In Christus

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In Christus

Beitragvon Gast » 29.08.2010 19:10

Kurze Frage: Wann ist zeitlich gesehen ein Mensch aus reformatorischer Sicht "in Christus"? Vor Grundlegung der Welt, am Kreuz auf Golgatha oder bei der Wiedergeburt?
lg Samuel

Jose
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Re: In Christus

Beitragvon Jose » 18.09.2010 13:43

Samuel A. hat geschrieben: Kurze Frage: Wann ist zeitlich gesehen ein Mensch aus reformatorischer Sicht "in Christus"? Vor Grundlegung der Welt, am Kreuz auf Golgatha oder bei der Wiedergeburt?
Im Institutio (http://www.calvin-institutio.de) liest man z.B. unter II, 1, 6:
Wir hören, daß die Unreinigkeit der Voreltern derart auf die Nachfahren übergeht, daß alle ohne jede Ausnahme vom Ursprung her befleckt sind. Den Anfang dieser Befleckung kann man nur finden, wenn man zum Urvater aller Menschen als zur Quelle zurückgeht. Wir werden die Sache also sicher so anzusehen haben: Adam ist nicht nur der Ahnherr der menschlichen Natur, sondern er ist sozusagen ihre Wurzel, und deshalb ist durch seine Verderbnis billigerweise das ganze Menschengeschlecht zerrüttet worden. Das macht der Apostel klar, indem er ihn mit Christus vergleicht. „Wie durch einen Menschen die Sünde in die ganze Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben, so ist Gerechtigkeit und Leben uns wiedergegeben durch die Gnade Christi“ (Röm. 5,12ff.).

Auch verkündet Christus, der himmlische Richter, selber deutlich genug, daß alle Menschen böse und verderbt geboren werden; lehrt er doch: "Was vom Fleische geboren wird, das ist Fleisch"; (Joh. 3,6). Danach ist allen Menschen das Tor zum Leben verschlossen, bis sie wiedergeboren sind.
Aus biblischer Sicht stelle ich mir die Frage zwar nicht, denn wie könnte ein Mensch in Christus sein bevor Christus das Werk auf Golgatha vollbracht hatte? Wäre Christus nicht gestorben und auferstanden, so wären wir alle noch im Tod, unsere Sünde wäre noch nicht gesühnt, Gottes Gerechtigkeit nicht erfüllt.

Aber auch nach reformatorischem Verständnis sieht es doch so aus, dass ein Mensch erst nach der Wiedergeburt in Christus sein kann, denn erst dann ist er aus dem Geist geboren.


Liebe Grüße,
José

Gast

Beitragvon Gast » 05.04.2011 16:53

"Grüßt Andronikus und Junias, meine Verwandten und meine Mitgefangenen, die unter den Aposteln ausgezeichnet sind, die auch vor mir in Christus waren." Röm 16,7

Ein beliebter Vers für die Befürworter der Frauenordination. Ob Junias nun eine Frau oder ein Mann und zu den Aposteln gehörte lassen wir an dieser Stelle einmal offen. Zumindest war Junias und Andronikus vor Paulus in Christus, also sie waren vor ihm bekehrt.
Dieser Vers sagt also, dass bei der Wiedergeburt und Bekehrung ein Mensch die Stellung in Christus erlangt. Also nicht als Jesus starb und nicht vor Grundlegung der Welt bekommen Menschen den Stempel "in Christus" aufgedrückt, sondern bei ihrem Gläubigwerden an Jesus.
Vorher sind alle Menschen in Adam und stehen unter dem Fluch der Verdamnis.

