Luther-Predigten, Zitate und Sprüche

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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Jörg
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Beitragvon Jörg » 13.02.2011 05:20

Seid fest im Glauben, wie ihr gelehret seid. Kolosser 2, 7.

Man muß vom Fühlen abtreten und schlicht das Wort in die Ohren fassen und darnach ins Herz schreiben und daran hangen, wenn es gleich keinen Anschein hat, dass meine Sünden von mir hinweg sind, wenn ich sie gleich in mir noch fühle. Das Fühlen muß man nicht ansehen, sondern fest darauf dringen, dass der Tod, Sünde und Hölle überwunden sei, ob ich gleich wohl fühle, dass ich im Tode, Sünde und Hölle noch stecke. Denn obgleich das Fühlen der Sünde noch in uns bleibt, so geschieht es doch allein darum, dass es uns zum Glauben treiben soll und den Glauben stark machen, dass wir wider alles Fühlen das Wort aufnehmen und darnach das Herz und Gewissen immerzu auf Christum knüpfen. Denn Glaube ist nicht der menschliche Wahn und Traum, den etliche für Glauben halten. Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewiss, dass der Glaubende tausendmal dafür stürbe. Und solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich, trotzig und lustig gegen Gott und alle Kreaturen, welches der Heilige Geist tut im Glauben.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 14.02.2011 05:38

Ich rief den Herrn an. Psalm 118, 5.

Es heißt: ich rief den Herrn an. Rufen mußt du lernen, das hörst du, und nicht dasitzen bei dir selbst oder liegen auf der Bank, den Kopf hängen und schütteln und mit deinen Gedanken dich beißen und fressen, sorgen und suchen, wie du loswerdest, und nicht anders ansehen, denn wie dir´s übel gehe, wie wehe dir sei, wie ein elender Mensch du seist. Sondern wohlauf, du fauler Schelm! Auf deine Knie gefallen, die Augen und Hände gen Himmel gehoben, einen Psalm oder Vater Unser vorgenommen, und deine Not mit Weinen vor Gott dargelegt, geklagt und angerufen usw. Gott will´s haben, dass du ihm deine Not sollst vorlegen, nicht auf dir lassen liegen und dich selbst damit schleppen, nagen und martern, womit du aus einem Unglück zwei, ja zehn und hundert machest.
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Beitragvon Jörg » 15.02.2011 05:23

Herr, hilf uns, wir verderben. Matthäus 8, 25.

In dieser äußersten Not schimmert noch ein Fünklein des Glaubens hervor, der sich selbst nicht fühlt, weil er spricht: Wir verderben. Denn wenn er sich selbst fühlte, so spreche er nicht: Wir verderben. Aber so fühlt er allein das Verderben und weiß nicht, dass er selber noch lebt und brennt. Denn wenn er nicht lebte noch brennte, so hätte er auch nicht einmal eine Empfindung. Aber siehe, Christus verwirft nicht diesen Funken, sondern macht ihn so groß, dass eine Feuersbrunst daraus wird, dadurch Wind und Meer gestillet werden. Also macht er es mit uns allen, wenn wir in Angst und Schrecken sind. Wenn wir nur seufzen, ächzen und zum wenigsten mit einer einzigen Bewegung des Herzens sagen: Herr Jesu Christe, hilf oder es ist um meine Seligkeit geschehen! Alsbald wird man eine Linderung empfinden. Denn durch dergleichen Seufzer wird Christus bewogen, die Winde und das Meer zu bedrohen. Und also wird eine große Stille, das ist, es erfolgt Freude und Friede und hernach Lob und Danksagung.
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Beitragvon Jörg » 16.02.2011 05:33

Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christo Jesu. Galater 3, 26.

Kein Mensch kann das Anklagen des Teufels im Gewissen ertragen ohne besondere Hilfe und Stärke. Er ist kurzweilig, wenn er disputiert; denn er spielt des Kurzen und macht nicht Langeweile, wo er den Mann allein daheim findet. Er nimmt eine Wahrheit vor sich, die niemand leugnen kann, nämlich, dass wir gesündigt haben, und da hat er zwei Zeugen, die niemand strafen kann, nämlich Gottes Gebot und unser Gewissen. Hier ist mir nicht möglich, Nein zu sagen. Soll ich denn Ja sagen, wie ich tun muß, so bin ich des Todes und des Teufels. Aber da lügt er, wenn er mich treibt, dass ich verzweifeln soll. Hier ist denn Zeit und Not, Rettens und Helfens oben vom Himmel herab, dass entweder ein Bruder bei dir sei mit einem äußerlichen Worte Gottes oder der Heilige Geist selbst im Herzen mit Erinnerung solcher äußerlichen Worte und spreche: Der Teufel hat zwar das Ja-Wort genommen; aber nun wende dich herum zu Christo wie St. Petrus, der dein Ja-Wort mit seinem Blute zunichte gemacht, und soll dir nicht schaden, dass du sagen kannst: Ein Sünder bin ich außer Christo. Kein Sünder bin ich in Christo. Denn er hat meine Sünde durch sein Blut vertilgt.
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Beitragvon Jörg » 17.02.2011 05:20

Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an. Psalm 73, 24.

