, und wiewohl ein glänzender Schweif hinter seinem Kiel sein mag, werden doch die Wogen darüber gehen, und seine Stätte, die ihn kannte, kennt ihn nicht mehr. Wenn der Gottlose im Andenken bleibt, dann nur in der Erinnerung an das Böse, das er getan hat: denn der Herr wird den Namen des Gottlosen vermodern lassen, dass er den Guten zum Gestank werden und nur noch dem Gottlosen selbst durch seine Fäulnis bekannt sein wird.
Möge der Herr unsere Herzen und unsere Wege reinigen, auf dass wir dem Lose der Ungöttlichen entrinnen und das Glück der Gerechten genießen!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.1

Beitragvon Jörg » 19.01.2018 16:35

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Basilius († 379) bezeichnet den Psalm als prooi/mion bracu/ (kurzes Vorwort) zum Psalter; als solches scheint bereits der Sammler ihn an die Spitze der Sammlung gestellt zu haben. Gegenüber den zahlreichen, in den Psalmen vorkommenden Klagen über die Bedrückung der Gerechten durch gottlose Feinde sollte gleich im Anfang des Buches die Wahrheit betont werden, dass der Fromme zuletzt doch den Sieg behält. Prof. D. Fr. Bäthgen, Die Psalmen, 1904.

Der Psalter ist Ja und Amen in Liedern zu dem Gottesworte der Tora (des Gesetzes). Darum beginnt er mit einem Psalm, welcher das Geschick des Liebhabers der Tora dem Geschicke der Gottlosen entgegenhält, einem Echo jener Ermahnung Josua 1,8, in welcher Jahwe nach Moses Tode seinem Nachfolger Josua das Buch der Tora ans Herz legt. Wie die neutestamentliche Bergpredigt als Predigt des verinnerlichten Gesetzes mit maka/rios (glückselig) anhebt, so der ganz und gar auf Verinnerlichung des Gesetzes gerichtete alttestamentliche Psalter mit yr#) (glückselig).-Kommentar von Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Dieser erste Psalm ist zwar klein dem Umfang nach, aber sehr groß und voller Kraft, was den Inhalt betrifft; er fasst die Quintessenz der Glückseligkeit in sich. Der Psalm trägt Glückseligkeit an der Stirn. Er beginnt mit dem, womit wir alle zu enden hoffen. Er mag des Christen Führer genannt werden: denn er zeigt den Flugsand, auf dem die Gottlosen ins Verderben sinken, und den festen Grund, auf dem die Frommen in die Herrlichkeit schreiten. Thomas Watson 1660.

V. 1. Nicht ohne Grund ist das Wort der Seligkeit an die Spitze des Buches der tiefsten Leiden und Gebete gestellt; dieses Wort, wie auch zurückgedrängt und zu Boden gehalten, dringt doch durch alle Töne der Klage und des Schmerzes hindurch und behauptet sich endlich in dem Halleluja des hundertfünfzigsten Psalms. Prof. Joh. Wichelhaus † 1858.

Der Dichter sagt in diesem kurzen Psalm mehr Stichhaltiges über wahre Glückseligkeit als irgendeiner der Philosophen oder alle Weltweisen zusammen. Sie klopfen nur auf den Busch, Gott aber gibt uns hier den Vogel in die Hand. John Trapp † 1669.

Wo echte Glückseligkeit als Schild außen hängt, können wir sicher sein, drinnen einen gottseligen Menschen zu finden. Rich. Baker 1640.

Glücklich der Mann usw. Es ist, wie V. 3 zeigt, nicht Wunsch ("Glücklich sei"), sondern Aussage in Form des Ausrufs. Die Übersetzung der LXX maka/rios , Hieron. beatus ist nicht ganz zutreffend, richtiger wäre felix oder fortunatus ; denn der Dichter will im Gegensatz zu dem unglücklichen Schicksal des Gottlosen den nicht gestörten und zu seiner vollen Entwicklung kommenden äußeren Lebenslauf des Frommen glücklich preisen. Jeremias, der Kyrb statt yr#) sagt (Jer. 17, 7), reflektiert darauf, dass der Segen von oben kommt (faustus). Prof. D. Fr. Bäthgen 1904.

Wohl dem Manne (Grundt.), dem einen aus tausend, dessen Leben zur Erfüllung des Zweckes dient, zu welchem Gott ihn geschaffen. Adam Clarke † 1832.

Er wandelt nicht, noch steht er, noch sitzt er. Vorschriften in der Form der Verneinung sind manchmal noch bestimmter und unbedingter als bejahende. Unter allen Umständen und zu allen Zeiten soll sich der Fromme von dem gottlosen Wesen rein halten. Rich. Baker 1640.

Des Gottlosen Rat oder Sinnesart ist religiöse Gleichgültigkeit. Er bemüht sich weder um seine eigene Seligkeit noch um die anderer Leute, und er gibt denen, mit welchen er umgeht, den Rat, seine Denkweise zu der ihrigen zu machen und sich um Beten, Bibellesen, Buße und dergleichen nicht zu kümmert. "Das alles ist nicht nötig. Tue recht und scheue niemand. Führe ein ehrbares Leben, mach keinen Lärm über Religion, du wirst gut dabei fahren." Nun, wohl dem, der nicht in solches Mannes Sinnesart eingeht und seine Ratschläge nicht befolgt.
Jeder Sünder hat seinen eigentümlichen Weg, auf dem er ins Verderben wandelt. Der eine ist ein Trinker, ein anderer ist unehrlich, wieder ein anderer unkeusch. Nur wenige sind allen Lastern ergeben. Es gibt viele geizige Menschen, denen alle Völlerei ein Gräuel ist, viele Unmäßige, die den Geiz verabscheuen, und so hat jeder seine Lieblingssünde, die ihn besonders leicht umgarnt und seiner Lebensweise das Gepräge gibt. Darum sagt der Prophet (Jes. 55,7): "Der Gottlose lasse von seinem Wege." Heil dem, der sich von des Sünders Weg fernhält.
Der Spötter hat in seinem Herzen aller Religion und allem sittlichen Gefühl den Garaus gemacht. Er hat sich niedergesetzt, sich vollständig befestigt in der Gottvergessenheit. Er macht aus der Sünde einen Scherz. Sein Gewissen ist verhärtet. Während er gegen alle geoffenbarte Wahrheit ungläubig ist, glaubt er dagegen alles, was der Unglaube erdichtet. Wohl dem Manne, der nicht mit solchen Leuten zusammensitzt. Adam Clarke † 1832.

Da sitzen die Spötter. Die einen übersetzen: auf dem Sitze der Spötter (vergl. das Wort moschab in 1. Samuel 20,25); die anderen: im Kreise der Spötter (moschab = das Zusammensitzen, Ps. 107,32, vergl. Ps. 26,4 f.: Jer. 15,17). Der Sinn ist im Grunde wenig verschieden.-J. M.

Der Ort, wo die Trinker sitzen, ist der Ort der Spötter. Vergl. z. B. Mt. Henry † 1714.

Die Spötter. Peccator cum in profundum venerit contemnet: Wenn der Gottlose in die Tiefen der Sünde hineinkommt, wird er ein Verächter. So zankt Ahab mit Micha (1.Kön. 22,18), weil er ihm nichts Gutes weissagt. Sogar die kleinen Knaben in Beth-El verspotten den Elisa und erfrechen sich, ihn Kahlkopf zu schmähen. Das Tröpflein Gift schwillt bald zu einem Meer des Verderbens an; wie ein Tropfen Otterngift, das in die Hand gerät, in die Adern geht und so sich durch den ganzen Körper verbreitet, bis es die Lebensgeister auslöscht. Gott wird dich verlachen (Ps. 2,4), der du ihn verlachst, und wer ihn verachtet, der soll wieder verachtet werden (1. Samuel 2,30). Wer gegen den Himmel ausspuckt, dem wird sein Speichel aufs eigene Antlitz zurückfallen. Die Schändlichkeiten, welche du gegen diejenigen begehst, die sich um dein Seelenheil mühen, werden mit deiner Asche im Staube ruhen, aber einst werden sie auferstehen, um im Gericht wider dich zu zeugen. Thomas Adams 1614.

V. 2. Es ist in aller Welt unter den Leuten eine gemeine Frage von der Seligkeit, und ist kein Mensch auf Erden, der nicht wünschte, dass es ihm wohl ginge, und nicht wiederum unmutig darüber würde, wenn es ihm übel ginge. Doch, so viel ihrer sind, haben sie alle geirrt, dass sie nicht gewusst noch verstanden haben, was rechte Seligkeit ist. Dieser aber, der hier im Psalm redet, der vom Himmel herunterschallet, schlägt zu Boden und verdammet alles, was menschliche Gedanken hierin erfinden und ausdenken können, und bringet eine einige Beschreibung der Seligkeit, davon alle Welt nichts weiß, und sagt, dass der selig sei und dass es dem wohl gehe, der Lust und Liebe zum Gesetz des Herrn habe . Als wollte er sagen: Was ratschlagt ihr lange? Was schließt ihr Weltweisen ohne Aufhören so vergeblich unnütze Dinge? Dies ist die einige köstliche Perle (Mt. 13,46), wer sie überkömmt, nämlich, dass er Lust und Liebe zum Gesetz Gottes habe und von den Gottlosen sich absondere, dem gedeihet alles zum Besten. Wer aber diese Perle nicht findet, der mag wohl mit vieler Mühe und Arbeit den Weg zur Seligkeit suchen, er wird ihn aber nicht finden. Wiederum ist denen, die an Gottes Wort ihre Lust und Freude haben, alles lieblich, gut, heilsam und selig, nach dem Wort des 18. Psalms, Vers 26: Dem Reinen ist alles rein. Und kürzlich davon zu reden: Wie du bist, so ist dir Gott, geschweige denn die Kreatur. Gott ist bei den Heiligen heilig, bei den Verkehrten aber ist er verkehrt. Daher kommt es, dass dem nichts gut ist, der böse ist, und von keiner rechten Lust und Freude weiß, der zum Gesetz Gottes nicht Lust hat.
Lust zum Gesetz des Herrn haben, ist aber menschlicher Natur nicht eingepflanzt noch angeboren, sondern es muss vom Himmel herunterkommen. Denn weil die menschliche Natur zum Bösen geneigt und geflissen ist, wie Gott selber spricht (1. Mose 8,21), und Gottes Gesetz gut ist, heilig und gerecht (Röm. 7,12): so folget Not halben hieraus, dass der menschliche Wille Gottes Gesetze entgegen und zuwider ist, hasse das Gesetz und fliehe dafür: ob er sich gleich zuzeiten aus Furcht der Strafe oder aus Lust zur Verheißung stellet, als liebe er das Gesetz, so bleibet gleichwohl allewege ein Hass und Unwille im Herzen wider das Gesetz, und kann es mitnichten umsonst lieb haben. Diese Lust und Liebe nun müssen wir uns, die wir an unsern Kräften und Vermögen verzweifeln sollen, vom Himmel herab bitten und empfangen durch einen demütigen Glauben an Christum. Martin Luther † 1546.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.1

Beitragvon Jörg » 22.01.2018 14:49

Erläuterungen und Kernworte

Die Lust, von welcher der Prophet hier redet, ist die einzige, um derentwillen man weder schamrot werden noch erbleichen muss; das einzige Vergnügen, bei dem man zu Gaste geht, ohne dass man nachher dafür zahlen muss; das einzige Ergötzen, das nicht nur viel verspricht, sondern wirklich gibt, und nicht nur, wie andere Lust, den Augenblick befriedigt, da man sie geniest, sondern auch in der Erinnerung ungetrübte Freude zurücklässt. Rich. Baker 1640.

Er sinnt über sein Gesetz Tag und Nacht. (Grundt.) Im einfachsten Bibelwort ist eine wunderbare Fülle von heiliger Geistesmacht. Erforschen wir es im Geist des Gebets und im Bewusstsein unserer Abhängigkeit von Gott, so entdecken wir weit mehr, als wir zuerst vermuten. Beim oberflächlichen Lesen einer Schriftstelle geht es uns vielleicht wie dem Knaben des Elia, der, als er zum ersten Mal auf des Karmels Spitze ging, nichts sah. Da wurde ihm der Befehl, siebenmal auszuschauen. Und beim siebenten Male, siehe, da ging eine Wolke auf aus dem Meer, wie eines Mannes Hand. Bald aber wurde der ganze Himmel schwarz von Wolken (1.Kön. 18,43-45). Sinne oft über ein Bibelwort nach. Du wirst darin ein Licht schauen, hell leuchtend wie die Sonne. Joseph Caryl 1647.

In seinem Worte tritt Gott dem Menschen seinem persönlichen Wesen gemäß denkend und wollend entgegen und dementsprechend soll sich auch der Mensch diesem Worte persönlich zukehren, seine Denk- und Willenskraft darauf richtend. Beides, die praktische und die theoretische Seite, ist hier durch Lust haben und nachdenken bezeichnet. Bloß äußerliches Denken und augenblickliche, schnell vorübergehende Lust genügen aber hier nicht, sondern es erfordert den ganzen Fleiß und Ernst unseres inneren Menschen. Wir müssen durch fleißiges Nachdenken ("Tag und Nacht") die göttlichen Gedanken und Gebote ins Herz aufnehmen und unsere ganze Denkweise und Willensrichtung dadurch bestimmen lassen. Das heißt das Gesetz dem Zwecke des Gesetzes gemäß gebrauchen (1.Tim. 1,8 Grundt.). Und der fromme Israelit, dem das Gesetz auf diesem Wege zur inneren, den Wandel bestimmenden Lebensordnung geworden war (Ps. 40,9), ermüdete nicht, dasselbe als heilsam zu rühmen; siehe Ps. 119; 19,8-15 u.-G. T. 1882.

Die Priester halten das einfache Volk von dem Worte Gottes, diesem köstlichen Gemeingut aller Christen, ab, indem sie vorgeben, die Bibel sei schwer zu verstehen. "Quält euch nicht damit ab, wir wollen euch schon sagen, was der Sinn der Bibel ist." Sie könnten gerade so gut sagen: "Der Himmel ist ein herrlicher Ort, aber der Weg zum Himmel ist schwierig: bemüht euch nicht, wir wollen für euch dahin gehen." So kommt es, dass die Armen in den Zeiten der Not, wo das teure Bibelbuch sich ihnen in seiner rettenden Kraft erweisen sollte, kein Wort Gottes haben. Anstatt der Schrift können sie Bilder vorzeigen, das seien die Bücher der Laien; als ob der Gerichtshof, vor dem sie einst erscheinen müssen, ans Bildschnitzern und Malern bestände und nicht aus den zwölf Aposteln! Lasst euch nicht betrügen, sondern forschet in der Schrift, wenn ihr einst von ihr Trost erwarten wollt. Wer auf ein Erbe hofft, wird auf die Erbschaftsurkunde großen Wert legen. Thomas Adams 1614.

Nirgends finde ich süßere Ruhe, als an einem stillen Plätzchen mit dem teuren Bibelbuche. Nach Thomas von Kempen † 1471.

Das, worüber ein Mensch nachsinnt, ist bezeichnend für sein Wesen: daran mag man erkennen, ob das eigene Herz gut oder böse ist. Das Nachsinnen ist der Prüfstein des Christen; es zeigt, ob er von edlem Metall ist. Thomas Watson 1660.

Durch das Nachdenken verarbeiten wir innerlich die geistige Speise, so dass die Lieblichkeit und Nährkraft des Wortes in Herz und Leben übergeht. Dadurch kommt es bei den Gottseligen zum reichen Fruchttragen. Barthol. Ashwood 1688.

