Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps37

Beitragvon Jörg » 31.07.2020 15:30

12. Der Gottlose droht dem Gerechten,
und beißt seine Zähne zusammen über ihn.
13. Aber der Herr lacht über ihn;
denn er sieht, dass sein Tag kommt.
14. Die Gottlosen ziehen das Schwert aus und spannen ihren Bogen,
dass sie fällen den Elenden und Armen,
und schlachten die Frommen.
15. Aber ihr Schwert wird in ihr Herz gehen,
und ihr Bogen wird zerbrechen.


In diesen Versen haben wir vor uns das Bild eines stolzen Bedrückers, der bis an die Zähne bewaffnet ist.

12. Der Gottlose sinnt(Unheil) gegen den Gerechten. (Wörtl.) Warum kann er den Braven nicht in Frieden lassen? Weil Feindschaft ist zwischen dem Schlangen-Samen und dem Weibes-Samen. Aber warum greift er ihn dann nicht in offenem, ehrlichem Kampfe an? Warum sinnt er so mühsam, wie er ihn durch tückische Anschläge verderben könne? Weil es Schlangenart ist, hinterlistig zu sein. Unter offener Flagge segeln, passt denen nicht, die an Bord des Apollyon5 sind. Und beißt seine Zähne zusammen (dem Schall nachahmenden Wort des Grundtexts entsprechender: knirscht mit den Zähnen) über ihn . Die Gottlosen zeigen durch ihre Gebärden, was sie tun würden, wenn sie die Macht dazu hätten. Können sie den Frommen nicht zerreißen, so müssen sie doch die Zähne zusammenbeißen über ihn; können sie ihn nicht zermalmen, so müssen sie wenigstens mit den Zähnen knirschen gegen ihn. Das ist genau, was eine verkommene Welt dem einen Gerechten sondergleichen, dem Friedefürsten, gegenüber getan hat. Dennoch übte er an denen, die so ihre Wut und ihren Hass an ihm ausließen, keine Rache, sondern erduldete das Unrecht wie ein stilles Lamm.

13. Aber der Herr lacht über ihn. Der Gottesfürchtige braucht sich nicht darum zu bekümmern, dass dem Ruchlosen vergolten werde; er kann das ruhig dem Allherrn (Adonai) überlassen. Mag der stolze Verächter mit den Zähnen knirschen und vor Wut schäumen; er hat es mit einem zu tun, der auf ihn und all sein Rasen mit Verachtung hinabblickt, ja der über ihn lacht, denn er sieht und hat schon vorlängst gesehen (wörtl.), dass sein Tag kommt . Der Gottlose aber sieht’s nicht, wie nahe ihm das Verderben auf den Fersen ist; er prahlt, wie er die Frommen zermalmen wolle, während die Rache schon ihren Fuß erhoben hat, ihn zu zertreten wie den Kot aus der Gasse. Wie entsetzlich: Sünder, in der Gewalt eines eifrigen Gottes und dennoch sinnend, wie sie seine Kinder verderben können. O ihr Armen, die ihr so in das gezückte Schwert des Herrn lauft.

14. Die Gottlosen haben das Schwert gezückt. (Grundt. Perf.) Sie sind ganz zum Angriff bereit; sie haben das Schwert schon in der Hand und warten sehnsüchtig auf den Augenblick, in dem sie es dem Gerechten ins Herz stoßen können. Und den Bogen gespannt, wörtl.: niedergetreten . Eine Waffe ist ihnen nicht genug, sie halten noch eine andere in Bereitschaft. Sie sind mit einem so mächtigen Bogen gerüstet, dass sie ihn nicht mit der Hand, sondern mit dem Fuße spannen müssen. Wenn es auf Waffengewalt und Bereitschaft ankommt, muss es ihnen gelingen. Dass sie fällen den Elenden und Armen. Die sind das Wild, dem sie nachstellen, die Beute, die sie mit ihrer fluchwürdigen Bosheit zu erjagen suchen. Nicht ihresgleichen greifen diese Feiglinge an, sondern solche, die sich ihres sanftmütigen Geistes oder ihres geringen Standes wegen nicht wider sie verteidigen können. Lasst uns stets daran denken, wie unser sanftmütiger und demütiger Meister von grausamen Feinden umringt war, die sich mit allen möglichen Waffen gerüstet hatten, ihn zu fangen und zu fällen. Und schlachten die Frommen, Grundt.: redlich Wandelnde . Nichts außer der völligen Ausrottung der wahrhaft Frommen genügt den Gottlosen. Alle, die aufrichtig handeln und gerade Wege gehen, haben den tödlichen Hass der listigen Ränkemacher, deren Lust die Ungerechtigkeit ist, auf sich lasten. Diese kennen kein heißeres Verlangen, als jene hinzuschlachten, ein Blutbad unter ihnen anzurichten. Ein Hinweis auf die Geschichte ist überflüssig. Wie wahr sind unseres Heilands Worte: Wärt ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern Ich habe euch von der Welt erwählet, darum hasst euch die Welt. (Joh. 15,19.)