So oft als wir betrübt und angefochten werden, sollen wir unserm Fleische männiglich widerstehen, ob es in Anfechtung zornig und ungeduldig wird, und sollen sagen: Warum mich jetzt Gott so verlassen hat, kann ich selbst nicht wissen; daran zweifle ich aber nicht, der liebe, gnädige Vater wird es aus gutem, weisen Rate tun, das mir endlich werde nütz und gut sein, wiewohl es mein sündliches Fleisch nicht sieht noch verstehen kann, sondern murrt und strebt wider den Geist; so muß doch dies Kreuz mit Glauben und Geduld überwunden werden. Ich will es also mit Geduld leiden. Das Fleisch ist zwar dazu schwach, seufzt, heult und wehklagt, aber Gott sagt: Du weißt nichts davon, du bist ein Narr; mein Rat und Wille ist, dass ich aus diesem deinem Kreuz ein groß Gut hervorbringen will.
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Beitragvon Jörg » 18.02.2011 05:38

Von diesem Jesu zeugen alle Propheten. Apostelgeschichte 10, 43.

Darum, wer die Schrift recht nützlich lesen will, der sehe, dass er Christum darin suche, so findet er gewiss das ewige Leben. Wiederum, wenn ich in der Schrift Mose und die Propheten nicht also studiere und lerne, dass Christus um meines und aller Menschen Heils willen vom Himmel gestiegen, Mensch geworden, gelitten, gestorben, begraben, auferstanden, gen Himmel gefahren ist, dass ich durch ihn Versöhnung mit Gott, Vergebung aller Sünde, Gnade, Gerechtigkeit und das ewige Leben habe, so hilft mir mein Lesen in der Schrift zur Seligkeit lauter nichts. Ich kann wohl aus dem Lesen und Studieren der Schrift ein gelehrter Mann werden und andern davon predigen; aber es hilft mir doch alles nichts. Denn wenn ich Christum nicht finde noch kenne, so finde ich weder Seligkeit noch ewiges Leben, ja, ich finde den bittern Tod; denn es ist beschlossen bei unserm lieben Gott, dass kein anderer Name den Menschen gegeben ist, selig zu werden, als in dem Namen Jesu (Apostelgeschichte 4).
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Beitragvon Jörg » 19.02.2011 07:02

Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Lukas 1, 46-47

Wenn man Gott mit viel Worten, Geschrei und Klang vermeint zu loben, so tut man, als wäre er taub oder wüßte nichts, als wollten wir ihn aufwecken und unterweisen. Ein solcher Wahn von Gott gereicht mehr zu seiner Schmach und Unehre, als zu seinem Lobe; sondern wer seine göttlichen Taten mit tiefem Herzen wohl bedenkt und sie mit Wunder und Dank ansieht, dass er aus Brunst heraus fährt, mehr seufzt als redet, und die Worte selbst fließen, (nicht erdichtet noch gesetzt) herausbrechen, dass gleich der Geist mit herausschäumt, und die Worte Leben, Hände und Füße haben, ja dass zugleich der ganze Leib und alle Glieder gern reden wollten, das heißt recht aus dem Geiste und in der Wahrheit Gott loben, da sind die Worte eitel Feuer, Licht und Leben.
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Beitragvon Jörg » 20.02.2011 08:02

Am Sonntag Septuagesimä

Matthäus 20,1-16

Das Himmelreich des gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde und sah andere an dem Markt müßig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet hier auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde und tat gleich also. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere müßig stehen und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zur ihnen: Gehet hier auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe in den Arbeitern und gib ihnen den Lohn und heb an den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murrten sie wider den Hausvater, und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sieht uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesem letzten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht Macht, zu tun, was ich will, mit dem Meinen? Siehst du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen; aber wenige sind auserwählt.


1. Das ist ein scharfes Evangelium, aus welchem das junge Volk und schlechte Leute nicht viel lernen können. Dennoch, weil man es auf den heutigen Sonntag liest, wollen wir ein wenig davon sagen.



2. Ihr Lieben, hört in diesem Gleichnis wie der Hausvater am Morgen früh ausgeht, und bestellt Arbeiter in seinen Weinberg, die zwölf Stunden arbeiten; danach andere, die neun; also wieder andere, die nur sechs und drei; zuletzt, die nur eine Stunde arbeiten. Da ist die Arbeit sehr ungleich, und ist doch der Lohn gleich. Denn der Hausvater macht mit keinem eine Absprache, ohne mit den ersten, gibt aber den letzten, die nur eine Stunde arbeiten, eben so viel, als den ersten, mit denen er eins ward um einen Groschen zum Tagelohn. Das taugt vor der Welt gar nichts, wäre auch nicht recht; da hat es sein Maß Regel: Wer viel gearbeitet, dem gibt man viel zum Lohn; wer wenig arbeitet, dem gibt man wenig zum Lohn. Doch also, wo einer seinen vereinbarten Lohn hat, da soll und darf er dem Herren nicht dazwischen reden, ob er gleich einem anderen etwas aus Gutwilligkeit schenkt. Aber natürlich ist es unrecht, den gleichen Lohn geben, da ungleiche Arbeit ist.