Zu der Erhaltung des Leibeslebens wirken verschiedene Kräfte zusammen: unter andern 1) eine Kraft der Aneignung, zur Aufnahme der Nahrung, 2) eine Kraft zum Behalten der aufgenommenen Nahrung, 3) eine Kraft der Assimilation, um die Nährstoffe in Fleisch und Blut zu verwandeln, 4) eine Kraft des Wachstums, zur Vervollkommnung des Organismus. Das Nachsinnen begreift das alles in sich. Es schärft das Urteilsvermögen und fördert uns in der Weisheit und im Glauben zum Abwägen, Unterscheiden und Annehmen dessen, was uns durch das Lesen und Hören dargeboten wird. Es unterstützt das Gedächtnis in der Aufgabe, die Juwelen der göttlichen Wahrheit in seiner sichern Schatzkammer zu verschließen. Es verwandelt die dargebotene Wahrheit in geistliche Nahrung. Und endlich hilft es dem erneuerten Herzen dazu, der Vollkommenheit entgegen zu reifen und mehr und mehr den Reichtum der freien Gnadengaben Gottes zu erkennen. Nathan. Ranew 1670.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 25.01.2018 17:38

Erläuterungen und Kernworte

V. 3. Gepflanzt an den Wasserbächen. Das spielt wohl auf das morgenländische Verfahren beim Anpflanzen an. Man lässt kleine Wasserbächlein zwischen die Baumreihen fließen, so dass die Bäume künstlich einen beständigen Zufluss von Feuchtigkeit bekommen. C. H. Spurgeon 1869.

Frucht zu seiner Zeit. Da gibt es keine getäuschten Erwartungen. Frucht wird erwartet und wird auch hervorgebracht, und zwar zu der rechten Zeit, wo sie kommen sollte. Die Erziehung durch den göttlichen Geist, der dem ernstlich um denselben Bittenden nie vorenthalten wird, bringt sicher Früchte der Gerechtigkeit hervor. Und wer das Wort Gottes unter Gebet liest und betrachtet, wird stets erkennen, was für eine Arbeit Gott ihm zu tun gegeben hat, in welcher Kraft er sie vollbringen kann, und welches die rechten Zeiten, Orte und Gelegenheiten sind zum Tun der Dinge, die am meisten zu Gottes Verherrlichung, der eigenen Seele Heil und der Mitmenschen Erbauung dienen. Adam Clarke † 1832.

Frucht zu seiner Zeit. Es gilt also zu erkennen, was Gott in den verschiedenen Zeiten von uns erwartet, und diese auszunutzen im Blick auf die kommende Abrechnung. Wird meine Gemeinde heimgesucht, wohlan, dann ist es Zeit, betend auf die Gedanken zu merken, die Gott über uns hat; steht die Gemeinde in fröhlichem Wachstum, so ist es an der Zeit, Gott zu preisen. Bin ich mit der Vorbereitung einer Predigt beschäftigt, so will ich hören, was Gott mir und der Gemeinde in seinem Wort sagt. Stehe ich in einer Versuchung - jetzt ist es Zeit, auf den Namen des Herrn zu trauen. Habe ich eine einflussreiche Stellung, so will ich recht erwägen, was Gott unter diesen Umständen von mir verlangt. Und so gleicht der weise Christ dem Baume des Lebens, der seine Früchte bringt alle Monden (Off. 22,2). Gleich einem verständigen Landwirte hat er seine bestimmte Beschäftigung für jeden Monat, damit die Frucht zur rechten Zeit sich zeige. John Spencer 1658.

Frucht zu seiner Zeit: O wie ein gülden, lieblich Wort ist das, damit bestätiget wird die Freiheit der christlichen Gerechtigkeit! Die Gottlosen haben ihre gewissen Tage, ihre gesetzten Zeiten, ihre geordneten Werke und erlesene gewisse Stätte, an welche sie so hart gebunden sind, dass, wenn ihr Nächster auch sollte Hungers sterben, ließen sie sich nicht davon reißen. Aber dieser selige Mann, der hier beschrieben ist, ist frei und willig zu jeder Zeit, zu allem Werk, an aller Stätte, gegen jede Person: wie sich’s schicket, und was sich für ein Fall begibt, dienet er dir, und was ihm vor die Hand kömmt, das tut er. Er ist nichts Sonderliches und will es auch nicht sein, sondern er bringet seine Frucht zu seiner Zeit, beide, gegen Gott, sooft es die Zeit erfordert, und Menschen, sooft sie seines Fleißes und Mühe bedürfen. Martin Luther † 1546.

Der in Gott Lebende bringt allezeit Frucht: Doch steht die Näherbestimmung "zu seiner Zeit " nicht müßig. Wie der Baum am dürren Orte oft grün und belaubt steht gleich dem Baum am Bache und der Unterschied sich erst recht im Jahr der Dürre und Hitze zeigt, so verhält es sich auch mit dem Menschen. Die Weltmenschen und die Scheinfrommen können sich mit dem Laubwerke menschenfreundlicher und scheinfrommer Taten schmücken, solange die äußere Atmosphäre genügende Nahrung an sichtbarem Erfolg, Ehre und Anerkennung bietet; aber wenn es gilt, in der Hitze schwerer Anfechtung unerschütterlich fest auf Gott zu vertrauen, Unrecht zu leiden, Recht und Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit zu üben unter Verzicht auf irdische Belohnung, auf Beifall und Ehre bei Menschen, da bleiben diese zurück. Der Mann aber, von dem der Psalm spricht, bringt Frucht-denn es ist seine Zeit. -- G. T. 1882.

Und seine Blätter usw. Die Bäume des Herrn sind alle immergrün. Keine Winterkälte kann sie ihres frischen Grüns berauben. Und doch sind sie, im Gegensatz zu den immergrünen Gewächsen unseres Landes, alle fruchttragende Bäume. C. H. Spurgeon 1869.

Unter Luthers Bild schrieben unsere Vorfahren: Seine Blätter verwelken nicht . So kann auch von den Büchern noch mancher anderen gottseligen Männer, eines Arnd, Spener, Starke, Sturm, Scriwer, oder von den Liedern eines Paul Gerhard gesagt werden. K. H. Caspari † 1861.

Diese Worte, wie sie im Geist geredet sind, musst du auch im Geist hören und verstehen, sonst wirst du eben das Widerspiel sehen. Denn die Schrift auch selbst saget allenthalben, dass die Gottlosen blühen, und gehe ihnen aus der Maßen wohl, wie solches in vielen Psalmen zu sehen ist, also dass du von den Gottlosen allein sagen möchtest: Ihre Blätter grünen stets, alles, was sie machen, das gerät ihnen wohl, und so fortan. Darum ist hier Glaubens vonnöten. Martin Luther † 1546.

Äußerliches Wohlergehen ist lieblich, wenn es einem treuen Wandel in der Gemeinschaft mit Gott so folgt, wie die Null hinter einer Ziffer die Zahl vermehrt, wiewohl sie an sich nichts ist. John Trapp † 1669.

V. 4. Der Sturm des Todes fegt mit Ungestüm die Seelen der Gottlosen hinweg. H. Ainsworth 1639.

V. 6. Die Gerechten gehen einen Weg, den Gott kennt, und die Gottlosen einen Weg, den Gott verdirbt . Diese Wege kommen nie zusammen; wie können denn die, welche diese verschiedenen Wege gehen, je zusammenkommen? Denn wenn das Verderben über die Gottlosen kommt, wird Gottes Ruf ertönen: nescio vos, "Ich kenne euch nicht". Und dass Gottes nescio vos und sein Kennen jemals in Einklang kommen, ist schlechthin unmöglich. Richard Baker 1640.

Als wollte er sagen: So glatt und schön ist der Gottlosen Weg, dass sie vor den Leuten angesehen werden, als blieben sie im Gericht stehend, auch in der Gemeinde der Gerechten; aber Gott, den niemand betrügen wird, kennet ihren Weg wohl, dass es gottlose Leute sind. Derohalben, welches sie doch ganz und gar nicht glauben, so wird ihr Weg vergehen. Vergehen wird er, sage ich, welcher doch so wohl gebahnt ist, und so viel darauf wandeln, dass jedermann nicht anders denken kann, denn er werde ewig währen. Martin Luther † 1546.

V. 4-6. Weil der Gottlose aus dem Wort Gottes kein Gewicht der Wahrheit in sich hat, so wird er wie Spreu zerstreut. Weil er es in seiner Spötterei so leicht genommen hat, so wird er erfahren müssen, wie unvermögend er ist, im Gericht zu stehen. Weil er immer nur Sündengemeinschaft gesucht hat, so wird er auch alsdann nicht bleiben in der Gemeinde der Gerechten , wann er es am meisten wünschte, auch mit anzukommen. Solang man auf dem Weg ist, lässt sich mancher dünken, er wolle bestehen, er sei so gut als die, welche jetzt die Gerechten heißen, und sie haben auch ihre Fehler wie er; aber es wird anders herauskommen. Karl H. Rieger † 1791.

Homiletische Winke

V. 1. bietet sich als trefflicher Text zu einer Predigt über eins der folgenden Themen dar: Der Fortschritt in der Sünde. Oder: Wie ein Christ sich von der Gottlosen Gesinnung, Lebensweise und Gesellschaft rein halten soll. (Man zeige, wie das Wort Gottes uns diese drei Übel meiden hilft.) Oder: Die Glückseligkeit des Gerechten. Man lege dar, wie diese Glückseligkeit 1) von Gott kommt, 2) in Christo uns zuteil wird, 3) alles wahre Glück umfasst, 4) sich unter allen Verhältnissen bewährt, 5) durch Zeit und Ewigkeit dauert.
Wie die Sünde sich unvermerkt einschleicht und unaufhaltsam fortschreitet.
V. 1. in Verbindung mit dem ganzen Psalm: Der große Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, oder: Zwei Wege.
V. 2. Des Gläubigen Lust zum Worte Gottes und seine Vertrautheit mit demselben. (Es verlangt uns, mit denen umzugehen, die wir lieben.)
1) Was ist mit dem Gesetz des Herrn gemeint? 2) Was gewährt darin dem Gläubigen solche Lust? 3) Wie bezeigt sich dies sein Wohlgefallen? Er denkt an das Wort Gottes, liest und forscht darin, redet davon, gehorcht ihm, sich vom Bösen scheidend.
V. 2b. Das Forschen im Worte Gottes, dessen Nutzen, Hilfsmittel und Hindernisse.
V. 3. Der fruchtbare Baum: 1) Wo er wächst; 2) Wie er dahin gekommen ist; 3) Was er hervorbringt; 4) Wie wir ihm gleich werden können.
Gepflanzt an den Wasserbächen : 1) Der Ursprung des christlichen Lebens (gepflanzt): 2) Die Wasserbäche, die es unterhalten: 3) Die Früchte, die man davon erwartet.
Der Einfluss der Gottseligkeit auf unser Wohlergehen.
Art, Ursachen, Kennzeichen und Folgen des wahren Wohlergehens.
Frucht zu seiner Zeit : Wie sich die christlichen Tugenden zu gewissen Zeiten erweisen müssen, so Geduld in Trübsal, Dankbarkeit im Glück, Eifer bei gegebener Gelegenheit usw.Seine Blätter verwelken nicht: Wie gesegnet es ist, ein freudiges Bekenntnis zum Herrn unverwelkt zu bewahren.
V. 4. Aber so sind die Gottlosen nicht: Das schreckliche Nein, mit dem die Sünde jede Verheißung belegt.
"Die verwehte Spreu," siehe Predigten von C. H. Spurgeon, 2. Band (Miniatur-Ausgabe Seite 355), Bapt. Verlag, Kassel.
V. 5. Der zwiefache Urteilsspruch über den Sünder: er wird 1) verdammt vor den Schranken des göttlichen Gerichts; 2) ewig geschieden von den Frommen. Die Angemessenheit dieser Strafen (darum), und wie man denselben entfliehen könne.
Die Gemeinde der Gerechten in ihrer himmlischen Vollendung. Ein feines Predigtthema.
V. 6a. Eine liebliche Ermunterung für betrübte Kinder Gottes: Es kennt der Herr die Seinen. 1) Was für ein Kennen hier gemeint sei. Dieses Kennen besagt, dass Gott auf die Seinen achtet und an ihnen Wohlgefallen hat. 2) Der Ursprung dieses Kennens: die Allwissenheit und unendliche Liebe Gottes. 3) Seine Folgen: Beistand, Errettung, Annahme bei Gott und endlich die Herrlichkeit.
V. 6b. Alle Wege der Gottlosen, die Wege des fleischlichen Vergnügens, des Hochmuts, des Unglaubens, der Gottvergessenheit, des Christenhasses, der anhaltenden Unbußfertigkeit, des Selbstbetruges, -- sie alle nehmen ein Ende mit Schrecken.

Fußnoten
1. Eigentlich ein Nachwort, da das beim Erscheinen des ersten deutschen Heftes geschriebene Vorwort nach Vollendung des Werkes ganz umgeschrieben wurde.

2. Die Grundbedeutung des hebräischen Wortes ist das Murmeln oder leise Reden beim lebhaften Denken, daher ist es meist mit "nachsinnen", "forschen" zu übersetzen.
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Beitragvon Jörg » 30.01.2018 17:23

Kommentar & Auslegung zu PSALM 2


Inhalt

Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir diesen erhabenen Psalm den Königspsalm des Messias nennen, stellt er doch wie in einem wunderbaren Gesicht den Aufruhr der Leute gegen den Gesalbten des Herrn, sowie den bestimmten Ratschluss Gottes, seinen Sohn zu erhöhen, und die endgültige Herrschaft des Sohnes über alle seine Feinde dar. R. Lowth († 1787) sagt: "Die Einsetzung Davids und seine Befestigung auf dem Thron trotz dem Widerstande, den seine Feinde dagegen erheben, ist der Gegenstand des Psalms. David erscheint in demselben in zwiefacher Eigenschaft, in persönlicher und vorbildlicher. Im Blick auf den geschichtlichen David liegt der Sinn des Psalms auf der Hand und wird durch die heilige Geschichte über allen Zweifel erhoben. Doch haben die Ausdrücke eine ungewöhnliche Glut, die Bilder sind von seltener Erhabenheit und die Sprache geht hie und da fast ins Übertriebene, als sollten wir dadurch absichtlich zur Betrachtung höherer und wichtigerer darin verborgener Dinge angeleitet werden. Beziehen wir, dieser Mahnung folgend, den Psalm auf die Person und die Angelegenheiten des geistlichen David, so tritt alsbald eine Reihe hochbedeutsamer Ereignisse vor unsern Blick, und der Sinn des Psalmes wird noch klarer und zugleich noch erhabener. Die Färbung, die vielleicht zu kühn und grell scheinen mag für den König Israels, erscheint ganz angemessen, wenn auf Christum, dessen großes Gegenbild, bezogen. Fassen wir dann die beiden Gesichtspunkte zusammen, so tritt uns die ganze Schönheit und Großartigkeit dieses überaus anziehenden Gedichtes vor die Seele. Wir erkennen, wie die beiden Bedeutungen sich sehr bestimmt voneinander unterscheiden und dabei doch in vollem Einklang zusammentönen und eine wunderbare Ähnlichkeit in jedem einzelnen Zuge besitzen, während die Wechselbeziehung zwischen ihnen so genau festgehalten ist, dass jede von beiden als das Original betrachtet werden kann, dem die andere nachgebildet worden. Immerfort ergießt sich neues Licht über die Ausdrücke, die Gedanken nehmen stets zu an Bedeutung und Erhabenheit, bis sie, stufenweise von den Dingen hier unten zu denen droben, vom Menschlichen zum Göttlichen aufsteigend, das große, wichtige Thema mit sich aufwärts tragen und es zuletzt in die volle Klarheit himmlischen Lichtes stellen."

Einteilung.

Am besten werden wir den Psalm verstehen, wenn wir ihn als ein vierfaches Gemälde betrachten. V. 1-3: Das Toben der Völker. V. 4-6: Der Herr vom Himmel lachet ihrer. V. 7-9: Der Sohn verkündigt den göttlichen Ratschluss. V. 10-12 : Den Königen wird der Rat gegeben, sich dem Gesalbten des Herrn in Gehorsam zu unterwerfen. Diese durch den Inhalt dargebotene Einteilung wird auch durch die dichterische Form bestätigt; der Psalm zerfällt ganz natürlich in vier Strophen von je drei Versen.

Auslegung

1. Warum toben die Heiden,
und die Völker reden so vergeblich?
2. Die Könige der Erde lehnen sich auf,
und die Herren ratschlagen miteinander
wider den Herrn und seinen Gesalbten:
3. "Lasset uns zerreißen ihre Bande
und von uns werfen ihre Seile!"