15. Aber ihr Schwert wird in ihr Herz gehen. Gleich Haman, dem ersten Ersinner einer Bartholomäusnacht (Esther 3), werden sie an den Galgen gehängt werden, den sie selber für Mardochai errichtet haben. Unzählige Male ist dies der Fall gewesen. Auch Saul, der den David umzubringen suchte, fiel in sein eignes Schwert. Und ihr Bogen wird zerbrechen. Sie haben sich doppelt bewaffnet gegen die Wehrlosen; aber all ihre List und Macht hilft ihnen nichts. Ein Stärkerer wird über sie kommen und ihren Bogen zerbrechen oder sie werden in der Raserei diesen so überspannen, dass er von selber bricht. Die Bosheit überlistet sich selbst. Sie trinkt den Giftbecher, den sie für einen anderen gemischt hat, und verbrennt sich selbst an dem Feuer, das sie für den Nächsten angezündet hat. Was sollen wir uns denn das Herz zermartern über dem Gedeihen der Gottlosen, wenn diese so beflissen sind, sich selber zu verderben, während sie annehmen, den Heiligen Schaden zuzufügen?
Die nächsten neun Verse beschreiben hauptsächlich die Gesinnung und den gesegneten Stand der Gottseligen und die Lichtwirkung des Bildes wird erhöht durch einige dunkle Pinselstriche, die die Gottlosen und ihr Schicksal zeichnen.

Fußnote
5. Apollyon, d. h. der Verderber, Name des im Gesicht Off. 9,11 geschauten Engels aus dem Abgrund, hier als Schiffsname angewandt.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps37

Beitragvon Jörg » 04.08.2020 14:39

16. Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser
als das große Gut vieler Gottlosen.
17. Denn der Gottlosen Arm wird zerbrechen;
aber der Herr erhält die Gerechten.
18. Der Herr kennt die Tage der Frommen,
und ihr Gut wird ewiglich bleiben.
19. Sie werden nicht zuschanden in der bösen Zeit,
und in der Teuerung werden sie genug haben.
20. Denn die Gottlosen werden umkommen;
und die Feinde des Herrn, wenn sie gleich sind wie eine köstliche Aue,
werden sie doch vergehen, wie der Rauch vergeht.
21. Der Gottlose borgt und bezahlt nicht;
der Gerechte aber ist barmherzig und gibt.
22. Denn seine Gesegneten erben das Land;
aber seine Verfluchten werden ausgerottet.
23. Vom dem Herrn wird solches Mannes Gang gefördert,
und er hat Lust an seinem Weg.
24. fällt er, so wird er nicht weggeworfen;
denn der Herr hält ihn bei der Hand.


16. Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser denn das große Gut vieler Gottlosen. Das ist ein feines Sprichwort. Das wenige eines Gerechten wird der Menge (Grundt.) der Schätze vieler Gottlosen gegenübergestellt, wodurch die Aussage sehr kraftvoll wird. Es ist mehr wahres Glück in dem durchs Wort Gottes und Gebet geheiligten (1.Tim. 4,5) Gericht Kraut des gottseligen Menschen als in dem gemästeten Ochsen profaner Feinschmecker. Wir möchten lieber mit Johannes fasten, als mit Herodes Feste feiern; lieber mit den Propheten in Obadjas Höhle von Brot und Wasser leben, als mit den Götzenpriestern an Isebels Tisch schwelgen (1.Kön. 18,13.19). Das Glück eines Menschen besteht nicht in den Haufen Goldes, die er in der Truhe hat. Die Zufriedenheit findet multum in parvo (viel in wenig), während einem gottlosen Herzen die ganze Welt zu wenig ist.

