Andachten zu der "Offenbarung des Johannes"

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Jörg
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Andachten zu der "Offenbarung des Johannes"

Beitragvon Jörg » 15.02.2011 05:52

A.Christlieb Eine merkwürdige Verbannung Offenbarung 1, 9 f. »Ich, Johannes ..., war auf der Insel, die da heißt Patmos, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses Jesu Christi. Ich war im Geist an des Herrn Tag.«

Hier wird von einer merkwürdigen Verbannung berichtet. Was ist daran merkwürdig?

1. Wer ist der Verbannte?

Wer wurde auf jene einsame, öde Insel verbannt? Ein Verbrecher? Ein politischer Verschwörer oder Aufrührer? Nein, der Lieblingsjünger Jesu, der reich gesegnete Apostel Johannes. In seinem Alter traf ihn noch dieses harte Los. Von vielen lieben Gefährten und Brüdern mußte er sich trennen. Auf seine Heimat mußte er verzichten. Als einer, der nicht wert erschien, in der menschlichen Gesellschaft zu leben, wurde er ausgestoßen.

In jungen Jahren gewöhnt man sich verhältnismäßig leicht an einen neuen Wohnort und an neue Verhältnisse. Aber noch im Alter in fremde Gegenden auswandern müssen, ist schwer. Die Ruhe des Alters wurde Johannes versagt. Statt Ehre und Anerkennung bei der Welt zu genießen, traf ihn die Verbannung durch den römischen Kaiser. Wundern wir uns, daß gerade solch ein Mann so schwer betroffen wurde?

Das Wort »Ich, Johannes, war auf der Insel Patmos« gibt uns zu denken. Es sagt uns: Auch die besten und treuesten Jünger Jesu können schwer heimgesucht werden. Niemand von uns hat einen Anspruch auf ein bequemes, dem Fleisch angenehmes Leben. Seine nächsten Freunde läßt Jesus durch Wüsten und Dornen gehen. Fort mit der törichten Meinung, als ob die Liebe Gottes weichlich sei und den treuen Bekennern alles Unangenehme erspare! Wenn ein Johannes nicht von Trübsalen verschont wurde, wer will dann meinen, sein Weg müsse ohne Ungemach sein?

2. Warum wird er verbannt?

Was war denn die Ursache jener furchtbaren Strafe der Verbannung? Hatte Johannes eine unvorsichtige Äußerung gegen die römische Obrigkeit getan? Hatte er einem Mitmenschen irgendwelche Kränkung zugefügt? Nichts davon war der Fall. Vielmehr war er nach Patmos verbannt worden »um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses Jesu Christi«. Es hat je und je Christen gegeben, die sich durch einen Fehltritt eine berechtigte Strafe von seiten der Obrigkeit zugezogen haben. Aber das Vergehen des Johannes bestand darin, daß er die schönste und beste Tätigkeit ausgeübt hatte, die es auf Erden gibt. Er hatte Gottes Wort verkündigt und den Heiland bezeugt.

Hätte er die Welt in Ruhe gelassen mit diesem Zeugnis von Jesus, so hätte er sich manches Leid ersparen können. Aber das durfte er nicht, weil Jesu Wort die Jünger zu Zeugen bestimmt hatte und sein Geist sie dazu antrieb. Gern fügte sich Johannes allen Anordnungen der römischen Obrigkeit. Aber wenn es galt, den Worten seines Heilandes gehorsam zu sein, so wich er auch vor dem römischen Kaiser nicht zurück. Das heilige Wächteramt, das der Herr ihm gegeben hatte, wollte er treu ausrichten. Von seiner Heimat konnte er sich trennen, aber von dem Willen seines Meisters niemals. Lieber ging er in die Verbannung, als daß er ein »stummer Hund« wurde.

Wie beschämt dieser um seines treuen Zeugnisses willen verbannte Johannes uns ängstliche, furchtsame Christen! Laßt uns aus seinem Anblick neu Mut und Freudigkeit schöpfen, unsern Heiland allezeit zu bekennen!

3. Welcher Segen kommt aus der Verbannung?

Darauf wollen wir abschließend achten. Johannes wird in Patmos im Geist an den Tag des Herrn versetzt. Er hört den, der das A und das O, der Erste und der Letzte ist (V. 11). Ihm wird die Geschichte des Reiches Gottes bis in weite Ferne hinaus enthüllt. Nicht in der Heimat in Jerusalem, sondern im öden Verbannungsort sollte Johannes die wunderbaren Blicke tun, die Gott ihm bestimmt hatte. Der Strafort verwandelt sich für ihn in den herrlichsten Platz der Welt. Die öde Insel wird zum Bethel, wo Engel auf- und niedersteigen. Als er das irdische Jerusalem nicht mehr sehen darf, zeigt ihm Gott das neue Jerusalem im Himmel. Da wo er spärlich oder fast nie eine Nachricht von der Christengemeinde erhält, gibt Gott ihm Nachricht von der Kirche Christi bis in die letzte Zeit hinein. Da wo er von allem Einfluß auf andere ausgeschaltet ist, übt er den aller größten Einfluß aus durch das Buch, das Gott ihn schreiben heißt.

Wahrlich, die Feinde haben sich verrechnet, als sie Johannes nach Patmos schickten. Sie konnten ihn wohl verbannen. Aber statt ihn zu schädigen, mußten sie ihm zu neuen Erquickungen und Segnungen verhelfen. Johannes stand eben in einer höheren Hand. Jener vom Haß eingegebene Befehl des römischen Kaisers wurde ihm zur Segensführung seines Gottes.