Diese ersten drei Verse enthalten eine Beschreibung des Hasses der menschlichen Natur gegen den Christus Gottes. Die beste Erläuterung dazu finden wir in den Gebetsworten der ersten Christengemeinde Apg. 4,27 f.: "Wahrlich ja, sie haben sich versammelt über deinen heiligen Knecht Jesus, welchen du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und dem Volk Israel, zu tun, was deine Hand und dein Rat zuvor bedacht hat, dass es geschehen sollte." Der Psalm beginnt ohne Einleitung mit einer zürnenden Frage. Und wahrlich, es ist nicht zu verwundern, dass der Anblick von Geschöpfen, die gegen ihren Gott in Waffen stehen, den Psalmisten in Staunen setzt. Wir sehen die Heiden toben, tosen wie das Meer, das von den ruhelosen Wogen hin und her geworfen wird, toben wie der Ozean im Sturm. Und dann nehmen wir wahr, wie die Völker in ihrem Herzen Eitles sinnen (Grundt.) gegen ihren Gott. Wo viel Wut ist, da ist gemeiniglich Torheit, und in dem vorliegenden Falle ist ein Übermaß davon vorhanden. Beachten wir, dass die Bewegung nicht nur von den Völkern kommt, sondern dass die Führer den Aufruhr unterstützen. Die Könige der Erde lehnen sich auf. In entschlossener Bosheit haben sie sich in Schlachtordnung gegen ihren Oberherrn aufgestellt. Es ist nicht eine vorübergehende Aufwallung, sondern tief gewurzelter Hass gegen den Fürsten des Friedens. Und die Herren ratschlagen miteinander. Sie führen den Krieg mit List, nicht in toller Hast, sondern mit Überlegung. Sie wenden alle Geschicklichkeit an, welche die Kriegskunst ihnen an die Hand gibt. Gleich Pharao beraten sie: "Wir wollen sie mit List dämpfen." (2. Mose 1,10.) -- Aber was sagen sie? Was bezweckt diese Bewegung? "Lasst uns zerreißen ihre Bande." Freiheit wollen wir haben, Freiheit zur Ausübung aller Gräuel. Wir wollen unsere eigenen Götter sein. Lasst uns jeder Schranke uns entledigen! Und mit wachsender Unverschämtheit fügen die verräterischen Empörer hinzu: "Lasst uns von uns werfen ihre Seile " -- als wäre das eine Kleinigkeit. Wie, ihr Könige, wähnet ihr denn, ihr seiet Simsons? Und sind die Seile des Allmächtigen in euren Augen wie frischer Bast? (Richter 16,7.) Träumet ihr, dass ihr die Ratschlüsse des Allerhöchsten wie Werg zerreißen und zerstören könnet? Ja, es hat Monarchen gegeben, die also gesprochen: "Lasset uns zerreißen usw.," und noch sitzen solche Rebellen auf Thronen. So wahnsinnig der Entschluss der Empörung wider Gott ist, so hat doch der Mensch seit seiner Erschaffung an demselben festgehalten und fährt darin fort bis auf den heutigen Tag. Ehe die herrliche Herrschaft Jesu in der Endzeit zur vollen Ausgestaltung kommt, wird noch ein schrecklicher Kampf die Völker erschüttern. Der Herr wird bei seinem Kommen sein wie das Feuer eines Goldschmieds und wie die Lauge der Wäscher, und sein Tag wird brennen wie ein Ofen (Mal. 3,2.19). Die Erde mag ihren rechtmäßigen Herrscher nicht, sondern hängt dem Thronräuber an, der sich als ihren Herrn aufspielt. Die schrecklichen Kämpfe der letzten Tage werden sowohl die Liebe der Welt zur Sünde als auch Jahwes Macht, das Reich seinem Eingeborenen zu geben, voll aus Licht bringen. Für den Nacken der Unbekehrten ist Christi Joch unerträglich, aber dem geretteten Sünder ist es sanft und leicht. Wir können uns danach selbst prüfen: Ist uns dies Joch lieb, oder möchten wir es von uns werfen?

4. Aber der im Himmel wohnet, lachet ihrer,
und der Herr spottet ihrer.


Wenden wir nun unseren Blick von den gottlosen Ratskammern und dem tobenden Aufruhr der Menschen zu der geheimen Stätte, da die Majestät des Allerhöchsten thront. Was sagt Gott? Was wird der König den Menschen tun, die seinen eingebornen Sohn, den Erben über alles, verwerfen? Der im Himmel thronet lacht, der Herr (der Allherr, Adonai) spottet ihrer (Grundt.).
Man beachte die ruhige Würde des Allmächtigen und die Verachtung, welche er über die Fürsten und ihre tobenden Völker ausschüttet. Er nimmt sich nicht die Mühe, von seinem Sitze aufzustehen und einen Kampf mit ihnen zu beginnen, -- er verachtet sie; er weiß, wie widersinnig, wie unvernünftig, wie nichtig ihre Anschläge wider ihn sind, -- darum lacht er, darum spottet er ihrer.


5. Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorn,
und mit seinem Grimm wird er sie schrecken:
6. "Aber ich habe meinen König eingesetzt
auf meinen heiligen Berg Zion".

Dann (Grundt.) wird er mit ihnen reden usw. Nach dem Lachen wird er reden; er braucht nicht die Hand zum Schlage zu erheben, der Hauch seiner Lippen ist genug. In dem Augenblick, da ihre Macht aufs Höchste gestiegen und ihre Wut am heftigsten geworden ist, dann wird sein Wort wider sie ergehen. Und zwar ein für sie sehr bitteres Wort. "Und doch," sagt er, "trotz all eurer aufrührerischen Verschwörung, trotz der Klugheit eurer Beratungen, trotz der List eurer Gesetzgeber, dennoch habe Ich meinen König eingesetzt auf meinen heiligen Berg Zion." Fürwahr eine großartige Proklamation! Er hat bereits getan, was die Feinde zu verhindern suchen. Während sie noch beraten, hat er schon alles entschieden. Jahwes Wille ist geschehen, und der Menschen Wille reibt sich vergeblich auf mit seinem Wüten. Der Gesalbte des Herrn ist eingesetzt und niemand kann ihn absetzen. Schaue rückwärts durch alle die Zeiten des Unglaubens, lausche auf all die stolzen und lästerlichen Reden, welche Menschenkinder gegen den Allerhöchsten ausgesprochen, horche auf den rollenden Donner der Batterien, welche die Erde gegen die himmlische Majestät aufgeführt hat, -- und denke dann, dass Gott bei alledem spricht: "Aber Ich habe meinen König eingesetzt auf meinen heiligen Berg Zion." Dennoch herrscht Jesus, dennoch wird er die Frucht seiner Arbeit mit Lust schauen (Jes. 53,11). Dennoch wird sein unzerstörbares Reich (Dan. 2,44) kommen, wenn er sich gürten wird mit seiner großen Macht und herrschen bis an der Welt Ende. Schon herrscht er zu Zion und unser Mund lässt froh den Ruhm unseres Friedensfürsten erschallen. Mögen uns auch noch große Kämpfe vorhergesagt sein, so dürfen wir doch die gewisse Zuversicht hegen, dass unserem Herrn und König der Sieg gegeben werden wird. Herrliche Triumphe stehen noch bevor. Führe sie eilends herbei, o Herr! Zions Ruhm und Freude ist, dass ihr König bei ihr ist. Er schützt sie vor ihren Feinden und sättigt sie mit Gutem. Jesus sitzt auf dem Thron der Gnade und auf dem Thron der Macht inmitten seiner Gemeinde. Er ist Zions beste Schutzwehr. Mögen die Bürger der Gottesstadt sich in ihm freuen!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.2

Beitragvon Jörg » 02.02.2018 18:00

7. Ich will von der Weise predigen,
dass der Herr zu mir gesagt hat: "Du bist mein Sohn,
heute habe ich dich gezeugt;
8. heische von mir, so will ich dir die Heiden zum Erbe geben
und der Welt Enden zum Eigentum.
9. Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen,
wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen."


Der Psalm hat dramatische Form, darum wird jetzt eine andere Person redend eingeführt. Erst haben wir in die Ratsversammlung der Gottlosen einen Blick getan, sodann auf den Thron Gottes, und nun hören wir, wie der Gesalbte des Herrn seine Hoheitsrechte verkündigt und die Verschwörer vor dem Verderben warnt, dem sie entgegengehen.
Gott hat des wahnwitzigen Ratschlusses der Gottlosen gelacht und jetzt tritt Christus, der Gesalbte, selbst hervor, als der auferstandene Erlöser, der in Kraft erklärt und erwiesen worden ist als Sohn Gottes nach dem Geist der Heiligung durch die Auferstehung von den Toten (Röm. 1,4). Es ist, als sagte der Gesalbte zu den aufrührerischen Königen, indem er ihnen in die zornentflammten Angesichter schaut: "Wenn das nicht genügt, um euch zum Schweigen zu bringen, wohlan, so will ich von einem Ratschluss Jahwes verkündigen ." (Grundt.) Dieser Beschluss des Höchsten nun steht in unmittelbarem Gegensatz zu dem Anschlag der Menschen, denn sein Inhalt ist gerade die Aufrichtung der Herrschaft, gegen welche die Völker wüten. Der Herr hat zu mir gesagt: "Du bist mein Sohn. " Das ist ein herrlicher Erweis der Göttlichkeit unseres Immanuel. Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: "Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt?" Wie köstlich ist es, einen göttlichen Erlöser zu haben, auf den sich unser Vertrauen stützen darf! "Heute hab’ ich dich gezeugt." Bezieht sich das auf die Gottheit unseres Heilandes, so lasst uns nicht versuchen, sie zu ergründen, denn diese Wahrheit ist mit Ehrfurcht anzunehmen, nicht unehrerbietig zu ergrübeln. Und wir mögen hinzufügen, dass es uns, wenn sich die Worte auf den Eingeborenen in seiner menschlichen Natur beziehen sollten, auch nur gebührt, uns über das Geheimnis zu freuen, dass wir aber nicht wagen dürfen, die Heiligkeit desselben durch zudringliches Hineinspähen in die Heimlichkeiten des ewigen Gottes zu entweihen. Die Geheimnisse sind des Herrn, unsers Gottes; was aber offenbart ist, das ist unser und unserer Kinder ewiglich (5. Mose 29,28), und dessen ist genug, ohne dass wir uns in müßige Spekulationen versteigen. Viele haben sich in Irrwegen verloren bei dem Versuch, die Dreieinigkeit zu erklären oder das Wesen der Gottheit zu entschleiern. Große Schiffe haben da Schiffbruch gelitten. Was haben wir mit unserem gebrechlichen Kahn auf diesem Ozean zu tun?

"Fordere von mir." Bei mächtigen Königen war es Brauch, dass sie ihren Günstlingen gaben, was diese begehrten. (Siehe z. B. Esther 5,6; Mt. 14,7.) So ist bei Jesu Bitten so viel als Haben. Hier erklärt er, dass eben diese seine Feinde sein Erbe seien. Ins Angesicht bezeugt er ihnen diesen Beschluss des Höchsten, und "Hört! Es gilt euch!", ruft der Gesalbte, indem er mit seiner durchbohrten Hand das Zepter seiner Macht emporhält: "Er hat mir nicht nur das Recht gegeben, König zu sein, sondern auch die Vollmacht, meine Feinde zu besiegen." Ja, Jahwe hat seinem Gesalbten ein eisernes Zepter gegeben, womit er die empörerischen Völker zerschlagen wird, und trotz ihrer Herrschergewalt werden auch die Könige nur wie Töpfe sein, wie solche werden sie mit Leichtigkeit in Scherben zerschmissen und zerschmettert werden, wenn das eiserne Zepter in der Rechten des allmächtigen Gottessohnes über sie kommt. Was sich nicht beugen will, muss brechen. Irdenes Geschirr, das in Stücke zerbrochen ist, kann nicht wiederhergestellt werden; so wird auch das Verderben der Sünder hoffnungslos sein, wenn der Herr sie zerschmeißen wird.

10. So lasst euch nun weisen, ihr Könige,
und lasst euch züchtigen, ihr Richter auf Erden!
11. Dienet dem Herrn mit Furcht,
und freuet euch mit Zittern!
12. Küsset den Sohn, dass er nicht zürne, und ihr
umkommet auf dem Wege;
denn sein Zorn wird bald entbrennen.
Aber wohl allen, die auf ihn trauen!


Wiederum ändert sich die Szene. Der Prophet selber tritt auf und erteilt denen heilsamen Rat, die sich zu dem unseligen Ratschluss der Empörung zusammengetan haben. Sie werden ermahnt, sich zu unterwerfen und dem, den sie gehasst haben, den Kuss der Huldigung und Liebe zu geben.
So lasst euch nun weisen. Willigkeit, sich unterweisen zu lassen, ist stets weise, besonders wenn solche Unterweisung auf das Heil unserer Seelen abzielt. "Zögert nicht länger, werdet doch vernünftig! Euer Feldzug kann euch ja nicht gelingen; darum steht davon ab und unterwerft euch freiwillig dem, der euch zur Beugung vor ihm zwingen wird, wenn ihr sein sanftes Joch verschmäht." O wie weise, wie unendlich weise ist es, Jesus gehorsam zu werden, und wie schrecklich ist die Torheit derer, die in der Feindschaft gegen ihn beharren! Dienet dem Herrn mit Furcht. Ehrfurcht und Demut beseele euren Dienst. Er ist der große Gott, ihr seid nur schwache Geschöpfe; beugt euch daher in heiliger Anbetung, und lasst kindliche Ehrfurcht sich mit pünktlichem Gehorsam gegen den Ewigen verbinden. Und freuet euch mit Zittern. Heilige Furcht muss mit der Freude des Christen stets vereint sein. Das ist eine heilige Mischung, die auf dem Altar des Herrn einen süßen Geruch ausströmt; lasst uns ja keinen anderen Weihrauch auf Gottes Altar bringen. Furcht ohne Freude ist Pein; Freude ohne heilige Furcht wäre Vermessenheit. Man beachte, wie feierlich die Aufforderung zur Versöhnung und Unterwerfung begründet wird. Es ist schrecklich, mitten im Sündenlauf umzukommen auf dem Wege der Empörung. Es ist hohe Zeit, dem göttlichen Strafgericht durch Buße zuvorzukommen, denn das Maß ist bald voll, das den Ausbruch des göttlichen Zornes bewirkt. Es braucht nicht mehr viel, so entbrennt sein Zorn. Sünder, nimm dich in Acht vor den Schrecken des Herrn, denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer (Hebr. 12,29). -- Lasst uns die Seligpreisung beherzigen, womit der Psalm schließt: Wohl allen, die auf ihn trauen ! Haben wir an diesem Glück teil? Bergen wir uns glaubensvoll in dem Ewigen? Unser Glaube mag schwach sein wie ein Spinnenfaden; ist er aber echt, so sind wir nach dem Maße unseres Glaubens glücklich und gesegnet. Je völliger unser Vertrauen auf den Herrn wird, desto reichlicher werden wir auch die Glückseligkeit des Glaubens erfahren. Wir wollen daher die Betrachtung dieses Psalms mit der Bitte der Jünger schließen: "Herr, stärke uns den Glauben" (Lk. 17,5).

Der erste Psalm hat den Gegensatz zwischen dem Gerechten und dem Sünder dargestellt; der zweite veranschaulicht den Gegensatz zwischen dem stürmischen Aufruhr der ungöttlichen Welt und der gewissen Erhöhung des gerechten Sohnes Gottes. In dem ersten Psalm sahen wir die Gottlosen verweht wie Spreu; in dem zweiten schauen wir sie in Stücke zerbrochen wie Töpfergeschirr. Im ersten Psalm richtete sich unser Blick auf das fröhliche Gedeihen des Gerechten, da er grünt wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen; und hier erblicken wir Christus, das Bundeshaupt der Gerechten, in noch höherer Lebensfülle, denn er ist zum König eingesetzt über alle Lande und alle Heiden neigen sich vor ihm in den Staub, während er selbst segnend seine Hände ausbreitet über alle, die auf ihn ihre Zuversicht setzen. Die beiden Psalmen sind der eingehendsten Aufmerksamkeit wert; sie können in der Tat als Vorwort zum ganzen Psalter (Psalm 1 nach der sittlichen, Psalm 2 nach der prophetischen Seite) gelten und sind auch von manchen der Alten in einen zusammengefasst worden. Doch sind es zwei verschiedene Psalmen. Der erste zeigt uns das Wesen und das Los der Gerechten, und der andere weist uns auf den messianischen Charakter der Psalmen hin. Dass beide Psalmen einen weit reichenden prophetischen Ausblick haben, ist uns gewiss; aber wir müssen es geschickteren Händen überlassen, dies Gebiet zu erschließen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 06.02.2018 16:53

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Schon rein ästhetisch betrachtet gehört der Psalm zu den ausgezeichnetsten. Der Kühnheit seiner Gedanken entspricht die markige Sprache; an dramatischer Haltung kommt ihm kein anderer Psalm gleich. In lebendigem Wechsel reden zuerst die Empörer (V. 3), dann Jahve (V. 6), dann der zionitische König (V. 7-9), endlich der Dichter (V. 10-12). Größer aber noch ist die theologische bzw. religionsgeschichtliche Bedeutung des Psalms, insofern derselbe zu den locis classics (den vornehmsten Bezeugungen) der messianischen Idee innerhalb des Psalters und zu den wichtigsten messianischen Stücken des Alten Testamentes überhaupt gehört. Lic. Hans Keßler 1899.

