Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps25

Beitragvon Jörg » 26.10.2019 14:13

Erläuterungen und Kernworte

V. 14. Das Geheimnis, oder: die Freundschaft des Herrn usw. Der Gottesfürchtige ist Gottes Freund, mit ihm verbindet sich Gott in trauter Gemeinschaft, ihm enthüllt er seine Geheimnisse , indem er ihm offenbart, welche Strafen und Qualen er für solche in Bereitschaft hat, die durch ihre Gottlosigkeit in der Welt blühen und gedeihen. (Vergl. 1. Mose 18,17 ff.; Joh. 15,15; Jak. 2,23 .) Und so wie der Herr die Gottlosen hasst, so liebt er die Gerechten. Hält er sich von den Verkehrten fern als von solchen, die ihm ein Gräuel sind, so vertraut er dagegen den Gerechten, als seinen liebsten Freunden, seine verborgensten Geheimnisse an. Es ist einem Menschen eine Ehre, wenn ihm von einem anderen ein Geheimnis anvertraut wird; eine noch größere Ehre ist es ihm, wenn der König ihn zu seinem Vertrauten macht; aber wie hoch ist die Ehre dessen, dem Gott seine Geheimnisse kundtut! Denn wem Gottes Geheimnisse zuteil werden, der hat Gottes Herz, ja Gott selbst. Solche Ehre widerfuhr dem Johannes, von dem St. Bernhard († 1153) aus Anlass des Anfangs seines Evangeliums sagt: "Ist’s nicht als habe Johannes seine Seele in die Tiefen dessen getaucht, den er das Wort nennt, und als habe er von den Brüsten der ewigen Weisheit die Quintessenz der göttlichen Geheimnisse gesogen?" Ebenso war es mit St. Paulus, der da sagt: Wir reden Gottes geheime Weisheit, die verborgene, welche keiner von den Obersten dieser Welt erkannt hat. (1.Kor. 2,7 f.) D. Michael Jermin † 1659.

Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes; alle die Tatsachen der christlichen Erfahrung sind ihm gänzlich verborgen. Ihm von der Gemeinschaft mit Gott , von der Erfahrung der Vergebung, von der lebendigen Christenhoffnung, von dem Zeugnis des heiligen Geistes im Herzen des Gotteskindes oder von den Kämpfen des geistlichen Lebens zu reden, das wäre, wie wenn man mit einem Blinden über die Farben oder mit einem Tauben über die Harmonien der Musik reden wollte. John Morison 1829.

Obwohl des Herrn Bund mit seinem auserwählten Volke offen am Tage liegt und seine Zeugnisse keine Geheimlehre sind, so ist es um die traute Gemeinschaft, welche die gläubige Seele mit Gott auf Grund seines Bundes genießen darf, doch ein Geheimnis. Wer den Herrn fürchtet , dem schließt sich dies Geheimnis auf, während es solchen, die nur dem Buchstaben nach Genossen des Bundes sind, gänzlich verborgen bleibt. Denn nur denen, die den Herrn fürchten, ist diese Verheißung gegeben, dass er sie seinen Bund wissen lässt. David Dickson † 1662.

Ein echter Freund lässt den Freund die innersten Gedanken seines Herzens lesen. So offenherzig ist Gott gegen die Seinen: Das Geheimnis des Herrn ist unter denen, die ihn fürchten . Er selbst gibt uns den Schlüssel zu seinem Herzen und tut uns kund, welcherart seine Gedanken gegen uns sind, ja gegen uns waren, schon ehe der Welt Grund gelegt war (Eph. 1,4); und dies tut er durch seinen Geist, der da weiß, was in Gott ist, und die Tiefen Gottes erforscht. (1.Kor. 2,10 f.) Dieser sein Geist hat uns in den heiligen Schriften den ewigen Liebesratschluss Gottes kundgetan; und überdies nimmt dieser selbe Geist nun Wohnung in den Herzen der Gläubigen und legt ihnen Gottes Gedanken aus. William Gurnall † 1679.

Weder Gelehrsamkeit noch Anstrengung kann uns in Gottes Geheimnisse, in die arcana imperii, die Geheimnisse des Himmelreichs (Mt. 13,11), oder in des Herrn Sinn (1.Kor. 2,16) Einsicht geben. Diese Erkenntnisse werden uns nicht sowohl durch Vernunftschlüsse, als vielmehr durch Offenbarung zuteil und müssen darum erbeten werden. Wer mit Ernst nach Gott trachtet, wird in seinen geheimen Rat eingeweiht, lernt seines Herzens Gedanken kennen und wird der trauten Gemeinschaft mit ihm gewürdigt. John Trapp † 1669.

Mit Gott wandeln, das ist der beste Weg, Gott kennen zu lernen. Freunde, die miteinander Hand in Hand gehen, teilen sich gegenseitig ihre Geheimnisse mit. Noah wandelte mit Gott und der Herr machte ihm ein großes Geheimnis kund, nämlich, dass er die alte Welt zerstören und ihn in der Arche lebendig erhalten wollte. Abraham wandelte mit Gott, und der Herr machte ihn zu einem Mitglied seines geheimen Rats: Wie kann ich Abraham verbergen, was ich tue? (1. Mose 18,17 .) Manchmal enthüllt der Herr sich der Seele wunderbar beim Gebet oder beim Genuss des heiligen Mahles, wie Christus sich seinen Jüngern zu erkennen gab, als er das Brot brach (Lk. 24,35). Thomas Watson 1660.

V. 15. Meine Augen sehen stets zu dem Herrn. Obwohl wir ihn jetzt nicht sehen können, weil unsere Augen so kurzsichtig und unverständig sind, müssen wir doch zu ihm aufsehen, zu der Stätte, da seine Ehre wohnt, als solche, die ihn und seinen Willen zu erkennen begehren, denen seine Ehre das Ziel alles ihres Tuns ist, und die sich, sie seien daheim oder pilgern, befleißigen, dass sie ihm wohlgefallen (2.Kor. 5,9). Matthew Henry † 1714.

Mit den Augen, die der schärfste Sinn sind und deren Tätigkeit den ganzen Menschen in Anspruch nimmt, werden oft alle Regungen zugleich bezeichnet, so dass "meine Augen sehen auf den Herrn" etwa heißt: Alle meine Gedanken sind auf Gott gerichtet. Jean Calvin † 1564.

V.17. Die Ängste meines Herzens haben sich ausgebreitet . (Wörtl.) Möge keiner, der in des Herrn Wegen wandelt, sich darüber verwundern, dass er viele Trübsale hat und diese ihm vielfach unerklärlich sind. Es ist bei Gottes Volk stets so gewesen. Der Weg zum Himmel ist mit den Tränen und dem Blut der Heiligen getränkt. D. William S. Plumer 1867.

Führe mich ans meinen Nöten. Wir dürfen nicht über Gott, wohl aber vor Gott klagen. Wir dürfen mit allem Ernst um Hilfe und Erlösung rufen, wenn es mit Ergebung in seinen heiligen Willen geschieht. D. W. S. Plumer 1867.

V. 19. Siehe an meine Feinde. (Grundt.) Dies ist eine andere Art des Blickes als die V. 18 gemeinte. Siehe sie an, wie du einst aus der Feuersäule und Wolke auf das Heer der Ägypter geschaut und einen Schrecken in ihrem Heer gemacht hast (2. Mose 14,24). Sowohl die Zahl als die Art seiner Feinde macht David in seinem Hilferuf geltend. Denn ihrer sind viel (Grundt.): Das Herz jedermanns in Israel folgte Absalom nach (2. Samuel 15,13). Und so sind auch der geistlichen Feinde des Volkes Gottes viel. Und hassen mich mit gewalttätigem Hass (Grundtext), wie Simeon und Levi. (1. Mose 34,25; 49,5 ff.) Ihr Hass brach in grausamer Weise aus, in frevelhaften Gewalttaten; und er war um so grausamer, als er unbegründet war. Eben derart ist auch der Hass Satans und seiner Häscher gegen die Nachfolger Christi. Sie dürsten nach ihrem Blut und machen sich damit trunken. Sogar ihre Barmherzigkeit ist grausam, wie viel mehr ihr Hass! D. John Gill † 1771.

Und wie sie mich mit gewalttätigem Hasse verfolgen. (Andere Übers.) Kein Geschöpf ist so grausam und gewalttätig gegen seinesgleichen wie der Mensch. Viele Raubtiere töten andere Geschöpfe, verschonen aber ihresgleichen; die Menschen aber reiben sich untereinander auf. Der Mensch ist listiger als der Fuchs, blutdürstiger als der Tiger, wilder als der Löwe; ja der Mensch ist gegen den Menschen ein Teufel, wenn er sich selbst überlassen wird. William Struther 1629.

V. 21. Dieser Psalm war der Lieblingspsalm des bekannten Pfarrers Wilhelm Löhe († 1872) in Neuendettelsau. Der 21. Vers: Schlecht und recht, das behüte mich, Herr, denn ich harre dein , steht als Motto in der ihm eignen schönen und klaren Handschrift unter seinem Bilde. Ebenso steht er auf dem Titelblatt seiner kleinen Schrift "Von der weiblichen Einfalt". Löhe fand nämlich, dass das Wesen der Einfalt in keinem Spruche der Schrift schöner und voller ausgesprochen sei, als in diesem. "Hier", sagt er, "sind alle Elemente der Einfalt beisammen. Der Herr, auf den wir harren; das höchste Gut, nach welchem wir trachten: das ,Schlecht’ oder Schlechte oder Schlicht ist nach dem Hebräischen nichts anders als jene Beschaffenheit der Seele, da man nichts will als sein Ziel, und das ganz, ohne Rückhalt; und das Rechte ist nichts anders als jene edle Tugend der geraden, lautern Redlichkeit, die, was man völlig will, doch nur auf unsträflichem und geradem Wege sucht." Wie lieb ihm der Psalm war, sieht man daraus, dass er ihn seiner Evangelien Postille vordrucken ließ. D. Rudolf Kögel 1895.

V. 22. Gott, erlöse Israel aus aller seiner Not. Willst du mir nicht aus Erbarmen gegen mich helfen, so verschone doch mein Volk, das um meinetwillen und mit mir leidet. Mt. Polus † 1679.

Für das Volk Gottes kann keiner beten, der nicht selbst erst Frieden mit Gott gemacht hat. John Trapp † 1669.

Dieser inhaltreiche, schöne Psalm schließt mit einer gar lieblichen Bitte, einer Bitte, mit der jeder, der zu dem wahren Israel Gottes gehört, gerne scheiden möchte. Es spricht aus ihr derselbe Geist, der uns in der Zeit der beginnenden Heilserfüllung in dem Schwanengesang des alten Simeon entgegentritt (Lk. 2, 29 f.). Barton Bouchier 1855.


Homiletische Winke

V. 1. Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. (Grundt.) Wie vermögen wir unsre an die Erde gebundenen Seelen himmelwärts zu erheben? Durch inbrünstiges Gebet.
Das Wesen und der Segen wahrer Andacht.
V. 2. Die Seele vor Anker (2a) und die beiden Klippen, vor denen sie bewahrt werden möchte (2 b-c).
V. 3. Wem die Schande zukommt und wem nicht.
V. 4. Praktische Gottesgelehrtheit das beste Studium, Gott der beste Lehrer darin, das Gebet die beste Vorbereitung dazu.
V. 4-5. Drei zum Christenwandel nötige Stücke: 1) Zeige mir, 2) lehre mich, 3) leite mich .-- 1) Kundmachung der Wege, d. h. des Willens Gottes; 2) Erleuchtung zum Umsetzen der Erkenntnis in praktischen Gehorsam ("deine Pfade lehre mich"): und 3) Handleitung Gottes in der Wahrheit.
V. 5. 1) Der Christ trachtet nach der Heiligung, 2) sucht Erleuchtung, 3) erfreut sich guter Zuversicht zu Gott, 4) und übt sich im Harren auf Gott.
Du bist der Gott meines Heils. (Wörtl.) Ein unerschöpflicher Text.
Auf dich harre ich den ganzen Tag. (Wörtl.) Wie man den Tag mit Gott durchlebt.
V. 6-7. Drei "Gedenke".
Die Sünde ist eingewurzelt (von Jugend auf); die Gnade aber ist noch tiefer gewurzelt (von Ewigkeit her).
V. 7. Die beste Amnestie.
Vergessen und Gedenken erbeten. Beachte das "mein" und "dein" im Text.
V. 8b. Der heilige Gott lehrt die Sünder -- welches Wunder der Gnade!
V. 9. Welche "Elenden" sind im Text gemeint? Die Demütigen und Sanftmütigen (vergl. Mt. 5,5; 11,29). Welches sind ihre Vorrechte? Wie werden wir demütig und sanftmütig?
V. 10. Gottes Güte (Gnade) und Wahrheit (Treue) und wer die sind, die aus diesen Eigenschaften Gottes Trost schöpfen können?
V. 11. Ein Mustergebet. Das Bekenntnis, das es ablegt, der Beweggrund zur Hilfe, den es Gott vorhält, die Bitte selbst usw.
Die Größe der Schuld kein Hindernis für den reumütigen Sünder, Vergebung zu erlangen.
V. 12. Gottesfurcht die beste Bürgschaft für ein wohl geordnetes Leben.
V. 13. Glück für Zeit und Ewigkeit.
V. 14. Ein Geheimnis und wer es weiß; ein Wunder und wer es sieht.
V. 15. 1) Wem gleichen wir? Einem törichten Vögelein. 2) Welche Gefahr droht uns? Das Netz. 3) Wer ist unser Beschützer? Der Herr. 4) Worin besteht für uns die wahre Weisheit? "Meine Augen sehen stets zu dem Herrn".
V. 16. Eine einsame Seele, die himmlische Gesellschaft sucht, und ein betrübter Geist, der um Gottes Gnade fleht. Bei unserm Gott ist der rechte Balsam für alle unsre Wunden zu finden.
V. 16-18. David war ein Dulder, aber auch ein Beter . Die Not tut uns kein Leid, die uns näher zu Gott bringt. Um drei Dinge bittet der Knecht des Herrn: 1) Dass Gott ihn aus der Not führe. Dies sollen wir begehren, doch mit Ergebung in Gottes Willen. 2) Dass Gott ihn in seiner Not ansehe. Ein freundlicher Blick Gottes ist allezeit, in allen Umständen, köstlich; aber in Jammer und Elend ist er wie Leben aus den Toten. 3) Dass Gott ihm vergebe. Trübsale sind besonders dazu geeignet, das Schuldgefühl zu erwecken. William Jay † 1853.
V. 17. Not lehrt beten.
V. 18. Wir entnehmen dem Text zwei Lehren: 1) Wir sehnen uns in der Trübsal nach einem göttlichen Gnadenblick, der a) unsere besondere Not ansehen wolle, b) ein Blick des Erbarmens sei, c) und ein Blick der Hilfe. 2) Der kräftigste Trost in der Trübsal ist die Gewissheit der göttlichen Vergebung. Denn: a) die Trübsal bringt uns unsere Sünde in Erinnerung; b) die Gewissheit der Vergebung vertreibt in hohem Maße die Furcht vor Tod und Gericht. -- Anwendung : 1) Lasst uns die Güte Gottes anbeten, dass er, der Erhabene und Herrliche, auf sündige Menschenkinder huldvoll herabblickt. 2) Die Erinnerung an frühere Gnadenblicke Gottes bedränge uns, zu beten und zu hoffen, dass er auch jetzt uns ansehen werde. 3) Wenn ein freundlicher Blick Gottes so trostreich ist, was muss der Himmel sein! Samuel Lavington † 1807.
1) Es ist gut, wenn unsre Trübsal uns unsere Sünde ins Gedächtnis ruft; 2) wenn wir ebenso sehr nach Vergebung als nach Befreiung vom Übel verlangen; 3) wenn wir beide Begehren am rechten Orte im Gebet vorbringen: 4) wenn wir in Bezug auf unsere Leiden alles Gott anheim stellen ("Siehe an u."), dagegen inbetreff unserer Sünden sehr bestimmt bitten ("Vergib ...").
V. 19. Die geistlichen Feinde des Gläubigen. Ihre Zahl, Bosheit, List, Macht usw.
V. 20. Das Flehen um göttlichen Schutz für die Seele. 1) Was es begehrt: a) Bewahrung, b) Errettung. 2) Wie notwendig es ist: es gilt, nicht zuschanden zu werden. 3) Was uns die Gewährung verbürgt: Ich traue auf dich.
V. 21. Der offenbare Weg des Heils (schlecht und recht, vergl. dazu Lk. 10,28) und der verborgene Weg des Heils (Ich traue auf dich, vergl. Dazu Röm. 1,17: Der Gerechte lebt seines Glaubens).
V. 22. Jakobs Leben kann diese Bitte in lehrreicher Weise erläutern.