Das ist bis heute die Art unseres Herrn: Er nimmt den Seinen die Angst vor dem Haß der Christusfeinde, indem er sie stärkt und ihre Wege zum besten wendet. Er macht aus einem öden Patmos in unserm Leben eine Stätte, wo wir seine Herrlichkeit sehen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 16.02.2011 05:38

W.Nee Am Tage des Herrn geriet ich in Verzückung. Offenbarung 1,10

Wer ist tauglich, die Offenbarung zu lesen? Die Antwort finden wir in dem, was Johannes selbst widerfuhr. Bei dem ersten der Gesichte sah er nicht kommende Ereignisse, sondern Christus selbst. Auch Johannes, der an Jesu Brust gelegen hatte, brauchte eine Offenbarung seines ewigen Herrn, die ihn in den Staub warf. Erst dann konnte ihm gezeigt werden, »was geschehen wird«. Niemand ist zugerüstet, die danach von Johannes berichteten Dinge zu erforschen, wenn er nicht zuvor das gesehen hat, was Johannes am Anfang sah; erst wenn wir Jesus so sehen, sind wir für den Kampf gerüstet.

Die Offenbarung verkündet den großen Kampf des Herrn. Sie erklärt allem den Krieg, was sich seiner Königsherrschaft widersetzt. Deshalb will sie uns Christus als König auf dem Herrscherthron zeigen. Nur ein solcher Anblick schafft Kämpfer.
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Beitragvon Jörg » 17.02.2011 05:23

C.H.Spurgeon ,,Begürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel." Off. 1, 13.

Einer, der war eines Menschen Sohne gleich, erschien dem Apostel Johannes auf Patmos, und der geliebte Jünger sah, daß Er einen goldenen Gürtel trug. Einen Gürtel, denn Jesus war allezeit gegürtet, so lange Er auf Erden wandelte, und war stets bereit zum Werk der Gnade, und auch jetzt steht Er vor dem Throne der Ewigkeit seinem heiligen Amte treu vor, als ein Priester gegürtet ,,mit dem Gürtel um den Leibrock her." Es ist gut für uns, daß Er nicht aufgehört hat, seine Liebespflichten an uns zu erfüllen, weil das unser köstlicher Schutz und Schirm ist, daß Er ewig lebt und für uns bittet. Jesus ist nie müßig, seine Kleider lockert Er nie, als ob sein Amt ein Ende erreicht hätte; Er fördert aufs fleißigste die Sache seines Volkes. Ein goldener Gürtel, zum Zeugnis der Vortrefflichkeit seines Amtes, der Königswürde seiner Person, der Hoheit seines Standes, der Herrlichkeit seines Lohnes. Er ruft nicht mehr aus dem Staube, sondern Er redet und bittet mit Kraft, wie ein König und Priester. Unser Anliegen ist wohl versorgt in den Händen unsers erhöheten Melchisedek. Unser Herr gibt all den Seinigen ein herrliches Vorbild. Wir dürfen unsern Gürtel nie lösen. Jetzt ist keine Zeit, sich zur trägen Ruhe niederzulegen, es ist Zeit zum Wirken und Kämpfen. Wir müssen den goldenen Gürtel der Wahrheit immer dichter und fester um unsre Brust gürten. Es ist ein goldener Gürtel und ist darum unser reichster Schmuck, und wir bedürfen dessen sehr, denn ein Herz, das nicht wohl umgürtet ist mit der Wahrheit, die in Christo Jesu ist, und mit der Treue, die der Heilige Geist in uns wirkt, wird nur zu leicht umgarnt vom Irdischen und Vergänglichen und überrascht von der List der Versuchungen. Umsonst ist uns die Heilige Schrift anvertraut, wenn wir sie nicht anlegen wie einen Gürtel, der unser ganzes Wesen umgibt und jede Seite unsres Gemüts in gutem Stand erhält und unsern ganzen Menschen kräftigt. Wenn der Herr Jesus im Himmel den Gürtel nicht ablegt, so dürfen wir es auf Erden noch viel weniger tun. Darum stehet und umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seid.
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Beitragvon Jörg » 18.02.2011 05:42

W.Nee Seine Augen waren wie eine Feuerflamme und seine Füße gleich schimmerndem Erz ... und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser. Offenbarung 1,14 - 15

In der Offenbarung zeigt uns Gott seinen Sohn von einer Seite, die in den Evangelien noch verborgen geblieben ist. In den Evangelien sehen wir Jesus als den Erlöser, in der Offenbarung als den König. Das eine Mal wird seine Liebe, das andere Mal seine Majestät dargelegt. Im Evangelium lassen seine sanften Augen Petrus in Tränen ausbrechen; in der Offenbarung sind sie wie Feuerflammen. Dort war seine Stimme sanft, wenn er die Schafe rief, und aus seinem Munde kamen milde Worte; hier ist seine Stimme beängstigend wie großes Wasserrauschen, und aus seinem Mund geht ein scharfes, zweischneidiges Schwert hervor, das seine Feinde zu Boden streckt. Es genügt nicht, daß wir Jesus als Lamm Gottes und als Erlöser der Welt kennen; wir müssen ihn auch als Gottes König, als Richter begreifen. Wenn wir ihn als Erlöser sehen, sagen wir: »Wie liebenswert!« und lehnen uns an seine Brust; erblicken wir ihn als Herrscher, dann können wir nur sagen: »Wie furchtbar!« und ihm zu Füßen fallen.
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Beitragvon Jörg » 19.02.2011 07:06

J.Kroeker Vom Dienst in der Gemeinde.

"Und Er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe! Ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Totenreiches. Schreibe nun ..." Offb. 1,17 f.