3. Nun führt aber der Herrn dies Gleichnis darum, daß er damit sein Reich scheiden will von der Welt Reich, und uns lehren, daß es viel anders in seinem Reich zugehe, denn in der Welt Reich, da es nicht gleich zugehen kann, besonders weil die Personen ungleich sind. Denn daß die Ungleichheit auch in der Welt gefunden wird, daß der Herr im Hause mehr Güter hat denn sein Knecht, und doch der Knecht mehr arbeiten mußten der Herr, das hat seine besondere Meinung; gehört darum nicht hierher zu diesem Gleichnis, in welchem der Herr alle Ungleichheit aufhebt; und will uns lehren, daß in seinem Reich alles gleich sei, und einer so viel haben und gelten soll, als andere.



4. Aber im äußerlichen, weltlichen Leben, da soll die Ungleichheit bleiben; wie denn die Stände ungleich sind. Ein Bauer führt ein anderes Leben und Stand denn als ein Bürger; ein Fürst einen anderen Stand als ein Edelmann. Da ist alles ungleich, und soll ungleich bleiben. Aber im Reich Christi, es sei ein König, ein Fürst, ein Herr, ein Knecht, eine Frau, eine Magd, oder wie sie mögen genannt werden, so sind sie doch alle gleich. Denn keiner hat eine andere Taufe, Evangelium, glauben, Sakrament, Christum oder Gott, denn als der andere. Denn da geht man zur Predigt, und hört ein Knecht, ein Bürger, ein Bauer eben das Wort, welches auch der größte Herr hört. Also die Taufe, die ich habe, die empfängt ein jegliches Kindlein, es sei, wes es wolle. Den glauben den Paulus, Petrus haben, den selben Glauben hat der Schächer am Kreuz auch. Ich und du, wenn wir Christen sind, haben ihn auch. Also eben den Gott und Christum, den Johannes der Täufer hat, den haben alle Sünder, wenn sie sich bekehren. Da ist alles gleich, obgleich einer höher oder geringer ist, denn der andere, seine Standes, Amtes oder Gaben wegen.



5. So ist nun dies das vornehmste Stück dieses Evangeliums, daß wir den Trost daraus fassen sollen, daß wir Christen in Christo alle gleich sind. Vor der Welt muß die Ungleichheit bleiben, daß der Vater mehr als sein Sohn; der Herr mehr denn der Knecht; daß ein König und Fürst mehr sei denn seine Untertanen. Das will Gott so haben, der hat die Stände so geordnet und geschaffen. Wer da will eine Gleichheit machen, daß der Knecht so viel gelten sollte als sein Herr, die Magd so viel Gewalt haben als ihre Frau, ein Bauer so viel als ein Fürst, der würde ein schönes Regiment anrichten; wie wir schon an den aufrührerischen Bauern gesehen haben. Es gehe nun in der Welt so ungleich zu, als es immer kann, so wollen wir uns doch deß trösten, ganz gleich welchen Stand wir haben, daß wir alle einen Christum, eine Taufe, ein Evangelium, einen Geist haben; das niemand kein besseres Evangelium, keine bessere Taufe, keinen anderen Christum hat, denn als die geringste Magd und der geringste Knecht. Denn obwohl einer schon mehr Geld hat als der andere, so hat er doch darum nicht einen anderen oder besseren Gott.



6. Das soll man lernen und mit Fleiß merken, auf das jedermann in seinem Stande Gott mit Herzen und Lust diene, und Sprecher: Ich bin kein Kaiser, kein König, habe nicht Städte und Schlösser wie die großen Fürsten; aber ich habe dennoch ebenso eine heilige Taufe, eben den Christum, der für mich gestorben und mir das ewige Leben erworben hat, welchen der Kaiser auch hat. Solche große Güter nun, die wir durch unseren Herrn Jesum Christum haben, sollen uns hoffärtig machen, daß wir die weltliche Herrlichkeit aber lernen verachten, und unseren Trotz und Trost allein an dem haben, daß wir getauft sind im Namen Jesu, und er für uns gestorben ist, und aufgefahren in den Himmel, da er sitzt zur rechten Gottes, daß er uns auch helfen wolle von Sünde, Tod und allem Unglück.