Ein Gebet für die ecclesia militans, die kämpfende Gemeinde Gottes auf Erden.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps26

Beitragvon Jörg » 29.10.2019 16:14

PSALM 26 (Auslegung & Kommentar)


Überschrift

(Ein Psalm) Davids. Das vorliegende Lied zeigt uns David unter der Last der Schmach. Darin war er ein Vorbild des großen Davidssohnes und in der Art, wie er diese Bürde der Verleumdung, die so schwer auf ihn drückte, zu dem Thron der Gnade trug, ist er uns ein leuchtendes Vorbild. Es ist eine sinnreiche Vermutung, David habe diesen Psalm, in welchem er sich auf den himmlischen Richter beruft, zu der Zeit verfasst, als Isboseth, der Sohn Sauls, von Rechab und Baana ermordet worden war, und er habe dabei eben den Zweck im Auge gehabt, seine Unschuld gegen den schmählichen Argwohn, als habe er an jenem Meuchelmorde irgendwelchen Anteil, zu verteidigen. Der Ton des Psalms stimmt jedenfalls trefflich zu jenem Anlass; da es aber an irgendwelchen genaueren Andeutungen fehlt, ist diese Annahme ebenso wie die andere, dass der Psalm aus der Zeit stamme, wo David von Saul verfolgt wurde, nur eine Mutmaßung.

Einteilung

David Dickson († 1662) gibt folgende Übersicht über unsern Psalm: David beruft sich auf Gott, den höchsten Richter, im Bewusstsein seiner Unschuld, da sein Gewissen ihm Zeugnis gibt, erstens: dass er sich bestrebt habe, in Unsträflichkeit und Glaubenstreue zu wandeln, V. 1-3; zweitens: dass er sich vor der Ansteckung durch den bösen Rat und das sündige Wesen und Beispiel der Gottlosen gehütet habe, V. 4-5 ; drittens: dass es sein fester Vorsatz sei, sich auch fernerhin der Heiligkeit und Redlichkeit zu befleißen und in herzlicher Lust an den Vorrechten des Volkes Gottes im Hause des Herrn teilzunehmen, V. 6- 8. Darauf bittet er um Verschonung vor dem Gericht, welches über die Gottlosen hereinbrechen muss, V. 9-10, und er begründet diese Bitte mit seinem Vorsatz, ihre Sünden zu meiden, V. 11. Endlich schließt er sein Gebet mit Worten, die der tröstlichen Gewissheit Ausdruck geben, dass er erhört sei,

Auslegung

1. Herr, schaffe mir Recht, denn ich bin unschuldig!
Ich hoffe auf den Herrn, darum werde ich nicht fallen.
2. Prüfe mich, Herr, und versuche mich;
läutere meine Nieren und mein Herz.
3. Denn deine Güte ist vor meinen Augen,
und ich wandle in deiner Wahrheit.


1. Richte mich, Herr (wortl.), d. h., wie Luther treffend den Sinn verdeutlicht: schaffe mir Recht ! Eine feierliche Berufung auf das gerechte Gericht des Herzenskündigers, die durch die Lage, worin sich der Verfasser des Psalms befindet, gerechtfertigt wird, insofern als diese Berufung auf Gott sich auf die besondern Anklagen bezieht, deren er fälschlich beschuldigt war. Die Ungerechtigkeit der Menschen quält Davids Geist aufs Äußerste und seine Kraft droht unter der unerträglichen Last zusammenzubrechen; darum flieht er im Bewusstsein seiner Unschuld von seinen falschen Anklägern zu dem Thron der ewigen Gerechtigkeit. Wer seinen Rechtshandel vor das königliche Gericht des Himmels zu bringen wagt, dessen Sache muss ganz lauter sein. Eine Berufung solcher Art darf in keinem Fall eine Tat unüberlegter Hast sein. Auch wollen wir wohl beachten, dass sich die Bitte Davids: "Richte mich, Herr!" nach dem klaren Zusammenhang auf sein Verhältnis zu den Menschen bezieht. Und solche Aufforderung wird sich stets nur auf einzelne Stücke, nie auf unsern Wandel im Ganzen beziehen dürfen, es wäre denn, dass wir dabei unsern Stand als in Christus Jesus Gerechtfertigte im Auge hätten. Sonst ist für den sündigen Sterblichen das andere Gebet des Psalmisten viel passender: Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht (Ps. 143,2). Denn ich habe in meiner Unschuld gewandelt. (Wörtlich.) Sich in allen Dingen unsträflich zu halten, war der Grundsatz Davids und er führte ihn im täglichen Leben aus. Er hatte keinerlei verräterische oder unredliche Mittel angewandt, um die Krone zu gewinnen oder sich in ihrem Besitz zu erhalten; er war sich bewusst, dass er sich in all seinem Verhalten gegen Saul und dessen Nachkommen von den edelsten Grundsätzen hatte leiten lassen. Wie tröstlich ist es, die Zustimmung des eigenen Gewissens zu haben! Genießen wir Frieden im Herzen, so brauchen uns die Stürme der Verleumdung, die um uns her heulen und toben, wenig anzufechten. Wenn das Vöglein in meinem Busen ein fröhliches Lied singt, dann kümmert es mich wenig, ob auch tausend Eulen der Nacht mich von außen her ankreischen. Und auf den Herrn habe ich vertraut und vertraue ich . (Wörtl.) Der Glaube ist die Wurzel und das Mark der Unsträflichkeit im Wandel. Wer sich auf den Herrn stützt, wandelt aufrecht. David wusste, dass Gottes heiliger Wille ihm die Krone verliehen hatte; darum wandte er keine ungeraden oder ungesetzlichen Mittel an, sie zu sichern. Er ließ sich nicht bereden, seinen Feind in der Höhle zu töten, oder zu dulden, dass seine Krieger ihn erschlugen, als er unbewacht im Lager schlief. Der Glaube scheut keine Anstrengung, wo er für den Herrn und nach Gottes Weise wirken kann; aber er weigert sich, auch nur den kleinen Finger aufzuheben, um unredliche Pläne auszuführen. Rebekka bediente sich einer täuschenden List, um dem Ratschluss des Herrn zu Gunsten Jakobs zur Erfüllung zu helfen, -- und das war Unglaube; Abraham dagegen überließ es Gott, seine Verheißungen zu verwirklichen, und fasste das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete, -- das war Glaube. Der Glaube überlässt es Gott, seine Ratschlüsse auszuführen. Warum sollte ich stehlen, wenn Gott verheißen hat, mich zu versorgen, warum mich rächen, wenn ich weiß, dass der Herr sich meiner Sache annimmt? Die Zuversicht zu Gott ist ein höchst wirksamer Schutz gegen die Sünde. Darum werde ich nicht fallen. 1 So schlüpfrig der Weg auch ist, so dass ich wie auf Glatteis gehe, der Glaube hält dennoch meinen Fuß vom Gleiten und wird das auch ferner tun. Wer auf den zweifelhaften Wegen weltlicher Klugheit wandelt, tut früher oder später ganz sicher einen Fall; der Pfad der Redlichkeit dagegen ist zwar oft beschwerlich, aber stets sicher. Wir können unsere Zuversicht nicht auf Gott setzen, wenn wir krumme Wege gehen; aber gerade Wege und ein einfältiger Glaube, die bringen den Pilger glücklich ans Ziel.

2. In dreierlei Form erbittet der Psalmsänger nun Prüfung seines Innern. Er wusste sich so frei von den Anklagen, deren man ihn beschuldigte, dass er sich bedingungslos jeder Art Prüfung unterwarf, die der Herr anzuwenden für gut finden würde. Prüfe mich, Herr. Durchforsche mich durch und durch, stelle eine genaue Untersuchung an, nimm mich ins Kreuzverhör, gehe der Sache auf den Grund. Und versuche mich. Stelle mich abermals auf die Probe und siehe, ob ich mich wirklich mit solch gottlosen Plänen trage, wie meine Feinde sie mir andichten. Läutere meine Nieren und mein Herz. Erprobe mich wie das Metall im Schmelzofen. Durchläutere mein geheimstes Innere, meine Nieren, den Sitz der Triebe und Gemütsbewegungen, und mein Herz , den Mittelpunkt des geistigseelischen Lebens, und siehe zu, ob du da Lust zu Mord, Verrat und Trug findest. Dies alles ist sehr kühne Sprache und im Mund eines David, dessen Herz so voller Gottesfurcht war, ist es ein höchst feierlicher, glaubhafter Erweis, dass er sich völliger Unschuld bewusst war. Die hier gebrauchten Ausdrücke mögen uns zeigen, wie durchdringend das Gericht des Herzenskündigers ist und wie unumgänglich notwendig es für uns ist, in allen Dingen durch und durch aufrichtig zu sein, wenn wir nicht schließlich auf der göttlichen Wage zu leicht erfunden werden sollen. Dass unsere Feinde uns mit der Schärfe des Hasses beobachten und behandeln, das erträgt ein Biedermann ohne Furcht; Gott aber verfährt mit uns nach der Strenge des unverbrüchlichen Rechts: Wer mag vor solcher Untersuchung bestehen?

3. Denn deine Güte (oder Gnade) ist vor meinen Augen. Gottes herablassende Liebe war Davids Augenlust. Das Beschauen der erfahrenen Gnade erquickte ihn und zugleich baute er auf dieselbe Gnade seine Zukunftshoffnung. Das Bewusstsein, Gnade empfangen zu haben, eröffnet vor dem gläubigen Gemüt in den trübsten Verhältnissen einen heiteren Ausblick; denn es zeigt ihm, wie in einem Gesicht, eine Fülle von Gnaden, die seiner noch warten, -- und was es da schaut, ist nicht ein schöner Traum, sondern Wirklichkeit. Verweile ein wenig, lieber Leser, bei dem himmlischen Wort Gnade. Wer erkennt, was Gnade ist, für den gibt s keinen süßeren Klang. Ja, es ist seinesgleichen nicht. Und eine Frage drängt sich immer wieder dem begnadigten Herzen auf: Wie kommt der große Gott dazu, dem sündigen Menschengeschlecht seine Liebe zuzuwenden? Darum sollte uns auch die Güte des Herrn stets vor Augen sein, als eine mächtige Triebkraft, die unsern Wandel beeinflusst. Wir sind nicht unter dem knechtischen Joch des Gesetzes, aber unter dem süßen Zwang und den sanften Einflüssen der Gnade, die weit mächtiger, obwohl viel milder sind. Der Mensch mag, das Gesetz vor Augen, der Sünde frönen; wer aber die göttliche Liebe klar erschaut, kann sich ihrem heiligenden Einfluss nicht entziehen. Wenn wir die Wunderwege der Gnade mehr vor Augen hätten, in denen Gott sich uns bezeugt, so würden wir achtsamer sein, die Wege des Gehorsams zu wandeln. Und ich wandle in deiner Wahrheit. Die Überzeugung von der Wahrhaftigkeit der göttlichen Verheißungen bewahrte den Psalmsänger vor der Sünde; denn er suchte diese Wahrhaftigkeit Gottes nicht nur zu glauben, sondern auch nachzuahmen, und hütete sich darum vor allem Schein und aller Heuchelei. Wir mögen uns aus diesem Vers auch merken, dass sich, wenn wir die göttliche Liebe an uns erfahren haben, dies im Wandel, in der Befolgung der göttlichen Wahrheit zeigen wird. Wer, sei es die lehrhafte, sei es die praktische Seite der Wahrheit vernachlässigt, darf sich nicht wundern, wenn er den erfahrungsmäßigen Genuss derselben verliert. Der Leute, die von der Wahrheit reden, sind genug; besser ist’s, in der Wahrheit wandeln. Viele geloben, sich in Zukunft wohl zu verhalten; aber all ihre Vorsätze werden zunichte. Nur wer Gottes Gnade an seinem Herzen erfahren hat, kann sagen: Ich wandle in deiner Wahrheit.

Fußnote
1. Viele fassen d(fm:)e)Æl als beschreibenden Umstandssatz = ohne (im Vertrauen) zu wanken. Dafür spricht der Zusammenhang.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps26

Beitragvon Jörg » 02.11.2019 14:06

4. Ich sitze nicht bei den eiteln Leuten,
und habe nicht Gemeinschaft mit den Falschen.
5. Ich hasse die Versammlung der Boshaften,
und sitze nicht bei den Gottlosen.


Der Psalmist war so weit davon entfernt, ein gemeiner Übertreter der göttlichen Rechtsordnungen zu sein, dass er mit denen, die das Böse lieben, nicht einmal äußerlich irgendwelchen Verkehr gepflogen hatte. Er war allen verkehrten Leuten sorgfältig fern geblieben. Das Sprichwort lautet: "Sage mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer du bist"; und wenn wir uns von den Gottlosen fern gehalten haben, wird das stets ein Zeugnis zu unsern Gunsten sein, wenn unsere sittliche Würde angegriffen werden sollte. Wer nie in dem Kirchspiel gewesen ist, hat schwerlich das Korn gestohlen.

4. Ich sitze nicht bei den eiteln Leuten , d. h. bei den innerlich Hohlen, deren einziger Gehalt die Schlechtigkeit ist und die ihre innere Unwahrheit mit dem Schein der Verstellung übertünchen. Echte Bürger haben keine Gemeinschaft mit Verrätern. David hatte keinen Sitz im Parlament der Nichtigkeitskrämer. Die Bösen waren weder seine guten Gesellschafter bei Festen noch Ratgeber bei seinen Plänen noch seine Bundesgenossen im Handeln. Wir können ja nicht daran vorbei kommen, mit Weltmenschen zusammenzutreffen, mit ihnen zu reden, Geschäfte zu schließen und dergleichen; aber wir dürfen keinesfalls in ihrer eiteln Gesellschaft unsere Ruhe und Erholung suchen. Nicht nur die offenbar ruchlosen, sondern auch die eiteln Leute sollen wir meiden. Alle, deren Lebensziele nur im Diesseits liegen, sind eitle, nichtige Leute, Hülsen ohne Kern, aufgeblasene Windbeutel; wie könnte der Christ sie seiner Freundschaft würdigen? Da überdies diese Eitelkeit oft mit Falschheit gepaart ist -- wie bei den Leuten, von denen unser Text redet --, so tun wir wohl daran, wenn wir uns von diesem verkehrten Geschlecht (Apg. 2,40) gründlich scheiden. Die Gemeinschaft mit ihnen könnte uns teuer zu stehen kommen und das Dulden des Unnützen, Eiteln uns dazu führen, schließlich auch dem offenbar Gottlosen Beifall zu zollen. Und habe nicht Gemeinschaft mit den Falschen. Da ich weiß, dass heuchlerische Frömmigkeit zwiefache Schlechtigkeit ist, scheue ich wie die Pest alle, die die Religion zum Deckmantel ihrer Bosheit machen. Der Grundtext nennt sie Verhüllte oder Versteckte, eben weil sie ihre heimtückischen Pläne so gut unter der Maske der Unschuld zu verbergen wissen. Sie tragen den Rosenkranz um den Hals und den Teufel im Herzen. Muss ich mit ihnen dieselbe Straße wandeln, so hüte ich mich doch wohl, mit ihnen unter ein Dach einzukehren und meine Zeit in ihrer Gesellschaft zu verbringen. Mit der Versammlung der Heuchler (Hiob 15,34) sollen wir keine Gemeinschaft pflegen; ihr letzter Sammelort wird der tiefste Abgrund der Hölle sein. Darum lasst uns jede Verbindung mit ihnen jetzt abbrechen; die Zeit wird bald da sein, wo wir nicht wünschen werden, zu ihrer Bekanntschaft zu gehören. Die im Grundtext in diesem Versteil gebrauchte Zeitform (das Imperf.) zeigt an, dass David dieses Verhalten gegen die Gottlosen fort und fort beobachtete. Es gilt, dass wir den eingeschlagenen einsamen Pfad mit immer größerer Umsicht innehalten, je mehr wir sehen, dass sich der Tag der Erlösung naht. Wer in Jesu Klarheit umgestaltet werden möchte, darf sich nicht verunstalten durch Gleichförmigkeit mit der Welt. Die Worte Davids zeigen uns, dass wir auch unter denen, die sich zum Volke Gottes halten, einen Unterschied machen müssen; denn wie es unter denen, die draußen sind, eitle Leute gibt, ohne Kern und Halt, so gibt es in der Kirche Heuchler, und beide sind mit unverbrüchlicher Entschlossenheit zu meiden.