Mit dem 2. Psalm haben sich schon die ersten Christen in Jerusalem getröstet (Apg. 4,25). Nicht minder die Reformatoren. Von der Koburg schrieb Luther seinen Freunden nach Worms: "Der Ausgang der Sache macht euch Kreuz, weil Ihr ihn nicht begreifen könnt? Aber wenn ich ihn begreifen könnte, möchte ich keinen Teil an der Sache haben. Gott hat meine Sache in eine Lage gebracht, die Ihr in eurer Rhetorik und Philosophie nicht habt. Dieselbe heißt Glauben, und ist darein alles gesetzt, was man nicht sieht. Will einer das sichtbar und begreiflich machen, wie Ihr tut, so bekommt er Sorge und Tränen zum Lohn wie Ihr!" Ein günstiges Vorzeichen nun sieht Luther darin, dass der Gegner allerlei Ränke spinne: "Wenn", sagt er, "die Könige im Lande sich auflehnen und die Herren miteinander ratschlagen wider den Herrn und seinen Gesalbten, dann folgt auch, wie es im Psalm ist, das Wort: Aber der im Himmel wohnet, lacht ihrer." - Nach D. W. M. L. de Wette † 1849.

V. 1. Toben ist gleich Aufruhr erregen, lärmen, tosen. Das hebräische Wort drückt nicht ein inneres Gefühl, sondern die dasselbe verratende äußere Erregung aus. Es spielt vielleicht auf das Rollen und Tosen des Meeres an, das in der heiligen Schrift und bei Klassikern oft als Sinnbild der Völkererregung dient. Das Wort frua/ssein, welches Lukas Apg. 4,25 (nach der LXX) dafür setzt, bedeutet Unbändigkeit, Stolz, wie z. B. von feurigen Rossen, die sich schnaubend und bäumend in die Schlacht stürzen. D. I. A. Alexander 1850.

Sinnen Eitles. Diokletian prägte eine noch vorhandene Denkmünze, welche die Inschrift trug: "Weil der Name der Christen ausgelöscht ist." Und in Spanien wurden zwei Gedenksäulen errichtet, auf denen geschrieben war: A. "Den Kaisern Diokletian mit dem Beinamen "des Jupiter" und Maximian mit dem Beinamen "Herkules", den Mehrern des Reichs, errichtet, weil sie das römische Reich im Osten und Westen erweitert und den Namen der Christen, welche den Staat zu Grunde richteten, ausgetilgt haben." B. "Den Kaisern ... (wie oben), weil sie den Galerius (den letzten Verfolger der Christen) im Osten als Mitregenten angenommen, überall den Aberglauben der Christen ausgerottet und die Verehrung der Götter ausgebreitet haben." Ein neuerer Schriftsteller macht dazu die sinnige Bemerkung: "Hier haben wir ein Denkmal, errichtet vom Heidentum über dem Grabe seines besiegten Feindes. Aber darin haben die Leute "Eitles ersonnen". Weit davon entfernt, gestorben zu sein, stand das Christentum vielmehr am Vorabend seines dauernden Sieges und der Stein deckte ein leeres Grab, gleich der Urne, welche Elektra mit ihren Tränen wusch. Weder in Spanien, noch sonst wo kann die Begräbnisstätte des Christentums gezeigt werden; sie existiert nicht, denn die Lebenden haben kein Grab." C. H. Spurgeon 1869.

V. 1-4. Herodes, der Fuchs, schmiedete Ränke gegen Christus (Lk. 13,31 f.), um den Lauf seines Amtes zu hindern, aber er konnte seinen Anschlag nicht ausführen. Eitel, das heißt, innerlich leer sind alle solche Pläne, nicht nur, weil kein vernünftiger Grund für sie vorhanden ist, sondern auch, weil alle sich umsonst darum mühen. Der im Himmel thront, sieht, was für Toren die Leute sind, und die Menschen -- ja auch sie werden es einst sehen. Der Prophet gibt uns davon eine seine Schilderung Jes. 59,5 f.; "Sie wirken Spinnewebe. Ihr Spinnewebe taugt nicht zu Kleidern, und ihr Gewirke taugt nicht zur Decke." Joseph Caryl 1647.

Ach, dass wir halb soviel Sorgfalt gebrauchten, Gott weislich zu dienen, als seine Feinde sich mühen, sein Reich mit List anzugreifen. Die Gottlosen wenden allen Scharfsinn an, viele Gläubige aber sind schläfrig! C. H. Spurgeon 1869.

V. 2. Die Masse hat ihr Teil getan, jetzt zeigen sich die Mächtigen. John Trapp † 1669.

Aber warum verschworen sie sich wider den Gesalbten Jahwes? Was wollten sie von ihm? Seine Güter? Nein; hatte Jesus doch nichts für sich selbst, sie waren reicher als er. Wollten sie seine Freiheit? Die würde ihnen nicht genügt haben, hatten sie ihn doch vorher gebunden. Wollten sie das Volk ihm abspenstig machen? Das hatten sie schon getan, so sehr, dass selbst seine Jünger von ihm geflohen waren. Was wollten sie denn haben? Sein Blut? Ja, sein Blut. "Sie hielten Rat", sagt Matthäus (26,4), "wie sie Jesus töteten." Ihre Gesinnung war die des Teufels, der mit nichts zufrieden ist als mit dem Tod. Und wie ersannen sie es? Matthäus sagt, "sie hielten Rat darüber". Henry Smith 1578.

Wider den Herrn und seinen Gesalbten. Welche Ehre war das für David, dass er so öffentlich Jahwe beigesellt wurde! Und dass er eben, weil er sein Gesalbter war, Gegenstand des Hasses und des Hohnes der ungöttlichen Welt war. Wenn gerade dieser Umstand einerseits die Schuld dieser verblendeten Heiden entsetzlich vergrößerte und ihr Schicksal besiegelte, war es anderseits sicherlich eben das, was mehr als alles andere Davids Gemüt ruhig und heiter, ja friedevoll und freudevoll bleiben ließ trotz dem prahlerischen Übermut seiner Feinde. Im Glauben konnte er, wiewohl er nichts als die wütenden Wogen um sich sah, ruhig sprechen: "Die Völker sinnen Eitles." Des Himmels Beschlüsse können sie nicht zunichte machen, dem Gesalbten Jahwes keinen Schaden zufügen. David Pitcairn 1851.

V. 3. Sie schmähen die lieblichen Gesetze des Reiches Christi als schwere Bande und Fesseln, die Zeichen der Sklaverei. (Vergl. Jer. 27,2.6.7 .) Aber dem Wiedergeborenen ist Christi Gesetz nicht mehr eine Bürde als dem Vogel seine Flügel. Dem Christen ist es nicht mehr Strick und Fessel, sondern ein Lendengurt, der ihm beim Laufe förderlich ist. John Trapp † 1669.

V. 4. Der im Himmel thront. (Grundt.) Damit ist klar angedeutet, 1) dass der Herr hoch über alle ihre Bosheit und Macht erhaben ist; 2) dass er von oben herab all ihre Ränke erschaut; 3) dass er als der Allmächtige mit seinen Feinden machen kann, was ihn gelüstet (Ps. 115,3). Arthur Jackson 1643.

Die törichten Anschläge der sündigen Menschenkinder sind für Gott Anlass, seine unendliche Weisheit und Macht zu entfalten, und gerade die Angriffe von Satans Reich, die in unsern Augen furchtbar sind, sind in Gottes Augen verächtlich. Matthew Henry † 1714.

Sie spotten unser, Gott lacht ihrer. Er lacht? Das scheint auf den ersten Blick ein hartes Wort. Sind die Ungerechtigkeiten, die seinen Heiligen zugefügt werden, die Grausamkeiten ihrer Feinde, die Verhöhnung und Verfolgung seitens aller, die um uns her sind, für ihn nicht mehr als ein Gegenstand des Gelächters? Der gestrenge Cato meinte, Lachen sei unverträglich mit der Würde eines römischen Konsuls; es sei eine Herabwürdigung des Standes, sagte ein anderer zu Fürsten. Und hier wird es der himmlischen Majestät beigelegt? Aber welch heiliges Lachen ist es! Er lacht, aber es ist das Lachen der Verachtung; er lacht, aber Rache sprüht darin. Pharao bildete sich ein, er habe mit dem Ertränken der israelitischen Knäblein einen Weg gefunden, Israels Namen vom Erdboden zu vertilgen. Als aber zur selben Zeit seine eigene Tochter dem Mose, dem Befreier Israels, das Leben rettete und ihm an seinem eigenen Hofe eine fürstliche Erziehung gab, lachte da Gott nicht? -- Die Freude der Gottlosen ist kurz. Wird Dagon wieder an seinen Ort gestellt? Gottes Lächeln wird ihm das Haupt und beide Hände wegnehmen (1. Samuel 5,3 f.), ihm weder Verstand zum Führen noch Macht zum Helfen lassen. Wir dürfen über die Werke Gottes nicht urteilen, bis der letzte Akt des Dramas gekommen. Jahwe ließ zu, dass sein Tempel geplündert und zerstört, die heiligen Gefäße entweiht und beim Zechgelage missbraucht wurden; aber ließ nicht Gottes Lachen Belsazar erzittern über der Handschrift an der Wand? (Dan. 5.) O was muss sein Stirnrunzeln sein, wenn sein Lächeln schon so furchtbar ist! Thomas Adams 1614.

Er sieht auf die kleinlichen, armseligen Anstrengungen der Menschen, die von Erde sind (V. 9), nicht nur ohne Unbehagen und Furcht herab, sondern er begegnet ihrer ohnmächtigen Torheit mit Hohnlachen . Weiß er doch, dass er sie zerdrücken kann wie eine Motte, wenn es ihm gefällt, oder sie in einem Augenblick verzehren mit dem Hauch seines Mundes. Wie nützlich ist es uns, an solche Wahrheiten erinnert zu werden. David Pitcairn 1851.

V. 4-6. Es ist das Lachen der göttlichen Ironie, die das unsinnige Gebaren der Menschlein trifft, welche tun, als wollten sie den Himmel stürmen. Dieses Lachen geht aber dem göttlichen Zorn voraus und ist darum ein furchtbares. "Da wird er zu ihnen sprechen in seinem Zorn." Dieses z)f (da), oft unserm "jetzt", oft unserm "einst" entsprechend, fixiert einen bestimmten Moment, hier die vom Geistesblick als nahe geschaute Stunde, wo er als Richter und Rächer mit ihnen abrechnen wird, wobei sie alle Fassung verlieren. Sein Ratschluss tönt ohne Einleitung in ihr Gerede hinein; er setzt ihrer Widerspenstigkeit einfach Seinen souveränen Willen entgegen; "Und Ich habe eingesetzt meinen König auf Zion, meinem heiligen Berge." Dabei bleibt es! -- Die alttestamentliche Weissagung, von Prof. D. C. von Orelli 1882.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 10.02.2018 14:58

Erläuterungen und Kernworte

V. 5. Schrecken wird er sie, sei es durch die Qualen des Gewissens, sei es durch leibliche Plagen. Auf die eine oder andere Weise wird er sie leichten Kaufs in seine Hand bekommen, wie er es allezeit mit den Verfolgern der Seinen getan hat. John Trapp † 1669.

V. 5.9. Es ist Gott ein Leichtes, seine Feinde zu vernichten. Siehe, wie Pharao, seine Weisen und Gewaltigen, seine Heere und Rosse ins Wasser plumpsen und platschen und wie Blei untersinken im Schilfmeer. Das ist das Ende eines der größten Anschläge, der je gegen die Auserwählten des Herrn ausgebrütet worden ist. Von dreißig römischen Kaisern, Statthaltern und andern hohen Würdenträgern, die sich durch ihren Eifer und ihre Härte in der Verfolgung der ersten Christen ausgezeichnet haben, wurde einer plötzlich irrsinnig nach einer frechen Gräueltat, einer wurde von seinem eigenen Sohne erschlagen, einer wurde blind, einem andern traten die Augen aus dem Kopf, einer wurde ertränkt, ein anderer erdrosselt, einer starb in elender Gefangenschaft, einer verendete in einer Weise, die man schlechterdings nicht erzählen kann, einer starb an einer so ekelhaften Krankheit, dass mehrere seiner Ärzte hingerichtet wurden, weil sie den Gestank nicht ertragen konnten, der sein Gemach erfüllte, zwei begingen Selbstmord, ein dritter versuchte es, musste aber Hilfe herbeirufen, um das schauerliche Werk zu vollenden, fünf wurden von ihren eigenen Angehörigen oder Dienern ermordet, fünf andere starben den denkbar elendesten und qualvollsten Tod, indem mehrere von ihnen eine unerhörte Verwicklung von Krankheiten hatten, und acht wurden in der Schlacht oder in der Gefangenschaft getötet. Unter diesen war Julian der Abtrünnige. Man sagt von ihm, er habe in den Tagen seines Glücks seinen Dolch gen Himmel gezückt, dem Sohne Gottes hohnsprechend, den er gemeiniglich den Galiläer nannte. Aber als er in der Schlacht verwundet war und sah, dass alles aus war, soll er sein geronnenes Blut vom Erdboden aufgenommen und in die Luft geworfen haben mit dem Ausruf: "Galiläer, du hast gesiegt." -- Voltaire hat uns von den Todeskämpfen Karls IX. von Frankreich berichtet, die das Blut durch die Hautporen dieses elenden Herrschers trieben, nach seinem grausamen, verräterischen Vorgehen gegen die Hugenotten. D. W. S. Plumer 1867.

V. 6. Beachten wir 1) das königliche Amt und die königliche Würde unseres erhöhten Erlösers. "Und hat einen Namen geschrieben auf seinem Kleid und auf seiner Hüfte also: Ein König aller Könige und ein Herr aller Herren" (Off. 19,16). Beachten wir 2) die Vollmacht, kraft welcher er regiert. Er ist mein König, sagt Gott, und ich habe ihn eingesetzt von Ewigkeit her. Der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohne gegeben (Joh. 5,22). "Mag die Welt seine Machtvollkommenheit nicht anerkennen, ich erkenne sie an, ich habe ihn eingesetzt und gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles" (Eph. 1,22). Beachten wir 3), welches sein Reich ist: "mein heiliger Berg Zion" -- ein sonderliches Vorbild der Kirche des Evangeliums, denn auf Zion war die Bundeslade und später der Tempel. Christi Thron ist in seiner Gemeinde, sie ist sein Hauptquartier und besonderer Residenzort. Steph. Charnock † 1680.