17. Denn der Gottlosen Arme werden zerbrochen. (Wörtl.) Alle Macht, Unheil zu stiften, wird ihnen genommen werden, denn eben die Arme, die sie gegen Gott und die Frommen erhoben haben, werden zermalmt werden. Sie werden weder anderen mehr schaden noch sich selber helfen können. Gott macht oft die sich allmächtig wähnenden Bösen zu ohnmächtigen Krüppeln. Gibt es einen verächtlicheren Anblick als die Raubgier, wenn ihr die Zähne ausgebrochen (Ps. 3,8; 58,7), und die Bosheit, wenn ihr die Arme zerschmettert sind? Aber der Herr erhält die Gerechten. Jahwe selber stützt sie; so sind sie wohl bewahrt.

18. Der Herr kennt die Tage der Frommen. Gottes Vorwissen lässt ihn des stolzen Unterdrückers lachen (V. 13); aber für die lauteren Seelen, die mit ganzem Herzen an ihm hängen, sieht er eine lichtvolle Zukunft voraus, und er behandelt sie als Erben des Heils. Das ist allezeit unser Trost, dass alle unsere Geschicke unserem Gott bekannt sind und nichts von alledem, was uns zukünftig begegnen wird, ihn überraschen kann. Kein Pfeil kann uns von ungefähr durchbohren, kein Dolch uns unvermerkt ins Herz treffen; weder in der Zeit noch in der Ewigkeit kann uns irgendein Übel zustoßen, das Gott nicht vorhergesehen hätte. Die Zukunft wird nur eine fortgehende Entfaltung all des Guten sein, das der Herr für uns aufbewahrt hat. Und ihr Erbe (Grundt.) wird ewig bleiben . Ihr Erbteil schwindet nicht dahin. Es ist ein unveräußerliches und unantastbares Erblehen; niemand kann sie dessen berauben, niemand es zerstören. Das ist des Gläubigen alleiniges Vorrecht, ein ewiges Besitztum zu haben.

19. Sie werden nicht zuschanden in der bösen Zeit. Wohl kommen auch für sie schwere Zeiten der Heimsuchung; aber diese sind zugleich die Zeiten, wo sie in besonderer Weise die heraus- oder hindurchrettende Macht Gottes erfahren. Da die Redlichen nie darauf gerechnet haben, von aller Not verschont zu bleiben, so sind sie auch nicht enttäuscht, wenn sie nun berufen werden, ihr Teil Trübsal hinzunehmen, sondern sie werfen sich vielmehr in der bösen Zeit von neuem auf ihren Gott und erproben in neuer Weise seine Treue und Liebe. Gott ist nicht bloß in den sonnigen Tagen des Glücks ein Freund, sondern auch im Sturmes-Tosen der Trübsal. Und in der Teuerung werden sie genug haben. Ihr Mehl im Kad soll nicht verzehrt werden und ihrem Ölkrug soll nichts mangeln, bis die Zeit der Heimsuchung vorbei ist; und wenn ihnen auch nicht gerade die Raben Brot und Fleisch bringen, kommt ihnen doch auf irgendwelche andere Weise das zu, was sie benötigen; denn dem Gerechten wird sein Brot gegeben, sein Wasser hat er gewiss (Jes. 33,16). Unser Heiland selber stützte sich hierauf, als ihn hungerte in der Wüste, und wies im Glauben den Versucher zurück; auch wir können uns mit derselben Erwägung des Sorgengeistes entschlagen, der uns zur Sünde verleiten will (V. 8). Wenn Gottes Vorsehung über uns wacht, brauchen wir uns über den Preis des Roggens nicht abzuhärmen. Mehltau und Hagel und Dürre sind in der Hand des Herrn. Der Unglaube kann auch nicht eine Ähre vor dem Brandigwerden schützen; der Glaube aber kann, wenn er nicht die Ernte bewahrt, Größeres als dies tun, nämlich uns die Freude am Herrn bewahren.

