Andachten zum 4. Buch Mose

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Jörg
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Andachten zum 4. Buch Mose

Beitragvon Jörg » 27.05.2012 05:33

C.H.Spurgeon ,,Und sollen die Letzten sein im Ausziehen mit ihrem Panier." 4 Mose 2, 31.

Das Lager Dan brach zuletzt auf, wenn die Heere Israels auf ihrer Wanderung durch die Wüste weiterzogen. Die Daniter nahmen die letzte Stelle ein; doch was kam viel auf die Stelle an, gehörten sie doch als Letzte ebensogut zum Heere, wie die vordersten Stämme; sie folgten derselben feurigen Wolkensäule, sie aßen dasselbe Manna, tranken aus demselben geistlichen Fels, und wanderten demselben Land der Verheißung entgegen. Komm, meine Seele, werde munter und fröhlich, ob du auch zuhinterst und zuletzt bist; du hast das selige Vorrecht, daß du zum Herrn gehörst und daß du mitgehst, wo die hingehen, die den Vortrab anführen. Einer muß der Letzte sein in Ehre und Ansehen, irgend einer muß das Geringste leisten um Jesu willen, und warum sollte ich nicht das sein? In einem elenden Dörflein, unter unwissenden Tagelöhnern, ober in einer engen Sackgasse, unter verworfenen Sündern will ich für meinen Heiland werben, und will ,,der Letzte sein mit meinem Panier." Die Daniter hatten eine sehr wichtige Stelle inne. Herumstreifer müssen unterwegs aufgehoben und mitgenommen, verlornes Eigentum muß vom Boden aufgelesen werden. Feurige Gemüter mögen vorwärts stürmen auf ungebahnten Pfaden, um neue Wahrheiten zu erkennen, und Jesu mehr Seelen zuzuführen; aber manche von mehr besonnener und ruhiger Geistesanlage mögen wohl dazu verwendet werden, die Gemeinde an ihren frühern Glauben zu erinnern und ihre schwachen Söhne aufzurichten. Jede Stelle hat ihre Pflichten, und die langsam gehenden Kinder Gottes werden finden, daß ihre eigentümliche Bestimmung derart ist, daß sie dem ganzen Heere zum größten Segen werden können. Die Nachhut hat eine gefahrvolle Stelle. Feinde sind hinter uns wie vor uns. Angriffe stehen auf allen Seiten bevor. Wir lesen, daß Amalek Israel überfiel, und der Hintersten etliche erschlug. Der erfahrene Christ findet viel Arbeit für seine Geisteswaffen, wenn er den armen, verzweifelnden, zitternden Seelen beisteht, die im Glauben, in der Erkenntnis und in der Freudigkeit zu den Hintersten gehören. Meine Seele, wache sorgfältig und siehe, wie du den Hintersten auch heute helfend zur Seite stehen magst.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 28.05.2012 06:54

S.Keller 4. Mose 3, 38: «Wo ein Fremder sich herzutut, der ... soll sterben.»

Dieses Gebot ist recht bezeichnend für den Geist des Alten Testaments und hebt den Unterschied des Neuen scharf hervor. Damals ward die Sonderart des Bundes Gottes mit Israel durch solche und ähnliche Gewaltmaßregeln ausgedrückt - ein Zurückweisen der Fremden bei Todesstrafe - , heute ist's gerade umgekehrt. Der Zaun zwischen den Völkern und Konfessionen wird abgebrochen: in Christo sind wir eins. Ja, wir schicken mit großen Kosten Missionare aus, um Fremde hereinzuladen und zu bitten: Wo ihr herkommt, werdet ihr leben. Es wäre nur zu wünschen, daß wir Gläubigen mehr Liebesströme im täglichen Leben ausgehen lassen könnten auf unsere Umgebung. Das würde manchen fremden Gottsucher am stärksten anziehen, wenn er von solcher Wärme etwas verspürte. Hier ist der Punkt, wo alle unsere Anstrengungen für Gottes Reich die Probe aufs Exempel bestehen müssen, ja, wo die Besserung und Lebendigmachung einsetzen müßte. Sauersehende Christen stoßen ab, unfreundliche Verkäufer machen schlechte Geschäfte. Für die Nächsten die Liebe, für die Fremden die Freundlichkeit, dann wird der eine uns stärken mit Gegenliebe, und der andere sich leichter herzutun, um Gottes Sache zu studieren. Ach, was könnten wir nicht alles besser machen!

Herr Jesu, wir können nichts, aber du kannst etwas. Komm, belebe uns mit dem Hauch deiner heiligen selbstlosen Liebe, damit wir eine Kraft für die Seelen der Fremden bekommen, die sie zu dir zieht. Amen.
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Beitragvon Jörg » 29.05.2012 04:10

C.H.Spurgeon ,,So lange solches sein Gelübde währet, soll er nichts essen, das man vom Weinstock machet, weder Weinbeeren noch Hülsen." 4 Mose 6, 4.

Die Nasiräer hatten unter andern Gelübden auch das abgelegt, daß sie sich vom Getränk des Weins enthalten wollten. Damit sie ihr Gelübde nicht brechen möchten, war ihnen auch verboten, Weinessig oder starke Getränke zu trinken; und damit die Vorschrift noch deutlicher sei, durften sie auch nicht den ungegornen Most der Trauben genießen, noch selbst die frischen oder getrockneten Beeren essen. Damit das Gelübde noch vollständiger aufrecht erhalten bleibe, war ihnen selbst nicht einmal erlaubt, irgend etwas zu kosten, was die geringste Beziehung zum Wein hatte; sie sollten in der Tat auch den Schein des Bösen meiden. Das ist gewiß eine beherzigenswerte Lehre für die Abgesonderten des Herrn, dadurch sie angehalten werden, die Sünde unter jeder Gestalt zu fliehen, ihr nicht bloß in ihrer gröbern Gestalt aus dem Wege zu gehen, sondern selbst ihren Schein und Schatten zu scheuen. Ein ernster Wandel wird in unsern Tagen vielfach bespöttelt, aber sei versichert, lieber Freund, es ist sowohl das sicherste als das seligste. Wer der Welt auch nur in einem oder zwei Punkten nachgibt, schwebt in furchtbarer Gefahr; wer die Trauben Sodoms genießt, muß auch den Kelch von Gomorrha trinken. Ein kleiner Riß im Meerdamme der holländischen Tiefküste gestattet dem Meerwasser Durchgang, und alsobald wächst der Riß zum Strombett, dessen reißender Erguß rasch eine ganze Provinz überflutet. Nachgiebigkeit gegen die Welt ist ein Netz für die Seele und macht sie immer empfänglicher für den Reiz der Sünde. Und gleich wie der Nasiräer, der süßen Most trank, nicht sicher war, ob derselbe nicht schon in Gärung begriffen gewesen, und daher nicht wissen konnte, ob sein Gelübde gebrochen sei, so kann der weltfreundliche Christ sein Gewissen nicht rein bewahren, sondern muß fühlen, daß die innere Warnstimme ihn straft. Bei zweifelhaften Dingen brauchen wir nicht zu schwanken; sie sind uns schädlich. Wir müssen uns mit keinerlei Versuchung einlassen, sondern eilig von ihr fliehen. Besser wir werden als Sonderlinge verhöhnt, denn als Heuchler verworfen. Ein weiser Wandel mag uns manche Selbstverleugnung auferlegen, aber er birgt Freuden in sich, welche ein herrlicher Lohn sind.
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Beitragvon Jörg » 30.05.2012 04:20