7. Wer nun solches hat, und weiß, daß wir in Christo alle gleich sind, der geht hin an seine Arbeit mit Freuden, und kümmert sich nicht darum, ob er gleich hier auf Erden, diese kurze Zeit, in einem geringeren Wesen und Stand ist, denn ein anderer. Denn da soll es so zugehen, daß im äußerlichen Leben eine Ungleichheit ist, und einer viel, der andere wenig habe; einer Herr, der andere Knecht ist. Dadurch läßt sich ein Christ nicht anfechten, sondern spricht: Im Namen Gottes, auf Erden soll es anders nicht sein; ob ich gleich einen schweren Stand habe, schwerer als Frau und Herr im Hause; ob ich gleich nicht so gewaltig bin, als ein Fürst, König oder Kaiser: so will ich doch nicht darum murren, sondern gern und willig in meinem Stand bleiben, bis es Gott mit mir anders macht, und mich darüber trösten, daß ich weiß, daß weder Kaiser noch König einen anderen Christum oder mehr von Christum haben, denn ich. Wollen sie aber mehr haben, so weiß ich, daß sie in diesem Reich keinen Platz finden; denn da soll es alles gleich sein, besonders weil wir alle nur allein darum Gott angenehm sind, daß Christus Jesus für uns gelitten, und uns alle, einen so viel als den anderen, von unseren Sünden gereinigt hat mit seinem Blut. Den Schatz habe ich ganz unvollkommen. Darum soll mich das nicht anfechten, ob ich in äußerlichen und zeitlichen etwa einen Mangel habe; so nur hier kein Mangel ist, und ich in den ewigen Gütern allen Heiligen gleich sein soll.



8. So sollte nun dies unser Trotz und Trost sein, daß wir wissen, im Reich Christi ist keine Ungleichheit; sollen deswegen in solcher christlichen Hoffart willig hingehen und tun, was wir sollen: so könnte ein jeder fröhliche in seinem Stande und fromm dazu sein. Denn da muß es alles mit Freuden abgehen, wenn ein Christ von Herzen sagen kann: Was soll ich wegen meines Standes murren? Ist es doch auch ein guter Stand, ob er gleich gering und mühsam ist. Denn ob es gleich kein Fürstenstand ist, so ist es doch ein Christenstand; was will ich mehr haben oder begehren?



9. Solches tun diese ersten nicht, die wollen, unser Herr Gott soll ihnen lohnen nach ihren Werken, daß soll er ansehen, wieviel sie mehr getan haben als die anderen, soll sie deswegen höher im Himmel setzen, und ihnen einen anderen, größeren und besseren Christum geben. Denn also haben sie gelehrt: Wenn ein Priester über dem Alter steht, so tue er ein solches Werk, daß er anderen mitteilen und ihnen dadurch auch in den Himmel helfen könne, daß er besser sei und einen besseren Stand im Reich Christi habe, als die einfachen Leute. Diese murren über solche Gleichheit, die im Reich Christi ist, und wollen es zu einer Ungleichheit bringen, wie sie in weltlichen Ständen ist. Weiter haben sie gelehrt: Eine Jungfrau sei besser des Glaubens wegen, denn als eine Ehefrau. Und wer noch heute anders lehrt, den verdammen sie als einen Ketzer. Das ist es, daß die ersten hier murren, und wollen mehr haben denn als die anderen. Zählen unseren Herrn Gott vor, wie lange sie gearbeitet, und sauer es ihnen geworden ist. Aber was sagt er dazu? Des äußerlichen Lebens wegen seid ihr ungleich, da mag einer fleißiger sein und mehr arbeiten, denn als der andere; aber keiner hat eine bessere Taufe und besseren Christum denn als der andere. Auch Predigt man keinem kein anderes noch besseres Evangelium, denn dem anderen.



10. Das nun Mönche und Nonnen sich rühmen, die Eheleute haben nur das gemeine Evangelium und Gebot, sie aber haben das hohe Evangelium, und halten mehr, denn Christen zu halten in gemeinen Stand geboten ist: das ist nicht wahr und ganz und gar wider das Evangelium; denn sie wollen damit eine Ungleichheit aus dem Evangelium machen, so es doch Christus alles gleich macht, und lehrt besonders im heutigen Evangelium, daß in seinem Reich einer ebensoviel gelten soll als der andere. An sich selbst ist es nicht böse, auch wehret oder verbietet es niemand, daß eine Jungfrau bleibe, wer Gnade dazu hat. Aber daß man es vor unserm Gott rühmen, und darum besser sein wollte denn andere, und mehr Lohn erwarten, das ist der Stoß und das Ärgernis, an welchem sich der Papst stößt, und uns darum beschuldigt, wir verbieten gute Werke. Aber er tut uns Gewalt und Unrecht; denn gute Werke verbieten wir nicht. Allein sagen wir, daß im Reich Christi alles gleich ist, darum das Gott mit uns allen nicht nach Verdienst, sondern allein nach Gnaden und Barmherzigkeit, um seines Sohnes Christi Jesu Willen, handeln will.