20. Denn die Gottlosen werden umkommen. Was für ein Zauberlicht auch ihre Gegenwart umgaukeln mag, ihre Zukunft ist Finsternis, die man greifen mag. Das Urteil ist über die Gottlosen schon gefällt, sie werden nur zur Hinrichtung aufbehalten. Mögen sie in Purpur und köstlicher Leinwand Eindruck machen wollen und alle Tage herrlich und in Freuden leben, das Damoklesschwert hängt doch über ihnen und wenn sie bei nüchternem Verstand wären, würde sich ihr Lachen in Weinen und ihre Ausgelassenheit in Wehklagen verkehren. Und die Feinde des Herrn werden sein wie das Köstlichste (d. h. das Fett) der Lämmer. (Andere Übers.6 Wie das Fett der Opfer völlig auf dem Altar verzehrt wurde, so werden die Gottlosen gänzlich vertilgt werden und von der Stätte ihrer Ehre und ihres Stolzes verschwinden. Es ist nur ein Unterschied: Sie sind Gott kein süßer Geruch. Die meisten Ausleger übersetzen: Und die Feinde des Herrn sind wie die Pracht der Auen. Damit würde der Dichter zu dem Bild des zweiten Verses zurückkehren. Sie mögen Eindruck machen wollen wie die Ebene Saron im Frühlingsschmuck; doch wenn der Glutwind der göttlichen Gerichte über sie hinfährt, ist alles eine dürre Wüste. Sie schwinden dahin wie der Rauch, schwinden dahin. Sic transit gloria mundi: So vergeht alle Herrlichkeit der Welt! Wo ist die dicke Rauchwolke, die alles in Finsternis hüllte? Dahin, dahin! Die Wiederholung ist ergreifend. Nicht eine Spur ist von ihnen zurückgeblieben. Vergl.

21. Der Gottlose borgt, und bezahlt nicht ; - dies teils, weil er nicht will, hauptsächlich aber, weil er nicht kann. Mangel folgt der Verschwendung; so bleibt die Schuld denn ungetilgt. Oft kommt solche Armut über die Gottlosen in diesem Leben. Ihre "noblen Passionen" bringen sie so herunter, dass sie an der Tür des Wucherers anklopfen müssen und dem Bankrott verfallen. Der Gerechte aber ist barmherzig (mildtätig) und gibt . Die Barmherzigkeit gibt ihm viel; darum gibt auch er in barmherziger Liebe den Dürftigen. Er ist mildtätig und je mehr er gibt, desto mehr hat er. Er leiht nicht, sondern er gibt. Soviel er nur kann, leiht er der Stimme der Not sein Ohr. Er gibt nicht, um die Trägheit dadurch zu ermutigen, sondern in wirklicher Barmherzigkeit und gesunder Mildtätigkeit, die wirklichen Mangel voraussetzt. Das Wort mag uns ein Wink sein, wie viel besser es in der Regel ist, zu geben als zu leihen. Meist läuft das Leihen aufs Schenken hinaus, und es ist ebenso gut, diese Tatsache im Voraus anzuerkennen und durch ein wenig Großzügigkeit dem Unvermeidlichen vorzubeugen. Wenn diese beiden Sätze eine Beschreibung des Gottlosen und des Gerechten sind, so hat der Schreiber dieser Zeilen guten Grund, zu wissen, dass der Gottlosen in und um London nicht wenige sind.

22. Denn seine Gesegneten erben das Land. Gottes Segen ist wahrer Reichtum. Wirkliches Glück, wie es den Auserwählten bundesmäßig zugesichert ist, liegt in der göttlichen Huld. Aber seine Verfluchten werden ausgerottet. Sein Stirnrunzeln ist Tod, ja noch mehr, es ist die Hölle. Man vergl. Mt. 25,34.41.