A.Christlieb So oft sich die Wolke aufhob von der Hütte, so zogen die Kinder Israel; und an welchem Ort die Wolke blieb, da lagerten die Kinder Israel. 4. Mose 9, 17

Die Führung durch die Wolkensäule war für Israel eine Schule, in der sie allerlei v e r lernen mußten. Zunächst galt es, das menschliche P l ä n e m a c h e n zu verlernen. Das Plänemachen hat einen merkwürdigen Reiz. In einer Hinsicht ist es ja lebensnotwendig. Aber - es darf nur geschehen unter der Zucht des Geistes Gottes. Der eigene Verstand, der eigene Wille, darf nie wieder die Zügel der Lebensführung in die Hand bekommen. Was hätte es Israel auch genutzt, wenn es den Plan gefaßt hätte, direkt nach Norden und nach Kanaan zu marschieren. Zog die Wolke nach Süden, dann hätten sie ohne Gott durch die Wüste irren müssen. Nein, das eigenwillige Plänemachen taugt nichts für Gottesmenschen. Es hört in der Schule Gottes allmählich auf und man wird, wie Paulus von sich sagt, ,,ein Gebundener Jesu Christi". -

Die stets zur Reisebereitschaft mahnende Wolkensäule machte es den Israeliten auch unmöglich, sich allzu häuslich und behaglich einzurichten. Sie wußten ja nie, wie lange die Wolkensäule verweilen würde. Heimatlich einrichten sollten sie sich erst in Kanaan. -

Ähnlich geht es uns in der Nachfolge Jesu. Da verlernt man, diese Erde als bleibende Heimat anzusehen. Unsere wahre Heimat ist droben! Hier sind wir nur Gäste und Fremdlinge. Freundlich, reinlich und geschmackvoll soll unsere Wohnungseinrichtung sein. Sie zeige aber auch immer unseren Pilgersinn. -

Verlernt haben die Israeliten bei der Leitung durch die Wolkensäule auch das Schelten über schlechte, menschliche Führung. Es kam ja jede Unannehmlichkeit, die mit den Reisestationen zusammenhing, direkt aus Gottes Hand. -

So verstummen in der Nachfolge Jesu manche der üblichen Klagen, weil man lernt, alles vom Herrn anzunehmen. Ja, endlich kann man mit dem verbannten Chrysostomus beten: Herr, ich danke dir für alles!
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Beitragvon Jörg » 31.05.2012 04:16

A.Christlieb Die Kinder Israel zogen. Die Kinder Israel lagerten sich. 4. Mose 9, 17

Bei ihrer Wüstenwanderung hinter der Wolkensäule her haben die Kinder Israel auch Wichtiges gelernt. Zunächst das W a c h e n. Die Wolkensäule führte oft seltsame, unbegreifliche Umwege. Manchmal blieb sie lange in der Wüste stehen, so sehr die Israeliten darauf brannten, vorwärts zu kommen. ,,Wenn die Wolke viele Tage verzog, so warteten die Kinder Israel der Hut des Herrn und zogen nicht" (4. M. 9, 19). Wie hat da manch ein Feuergeist mit seiner Ungeduld kämpfen müssen, ehe er das Warten lernte. -

Ein Christ ist ein Mensch, der warten kann. Warten heißt, mit Mose 40 Jahre in der Wüste der göttlichen Berufung harren. Warten heißt, mit Joseph geduldig im Gefängnis bleiben, wenn der Mundschenk sein Versprechen vergißt. Warten heißt, mit dem jung bekehrten Eiferer Saulus in Tarsus bleiben, bis Barnabas einen wieder in die Arbeit ruft. Können wir warten? Auch wenn die Wolkensäule monatelang über einem schweren Krankenlager Halt macht? -

Ach Herr! Vergib mir alle Ungeduld! - ,,Die Kinder Israel zogen - die Kinder Israel lagerten sich". Ob der Ort angenehm war oder nicht, danach wurde nicht gefragt. ,,Nach dem Wort des Herrn zogen sie; nach dem Wort des Herrn lagerten sie" (V. 18). Das klingt fast militärisch. Unter den Streitern Christi herrscht eine andere Disziplin als in der Armee Sauls, die auseinanderlief, als Samuel nicht kam (1. Sam. 13, 8). Beim Heiland bleibt man gehorsam, wo man hingestellt wird. Laßt uns g e h o r c h e n lernen wie Abraham, als er Isaak opfern mußte, gehorchen wie Paulus, als Gott ihm einen anderen Weg zeigte, als er selber es gewollt (Apg. 16, 6). - Nicht jeder ist so leitsam wie Paulus. Jonas wollte erst nicht gehorchen. Gott lehrte ihn die Kunst. Zwingli sagte bei seiner Antrittspredigt in Zürich, er habe Gott früher gebeten, ihn nur nicht nach Zürich zu senden. Jetzt aber gehorche er. - Herr, lehre auch uns, warten und gehorchen nach deinem Willen.
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Beitragvon Jörg » 01.06.2012 04:25

S.Keller 4. Mose 9, 18: «... Solange die Wolke auf der Wohnung blieb, solange lagen sie stille.»