Meinen König: So nennt der Vater Christus, weil dieser an des Vaters Statt regiert. Und zwar ist es ein zwiefaches Königtum, das Christus vom Vater übergeben ist. Erstens die Herrschaft über die Welt, auch über die Feinde. Christus ist ein König aller Könige. Was sind die Mächtigen, die Großen und Würdenträger der Erde im Vergleich mit Christo? Gleichsam ein Wasserbläslein. Denn wenn alle Völker vor Gott wie ein Tropfen sind, der im Eimer bleibt, und wie ein Stäublein, das in der Wage bleibet, wie der Prophet sagt (Jes. 40,15), wie klein müssen dann vor ihm die Könige der Erde sein! Ja, Christus ist nicht nur höher als die Könige, er ist höher als die Engel, denn er ist ihr Haupt, und alle Engel Gottes müssen ihn anbeten (Kol. 2,12; Hebr. 1,6). Er ist König über alle Königreiche, über alle Völker, über alle Herrschaften, über alle Mächte (vergl. Dan. 7,14). Zweitens ist Christus aber auch der König seiner Heiligen . Über die Gottlosen herrscht er mit seinem gewaltigen Arme, die Gläubigen leitet er freundlich mit seinem Geiste. Das ist Christi geistliches Königreich, das in den Herzen der Seinen aufgerichtet ist. Er beherrscht ihr Gewissen, ihren Willen, ihre Neigungen, ihre Urteile, ihre Vernunft und niemand außer Christus hat den Seinen etwas zu befehlen. Er herrscht über die Nationen, aber in den Gläubigen. W. Dyer 1665.

V. 7. Der Streit über die ewige Zeugung des Herrn legt mehr vermessene Neugier als ehrfurchtsvollen Glauben an den Tag. Es ist das ein Versuch, da zu erklären, wo man viel besser täte, anzubeten. Wir könnten ja eine ganze Reihe miteinander um die Herrschaft streitender Auslegungen dieses Verses anführen; aber wir verzichten darauf. Diese Streitfrage ist eine der unfruchtbarsten, welche je die Federn der Theologen beschäftigt hat. C. H. Spurgeon 1869.

V. 8. Fordere von mir; darin ist das Priestertum Christi angedeutet. Der Psalm spricht V. 7 von der Einsetzung Christi ins königliche Amt; der Schreiber des Hebräerbriefes aber bezieht das hier Gesagte auf Christi Priestertum. Seine Bevollmächtigung zu diesen beiden Ämtern ist zur gleichen Zeit erfolgt und beide sind ihm von derselben Gewalt verliehen und bestätigt worden. Sein Amt des Bittens beruht auf derselben Vollmacht wie seine Königswürde. Nach seiner Auferstehung hat der Vater ihm Macht und Befehl zu bitten gegeben. Steph. Charnock † 1680.

Fordere von mir, so will ich usw. Uns gegenüber handelt Christus als König, aber dem Vater gegenüber als Priester. Alles, was er zu Gott spricht, ist Gebet und Fürbitte. So machen Gottes Verheißungen auch die Gläubigen zu königlichen Beherrschern ihrer Lüste und zu Siegern über ihre Feinde, Gott gegenüber aber zu Priestern, die durch demütiges Gebet jene großen ihnen zugesagten Dinge erlangen. W. Gurnall † 1679.

V. 9. Sogar ein eiserner Stab würde wenig ausrichten, wenn er nur leicht gehandhabt würde oder gegen einen harten, festen Gegenstand. Aber in dem vorliegenden Fall wird er mit großer Macht gebraucht: Du sollst sie zerschlagen, und gegen Geschöpfe, die so spröde und zerbrechlich sind wie Töpfe . Es handelt sich also um völlige Zerschmetterung. Auch hier tritt uns wieder entgegen, dass die Weissagungen und Verheißungen dieses Psalmes nur in sehr beschränktem Maße in der Geschichte Davids in Erfüllung gegangen sind. Ihre volle, schreckliche Erfüllung harrt des Tages, wenn der große Davidssohn in der Herrlichkeit seiner Majestät als Zions König kommen wird, um mit eisernem Zepter die große antichristliche Verschwörung der Könige und der Völker zu zerschmettern und von seinem ihm längst zugesagten und teuer erkauften Erbe Besitz zu ergreifen. Und die Zeichen der Zeit scheinen darauf hinzudeuten, dass das Kommen des Herrn nahe ist. David Pitcairn 1851.

V. 10. Wie Jesus der König aller Könige und der Richter aller Richter ist, so ist das Evangelium der Lehrer der Weisesten und Größten unter den Menschen. Wer sich so groß dünkt, dass er seine Ermahnungen mit Füßen tritt, der wird vor Gott wenig gelten; und wer so weise ist, dass er seine Lehren verachtet, den wird seine eingebildete Weisheit zum Narren machen. Das Evangelium führt den Machthabern der Erde gegenüber eine freie Sprache; und die das Evangelium predigen, sollen gleich einem Knox, Melville und anderen ihr Amt ehren, indem sie sogar in Gegenwart von Königen eine männliche Sprache führen und freimütig tadeln, wo zu tadeln ist. Ein Fuchsschwänzer im Talar ist höchstens als Küchenjunge in des Teufels Küche zu gebrauchen. 1 C. H. Spurgeon 1869.

V. 11. "Freuet euch mit Beben !"- wird den Huldigenden zugerufen. Darin wie in dem folgenden Huldigungskusse liegt, dass nicht die Furcht allein, sondern zugleich die Lust sie treiben soll, diesem erhabenen Gott und seinem herrlichen Regenten sich zu unterwerfen. Es ist jenes aus Scheu und Wonne gemischte Doppelgefühl gemeint, welches des heiligen und gnädigen Gottes herrlichste Offenbarungen in den Sterblichen erwecken, vergl. Hos. 3,5; 11,10 f. Prof. D. C. von Orelli 1882.

Die Furcht Gottes ist dem Morgenstern vergleichbar, der das Aufgehen des trostreichen Sonnenlichtes ankündigt; wie es von der Christengemeinde (Apg. 9,31) heißt: Sie wandelte in der Furcht des Herrn und wurde erfüllet mit Trost des heiligen Geistes. Th. Watson 1660.

Gottes Zorn hat nichts gemein mit der Leidenschaft, die den Menschen in innere Unordnung versetzt und außer Fassung bringt. Wohl aber kennt die heilige Schrift einen Zorn Gottes als wirksame Unterscheidung der Feinde von den Freunden und der Dinge, die zu Gottes Verherrlichung dienen, von denen, die das nicht tun. Der Kirchenvater Hilarius († 366) hat gut gesagt: Poena patientis ira decernentis, d.h.: Des Menschen Leiden ist Gottes Zorn. Wenn Gott, einem gerecht entrüsteten König gleich, solche Strafen verhängt, dann ist das sein Zorn. Unsere Stelle lässt die Sache aber noch ernster erscheinen. Nicht Gott, dieses erhabene, allgewaltige und majestätische Wesen ist es, dem hier Zorn zugeschrieben wird, -- dass Gott zürnt, ist wohl zu erwarten; aber sogar der Sohn, den wir küssen sollen, kann zürnen, dies Wesen, das wir nicht nur als Gott, sondern auch als Menschen, als unsereinen kennen, ja er, der erniedrigt wurde, dass er ein Wurm war und kein Mensch (Ps. 22,7), er kann zürnen, und sein Zorn kann so entbrennen, dass wir verzehrt werden. Darum küsset den Sohn, dass er nicht zürne ; und zürnt er, dann küsset die Rute, so wird sein Zorn aufhören. Liebt ihn, auf dass er nicht zürne; neigt euch vor ihm in Ehrfurcht, wenn er zürnt. Das Mittel, wodurch wir uns vor seinem Zorn schützen oder diesen abwenden können, ist leicht; ein Kuss aufrichtiger Huldigung und Liebe. Wer so im Glaubensgehorsam ihn umfängt, findet Gnade in der Züchtigung; aus dem Verderben wird er wieder aufgerichtet, er darf Feste feiern in der Zeit des Darbens und Freude im Herzen fühlen, auch wo er erfährt, wie Gottes Heiligkeit wider seine Sünde eifert. D. John Donne † 1631.

Unaussprechlich muss der Zorn Gottes sein, wenn er mit ganzer Glut entbrennt, da schon Verderben von ihm ausgeht, wenn er nur ein wenig aufflammt. John Newton † 1807.

Homiletische Winke
Der ganze Psalm zeigt uns die Natur der Sünde, sowie die schrecklichen Folgen derselben, wenn sie zur unbeschränkten Herrschaft gelangen würde.

V. 1. Nichts ist unvernünftiger als Gottlosigkeit. Eilt gewichtiges Thema.
Die Gründe, weshalb Sünder sich wider Gott empören, dargetan, widerlegt, beklagt und bereut.
Die höchste Entfaltung der menschlichen Sünde: der Hass des Menschen gegen den Mittler.
V. 1.2. Der Widerstand gegen das Evangelium ist unvernünftig und erfolglos. Diese Verse zeigen uns, dass im Dienste Gottes alles Vertrauen auf Menschen eitel ist. Denn da die Menschheit im Ganzen christusfeindlich ist, so ist es nicht gut, sein Vertrauen zu setzen, sei es auf die Menge wegen ihrer Zahl, sei es auf die kühn Entschlossenen wegen ihres Eifers, sei es auf die Mächtigen wegen ihrer Gunst, sei es auf die Weisen wegen ihres Rates, da diese alle weit öfter wider Christus sind als für ihn.
V. 3. Die wahre Ursache des Widerstrebens der Sünder gegen die in Christus geoffenbarte Wahrheit: ihr Abscheu vor den heilsamen Schranken der Gottseligkeit.
V. 4. Wie Gott der Empörer lacht, sowohl jetzt als später.
V. 5. Die Stimme des Zornes -- als Thema einer Predigt in einer Reihe von Betrachtungen über die Stimmen Gottes (die Stimme der Allmacht, der Liebe usw.).
V. 6. Christi königliche Herrschaft. 1) Der Widerstand gegen dieselbe: und doch; 2) ihr gewisser Bestand: Ich habe eingesetzt; 3) die Macht, die sie erhält: Ich habe eingesetzt; 4) die Stätte ihrer Offenbarung: mein heiliger Berg Zion; zum Schluss: die Segnungen, die von ihr ausströmen.
V. 7. Der göttliche Ratschluss hinsichtlich Christus, in Verbindung mit den Ratschlüssen der Erwählung und Vorsehung. Die Sohnschaft Jesu.
Dieser Vers lehrt uns, die von Gott uns verliehene Gabe und Berufung getreulich zu verkündigen und demütig in Anspruch zu nehmen.
V. 8. Das Erbe Christi.
Die Unerlässlichkeit des Gebets -- selbst Christus muss bitten.
V. 9. Der Untergang der Gottlosen. Er ist gewiss, unaufhaltsam, schrecklich, vollständig, unwiederbringlich. Man führe den Vergleich mit den irdenen Gefäßen durch.
Der zu erwartende Untergang der Mächte des Irrtums und der Unterdrückung. Das Evangelium ein Zepter, wohl im Stande, die irdenen menschlichen Machwerke zu zerbrechen.
V. 10. Im Gehorsam gegen Christus besteht die wahre Weisheit, wohl geziemend auch für Fürsten und Richter.
Das Evangelium- eine gute Schule für diejenigen, welche lernen möchten, das Regenten- und Richteramt recht auszuüben. Solche mögen seine Grundsätze, sein Ideal, seinen Geist usw. wohl beachten.
V. 11. Gemischte Empfindungen. Man vergleiche die Erfahrungen der von dem Grabe zurückkehrenden Frauen (Mt. 28,8). Das könnte ein trostreiches Predigtthema sein, wenn der heilige Geist das Gemüt des Predigers erleuchtet.
V. 12. Eine dringende Einladung. 1) Der Befehl, 2) der Grund, 3) der dem Gehorsam verheißene Segen. Siehe Predigten von C. H. Spurgeon, 1. Band (Min.-Ausg., Seite 296). Bapt. Verlag, Kassel.
V.12c. Die Art, der Gegenstand und die Glückseligkeit des seligmachenden Glaubens.
Fußnoten
1. Zum Verständnis des drastischen Bildes ist zu beachten, dass die Geistlichen der englischen Staatskirche bei der Predigt usw. einen weißen Überwurf tragen. Wiewohl aber Spurgeon dem Talar allerdings nicht geneigt war, sofern er darin ein Symbol priesterlicher Ansprüche, ein Zeichen einer unbiblischen Unterscheidung zwischen "Geistlichen" und "Laien" sah, gilt der Hieb Spurgeons doch nicht dem Talar oder dessen Träger überhaupt, sondern nach dem Zusammenhang eben kriechenden Hofpredigern und dergl.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.3

Beitragvon Jörg » 14.02.2018 16:44

Kommentar & Auslegung zu PSALM 3


Überschrift

Ein Psalm Davids, da er floh vor seinem Sohn Absalom. Wir erinnern uns der traurigen Geschichte von Davids Flucht aus seinem eigenen Palast, da er in der Totenstille der Nacht den Kidron überschritt und mit seinen wenigen Getreuen hinging, um sich eine Weile vor dem Wüten seines aufrührerischen Sohnes Absaloms zu verbergen (2. Samuel 15). Wir sind dabei dessen eingedenk, dass David hierin ein Vorbild auf unsern Herrn Jesum Christum war. Auch er entwich; auch er ging über den Bach Kidron, als sein eigenes Volk gegen ihn in Aufruhr war, und mit einer kleinen Schar von Jüngern lenkte er seine Schritte nach dem Garten Gethsemane.
Viele Ausleger benennen diesen Psalm das Morgenlied. Gebe Gott, dass wir stets mit heiliger Zuversicht im Herzen und einem Gesang auf unsern Lippen erwachen.

Einteilung

Der Psalm zerfällt in vier Teile von je zwei Versen. Manche Psalmen erschließen sich dem Verständnis nicht recht, wenn man nicht aufmerksam deren Strophenbau beachtet; denn viele sind nicht etwa eine fortlaufende Beschreibung einer Szene, sondern gleichen vielmehr einer Reihe von Bildern, die mehrere einander verwandte Gegenstände darstellen. Wie wir es beim Predigen gewohnt sind, unsere Rede in verschiedene Hauptteile zu scheiden, so ist es in diesen Psalmen. Stets ist Einheitlichkeit darin, aber es ist die Einheit eines Bündels Pfeile und nicht diejenige eines einzelnen Pfeils. Sehen wir nun wie der vorliegende Psalm gebaut ist. In V. 2. 3 bringt David eine Klage wegen seiner Feinde vor Gott. Sodann gibt er V. 4-5 seinem Vertrauen auf den Herrn Ausdruck. V. 6-7 singt er davon, wie sicher er im Schlafe geruht habe, und V. 8-9 stärkt er sich für den bevorstehenden Kampf.

Auslegung

2. Ach, Herr, wie sind meiner Feinde so viel,
und setzen sich so viele wider mich!
3. Viele sagen von meiner Seele:
Sie hat keine Hilfe bei Gott. Sela.


2. Gebrochenen Herzens klagt der arme Vater über die Menge seiner Feinde. Lesen wir 2. Samuel 15 die Erzählung von dem Aufruhr Absaloms, so sehen wir Vers 12 , dass "der Bund (der Verschwörung) stark wurde und das Volk zulief und sich mehrte mit Absalom", während Davids Mannschaft sich beständig verminderte. Ach, Herr, wie sind meiner Feinde so viel. Dieser Ausruf ist der Ausdruck des tiefen Wehs, das den fliehenden Vater in Bestürzung und Verwirrung versetzte. "Ach, ich sehe kein Ende meines Elends, meine Not wird immer größer. Der Anfang dieses Leids war schwer genug, mich in die Tiefe zu stürzen; aber wehe mir, meine Feinde vervielfältigen sich. Dass Absalom, der Liebling meines Herzens, sich wider mich empört, ist genug, mir das Herz zu brechen; aber wehe, auch Ahitophel hat mich verlassen, meine treuesten Ratgeber wenden mir den Rücken, meine Feldherren und Krieger lassen mein Banner im Stich." Ein Unglück kommt selten allein, meist brechen die Bedrängnisse in Scharen über den Unglücklichen herein. Mutter Trübsal hat eine zahlreiche Familie.
Und setzen sich so viele wider mich. Ihr Heer ist soviel größer als das meine. Ihre Zahl ist zu groß, als dass ich sie zählen könnte.
Wir wollen uns hierbei der unzählbaren Scharen erinnern, welche unseren göttlichen Erlöser von allen Seiten bedrängten. Die Legionen unserer Sünden, die Scharen der Feinde, die Menge der körperlichen Schmerzen, das Heer geistlicher Kümmernisse und all die Verbündeten des Todes und der Hölle rüsteten sich zur Schlacht wider den Menschensohn. Wie köstlich ist es, zu erkennen und zu glauben, dass er diese Heere alle in die Flucht geschlagen und sie in seinem Zorne zertreten. hat. Die uns ins Unglück bringen wollten, hat er in Ketten geschlagen, und die sich wider uns erheben wollten, in den Staub gebeugt. Der Drache verlor seinen Stachel, als er ihn in Jesu Herz bohrte.