Vor Jahren hat die heimgegangene Dora Rappard der Gemeinde Gottes das köstliche Andachtsbuch: "Sprich Du zu mir!" geschenkt. Wie sollte dieser Titel das Gebet aller Knechte und Mägde Gottes werden, die irgendeinen führenden Dienst innerhalb der Kirche Christi haben! Denn nur insoweit zu uns gesprochen wird, können auch wir sprechen. Der Inhalt der einzelnen Sendschreiben wäre ein Geheimnis der Ewigkeit geblieben und hätte nie mit seinem Lichte zur Orientierung der Kirche Christi gedient, wenn der Geist nicht zu dem Engel der einzelnen Gemeinden hätte sprechen können. Die Zeiten sind zu ernst, die Gerichte zu hart, der Jammer des Volkes ist zu groß, als dass wir uns mit religiösen Allgemeinheiten abfinden könnten. Es genügt nicht, nur das Gewordene zu pflegen, es gilt, Untergehendes zu retten, Irrendes zu leiten, Gerichtetes aus dem Gericht zu führen! Das können wir jedoch nur dann, wenn wir ein Evangelium in uns tragen, das größer ist als die Schuld der Gegenwart, wenn wir uns von einer Liebe beseelt wissen, die stärker ist als der Tod, wenn wir uns von einer Kraft begnadet sehen, die durch ihr Vertrauen die Welt überwindet. Wenn jemand im Blick auf den ganzen Jammer der Gegenwart leidet, dann ist es der heilige Geist, der zum Heile des Volkes sprechen möchte. Der aber nicht sprechen kann, weil ihm der Engel der Gemeinde fehlt, an den Er sich wenden kann.

Je mehr die Welt erfasst, dass unser herrschendes Christentum und Christus nicht ein- und dasselbe sind, desto mehr öffnet sie sich dem Geiste und der Botschaft dieses Christus. An unserem allgemeinen Christentum ist sie irregeworden. Es hat ihr Christus vielfach weit mehr verdunkelt als enthüllt. Es hat viel mehr versprochen, als es gehalten hat. Und wird sich die Kirche Christi nicht auf ihre göttliche Sendung und auf ihr verdunkeltes Christusevangelium besinnen, dann wird sie eines Tages mit Schrecken entdecken, dass man Christus haben kann auch ohne Kirche. Das Volk will zurück zum Herrn und nicht nur zum Tempel des Herrn. Es sehnt sich nach der Herrlichkeit und Vollmacht des Christus und nicht nach der Herrlichkeit und dem Kultus unserer Kirchen. Welch ein Ringen der Kirchen und Gemeinschaften um die Seelen der Menschheit! Alles wirbt, alles evangelisiert, aber wie oft aus den egoistischsten Motiven der Selbsterhaltung heraus! Uns fehlt das Evangelium ohne Nebengedanken, das allein Christum treibt.
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Beitragvon Jörg » 20.02.2011 07:46

S.Keller Offb. 1, 18: «Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig ...»

Das kann im vollen Sinn beider Aussagen niemand so von sich sagen als Jesus! Was haben wir seither von diesen Heilstatsachen für unsern Glauben und Leben schon gehabt und genossen! Da mutet es uns wunderlich an, wenn es mitten in der Christenheit Leute gibt, die kein Ostern, keinen auferstandenen Heiland, keine Lebensbezeugung aus der Höhe erkennen. Vielleicht fehlt ihnen die Gleichung: sie selbst sind noch von ihrem Tod - d. h. ihrer Sündenverhaftung, gar nicht überzeugt, darum sind sie auch noch nicht lebendig! Sie brauchten keinen toten Heiland am Kreuz um ihrer Schuld willen - dann bekommen sie auch keinen lebendigen Heiland für ihr Leben! Der Weg zum lebendigen Osterjubel geht durch die Totenklage des Karfreitags. Neues Leben wächst nur aus dem Gericht über die Sünde am Kreuz. Nun glauben wir aber an Jesu Tod und die Vergebung unserer Sünden; dann muß auch der Osterglaube in uns spürbare Wirkungen erzielen: mit Jesus lebendig geworden für Gott! - Und wenn es leiblich nochmals so kommt, daß wir sterben müssen, dann bleibt's doch bei der Gleichung mit Jesus, daß wir nachher im neuen Licht der Ewigkeit ihm das jauchzend nachsprechen können: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig!

Herr Jesus, du lebst und willst uns auch in dein Leben hineinziehen! Erbarme dich unserer Trägheit und Torheit, wenn es gilt, zu glauben und zu leben mit dir. Amen.
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Beitragvon Jörg » 21.02.2011 05:56

J.Kroeker Vom Dienst in der Gemeinde.

"Dem Engel der Gemeinde zu Ephesus schreibe." Offb. 2,1.


Gott fing sein Werk niemals bei der Masse an. Er schuf nicht zunächst den Schöpfungssabbat und zog dann allmählich den ganzen chaotischen Zustand der Schöpfung in diesen Sabbatcharakter hinein. Er fing an mit dem Licht des ersten Schöpfungstages und vollendete zuletzt das Ganze für jenen siebenten Tag einer erlösten Schöpfungsordnung, die hinfort keinen Abend mehr sah.

Von dieser Art seines Wirkens ist der Geist Gottes niemals abgewichen. Um ein ganzes Volk zu erlösen, berief er zunächst Mose zu einem Propheten. Damit auch den Nationen die Christusbotschaft gebracht würde, sonderte Er sich einen Paulus zum Apostel des Kreuzes und der Auferstehung aus.

So wandte sich der Heilige Geist mit seiner Botschaft an die kleinasiatischen Gemeinden zunächst an die einzelnen Engel derselben. Sie sollen reden, nachdem zu ihnen geredet worden ist. Das Geheimnis der göttlichen Sendung eines jeden wahren Seelenhirten besteht darin, dass sein Dienst in der Gemeinde von Gott her geschieht. Er hat zuvor vor Gott gestanden, bevor er das Antlitz seiner Brüder sieht. Er war zuvor der Empfangende, bevor er der Gebende wurde. Jesus kam vom Vater, daher hatte Er uns so Unendliches vom Vater zu sagen.