Darin hatten die Kinder Israel es gut: man konnte keinen Augenblick im Zweifel sein, ob jetzt aufgebrochen werden dürfe oder nicht. Bei uns ist's anders. So äußerlich und mechanisch geht der Geist des Neuen Testaments mit seiner Leitung bei uns nicht vor. Wir müssen vorher schon willig und gehorsam gewesen sein - denn Schuld auf solchem Gebiet schafft Unklarheit und Verdunkelung; wir müssen im Augenblick mit dem Herzen hören und mit dem Herzen sehen, was für leise Winke der Herr auf verschiedene Weise durch Umstände, Menschen, Gnadenstunden und Bibelworte gibt, und außerdem muß für die Zukunft das Anschwellen oder Abflauen des Friedens in der Seele uns leiten. Und doch machen wir Fehler! Wenn wir nicht im Genuß der Vergebung stünden, wenn der barmherzige Herr nicht auch Mißgriffe seiner Kinder noch umbiegen könnte zum Segen - müßten wir alle verzweifeln. Wo wir aber seinen Willen recht erkannten, wächst unsere innere Klarheit und Freudigkeit, denn "deine Befehle erquicken meine Seele". Wollen wir über den fehlerhaften Ausnahmen die selige Regel nicht gering achten, daß welche der Geist Gottes führt, Gottes Kinder sind. Was für eine Weisheit der Hilfe und was für einen Reichtum an Wegen hat er für die Seinen bereit!

Lob und Dank sei dir, Herr Jesu, daß du uns mit Liebe leitest, statt mit einer Wolke. Schärfe unsern innern Sinn, daß unser Herz dich ahnt und spurt und dir schnell gehorcht. Nimm uns dir zum Eigentum! Amen.
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Beitragvon Jörg » 02.06.2012 05:05

A.Christlieb Herr, steh auf, laß deine Feinde zerstreut werden, und die dich hassen, flüchtig werden vor dir. 4. Mose 10, 35

Aus Moses Gebet beim Aufbruch der Lade wollen wir noch einen zweiten Hinweis entnehmen. Mose betet nicht: ,,Herr, laß m e in e Feinde zerstreut und die m i c h hassen, flüchtig werden vor m i r." Er betet vielmehr: ,,Herr, steh auf, laß d e i n e Feinde zerstreut, und die d i c h hassen, flüchtig werden vor d i r"! Es geht ihm um Gottes, nicht um die eigenen Feinde, und daß sie fliehen vor Gott, nicht vor ihm. Daraus können wir lernen, daß der Beter die Ehre Gottes suchen muß und nicht die eigene, und daß er auf Gottes Kraft vertrauen soll, nicht auf die eigene. Nicht seine Widersacher, nein, Gottes Widersacher greift er an. Hier lernt man, wie man im Gebet S i e g e s k r a f t bekommt. Mose wußte: Wir sind Gottes Augapfel. Unser Weg ist Gottes Weg. Wer unseren Zug nach Kanaan aufhalten will, der tritt Gottes Reiseplänen in den Weg, der ist nicht unser, der ist Gottes Feind. Gegen solche Feinde bittet er im Glauben um völlige Zerstreuung. Bist du in Wahrheit ein Kind Gottes, stehst du vor Gott, sind deine Wege nach Gottes Willen ausgerichtet, dann (aber auch nur dann!) darfst du beten wie Mose, darfst Gottes Kraft für dich in Anspruch nehmen und deine Hindernisse als Gottes Hindernisse n i e d e r b e t e n. So bekommt man täglich frische Überwinderkräfte. So wird die Angst vor den Feindesmächten in fröhliches Vertrauen auf des Herrn Durchhilfe verwandelt. Wollen wir droben die Überwinderkrone erben, dann müssen wir jeden Morgen vor unserem Gott liegen und uns nach täglichem Sieg durch seine Kraft und Bewahrung ausstrecken. Wieviel besser ist das, als in eigener Kraft und Kühnheit vorwärts stürmen. So bekommen wir auch die volle innere Ruhe denen gegenüber, die unsere Arbeit hindern, lästern oder schädigen wollen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 04.06.2012 04:33

A.Christlieb Gebet am Morgen »Und wenn die Lade zog, so sprach Mose: Herr, stehe auf, laß deine Feinde zerstreut und die dich hassen, flüchtig werden vor dir! Und wenn sie ruhte, so sprach er: Komme wieder, Herr, zu der Menge der Tausende Israels« (4. Mose 10, 35. 36).

Jedesmal, wenn die Lade zog, wenn wieder ein neuer kleiner oder großer Reiseabschnitt begann, dann war es das erste, was Mose tat, daß er betende Hände zu Gott emporhob. Mose dachte nicht: Ich bin schon so sicher, so geübt in den Wegen des Herrn, daß ich auch einmal ohne besonderes Gebet fertig werde. Mose hat immer wieder aufs neue, wenn die Wolkensäule sich zu erheben anfing und der Aufbruch begann, den Herrn angerufen für den nächsten Reiseabschnitt, der vor ihm lag. Das ist gewiß ein sicheres, seliges Christenleben, wo jede einzelne Arbeit, jeder Besuch, jeder Gang, jede Unterredung im betenden Aufblick zum Herrn begonnen wird. Laßt uns darin Mose ähnlich werden! Mose sagte auch nie: Ja, jetzt gerade beim Aufbruch habe ich so besonders viel zu tun, an alles Mögliche zu denken; ich muß kontrollieren, ob die verschiedenen Levitenabteilungen die Stiftshütte recht besorgen; ich muß nachsehen, ob Juda an seinem Platz ist an der Spitze; ich muß nach meinen eigenen Sachen sehen, ob mein Diener Josua alles recht besorgt; jetzt gerade habe ich zum Gebet durchaus keine Zeit. Mose hatte gewiß sehr viel zu tun, gerade beim Aufbruch des Lagers; aber zu einem kurzen Gebetsseufzer hatte er immer Zeit. Ebenso, wenn die Lade haltmachte, wenn die Wolkensäule stehenblieb an einem Ort, so war wieder das erste, daß Mose betete (V. 36). Auch hier gab es bei der Einrichtung des neuen Lagerplatzes wieder hunderterlei zu tun; aber das Gebet war das erste und Wichtigste. Wolle doch Gott vielen Menschen das einfache Geheimnis enthüllen, daß soviel Zeit verlorengeht, weil man das Gebet nicht an die erste Stelle setzt! Vieles geht nur deshalb verkehrt und bringt neuen Zeitverlust mit sich, weil es nicht mit Gebet begonnen wird. Man glaubt Zeit zu gewinnen durch Gebetsuntreue, und man entdeckt nachher, daß man nur Zeit verloren hat. Elieser hat gewiß keine Zeit verloren, als er sich vor der Stadt Labans Zeit nahm, vom Kamel zu steigen, um zu beten und Gott um genaue Leitung zu bitten (1. Mose 24, 12). Sein Auftrag wurde dadurch wesentlich schneller und leichter ausgeführt, als wenn er ohne Aufenthalt weitergeritten wäre und sich dann von Haus zu Haus müde gelaufen und gefragt hätte. Nehemia hat auch nichts verloren dadurch, daß er vor der wichtigen Antwort an den König Artasasta auf die Frage, was er denn fordere bei dem elenden Zustand Jerusalems, zuerst betend aufschaute zu Gott und dann dem König Vorschläge machte. Urlaub, Reisemittel, Erlaubnis zum Bau der Mauern, alles wurde auf einen Schlag bewilligt als Antwort aufs Gebet (Neh. 2, 4). Laßt uns jedesmal beten, wenn sich auch bei uns die Lade Gottes erhebt, wenn wieder ein Schritt weiter gemacht wird, und laßt uns beten, wenn wir zur Ruhe haltmachen! Kurze Gebete sind oft wertvoll. Wir können aus dem Gebetlein, das Mose jedesmal beim Beginn eines Reiseabschnittes sprach, einige Hinweise für unser Morgengebet entnehmen. Soll doch jeder Tag ein Reiseabschnitt sein, der uns dem himmlischen Kanaan näherbringt.