5. Ich hasse die Versammlung der Boshaften. Ein strenges Urteil und doch nicht zu streng. Wer das Böse nicht mit vollem Abscheu hasst, liebt auch das Gute nicht von Herzen. Die Menschen als solche müssen wir allezeit lieben, denn sie sind unsre Nächsten, die wir lieben sollen als uns selbst; aber als Boshafte sind sie Verräter an der himmlischen Majestät und kein getreuer Untertan kann einen Hochverräter lieben. Was Gott hasst, sollen auch wir hassen. Der Ausdruck "die Versammlung der Boshaften " zeigt uns die Bösewichter als miteinander im Bunde und in geheimer Ratsversammlung vereint, um die Unschuldigen ins Verderben zu stürzen. Solche Satans Synagogen sollen uns ein Gräuel sein. Welch’ trauriger Gedanke ist es doch, dass es ebenso wohl eine Versammlung der Bösewichter gibt, als eine Versammlung der Heiligen, eine Kirche Satans sowohl als eine Kirche Gottes, einen Schlangensamen sowohl als einen Weibessamen, ein altes Babel sowohl als ein neues Jerusalem, eine große Hure, die auf den vielen Wassern sitzt (Off. 17,1) und für das göttliche Zorngericht reif wird, sowohl als eine keusche Braut des Lammes, deren beim Kommen des Herrn die Krone wartet. Und sitze nicht bei den Gottlosen. Geheiligte Seelen haben einen Sitz an einer andern Tafel und vertauschen nimmermehr die königliche Speise gegen die Treber aus dem Schweinetrog. Besser ist’s, mit den Krüppeln und Lahmen und Blinden am Tisch der Gnade zu sitzen, als mit den Gottlosen an ihren wüsten Gelagen teilzunehmen. Ja besser ist’s, mit Hiob im Staub und in der Asche zu sitzen als auf Pharaos Thron. Möge jeder, der diese Worte Davids liest, wohl zusehen, mit wem er Umgang pflegt; denn die Gesellschaft, zu der er sich in dieser Welt hält, wird ihn wahrscheinlich auch in jener Welt umgeben.

6. Ich wasche meine Hände in Unschuld,
und halte mich, Herr, zu deinem Altar,
7. da man hört die Stimme des Dankens,
und da man predigt alle deine Wunder.
8. Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses
und den Ort, da deine Ehre wohnt.

6. Ich wasche meine Hände in Unschuld. Das Waschen der Hände war eine sinnbildliche Handlung, mit der man bezeugte, dass man von einem geschehenen Frevel frei sei. (5. Mose 21,6 ff.) Nicht allgemeine Sündlosigkeit ist es, was David mit diesen Worten für sich in Anspruch nimmt, sondern er bezeugt nur, dass er von den Verbrechen rein sei, deren man ihn verleumderisch beschuldigte. Die zweite Vershälfte: und halte mich zu deinem Altar, wörtl.: und umgebe oder möchte umgeben (umschreiten) deinen Altar 2 , legt uns nahe, anzunehmen, dass David auch an die heilige Waschung dachte, der sich die Priester jedes Mal unterziehen mussten, ehe sie dem Altar nahten. Priester Gottes müssen sorgfältig darauf bedacht sein, in der Heiligung zu stehen. Das eherne Waschbecken war ein so unentbehrliches Gerät der Stiftshütte wie der Brandopferaltar. Zu Gottes Dienst braucht es heilige Leute. Gott sei Dank, dass es einen Born des Heils gibt, der unsre Herzen rein macht von aller Sünde. Diese Reinigung des Innern muss sich aber auch im Handel und Wandel offenbaren. Wer gegen seine Mitmenschen ungerecht ist, kann nicht in Gott wohlgefälliger Weise zum Altar nahen, um seine Gebete und Opfer dem Heiligen zu weihen. Wer mit sündenbefleckten Händen Dankopfer darbringt, ist dem Herrn ein Gräuel. Gerechtigkeit und Reinheit lieben ist Gott viel wohlgefälliger als das Fett von tausend Widdern. Wir ersehen aus diesem Vers, dass geheiligten Seelen der Dienst des Herrn eine Lust ist und sie an seinem Altar die höchste Erquickung finden, und ferner, dass es ihr heiliger Ernst ist, sich nie in irgendetwas einzulassen, was sie untüchtig machen würde, mit dem heiligen Gott traute Gemeinschaft zu pflegen. Unser Blick soll auf den Altar gerichtet sein, der beides, den Geber und die Gabe, heiligt; aber nie dürfen wir uns aus dem Sühnopfer eine Entschuldigung der Sünde machen, sondern sollen durch jenes uns vielmehr den göttlichen Beruf vorhalten lassen, heilig zu sein, wie Jahwe heilig ist.

7. Um hören zu lassen die Stimme des Dankes. (Grundt. 3 David war so erleuchtet, dass er bei den äußeren, vorbildlichen Opfern nicht stehen blieb, die er hier nicht einmal erwähnt, sondern zu den geistlichen Opfern durchdrang, worauf jene zielten. Nicht das Brüllen und Stöhnen von jungen Stieren, sondern das Lobgesänge der begnadigten Seele ist die Gabe, die von denen, welche Gott im Geist anbeten, dem Herrn dargebracht wird. Den Lobpreis des Gnädigen und Barmherzigen hören zu lassen, das sollte der tägliche Gottesdienst aller derer sein, die in der Versöhnung stehen. Mögen die Menschen uns schmähen, wie sie wollen, so wollen wir dem Herrn nicht die Ehre vorenthalten, die ihm gebührt. Lasst die Hunde bellen -- wir wollen, gleich dem Mond, trotz ihres Bellens unser Licht leuchten lassen. Und zu erzählen alle deine Wunder. Gottes Kinder sollten kein Schloss vor dem Mund haben, wo es gilt, den Herrn zu preisen. Die Wunder der göttlichen Gnade mögen wohl die Stummen zum Jubilieren bringen. Gottes Liebestaten werden uns in der Tat zu lauter Wundern, wenn wir erwägen, wie unwürdig die sind, an denen sie geschehen, wie viel ferner Gott sie sich hat kosten lassen und welch erstaunliche Wirkungen sie zu Stande bringen. Und wie die Menschen großes Vergnügen daran finden, von merkwürdigen und erstaunlichen Dingen zu erzählen, so ist es den Gläubigen eine Lust, von den Wundern zu reden, die der Herr für sie und an ihnen getan hat.

8. Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses. Stätten der Sünde mied David, aber das Haus Gottes liebte er. Wir wären traurige Kinder, wenn wir unseres Vaters Haus nicht liebten. Obwohl wir auf dem Standpunkt des neuen Bundes keine besonderen geweihten Orte mehr anerkennen, so ist doch die Gemeinde des lebendigen Gottes das Haus Gottes, und wahre Christen haben ihre Herzenslust an den heiligen Ordnungen, den Gottesdiensten und Versammlungen dieser Gemeinde des Herrn. O dass alle unsere Tage Sabbatt-Tage wären! Und den Ort, wo deine Ehre oder Herrlichkeit wohnt. In der Stiftshütte offenbarte sich die Herrlichkeit des Herrn -- freilich noch verhüllt durch die Wolke. Später weissagte Haggai (2,7.9), dass eine noch weit größere Herrlichkeit das Haus des Herrn füllen sollte. Die Zeit ist gekommen; nicht mehr ein steinernes Haus, aber die Gemeine des Herrn ist der Ort, da Gottes Herrlichkeit in ungeahnter Fülle und Klarheit wohnt. Da offenbart er sich in der Herrlichkeit seiner Gnade und da wird er von den Seinen geehrt und als der Herr über alles verkündigt und gepriesen. Wir kommen nicht zusammen, um den Prediger zu ehren, sondern um Gott die Ehre zu geben, die ihm gebührt. Und das ist eine selige Pflicht für die Heiligen des Höchsten. Was sind Zusammenkünfte, in denen Gott nicht geehrt wird? Sind sie nicht seinen reinen, heiligen Augen ein Ärgernis und Gottes Kindern ein Stein des Anstoßens? Es bringt uns die Schamröte ins Angesicht, wenn wir Predigten hören müssen, in denen Gottes Verherrlichung so wenig das Ziel ist, dass man fast denken könnte, der Prediger sei ein Priester des Gottes, Mensch genannt, und sei mehr erfüllt von dem Gedanken an die Würde des Menschen als an die Majestät des Höchsten.

Fußnoten
2. Das umkreisen des Altars braucht nicht von eigentl. Prozession um den Altar verstanden zu werden, sondern kann auch in dem in Luthers Übers. angedeuteten, als Gegensatz zu dem Meiden der Gottlosen (V. 4-5) treffl. passenden Sinn gefasst werden: den Altar liebend umgeben (vergl. Jer. 31,22).

3. Luthers Übers. - "da man höret usw" - ist nicht richtig. Fraglich ist, ob das Verb absolut zu fassen ist: um anzustimmen mit dem Ruf des Dankes oder ob man besser, mit anderer Interpunktion, hdfOtI als Objekt dazu nimmt: um laut den Lobgesang ertönen zu lassen oder aber das Objekt des 2. Versgliedes: alle deine Wunder, vorausnimmt: um zu verkündigen mit lautem Lobgesang, um zu erzählen alle deine Wunder.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps26

Beitragvon Jörg » 09.11.2019 13:38

9. Raffe meine Seele nicht hin mit den Sündern,
noch mein Leben mit den Blutdürstigen
10. welche mit böser Tücke umgehen,
und nehmen gerne Geschenke.


9. Raffe meine Seele nicht hin mit den Sündern. Wenn ich, Herr, gleich der Frucht im Herbst, eingesammelt 4 werden muss, so wirf mich nicht in einen Korb zusammen mit den besten der Sünder, geschweige denn mit den schlechtesten unter ihnen. Die Gemeinschaft mit den Sündern ist uns schon hier unten so verhasst, dass wir den Gedanken nicht ertragen können, mit ihnen in ein Bündel zusammengebunden zu sein für alle Ewigkeit. Unser Trost ist, dass der Herr der Ernte das Unkraut von dem Weizen unterscheiden kann und für so grundverschiedene Leute, wie es die Sünder und die Heiligen sind, einen verschiedenen Ort finden wird. In den früheren Versen sahen wir, wie der Psalmist sich von den Ruchlosen fernhielt, und das gab ihm ein Anrecht, zu erwarten, dass Gott ihn auch zuletzt nicht mit ihnen zusammenwerfen werde. Lasst uns bedenken, welches Geschick der Gottlosen wartet, so wird sich die Bitte dieses Verses mit Macht auf unsere Lippen drängen. Doch angesichts des göttlichen Rechtgrundsatzes, dass gleiches zu gleichem gesammelt wird, haben wir, die wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind (1.Joh. 3,14), nichts zu fürchten. Noch mein Leben mit den Blutdürstigen oder mit Blutmenschen. Unser Herz wird krank, wenn wir nur ihre Reden hören müssen; die grausamen Anschläge dieser Leute, die das Niederschießen ihrer Mitmenschen als nobeln Sport betreiben, sind uns ein Gräuel. Herr, lass uns nicht in ein Gefängnis mit ihnen verschlossen werden! Das Paradies selbst wäre eine Hölle, wenn wir es mit Blutmenschen teilen müssten; so lange wenigstens, als sie bleiben, was sie jetzt sind.

10. In deren Händen Frevel, eigentlich: schlimmes Vorhaben, ist. (Grnndt.) Sie haben beide Hände voll davon; ihr ganzes Tagewerk ist, Schandtaten zu ersinnen und auszuführen. Und deren Rechte, mit der sie am geschicktesten sind, voll ist von Bestechung . (Grundt.) Gleich Dieben, die ungestraft stehlen wollen, tragen sie stets einen guten Brocken bei sich, um die Hunde der rächenden Gerechtigkeit zum Schweigen zu bringen. Wer Bestechungsgeschenke gibt ist in jeder Beziehung so schuldig, wie wer sie nimmt, und bei unsern öffentlichen Wahlen ist der reiche Schurke, der sich die Stimmen kauft, weitaus der schlechtere Teil. Bestechung sollte dem Christen in jeder Form so ekelhaft sein, wie Aas einer Taube oder Schmutz einem Lamm. Mögen solche, deren unsaubere Hände gern Geschenke nehmen oder geben, dessen eingedenk sein, dass weder Tod noch Teufel sich dazu bestechen lassen werden, sie ihrem wohlverdienten Geschick entrinnen zu lassen.

11. Ich aber wandle unschuldig.
Erlöse mich, und sei mir gnädig!

Ich aber wandle in meiner Unschuld. (Wörtl.) Mit diesen Worten bringt der Psalmsänger seine persönliche Stellung zum unrechten Gewinn und dem ganzen Tun und Treiben der Gottlosen zum Ausdruck und legt damit wohl auch ein Gelübde für die Zukunft ab. Wir können (mit Kautzsch u. a.) übersetzen: Ich aber will wandeln usw. Er ist ein echter Protestant -- sein Leben ist und soll sein ein Protest gegen alles Ungöttliche. Gleich den lebendigen Fischen schwimmt er gegen den Strom. Ich aber, sagt er und zeigt damit, dass er bereit ist, wenn es sein muss, ganz einsam den schmalen Pfad zu wandeln. Er traut auf seinen Gott; darum ist er entschlossen, den geraden Weg der Unschuld und Herzenseinfalt zu gehen, mag, wer will, die krummen Wege der Gewalttat und des Truges wählen. Doch ist er fern von prahlerischem Wesen und selbstgerechtem Vertrauen auf die eigne Kraft: Ruft er doch im selben Atemzuge die göttliche Gnade an: Erlöse mich, und sei mir gnädig! Trotz des Bewusstseins seiner Unschuld betreffs der wider ihn geschleuderten Verleumdungen weiß er, dass er die Erlösung aus seiner gegenwärtigen Not, wie die Bewahrung vor der Gesinnung und dem Schicksal der Gottlosen nur von der Gnade des Herrn erwarten kann. Unsere Herzenslauterkeit ist weder vollkommen noch unwandelbar, sie ist ein Werk der Gnade in uns und wird durch unsere menschliche Sündhaftigkeit getrübt. Wir müssen darum, wenn wir uns etwa in ähnlicher Lage wie David befinden, zu der erlösenden Gnade unsere Zuflucht nehmen, mit dem Bekenntnis, dass wir, mögen wir unter den Menschen auch Heilige sein, vor Gott uns doch als Sünder beugen.

12. Mein Fuß geht richtig.
Ich will dich loben, Herr, in den Versammlungen.

Das Lied begann mit dem Flehen um das richterliche Eingreifen Gottes zur Rettung seines bedrängten Knechts; es endet mit Lobpreis . Wie oft hat David sich ein fröhliches Herz gesungen! So sieht er jetzt -- im Glauben -- sich schon errettet aus den unwegsamen Schluchten, worin er bisher eingeengt war; mein Fuß steht auf dem Ebenen (wörtl.), sagt er, wo er sicher wandeln kann, ohne Hemmnis oder Gefahr. Nun wendet sich sein Herz und Sinn nur einem zu: dem Lobpreis Gottes inmitten der feiernden Gemeine. Auch uns hat der Herr aus tiefen, gefährlichen Schluchten errettet und uns auf ebene Bahn gestellt. Sollte unser Herz den Dank vergessen? Sollte es ein begnadigtes Gotteskind geben, das es nicht zieht, im vielstimmigen Chor der Gemeine des Herrn den Gott unseres Heils zu preisen? Darum lasst uns nicht verlassen unsere Versammlungen und, wenn wir zusammenkommen, nicht träge sein, dem Herrn unsern Dank zu weihen. Jedes Gotteskind ist ein Zeuge der göttlichen Gnade und Treue und sollte mit seinem Zeugnis nicht zurückhalten. Mögen die Lästerer draußen ihr nächtliches Geheul anstimmen -- das soll die Kinder drinnen im Singen nicht stören.


Erläuterungen und Kernworte


Zum ganzen Psalm. Dieser Psalm steht in Gedanken und Worten in naher Beziehung zu dem vorhergehenden. Ziehen wir diesen nicht zur Ergänzung herbei, so könnte unser Psalm als Sprache des Hochmuts und Eigendünkels erscheinen; doch wenn wir das reumütige Sündenbekenntnis und das ernstliche Flehen um Vergebung und Gnade, das der vorige Psalm enthält, beim Lesen unseres Psalms im Gedächtnis festhalten, so wird es uns nicht anders möglich sein, als die Versicherungen Davids von seiner Unschuld so aufzufassen, dass er damit nicht sein Verdienst, sondern Gottes Gnade rühmen will. Wie Augustinus († 430) fein bemerkt: Non merita mea, sed misericordia tua ante oculos meos est, d. h.: David sagt (V. 3) nicht: mein Verdienst, sondern: deine Gnade ist vor meinen Augen. Christopher Wordsworth 1868.

V. 1. Wer eine gute Sache vertritt und ein gutes Gewissen hat, dem ein guter Wandel entspricht, der hat gute Gründe, sich auf Gott zu berufen. Ingram Cobbin 1846.

Nichts ist dem Aufrichtigen lieber zu wissen, als dass Gott ihn durch und durch kennt. Es ist ihm ein Geringes, ob die Menschen ihn verdammen; so ist es ihm auch nichts Großes, wenn sie ihn loben. Denn nicht der ist bewährt, der sich selbst lobt, oder den andere loben, sondern den der Herr lobt (2.Kor. 10,18). Die Zeugnisse und Empfehlungsbriefe aller Menschen in der ganzen Welt werden uns nichts helfen, es sei denn, dass der Herr selbst uns anerkennt. Joseph Caryl † 1673.