11. Danach sagen wir, wenn du solche Gleichheit in Christus hast, alsdann, du bist ein Schulmeister oder Prediger, ein Herr oder Frau, ein Knecht oder Magd, so arbeitet, und tue, so viel du kannst in deinem Beruf, und bleibe in solcher Ungleichheit. Aber in Christus sollen wir nicht ungleich, sondern gleich sein. An dem stößt sich die Welt, und die Juden besonders, wollen unsinnig und toll darüber werden, wenn sie hören, daß wir Heiden genau wie sie selig werden sollen, die wir nicht beschnitten sind, den Sabbath nicht halten, als sie, die solche Last mit so großer Mühe tragen, daß sie darüber schwitzen; wie es der Herr im Gleichnis fein anzieht, und sagt: Die ersten meinten, sie wollte mehr empfangen, und wurden darum, da ein jeder seinen Groschen empfing, eben wie die, so nur eine Stunde gearbeitet hatten.



12. Aber Christus will gar keine Ungleichheit leiden. " Freund ", spricht er, " ich tue dir nicht Unrecht; nimm, was dein ist, und gehe hin "; das ist, ihr habt euren Lohn bereits hin, das Land Kanaan; aber jetzt will ich ein anderes und neues Reich anrichten, der soll alles gleich sein. Denn das Gut ist mein; deswegen kann nicht damit machen, was ich will, ihr dürft mich nicht lehren, wie ich meine Knechte halten soll. Also zürnen die Juden über das ewige Leben und wollen mit uns Heiden nicht gleich sein; beschuldigen unseren Herrn Gott darüber, als tue er ihnen Unrecht; daß er sie zurecht weisen muß, und sagen: Ist es doch alles mein Gut, nicht dein; darum gehet es dich nichts an, wie ich mit dem Meinen umgehe. Der Papst und sein Haufe tun auch so, wollen in das Reich nicht, in dem alles gleich sein soll; besonders weil wir alle nur einen Gott, Christum, Heiligen Geist, Evangelium, Taufe, Sacrament, Glauben haben. Solcher Gleichheit wegen ist einer eben so gut, fromm und heilig, als der andere.



14. Wenn wir nun solches haben, sollen wir Gott für solche Gaben danken, und dieselben recht erkennen, rühmen und sagen: Man sehe mich an, wofür man will, man achte mich, so gering man wolle, so habe ich doch so viel, als alle Kaiser und Könige, ja, als alle Heiligen und Engel in Himmel. Wodurch? Durch Christum. Darum will ich hingehen, eine Hausmutter, Hausvater, Knecht oder Magd sein, und mit Freude, mit Lust und Liebe alles tun, was mein Stand erfordert; besonders weil ich einen so großen Schatz an meinem Herrn Christum habe.



15. Das ist die Lehre aus dem heutigen Evangelium, daß wir hier auf Erden ungleich bleiben, gleichwie die Personen ungleich sind. Ein Fürst ist eine andere Person denn ein Prediger; eine Magd eine andere Person denn ihre Frau; ein Schulmeister eine andere Person denn als ein Bürgermeister. Darum sollen oder können sie nicht einerlei Weise oder Wesen führen. Solche Ungleichheit muß bleiben. Aber dort im Reich Christi heißt es: Ich will einem so viel geben, als dem anderen; Ursache: das Himmelreich, die Erlösung vom Tod und Sünden, hat mir kein anderer verdient; darum bin ich niemand schuldig, gebe es aber aus Gnade, wem ich will. Über solchem sollen wir uns hüten, daß wir nicht murren, sondern Gott dafür danken, und solchen Trost in allerlei Gefahr, Mühe und Arbeit, die wir in der äußerlichen Ungleichheit tragen, bedenken, so wird es uns alles sanft und leicht werden.



16. Aus dem letzten Spruch: " viele sind berufen, aber weniger auserwählt ", schöpfen die vorwitzigen Köpfe mancherlei ungereimte und ungöttliche Gedanken, denken so: Wen Gott erwählt hat, der wird ohne Mittel selig; wiederum aber, wen er nicht erwählt hat, der tue Wasser wolle, so ist es ihm verordnet, daß er fallen muß, und kann nicht selig werden: deswegen will ich es gehen lassen, wie es geht. Soll ich selig werden, so geschiehts ohne man Zutun; wo nicht, so ist es doch alles vergebens, was ich tue und mir vornehme. Was nun für unartige, sichere Leute aus solchen gottlosen Gedanken wachsen, kann jedermann bald bei sich selbst erkennen.



17. Nun, am Tag wo die Weisen aus dem Morgenland kommen, und wir den Spruch des Propheten Micha gehört haben, ist es genügend angezeigt, daß man vor solchen Gedanken als vor dem Teufel sich hüten, und nicht anders von Gott denken als uns in der Schrift gezeigt ist. Wenn anders gelehrt wird als in der Schrift, so ist es unmöglich, daß nicht die Menschen geärgert werden, und entweder in Verzweiflung fallen, oder gar gottlos und verwegen werden.