3. David weiß, dass Gottes liebendes Herz ihm offen steht; darum klagt er ihm die tiefste Not, sagt seinem Gott von der schlimmsten Waffe, mit der seine Feinde ihn angreifen, und von dem bittersten Tropfen in seinem Trübsalsbecher: Viele sagen von meiner Seele: Es gibt keine Hilfe für ihn bei Gott . (Wörtl.) Manche Freunde Davids, die das Vertrauen zu seiner Sache verloren hatten, mögen betrübten Herzens so gesprochen haben; seine Feinde aber rühmten also mit Frohlocken und warteten begierig darauf, dass ihre Worte durch seinen völligen Untergang bestätigt würden. Das war der grausamste Stich von allen, als sie erklärten, sein Gott habe ihn verlassen. Und doch sagte ihm sein Gewissen, dass er ihnen einige Gründe zu solcher Rede gegeben; hatte er doch am hellen Tage gegen Gott gesündigt, siehe 2. Samuel 12, besonders V. 11. Da schleuderten sie ihm denn sein Vergehen mit Bathseba ins Angesicht und sagten: Weg mit dir, du Blutmensch, Gott hat sich von dir gewandt, er will dir nicht helfen. Simei fluchte ihm und schmähte ihn ins Angesicht, 2. Samuel 16,5 ff.; er war frech, weil er viele hinter sich wusste, denn Scharen von Belialsleuten dachten von David genauso. Ohne Zweifel fühlte David, dass das eine höllische Einflüsterung war, die seinen Glauben zum Wanken bringen sollte. Wenn all die Prüfungen, die uns vom Himmel gesandt werden, all die andern Versuchungen, die aus der Hölle aufsteigen, und all die Leiden, die von der Erde herkommen, sich in eine große Prüfung zusammendrängten, würde diese doch noch nicht so schrecklich sein, als die in unserm Verse enthaltene. Es ist die bitterste aller Trübsale, zu der Furcht verleitet zu sein, als sei bei Gott keine Hilfe mehr für uns. Und doch, lasst uns nicht vergessen, dass unser hochgelobter Heiland gerade dies im höchsten Grade zu erdulden hatte, da er ausrief: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Er wusste nur zu wohl, wie es dem zu Mute ist, der im Finstern wandelt und scheint ihm kein Licht (Jes. 50,10). Das war Pein über alle Pein. Das war Wermut mit Galle vermischt. Von seinem Vater verlassen zu sein war schlimmer, als von den Menschen verabscheut zu werden. Fürwahr, wir sollten ihn lieben, der diese bitterste aller Versuchungen und Trübsale um unsertwillen erduldet hat. Für Herzen, die Jesum lieben, wird es köstlich und zugleich lehrreich sein, zu betrachten, wie der Herr hier in seinen Seelenkämpfen abgebildet ist; denn uns dünkt, dieser Psalm zeige uns, wie mancher andere, recht besehen noch mehr von Jesus, dem Sohn und Herrn Davids, als von David selbst.
Selah ist ein musikalisches Zeichen, dessen Bedeutung aber viel umstritten ist. Einige meinen, es bedeute einfach einen Ruhepunkt, ein Schweigen der Musik; nach anderen dagegen soll es sagen: Erhebet den Ton, singet lauter, stimmt eine fröhlichere Weise an; das Lied wird erhabener, darum stimmet eure Harfen wieder. Die Saiten der Harfe kommen leicht aus der Ordnung und bedürfen es oft, wieder auf die richtige Höhe gebracht zu werden; sicherlich kommen aber die Seiten unseres Herzens auch gar leicht aus der Stimmung. Da lehrt uns das Sela beten: Halte du, Herr, mein Herz in der rechten Stimmung, gleich Davids geweihter Harfe. Jedenfalls soll uns das Sela, wo immer wir ihm begegnen, zu besonders aufmerksamem Lesen des Vorhergehenden und Nachfolgenden anregen; denn da ist gewiss etwas besonders Wichtiges zu finden, wo wir zu stillem Nachdenken oder, nach der andern Auffassung, zu frohlockendem Gesang aufgefordert werden.

4. Aber du, Herr, bist der Schild für mich,
und der mich zu Ehren setzet, und mein Haupt aufrichtet.
5. Ich rufe an mit meiner Stimme den Herrn;
so erhört er mich von seinem heiligen Berge. Sela.


4. Nun gibt David seinem Vertrauen zu Gott Ausdruck. Aber du, Herr, bist der Schild für mich, wörtl.: ein Schild um mich her . Welch ein Schild ist Gott für die Seinen! Er wehrt die feurigen Pfeile Satans von unten und die Wetter der Trübsal von oben ab, während er zugleich dem in der Brust tobenden Sturm Ruhe gebietet. Du bist, der mich zu Ehren setzet . Obwohl David mit Verachtung und Hohn von seiner Hauptstadt vertrieben ist, weiß er, dass er im Triumph zurückkehren wird, und im Glauben blickt er zu Gott auf als zu dem, der ihn zu Ehre und Herrlichkeit bringen wird. Dass es uns auch geschenkt werde, inmitten der gegenwärtigen Schmach so unsere zukünftige Herrlichkeit zu schauen! Ja es gibt eine gegenwärtige Herrlichkeit in unseren Trübsalen; könnten wir sie nur wahrnehmen. Denn es ist keine geringe Sache, mit Christus an seinen Leiden teilzuhaben. David wurde eine hohe Ehre zuteil, als er weinend und verhüllten Hauptes den Ölberg hinanging (2. Samuel 15,30); denn in dem allen wurde er seinem Herrn ähnlich gemacht. Mögen wir lernen, im Blick darauf uns auch unserer Trübsale zu rühmen. Und der mein Haupt aufrichtet. Du wirst mich erhöhen. Obwohl ich jetzt mein Haupt in Betrübnis hängen lasse, werde ich es bald voll freudigen Dankes aufrichten. Welch ein göttlicher Dreiklang von Gnaden ertönt in diesem Verse; Schutz für den Schutzlosen, Ehre für den Geschmähten, Freude für den Trostlosen. Wahrlich, wir haben Ursache, mit Mose (5. Mose 33,26) auszurufen: Es ist kein Gott wie der Gott Jesuruns.

5. Mit meiner Stimme, d. i. laut, rufe ich zu dem Herrn. (Wörtl.) Warum ruft er laut? Sicherlich werden doch auch stille Gebete erhört. Ja, aber gottselige Leute finden, dass sie auch im Verborgenen oft besser beten können, wenn sie es laut tun. Vielleicht dachte David überdies: Meine grausamen Feinde schreien wider mich; sie erheben ihre Stimme, wohlan, ich will meine auch erheben und sie alle übertönen. Sie schreien, aber der Ruf meiner Stimme in der großen Angst meiner Seele dringt durch die Wolken und ist lauter und stärker als all ihr Gelärme; denn es ist einer im Heiligtum, der horcht aus dem siebten Himmel auf mein Flehen. Wann immer ich rufe, so erhört er mich von seinem heiligen Berge . Gebetserhörungen sind liebliche Herzstärkungen. Wir brauchen eine drohende Welt nicht zu fürchten, während wir uns eines Gottes freuen, der Gebet erhört.
Hier steht abermals ein Sela. Ruhe einen Augenblick, geprüfter Gläubiger, und stimme deine Harfe zu einer sanfteren Weise.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.3

Beitragvon Jörg » 17.02.2018 14:35

6. Ich liege und schlafe,
und erwache; denn der Herr hält mich
7. Ich fürchte mich nicht vor viel Tausenden,
die sich umher wider mich legen.


6. Nach genauerer Übersetzung sieht der Dichter auf die Erlebnisse der eben vergangenen Nacht zurück: Ich legte mich nieder und schlief (ein); ich bin erwacht -- , und rühmt dann die dauernde Ursache seiner auch jetzt wieder erfahrenen Sicherheit: denn der Herr hält mich. Nur der Glaube machte es David möglich sich niederzulegen; die Angst würde ihn sonst sicherlich auf den Zehenspitzen gehalten haben, nach dem Feind ausspähend. Ja, er konnte schlafen , schlafen inmitten von Angst und Not, umgeben von Feinden. Es gibt einen Schlaf der Vermessenheit; Gott erlöse uns davon. Es gibt einen Schlaf heiligen Vertrauens; Gott helfe uns, so unsere Augen zu schließen. David sagt aber, er sei auch erwacht. Manche schlafen den Todesschlaf; er aber lehnte, obwohl von vielen Feinden bedroht, sein Haupt an den Busen seines Gottes, schlief glücklich, wohl geborgen unter den Flügeln des Allwissenden und Allmächtigen, und erwachte dann wohlbehalten. Denn der Herr hält mich. Das Siebengestirn der Verheißungen Gottes leuchtete mit mildem Glanze über dem Schlummernden, und er erwachte mit dem Bewusstsein, dass der Herr ihn erhalten habe. Diese Seelenruhe des Glaubens ist etwas viel Höheres als die mannhafte Entschlossenheit natürlicher Tapferkeit; denn sie ist das Gnadenwerk des heiligen Geistes, der den Menschen über die Natur erhebt, und darum gebührt dem Herrn allein die Ehre dafür.

7. Indem unser Held nun seinen Harnisch für den Kampf des Tages anschnallt, singt er: Ich fürchte mich nicht vor viel Tausenden Volks, die sich umher wider mich legen . Beachten wir, dass David nicht versucht, die Zahl oder die Klugheit seiner Feinde zu unterschätzen. Er schätzt sie auf Myriaden und betrachtet sie als gewandte Jäger, die ihn mit grausamer Geschicklichkeit umstellen. Dennoch zittert er nicht, sondern sieht seinen Feinden kampfbereit ins Auge. Es mag kein Entrinnen geben, sie mögen mich wie die Jäger das Wild umzingeln; aber in Gottes Namen werde ich mitten durch sie hindurchbrechen. Und wenn ich auch von ihnen eingeschlossen bleibe, werden sie mir doch nicht schaden können, mitten im Gefängnis werde ich frei sein.
Aber David ist zu weise, als dass er sich ohne Gebet in den Kampf wagen würde; darum beugt er abermals seine Knie und ruft mit dringendem Flehen zu Jahwe.

8. Auf, Herr, und hilf mir, mein Gott,
denn du schlägst alle meine Feinde auf den Backen,
und zerschmetterst der Gottlosen Zähne.



8. Auf, Herr, und hilf mir (errette mich), mein Gott . Die einzige Hoffnung, die ihm bleibt, ist sein Gott; auf ihn aber traut er mit so starker Zuversicht, dass er weiß; Der Herr braucht nur aufzustehen, so bin ich gerettet. Und mit kühnem Glauben ruft er, wie (nach 4. Mose 10, 35) Mose es zu tun pflegte, Jahwe auf, sich in seiner Allmacht ihm zu gut zu erheben. Denn du schlägst alle meine Feinde auf den Backen und zerschmetterst der Gottlosen Zähne. Das ist die Erfahrungswahrheit, welche David aus vielen Erlebnissen gewonnen hat (Grundt. Perf.) und die sein Glaube auch der neuen Not gegenüber festhält. Er vergleicht seine Feinde mit wilden Tieren, denen Gott aber den Kiefer zerschlage, so dass sie ihn nicht verletzen können. Oder spielt der Psalmist mit diesen Worten vielleicht auf die besonderen Versuchungen an, denen er ausgesetzt war, als sie wider ihn redeten (Vers 3), und sagt er darum, dass der Herr sie auf den Backen geschlagen habe? Es hatte den Anschein, als würden die Gottlosen ihn mit ihrem bösen Maul verschlingen; Gott aber zerschmetterte ihnen die Zähne. Lasst sie sagen, was sie wollen; mit ihren zahnlosen Kiefern können sie mich doch nicht zerreißen. Freue dich, gläubige Seele, du hast es mit einem Drachen zu tun, dem der Kopf zerschmettert ist, und mit Feinden, denen die Zähne ausgebrochen sind.

9. Beim Herrn findet man Hilfe.
Dein Segen komme über dein Volk. Sela.


9. Hilfe in jeder Beziehung ist nur bei dem Allerhöchsten zu finden. Mit dem Ausruf des Glaubens: "Des Herrn ist das Heil" (wörtl.) überwindet David alle Anfechtung, die ihm die ungläubigen, höhnenden Reden seiner Widersacher gebracht haben (vergl. V. 3). Unser zeitliches wie unser ewiges Heil ruht in dem Herrn; denn er hat die ganze Fülle des Heils ausschließlich in Besitz und verfügt über diesen Schatz in königlicher Freiheit zu Gunsten derer, die sich in ihrer Heilsbedürftigkeit glaubend ihm zuwenden. Dieser kleine Satz "Des Herrn ist das Heil" enthält schon im Keim die Summe der evangelischen Gnadenlehre. Wer die Schrift mit erleuchtetem Verständnis durchforscht, muss die Überzeugung gewinnen, dass die Lehre von dem Heil allein aus Gnaden die eine große Lehre des Wortes Gottes ist. Für diese Wahrheit stehen wir täglich im Kampf. Unsere Gegner behaupten, das Heil sei Sache des Menschen - wenn nicht seines Verdienstes, so doch seines freien Willens; wir aber glauben und lehren, das Heil sei von Anfang bis zu Ende, und bis ins Kleinste hinein, des Allerhöchsten alleiniges Werk. Gott erwählt die Seinen, und er beruft sie durch seine Gnade; er macht sie lebendig durch seinen Geist und bewahrt sie durch seine Macht. Unser Heil kommt nicht von Menschen, noch durch Menschen; es liegt nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen (Röm. 9, 16). Mögen wir alle diese Wahrheit aus Erfahrung kennen lernen; denn unser hochmütiges Fleisch und Blut wird es nie zulassen, dass wir sie auf andere Weise lernen.
Fassen wir die Schlussworte mit etlichen Übersetzern als Aussage auf: Dein Segen ist über deinem Volke , so tritt uns darin die Herrlichkeit des Israels Gottes entgegen. Nicht auf Ägypten, nicht auf Tyrus, noch auf Ninive ruht dein Segen, sondern auf deinen Auserwählten, deinen Bluterkauften, deinem mit ewiger Liebe geliebten Volke. Dann sagt uns das Sela; Erhebet eure Herzen und sinnet betend über die köstliche Wahrheit nach. Diese aussondernde und erwählende, von einer Ewigkeit zur anderen reichende, unwandelbare Liebe Gottes ist beständiger Anbetung würdig.
Richtiger ist es wohl, mit Luther und den meisten Auslegern diesen Schlusssatz als Fürbitte aufzufassen: Dein Segen komme über dein Volk. In wahrhaft königlicher Großmut fleht der verworfene und geächtete David Gottes Gnade auf Israel herab. Seine Bitte V. 8 , dass Gott sich zur Vernichtung seiner Widersacher erheben möge, richtet sich nicht gegen sein Volk, sondern gegen dessen Verführer und deren böswillige Anhänger. Allerdings sagt er nicht: "über das Volk"; die Wahl des Ausdrucks "über dein Volk" ist bedeutsam. Der Wellenschlag der fürbittenden Liebe Davids wird, in konzentrischen Kreisen sich bewegend, in erster Linie auf diejenigen gehen, welche sich gerade in der Stunde der Versuchung als zu dem wahren Israel Gottes gehörend erwiesen hatten, auf das kleine Häuflein, das mitten in dem allgemeinen Abfall David als dem Gesalbten des Herrn treu geblieben war. Aber eben weil Israel das Volk des Herrn ist, erwartet Davids Glaube auch die Wiederherstellung des jetzt in Sünde und Abfall versunkenen Volkes. So erfleht David Segen statt des Fluches über das abtrünnige Israel und ist darin recht ein Vorbild des anderen David geworden, der noch am Kreuze für das Volk, das ihn an den Marterpfahl gebracht hatte, betete. Dieses eine Schlusswort unseres Psalms, bemerkt Ewald, wirft einen hellen Schein in das Tiefste der edlen Seele.
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.3