Als ein Beispiel der Berufung auf Gott erwähnen wir folgende Worte des gewaltigen Predigers George Whitefield († 1770): Mögen manche mich für einen Marktschreier und Schwärmer halten und sagen, ich machte euch nur methodisch 5 verrückt; mögen sie ihre Schmähungen gegen mich schleudern: Christus weiß alles, er nimmt auch das zur Kenntnis, und ich überlasse es ihm, meine Sache zu führen, denn er ist ein guter Meister. Als solchen habe ich ihn erfunden, und ich bin gewiss, dass er sich auch ferner treu erweisen wird. Die Rache ist sein, er wird Vergeltung üben (Röm. 12,19).

Ich wandle in meiner Unschuld. (Wörtl.) Zu beachten ist erstens, dass auf dem "Ich" der Ton liegt. David stellt sich schon hier, wie später in V. 11, in Gegensatz zu den Sündern und Blutmenschen. Sodann beachte man die Kraft des Ausdrucks: meine Unschuld , d. i. die mir eigene, mir gewohnte. Der Psalmsänger deutet damit an, dass er ohne Wanken in Herzenseinfalt und Lauterkeit seinen Weg gegangen sei und sich durch all die Anschläge der Feinde darin nicht habe beirren lassen. D. W. Wilson 1860.

Unschuld. Das hebräische Wort bezeichnet nach 1. Mose 20,5 f.; 1.Kön. 22,34 gänzliche Freiheit von sündiger Absicht, Charakterreinheit, Lauterkeit, Einfalt; darauf, dass er arglosen Sinnes, ohne Feindschaft zu hegen und herauszufordern, dahingegangen und unwankelbar (ohne zu wanken, adverbieller Umstandssatz, vergl. 21,8) auf Jahwe vertraut, gründet er die Bitte um Erweisung seines gekränkten Rechtes: Schaffe mir Recht . Er erklärt sich nicht selbstgerecht für sittlich vollkommen, er beruft sich nur auf die ganz und gar Gott zugewandte Grundrichtung seines Innersten. Auch ist V. 2 nicht sowohl Aufforderung, dass sich Gott von seiner Unschuld überzeuge, als vielmehr Bitte, seinen Gemütszustand zu prüfen und, wenn es nicht so sei, wie es ihm bewusst ist, dies ihm klar zu machen. (Ps. 139,23 f.) Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Ich habe auf den Herrn vertraut. Das Vertrauen auf den Herrn ist der Quell der Unsträflichkeit. Wer auf den Herrn seine Hoffnung setzt, der darf nicht durch Verletzung seiner Pflichten sein Glück suchen; er erwartet alles von oben und ist zugleich stets darauf bedacht, dass er nicht der Gnade seines himmlischen Heilandes durch Verletzung seiner Gebote verlustig werde. Prof. D. E. W. Hengstenberg 1843.

Darum werde ich nicht wanken. Das ist ein Wort starken Glaubens, womit der Psalmist eben so nachdrücklich betont, wie vollkommen Gott die Seinen bewahrt und wie sicher sie durch die aufrecht erhaltende Kraft seiner Gnade wandeln, als er vorher die Lauterkeit seines Wandels und sein Gottvertrauen bezeugt hatte. David sagt nicht nur: Ich werde nicht fallen, sondern.: Ich werde nicht wanken [Luther 1524: nicht gleiten]. Barton Bouchier 1855.

Fußnoten
4. Das Zeitwort des Grundt. heißt oft sammeln, daher die engl. Bibel hier übersetzt: Sammle nicht meine Seele mit den Sündern ein. Doch ist Luthers Übers. richtig und das mit ist zu erläutern: so wie sie hingerafft werden, nämlich in plötzlichem Verderben.

5. Anspielung auf den Namen Methodisten, mit dem man ursprünglich gewisse Ärzte alter Schule bezeichnete, den man aber dann spöttisch J. Wesley und seinen Anhänger gab, weil sie "nach der Bibel aufgestellten Methode leben wollen
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps26

Beitragvon Jörg » 12.11.2019 16:05

Erläuterungen und Kernworte

V. 2. Läutere (wörtl.: schmelze) meine Nieren und mein Herz. Wie das Gold im Feuer von den Schlacken geschieden wird, so wird die Herzenseinfalt und echte christliche Charakterreinheit am herrlichsten offenbar in Trübsal und Anfechtung. In Wohlstand und Glück kann jeder fromm scheinen; aber Trübsale bringen an den Tag, was im Herzen ist, es sei Gutes oder Böses. Robert Cawdray 1609.

Prüfe mich usw. Gott erforscht unser Inneres auch durch das Wort , und zwar so, dass dieses sich am Gewissen bezeugt. Er hat eine Leuchte in unser Inneres gegeben, und wenn diese vom Worte Gottes erleuchtet wird, macht sie unser ganzes Inneres licht. Wer redlich ist, wünscht sich ein zartes, lebendiges Gewissen, das ihn aus Gottes Wort an seine Pflichten mahne und vor jeglicher Sünde warne. Wir sehen die schnelle Wirksamkeit des Gewissens bei David, von dem es nach der Volkszählung heißt: Das Herz schlug David. (2. Samuel 24,10.) 1.Joh. 3,20 steht (nach anderer Fassung als bei Luther) das ernste Wort: Wenn unser Herz uns verdammt, so ist Gott größer als unser Herz und erkennt alle Dinge. Musst du mit deiner schwachen Erkenntnis schon dies und das als Sünde verurteilen, wie viel mehr verurteilt Gott es! So prüfe denn deine Lauterkeit. Willst du wirklich ein zartes und erleuchtetes Gewissen haben? Ist es dir wirklich lieb, zu hören, was dies Gewissen dir nach Gottes Wort sagt, sei es, dass es dir Beifall gebe oder dich mahne? Dann magst du getrost sein. Sträubst du dich aber gegen dieses Licht, möchtest du am liebsten dem Stachel des Gewissens die Spitze abbrechen, wärest du froh, kein solch lebendiges, wirksames Ding in deiner Brust zu haben, dann hast du allen Grund, dir zu misstrauen. Ach, es ist zu fürchten, dass deren nicht wenige sind, die sich den Lüsten und fleischlichen Vergnügungen hingeben, um so ihr Gewissen in Nebel zu hüllen. Andere graben sich ins Irdische ein, um sich so vor diesem Lichte zu verbergen. Wieder andere erweitern ihr Gewissen, indem sie zu Irrlehren ihre Zuflucht nehmen, welche dem Wort der Wahrheit seine zweischneidige Schärfe nehmen. Sie behaupten, dass jedermann selig werde, oder leugnen wohl gar die Schrift, Gott, Himmel und Hölle. Bei wie vielen sind solche und ähnliche Lehren nur die Zuflucht eines schuldbeladenen Gewissens! Wir müssen unterscheiden zwischen dem, wonach unser Fleisch gelüstet oder was eine irregeleitete Einbildung uns zuflüstert, und dem Gewissen; sowie zwischen einem verwirrten und verdunkelten und einem richtig unterwiesenen und erleuchteten Gewissen. Wir müssen unserem Gewissen folgen, soweit als dieses dem Worte Gottes folgt. Anthony Burgeß 1656.

V. 3. Hier sehen wir, dass die Güte oder Gnade Gottes kein Ruhekissen für die fleischliche Trägheit ist, sondern zu heiligem Eifer in gottseligem Wandel reizt. Die Verheißungen des Herrn feuern die Seele zu treuer Pflichterfüllung an und zugleich ermutigt uns die Beobachtung der göttlichen Güte gegen uns zur willigen Unterwerfung unter seine Führung. Timothy Cruso † 1697.

V. 3-4. Gottes Güte vor den Augen entleidet einem die eiteln Leute , die einem anderen nacheilen und verlassen ihre Gnade, die mit ihrer Lust und ihrer Furcht immer herum und hinum getrieben werden ohne einigen Halt an Gottes Güte. Die Wahrheit Gottes und das Wandeln in derselben scheidet einen von den Falschen , in deren Worten und Werken so viel Unzuverlässiges ist. Aber es muss einer nicht mit der ersten Scheidung davon zufrieden sein, sondern mit einem völligen Hass dagegen gewaffnet werden und sich daher desto mehr auf öffentliches Bekenntnis und Anhangen an das Gute legen, sonst kann er wieder unvermerkt betrogen werden. K. H. Rieger † 1791.

V. 4. Wer einst mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich sitzen will (Mt. 8,11), darf nicht hier auf Erden bei den eiteln Leuten sitzen. Wohl mochte David etwa genötigt sein, mit schlechten Menschen zu verkehren, aber er erwählte sie nicht zu seinem Umgang. Er fand sich manchmal unter solchen, aber zu seinem Kummer, nicht zu seiner Freude; darum blieb er auch nicht unter ihnen und mied sie ängstlich. Sie waren ihm ein Dorn im Auge. Er war darin einer Gesinnung mit dem Dichter des 120. Psalms, der da klagt: Wehe mir, dass ich ein Fremdling bin unter Mesech, dass ich wohne unter den Hütten Kedars. Es wird meiner Seele lang, zu wohnen bei denen, die den Frieden hassen. George Swinnock † 1673.

Ein gewisser Verkehr mit den Weltmenschen ist ja nötig, beim Kaufen und Verkaufen und andern Dingen, sonst müssten wir, wie der Apostel (1.Kor. 5,10) sagt, die Welt räumen; aber ein Christ soll nicht die Gesellschaft der Bösen wählen , sonderlich nicht derer, welche ihren gottlosen Wandel mit einem frommen Bekenntnis verbinden wollen. Ich habe euch geschrieben, sagt Paulus an eben jener Stelle, ihr sollt nichts mit ihnen zu schaffen haben. Darum lasst uns keinerlei vertraute Gemeinschaft mit den Bösen haben. Was tun Christi Tauben unter den Raubvögeln, was Jungfrauen unter Buhlerinnen? Die Gesellschaft der Bösen ist überaus ansteckend; sie suchen, hieße unter Pestkranke gehen. "Sie mengten sich unter die Heiden -- und lernten derselben Werke." (Ps. 106,35 .) Tust du blanke Waffen unter rostige, so werden die blanken den verrosteten keinen Glanz verleihen, wohl aber diese jene verderben. Lot bekehrte die Sodomiter nicht, wohl aber merken wir an seiner Trunkenheit und Schande den bösen Einfluss Sodoms. Thomas Watson 1660.

Mit den Falschen, wörtl.: Verhüllten, Versteckten. Die Gottlosigkeit scheut das Licht und liebt es, sich zu verhüllen und zu verstecken, während Wahrhaftigkeit und Redlichkeit gern ans Licht kommen und sich nicht vor der Untersuchung scheuen. Vergl. Hiob 24,13-17; Joh. 3,20 f. Niemand kann leugnen, dass die Aufrichtigen sich durch ihr Verhalten schon in dieser Zeit vor viel Not und Schande bewahren, denen verkehrte und trügerische Leute anheim fallen. Die Gerechten meiden die Gottlosen sowohl wegen ihrer Sünde als auch wegen des Herzeleids und Jammers, die diese sich bereiten. D. W. S. Plumer 1867.

Der Heuchler ist außen ein Engel, innen ein Teufel. Seine Worte sind brennend heiß, seine Werke leichenkalt. Er verspricht lauter Gold, aber er gibt kaum einen Pfennig. Er ist ein stinkender Misthaufe, mit glänzend weißem Schnee bedeckt; eine leer gehende Mühle, die viel Lärm macht, aber kein Mehl mahlt; eine trügerische Henne, die gackert, ohne dass sie Eier legt. Thomas Adams 1614.

Im Sonnenschein des wonnigen Lenzes, der die ganze Natur in sein liebliches grünes Gewand hüllt, seid ihr vielleicht ausgegangen, ein Sträußchen bescheidener Veilchen zu pflücken, um euch an ihrem köstlichen Duft zu laben. Da fällt euer Blick auf Blumen, die den Veilchen in Gestalt und Farbe so ähnlich sind, dass ihr euch täuschen lasst und eifrig nach dem vermeinten guten Fund greifet. Aber -- kein süßer Wohlgeruch erfüllt die Luft, das gemeine Hundsveilchen hat euch betrogen. Das ist ein treffendes Bild jener, die den Schein eines gottseligen Wesens haben, aber seine Kraft verleugnen. Und solche meide! (2.Tim. 3,5.) Frau Rogers 1856.

V. 4-5. Wie faule Äpfel die gesunden anstecken, die unter ihnen liegen, so verderben die bösen Gewohnheiten und schlechten Eigenschaften der Gottlosen die, welche mit ihnen Gemeinschaft pflegen. Robert Cawdray 1609.

Ich habe noch keinen gesehen, der das Wunder fertig gebracht hätte, dies beides zu vereinigen: Gottes Gebote halten und schlechten Umgang pflegen. Hast du deine Seele in der trauten Gemeinschaft mit deinem Gott erquickt und erwärmt, so hüte dich vor der kalten und verdorbenen Lust der Welt. Du würdest alsbald alle deine Wärme verlieren und dich schwer erkälten. Wenn das Gotteskind sich im Kämmerlein an der Liebe Gottes erquickt hat und sich später in die Gesellschaft solcher begibt, denen das göttliche Leben fremd ist, wie dämpft das den Geist Gottes! Ja, und ist es nicht wahr, dass Gottes Kinder in der Regel mehr Schaden leiden durch solche Weltmenschen, deren äußerer Wandel vor Menschenaugen ehrbar ist, als durch offenbar gottlose und ruchlose Leute? Lewis Stuckley † 1687.

V. 4.5.9. Wer sich in jener Welt nicht in der Gesellschaft der Sünder finden möchte, muss sich hüten, in dieser Welt mit ihnen Umgang zu pflegen. "Mitgefangen, mitgehangen", sagt das Sprichwort. "Herr", sagte eine Christin auf ihrem Sterbebett, als sie über ihre Seligkeit in Zweifel kam, "sende mich nicht zur Hölle mit den gottlosen Leuten, denn du weißt, dass ich all mein Leben lang nie ihre Gesellschaft geliebt habe." David bittet um Bewahrung vor dem Schicksal der Bösen auf denselben Grund hin und führt es als Beweis seiner Lauterkeit und Unschuld vor, dass er mit ihnen keine Gemeinschaft gehabt habe. "Herr, ich war den Gottlosen so wenig gewogen, dass ich auch nicht eine kleine Weile bei ihnen saß; und ich sollte auf ewig mit ihnen zusammenleben müssen? Du weißt, Herr, dass ich so fern davon war, die Gesellschaft von Übeltätern zu lieben, dass sie mir vielmehr ein Ekel war. Hasse ich nicht, Herr, die dich hassen? Ja, ich hasse sie mit vollendetem Hass. (Ps. 139,21 f.) Soll es denn deinen Freunden gehen wie deinen Feinden? Meine Freude ist es hienieden, unter deinen Kindern zu weilen; soll ich hernach von ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen sein?" Als der Irrlehrer Marcion im Jahre 155 in Rom mit Polykarp zusammentraf, wunderte er sich, dass dieser ihn keines Blickes würdigte. "Kennst du mich nicht mehr, Polykarp?" fragte er. "Ja," sagte Polykarp, "ich kenne dich, den Erstgebornen Satans". George Swinnock † 1673.

Der Hass gegen Gottes Feinde als solche, der in so schneidigem Gegensatz steht zu der als Toleranz gepriesenen Gleichgültigkeit unserer Zeit, ist stets ein unterscheidendes Merkmal der Knechte Gottes gewesen. Siehe das Zeugnis über Pinehas: Das ward ihm gerechnet zur Gerechtigkeit für und für ewiglich (Ps. 106,31). Denke an Samuel und Agag, Elia und die Baalspriester. Und beachte, wie der Herr an dem Engel der Gemeinde zu Ephesus neben seiner Geduld auch das rühmt, dass er die Bösen nicht tragen könne (Off. 2,2). John Mason Neale 1860.