18. Wer aber Gott und seinen Willen recht erkennen will, der soll den rechten Weg gehen, so wird er nicht geärgert, sondern gebessert. Der rechte Weg aber ist der Herr Christus, wie er sagt: " Niemand kommt zum Vater, denn durch mich ". Wer nun den Vater recht kennen und zu ihm kommen will, der komme zuvor zu Christus, und lerne denselben erkennen, nämlich also: Christus ist Gottes Sohn, und allmächtiger, ewiger Gott. Was tut nun der Sohn Gottes? Er wird Mensch um unseretwillen, er gibt sich unter das Gesetz, daß er uns vom Gesetz erlöse, er läßt sich kreuzigen, und stirbt am Kreuz, daß er für unsere Sünde bezahle; und steht wieder auf von den Toten, daß er uns durch seine Auferstehung den Eingang zum ewige Leben mache, und wider den ewigen Tod helfe; uns sitzt zur Rechten Gottes, daß er uns vertrete, und den Heiligen Geist schenke, und durch denselben regiere und führe, und wider alle Anfechtung und Eingeben des Teufels seine Gläubigen bewahre. Das heißt Christum recht erkennen.



19. Wo nun diese Erkenntnis fein und fest im Herzen ist, alsdann fange an und steige hinauf in den Himmel und mache deine Rechnung: Weil der Sohn Gottes solches um der Menschen willen getan hat, wie doch Gottes Herz gegen uns Menschen stehe, weil sein Sohn aus des Vaters Willen und Befehl solches tut. Ist es nicht wahr, da wird dich deine eigene Vernunft zwingen, daß du sagen mußte: Weil Gott seinen eingeborenen Sohn um unseretwillen Sohn hingegeben und sein um unseretwillen nicht verschont hat, so kann er es ja mit uns Menschen nicht böse meinen. Er will ja nicht, daß wir verloren werden; besonders weil er die höchsten Mittel sucht und braucht, daß er und zum Leben helfe. Auf diese Weise kommt man recht zu Gott; wie den Christus selbst predigt, Johannes 3,16.: " Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, so an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben ". Man halte aber diesen Gedanken gegen jene, so aus der vorigen Meinung wachsen, so wird man finden, daß jene Gedanken des leidigen Teufels Gedanken sind, durch die ein Mensch geärgert werden muß, und entweder verzweifeln, oder verwegen und gottlos werden; denn er kann sich zu Gott nichts Gutes erhoffen.



20. Etliche schöpfen sich andere Gedanken, und deuten die Worte also: " viele sind berufen ", das ist, Gott bietet seine Gnade vielen an, aber " wenige sind auserwählt ", das ist, er läßt aber solche Gnade wenigen wiederfahren; denn es werden ihrer wenige selig. Das ist zumal ein gottloser Verstand; denn wie kann es möglich sein, wenn einer von Gott nichts anderes hält und glaubt, daß er Gott nicht sollte darum fein werden, an deß Willen es allein fehlt, daß wir nicht alle selig werden? Man halte aber diese Meinung gegen jene, die sich findet, wo man am ersten den Herrn Christum erkennen lernt, so wird man finden, daß es eitel teuflische Lästerungen sind.



21. Deswegen hat es eine weit andere Meinung mit diesem Spruch: " Viele sind berufen ". Denn diese Predigt des Evangelium geht öffentlich, wer es nur hören und annehmen will; und Gott läßt es auch darum so öffentlich predigen, daß jedermann es hören, glauben und annehmen soll, und selig werden. Aber wie gehts? Wie nachher im Evangelium folgt: " Wenige sind auserwählt ", das ist, weniger halten sich an das Evangelium, daß Gott ein Wohlgefallen an ihnen hat. Denn etliche hörens und achtens nicht; etliche hören es und halten es nicht fest, wollen auch nichts darüber leiden; etliche hörens, nehmen sich aber mehr um Geld und Gut und weltliche Wohllust an. Das gefällt aber Gott nicht, und mag solche Leute nicht. Das heißt Christus: " nicht auserwählt sein ", das ist, sich nicht so halten, daß Gott ein Gefallen an ihnen hätte. Das aber sind auserwählte und Gott wohlgefällige Leute, die das Evangelium fleißig hören, an Christum glauben, den Glauben mit guten Früchten beweisen, und darüber leiden, was sie leiden sollen.