1. Gefahren vor Gott ausbreiten!

Wenn die Lade zog, so sprach Mose: »Herr, stehe auf!« Das klingt, wie wenn ein Kind seinen Vater bittet aufzustehen, um es zu schützen oder ihm sonst etwas zu tun. So kindlich dürfen wir beten. »Herr, stehe auf, laß deine Feinde zerstreut und die dich hassen, flüchtig werden vor dir!« Aus diesem Gebet Moses beim Aufbruch der Lade wollen wir für unser tägliches Morgengebet zunächst den Hinweis entnehmen: Mose breitete die Gefahren, die der neue Reiseabschnitt mit sich brachte, vor Gott aus und wappnete sich gegen diese Gefahren mit Gebet. Die Gefahr, die bei der damaligen Wüstenwanderung nahelag, war: Überfall durch feindliche Stämme, wie das durch die Amalekiter und den König von Arad (4. Mose 21) vorkam. Darum rief Mose nicht erst zum Herrn, wenn er amalekitische Reiterscharen heranstürmen sah, sondern jedesmal, wenn die Lade aufbrach, übergab er alle Feinde, die ihm heute begegnen könnten, dem Herrn und bat ihn, selber den Kampf gegen sie in die Hand zu nehmen: »Herr, laß deine Feinde zerstreut und die dich hassen, flüchtig werden vor dir!« Welch ein wichtiger Hinweis ist dies für unser tägliches Morgengebet! Die Feinde, die uns an den einzelnen Tagen begegnen können, sind nur selten äußere Feinde. Es sind Armeen der unsichtbaren Welt, gefährlicher als alle Amalekiter und Moabiter, Mächte, welche die Pilger nach dem himmlischen Kanaan oft plötzlich überrumpeln wollen, gegen die wir jeden Morgen beim Aufbruch zum Tagewerk zu beten haben. Wie leicht ist solch ein schwaches Pilgerherz fortgerissen von der Macht der Unreinigkeit, der Ungeduld, der Lieblosigkeit, die in einem völlig unerwarteten Augenblick ihren Angriff versuchen! Wie wichtig ist es, jeden Morgen alle unvorhergesehenen Gefahren, die uns plötzlich aus der Gemeinschaft Jesu reißen wollen, alle unvorhergesehenen Besuche, die heute unser Haus betreten können, vor Gott auszubreiten und Bewahrungskräfte im Heiligtum des Kämmerleins anzuziehen, damit wir dem Herrn keine Schande machen! Laßt uns alle Morgen flehen: »Herr, du kennst meine schwachen Stellen, du kennst die Mächte, die mich angreifen wollen; Herr, habe acht auf mich! Behüte mich wie einen Augapfel! Erfülle die Verheißung bei mir: Um Jerusalem her sind Berge, und der Herr ist um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit!« (Ps. 125, 2) Ja, auch wir haben nötig, daß der Herr jeden Morgen für uns aufsteht, um die höllischen Feinde vor uns her zu zerstreuen, sonst sind wir verlorene Leute.

2. Mit Gottes Plänen übereinstimmen!

Ferner: Mose achtete in seinem Gebet darauf, daß er mit Gottes Plänen genau übereinstimmte. Das sehen wir daraus, daß er nicht betete: »Herr, laß meine Feinde und die mich hassen, flüchtig werden«, sondern: »Herr, laß deine Feinde und die dich hassen, flüchtig werden.« Er wollte nicht eigene Feinde und Hindernisse wegbeten. Wie leicht kann es vorkommen, daß wir den Widerstand eines unangenehmen und uns scheinbar hinderlichen Menschen wegbeten wollen und dabei gar nicht merken, daß Gott diesen Menschen zu unserer Erziehung und Demütigung dahin gesetzt hat! Ist ein Hindernis nur ein Erziehungsmittel für uns, so dürfen wir Beugungsgnade und Erkenntnis der göttlichen Absicht erbitten. Ist es aber ein Hindernis für die Sache Gottes, so dürfen wir es im Glauben niederbeten. Mose nun wußte genau von allen Feinden, die Israel überfallen konnten, daß es Gottes Feinde waren. Er wußte: »Israel ist Gottes Augapfel, und Israels Zug nach Kanaan ist dem Willen Gottes gemäß. Wer diesen Zug aus Ägypten aufhalten will, der tritt Gottes Reichsplänen in den Weg und ist nicht mein, sondern Gottes Feind.« Gegen solche Feinde bat Mose im Glauben um völlige Zerstreuung. Darin liegt ein wichtiger Gebetshinweis. Wir lernen hier, wie wir Siegeskraft im Gebet erlangen. Jeden Morgen gilt es, unsere Wege sorgfältig vor dem Herrn auszubreiten und zu prüfen. Allen eigenen Willen, für den uns Gottes Geist straft, gilt es aufzugeben, so daß wir wissen: unsere Wege sind Gottes Wege, unsere Ziele sind Gottes Ziele. Dann bekommen wir eine große innere Ruhe allen denen gegenüber, die unsere Arbeit hindern, lästern oder schädigen wollen. Du wahres Kind Gottes, wenn du recht stehst und deine Wege nach Gottes Willen sind, dann - aber nur dann! - darfst du Gottes Kraft für dich in Anspruch nehmen und darfst deine Hindernisse als Gottes Hindernisse niederbeten. Laßt uns da lernen!