23. Von dem Herrn aus werden die Schritte eines Mannes gefestigt, an dem7 er Wohlgefallen hat. (Grundt.) Nicht in des Mannes Körperkraft und Willensstärke liegt es, wenn er feste Schritte tut. Einem Saul gebrach es von Natur an beidem nicht und doch wurde sein Gang zum Erbarmen schwankend und haltlos. Der Herr ist’s, der unsere Knöchel ehern und unser Rückgrat eisern macht; und seine Lust ist’s, in den Schwachen seine Macht zu erweisen. Nicht die Glätte oder Rauheit des Weges, auf dem wir wandeln müssen, wohl aber die Art unseres Ganges wird erkennen lassen, ob der Herr an uns Wohlgefallen hat. Ein Abraham ging festen Schrittes den dornenvollen Pfad auf Morijas Höhe.

24. Doch kann es auch dem Gerechten wohl begegnen, dass er einen Fehltritt tut und nicht nur wankt, sondern wirklich zu Fall kommt, oder es kann das Unglück ihn zu Boden bringen. Es mag sein, dass er gleich einem Hiob von allem entblößt wird, gleich Joseph ins Gefängnis kommt oder gleich Jona in die Tiefe des Meers geworfen wird. Aber auch gesetzt den Fall, dass er fallen sollte, so wird er doch nicht (der Länge nach) hingestreckt . (Grundt.) Er mag auf die Knie stürzen, aber nicht aufs Angesicht oder wenn er auch den Boden berührt, wird er doch bald wieder aufrecht stehen. Keiner der Heiligen Gottes soll einen Fall tun, von dem er sich nicht wieder erhebt; dies ist das Schicksal der Gottlosen und Heuchler (Ps. 36,13). Der Kummer kann uns in den Staub legen und der Tod ins Grab, aber tiefer können wir nicht sinken, und aus der tiefsten Niedrigkeit werden wir zur höchsten Höhe fahren. Denn der Herr hält ihn bei der Hand, wörtl. stützt seine Hand . Jahwe neigt sich in herablassender Liebe zu den Seinen, er hält sie mit seiner eignen Hand im Fallen auf und gibt ihnen damit einen Stützpunkt, an dem sie sich wieder aufrichten können. Er überlässt es nicht von ihm gesandten Helfern, sie aufzurichten, sondern leistet ihnen persönlich Beistand. Selbst wenn der Herr es zugibt, dass wir fallen, lässt er uns in einem gewissen Maße seine haltende Macht erfahren. Wo die Gnade uns nicht vor dem Sinken schützt, bewahrt sie uns doch vor dem Versinken, wie es Petrus so herrlich erlebt hat (Mt. 14,31; Lk. 22,32). Hiob hatte am Ende doppelt so viel Reichtum wie zuvor, Joseph wurde ein Herr über ganz Ägyptenland und Jona kam glücklich ans Land. Nicht darum stehen die Auserwählten von jedem Falle auf, weil sie etwa stark oder weise sind oder ein besonderes Verdienst haben, sondern weil der Herr ihr Helfer ist, so dass niemand und nichts sie überwältigen kann.

Fußnoten
6. So übersetzt die engl. Bibel nach den Alten. rkIa heißt in der Tat meist Lamm. Durch Ps. 65,14 und andere Stellen steht aber auch die Bedeutung Aue fest und diese wählen mit Luther fast alte neueren Ausleger. Vergl. V. 2. Luther folgt aber nicht den Akzenten der Masora, nach diesen ist zu übersetzen: Und die Feinde des Herrn sind (so vergänglich) wie die Pracht der Auen; sie vergehen wie der Rauch, vergehen.

7. Das Waw ist erklärend: und zwar eines solchen, an dem ... Da bei Mann der Artikel fehlt, muss es allgemein gefasst werden. Schultz-Keßler betonen hier die Grundbedeutung von rbegIe : der Starke, der mannhafte Mensch. Vergl.
Hiob 38,3.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps37

Beitragvon Jörg » 08.08.2020 12:36

25. Ich bin jung gewesen und alt worden,
und habe noch nie gesehen den Gerechten verlassen
oder seinen Samen nach Brot gehen.
26. Er ist allezeit barmherzig, und leiht gerne,
und sein Same wird gesegnet sein.