Denn der Inhalt unserer Botschaft verrät immer den Ursprung unserer Sendung. Wir können nur insoweit führen, als wir von Gott geführt worden sind, nur insoweit eine Erlösung künden, als uns eine Erlösung erschlossen worden ist. Wer nicht seinen Dienst von Gott her in der Gemeinde und unter der Menschheit tut, wird die Zagenden und Irrenden, Suchenden und Gebundenen nie bis zu Gott zu führen vermögen. Niemals stieg das Wasser einer Leitung höher als deren Quelle lag.

Hier liegt vielfach die Not unserer Gegenwart! Den Gemeinden fehlen jene Hirten, die von Gott kommend vor die Gemeinde treten. So mancher Seelenhirte sieht zwar den ganzen Jammer und den herrschenden Tod innerhalb seiner Kirche. Ihm fehlt aber die Botschaft, die zu einem heiligen Erwachen und zu einer Auferstehung der Totengebeine führen könnte. Er hat das Totenfeld seiner Gemeinde gesehen, ohne dass er den Geist sprechen hörte: "Weissage zu diesen Totengebeinen, dass sie leben sollen!" Das muss zum inneren Verzagen im geistlichen Dienste führen. Die Welt in ihrem allmählichen Untergang und die Kirche in ihrem geistlichen Zerfall zu sehen, ohne einen Auftrag Gottes zu deren Heil in sich zu tragen, das führte noch immer entweder zu jener Resignation eines Elia, der sich nach seinem erloschenen Eifer entmutigt in die Wüste zurückzog, oder zu jenem unfruchtbaren Dienst, der sich in der Anklage der Brüder vor Gott erschöpfte.
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Beitragvon Jörg » 22.02.2011 05:36

J.Kroeker Vom Dienst in der Gemeinde.

"Das sagt, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter (Gemeinden) wandelt." Off. 2,1.


Hört erst der Engel oder Hirte, dann soll auch die Gemeinde hören, wie Christus ihr Leben einschätzt und ihren Dienst beurteilt. Ihre Selbsteinschätzung geht vielfach völlig fehl. Sie hat wie Ephesus eines Tages ihr Tiefstes verloren und weiß es nicht. Sie begnügt sich wie Sardes mit dem Namen, den sie aus reicher Vergangenheit gewonnen hat, und ahnt nicht, dass sie gegenwärtig ohne Leben ist. Sie ist zwar reich und satt wie Laodizäa in ihrem viel beschäftigten Eigenleben, aber ihrem ganzen Aufbau und in ihrem Dienst fehlt der Herr.

Christus spricht jedoch nicht nur von dem Fehlenden und von der falschen Selbsteinschätzung. Er spricht in erster Linie immer von dem Vorhandenen. Ihm entgehen nicht einmal die wenigen in Sardes, "die ihre Kleider nicht befleckt haben". Er sieht sie. Er tröstet und ermutigt sie mit den Worten: "sie sollen mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind es wert." Er weiß, dass die Gesamtkirche in Thyatira gesund ist in ihrem Glauben, in ihrer Liebe und in ihrer Kraft. Er macht sie aber aufmerksam auf die schleichende Gefahr in ihrer Mitte. Sein Gericht an dem Falschen und Widergöttlichen in ihrer Mitte soll für sie nur zum Leben gereichen. Er sieht die kleine Kraft der Gemeinde zu Philadelphia und wie gerade sie vor einer weitgeöffneten Tür steht. Er kennt die schwere Stellung der Gemeinde in Pergamus, dass sie wohnt, wo der Stuhl Satans ist, und gibt ihr das wunderbare Zeugnis: "doch du hältst fest an meinem Namen und hast den Glauben, den ich in dir gewirkt, nicht verleugnet."

Und wenn Christus von der Krankheit der Gemeinden spricht, dann zeigt Er auch immer den Weg der Gesundung. So sah sich jede Gemeinde durch die Botschaft, die Christus für sie hatte, vor eine innerliche Entscheidung gestellt. Über diese kann sie weder von Christus noch vom Engel überhoben werden. Die Buße, die Umkehr zum Leben vollzieht sich nicht ohne bewusste Einwilligung jedes einzelnen Gliedes der Gemeinde.

Jedoch wer überwindet und zur ersten Liebe zurückkehrt, - treu bleibt bis zum Tode auch angesichts schwerster Trübsale und Leiden, - festhält im Glauben, so stark auch die Hölle wüten mag, - sich zurückzieht von allen falschen Spekulationen, durch die man die Tiefen Satans zu erkennen hofft, - seine Kleider des Heils nicht befleckt mit dem Scheinwesen eines erstorbenen Lebens, - den Namen Christi nicht verleugnet, so klein die eigene Kraft auch sein mag, - die Tür des Herzens dem Herrn wieder öffnet, damit Er eintreten und das Abendmahl mit der Seele halten kann -, wer so überwindet, soll entsprechend erben und teilhaben am vollendeten Leben.
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Beitragvon Jörg » 23.02.2011 05:47

C.H.Spurgeon ,,Ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verlässest." Off. 2, 4.