Der Person halben soll ich sie lieben, aber um der Lehre willen soll ich sie hassen. Und also muss ich sie hassen oder muss Gott hassen, der da gebeut und will, dass man seinem Worte allein soll anhangen. Da ist es denn ein seliger Hass und Feindschaft, so aus der Liebe heraus gehet; denn die Liebe gehet unter dem Glauben und der Glaube ist ein Meister in der Liebe. Da sagt denn ein Christ: Ich will Gott nicht verlassen um der Menschen willen. Denn was ich mit Gott nicht lieben kann, das soll ich hassen. Wenn sie nun etwas predigen, was wider Gott ist, so geht alle Liebe und Freundschaft unter: daselbst hasse ich dich und tue dir kein Gutes. Aber wo es meine Person, auch meine Güter oder Ehre und Leibe betrifft, da soll ich ihm nichts als Ehre und Dienst erzeigen; denn dieselben Güter Gottes sind von Gott geschenkt, dass man dem Nächsten damit helfe und sind nicht Gottes Wort, und die mag man in die Schanze schlagen und anhinsetzen. Aber Gottes Wort schlage nicht in die Schanze; denn dasselbige ist unsers Herrn Gottes. Da sprich: Ich will gerne verlassen, was ich habe von Gott, das mir um deinetwillen gegeben ist; aber was Gottes selbst ist und was unserm Herrn Gott zustehet, das will ich nicht verlieren noch fahren lassen. Und gebe ich dir meine zeitlichen Güter, so kann mir Gott wohl andere geben; aber Gott will ich für mich behalten. Martin Luther 1525.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps26

Beitragvon Jörg » 17.11.2019 11:43

Freundschaft ist, nach einem Philosophenwort, eine Seele in zwei Körpern. Wie können solche je ein Herz und eine Seele sein, die so verschieden sind wie Himmel und Erde, so entgegengesetzt wie Feuer und Wasser? Wahre Liebe liebt den Nächsten um des Göttlichen willen, das in ihm ist, so dass, wer Gott nicht liebt, auch den Nächsten nicht wahrhaft lieben kann. Der einzig sichere Grund, auf dem wir Freundschaft aufbauen können, ist Gott, und das Gebäude, das dieses Grundes entbehrt, kann niemals standhalten. Ein gottloser Mensch mag seine Freundschaftsversicherungen Liebe nennen; aber von Heiden können wir uns sagen lassen, dass die Tugend allein die Hand ist, welche die Bande der Liebe knüpft, und dass alle andern Bündnisse im letzten Grunde nur Geheimbündnisse der Selbstsucht sind. George Swinnock † 1673.

Wie wenige bedenken, wie sie gottlose Leute dadurch, dass sie mit ihnen vertrauten Umgang pflegen, verhärten, während, wenn sie sich von ihnen zurückzögen, dies ein Mittel sein könnte, sie zur Einkehr zu bringen. Wenn wir mit Weltleuten fröhlich und lustig sind, bestärken wir sie in dem Glauben, ihr Zustand sei nicht beklagenswert und sie befänden sich nicht in Gefahr; würden wir dagegen vor ihnen zurückweichen wie vor einer hängenden Mauer, solange sie Feinde des Herrn sind, so könnte sie dies aus ihrer unheilvollen Sicherheit und dem starken Selbstbetrug, worin sie befangen sind, aufrütteln. Lewis Stuckley † 1687.

V. 6. Ich wasche meine Hände in Unschuld. Es scheint klar, dass David damit auf die feierlichen Waschungen anspielt, die unter dem Gesetz in Übung waren. Indem er aber hinzufügt: in Unschuld , tadelt er den groben Aberglauben der Heuchler, die nur die äußerliche Reinigung durch Wasser suchten und die wahre Reinigung vernachlässigten, während es Gottes Absicht war, durch die Verordnung des äußeren Zeichens die Menschen an ihre innere Befleckung zu erinnern und sie so zur Buße zu bewegen. Jean Calvin † 1564.

Als Gotthold des Morgens Wasser nahm, erinnerte er sich der Worte des königlichen Propheten: Ich wasche meine Hände mit Unschuld (Ps. 26,6), damit er anzeigt, wie geflissen er gewesen sei, einen unbefleckten Wandel zu führen und in steter Gottesfurcht einherzugehen, und sagte bei sich selbst: Mein Gott! - so oft ich künftig werde Wasser nehmen, mich früh morgens, vor oder nach Tisch zu waschen, so will ich mich des erinnern, dass ich müsse meine Hände von bösen Taten, meinen Mund von bösen Worten und mein Herz von sündigen Begierden und bösen Lüsten reinigen, auf dass ich möge heilige Hände zu dir aufheben (1.Tim. 2,8) und dich mit gottseligem Munde und unbeflecktem Herzen, so viel möglich ist, anbeten und preisen. Was hilft’s, wenn ich mich äußerlicher Reinlichkeit befleißige und mein Herz vor dir voller Gräuel ist? Wie kann mir der Bissen gedeihen, den ich mit unreinen Fäusten erworben, mit Frevel und Ungerechtigkeit zu nur gerissen und mit Sicherheit und Undankbarkeit meinem Munde geboten habe? Ach nein, mein Gott, mir nicht solche Bissen! Meine erste Sorge soll sein, dass ich meinen Wandel unbefleckt behalten möge, die nächste, wie ich, wenn ich aus Unvorsichtigkeit mich beschmutzt, mich wieder waschen, reinigen und mein böses Wesen von deinen Augen tun möge. Entsündige mich, mein Gott, dass ich rein werde; wasche mich, dass ich schneeweiß werde. (Ps. 51,9.) -- Aus Gottholds zufälligen Andachten, von Christian Scriver 1761.

V. 8. Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses. Ich hatte in meiner Gemeinde, erzählt ein gesegneter Diener am Wort, eine ehrwürdige betagte Frau, die seit vielen Jahren schon so taub war, dass sie auch den lautesten Ton nicht unterscheiden konnte, und die doch stets als eine der ersten in der Versammlung erschien. Als ich sie fragte, warum sie denn beständig in die Gottesdienste komme (da es ihr doch ganz unmöglich war, meine Stimme von der Kanzel zu vernehmen), antwortete sie: "Wiewohl ich Sie nicht hören kann, komme ich, weil ich Gottes Haus lieb habe und in Gottes Wegen erfunden werden möchte. Und der Herr gibt mir gar manchen lieblichen Gedanken über den Text, den man mir in der Bibel zeigt. Ein anderer Grund ist der, dass ich dort in der besten Gesellschaft bin, in der unmittelbareren Gegenwart Gottes und unter den Heiligen, den Herrlichen, an denen ich all mein Gefallen habe (Ps. 16,3). Es genügt mir nicht, im Kämmerlein Gott anzubeten; es ist meine Pflicht und mein Vorrecht, ihn regelmäßig im öffentlichen Gottesdienst zu ehren." Wie beschämend ist doch das für solche, die ihr Gehör haben, und doch stets zu spät oder gar nicht in den Gottesdiensten erscheinen! K. Arvine 1859.

V. 9. Raffe meine Seele nicht hin mit den Sündern usw. Sogar die Gottlosen selber haben einen Schrecken davor. Ein gottloser Bileam sagt: Meine Seele müsse sterben des Todes der Gerechten und mein Ende werde wie dieser Ende! (4. Mose 23,10 .) Wenn sie es auch zufrieden sind, mit den Sündern in diesem Leben zusammen zu sein, so zeigt doch ihr Gewissen, dass sie einen Schreien davor haben, im Tode ihr Los zu teilen. Sie möchten mit den Sündern leben, aber mit den Heiligen sterben; ein armseliger, unvernünftiger, sich selbst richtender Gedanke. Thomas Boston † 1732.

V. 10. Deren Rechte von Bestechung voll ist. Mag ein Richter noch so tiefe Gesetzeserkenntnis haben und noch so klar sehen, was die Gerechtigkeit fordert, so werden seine Augen, wenn er es duldet, dass man ihm den Staub der Bestechung ins Angesicht wirft, tränen und zwinkern und schließlich der Blindheit anheim fallen. Es ist doch ein jämmerlich Ding, wenn die Gerechtigkeit zum Mietgaul gemacht wird, den man ums Geld besteigen und mit goldnen Sporen zu dem erwünschten Ziele, zu Ungerechtigkeit und Rechtsverdrehung, hintreiben kann! Fern sei von uns solche Gottlosigkeit, dass das Ohr, das für die Klagen der Unterdrückten stets offen sein soll, sich verstopfen lassen sollte. Wehe uns, dass die Wahrheit sich jetzt eines goldnen Ohrlöffels bedienen muss, wenn sie sich Gehör verschaffen will! Thomas Adams 1614.

Homiletische Winke


V. 1. 1) Zwei unzertrennliche Gefährten: Glaube und Lauterkeit des Wandels. 2) Das Glück dessen, der sie besitzt: Er braucht weder Gottes Gericht, noch die Gefahren der Erdenmallfahrt zu fürchten. 3) Das alteinige Mittel, sie zu erlangen.
V. 1b. Im Glauben unsre Stärke.
V. 2. Gottes Prüfungen: mannigfaltig, ernst, eindringend, unfehlbar in ihren Ergebnissen. Wer darf sie begehren? Wer hat sie zu scheuen?
V. 3. Gottes Gnade die Lust unsrer Augen, seine Wahrheit die Richtschnur unserer Füße. Oder: Das beschauliche und das tätige Element des Christenlebens.
V. 3a. Es wäre gut, wenn auch wir die Güte des Herrn allezeit vor Augen hätten: 1) als Gegenstand des Nachsinnens: 2) als Quelle der Ermutigung; 3) als Antrieb zum Preise Gottes; und 4) als Vorbild zur Nachahmung. William Jay † 1853.
V. 4. Eitle Leute: Wer sind sie? Warum sind sie zu meiden? Was wird aus ihnen werden? -- Falsche: Beschreibe dies zahlreiche Geschlecht. Zeige die Ziele, die sie verfolgen, das Unheil, das ihr schlimmer Einfluss unter den Gläubigen anrichtet, die Notwendigkeit, sie zu meiden, und ihr schreckliches Ende.
V. 5. Schlechte Gesellschaft . Zeige an Beispielen ihren verderblichen Einfluss; beantworte die Entschuldigungen, womit manche die Gemeinschaft mit den Bösen beschönigen; warne, und mache mit Nachdruck die Gründe zum Aufgeben solcher Verbindungen geltend.
V. 6. Wie unerlässlich die persönliche Heiligung zu einem Gott wohlgefälligen Gottesdienst sei.
V. 7. Dass ich hören lasse usw. Gottes Kinder haben eine gelöste Zunge. Von wem und was für Dingen reden sie am liebsten? Vom Herrn und seinen Wundern. Wie? Mit der Stimme des Lobgesangs.
V. 8. Das Haus Gottes. Warum lieben wir es? Was lieben wir daran? Wie zeigen wir diese Liebe? Und wie wird sie belohnt?
V. 9. Des Frommen Schrecken vor der Hölle der Sünder.
V. 11. Ich wandle unschuldig -- sei mir gnädig. Auch der Beste bedarf der Gnade, oder: Der offenbare Wandel vor den Menschen und der verborgene Wandel vor Gott.
V. 12a. Mein Fuß geht richtig. Des Gläubigen Weg ein seliger Weg. 1) Es ist ein sicherer Weg; 2) man geht ihn getrost und freudig in Gottes Kraft; 3) sein Ziel ist herrlich.
V. 12b. Der Lobpreis des Herrn in der Gemeinde. Wer kann darin einstimmen? Die Antwort deckt sich mit derjenigen auf die Frage: Wen treibt es dazu?
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps27

Beitragvon Jörg » 19.11.2019 16:14

PSALM 27 (Auslegung & Kommentar)



Überschrift

(Ein Psalm) Davids. Auf die Zeit der Abfassung lässt sich aus der Überschrift kein Schluss ziehen. Der Inhalt aber zeigt, dass der Verfasser von Feinden verfolgt wurde, V. 2. 3, vom Hause des Herrn ausgeschlossen war, V. 4, im Begriff stand, von Vater und Mutter zu scheiden, V. 10, und unter Verleumdungen litt, V. 12 . Trifft dies nicht alles zusammen in der Zeit, da Doeg, der Edomiter, bei Saul wider David sprach? Der Psalm ist ein Lied freudiger Hoffnung, so recht geeignet für solche Seelen, die in Trübsal sind, aber eben im Leiden gelernt haben, sich auf den Arm des Allmächtigen zu stützen. Der Psalm kann in dreifacher Weise aufgefasst werden: als die Sprache Davids, der Gemeine Gottes und des Herrn Jesus. Der Reichtum der Schrift wird dann umso herrlicher ins Licht treten.

Einteilung

Der Dichter drückt zuerst seine gewisse Zuversicht zu seinem Gott, V. 1-3, und seine Liebe zu der Gemeinschaft mit ihm aus, V. 4-6. Dann wendet er sich zum Gebet, V. 7-12 , und schließt mit einem Bekenntnis der Kraft, mit der sein Glaube ihn aufrecht erhalten, und mit einer Mahnung an andere, seinem Beispiel zu folgen.

Auslegung

1. Der Herr ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten!
Der Herr ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen!
2. So die Bösen an mich wollen,
mein Fleisch zu fressen,
meine Widersacher und Feinde, 1
müssen sie anlaufen und fallen.
3. Wenn sich schon ein Heer wider mich legt,
so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht.
Wenn sich Krieg wider mich erhebt,
so verlasse ich mich auf ihn.


1. Der Herr ist mein Licht und mein Heil. David lebte in persönlicher Gemeinschaft mit Gott; das kommt auch hier wieder zum Ausdruck: mein Licht, mein Heil. Und weil seine Seele dessen versichert war, spricht er es auch frei aus. Mein Licht: Bei der neuen Geburt hat sich in die Seele göttliches Licht ergossen als der Vorbote des Heils. Wo es an Licht mangelt, die eigene Finsternis zu sehen und nach dem Herrn zu verlangen, da fehlt noch der Erweis des neuen Lebens. Das Heil findet uns im Finstern, aber es lässt uns nicht darin. Es gibt Licht denen, die im Todesschatten sitzen. Nach der Bekehrung ist unser Gott unsre Freude, unser Trost, unser Führer und Lehrer, kurz, in jeder Hinsicht unser Licht. Sein Licht ist drinnen in unserm Herzen, sein Licht rings um uns her; sein Licht ist’s, das von uns ausstrahlt, und er offenbart sich uns in seiner Lichtherrlichkeit. Merke, es heißt nicht nur: Der Herr gibt Licht, sondern: Er ist mein Licht; nicht nur: Er verleiht Heil, sondern: Er ist mein Heil. Wer im Glauben Gott als seinen Gott erfasst, hat alle Bundessegnungen im Besitz. Nicht jedes Licht ist die Sonne, die Sonne aber ist der Urquell alles Lichts. Aus der festgestellten Tatsache, dass Jahwe sein Licht ist, zieht der Psalmist nun eine Folgerung und zwar in Form einer Frage: Vor wem sollte ich mich fürchten ? Diese Frage beantwortet sich selbst. Wir brauchen die Mächte der Finsternis nicht zu fürchten; denn der Herr, unser Licht, macht sie zunichte. Und vor der Verdammnis der Hölle brauchen wir nicht zu erzittern; denn der Herr ist unser Heil. Dies ist eine Herausforderung völlig anderer Art als die des prahlerischen Goliath, denn sie ruht auf einem völlig anderen Grund: nicht auf der trügerischen Stärke des fleischlichen Arms, sondern auf der wirklichen Kraft des allmächtigen Jahwe. Der Herr ist meines Lebens Kraft, oder wörtlich: die Feste oder Schutzwehr meines Lebens . Noch ein drittes Kraftwort. Des Dichters Hoffnung ist mit einer dreifachen Schnur befestigt, die nicht reißen kann. Wir dürfen wohl die Ausdrücke der Lobpreisung häufen, wo der Herr eine so überreiche Fülle von Gnaden spendet. Unser Leben empfängt alle seine Kraft von dem, der es geschaffen hat, und wenn es ihm gefällt, uns stark zu machen, so können uns alle Ränke des Feindes die Kraft nicht rauben. Vor wem sollte mir grauen? Die kühne Frage schaut sowohl in die Zukunft als auch in die Gegenwart. Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein, sei es jetzt oder künftig?

2. Dieser Vers erinnert an eine vorausgegangene Errettung 2 und zeigt uns, wie wir uns unsere Erfahrungen dazu dienen lassen sollen, in Zeiten der Anfechtung den Glauben zu stärken. Jedes Wort ist lehrreich. Es ist ein gutes Zeichen, wenn die Bösen uns hassen. Wären unsere Feinde gottesfürchtige Menschen, so würde uns das ein schwerer Kummer sein; der Gottlosen Hass aber ist uns besser als ihre Liebe. Meine Feinde und Widersacher. Es gab ihrer viele und sie waren verschiedener Art; aber einmütig waren sie darin, Unheil zu stiften, und ihr Hass war tief gewurzelt. Da sie an mich wollten, sich zum Ansturm rüsteten, um auf das Opfer loszustürzen, wie der Löwe auf seine Beute. Mein Fleisch zu fressen. Wie Kannibalen wollten sie ihm den Garaus machen, ihn Glied um Glied zerreißen und ihrer Bosheit Genüge tun. Den Feinden unsrer Seele fehlt es nicht an Blutgier. Sie kennen keine Nachsicht und sollten auch ihrerseits keinen Pardon erhalten. Siehe, in welcher Gefahr David war, der Übermacht zahlreicher, mächtiger und grausamer Feinde preisgegeben! Und doch sehen wir ihn in voller Sicherheit und sie daniederliegen. Sie sind angelaufen und gefallen. Gottes Odem blies sie um. Es lagen Steine im Wege, mit denen sie nie gerechnet hatten, und über diese sind sie schmählich gestolpert. Sie strauchelten und fielen: Das geschah buchstäblich in Gethsemane, als die, welche den Herrn zu greifen kamen, zurückwichen und zu Boden stürzten. Und in dieser Unüberwindlichkeit war Jesus das Vorbild aller ringenden Gläubigen. Wer aus dem Heiligtum des Gebets in den Kampf geht, vor dem müssen die Feinde weichen und zu Boden fallen.