25. Dieser Vers enthält eine Beobachtung, die David in seinem langen Leben gemacht hatte. Ich könnte nicht sagen, dass die Worte gerade so, wie sie da stehen, meine Erfahrung ausdrücken; habe ich doch mehr denn einmal Kinder absolut vorbildlicher Menschen unterstützt, die mich als gewöhnliche Bettler ansprachen. Aber das wirft keinen Zweifel auf das, was David hier als seine Erfahrung mitteilt. Er lebte unter einer Haushaltung, deren Verheißungen mehr aufs Äußerliche und Irdische gingen, als die der jetzigen Haushaltung, wo der persönliche Glaube mehr im Vordergrund steht. Nie wird der Gerechte verlassen; das ist jedenfalls eine Regel ohne Ausnahme. Selten genug ist’s, dass sein Same nach Brot geht ; und obwohl es gelegentlich vorkommt, als Folge von Verschwendung, Trägheit oder anderen Fehlern der Söhne, so ist es doch ohne Zweifel eine so seltene Sache, dass manche leben, die einen derartigen Fall nie gesehen haben. Geh in die Armenhäuser und sieh, wie wenige der Insassen Kinder wahrhaft frommer Eltern sind; tritt in die Gefängnisse und beachte, wie viel seltener noch du dort einen Sohn gläubiger Eltern triffst. Oft werden Söhne armer Prediger des Evangeliums reich. Ich bin nicht alt8 , aber ich habe manche Familien armer gottesfürchtiger Leute zu Reichtum kommen sehen und habe es vielfach beobachtet, dass der Herr die Treue des Vaters durch den Erfolg, den er dem Sohne gab, belohnte, so dass ich oft gedacht habe, die beste Weise, seine Nachkommen auszusteuern, sei die, um Christi Willen arm zu werden. In der Geschichte der indischen Mission z. B. können wir diese Wahrheit vielfach illustriert sehen.

26. Er ist immer barmherzig (mildtätig) und leiht gerne. Die Gerechten stehen beständig (buchstäblich: den ganzen Tag) unter dem Antrieb edelmütiger Freigebigkeit. Sie werden wohlhabend nicht durch Sparsamkeit, sondern durch Mildtätigkeit. Gleich dem gütigen Geber aller guten Gaben, dessen geliebte Kinder sie sind, ist’s ihnen eine Lust, Gutes zu tun. Wie knickerige, habsüchtige Maulchristen auf die Seligkeit hoffen können, ist denen ein Wunder, die solche Verse in ihrer Bibel lesen. Und sein Same wird gesegnet sein, ja (nach dem Wortlaut des Grundtextes) anderen zum Segen sein . Gott zahlt im nächsten Geschlecht mit Zinsen heim. Wenn Kinder frommer Leute Gott nicht fürchten und lieben, muss es seinen Grund in einer Versäumnis der Eltern oder in irgendeiner anderen unentschuldbaren Ursache haben. Der Freund des Hausvaters ist der Freund der Familie. Der Gott Abrahams ist auch der Gott Isaaks und Jakobs.

27. Lass vom Bösen und tue Gutes,
und bleibe wohnen immerdar.
28. Denn der Herr hat das Recht lieb,
und verlässt seine Heiligen nicht;
ewig werden sie bewahrt;
aber der Gottlosen Same wird ausgerottet.
29. Die Gerechten erben das Land
und bleiben ewig drinnen.


27. Dieser Vers enthält die siebente Vorschrift, die doppelt, verneinend und bejahend, ausgedrückt ist und die Quintessenz des ganzen Psalms enthält. Lass (weiche) vom Bösen und tue Gutes . Wir dürfen die Übeltäter nicht beneiden, sondern müssen uns ihrer Gesinnung und ihrem Beispiel gegenüber gänzlich ablehnend verhalten. Wir dürfen mit der Sünde keinen Waffenstillstand schließen, noch uns auf irgendwelche Verhandlungen mit ihr einlassen; es gilt, ihr ohne Zögern gänzlich abzusagen, und noch mehr als das, ihr mit aller Macht entgegenzuarbeiten. Wer es unterlässt, Gutes zu tun, gerät bald in böse Dinge. Und bleibe wohnen allezeit, d. h.: so wirst du allezeit wohnen bleiben. Mache dich so des Segens teilhaftig, den Gott dem treuen Samen Abrahams verheißen hat. Erlange das bleibende, friedevolle Erbteil des wahren Israel. Aller Gewinn und alle Ergötzung, die dir das Böse bietet, ist von kurzer Dauer; aber die Gnade lohnt mit ewigen Gütern.