22. Dieser Verstand ist der rechte Verstand, der niemand ärgern kann, sondern besser die Leute, daß sie denken: Wohlan, soll ich Gott wohlgefallen und auserwählt sein; so ist es nicht recht, daß ich in bösem Gewissen lebe, wider Gottes Gebot sündigen und der Sünde nicht wehren wollte; sondern ich muß zur Predigt gehen, Gott um seinen Heiligen Geist bitten, das Wort nicht aus dem Herzen lassen, mich wider den Teufel und seine Eingebungen wehren, und um Schutz, Geduld und Beistand bitten; da werden dann feine Christen werden. Dagegen jene, die dafür halten, daß Gott nicht jedermann die Seligkeit gönne, entweder verzweifelt oder sichere, gottlose Leute werden, die leben wie das Vieh und denken: Es ist doch schon geordnet, ob ich selig werden soll oder nicht; was soll ich mir denn nun noch weh tun? Nein, also; du hast Befehl, du sollst Gottes Wort hören und an Christum glauben, daß er dein Heiland sei, und für deine Sünde bezahlt habe. Dem Befehl gedenke, daß du ihm nachkommst. Findest du dich ungläubig oder schwach: bitte Gott um seinen Heiligen Geist, und zweifle nicht, Christus ist dein Heiland, und du sollst durch ihn, so du man ihn glaubst, das ist, dich fein tröstet, selig werden. Das verleihe uns allen unser lieber Herr Jesus Christus, Amen.
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Beitragvon Jörg » 26.02.2011 06:45

Morgen ist der Sonntag “Sexagesimä”; leider liegt mir keine Luther-Predigt vor. Und da ich von heute auf morgen mit meiner lieben Frau wegfahre, gibt’s schon heute und nächste Woche kleine Luther “Häppchen” (aus: Dr. Martin Luther, Christlicher Wegweiser für jeden Tag, herausgegeben von Helmut Korinth, Hamburg 1980):


Welche Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden. Galater 5, 24.

Lieber Mensch, willst du die rechte Frömmigkeit, die vor Gott gilt, erlangen, so mußt du gänzlich an dir zweifeln und auf Gott allein trauen, mußt dich Christo ganz und gar ergeben und dich seiner annehmen, also dass alles dein sei, was er hat, und was dein ist, sein sei. Denn so hebst du an zu leben in göttlicher Liebe und wirst gar ein anderer Mensch, ganz neu geboren, und kehrt sich alles um, was in dir ist. Da wirst du denn so große Lust haben zur Keuschheit, wie große Lust du zuvor gehabt hast zur Unkeuschheit, und so fortan mit allen Lüsten und Neigungen. Aber darauf müssen wir achthaben, dass wir auch nicht verzweifeln, wenn wir sündliche Neigung noch in uns fühlen und es noch nicht allzu rein mit uns ist, wie wir gerne wollten. Du wirst diesen Kot nicht gar ausfegen, weil wir hier im Fleisch und Blut sind.




Euch allen wünsche ich von Herzen ein schönes Wochenende

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Beitragvon Jörg » 28.02.2011 05:17

Christus hat sich selbst für unsere Sünden gegeben, dass er uns errettete von dieser gegenwärtigen argen Welt nach dem Willen Gottes und unseres Vaters. Galater 1,4.

Kommt nun der Teufel unversehens geschlichen und rückt dir diese Worte aus den Augen und gibt dir ein, dass du dich bekümmern sollst, ob du von Gott versehen seist zur ewigen Seligkeit oder nicht, hält dir vor die erschrecklichen Exempel von Gottes Zorn und Gericht und dass die Zahl der Auserwählten gering, der Verdammten aber groß sei, so sei denn klug und laß dich beileibe in solche gefährliche Gedanken und Disputation nicht führen, oder du versteigest dich gewiss und brichst den Hals, sondern wehre dich und sprich: Mir ist nicht befohlen, dass ich mich über solche Sache bekümmern soll, die mir zu hoch und unbegreiflich zu erforschen ist. Ich bleibe bei den Worten St. Pauli, der sagt, dass Christus sich selbst für unsere Sünden gegeben hat, auf dass er uns errettete, und habe solches getan nach dem Willen Gottes und unsers Vaters.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 01.03.2011 05:26

Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch. Galater 5, 17.

Hieraus lerne, dass der Streit nicht in rohen Sündern geschieht, sondern in den Gläubigen, und gibt auch den Christen einen feinen Trost, dass sie nicht gedenken, wenn sie böse Lüste fühlen, dass sie darum bald verdammt seien. Lerne also, wenn du ein Christ bist, dass du allerlei Anstoß und böse Neigungen im Fleisch fühlen werdest. Denn wenn der Glaube da ist, so kommen hundert böse Gedanken, hundert mehr Anfechtungen als vorher. Siehe nur darauf, dass du ein Mann seiest und dich nicht läßt fangen und immer widerbellst und sagst: ich will nicht, ich will nicht. Herr Christe! Du hast gesagt: bittet, so werdet ihr nehmen usw. Hilf, lieber Herr, wider alle Anfechtungen!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 02.03.2011 05:35

Betet ohne Unterlaß. 1. Thessalonicher 5, 17.