3. Wenn sich schon ein Heer wider mich legt, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht. Vor dem wirklichen Kampf, solange die Schlacht noch bevorsteht, ist das Herz des Kriegers im Bangen der Erwartung sehr geneigt, sich beunruhigen zu lassen. Der Feind, der sich um uns her lagert, flößt uns oft größere Furcht ein, als derselbe Feind im wirklichen Kampf. Der Dichter (Edw. Young † 1765) redet von solchen, "die tausend Tode schmecken in der Furcht des einen". Unzweifelhaft ist der Schatten eines gefürchteten Unglücks für zaghafte Gemüter eine ergiebigere Quelle der Leiden als das Unglück selbst. Der Glaube aber stärkt den Mut und schleudert kühn die Hefen aus dem Becher der Angst zum Fenster hinaus. Wenn sich Krieg wider mich erhebt, so bin ich dennoch getrost. 3 Wenn es zum wirklichen Speerstoß kommt, so wird der Schild des Glaubens den Stoß auffangen; und sollte der erste Strauß nur der Anfang eines Krieges sein, so wird doch des Glaubens Banner wehen, dem Feinde zum Trotz. Und mag eine Schlacht der andern folgen und ein Feldzug dem andern, so entmutigt den Glaubenshelden die lange Dauer des Streites dennoch nicht. Lieber Leser, dieser dritte Vers ist der tröstliche und folgerichtige Schluss aus dem zweiten: die Glaubenszuversicht ist ein Kind der Erfahrung. Bist du aus großen Gefahren errettet worden? Dann pflanze deine Fahne auf, wache an deinem Lagerfeuer und lass den Feind ruhig sein Ärgstes versuchen.

Fußnoten
1. Bei diesem Vers sind die Versglieder, abweichend von der Lutherbibel, in der Ordnung des Grundtextes gegeben, um den Parallelismus nicht zu verwischen.

2. So nach der engl. Übers.: Da die Bösen sich an mich machten ..., strauchelten und fielen sie. Ebenso Luther 1524. Doch wird es richtiger sein, die beiden Perfekta: Sie sind gestrauchelt und gefallen, so wie Luther es später gefasst hat, als Sprache des Glaubens anzusehen, der auf Grund der Erfahrungen und Verheißungen den Sturz der Feinde im Voraus als vollendete Tatsache ansieht. -- Zu beachten ist, dass der Grundtext das "sie" hervorhebt: sie (nicht ich).

3. Luthers schöne spätere Übersetzung "so verlasse ich mich auf ihn" ist zu frei; das sächliche t)ÆzbI: kann sich nicht auf Gott beziehen. Möglich ist die Übersetzung Luthers 1524 und anderer: So verlasse ich mich darauf, nämlich auf die in V. 1 genannten Tatsachen. Das Einfachste ist aber doch, x+b absolut zu nehmen im Sinne von getrost sein (vergl. z. B. Spr. 11,15) und t)zb (wie 3. Mose 26,27) mit dabei = trotzdem, dennoch zu übersetzen: So bin ich dennoch getrost.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps27

Beitragvon Jörg » 26.11.2019 17:26

4. Eins bitte ich vom Herrn,
das hätte ich gerne:
dass ich im Hause des Herrn bleiben möge
mein Leben lang,
zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn,
und seinen Tempel zu betrachten.
5. Denn er deckt mich in seiner Hütte
zur bösen Zeit,
er verbirgt mich heimlich in seinem Gezelt,
und erhöhet mich auf einem Felsen;
6. und wird nun erhöhen mein Haupt über meine Feinde,
die um mich sind;
so will ich in seiner Hütte Lob opfern,
ich will singen und Lob sagen dem Herrn.

4. Eins bitte ich oder (Luther 1524) habe ich gebeten. Geteilte Bestrebungen führen zu Zerstreuung, Schwäche und Misslingen. Wer ein Buch liest, der lernt etwas; der Mann, der einen Zweck im Auge hat, ist erfolgreich. Mögen sich alle unsre Neigungen in eine zusammenfassen und diese eine sich auf die himmlischen Dinge richten. Vom Herrn , -- das ist die rechte Zielscheibe für unsere Wünsche, der tiefe, klare Brunnen, in den wir unsern Schöpfeimer hineintauchen mögen; dies ist die Tür, an der wir pochen, dies die Bank, auf die wir unsre Wechsel ziehen sollen. Bittest du Menschen, so magst du im Kot der Gasse liegen, wie der arme Lazarus; bittest du Gott, so werden dich die Engel tragen in Abrahams Schoß. Unser Flehen zum Herrn sollte geheiligt, demütig, beständig, ergeben und inbrünstig sein und wohl uns, wenn alle unsere Bitten, wie bei dem Psalmsänger, in eine zusammenschmelzen. Man könnte von David in seiner peinvollen Lage erwarten, dass er Ruhe, Sicherheit und tausend andre gute Dinge begehren würde. Doch nein, er hat sein Herz an eine köstliche Perle gehängt und verzichtet auf alles andere. Das hätte ich gerne. Das ist aber nicht als müßiges Wünschen zu verstehen; denn solches Wünschen füllt keinen Sack, wie schon ein altes Sprichwort sagt. Nein, David erbat es vom Herrn, wie er es soeben ausgesprochen, und worum er bat, das erstrebte er auch von ganzem Herzen; er betete darum mit der ganzen Inbrunst des Verlangens und er trachtete danach, es zu erlangen, wie er es mit diesem Worte ausdrückt: Danach verlange ich, oder: danach (allein) will ich trachten . (Wörtlich.) Heilige Wünsche müssen zu entschlossenem Handeln führen. Wünsche sind Saatkörner, die auf den fruchtbaren Acker der Tätigkeit ausgestreut werden müssen; sonst bringen sie keine Ernte. Wir können es zur Genüge erfahren, dass unsere Wünsche wie Wolken ohne Regen sind, wenn ihnen nicht tatkräftiges Streben folgt. Dass ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang. Um der Gemeinschaft mit dem König willen sehnte sich David, allezeit im Königspalast zu bleiben. So wenig wurde er je der Gottesdienste in dem heiligen Zelt müde, dass es sein Wunsch war, sein ganzes Leben lang sich an ihrer Feier erfreuen zu können. Vor allem wünschte er dem Haushalt Gottes anzugehören, als Kind des Hauses, das daheim bei dem Vater lebt. Das ist auch unser innigster Wunsch; nur dass wir ihn auf jene Tage unseres unsterblichen Lebens ausdehnen, die noch nicht erschienen sind. Wir haben Heimweh nach dem Vaterhaus droben, nach der Heimat unsrer Seele. Dürfen wir nur dort auf ewig bleiben, so sorgen wir uns wenig um die Güter oder die Übel dieses armen Lebens. "Jerusalem droben, von Golde erbaut" -- sie ist’s, die das Sehnen unseres Herzens gefangen hält. Zu schauen die Lieblichkeit des Herrn. (Wörtl. 4 Wahrlich, eine herrliche Aufgabe für die wahren Anbeter Gottes im Himmel und auf Erden! Wir sollen in die Versammlungen der Gläubigen nicht kommen, um zu sehen und uns sehen zu lassen oder nur den Prediger zu hören; sondern wir sollen in der Gemeinde des Herrn mit dem herzlichen Verlangen erscheinen, von dem Vater, der die Liebe ist, von dem verklärten Erlöser und von den Geheimnissen des Geistes Gottes mehr zu hören, um so den Gott der Herrlichkeit, der unser Gott sein will, immer besser kennen zu lernen und ihn desto mehr in Liebe bewundern, in Ehrfurcht anbeten zu können. Wie köstlich ist das Wort: die Lieblichkeit oder Schönheit des Herrn! Denke darüber nach, lieber Leser; vielmehr: schaue sie an im Glauben! Was für ein Anschauen wird das sein, wenn jeder gläubige Nachfolger Jesu "den König sehen wird in seiner Schöne". (Jes. 33,17.) Und nachzusinnen in seinem Tempel. (Grundt. 5 Der Zweck unserer Zusammenkünfte im Hause Gottes sollte sein, nachdenkend zu suchen und zu forschen. Den wahren Anbetern Gottes im Alten Bunde war es eine Lust, sich sinnend in die tiefbedeutsamen Vorbilder der alttestamentlichen Haushaltung zu versenken und den darin verborgenen Gottesgedanken nachzuforschen. Auch wir, die wir die volle Offenbarung haben, sollen forschen nach dem Willen Gottes und wie wir ihn ausrichten mögen, nach unserem Erbteil in der himmlischen Stadt und wie wir desselben gewisser werden können. Im Himmel werden wir nicht mehr zu forschen brauchen; denn dort werden wir erkennen, gleichwie wir erkannt sind (1.Kor. 13,12). Aber bis dahin sollten wir zu Jesu Füßen sitzen und alle Kräfte, die Gott uns gegeben hat, anspannen, um tiefer in die Wahrheit einzudringen.

5. Denn er birgt mich (bei ihm als) in einer 6 (Schutz-) Hütte am Unglückstag . (Wörtl.) Dieser Vers gibt einen triftigen Grund für das Verlangen des Psalmisten nach Gemeinschaft mit Gott an: Er weiß sich dadurch in der Stunde der Gefahr gesichert. Denn in der Zeit der Not, da andere mich verlassen, wird er mir sichere Zuflucht gewähren auch in der dringendsten Gefahr. Das königliche Zelt stand stets inmitten des Heeres und rund um dasselbe hielten die Bewaffneten zu allen Stunden Wacht. So ist der Gläubige in der Königsmacht Gottes, die nimmer wanken kann, friedlich geborgen und zwar nicht so, dass er sich eingeschlichen hätte, sondern er ist durch den König selbst geborgen. Er verbirgt mich heimlich in seinem Gezelt. Auch die Unantastbarkeit des Heiligtums muss der Königsmacht helfen, die Auserwählten vor Schaden zu beschützen. Bei Todesstrafe durfte niemand das Allerheiligste betreten. Hat der Herr nun dort die Seinen geborgen, welcher Feind wird es dann wagen, sie dort zu belästigen? Und erhöhet mich auf einem Felsen. Unwandelbarkeit, Ewigkeit und unermessliche Macht kommen zu der königlichen Gewalt und zu der Unverletzlichkeit des Heiligtums hinzu. Wie selig ist der Stand des Menschen, den Gott selbst über seine Feinde erhöht, indem er ihn auf einen unbezwinglichen Felsen emporhebt, der nie erstürmt werden kann! Wohl mögen wir wünschen, bei dem Herrn zu wohnen, der sein Volk so wirksam beschützt.

6. So wird denn nun mein Haupt sich erheben über meine Feinde, die um mich sind. (Grundt.) Der Psalmsänger ist dessen völlig gewiss. Die Gottesmänner der alten Zeit beteten im Glauben und zweifelten nicht; darum redeten sie von der Erhörung ihrer Gebete als von einer gewissen Sache. David war im Glauben des glorreichen Sieges über alle, die ihn bedrängten, so gewiss, dass er in seinem Herzen erwog, was er tun werde, wenn nun seine Feinde vor ihm am Boden lägen. Was David sich vornimmt, ist ihm von der Dankbarkeit eingegeben. So will ich in seiner Hütte Lob opfern, wörtl.: Opfer jauchzenden Dankes opfern . Die Stätte, nach der er sich im Kampfe sehnte, sollte bei seiner triumphierenden Heimkehr seine dankbare Freude sehen. Er redet nicht von Freudenfesten, die in seinem Palast gefeiert werden sollen, und von üppigen Gastmählern in seinen Prunksälen, sondern heilige Freude erwählt er als die schicklichste für eine so göttliche Befreiungstat. Ich will singen und spielen (Grundt.) dem Herrn . Das ist der natürlichste Ausdruck der Dankbarkeit. Mag schweigen, wer will: Der Gläubige muss und will, wenn sein Gebet erhört ist, auch sein Lob erschallen lassen. Und singe, wer will, von den Eitelkeiten der Welt: Der Gläubige weiht seinen Gesang dem Herrn allein.

Fußnoten
4. So heißt der Grundtext allerdings wörtlich. Was ist aber der Sinn? Spurgeon versteht darunter die geistig sich zu schauen gebende Schönheit des Wesens des Herrn. Bei solch unmittelbar persönlicher Fassung läge es aber näher, mit Delitzsch speziell an die Freundlichkeit des Herrn zu denken, die Ps. 90,17 mit diesem Wort bezeichnet wird. Die meisten Ausleger denken mit Luther an die Lieblichkeit oder Schönheit der Gottesdienste, in denen sich Gottes Wesen widerspiegelt.

5. rqb piel: untersuchen, nachdenken. Die Übers. ist verschieden, je nachdem man b mit Luther als Objektbezeichnung aussaßt: und seinen Tempel zu betrachten (und zwar mit Lust, vergl. b hzx im vorhergehenden Versglied), oder rqb absolut nimmt im Sinn des forschenden Nachdenkens und b den der Andacht geweihten Ort bezeichnen lässt: und in seinem Tempel nachzusinnen (Hengst., Delitzsch, Spurgeon).

6. Die Übers. Luthers "in seiner Hütte" beruht aus dem Keri; doch ist wohl eher wie 31,21 hkIfsubI: zu lesen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps27

Beitragvon Jörg » 30.11.2019 14:01

7. Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und erhöre mich!
8. Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein
Antlitz suchen.
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
9. Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
und verstoße nicht im Zorn deinen Knecht;
denn du bist meine Hilfe. Lass mich nicht,
und tu nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil!
10. Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich;
aber der Herr nimmt mich auf.
11. Herr, weise mir deinen Weg,
und leite mich auf richtiger Bahn um meiner Feinde willen.
12. Gib mich nicht in den Willen meiner Feinde;
denn es stehen falsche Zeugen wider mich und tun mir
Unrecht ohne Scheu.

7. Herr, höre. Der Pendel des geistlichen Lebens schwingt zwischen Flehen und Lobpreisung. Die Stimme, die sich im letzten Verse zum Lobgesang erhob, wendet sich hier wieder zur Klage. Als ein wackerer Kriegsmann wusste David seine Waffen zu führen und die Waffe des stetigen Gebets war ihm die handlichste. Wie liegt es ihm doch an, gehört zu werden! Der Pharisäer kümmert sich nicht im Mindesten darum, ob Gott ihn höre, solange er nur von den Menschen gehört wird oder er seinem Hochmut mit den lauten Andachtsübungen schmeicheln kann. Dem rechten Beter dagegen ist alles an Gottes Ohr gelegen. Mit meiner Stimme, d. i. laut, rufe ich. (Grundt.) Die Not legt sich ihm so aufs Herz, dass er nicht anders kann, als laut zu Gott schreien. So sei mir denn gnädig. (Grundt.). Die Gnade ist die Hoffnung der Sünder und die Zuflucht der Heiligen. Alle wahren und gottgefälligen Beter legen auf sie den höchsten Wert. Und erhöre mich! Wir dürfen Erhörung unsrer Gebete erwarten und sollten uns ohne sie so wenig zufrieden geben, als wenn wir in wichtiger Angelegenheit an einen Freund geschrieben und keine Antwort erhalten hätten.

8. (Weil du sagst:) "Ihr sollt mein Antlitz suchen", spricht mein Herz zu dir: Dein Antlitz, Herr, suche ich, oder: will ich suchen. (Andere Übersetzung. 7 Möchten wir, dass der Herr auf unsre Stimme höre, so müssen wir Sorge tragen, auf seine Stimme zu antworten. In einem aufrichtigen Herzen sollte Gottes Wille widerhallen, wie die Felsen der Alpen die Klänge des Alphorns wiedergeben. Man achte darauf, dass der Befehl in der Mehrzahl, also an alle Heiligen, ergangen war: "Ihr sollt mein Antlitz suchen", der Mann Gottes ihn sich aber persönlich zueignete: "Dein Antlitz, Herr, will ich suchen . Dein Wort hat mein Herz, mein innerstes Wesen, zu einer gehorsamen Antwort bewegt. Man achte darauf, wie rasch die Antwort erfolgte. Gott spricht: "Sucht mein Antlitz "; David antwortet ohne Zögern: "Ich will dein Antlitz suchen." Ach, dass diese Bereitwilligkeit zu glauben häufiger wäre! O wären wir formbarer in Gottes Hand, empfänglicher für die Berührung des göttlichen Geistes!