28. Denn der Herr hat das Recht lieb. Ehre zu geben, dem Ehre gebührt, ist Gottes Lust, besonders wenn ein redlicher Mann von seinen Mitmenschen verleumdet worden ist. Es muss für Gott nach seinem Wesen in der Tat eine wahre Freude sein, solchen, die Unrecht erleiden, zu ihrem Recht zu helfen und die Anschläge der Ungerechten zunichte zu machen. Der erhabene Lenker der Geschicke lässt ganz gewiss den Reichen und den Armen, den Guten und den Bösen gerechtes Maß zuteil werden; denn er hat das Recht lieb. Und verlässt seine Heiligen (Grundt.: Frommen) nicht. Dies würde nicht recht sein, darum wird es nie geschehen. Gott ist gegen die ihm treu Ergebenen eben so treu, wie er allen Menschen gegenüber gerecht ist. Ewiglich werden sie bewahrt. Ihre ewige Sicherheit ist durch die Bundeszusagen gewährleistet und durch die Leistung der Bürgschaft sind diese rechtskräftig geworden. Mag kommen, was will, die Heiligen Gottes werden in Christus Jesus bewahrt; er lebt und sie sollen auch leben. Ein König behütet seine Kronjuwelen; so der Herr die Seinen. Wie das Manna, das doch sonst zerschmolz und verdarb, in dem goldnen Krüglein in der Bundeslade unter dem Gnadenstuhl auf immerwährende Reiten behalten wurde, so werden auch die treuen Seelen in der Macht Jesu, ihres Versöhners, bewahrt. Aber der Gottlosen Same wird ausgerottet, gleich dem Hause eines Jerobeam und eines Ahab, von denen nicht ein männliches Mitglied überblieb. Unrecht erworbene Würden und Reichtümer kommen selten auf das dritte Geschlecht; der Fluch reift aus, ehe viele Jahre dahin sind, und schüttet seine bösen Früchte über das gottlose Haus. In der Hinterlassenschaft ruchloser Menschen ist das sicherste Erbstück das Gericht, das sich an ihrer Familie vollzieht.

29. Die Gerechten werden (Grundt.) das Land erben. Als Miterben Jesu Christi werden sie das himmlische Kanaan, das Gegenbild des irdischen, mit allen seinen Bundessegnungen in Besitz nehmen. Und ewig darin bleiben. Von den irdischen Gütern kann man uns, wie von einem Pachtgut, vertreiben; aber aus dem himmlischen Besitz kann uns niemand ausbieten. Das Paradies ist das unantastbare Erbe der Gläubigen und sie sollen ewig darin wohnen und seine Fülle genießen. Wer möchte nicht unter solchen Bedingungen in den Dienst des Herrn treten? Und wer wollte sich noch wegen der so schnell dahinschwindenden Schätze der Gottlosen ereifern und grämen?

30. Der Mund des Gerechten redet die Weisheit,
und seine Zunge lehret das Recht.
31. Das Gesetz seines Gottes ist in seinem Herzen,
seine Tritte gleiten nicht.
32. Der Gottlose lauert auf den Gerechten,
und gedenkt ihn zu töten.
33. Aber der Herr lässt ihn nicht in seinen Händen,
und verdammt ihn nicht, wenn er verurteilt wird.

30. Der Mund des Gerechten redet die Weisheit. Da sich der ganze Psalm damit beschäftigt, das verschiedene Geschick der Gerechten und der Gottlosen darzustellen, ist es entsprechend, dass er ein Zeichen gibt, woran man den Gerechten erkennen kann. Des Menschen Zunge ist kein übles Kennzeichen seiner Gesinnung. Der Mund verrät das Herz. Gute Menschen reden in der Regel, was zur Erbauung dient, ihre Rede ist lieblich und mit Salz gewürzt und am liebsten sprechen sie von göttlichen Dingen, entsprechend der göttlichen Erleuchtung, die sie empfangen haben. Gerechtigkeit ist Weisheit, ins Tun umgesetzt; daher sind sittlich gereifte Charaktere auch wahrhaft weise Menschen. Sie sinnen auf Weisheit (vergl. den Grundt.), darum reden sie auch weise. Und seine Zunge lehrt (wörtl.: redet) das Recht . Er tritt für das Recht ein, fällt über Menschen und Dinge ein gerechtes Urteil und sagt voraus, dass Gott seine Gerichte über die Gottlosen kommen lassen wird, wie der Herr es von alters her getan hat. Er führt weder törichte noch schlüpfrige, weder seichte noch gemeine Reden. Was wir sprechen, ist von weit größeren Folgen, als manche sich einbilden.