3. Sich hinter dem Herrn verbergen!

Einen dritten Hinweis entnehmen wir daraus, daß Mose nicht betet: »Laß deine Feinde flüchtig werden vor Israel«, sondern: »Laß sie flüchtig werden vor dir.« Nicht vor Mose, nicht vor Israel sollten die Feinde fliehen, sondern vor dem Herrn. Mose verbirgt sich also hinter dem Herrn. Er bittet, seine Feinde möchten es mit Gott zu tun bekommen. Mose geht nicht in eigener Kraft und Kühnheit weiter, als ob vor ihm die Gegner weichen würden, sondern er hüllt sich mit seinem Volk vor jeder Weiterreise in die Nähe und Gegenwart Gottes ein, indem er bittet: »Herr, wohin wir auch kommen, da sei du so um uns her, daß vor deiner Nähe alle Feinde fliehen müssen.« Hätte Mose gebetet: »Laß die Feinde vor uns fliehen«, so hätte sich leicht ein geheimes Wohlgefallen an dem eigenen Triumph hineingemischt. Der Beter hätte sich im Geist ausmalen können, wie alle Völker vor ihm davon fliehen, so daß er als glänzender Held dastände. Weg mit solchen Hochmutsphantasien im Kämmerlein! Mose betete: »Nicht vor uns, vor dir laß die Feinde flüchtig werden. Herr, du sollst die Ehre haben. Wir bekennen uns als ohnmächtige Leute, vor denen niemals Feinde fliehen würden. Du wollest uns so umhüllen, daß die Feinde dich zu spüren bekommen und vor dir zurückfliehen. Wie richtig hat doch Mose gebetet! Mit diesem kurzen Gebet zog er bei jedem Aufbruch der Lade frische Überwinderkräfte an. Alle Angst vor Feindesmächten wurde in fröhliches Vertrauen auf die Durchhilfe des Herrn verwandelt. Wieviel besser ist solches, als in eigener Kraft und Kühnheit weiterzugehen! Vor uns weichen finstere Mächte nie zurück. Wir wollen vielmehr in echtem Ohnmachtsgefühl täglich mit Mose beten: »Herr, laß heute auf allen meinen Wegen, bei allen Besuchen, Gesprächen und Begegnungen die finsteren Mächte zerstreut werden von deiner Nähe und Gegenwart.« Dies ist das Geheimnis der göttlichen Umhüllung. Wenn wir droben die Überwinderkrone bekommen wollen, müssen wir jeden Morgen vor unserm Gott liegen und uns nach täglichem Sieg durch seine Kraft und Bewahrung ausstrecken.
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Beitragvon Jörg » 05.06.2012 04:08

A.Christlieb Wenn die Lade ruhte, sprach Mose: Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende Israels. 4. Mose 10, 36


Ein kurzes, inhaltreiches Gebet: ,,Komm wieder, Herr!" - Das klingt ja so, als sei der Herr gewichen und habe sich von Israel entfernt. Nun, das war auch so. Äußerlich gesehen war er zwar in der Wolkensäule und der Bundeslade des wandernden Volkes Israel ebenso nahe wie beim Antritt der Reise. Und doch empfindet Mose, daß er nach jedem einzelnen Reiseabschnitt immer aufs neue bitten müsse: ,,Herr, komm wieder zu uns!". Wie ist das zu erklären? Dadurch, daß jeder Reisetag neue Sünde und neue Schuld mit sich brachte! Wieviel Murren, wieviel Lieblosigkeit und nichtsnutzige Worte, wieviel Unreinheit jeden Tag! Das alles stand zwischen dem Volk und Jehova. Das trennte sie von ihm. Deshalb flehte Mose: ,,Komm wieder, Herr!" - Das ist ein wichtiger Hinweis für unser A b e n d g e b e t. Da gilt es, die u n g e t r ü b t e G e m e i n s c h a f t mit unserem Gott wiederherzustellen und ihn anzuflehen: ,,O Herr, komm wieder voll und ganz zu mir!" Wir wollen jeden Abend alles bekennen, was Gottes Nähe und Gegenwart bei uns hat trüben können. Wir wollen alle groben und feinen Einflüsse, die sich zwischen uns und unseren Heiland schieben wollten, unter Jesu Kreuz bringen. Wir wollen jeden ärgerlichen Gedanken, jedes nichtsnutzige Wort jeden Ungehorsam gegen den Zug des Heiligen Geistes ehrlich bekennen und im Glauben rufen: ,,Herr, komm wieder! Ich kann ohne deine selige Nähe nicht leben, nicht einschlafen!" Wohl uns, wenn wir täglich also im Frieden Gottes zu Bett gehen. - Und der du noch in der Gottesferne lebst, willst du nicht einmal im vollen Ernst rufen: ,,Komm wieder, Herr!" ? Du flehst nicht vergebens, denn er kommt gern zu den Sündern! Und wenn er wiederkommt, so kommt mit ihm sein Friede, seine Freude, seine beglückende, heilige Ruhe. Ach Herr, komm jeden Abend auch zu mir!
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Beitragvon Jörg » 06.06.2012 04:20