"18 also nun, wie es durch eine Übertretung gegen alle Menschen zur Verdammnis gereichte, so auch durch eine Gerechtigkeit gegen alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens.
19 Denn so wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden." Röm 5,18-19


"22 Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus gegen alle [und auf alle], die glauben. Denn es ist kein Unterschied,
23 denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes
24 und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist;
25 den Gott dargestellt hat als ein Sühnmittel durch den Glauben an sein Blut, zur Erweisung seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden
26 unter der Nachsicht Gottes; zur Erweisung seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, dass er gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist." Röm 3,22-26


Grüße und Segen
Samuel

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"In Christus" eine paulinische Sprachfigur

Beitragvon apologet » 27.04.2011 22:40

Ich halte bspw. diese Stelle für eine zentrale Bibelstelle:

1Tim 2,5 Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus, 6 der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle, ein Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit,

Paulus verwendet mit der Wendung "in Christus" eine Sprachfigur hinter der sich eigentlich die gesamte Christologie bzw. Soteriologie verbirgt.

In dem "in Christus" wird die Stellvertreterschaft Christi, seine Mittlerschaft zwischen Gott und den Menschen respektive umgekehrt ausgedrückt. Daher meine ich, das man hier mit guten Argumenten von einer "theologischen Konzeption" sprechen kann.

Dr. B. Kaiser hat das mal so ausgedrückt:

"Darum ist es für die Bibel so wichtig, uns zu sagen, was wir „in Christus“, unserem Stellvertreter, alles haben. Um aber an Christus teil zu bekommen, ist es notwendig, das Evangelium, die gute Botschaft von Jesus Christus und seinem Werk, zu verkündigen. Diese Botschaft will und soll geglaubt werden, und sie kann nur geglaubt werden, wenn man etwas von ihr haben will. Sie spricht nicht vom menschlichen Werk oder vom menschlichen Erleben, sondern vom vollbrachten Werk Christi. Dementsprechend sagt die Schrift in großer Klarheit, daß wir durch den Glauben gerechtfertigt werden (Röm 3,29; 5,1; 10,4 u.v.m.). Glauben aber heißt nach biblischreformatorischem Verständnis, daß man auf die Verheißungen des Evangeliums - das sind die vom Geist Christi ausgesprochenen Verheißungen - vertraut."
...
"Wenn dagegen die Schrift sagt, daß jemand, der in Christus ist, eine neue Kreatur ist, dann muß man genau hinsehen, was dort steht: In Christus ist der Christ eine neue Kreatur. Es ist der Christus, der stellvertretend für uns gestorben und dann auferstanden
ist. Der leibhaftig auferstandene Herr ist die neue Kreatur; er ist der Anfang der neuen Schöpfung. Der Christ aber steht noch in der alten Schöpfung, die dem Tode verfallen ist. Aber weil Gott es rechtlich so verfügt, ist er in Christus, dem Stellvertreter. Indem er an Christus glaubt, hat er schon jetzt teil an der neuen Schöpfung.
Die Schrift fordert den Christen nicht auf, eine innere Anlage oder Fähigkeit zu aktivieren.
Christus kommt von außen auf den Menschen zu. Der Christ (!) soll Christus anziehen (Röm 13,14; Eph 4,24), Christus lernen (Eph 4,20-21), die Liebe und andere Verhaltensweisen anziehen (Kol 3,12.14) und in der Kraft des Glaubens die Welt überwinden (1Joh 5,4-5). Durch den Glauben an das Evangelium wird das Herz des Menschen rein (Apg 15,9) und wohnt Christus im Herzen des Menschen (Eph 3,17). Die in Christus offenbare Gnade nimmt den Sünder in Zucht, so daß er sich selbst verleugnet (Tit 2,11-14). Lebt er im Glauben, dann lebt er ein neues Leben nach dem Willen Gottes. Dann gibt er seine Glieder Gott zum Dienst und ehrt seinen Erlöser mit seiner Lebensführung - ohne daß er aufhörte, in seinem Wesen ein todeswürdiger Sünder zu sein und häufiger oder seltener aus Klein- oder Unglauben zu handeln oder gar in offene Sünde zu fallen. Deswegen gibt es im Protestantismus keine wesenhaft heiligen Menschen, sondern nur solche, die durch den Glauben an Christus
geheiligt und für Gott ausgesondert sind (Apg 26,8)."


http://www.bekennende-kirche.de/hefte/B ... che_13.pdf

Halte ich für eine gute Erklärung.
sdg
apologet
1. Petrus 3,15 Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.


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