31. Das Gesetz seines Gottes ist in seinem Herzen, seine Tritte gleiten nicht. Da ist das Beste am besten Ort; so bringt es die besten Erfolge zu Stande. Es wundert uns nicht, dass dieses Mannes Rede so bewundernswert ist, da sein Herz mit einem so köstlichen Schatz gefüllt ist. An dem Guten und Göttlichen feine Lust haben, die innersten Beweggründe und Wünsche reinigen und weihen lassen, dem Herrn von Herzensgrund gehorsam sein, - das ist die sicherste Weise, den ganzen Lauf des Lebens auf sein erhabenes Ziel hinzurichten und sich sogar in den kleinen Dingen des Lebens, in den einzelnen Schritten, vor bedenklichen Fehltritten zu behüten. In solchen Zeiten wie die, in welchen wir leben, einen gleichmäßig festen Gang zu bewahren, diese Gnade wird nur solchen gegeben, deren Herzen gegen Gott redlich gesinnt sind und die darum in Wahrheit, nach unserem Verse, Gott ihren Gott nennen können. Die weltliche Klugheit muss sich bald hierhin, bald dorthin wenden und winden und strauchelt und fällt und kommt mit all ihren Sprüngen doch nicht ans Ziel, während die Aufrichtigkeit gemessenen Schrittes auf ihrem geraden Wege fortgeht und das Ziel langsam, aber sicher erreicht.

32. Der Gottlose lauert auf den Gerechten und gedenkt ihn zu töten. Bildeten die Gesetze des Landes nicht eine Schranke, so würden wir bald unter den Gerechten ein Blutbad angerichtet sehen. Jesus wurde belauert von seinen Feinden, die nach seinem Blute dürsteten (z. B. Lk. 20,20), und seine Jünger dürfen von denen keine Gunst erwarten, die den Meister gehasst und getötet haben.

33. Aber der Herr lässt ihn nicht in seinen Händen. Gott erscheint oft zur Befreiung seiner Knechte, und wenn er in diesem Leben ihren Leib nicht aus den Händen ihrer Feinde errettet, so erfüllt er ihre Seele mit solchem Überschwang der Freude und des Friedens, dass sie sich triumphierend aus der Gewalt ihrer Peiniger emporschwingen. Wir mögen wie Hiob für eine Weile in des Feindes Hand sein; aber dass wir seiner Macht überlassen werden sollten, ist unmöglich. Und verdammt ihn nicht, wenn er verurteilt wird. Die Zeit schon wird das voreilige Urteil umstoßen oder sonst wird die Ewigkeit den Gerechten von dem Verdammungsurteil reinigen, das in der Zeit über ihn gefällt worden war. Die Vorsehung lässt wohl, und zwar aus sehr weisen Absichten, auf Erden mancher Ungerechtigkeit den Lauf; aber nicht allezeit wird sauer süß genannt, noch immerdar das Licht als Finsternis verschrien werden. (Vergl. Jes. 5,20). Zu seiner Zeit wird das Recht an den Tag kommen: Alles Unechte, mag es noch so scheinbar sein und noch so anmaßend auftreten, wird entlarvt und das Wahre und Echte enthüllt werden. Haben wir treu gehandelt, so dürfen wir uns getrost von dem kleinlichen Gericht der Leute auf das Reichsgericht des großen Tages, der alles offenbar machen wird, berufen.

Fußnote
8. Spurgeon war bei dem Erscheinen des zweiten Bandes des Treasury, der diesem Psalm enthält erst 36 Jahre alt.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)


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