Ewig unvergeßlich ist jene herrlichste und heiligste Stunde, in welcher wir den Herrn zum ersten Mal sahen, unsre Last los wurden, das Wort der Verheißung empfingen, unsrer völligen Vergebung gewiß wurden und hingingen mit Frieden. O, das war der herrliche Frühling unsrer Seele; der Winter war vergangen; das Grollen des Donners am Sinai war verhallt; das Blenden seiner Blitze ward nicht mehr wahrgenommen; Gott erzeigt sich als versöhnt; das Gesetz bedrohte uns nicht mehr mit seinem Zorn, die Gerechtigkeit verlangte keine Strafe mehr. Damals erblühten die Blumen in unserm Herzen; Hoffnung, Liebe, Friede und Geduld entsprangen dem Gefilde, die Hyazinthe der Reue, das Schneeglöckchen der reinen Heiligkeit, der Safran des goldenen Glaubens, die Narzisse der ersten Liebe: sie alle bedeckten den Garten unsrer Seele. Die Zeit des Vogelgesanges war gekommen, und wir freuten uns mit Dankespsalmen; unser Entschluß hieß: ,,Herr, ich bin Dein, ganz Dein; alles, was ich bin, und alles, was ich habe, möchte ich gern Dir weihen. Du hast mich erkauft mit Deinem Blut, so will ich mich denn Deinem Dienst hingeben und weihen. Im Leben, wie im Tode will ich Dir geheiliget sein." Wie haben wir diesen Vorsatz gehalten? Unsre bräutliche Liebe brannte mit heiliger Flamme völliger Hingebung zu Jesu empor - ist es noch so? Könnte der Herr Jesus nicht zu uns sprechen: ,,Ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verlässest?" Ach, wie wenig ist doch das, was wir für unsers Herrn und Meisters Ehre getan haben. Unser Winter hat zu lange gewährt. Wir sind so kalt wie Eis, wo wir von sommerlicher Wärme strahlen und mit heiligen Blumen geschmückt sein sollten. Wir schenken Gott Kupferpfennige, wo Er Goldmünzen verdient; nein, wo Er vielmehr verdient, daß wir Ihm unser Herzblut im Dienst seiner Gemeinde und seiner Wahrheit hingeben sollten. Aber sollen wir also fortfahren? O Herr, sollen wir undankbar sein und gegen Dein heiliges Wirken und Wollen gleichgültig bleiben, nachdem Du uns so reichlich gesegnet hast? O, belebe uns und gib, daß wir zu unsrer ersten Liebe zurückkehren und die ersten Werke tun! Sende uns einen neuen Frühling, o Sonne der Gerechtigkeit!
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Beitragvon Jörg » 24.02.2011 05:32

C.Eichhorn Verborgener Rückgang, den nur Jesu Auge sieht Ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verläßt. Offb. 2, 4

Viel Gutes kann der Herr Jesus an der Gemeinde in Ephesus anerkennen, so viel, daß man denken möchte, es fehle wahrlich diesen Christen nichts. Sie arbeiten für den Herrn und sind dabei ausdauernd. Sie können Böse nicht tragen, sondern schließen sie aus ihrer Mitte aus. Sie üben Zucht. Es herrscht unter ihnen sittlicher Ernst. Sie zeigen Prüfungsvermögen in Bezug auf Evangelisten, die sich für Sendboten Jesu ausgaben und es doch nicht waren. Endlich sind sie auch willig, für Jesus zu leiden, und lassen sich durch Trübsale nicht abwendig machen. "Aber ich habe wider dich": ein gewichtiges und bedenkliches Aber. "Du hast deine erste Liebe verlassen." Alles, was Jesus anerkannt hat, lag offen vor aller Augen. Was er tadelt, sieht nur er. Was ist die erste Liebe? Stelle dir die Christen in Jerusalem vor! Ihr Herz war voll Lobpreis. Sie waren unersättlich im Hören des Wortes, brünstig im Gebet, hingehend in der brüderlichen Liebe, so daß ihnen aller Besitz gemeinsam war. - Was rühmt Paulus von der ersten Liebe der Galater? "Wie waret ihr so glücklich! Wenn es möglich gewesen wäre, ihr hättet eure Augen ausgerissen und mir gegeben." Ihr Teuerstes und Bestes waren sie bereit hinzugeben. - An den Christen in Mazedonien können wir gleichfalls sehen, was die erste Liebe ist. Sie hatten viel zu leiden. Und doch war ihre Freude überschwenglich. Sie waren arm und gaben doch reichlich, ja überreichlich (2. Kor. 8, 1-5). Wie kommt es, daß die erste Liebe zurückgeht? Bei den einen wird sie gedämpft durch den irdischen Sinn mit seinen Sorgen und Interessen. Bei den anderen erkaltet sie infolge von Hochmut und Ehrsucht. Das letztere war wohl bei den Ephesern im Spiel. Ephesus war die kleinasiatische Muttergemeinde. Von Paulus selbst gegründet, war sie wohl die zahlreichste und stand in besonderem Ansehen und an erster Stelle. Dies wurde für sie gefährlich. Es bildeten sich geheime Ansprüche wie bei jenen erstgedungenen Arbeitern (Matth. 20, 10-12). Dann sinkt die Liebe; denn sie fließt aus der tiefen inneren Beugung, wie sie der verlorene Sohn hatte oder jene Sünderin im Gegensatz zum Pharisäer Simon (Luk. 7, 36). Nicht das, was in die Augen sticht, ist für den Herrn Jesus entscheidend. Er späht nach der Liebe. Wo sie mangelt, wird alles zum seelenlosen Maschinenwerk. "Denke daran, wovon du gefallen bist!" Das Nachlassen der ersten Liebe ist in Jesu Augen schon ein Fall. Man merkt es selbst nicht. Bei Ephesus stand nicht der Herr Jesus, sondern ihre Reichsgottesarbeit an erster Stelle. Zuerst erkaltet die Liebe ein wenig. Dann tritt völlige Lauheit, endlich geistlicher Tod ein wie bei Sardes. Nur durch immer neue Buße wird die Liebe zum Heiland frisch erhalten. Daher die Mahnung an Ephesus: "Tue Buße, sonst werde ich deinen Leuchter wegstoßen!" Denn wenn er nicht mehr leuchtend strahlt, ist er nur ein leeres Gestell und steht hinderlich im Wege wie der unfruchtbare Feigenbaum (Luk. 13, 7).
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Beitragvon Jörg » 25.02.2011 05:35

C.O.Rosenius Ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verlässest. Offb. 2, 4.