A.Christlieb Herr, komm wieder zu der Menge der Tausende Israels. 4. Mose 10, 36

Wie bedeutsam, daß Mose bei seinem Gebet am Ende eines Reisetages nicht nur an sich selbst, an seine Familie und sein Geschlecht denkt, sondern sein Herz weit öffnet und fürbittend eintritt für die Menge der Tausende Israels. Wir sehen den alten Gottesstreiter Mose dastehen vor dem Lager, nahe der Stiftshütte. Er blickt hier über die Tausende von Zelten ringsumher. Er gedenkt an die besonderen Nöte, Schwierigkeiten und Sünden, die auf den einzelnen Zelten lasten. Er schaut auf zum Himmel und spricht: ,,Bei diesen allen, o Herr, wollest du heute abend einkehren. Besuche Zelt für Zelt, Familie für Familie, Stamm für Stamm. Laß sie deiner Nähe und Gegenwart gewiß werden. Bringe sie auf die Knie! Erinnere sie an dein Wort! Gehe ihnen nach! Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende Israels." Also flehend bittet Mose nicht nur für seine Nachbarn und Freunde, für seine Verwandten und Gesinnungsgenossen. Unter den ,,Tausenden in Israel" waren auch Feinde, die ihm oft weh taten durch ihr Murren und Hadern und ihren schändlichen Ungehorsam. Auch sie schließt er mit priesterlichem Herzen ein in sein Gebet mit dem köstlichen Ausdruck: ,,Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende Israels." - Ach, wo sind die Beter mit dem Herzen eines Mose? Wo sind die Priesterseelen, die abends, wenn die Bundeslade für sie haltmacht, niedersinken auf die Knie und den Zustand der ganzen Gemeinde Gottes ausbreiten mit all deren Zerrissenheit und Geistesarmut? O weg mit all unserer Lauheit und Trägheit im Gebet! Laßt uns mit der ganzen Beterschar aller Länder eine Gebetskette bilden und flehen: ,,Komm wieder, Herr, zu den Christen unter den Heiden, komm zu den Juden, komm zu allen Gebundenen, Kranken und Verfolgten, komm zu der Menge der Tausende Israels!"
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Beitragvon Jörg » 07.06.2012 07:46

A.Christlieb Gebet am Abend »Und wenn die Lade ruhte, so sprach Mose: Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende Israels« (4. Mose 10, 36).

Wir haben zunächst das Gebet Moses beim Aufbruch der Lade betrachtet und daraus Hinweise für das Morgengebet zum Beginn des neuen Tagewerkes entnommen. Wir wollen jetzt das kurze Gebetswort anschauen, das Mose jedesmal beim Ruhen, beim Haltmachen der Bundeslade sprach, und dabei zwei Hinweise für unser Abendgebet betrachten.

1. Enge Gemeinschaft mit Gott

»Komm wieder, Herr!« Das klingt ja gerade, als sei der Herr etwa gewichen und ferne von Israel getreten. Ja, so ist es auch. Äußerlich war er ja auch in der Wolkensäule und bei der Lade Gottes dem wandernden Volke ebenso nahe wie beim Aufbruch zur Reise. Und doch hatte Mose das Gefühl, daß er nach Vollendung jedes einzelnen Reiseabschnittes immer aufs neue bitten müßte: »Herr, komm wieder zu uns!« Wodurch ist Gott denn ferner getreten? Wodurch ist seine Nähe getrübt, daß ein neues Wiederkommen von seiten Gottes immer erneut nötig ist? Weil jedes Reisestücklein neue Sünde, neue Schuld mit sich brachte. Wieviel Gedanken des Murrens, der Lieblosigkeit, wieviel unnütze Worte, wieviel unreine Einflüsse hat jeder Schritt des Pilgerweges nach Kanaan mit sich gebracht! Das alles trübte die Nähe Jehovas und so ist es das erste, was Mose beim Haltmachen der Lade Gottes erfleht, daß die ganze selige Nähe Gottes sich wieder über ihm und seinem Volk lagern möchte: »Komm wieder, Herr!« Das ist auch bei unserem täglichen Abendgebet das erste und Wichtigste, daß wir an jedem Abend wieder den völligen Zusammenschluß mit unserem Gott suchen und ungetrübte Gemeinschaft mit ihm bekommen, daß wir ihn anflehen: »O Herr, komm wieder voll und ganz zu mir!« Laßt uns dazu an jedem Abend dem Herrn alles bekennen, was seine Nähe und Gegenwart bei uns hat trüben können! Laßt uns alle groben und feinen Einflüsse, die sich zwischen uns und unseren Heiland einschieben wollten, jeden ärgerlichen Gedanken, jedes überflüssige Wort, jede Unachtsamkeit gegen den Zug seines Geistes, jedes Betrüben unseres Nachbarn oder Hausgenossen unter Jesu Kreuz bringen und unter der Deckung des Blutes im Glauben rufen: »Herr, komm wieder; ich kann ohne deine selige Nähe nicht leben, nicht einschlafen!« Es hat des Tages Treiben mein Herz zerstreut, bei dir, bei dir ist Friede und Seligkeit.

Wohl uns, wenn wir jeden Abend so zu Bett gehen im Frieden Gottes!