Beitragvon Jörg » 20.02.2018 16:58

Erläuterungen und Kernworte

Zu den Psalmenüberschriften. Es war nicht anders möglich, als dass die Psalmenüberschriften nach der harmlosen 1 Stellung, welche man früher zu ihnen einnahm, endlich einmal Gegenstand der Kritik werden mussten; aber die seit den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts herrschend gewordene Verneinung des geschichtlich Überlieferten ist jetzt zu eitler schnöden Absprecherei geworden, welche auf jedem anderen Literaturgebiete, wo das Urteil kein so tendenziös befangenes ist, als eine Kaprice (rein willkürliche Laune) angesehen werden würde. Dass David und andere Psalmendichter ihren Psalmen ihren Namen und deren Zweckbestimmung beigeschrieben haben können, zeigen Beispiele wie Hab. 3, 1 und 2. Samuel 1, 18, vergl. Ps. 60, 1 Und das hohe Alter dieser und ähnlicher Überschriften geht ja auch daraus hervor, dass die LXX sie bereits vorfanden und nicht verstanden; dass sie auch aus den Büchern der Chronik (hinzugenommen das das gehörige Buch Esra), in welchen viel von Musik die Rede ist, nicht erklärt werden können und bei diesen, wie vieles andere, als wieder aufgefrischtes älteres Sprachgut erscheinen, dass also der Schlüssel ihres Verständnisses schon frühzeitig verloren gegangen, sowie auch daraus, dass sie in den zwei letzten Büchern des Psalters um so seltener sind, je häufiger in den drei ersten. - Nach Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Zu der Überschrift von Ps. 3 Gegen die Richtigkeit der in der Überschrift niedergelegten Überlieferung hat man den "heiligen Berg" V. 5 angeführt; so habe der Zion damals noch nicht genannt werden können. Aber warum nicht? Die heilige Lade, das Symbol der Gegenwart Jahves, war damals schon auf dem Zion. Noch weniger verschlägt es, dass Absalom nicht genannt ist und dass der Psalm "nichts von der erregten Stimmung eines ins Herz getroffenen Vaters zeigt" (Nowack, Beer). Nach diesem Kanon dürften einer späten, spärlich unterrichteten Zukunft nur solche Kriegs- und Vaterlandslieder von 1813 und 1870 als wirklich echt gelten, welche die Franzosen oder Napoleon namentlich bezeichnen oder jeden anderweit bekannten persönlichen Anteil ihrer überlieferten Verfasser an den damaligen Ereignissen gewissenhaft registrieren oder handgreiflich widerspiegeln. Gerade Lieder der letzten Art pflegen aber nicht Volks- oder Gemeindelieder zu werden, wie Ps. 3 es geworden ist. Lic. Hans Keßler 1899.

Zum ganzen Psalm. Nicht ohne Grund ist gleich hinter Ps. 2 ein solches Lied gestellt, welches David gedichtet, als er vor seinem Sohne Absalom floh. Die Feinde des Königreichs Davids sind nicht etwa bloß oder vornehmlich die Könige von Ammon und die Fürsten Edoms gewesen, sondern die Söhne des eigenen Hauses und die Fürsten des eigenen Hofes haben sich gegen David empört. So sind denn auch die Schutz- und Trutzwaffen dieses Königreichs nicht irdischer Art gewesen; freiwillig hat sich David selbst aller Macht begeben, - ist als ein Schuldiger über den Kidron, büßend den Ölberg hinaufgegangen; wehrlos, hilflos und matt hat er dem Gott im Himmel das Regiment in die Hände gegeben und das Gebet ist seine einzige Stärkung und Waffe gewesen. Prof. Joh. Wichelhaus † 1858.

Hier möget ihr klärlich sehen, wie Gott mit seiner Kirche vor alters gehandelt, daher ihr euch nicht sollet erschrecken lassen, so euch plötzlich Anfechtung überfällt, sondern Gott eure Sünden bekennen wie David und ihm sagen, wie viele ihrer sind, die euch peinigen und sich wider euch erheben, und nennen euch Hugenotten, Lutherische, Ketzer, Puritaner und Belialskinder, wie sie David geschmäht haben. Lasset die gottlosen Prahlhansen sich rühmen, dass sie wollen über euch kommen, und dass Gott euch in ihre Hand gegeben habe und nimmer euer Gott sein wolle. Lasset sie nur ihr Vertrauen setzen auf Absalom mit seinen langen goldenen Locken und auf die Klugheit des weisen Ratgebers Ahitophel; doch saget ihr wie David; "Aber du, Herr, bist der Schild für mich, und der mein Haupt aufrichtet." Er wird diese stolzen Heuchler niederwerfen und die Geringen und Demütigen erhöhen. Er wird eure Feinde auf den Backen schlagen und ihre Zähne zerschmettern . Er wird Absalom an seinen eigenen Haaren aufhängen; und Ahitophel wird in der Verzweiflung sich selbst erhängen. Eure Bande sollen zerbrochen und ihr befreiet werden. Denn das ist Gottes Tun von alters her, die Seinen von ihren Feinden zu erlösen und sein Volk zu segnen, dass sie in sicherer Hut sonder Furcht fortwallen auf ihrer Pilgerschaft zum Himmel. Thomas Tymme 1634.

Wie oft haben die Psalmen in Nöten und Ängsten, in Verfolgung und Todesgefahr dem gepressten Herzen die entsprechenden Worte und zugleich die nötige Hoffnung und Tragkraft dargereicht! In dem Lager des Prinzen Condé (der mit dem Prinzen von Béarn, dem nachmaligen Heinrich IV., an der Spitze der Hugenotten stand) ertönte morgens und abends bei der Ablösung der Wachen Psalmengesang, in der Gefahr besonders gerne Ps. 3 oder Ps. 6. - Nach A. von Salis, Die Kraft der Psalmen, 1902.

V. 2. Absaloms Aufruhr nahm einem von den Bergen stürzenden Schneeball gleich ungeheuerlich in seinem Laufe zu. David spricht davon mit Erstaunen. Und ist es nicht in der Tat höchst befremdend, dass das Volk, welches gerade diesem König so vielfach zu Dank verpflichtet war, fast in seiner Gesamtheit von ihm abfiel und sich wider ihn zusammenrottete und überdies einen so leichtfertigen und albernen jungen Mann wie Absalom zu seinem Anführer wählte? Wie unbeständig und betrüglich ist doch die Menge! Und wie wenig Treue und Standhaftigkeit ist unter den Menschen zu finden! David hatte die Herzen seiner Untertanen besessen wie je ein König, und doch hatte er sie jetzt plötzlich verloren. Wie die Völker sich nicht zu sehr aus ihre Fürsten verlassen sollen (Ps. 146, 3), so dürfen auch Fürsten nicht zu stark auf die Anhänglichkeit ihrer Völker bauen. Christus, der Sohn Davids, hatte viele Feinde; als eine große Schar kam, ihn zu greifen, als der Haufe schrie: "Kreuzige ihn, kreuzige ihn!"- wie waren da seiner Dränger viel geworden! Gute Männer dürfen es sich nicht befremden lassen, wenn der Strom gegen sie ist und die Mächte, die sie erschrecken, immer furchtbarer werden. Mt. Henry † 1714.

V. 3. Wenn der Gläubige die Macht Gottes in Frage stellt oder bezweifelt, dass diese Macht ihm zugute komme, dann zerfließt seine Freude, wie das Blut aus einer gebrochenen Ader strömt. Diese Worte der Feinde verwundeten Davids Herz in der Tat aufs Schmerzlichste. W. Gurnall † 1679.

Sela kommt im Psalter 71 mal vor, außerdem dreimal in dem ebenfalls poetischen 3. Kapitel des Propheten Habakuk. Es steht mit wenigen Ausnahmen am Ende der Strophen oder am Schluss der Psalmen. Rosenmüller leitete es von einem Zeitwort hlf#f = hlfsf stille sein, schweigen ab. Ebenso Gesenius, Hengstenberg, Tholuck. Doch ist diese Bedeutung nicht zu erweisen. Kimchi, Herder, De Wette, Ewald und Delitzsch leiten es von klasf = hlfsf emporheben her, weichen dann aber in der Auffassung voneinander ab. Es ist wohl ausschließlich auf die Musik, nicht auf den Gesang zu beziehen, und zwar nach Delitzsch im Sinn einer musikalischen Steigerung, woraus auch das dia/yalma der LXX hinweist. Es bedeutet entweder Zwischenspiel oder verstärktes Spiel der Musik. Es ist also ein Einfallen des Orchesters oder eine Verstärkung der Begleitinstrumente oder auch ein Übergang von piano in forte gemeint. - J. M.

V. 4. Aber du, Herr, Jahwe steht in schönem Gegensatz zu Elohim (Gott) in V. 3 . Die vielen sagten: "Kein Gott kann ihm helfen"; darauf antwortete der Sänger: "Jahve, der Gott Israels, der ewig Treue, wird mich schirmen." Prof. D. Fr. Bäthgen 1904.

Der mein Haupt aufrichtet. Nach Gottes Ordnung nimmt der Leib an dem Anteil, was die Seele bewegt, wie am Schmerz, so an der Freude. Die Laterne strahlt in dem Licht der in ihr befindlichen Kerze. Richard Sibbes † 1635.

Es gibt ein Aufrichten des Hauptes durch Erhöhung zu einem Amte, wie bei Pharaos Mundschenk; und wenn auch Menschen dabei mitwirken, so führen wir es doch auf die göttliche Bestimmung zurück. Es gibt ein Aufrichten des Hauptes in Ehre nach Schmach, in Gesundheit nach Krankheit, in Freude nach Betrübnis, in Wiederherstellung nach einem Fall, in Sieg nach zeitweiliger Niederlage; in all dem ist es der Herr, der unser Haupt aufrichtet. C. H. Spurgeon 1869.

V. 5. Obwohl man den Vers auch als Schilderung einer soeben gemachten einmaligen Erfahrung auffassen und demnach im erzählenden Imperfekt übersetzen könnte (Ich rief ... da erhörte er mich), dünkt uns Luther mit seiner Übersetzung im Präsens doch das Richtige getroffen zu haben. Dann schildert der Vers in köstlicher Weise die Gewohnheit Davids, in der Not zum Herrn zu rufen, und die selige Erfahrung, die er stets in der Folge macht, nämlich dass der Herr sein Flehen hört. - J. M.

Dem Rufen Davids folgt die Erwiderung und zwar von da, wohin jenes gerichtet war: von seinem heiligen Berge . Von Kirjath Jearim aus hatte David die Bundeslade nach Zion versetzt. Er hatte sie nicht mitgenommen, als er fliehend vor Absalom Jerusalem räumte (2. Samuel 15, 25). Er war also durch eine feindliche Macht getrennt von der Stätte der göttlichen Gegenwart. Aber sein Gebet dringt durch zu dem Cherubsthron und für die Antwort des dort Thronenden gibt es keine Scheidewand des Raums und der Kreatur. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Wenn Gebet die Vorhut leitet, lässt die göttliche Befreiung zur rechten Zeit den Nachzug vorrücken. Thomas Watson 1660.

So erhört er mich. Ich habe oft Leute im Gebet sagen hören: "Du bist ein Gott, der Gebete hört und erhört." Aber diese Redensart enthält einen Überfluss, da nach der Schrift bei Gott Hören und Erhören dasselbe ist. C. H. Spurgeon 1869.
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Beitragvon Jörg » 24.02.2018 14:32

Erläuterungen und Kernworte

V. 6. Die Überschrift des Psalms sagt uns, wann David solch süße Nachtruhe genoss; nicht als er auf weichem Daunenbette in seinem stattlichen Palast zu Jerusalem lag, sondern als er um sein Leben floh vor seinem unnatürlichen Sohne Absalom und wahrscheinlich getätigt war, auf freiem Felde unter dem Betthimmel des Firmaments zu liegen. Das musste fürwahr ein sanftes Kissen sein, das ihn die Gefahr, worin er schwebte, vergessen ließ, da doch das zahllose Heer der Treulosen auf der Jagd nach ihm war. Ja, so überwältigend ist der Einfluss des Friedens Gottes, dass er die arme Kreatur befähigt, sich so fröhlich zum Schlaf ins Grab zu legen wie in das weichste Bett. Einem Kinde gleich, das aus freien Stücken zu Bett gebracht zu werden verlangt, haben etliche Heilige Gott gebeten, sie ins Bett des Staubes zur Ruhe zu betten und das nicht in einer Anwandlung von Unmut und Unzufriedenheit in ihrer gegenwärtigen Trübsal, wie Hiob, sondern in der süßen Empfindung des Friedens Gottes in ihrem Herzen. "Herr, nun lässt du deinen Diener im Frieden fahren", war der Schwanengesang des greisen Simeon. Er spricht wie ein Kaufmann, der alle seine Waren an Bord gebracht hat und nun den Kapitän bittet, die Segel zu hissen und heimwärts zu steuern. In der Tat, warum sollte auch ein Christ, der hienieden doch nur ein Fremdling ist, länger in der Welt zu bleiben verlangen, als nötig ist, um seine volle Ladung einzunehmen? Und wann hat er die? Nicht eben dann, wenn er der Versöhnung mit Gott gewiss ist? Dieser aus dem Evangelium strömende Friede, diese Empfindung der Liebe Gottes im Herzen fördert Gottes Kinder so wunderbar in der Standhaftigkeit in allen Versuchungen und Trübsalen und aller Arbeit für den Herrn, dass Gott den Seinen in der Regel, ehe er sie zu besonders schwerem Dienst und heißer Arbeit ruft, einen Labetrunk dieses herzstärkenden Weines darreicht, um ihren Mut zu erfrischen und sie kühn zum Kampf zu machen. W. Gurnall † 1679.

Dieser Gurnall, zu dessen Lebzeiten aus der großen Themsebrücke in London noch Häuser standen, macht die sinnige Bemerkung; Meint ihr nicht, dass die Leute, die auf der Londoner Brücke wohnen, gerade so sanft schlafen, wie die, welche in Whitehall oder Cheapside (anderen Stadtteilen Londons) wohnen? Sie wissen, dass die Wogen, die unter ihnen dahinrauschen, ihnen nicht schaden können. Gerade so können die Gläubigen über den Fluten der Trübsal oder des Todes im Frieden Gottes ruhen und brauchen kein Unglück zu fürchten (Psalm 23, 4). C. H. Spurgeon 1869.

Die Gnade ist des Christen Panzerhemd, darin er gegen Pfeil und Kugel gefeit ist. Wohl mag man auf einen wahrhaft in der Gnade lebenden Menschen feuern, aber erschossen werden kann er nicht. Die Gnade versetzt die Seele in Christum, und da ist sie so sicher wie die Biene in ihrem Korb, die Taube in der Arche. "So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind" (Röm. 8, 1). Thomas Watson 1660.

Es wäre nicht unnütz, darüber nachzudenken, wie die erhaltende Gnade sich an uns erweist, während wir im Schlafe ruhen. Wie wunderbar, dass das Blut fortwährend durch den Körper strömt, die Lungen aus- und einatmen usw., auch die geistigen Kräfte in Tätigkeit bleiben, während das Bild des Todes auf uns liegt. C. H. Spurgeon 1869.

Das zeitliche Leben der Knechte und Mägde Gottes steht unter einer besondern göttlichen Bewahrung. Solange Gott sie in seinem Dienste brauchen will, erhält er auch ihr Leben. Paulus sagte, er sei immer als ein Sterbender und lebe doch, 2.Kor. 6, 9. Lies dazu 2.Kor. 4, 10. 11 . Man hat also nicht nötig, bei dem Dienst, den man dem Herrn Jesus leisten soll, seinen Leib allzu ängstlich zu schonen oder bei der Empfindung seiner Schwachheit allzu furchtsam zu sein, weil das Leben Jesu an demselben offenbar werden und ihn erhalten soll, bis die rechte Stunde erscheint, in welcher man diese Hütte ablegen und in die himmlische Wohnung eingehen soll. Übrigens ist es unsere Schuldigkeit, Gott für die Bewahrung unseres Leibes und Lebens täglich zu danken und besonders an jedem Morgen seine Güte zu preisen, die uns und die Unsrigen, da wir als Schlafende den Toten ähnlich waren und gar keine Vorsichtigkeit beweisen konnten, bewahrt hat. M. M. F. Roos † 1803.