Zuerst erkennen wir hier bei allem Ernst die große Gnade, daß Christus unsere Liebe haben will. Er fragt nach unserer Liebe, Er will uns nicht nur zu Dienern, sondern auch zu Freunden haben. Er ist nicht zufrieden, wenn Er nur unsere Werke erhält, sondern Er will auch von uns geliebt sein. Er will nicht nur unseren Dienst, sondern auch die Liebe unseres Herzens haben. Zum anderen sehen wir hier, daß mancher in allem, was zur äußeren Beweisung des Christentums gehört, einer der vornehmsten Christen sein kann, während in seinem Herzen das eigentliche Leben, der Kern und die Hauptsache fehlen. Viele, die dies jetzt lesen, nehmen hierdurch ihr Urteil in den Mund. Sie werden nämlich in demselben Zustand erfunden werden wie der Lehrer zu Ephesus; sie haben alles, was zur Gottesfurcht gehört, nur die erste Liebe fehlt. Jemand ist ein erleuchteter Christ, ein Bruder unter Brüdern und recht aus Gott geboren. Christus kann von seiner ersten Liebe zeugen. Er hat hernach immer seine Gottesfurcht bewiesen. Ja, er lebt nicht nur fromm und übt täglich gute Werke, sondern er arbeitet auch um Jesu willen und erduldet sogar Verfolgung. Er ist außerdem so standhaft und so treu, daß er nicht ermüdet, sondern darin fortfährt und Geduld hat und tut das alles bei so geistlichem Lichte, daß er die falschen Geister von den rechten zu unterscheiden weiß, die Werke der Nikolaiten haßt, welche auch der Herr haßt usw. - Sollte ein solcher nicht beruhigt sein, daß alles mit ihm wohl stehe? Jesus sagt hier etwas anderes. Aller dieser guten Eigenschaften ungeachtet kann der Herr Christus dennoch zu dir sagen: ,,Ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verläßt."

Wenn diese erste Liebe und ihre Werke nun bei dir ausgestorben sind, so ist dies eine höchst bedenkliche Sache. Hier muß nun aber wegen der zaghaften und bangen Herzen der Gläubigen bemerkt werden, daß man zwischen der ersten Liebe und den ersten Empfindungen genau unterscheiden muß. Beachte! Außer der Liebe, die bei dem zurückgekehrten Sohn entstehen mußte, als der Vater ihn so unverdient mit einem so brennenden Herzen umfaßte, sagt Christus, daß auch ein Freudenfest angerichtet und unter Gesang und Reigen ein gemästetes Kalb gegessen wurde. Dieses Freudenfest und ein solches Leben konnten nicht täglich stattfinden. Danach mußte der Sohn an der Arbeit teilnehmen und alltägliche Kost genießen. Ist dies nicht ein Beispiel für Gottes Regierung mit Seinen Kindern? Zuerst eine liebliche Zeit seliger Gefühle, wo ein Johannes an der Brust Jesu liegen und eine Maria Magdalena Ihn anrühren und Sein liebliches Angesicht sehen darf, - jetzt können die Hochzeitsleute nicht fasten. Aber ,,der Bräutigam wird von ihnen genommen werden, und dann werden sie fasten." Dann kann Johannes nicht mehr an der Brust Jesu liegen, dann darf

Maria Ihn nicht mehr anrühren. Das müssen alle Christen erfahren. Luthers Worte bewahrheiten sich: ,,Je nachdem der Glaube zunimmt, nehmen die Gefühle ab." Dies muß immer von der ersten Liebe unterschieden werden.

Aber worin besteht diese erste Liebe denn? Hier müssen wir darauf achtgeben, wodurch sie entstand, worin sie bestand und wovon sie abhing. Sie entstand nur dadurch, daß ,,viele Sünden vergeben wurden." Sie bestand eigentlich darin, daß der Heiland wegen der Sündennot unentbehrlich und wegen der Vergebung der Sünden so lieblich und teuer wurde. Hiermit ist die Hauptsache ausgesprochen: Der Heiland ist unentbehrlich und teuer. Wo die Sünde überströmt, ist die Gnade doch viel überschwenglicher. Und schließlich kann man im Himmel und auf Erden nichts anderes so teuer halten als den Heiland, von dem all diese Gnade kommt. Und diese Liebe ist um so stärker, je nachdem der Heiland mir unentbehrlicher und kostbarer ist, wenn auch mein Gefühl schwächer ist. Beachte dies, und du kannst zwischen der ersten Liebe und den ersten Empfindungen unterscheiden. Das verstehen die nicht, deren Christentum nur in zufälligen Gefühlen besteht. Diejenigen aber, denen nicht nur die Sünde, sondern auch die Gnade eine große Wirklichkeit ist, verstehen es.

Wenn wir die Worte Christi an jenen Lehrer zu Ephesus im Zusammenhang betrachten, merken wir, daß der Herr sagen will: Deine Werke, deine Arbeit um Meines Namens willen, dein Leiden, deine Geduld und dein Licht, deine Gabe, die Geister zu prüfen, ja, noch mehr, das Wohl Meiner Gemeinde, die Förderung Meines Reiches, die Reinheit Meiner Lehre, alles das ist dir teuer und wichtig. Nur Ich, als dein Fürsprecher und Versöhner, bin dir jetzt weniger wichtig, nur Ich und Meine Werke, Ich in dem blutigen Gewande Meiner Versöhnung bin dir jetzt nicht so unentbehrlich und teuer wie zu der Zeit unserer Vereinigung. Du bedarfst jetzt nicht, wie damals, als ein Sünder zu Meinen Füßen zu liegen und um die Früchte Meiner Werke, um das Verdienst Meines Blutes, um die Vergebung der Sünden zu betteln. Deine eigenen guten Werke, dein herrliches Christentum, deine nützliche Wirksamkeit, das alles ist dir jetzt genug. - Das meinte Christus, als Er so ausführlich die Verdienste dieses Mannes aufzählte und hinzufügte: ,,Aber Ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verlässest."