2. Weite Fürbitte für die Tausende Israels

»Komm wieder zu der Menge der Tausende Israels.« Das ist besonders schön bei diesem Gebet Moses beim Haltmachen der Bundeslade, daß er nicht nur an sich selbst, an seine Familie, an sein Geschlecht denkt, sondern sein Herz weit öffnet und für die ganze Menge der Tausende Israels fürbittend aufschaut. Wir sehen den alten Gottesstreiter Mose mitten im Lager in der Nähe der Stiftshütte stehen, wie er hinblickt über die Tausende von Zelten die weithin um ihn herum liegen. Er blickt über sie alle hin und gedenkt an alle besonderen Nöte, Schwierigkeiten, Sünden, die in jedem einzelnen Zelt verborgen liegen, schaut auf gen Himmel und spricht: »Zu diesen allen, o Herr, ohne Ausnahme, in all diese Hütten wollest du heute abend einkehren. Besuche Familie für Familie, Stamm für Stamm in dieser Stunde mit deiner Nähe und Gegenwart. Bring du sie auf die Knie, erinnere du sie an das Wort, geh du ihnen nach. Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende Israels.« Daraus laßt uns für unser tägliches Abendgebet die Lehre entnehmen, daß wir die Fürbitte für andere nicht vergessen sollen. Nicht nur für sich selbst und sein Haus soll der Christ täglich beten, sondern für die ganze Menge der Tausende Israels, für das ganze Volk Gottes auf dem weiten Erdkreis, besonders für alle Gebundenen, Kranken und Verfolgten. »Wachet mit Flehen für alle Heiligen«, sagt Paulus (Eph. 6, 18). Wo sind die Beter, die nach ihrer Arbeit, wenn für sie die Bundeslade haltmacht zum Ruhen, auf ihre Knie sinken und die Menge der Tausende Israels vor den Gnadenthron bringen? Wo sind die Beter, die den Zustand der ganzen Gemeinde Gottes mit Tränen vor Gott ausbreiten mit all ihrer Zerrissenheit und Geistesarmut, die allabendlich um neue Geisteszuflüsse rufen für die ganze Gemeinde Gottes auf Erden? O, weg mit unserer Lauheit und Trägheit im Gebet! Laßt uns mit der treuen Beterschar aller Länder eine Gebetskette bilden und mit der triumphierenden Gemeinde uns zusammenschließen, indem wir mitbeten: »Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende deines Volkes. Besuche auch die kleinen, abgesplitterten Häuflein, die durch allerlei Absonderung eines großen Segens verlustig gehen. Sie gehören ja mit zu der Menge der Tausende des Gottesvolkes. Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende, die noch in unsicherer Verfolgungszeit stehen, komm wieder, Herr, zu der Schar der neuerweckten Christen in Japan, in Afrika, in Indien.« Die Menge der Tausende Israels ist ja jetzt zerstreut über alle Länder der Erde. So öffne denn der Herr unsere Herzen weit für ein tägliches, priesterliches Anrufen für die Menge der Tausende in Israel, daß wir den ganzen Segen der Fürbitte für unser eigenes inneres Leben reichlich erfahren!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 08.06.2012 05:56

C.H.Spurgeon ,,Warum bekümmerst Du Deinen Knecht?" 4 Mose 11, 11.

Unser himmlischer Vater sendet uns häufig Trübsal, um unsern Glauben zu prüfen. Wenn unser Glaube etwas wert ist, so wird er die Probe bestehen. Schuld fürchtet das Feuer, Gold nicht. Der unechte, wenn noch so schön geschliffene Edelstein scheut die Berührung des prüfenden Diamants, der echte Rubin nicht. Das ist ein armseliger Glaube, der nur auf Gott vertraut, wenn die Freunde treu bleiben, der Leib von Gesundheitsfülle strotzt, und das Geschäft blüht und reichlichen Gewinn einträgt; aber das ist ein echter Glaube, der an des Herrn Treue festhält, wenn die Freunde dahin gegangen sind, wenn der Leib schwach wird und siecht, wenn das Gemüt gedrückt ist, und wenn das Licht von unsers Vaters Antlitz sich vor uns verborgen hat. Ein Glaube, der mitten aus dem tiefsten Unglück heraus rufen kann: ,,Siehe, Er wird mich erwürgen, und ich kann es nicht erwarten. Doch will ich meine Wege vor Ihm strafen; Er wird ja mein Heil sein," ist ein himmlisch geborner Glaube. Der Herr betrübt seine Knechte, um seiner Verherrlichung willen, denn Er wird sehr verherrlicht durch die Tugenden der Seinen, die seiner Hände Werk sind. Dieweil ,,Trübsal Geduld wirket, und Geduld Erfahrung, und Erfahrung Hoffnung," so wird der Herr durch die aufblühenden Tugenden geehrt. Nie würden wir die herrlichen Töne der Harfe erklingen hören, wenn ihre Saiten unberührt blieben; nie würden wir den herzerquickenden Wein der Traube schmecken, wenn sie nicht ausgepreßt würde in der Kelter; nie würden wir den herrlichen Duft des Zimts riechen, wenn er nicht zerstoßen und gepulvert würde; noch würden wir die Wärme des Feuers empfangen, wenn nicht das Holz zu Asche verbrennte. Die Weisheit und die Macht des großen Werkmeisters werden in den Trübsalen offenbar, durch welche Er die Gefäße seiner Gnade hindurchgehen läßt. Die gegenwärtige Traurigkeit hat auch den Zweck, die zukünftige Freude zu erhöhen. Könnten wir im Himmel so überaus selig und glücklich werden, wenn wir nicht den Fluch der Sünde und die Leiden dieser Erde an uns erfahren hätten? Ist nicht der Friede lieblicher nach dem Streit und die Ruhe willkommener nach schwerer Mühe und Arbeit? Muß nicht die Erinnerung an verflossene Trübsale die Glückseligkeit der Verklärten erhöhen? Es gibt noch gar manche tröstliche Antwort auf unsre heutige Frage; wir wollen sie in unserm Herzen bewegen.
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Beitragvon Jörg » 09.06.2012 05:50

A.Christlieb Mose sprach zu dem Herrn: Ich vermag das Volk nicht allein zu tragen. Es ist mir zu schwer. 4. Mose 11, 14

In den Kapiteln 4. Mose 11 und 12 zeigt Gott der Herr sich dem Mose als ,,Meister zu helfen" (Jes. 63, 1). Er errettet ihn aus dreifacher Not. Zunächst aus der Amtsnot. Das immer neue Murren der Volksscharen legte sich ihm so schwer auf die Seele, daß er darunter zusammenzubrechen drohte. Gott hörte sein Seufzen und erleichterte ihm die Last, indem er ihm 70 geisterfüllte Älteste als Helfer zur Seite stellte. - Auch heute noch kann Gott Lasten wegnehmen, unter denen eins seiner Kinder seufzt, wie Elia unter dem Wacholderbaum oder wie Jeremia, der grausam zerschlagen in den Kerker geworfen wurde (Jer. 20) und dort sagen durfte: ,,Aber der Herr ist bei mir wie ein starker Held" (V. 11). - Neben der Amtsnot lag auf Mose die Sorge um das tägliche Brot. Israel empfand die Eintönigkeit der Ernährung durch das Manna als schweren Mangel. Das Volk sehnte sich nach der abwechslungsreichen Nahrung Ägyptens. Wie sollte aber Mose für das Millionenvolk in der Wüste Fleisch beschaffen? - Gott hörte sein Seufzen. Der Allmächtige ließ durch einen starken Wind schier endlose Schwärme von Wachteln in das Lager wehen. Das Volk konnte sich bis zum Überdruß an Fleisch nähren. - Der Gott, der Mose half, der Elia durch Raben versorgen ließ, lebt auch heute noch! - Zuletzt half Gott dem Mose in einer Familiennot. Seine eigenen Geschwister lehnten sich gegen ihn auf. Wie schrecklich muß Mose, dieser zart empfindende Mann, darunter gelitten haben! Wie peinlich war ihm diese Demütigung vor den vielen Widersachern, die im Volk gegen ihn arbeiteten. Gott aber griff ein. Mirjam wurde mit Aussatz gestraft und Mose herrlich gerechtfertigt. Er durfte die Wahrheit des Wortes erleben: Bei dem Herrn findet man Hilfe (Ps. 3, 9).
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Beitragvon Jörg » 10.06.2012 05:52

J.Kroeker Über Gottes Offenbarungsträger.