9. Verbirg dein Antlitz nicht vor mir. Der Befehl, Gottes Angesicht zu suchen, würde eine Grausamkeit sein, wenn der Herr sich der suchenden Seele entziehen und es ihr dadurch unmöglich machen wollte, ihn zu finden. Ein Gnadenblick des Herrn ist die größte Erquickung, sein Missfallen das größte aller nur denkbaren Übel. Verstoße nicht im Zorn deinen Knecht. Andere Knechte waren verstoßen worden, wenn sie sich als treulos erwiesen, so ja auch z. B. Davids Vorgänger Saul; und dies machte den David, der sich mancher Verfehlungen bewusst war, ängstlich besorgt, dass Gott ihm doch nach seiner Langmut seine Gnade erhalten möge. Wir haben oft im gleichen Gefühl unsrer Unwürdigkeit Anlass zu demselben Gebet. Du bist meine Hilfe (geworden, oder: von jeher gewesen, Grundt.). Wie dürfen wir in dies Bekenntnis von Herzen mit einstimmen! Viele Jahre hindurch hat unser Gott uns in mancherlei Anfechtungen aufrechterhalten. Darum müssen und wollen wir aussprechen, was wir ihm schuldig sind. Undank, sagt man, sei dem gefallenen Menschen natürlich; aber unnatürlich und verabscheuungswürdig ist er für den geistlichen Menschen. Verwirf mich nicht und verlass mich nicht. Eine Bitte, aufs Zukünftige gerichtet, die zugleich eine Begründung derselben aus der Vergangenheit enthält. Wäre es des Herrn Sinn, uns zu verlassen, warum hätte er dann sein Werk in uns angefangen? Die frühere Hilfe wäre lediglich vergeudete Mühe, wenn die Seele nun preisgegeben würde. Die Bitten können sich auf beides, auf Davids augenblickliche Not und auf seine Angst vor der endgültigen Entziehung der Gnade, beziehen. Gegen beides muss das Gebet sich richten. Und was das Zweite betrifft, so haben wir unwandelbare Verheißungen, auf die wir uns berufen dürfen. Gott meines Heils: ein köstlicher Gottesname, wohl wert, dass man ihm nachsinne.

10. Wenn mein Vater und meine Mutter mich verlassen. (Andere Übers. 8 Diese meine Teuersten werden die letzten sein, die mich verlassen. Aber wenn auch selbst in ihrem Herzen der Quell menschlicher Liebe vertrocknen würde, so gibt’s einen Vater, der keins seiner Kinder je vergessen kann. Einige der größten unter den Heiligen sind in der Tat von ihren Familien ausgestoßen und verfolgt worden um der Gerechtigkeit willen. So wird der Herr mich aufnehmen. (Andere Übers.) Er wird meine Sache zu der seinigen machen, mich aus meinen Schmerzen aufrichten, mich in seine Arme nehmen, mich über meine Feinde erheben und zuletzt in seine ewigen Wohnungen aufnehmen.

11. Herr, weise mir deinen Weg. Er bittet nicht, dass ihn sein eigener Weg freigegeben werde, sondern er begehrt Unterweisung über den Weg, den er nach dem Willen des gerechten Gottes wandeln soll. Dies Gebet beweist ein demütiges Bewusstsein der eigenen Unwissenheit, große Gelehrigkeit des Geistes und freudigen Gehorsam des Herzens. Leite mich auf ebenem Pfad. (Wörtl.) Er sucht außer der Belehrung auch tatkräftige Leitung. Was uns Not tut, ist nicht allein eine Karte des Weges, sondern ein Führer, der uns auf der Wanderung beisteht. Es geht dem Psalmisten darum, auf offenem, ehrlichem, gerade zum Ziel führendem Wege zu wandeln, im Gegensatz zu den versteckten, gewundenen, gefährlichen Wegen der Arglist. Redliche Menschen haben selten Erfolg mit ihren Spekulationen und zweideutigen Unternehmungen. Schlichte Einfalt ist die beste Gesinnung für einen Erben des Himmels. Überlassen wir die Ränke und Schliche und weltlich klugen Kunstgriffe den Bürgern dieser Welt, -- das neue Jerusalem braucht schlichte Menschen als Bürger. Um meiner Feinde willen. Diese werden uns fangen, wenn sie können; aber auf dem Wege offener, einfacher Redlichkeit kann uns ihre Wut nichts anhaben. Es ist merkwürdig, wie ehrliche Einfalt die Schlauheit der Gottlosen verblüfft und zuschanden macht. Treue ist Weisheit. Ehrlichkeit ist die beste Politik.

12. Gib mich nicht in den Willen meiner Feinde ; sonst würde ich wie ein Opfer sein, das den Löwen vorgeworfen ist, damit es in Stücke zerrissen und verschlungen werde. Gott sei Dank, dass unsre Feinde nicht nach dem, was sie gelüstet, an uns handeln können; die Scheiterhaufen würden sonst schnell wieder auflodern. Denn es stehen falsche Zeugen wider mich. Verleumdung ist eine alte Waffe aus dem Depot der Hölle und sie ist noch in reichlichem Gebrauch. Wie fromm ein Mensch auch sein mag, es wird stets Leute geben, die ihn verlästern. Gib dem Hund einen schlechten Namen und häng’ ihn, sagt der Volksmund. Aber Gott sei Dank, des Herrn Volk ist kein Volk von Hunden, und die üblen Namen tun ihm kein Leid. Und solche, die Frevel schnauben. (Grundt. 9 Es ist ihr Lebensodem, die Guten zu hassen. Sie können nicht reden, ohne sie zu verfluchen. Ein solcher war Paulus vor seiner Bekehrung. Solche, die Unheil ausatmen, mögen sich darauf gefasst machen, einst zur Hölle gesandt zu werden, wo sie ihre heimatliche Luft atmen können. Mögen die Verfolger sich hüten!

13. Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde das Gute
des Herrn im Lande der Lebendigen.


Wenn ich nicht glaubte, noch des Herrn Güte zu schauen im Lande der Lebendigen -- --! (Grundt. 10 Der Sänger bricht in seiner Erregung mitten in der Rede ab. Der fehlende Nachsatz ist aber aus dem Zusammenhang leicht zu erraten. Wir ergänzen: so müsste ich vergehen, oder: so wäre ich schier zusammengebrochen . Herzschwäche ist eine sehr verbreitete Krankheit. Selbst der, der den Goliath erschlug, war ihren Anfällen unterworfen. Der Glaube aber setzt der Seele seine Herzstärkung an die Lippen und kommt der Ohnmacht zuvor. Die Hoffnung ist der Himmelsbalsam für die Leiden der Zeit. In diesem Lande der Sterblichkeit ist’s unsre Glückseligkeit, sehnend auszuschauen nach unserm Erbteil in dem Lande des Lebens, aus dem Gottes Güte die Gottlosigkeit der Menschen verbannt hat und wo die Gemeinschaft heiliger Geister die Frommen beglückt, die hier auf Erden gering geschätzt und verachtet waren. Wir müssen glauben, um zu sehen, nicht sehen, um zu glauben, müssen die bestimmte Zeit erwarten und den Hunger unsrer Seele mit dem Vorschmack der ewigen Güte des Herrn stillen, die bald unsre Lust und unser Lobgesang sein wird.

14. Harre des Herrn!
Sei getrost und unverzagt,
und harre des Herrn.


Harre des Herrn! Harre an seiner Tür im Gebet. Harre zu seinen Füßen in Demut. Harre aus in Geduld in seinem Dienst. Harre an seinem Fenster in froher Erwartung. Bittsteller erlangen oft nichts, als dass ihnen, nachdem sie lange in Unterwürfigkeit gewartet haben, ihre irdischen Gönner den Rücken kehren. Besser ist daran, wer seinen Gönner im Himmel hat. Sei getrost . Mut, das ist des Kriegers Losung. Möge sie die meinige sein. Mut werden wir brauchen und Gelegenheit, ihn zu beweisen, haben wir in Fülle, wenn wir Kriegsleute des Königs Jesus sind. Und unverzagt, wörtl.: und Stärke beweise dein Herz . Wird nur erst das Herz stark, so füllt sich bald das ganze Getriebe des Lebens mit Kraft. Ein starkes Herz macht den Arm stark. Solche Kraft aber kommt von Gott. Lies die Geschichte der Märtyrer und siehe darin die herrlichen Zeugnisse heldenmütiger Tapferkeit. Lieber noch gehe zu Gott, dass dir selbst solcher Heldensinn zuteil werde! Ja, harre des Herrn!

Fußnoten
7. Über den Sinn des Verses im Allgemeinen kann kaum ein Zweifel sein; im Einzelnen ist eine verschiedene Verbindung der Wörter und Versteile möglich. Verhältnismäßig am einfachsten scheint es uns, ybl rm) Kl zusammenzufassen und als Inhalt dessen, was das Herz spricht, den letzten Satz zu nehmen. Dann steht der Gottesbefehl "Suchet mein Antlitz" gleichsam in Parenthese. Also: Zu dir spricht mein Herz -- (auf Grund deines Wortes:) "Suchet mein Antlitz"--: Dein Antlitz, Herr, suche ich. Ähnlich die englische Übersetzung - Spurgeon nimmt dabei mit manchen englischen Auslegern an, es handle sich um einen besonderen, an den Psalmisten oder doch zu seiner Zeit ergangenen Gottesspruch. Zu dieser Annahme bietet jedoch der Text keine Veranlassung. -- Anders stellt sich das Satzgefüge, wenn man das l als l auctoris fasst: Dein, spricht mein Herz, (ist das Wort): "Suchet mein Antlitz"; -- darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. Auf dieser Auffassung beruht Luthers Übersetzung.

8. Man kann allerdings, mit einigen Auslegern, den Satz hypothetisch fassen; doch trifft Luthers Übersetzung wahrscheinlich das Richtige.

9. Wörtl.: und einer, der Frevel schnaubt. Zu diesem Wechsel der Zahl vergl. 7,3; 17,12. Doch wird hier die Einzahl eher kollektivisch zu fassen sein.

10. Luther hat nach dem Vorbild der jüdischen Kritiker das )lwl getilgt, aber ohne Not.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps27

Beitragvon Jörg » 03.12.2019 16:17

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Die Vermutung, dass hier eigentlich zwei verschiedene, nur äußerlich zusammengeschweißte Psalmen vorliegen, hat seit Ohlhausens Vorgang viele Vertreter gefunden. Aber die vorhandene Differenz im Ton und Inhalt ist keine gegensätzliche. Im Gegenteil, auch schon in der ersten Hälfte sind (V. 1-3) die Drangsale angedeutet, welche in der zweiten die Basis der Klagen und Bitten bilden; und wiederum fehlt auch in der zweiten Hälfte (vergl. V. 8.10.13) der Ausdruck der Zuversicht und Liebe zu Gott nicht, welcher die erste beherrscht. Psychologisch ist daher die Einheitlichkeit des Ganzen gesichert; die metrische Verschiedenheit (Teil 1 weist das Qinametrum auf [wie Ps. 19,8 ff.], Teil 2 entbehrt jeder Regelmäßigkeit) dürfte durch den Wechsel in der vorherrschenden Stimmung bedingt sein. Lic. Hans Keßler 1899.

V. 1. Der Apostel Johannes sagt: Das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat’s nicht erfasst (Joh. 1,5). Es ist ein großer Unterschied zwischen dem Licht an sich und dem Auge, das das Licht sieht. Ein Blinder mag ziemlich viel wissen vom Schein der Sonne, aber für ihn scheint sie nicht; sie gibt ihm kein Licht. So ist’s durchaus nicht dasselbe, zu wissen, dass Gott Licht ist (1.Joh. 1,5), und sagen zu können: "Der Herr ist mein Licht." Der Herr muss das Licht sein, wodurch uns der Weg des Lebens erhellt wird, so dass wir auf diesem wandeln können, und er das Licht, das uns die Finsternis der Sünde offenbart, so dass wir die verborgenen Sünden des eignen Herzens erkennen. Ist er so unser Licht, so ist er auch unser Heil . Er hat verheißen, uns recht zu führen; nicht nur, uns die Sünde zu zeigen, sondern uns von ihr zu erretten; nicht nur, uns Gottes Hass gegen die Sünde und seinen Fluch über dieselbe zu offenbaren, sondern auch uns zur Liebe Gottes zu ziehen und den Fluch hinwegzunehmen. Leuchtet uns der Herr auf dem Wege des Heils, wen oder was haben wir dann zu fürchten? Wir sind schwach, sehr schwach; aber seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2.Kor. 12,9.) Hat’s der Herr selbst auf sich genommen, unseres Lebens Kraft zu sein: Vor wem sollte uns grauen? Aus Abendmahlsbetrachtungen über den 27. Psalm, 1843.

Der Herr ist mein Licht. Anbetungswürdige Sonne, ruft St. Bernhard († 1153) aus, ich kann ohne dich nicht wandeln! Erleuchte meine Schritte und verleihe diesem unfruchtbaren und unwissenden Herzen Gedanken, die deiner würdig sind. Anbetungswürdige Fülle des Lichtes und der Wärme, sei du der helle Mittag meiner Seele; vertreibe ihre Finsternis, zerstreue ihre Wolken, verbrenne und verzehre all ihren Schmutz und ihre Unreinigkeit. Göttliche Sonne, gehe auf über meinem Herzen und gehe nie wieder unter! Jean Baptiste Elias Avrillon † 1729.

Alice Driver, eine Blutzeugin (vergl. S. 111), brachte in ihrem Verhör alle Doktoren zum Schweigen. Da fragte sie: "Habt ihr nichts mehr zu sagen? Gott sei gepriesen, dass ihr nicht im Stande seid, dem Geist Gottes in mir, einem armen Weibe, zu widerstehen. Ich bin die Tochter eines redlichen, aber geringen Mannes, habe nie, wie ihr, eine Hochschule besucht; vielmehr habe ich, gottlob, manches Jahr vor meinem Vater her den Pflug gezogen. Und doch will ich’s in der Verteidigung der Wahrheit Gottes und der Sache meines Herrn Jesus Christus mit jedem von euch aufnehmen. Und hätte ich tausend Leben, ich würde sie dafür hingeben." Darauf sprach der Kanzler über sie das Urteil und sie kehrte freudig in ihren Kerker zurück. Charles Bradbury 1785.

Ich kannte eine alte, seit vielen Jahren stockblinde Frau, über deren Antlitz ein stiller Friede ausgegossen war und bei der es einem so wohl war, als wäre bei ihr immer Sonnenschein. Warum war die arme, alte, blinde Frau so glücklich in ihrer unaufhörlichen Nacht? Das machte ein Spruch, ein Wahlspruch, ein Trostspruch, ein Kraftspruch, den sie oft im Munde führte: Der Herr ist mein Licht und mein Heil , usw. -- Wenn ihr Gott, was oft geschah, durch allerlei liebliche Träume ihre Nächte erheiterte, dann rühmte sie’s fröhlich am Morgen: "Ich blinde Frau sehe schönere Dinge bei Nacht, als ihr sehenden Leute bei Tage sehen dürft; der Herr ist mein Licht." Nach D. K. Gerok (Bibelstunden über die Psalmen) † 1890.

Vor wem sollte ich mich fürchten? Die Helden des Geistes richten ihre Taten so wenig wie die Kriegshelden durch Feigheit aus. Der Mut ist eine unerlässliche Tugend. Jahwe ist der sicherste Grund für unerschrockene Standhaftigkeit. D. William S. Plumer 1867.

V. 2. Es gibt für die Boshaften kein köstlicheres Gericht, als das Fleisch des Feindes. Das geht hinunter ungekaut; sie verschlingen’s wie die wilden Tiere. Doch wie gierig die Bosheit sei, sie hat eine schlechte Verdauung. Wie scharf ihre Zähne: Die Füße sind lahm; wenigstens straucheln sie leicht. Das war Davids Glück. Denn als seine Feinde sich auf ihn stürzten, sein Fleisch zu fressen, strauchelten und fielen sie, weil sie auf den Füßen der Bosheit kamen. Ein Mensch kann straucheln, ohne zu fallen. Aber straucheln und fallen , das ist das Los der Gottlosen, und zumal der bewusst Gottlosen. Derartig war, wie es scheint, das Straucheln der Feinde Davids, eben weil ihre Feindschaft in ihrer Gottlosigkeit wurzelte; und so werden, wie ich nicht zweifle, auch meine Feinde straucheln, weil sie von solcher Bosheit find. Und wovor denn und vor wem sollte mir grauen? Sir Richard Baker 1640.