Ach, prüfe, Herr, mein armes Herz, Du kannst es, Du allein! Dein laß es sein in Freud und Schmerz, Bleib du auch ewig mein. Du löstest mich aus Satans Band, Bevor ich Deine Gnad' verstand. Ach, lehre mich, zu lieben Dich; Ich weiß, Du liebst auch mich.
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Beitragvon Jörg » 26.02.2011 05:56

L.Hofacker Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist. Offenb. 2, 7.

Wo Überwindung ist, da muß auch Kampf sein; niemand kann überwinden ohne Kampf. Was haben wir nun zu überwinden? Jeder Christ hat seine eigene Sünde, seine Lieblings- und Schoßsünde, die er überwinden muß. Der eine hat den Geiz, ein anderer die Wollust, ein dritter die Eitelkeit, ein vierter die Trägheit, wieder ein anderer die falschen Meinungen und Vorurteile über sich und die Welt zu überwinden, und zwar durch das Wort der Wahrheit. Aber auch ein jedes Zeitalter hat seine eigenen Sünden zu überwinden, die uns am meisten gefangen halten - und was ist dies in unserer Zeit vornehmlich? Ich sage: Der Leichtsinn, weil man sich durch den Geist Gottes nicht mehr strafen lassen will, weil man nicht mit Ernst und Kampf, sondern mit Lachen und Scherzen, mit leichtem Wesen und losen Gedanken in den Himmel will, in den doch keiner eingehen darf, dem es nicht ein völliger Ernst ist, der nicht um Wiedergeburt ringt und kämpft. Aber nicht bloß der Leichtsinn dieser Zeit, sondern auch der Unglaube, der sich so sehr eindrängt, überhaupt der ganze Geist unserer Zeit ist zu überwinden. Ein jeder Christ, der noch nicht wiedergeboren ist, hat zu kämpfen, zu ringen, zu beten, zu flehen, bis er dieses hohen Gutes teilhaftig wird, und wer wiedergeboren ist, hat zu wachen und zu kämpfen, daß er seinen Schatz bewahrt, daß er in Demut und Niedrigkeit bleibt. O gehe nur in deine Haushaltung: wie vieles ist da zu überwinden, wenn du das, was du vielleicht gern tätest, unterlassen sollst, und was du gern unterließest, tun sollst. Es gibt überall zu überwinden im täglichen Leben, in deinem Aufstehen und Niedergehen, in deinem Essen und Trinken, in deinem Umgang mit den Menschen und in der Einsamkeit, wenn wir den Willen Gottes tun und die Grundgesetze des Reiches Gottes in Ausübung bringen wollen: daß Gehorsam besser ist als Opfer, und unsere Pflicht es fordert, Treue zu beweisen im Kleinen, ja selbst im Allergeringsten; nicht uns selbst zu leben, sondern Gott und Christus, und los zu werden von unserem eigenen Willen. Es gibt sehr vieles zu überwinden.

Schenke, Herr, auf meine Bitte mir ein göttliches Gemüte, einen königlichen Geist, mich als dir verlobt zu tragen, allem freudig abzusagen, was nur Welt und irdisch heißt.

So will ich mich selbst nicht achten; sollte gleich der Leib verschmachten, bleib ich Jesu doch getreu; Sollt ich keinen Trost erblicken, will ich mich damit erquicken, daß ich meines Jesu sei.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 28.02.2011 05:23

J.Kroeker Von seiner bleibenden Gegenwart.

"Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt." Off. 2,7.


Gottes Gegenwart erleben wir in der Gegenwart seines Geistes. Sein Geist hat jedoch in den einzelnen Zeitaltern der Geschichte nie geschwiegen. Er schwieg nicht einmal in der Urzeit, als Er vor dem chaotischen Zustand der ersten Schöpfung stand. Er wird auch nicht schweigen in dem vor uns liegenden Zeitalter. Er hat den Völkern Europas und der ganzen Welt noch unendlich viel zu sagen. Er will sprechen auch zu uns, dem Volke deutscher Zunge.

"Wer ein Ohr hat, der höre!" Wohl haben wir Ohren, aber vielfach nicht solche, die auf die Sprache der Ewigkeit eingestellt sind. Wir orientieren uns im Lichte unserer Zeitströmungen. Am tiefsten beschäftigt uns der Ernst unserer Wirtschaftslage. Aber Gott? Für Gottes Botschaft fehlt uns das geöffnete Ohr, für Gottes Welt das erleuchtete Auge, für Gottes Gegenwart der entsprechende Raum. Wohl tragen auch wir noch ein Gottesbild in uns. Es ist aber ein Gottesbild, das wir vom Standpunkt unseres Lebens und unserer Zeit aus gewonnen haben. Gott selbst ist uns jedoch oft so fern, dass wir Ihn weder in unserem persönlichen Leben noch am Geschehen der Geschichte zu sehen vermögen. Wir entbehren Ihn nicht. Denn in unserer Frömmigkeit, in unserem Wirtschaftsleben und in unserem Staatsaufbau kommen wir aus auch ohne Ihn. Er stört uns nur! Uns fehlt daher ein Weltbild vom Standpunkt Gottes aus, eine Orientierung im Licht der Ewigkeit, ein Ohr für die Sprache des Geistes in der Gegenwart.