"Nicht ich allein kann dieses ganze Volk tragen, denn es ist mir zu schwer." 4.Mose 11,14.


Es gehört das zum Charakter ganz großer Persönlichkeiten, dass sie nach außen hin nie mehr zu scheinen suchen, als sie geworden sind. Sie sind immer nur das, was Gott aus ihnen hat machen können. Alle gemachte Heiligkeit muss von Menschen mit Ängstlichkeit gehütet und gewahrt werden, damit in schwacher Stunde nicht die Hässlichkeit seines wahren Angesichts zu sehen sei. Gewordene Heiligkeit dagegen hütet den Menschen und verhüllt nicht, dass auch der Prophet Gottes als Mensch allen Schwachheiten eines Menschen erliegen kann.

So offenbart auch Mose hier als Prophet die ganze Verzagtheit seiner Seele. Und doch trübt dieses sein Zagen uns nicht das wahre Bild seiner großen Prophetenseele. Weil er nur ist, was er ist, gewinnt er umso mehr unser volles Vertrauen zu seiner göttlichen Sendung. Er gibt sich in seiner Mission nicht als einer, der diese wie einen Raub an sich gerissen hat. Er ist nur ein Bote, der sich gesandt weiß, so unerfüllbar ihm seine Sendung auch erscheint.

Anders gibt sich alles falsche und gemachte Prophetentum. Es erscheint im Leben immer besser, als es innerlich ist. Daher erlebt es in der Regel irgendwann eine Katastrophe. Gott führt es durchs Gericht, damit im Gericht sein wahres Wesen offenbar und vom Lichte gestraft werde. Und es ist Gnade, wenn Gott es tut. Denn alles falsche Prophetentum lebt vielfach in der Illusion, dass das Angenommene bereits Gewordenes sei. Aber im Gericht erkennt es sich in seiner wahren Nacktheit und findet vielfach alsdann den Weg zu seiner Beugung und Rettung. Und das ist Gnade.

Wahre und große Propheten dagegen erkennen sich immer wieder selbst, und zwar auch ohne besondere Gerichte und Katastrophen in ihrem Leben. Wie Mose hier, wissen sie, dass sie eigentlich nie tauglich gewesen sind für die großen Aufgaben, zu denen sie sich eines Tages von Gott berufen sahen. Und so oft Gott sie später in ihrem Dienst legitimierte, sie sprachen doch immer wieder: "Nicht ich allein kann dieses ganze Volk tragen, denn mir ist es zu schwer." Sie täuschen sich nicht über ihr Können hinweg und berauschen sich nicht an sich selbst und an ihren Erfolgen. So gewaltig die Aufgabe auch gewesen war, Israel aus der Knechtschaft Ägyptens zu führen, Mose blieb in der Erkenntnis: "Nicht ich allein kann dieses Volk tragen."
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Beitragvon Jörg » 11.06.2012 04:29

C.H.Spurgeon ,,Du sollst jetzt sehen, ob meine Worte können dir etwas gelten oder nicht." 4 Mose 11, 23.


Gott hatte dem Mose eine bestimmte Verheißung gegeben, daß Er einen ganzen Monat lang das große Volk in der Wüste mit Fleisch ernähren wolle. Moses, den eine Anwandlung von Unglauben überkam, sah sich nach den äußerlichen Mitteln um und kam in Verlegenheit, zu erfahren, wie die Verheißung möchte erfüllt werden. Er sah auf das Geschöpf, statt auf den Schöpfer: Aber schaut denn der Schöpfer auf das Geschöpf, wenn Er die Verheißung an ihm will in Erfüllung gehen lassen? Nein; Er, der die Verheißung gibt, erfüllt sie auch aus eigner unabhängiger Machtvollkommenheit. Wenn Er spricht, so geschieht es, - Er vollbringt es. Seine Verheißungen sind in Beziehung auf ihre Erfüllung nicht von der Mitwirkung der winzigen Kraft des Menschen abhängig. Wir begreifen sogleich den Mißgriff, den sich Mose ließ zu schulden kommen. Und doch handeln wir so oft ganz wie er! Gott hat verheißen, daß Er für alle unsre Bedürfnisse sorgen wolle, und wir erwarten vom Geschöpf, was Gott uns versprochen hat; weil wir aber zugleich wissen, daß das Geschöpf arm und schwach ist, so fallen wir dem Unglauben anheim. Warum wenden wir aber auch den Blick nach dieser Gegend? Wollen wir von den Gipfeln der Alpen die Sommerhitze erwarten? Wollen wir nach dem Nordpol fahren, um dort Früchte zu ernten, die an der Sonne gereift sind? Wahrlich, das wäre ebenso törlich von euch gehandelt, wie wenn ihr bei dem Schwachen Kraft suchtet und verlangtet, das Geschöpf solle des Schöpfers Werke verrichten. Darum wollen wir die Frage richtig ins Auge fassen. Grund des Glaubens sind nicht ausreichende sichtbare Mittel zur Erfüllung der Verheißung, sondern die Allgenugsamkeit des unsichtbaren Gottes, der gewißlich tut nach seinem Wort. Wenn wir nun deutlich erkannt haben, daß der Schwerpunkt in Gott liegt und nicht im Geschöpf, und dennoch uns des Mißtrauens schuldig machen, so tritt Gottes Wort mächtig an uns heran mit der Frage: ,,Ist denn die Hand des Herrn verkürzt?" Möchte es doch durch seine Gnade geschehen, daß mit dieser Frage die selige Zusicherung in unser Herz hineinleuchte: ,,Du sollst jetzt sehen, ob meine Worte können dir etwas gelten oder nicht."
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