V. 7. Der Psalmist hält am Vertrauen auf Gott fest, so hoffnungslos augenscheinlich seine Lage ist. Er fürchtet sich nicht , obwohl viele Tausende von Feinden ihn umringen. Lasst uns diesen Gedanken recht ins Herz fassen; es gilt glauben trotz dem Augenschein. Der Untergang starrte David von allen Seiten ins Angesicht; wo immer er hinblickte, sah er Feinde. Was war einer gegen Zehntausende? Gottes Kinder kommen manchmal in ähnliche Umstände. Alles kommt über sie. Ihre Trübsale sind kaum zu zählen. Nicht eine Öffnung sehen sie, durch welche sie entkommen könnten. Die Dinge sehen sehr, sehr schwarz aus. Das ist großer Glaube, der in solcher Lage sagen kann: Ich fürchte mich nicht.
So erging es Luther auf der Reise nach Worms. Sein Freund Spalatin hörte die Feinde der Reformation sagen, die Zusage sicheren Geleits sollte einem Ketzer nicht gehalten werden und Spalatin wurde dadurch voll schwerer Sorge für Luther erfüllt. Als dieser sich eben der Stadt nahte, kam ein Bote zu ihm mit dem Rat: "Geh nicht hinein." Und das von seinem besten Freunde, von dem vertrauten Ratgeber des Kurfürsten, von Spalatin selbst. Aber Luther gab bekanntlich die kühne Antwort: "Ich bin gefordert, und wenn so viel Teufel zu Worms wären, wie Ziegel auf den Dächern, noch wollte ich hineinkommen!" "Denn ich war unerschrocken", setzte Luther kurz vor seinem Tode hinzu, "und furchte mich nichts. Gott kann einen wohl so toll (d. i. kühn) machen. Ich weiß nicht, ob ich jetzt auch so freudig wäre."
Die vernünftigen Weltleute, die nicht nach dem Glauben, sondern nach dem, was ihre Augen sehen, wandeln, halten es für sehr vernünftig, dass der Christ in solcher Zeit Furcht hege; würden sie selber doch tief drunten sein, wenn sie sich in derartiger Lage befänden. Leute mit schwachem Glauben sind stets bereit, Entschuldigungen für uns zurecht zu machen, und wir sind auch schnell genug dabei, uns selber solche zu suchen. Statt uns über die Schwäche des Fleisches zu erheben, nehmen wir zu ihr unsere Zuflucht und brauchen sie als Entschuldigung unseres Kleinglaubens. Aber nur dann auf Gott vertrauen, wenn der Augenschein günstig ist, heißt nur mit dem Winde und der Flut segeln, heißt glauben, nur wenn wir sehen. Lasst uns denn jenen unbedingten Glauben erstreben, der uns in den Stand setzt, mit David auf den Herrn zu trauen, mag kommen, was will. Phil. B. Power 1862.

Es macht nichts, wie furchtbar unsere Feinde sein mögen, - ob Legionen an Zahl, Gewaltige an Macht, Schlangen an List, Drachen alt Grausamkeit, Fürsten, die in der Luft herrschen, an Überlegenheit der Stellung, böse Geister an Bosheit, - Er ist dennoch stärker, der in uns ist, als die wider uns sind. Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. In ihm überwinden wir weit in dem allen. William Cowper 1612.

V. 8. Einem den Kinnbacken zerschlagen ist sowohl gewalttätig als beleidigend. D. J. A. Alexander 1850.

Wenn der Herr an den Gottlosen Rache übt, wird er sie so schlagen , dass sie in jedem Streich seine Allmacht spüren. Die ganze Größe seiner Macht wird ohne Erbarmen über sie kommen. Ach, dass jeder halsstarrige Sünder das bedenken und erwägen wollte, welch maßlose Tollkühnheit es ist, gegen die Allmacht anzukämpfen! Steph. Charnock † 1680.

Homiletische Winke

V. 2. Der Gläubige, seinen Kummer vor Gott ausschüttend. 1) Sein Recht dazu; 2) die rechte Weise; 3) die herrliche Frucht solch heiligen Verkehrs mit dem Herrn.
V. 3. Die Ränke der Lüge gegen Gottes Kinder und die Berufung dieser auf Gott.
V. 4. Der dreifache Segen, welchen Gott den leidenden Seinen angedeihen lässt; Schutz, Ehre und Freude. Man zeige, wie Gottes Kinder sich auch in der schlimmsten Lage dieser Segnungen im Glauben erfreuen können.
V. 5. 1) Gefahren sollen uns ins Gebet treiben. 2) Gott wird uns gnädiglich hören. 3) Unsere Erfahrungen von Gebetserhörung sollen wir anderen mitteilen. 4) Uns selbst sollen wir für das, was noch kommen mag, durch die Erinnerung an früher erfahrene Durchhilfe stärken.
V. 6. 1) Der friedliche Schlummer des Gerechten; 2) sein fröhliches Erwachen; 3) die Ursache beider: die erhaltende Gnade.
V. 7. Der Glaube, von Feinden umgeben und dennoch frohlockend.
V. 8. 1) Man beschreibe, wie Gott ehemals mit seinen Feinden gehandelt: Du hast usw. (Grundtext). 2) Man zeige, wie der Herr unsere beständige Zuflucht sein sollte: Herr, mein Gott. 3) Man verweile bei dem Gedanken, dass es gilt, den Herrn zum Handeln aufzurufen: Auf, Herr! 4) Man ermahne die Gläubigen, sich auf Gottes frühere Siege zu berufen um von ihm Hilfe zu erlangen.
V. 8b. Unsere Widersacher sind schon überwundene Feinde, Löwen ohne Zähne.
V. 9a. Unser Heil des Herrn Sache von Anfang bis zu Ende.
V. 9b. Gottes Volk gesegnet in Christus, durch Christus und einst mit Christus. Der Segen ruht auf ihrer Person, ihren trostreichen und traurigen Erfahrungen, ihrer Arbeit, ihren Familien usw. Er fließt aus der Gnade, wird im Glauben genossen, ist durch Eidschwur zugesichert usw. James Smith † 1862.
Fußnoten
1. Augustin und andere Kirchenväter, aber auch manche der nachreformatorischen Streittheologen haben die Überschriften als einen Teil des inspirierten Textes angesehen, die Juden singen sie bis auf den heutigen Tag im Gottesdienst mit, und ihre geistliche Bedeutung ist, wie einst bei den Rabbinern, so auch bei manchen der allegorischen Auslegung huldigenden Predigern noch immer beliebt. - J. M.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.4

Beitragvon Jörg » 28.02.2018 16:46

Kommentar & Auslegung zu PSALM 4


Überschrift

Dieser Psalm ist offenbar ein Seiten- und Gegenstück des dritten und diesem zugesellt, um mit ihm ein Paar auszumachen. Haben wir den dritten Psalm als Morgenlied bezeichnet, so kommt dem vorliegenden mit ebensoviel Recht die Überschrift Ein Abendlied zu. Mögen die köstlichen Worte des 9. Verses auch unser Schlummerlied sein, womit wir uns zur Ruhe legen.
Die alte Überschrift lautet: Ein Psalm Davids, vorzusingen, wörtlich: dem Sangmeister oder Musikmeister, auf Saitenspiel. Über die Sangmeister des Heiligtums lese man aufmerksam 1. Chr. 6,31f.; 15,16-22; 25,1-7. Freunde heiligen Gesanges werden in diesen Abschnitten vieles finden, was beachtenswert ist und über die rechte Art und Weise, wie wir Gott in seinem Hause preisen sollen, Licht gibt.
Auf Saitenspiel. Die Freude des Volkes Gottes im alten Bunde war so groß, dass sie der Musik bedurften, um die Empfindungen ihrer Seele zum Ausdruck zu bringen. Unsere Freude am Herrn ist nicht weniger überströmend, wenngleich wir es vorziehen, sie auf eine geistigere, dem Charakter des neuen Bundes angemessenere Weise auszudrücken. 1 Im Blick auf diese mit der Hand gespielten Saiteninstrumente sagt der orientalische Kirchenlehrer Gregor von Nazianz († 390): "Herr, ich bin ein Instrument, das der Berührung deiner Hand wartet." O dass auch wir dem Geist des Herrn stets so zur Verfügung stehen möchten! Wenn er die Saiten unseres Herzens rührt, werden liebliche Töne daraus hervorquellen. Sind wir voll Glaubens, voller Liebe, dann sind wir lebendige Musikinstrumente.

Einteilung

In dem 2. Verse fleht David zu Gott um Hilfe. Im 3. rechtet er mit seinen Feinden, und bis Vers 6 fährt er fort, seine Rede an sie zu richten. Vers 7 bis zum Schluss stellt er mit Wonne seine eigene Zufriedenheit und Sicherheit dem gegenüber, wie ruhe- und friedelos die Gottlosen sind, auch wenn es ihnen aufs Beste geht. Der Psalm ist höchst wahrscheinlich bei derselben Gelegenheit wie der vorhergehende gedichtet worden. Er ist also wiederum eine köstlich duftende Blume aus dem Garten der Trübsal. Es ist doch ein Glück für uns, dass David durch solche Leiden hindurchgegangen ist; diese lieblichen Glaubenslieder wären uns sonst nie zu Ohren gekommen.

Auslegung


2. Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit,
der du mich tröstest in Angst;
sei mir gnädig, und erhöre mein Gebet!


Wir haben hier wiederum ein Beispiel, wie David frühere Gnadenerweisungen als einen Grund für erneute Bezeugungen der göttlichen Huld in der Gegenwart vor Gott geltend zu machen pflegte. Er lässt den Blick über die Eben-Ezer seines Lebens schweifen und gewinnt an ihnen Zuversicht. Es ist undenkbar, dass Er, der uns aus sechs Trübsalen errettet hat, in der siebenten uns im Stich lassen sollte (Hiob 5, 19). Gott tut nichts halb. Er wird nie aufhören, uns zu helfen, bis unsere Hilfsbedürftigkeit einst aufhört. Das Manna wird jeden Morgen vom Himmel herabträufeln, bis wir über den Jordan gekommen sind (2. Mose 16,35; Jos. 5,12).
Man beachte, dass David erst zu Gott redet, dann erst zu den Menschen. Wir würden gewiss den Menschen gegenüber eine freiere Sprache führen, wenn unser Umgang mit Gott beständiger wäre. Wer den Mut hat, seinem Schöpfer ins Angesicht zu blicken, wird vor den Erdensöhnen nicht zittern.
Der Name, womit der Herr hier angeredet wird, Gott meiner Gerechtigkeit , verdient Beachtung, da er sonst nirgends in der Schrift gebraucht ist. Er bedeutet: Du bist der Urheber, der Zeuge, der Erhalter, der Richter und der Vergelter meiner Gerechtigkeit; auf dich berufe ich mich bei den Schmähungen und harten Urteilen der Menschen. Das ist Weisheit, die der Nachahmung wert ist. Lasst uns, Brüder, unsere Klagen nicht vor dem niedrigen Gerichtshof des Urteils der Leute vorbringen, sondern vor dem höchsten Gerichtshof vor dem königlichen Gericht des Himmels.
Der du in Drangsal mir Raum geschafft hast. (Wörtl.) Das Bild führt auf ein in eitlem Hohlweg eingeschlossenes und dort von den umzingelnden Feinden hart bedrängtes Kriegsheer. "Gott hat die Felsen zerschmettert und aus dem Weg geräumt und mir Raum gegeben: er hat eine Bresche geschlagen und mich ins weite Feld geführt." Oder wir können den Sinn so fassen: "Gott hat mein Herz weit gemacht in Freude und Trost, als ich einem in Kummer und Sorge Gefangenen glich." So übersetzt ja Luther: Der du mich tröstest in Angst. Wer Gott zum Tröster hat, wird nie des Trosts ermangeln.
Sei mir gnädig. Ob du es gleich um meiner vielen schweren Sünden willen gerechterweise zulassen könntest, dass meine Feinde mich verderben, so flüchte ich mich dennoch zu deiner Gnade und flehe dich an, erhöre mein Gebet und führe deinen Knecht aus seinen Nöten. Die besten unter den Menschen haben Gnade nötig wie die schlechtesten. All die Durchhilfe, welche die Gläubigen erfahren, ist gerade so gut wie die Begnadigung des Sünders eine freie Gabe der himmlischen Gnade.

3. Lieben Herrn 2, wie lange soll meine Ehre geschändet werden ?
Wie habt ihr das Eitle so lieb und die Lüge so gerne! Sela.

In diesem zweiten Teil des Psalms werden wir aus dem Gebetskämmerlein auf das Kampfesfeld geführt. Man merke auf den unerschrockenen Mut des Mannes Gottes. Er gibt zu, dass seine Feinde große Männer sind; dennoch hält er sie für Toren und tadelt sie, als hätte er Kinder vor sich. Er schilt sie, dass sie das Eitle so lieb haben und die Lüge so gerne, dass sie trügerischen Wahngebilden nachjagen und gottlose Lügengewebe spinnen. Er fragt sie, wie lange sie gedächten mit seiner Ehre zu scherzen und seinen guten Ruf zum Spott zu machen. Ein wenig solcher Belustigung ist schon zuviel; warum müssen sie ohne Aufhören diesem freveln Spiele frönen? Hatten sie nicht schon lange genug darauf gewartet, dass er wanken würde? Hatten die wiederholten Enttäuschungen sie noch nicht überzeugt, dass Jahwes Gesalbter durch all ihre Schmähungen nicht zu Fall gebracht werden könne? Haben sie im Sinn, ihre Seele in die Hölle hineinzuscherzen und mit ihrem Gelächter fortzufahren, bis die Rache plötzlich ihre Lustigkeit in Heulen verwandelt? Der Psalmist hält mit feierlichem Ernst in der Betrachtung, wie widerspenstig seine Feinde in ihrem eitlen und lügnerischen Streben beharren, inne; er fügt ein Sela ein. Sicherlich dürfen auch wir hier ein wenig verweilen und über die tief gewurzelte Bosheit der Gottlosen, ihr Beharren im Bösen und ihren sichern Untergang nachdenken und dann die Gnade anbeten, die uns zu etwas anderem gemacht und uns gelehrt hat, die Wahrheit zu lieben und nach Gerechtigkeit zu trachten.

4. Erkennen doch, dass der Herr seine Heiligen wunderbar führet;
der Herr höret, wenn ich ihn anrufe.

Erkennet doch. Toren wollen nicht lernen, darum muss ihnen immer und immer wieder dasselbe gesagt werden, nämlich die Tatsache, dass die Gottseligen die Auserwählten Gottes sind und durch die aussondernde Gnade von den Leuten dieser Welt geschieden sind: Erkennet doch, dass der Herr sich einen Frommen wundersam auserkoren hat . (Grundt.) Welch wundersame Aussonderung! Die Erwählung ist eine Lehre, die der unwiedergeborene Mensch nicht ertragen kann, aber nichtsdestoweniger ist sie eine Herrliche und wohl bezeugte Wahrheit, die für den angefochtenen Gläubigen eine Fülle des Trostes birgt. In der Erwählung liegt die Gewähr für die Vollendung unseres Heils, und so gibt sie uns auch ein Mittel an die Hand, mit unseren Bitten bei dem Thron der Gnade durchzudringen. Er, der uns zu seinem Eigentum erwählt hat, wird sicherlich unsere Gebete erhören. Des Herrn Auserwählte werden nicht verdammt werden, noch wird ihr Schreien ungehört verhallen. David war König durch Gottes freie Bestimmung, und wir sind des Herrn Volk nach demselben göttlichen Wohlgefallen. Wir dürfen unsern Feinden ins Gesicht sagen, dass sie wider Gott und die göttliche Vorsehung streiten, wenn sie unsere Seelen ins Verderben zu stürzen trachten. Geliebte, wenn ihr auf euren Knien seid, sollte die Tatsache, dass ihr als Gottes kostbares Eigentum wundersam auserkoren seid, euch kühn machen und mit Inbrunst und Glauben erfüllen. Sollte Gott nicht retten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen? (Lk. 18,7.) War es sein Wohlgefallen, uns zu lieben, so kann es auch nicht anders als sein Wohlgefallen sein, uns zu hören.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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