Es sind daher auch heute wieder zunächst nur die Überwinder, wie einst in den kleinasiatischen Gemeinden, die den Geist in seiner Sprache zu hören vermögen. Des Geistes Botschaft ist aber nicht an diese allein gerichtet. Er will nicht nur zu den Einzelnen, Er will zu der Gesamtkirche Christi sprechen, damit sie begnadigt werde, wiederum auch zur Welt zu sprechen. Denn die Kirche hat der Welt nur so viel von Gott zu künden, als sie zuvor von Gott gehört hat. Hört sie aber Gott reden, dann bedeutet es keine Anmaßung für sie, wenn sie sich mit ihrer Botschaft an die Völker der Welt wendet. Dann äußert sich darin nur die Erfassung ihrer göttlichen Berufung und Sendung: eine Prophetin der göttlichen Offenbarung und ein Apostel des Gekreuzigten und Auferstandenen zu sein.

Welch ein Erwachen würde in unseren Kirchen, Gemeinden und Gemeinschaften beginnen, wenn man wieder merken würde, dass Christus zu ihnen spricht: "Ich kenne deine Werke!" Christus selbst will zu allen sprechen, damit die Gemeinde Ihn höre. Hört sie Ihn nicht, dann wird sie die Stimme eines Fremden hören und in dessen Evangelium ihren Untergang erleben. Eine Christuskirche kann nur durch Christus gesunden und leben.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 01.03.2011 05:29

W.Nee Ich weiß deine Trübsal und deine Armut - du bist aber reich. Offenbarung 2,9

Blicken wir um uns, dann müssen wir bei sehr vielen Christen einen betrüblichen Mangel an geistlicher Erfahrung feststellen. In ihrem Leben gibt es so wenig, das auf »Fülle« deutet. Was sie haben, reicht kaum für sie selber, viel weniger, um anderen etwas abzugeben. Warum sind sie so arm? Kommt es nicht daher, daß sie nicht wissen, wohin die Zucht des Heiligen Geistes sie führen soll? »Durch die Bedrängnis hast du mich zunehmen lassen«, sagt der Psalmist (Psalm 4,1). Der Zweck der Armut im Irdischen ist das Reichwerden im Ewigen. Gott hat nie gewollt, daß Beschwernis und Armut vergeblich seien. Alle Einengung soll zur Ausweitung führen, alle Armut zur Bereicherung. Gottes Ziel für sein Volk ist weder ständige Bedrängnis noch ständige Armut. Sie sind nicht Selbstzweck, sondern Mittel zu Gottes Zweck. Einengung ist der Weg zur Weite; Armut ist der Weg zum Reichtum.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 02.03.2011 05:37

W.MacDonald »Ich kenne deine Drangsal und deine Armut.« Offenbarung 2,9

Siebenmal sagt der Herr Jesus in Seinen Sendschreiben an die Gemeinden in Asien: »Ich kenne« , und normalerweise werden diese Worte in einem wohlmeinenden Sinn gebraucht. »Ich kenne deine Werke... deine Mühen... deine Geduld... deine Drangsal... deine Armut... deine Liebe... deinen Glauben.« In diesen Worten liegt ein unendlicher Trost, Mitgefühl und Ermutigung für das Volk Gottes.

Lehman Strauss weist in diesem Zusammenhang auf folgendes hin: »Jesus verwendete hier nicht das Wort 'ginoske', das auch häufig 'kennen' bedeutet im Sinne von 'erkennen, durch Dazulernen erfahren'. Er benutzte vielmehr den Ausdruck ,oida', das bedeutet 'die Fülle des Wissens haben, etwas vollkommen kennen, nicht nur aus Beobachtung, sondern aus Erfahrung'. Obwohl die Welt die leidenden Heiligen nicht kennt und sie sogar haßt, sind sie dem Herrn doch bekannt und von Ihm geliebt. Jesus Christus kennt Verfolgung und Armut aus eigener Erfahrung. Er weiß wohl, wie die Welt die Christen ansieht. So mancher müde, von Versuchungen geplagte und betrübte Heilige ist schon von diesen zwei Worten gestärkt und ermutigt worden: 'Ich kenne...' Diese Worte aus dem Mund unseres Heilandes berühren unsere Nöte mit dem Lächeln Gottes und machen, 'daß die Leiden dieser Welt nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll'« (s. Römer 8,18).

Es sind Worte des Mitgefühls. Unser großer Hohepriester weiß, was wir durchmachen müssen, weil Er es selbst auch durchgemacht hat. Er ist der Mann der Schmerzen, der mit Sorgen und Kummer wohl vertraut ist. Auch Er hat gelitten und ist versucht worden.

Es sind Worte der Anteilnahme. Als das Haupt des Leibes teilt Jesus mit Seinen Gliedern die Versuchungen und Verfolgungen. An jedem Schlag, der uns das Herz zerreißen will, nimmt der Mann der Schmerzen Anteil. Er weiß nicht nur gedanklich, was wir erleben müssen; Er kennt es so, als ob Er es in diesem Moment wieder selbst erfahren würde. Er empfindet mit.

Und es sind Worte der versprochenen Hilfe. Als unser Tröster kommt Er an unsere Seite, um unsere Lasten mitzutragen und uns die Tränen abzuwischen. Er ist da, um unsere Wunden zu verbinden und unsere Feinde zu vertreiben.

Und schließlich sind es auch Worte des versprochenen Lohns. Der Herr weiß alles, was wir tun und leiden, weil wir mit Ihm eins sind. Er registriert sorgfältig jede Tat der Liebe, des Gehorsams und der Geduld. Und eines Tages, vielleicht schon bald, wird Er uns reichlich vergelten.

Wenn wir jetzt gerade durch ein finsteres Tal der Sorge und des Leidens hindurchmüssen, dann hören wir, wie der Heiland zu uns sagt: »Ich kenne es.« Wir sind nicht allein. Er ist bei uns in diesem Tal, wird uns sicher hindurchbringen und uns sicher an den ersehnten Ort unserer Bestimmung führen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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