David schildert die Feinde in ihrer Bosheit und in ihrem Untergang. 1) Seine Feinde waren grausam. Sie wollten ihm das Blut aussaugen und sein Fleisch fressen. So sind die Großen der Welt, wenn ihnen der Seelenadel fehlt. Ihre Größe ist unnahbar und Widerspruch können sie nicht ertragen. Da ist ein Mensch des anderen Teufel. Die heilige Schrift nennt sie brüllende Löwen und Wölfe am Abend, die nichts bis auf den Morgen lassen übrig bleiben. (Zeph. 3,3.) "Sie essen mein Volk, wie sie Brot essen." (Ps. 14,4 Grundt.). 2) Aber trotz ihrer Grausamkeit wurden sie zu Boden geworfen. Sie sind angelaufen und gefallen. Wenn Gottes Kinder errettet werden, so geschieht dies in der Regel gleichzeitig mit dem Sturz ihrer Feinde. Dies wird völlig offenbar werden am Tage des Gerichts. Wenn für die Gemeinde Gottes die Befreiungsstunde schlägt, dann sind die Feinde der Kirche ihrem Verderben am nächsten. Wie die beiden Schalen einer Waage: Die eine sinkt, wenn die andere steigt. Wenn die Kirche sich erhebt, sinken die Feinde. Richard Sibbes † 1635.

Die Bösen, meine Widersacher und Feinde. Es ist stete Feindschaft zwischen dem Samen des Weibes und dem Samen der Schlange (1. Mose 3,15). Man sagt, die Geier hätten einen Widerwillen gegen Wohlgerüche; so ist in den Gottlosen ein Widerwille gegen die Auserwählten des Herrn. Sie hassen den Geruch der Gnade. Wahr ist, dass die Heiligen ihre Schwachheiten haben. Aber nicht um dieser willen hassen die Gottlosen sie, sondern wegen ihrer Heiligkeit. Und dieser Hass bricht in offene Gewalttat aus. Der Dieb hasst das Licht und sucht es auszublasen. Thomas Watson 1660.

Große Weisheit lag in dem Gebet John Wesleys († 1791): "Herr, muss ich Streit haben, so lass mich nur nicht wider dein Volk kämpfen müssen!" Wenn wir zu Feinden und Widersachern diejenigen haben, welche die rechtschaffenen Menschen hassen, so haben wir den Trost, dass Gott nicht auf ihrer Seite steht und ihre Partei darum in Wirklichkeit schwach ist. D. William S. Plumer 1867.

V. 3. Wenn sich schon ein Heer wider mich legt. Er setzt den Fall der denkbar größten Gefahr. Aber selbst dann, spricht er, fürchtet sich mein Herz nicht . Die Erfahrung bringt Hoffnung und Zuversicht. David war aus sich selbst nicht ein so mutiger Mann. Aber die Erfahrung von Gottes Trost und Beistand stärkte seinen Glauben, dass dieser wie Feuer durch den Rauch oder wie die Sonne aus den Wolken hervorbrach. Wer durch den Glauben Gott in seiner Größe und Macht schaut, der sieht alle Dinge hier unten für nichts an. Darum spricht David es hier aus, dass er sich für die Zukunft um keinen Widerstand Sorge mache, nicht um den eines ganzen Heeres. Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? (Röm. 8,31.) Sein Geistesauge war geöffnet, dass er Gott in seiner Macht sah. Und wenn er dann von Gott auf die Kreatur blickte: Was war sie? So hatte Micha Gott auf seinem Thron geschaut (1.Kön. 22,19); was galt ihm nun ein Ahab? Richard Sibbes † 1635.

Wenn ich meinen Gott von ganzem Herzen liebe, so werden alle meine Feinde vergeblich wider mich kämpfen; ich werde sie nie fürchten, denn die ganze Welt kann mir kein Leid antun. Treue Liebe kann nicht verletzt werden; denn sie lässt sich durch nichts verletzen. Feinde, Neider, Verleumder, Verfolger, ich trotze euch! Ihr könnt mir meine Güter nehmen. Ist aber meine Liebe rechter Art, so werde ich immer reich genug sein; und meine Liebe könnt ihr mir nicht nehmen. Ihr könnt meinen Ruf verlästern. Aber da euer Beifall und eure Ehren für mich wenig Wert haben, so gebe ich es euch von ganzem Herzen frei, mich zu tadeln und zu verleumden. Zu meinem Glück könnt ihr mich nicht bei meinen. Gott anschwärzen und sein Wohlgefallen hält mich reichlich schadlos für alle eure Verachtung. Ihr könnt meinen Leib verfolgen. Doch dabei will ich euch sogar helfen mit meinen Büßungen. Je eher er zu Grunde geht, desto eher werde ich von einem Feinde befreit sein, der mir am meisten zu schaffen macht. (Röm. 7,23 f.) Was für ein Leid also könnt ihr mir antun? Wenn ich entschlossen bin, alles zu leiden, und wenn ich denke, ich verdiene alle die Kränkungen, die ihr mir antun könnt, so werdet ihr mit alle dem meiner Liebe nur einen höhern Flug, meiner Krone helleren Glanz geben. Jean Baptiste Elias Avrillon † 1729.

Wer willig ist, für Gott zu streiten, wird erfahren, dass Gott für ihn streitet und ihn von einem Sieg zum andern führt. Niemand beweist so echte Tapferkeit, als wer wahrhaft fromm ist. Lebt der Christ, so weiß er, durch wessen Macht er steht; stirbt er, so weiß er, für wessen Sache er fällt. Wo keine Zuversicht zu Gott ist, da ist auch keine Ausdauer im Kampf, denn die Kraft von oben fehlt. Wenn der Wind des Glaubens aufhört, die Segel zu füllen, so hört das Schiff des Gehorsams auf, die Meere zu durchfurchen. Um der Spöttereien eines Ismaels willen wird nie ein Isaak sein Erbteil missachten. William Secker 1660.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps27

Beitragvon Jörg » 07.12.2019 13:13

Erläuterungen und Kernworte

V. 4. Eins bitte ich vom Herrn. Um Gemeinschaft und Umgang mit Gott war es dem Psalmsänger zu tun. Dies ist das eine Notwendige. Das sollten wir alle immer wieder begehren und darin volle Genüge finden: Gottes froh zu werden und ihn anzuschauen in seinen Offenbarungen, in seinem Tempel, mit ihm trauten Umgang zu pflegen. Ja, Herr, das wollest du uns gewähren! Nun ist das ja so überaus köstlich, dass es des Psalmisten einziges Sehnen und die Summe aller seiner Wünsche hier auf Erden war, -- und darum viel mehr noch das Wohnen im Himmelszelt, die Vollendung und Fülle unsrer Seligkeit. John Stoughton † 1639.

Eins. Der himmlische Sinn fasst sich in ein Verlangen zusammen und begehrt nicht mehr. Eins bitte ich : Gib dich mir selbst, Herr, so will ich nicht mehr erbitten. Die neue Kreatur bittet nichts von Gott, als Gott selbst zu genießen. Gib mir dies, Herr, und alles andre - möge Ziba hinnehmen! (2. Samuel 19,29 ff., vergl. mit 9,9 f. u. 16,4.) Ich will auf alles verzichten, um die eine Perle zu kaufen, den Reichtum der himmlischen Gnade. Bischof Jeremy Taylor † 1667.

Ein tiefes, mächt’ges Sehnen in der Menschenbrust
Verschlingt, gleich Aarons Schlange, jede andre Luft.
Nach Alexander Pope † 1744.

Dass ich im Hause des Herrn bleiben möge. Beständig dem Tempel zu nahen und dort immer wieder zu erscheinen, das ist ohne Zweifel das Bleiben, wovon David hier redet: dort zu wohnen, zu weilen, nicht nur auf Augenblicke einzukehren. So weilte Hanna, die Tochter Phanuels, im Haus Gottes; es heißt Lk. 2 von ihr, sie sei nimmer vom Tempel gekommen. "Nicht, dass sie (buchstäblich) allezeit da war, aber oft", sagt Nikolaus von Lyra († 1340). Von den Jüngern, die Zeugen der Himmelfahrt Jesu gewesen waren, sagt Lukas: Sie waren allewege im Tempel (Lk. 24,53). So konnte auch von Monika, der Mutter des Augustinus, zu ihrer Zeit gesagt werden: "Sie weilte im Hause Gottes", da sie getreulich regelmäßig zweimal des Tages hinkam, "damit sie aus deinen Schriften", sagt Augustinus, "hören möchte, was du, Gott, ihr sagtest und du aus ihren Gebeten, was sie dir zu sagen hatte." Solche Christen nennt Augustinus an einer andern Stelle die Ameisen Gottes. "Siehe auf die Ameise Gottes. Sie steht Tag für Tag früh auf. Sie eilt zu Gottes Kirche. Dort betet sie, hört die Schriftlesung, singt einen Psalm, wiederholt bei sich, was sie gehört hat, sinnt darüber und speichert in ihrem Innern das köstliche Korn auf, das sie von dieser Tenne gesammelt hat." John Day 1609.

Zu schauen die Schönheit des Herrn: Dazu wünschte er im Hause des Herrn zu weilen und nicht nur, um seine Augen an dem äußern Anblick köstlicher Dinge zu weiden (wie in der Tat in der Stiftshütte liebliche Dinge zu sehen waren). Nein, er hatte einen geistlich gerichteten Blick: Er sah die innere, geistliche Schönheit jener geistlichen Dinge. Richard Sibbes † 1635.

Die Schönheit des Herrn, wie sie in seinem Hause erblickt werden kann, ist nicht die Schönheit seines Wesens, wie dieses für sich ist; denn das kann kein Mensch sehen und leben (2. Mose 33,20). Vor seiner majestätischen Schönheit bedecken die Seraphim ihr Antlitz mit ihren Flügeln (Jes. 6,1.2). Aber es ist die Schönheit seiner Offenbarungen, in welchen Gott den Augen des menschlichen Geistes, indem er diesen durch seinen Geist erleuchtet, die wunderbare Schönheit seiner Güte, Gerechtigkeit, Liebe und Erbarmung enthüllt. ThomasPierson†1633.

O wie viel Liebliches habe ich gesehen im Hause Gottes, wie viel Köstliches geschmeckt, wie manche Erquickung empfunden! Welche Gebetsergießungen und was für Antworten darauf! Welche Eindrücke unter dem Schall des göttlichen Wortes, welche Bewirtung an des Herrn Tisch, wenn er mich je und dann zu seinem Festmahl lud und mir seine Liebe zu genießen gab! Und kann ich hiervon auch vielleicht nicht soviel reden, wie andere, so kann ich doch dessen, was mir geworden, nur mit dankerfülltem Herzen gedenken und mehr davon begehren; und weil dies alles mir im Haus Gottes zuteil wurde, so möchte ich dort mein Leben lang weilen dürfen. Daniel Wilcox † 1733.

V. 5. Zur bösen Zeit. Obwohl Gott nicht immer sein Volk aus der Trübsal erlöst, so erlöst er sie doch von dem, was die Trübsal zum Übel macht, von dem Verzweifeln in der Trübsal, indem er den Geist aufrecht erhält; ja er erlöst durch die Trübsal, denn er heiligt die Trübsal zur Genesung der Seele und erlöt aus größerer Trübsal durch die geringere. Aus einem alten Druck im Britischen Museum mit der Jahreszahl 1678.

Er deckt mich, oder: verbirgt mich. Das Wort deutet auf einen, der aus der Unterdrückung oder vor drohendem Unglück entronnen ist und nun in einem Hause oder einer Höhle vor seinen Verfolgern oder vor der Gefahr geborgen wird. Albert Barnes † 1870.

Er verbirgt mich heimlich in seinem Gezelt, oder: im Schutz seines Zeltes. Anspielung auf die alte Sitte, dass Missetäter zum Heiligtum oder Altar flohen, wo sie sich sicher glaubten. (Vergl. 1.Kön. 2,28.) Mt. Polus † 1679.

V. 7 ff. Siehe aus diesem Psalm, was es um den Glauben, auch bei aller Zuversicht und Freudigkeit, doch gleichwohl für eine geschmeidige Sache ist, wie er auch um das, wessen er aus dem Wort Gottes und Erfahrung wohl versichert ist, doch so demütig anhält; wie er sich das, wogegen ihn so viele Verheißungen Gottes sicher stellen, doch so geflissen abbittet; wie er Gott nicht begehrt am Schnürlein zu haben nach seinem Willen, sondern vielmehr Unterweisung in Gottes Wegen und Leitung auf richtiger Bahn sucht. Glaubensmut und ein steifer, in Naturkraft gefasster Sinn sind weit voneinander unterschieden. K. H. Rieger † 1791.

V. 8. Im vorhergehenden Vers hebt David an, zu Gott zu beten: Herr, höre meine Stimme usw. Dieser Vers begründet die Bitte. Ihr sollt mein Antlitz suchen, hat der Herr gesagt; das Herz antwortet: Dein Antlitz, Herr, will ich suchen . Du machst mir Mut, zu dir zu beten. Die Worte schließen in sich Gottes Befehl und Davids Gehorsam, Gottes Vollmacht und Davids entsprechendes Tun, die Stimme und das Echo. Die Stimme: Sucht mein Antlitz; den Widerhall aus dankbarem Herzen: Dein Antlitz, Herr, will ich suchen. Gott will erkannt sein. Er ist willig, sich selbst zu erschließen und zu offenbaren. Er hat kein Gefallen daran, sich zu verbergen. Er fürchtet nicht, wie manche Fürsten, die Ehrfurcht durch den persönlichen Verkehr zu verringern. Gott ist nicht ein Gott, den man nicht gründlich erforschen dürfte. Je mehr wir ihn erkennen, desto mehr werden wir ihn bewundern. Niemand preist ihn höher als die heiligen Engel, die ihn schauen, und die seligen Geister, die mit ihm vertraute Gemeinschaft haben. Darum verbirgt er sich nicht. Er wünscht vielmehr, erkannt zu werden. Und alle, die seinen Geist haben, wünschen, ihn bekannt zu machen. Diejenigen, welche die Erkenntnis Gottes unterdrücken, die Erkenntnis dessen, was Gott will, was er für die Menschen tut und was er von den Menschen fordert, sind Feinde Gottes und seines Volks. Sie unterdrücken die Offenbarung Gottes, völlig der göttlichen Absicht zuwider. Richard Sibbes † 1635.

Achte auf solche Zeiten, wo Gott dich durch seinen Geist zum Gebet mahnt und lockt und dir diese und jene Bitte durch sein Wort nahe legt. Versäume nicht, das Eisen zu schmieden, solang es warm ist. Dann hast du Gottes Ohr; es ist die rechte Stunde für dies Anliegen, wie sie dir vielleicht nie wiederkehrt. Höflinge merken auf die beste Zeit zu reden; wenn sie den Fürsten in guter Stimmung finden, dann nehmen sie gewiss ihren Vorteil wahr; besonders aber, wenn sie finden sollten, dass der König selbst von dem Gegenstand zu sprechen beginnt, den sie von ihm erlangen möchten. So ist’s gewiss ein bedeutungsvolles Zeichen, dass Gott willig ist, uns zu hören, wenn er selbst uns die Bitte in den Mund legt. Thomas Goodwin † 1679.

Dein Wort. Darauf darf man sich getrost berufen. "Das Verlangen der Elenden hörest du, Herr; ihr Herz ist gewiss, dass dein Ohr darauf merkt." (Ps. 10,17.) Und wieder: "Ihr werdet mich suchen und finden." (Jer. 29,13 .) Und Gott lässt es als Beweggrund vor sich selber gelten, dass, wenn er zu jemand -- sei es innerlich oder äußerlich -- sagt: "Ihr sollt mein Antlitz suchen", dann er, der Gerechtigkeit redet, ihr Gebet nicht kann zuschanden werden lassen und sie deshalb vergeblich auffordern, sein Antlitz zu suchen. Jes. 45,19: "Ich habe nicht zum Samen Jakobs vergeblich gesagt: Suchet mich.". Wenn ein Ahasverus seine Gemahlin auffordert, sich etwas zu erbitten, so wird er gewiss nicht ermangeln, ihre Bitte zu gewähren (Esther 7,2). Und als Christus dem Blinden zurief, er solle kommen, ihm sein Leid zu klagen, da sagte man ihm mit Recht: Sei getrost, steh auf, er ruft nach dir (Mk. 10,49). Thomas Cobbet † 1686.

Gott hat seine Huld verheißen, darum darf sein Volk seine Huld suchen. Ja, er hat seinem Volk befohlen, sein Antlitz zu suchen; darum sollen sie es suchen. Es ist recht töricht, wenn Gott uns für eine Weile seine Huld entzieht, dann uns selbst des Kindes- und Bürgerrechtes zu berauben, indem wir die geistliche Gemeinschaft verleugnen, welche zwischen uns und unserm Gott besteht. Das ist nicht der Weg, Gnade zu erlangen. Denn haben wir unser Kindesverhältnis aufgelöst, so haben wir uns selbst von der Anwartschaft auf Gottes Huld ausgeschlossen. Nein, der weiseste und sicherste Weg ist, die Erneuerung der göttlichen Gnadenerweisungen zu suchen, nicht aber uns durch unsern Unglauben von Gott hinwegtreiben zu lassen. Obadiah Sedgwick 1653.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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