Wo ein Christ ist, da ist eigentlich der heilige Geist, der nichts anderes tut als immer betet; denn ob er gleich nicht immerdar den Mund reget oder Worte macht, dennoch geht und schlägt das Herz (gleichwie die Pulsadern und das Herz im Leibe) ohne Unterlaß mit solchen Seufzern: Ach, lieber Vater, dass doch dein Name geheiligt werde, dein Reich komme, dein Wille geschehe bei uns und jedermann usw. Und wenn danach Stöße oder Anfechtung und Not härter drücken und treiben, dann geht solch Seufzen und Bitten desto stärker, auch mündlich, so dass man keinen Christen finden kann ohne Beten, so wenig als einen lebendigen Menschen ohne den Puls, welcher nie still steht, regt und schlägt immerdar für sich, obgleich der Mensch schläft oder anderes tut, dass er sein nicht gewahr wird.
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Beitragvon Jörg » 03.03.2011 06:03

Es glaubten viele an ihn um des Weibes Rede willen, und viel mehr glaubeten um seines Wortes willen. Johannes 4, 39 und 41.

O, dass doch Gott wollte, dass meine und aller Lehrer Auslegung untergingen und ein jeder Christ selbst die bloße Schrift und lauter Gotteswort vor sich nehme. Du siehst ja aus diesem meinem Geschwätz, wie unermesslich ungleich Gottes Worte sind gegen aller Menschen Worte, wie gar kein Mensch mag einiges Gotteswort genugsam erreichen und erklären mit allen seinen Worten. Es ist ein unendliches Wort, und will mit stillem Geiste gefaßt und betrachtet sein, wie Psalm 83 sagt: Ich will hören, was Gott selbst in mir redet. Es begreift´s auch sonst niemand, als ein solcher stiller und betrachtender Geist. Wer dahin könnte ohne Glossieren und Auslegen kommen, dem wäre mein und aller Menschen Glossieren gar nicht not, ja nur hinderlich. Darum hinein, hinein, liebe Christen, und laßt mein und aller Lehrer Auslegen uns ein Gerüst sein zum rechten Bau, dass wir das bloße, lautere Wort Gottes selbst fassen, schmecken und da bleiben; denn da wohnt Gott allein in Zion! Amen.
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Beitragvon Jörg » 04.03.2011 05:21

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermal sage ich: Freuet euch! Philipper 4,4.

Diese Freud ist eine Frucht und Folge des Glaubens; denn es ist nicht möglich, dass sich ein Herz sollt in Gott freuen, das nicht zuvor an ihn glaubt. Wo nicht Glaube ist, da ist eitel Furcht, Flucht, Scheu und Traurigkeit, wenn nur Gottes gedacht und genennet wird. Ja, Haß und Feindschaft wider Gott ist in solchem Herzen. Das macht die Ursach, dass das Herz sich findet schuldig in seinem Gewissen, und hat nicht die Zuversicht, dass ihm Gott gnädig und günstig sei, dieweil es weiß, dass Gott der Sünde feind ist und sie greulich straft. Darum ist diese Epistel nicht den Sündern geschrieben, sondern den Heiligen. Den Sündern muß man zuvor sagen, wie sie der Sünde los werden und einen gnädigen Gott überkommen; so folget die Freude von selbst, wenn sie des bösen Gewissens los sind. Siehe, von solcher Freude redet hier St. Paulus. Da ist keine Sünde, keine Furcht des Todes noch der Hölle, sondern eine fröhliche, allmächtige Zuversicht gegen Gott und seine Huld. Und abermals sage ich: freuet euch. Das Wiederholen des Apostels stärkt seine Vermahnung; das ist wohl auch not; ob wir gleich zuweilen in Sünde fielen, dass wir doch die Freude in Gott lassen stärker sein, denn die Traurigkeit in den Sünden.
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Beitragvon Jörg » 05.03.2011 07:00

Er gab ihnen Macht über die unsaubern Geister. Matthäus 10, 1.

Es ist wahr, dass sich der Teufel jetzt so, dann wieder anders sehen und hören läßt. Aber rufe Gott an und bete; laß ihn darnach scharren und poltern, wie lange er will; du sollst wohl sicher vor ihm bleiben. Sage es ihm nur getrost unter die Augen und sprich: Du bist der Teufel und bleibst der Teufel. Ich aber bin ein Christ und habe einen stärkern Herrn, als du bist; darum laß mich zufrieden. Mir ist selbst oft widerfahren, dass er mir ein Gepolter im Hause angerichtet und mich hat schrecken wollen. Aber ich habe meinen Beruf vor mich genommen und gesagt: Ich weiß, dass mich Gott in dies Haus gesetzt hat, dass ich darin soll Herr sein; hast du nun einen stärkern Beruf als ich, und bist hierin Herr, so bleibe da. Aber ich weiß wohl, dass du hier nicht Herr bist; du gehörst an einen Ort, in den Abgrund der Hölle. Bin also wieder eingeschlafen und habe ihn lassen böse sein, habe wohl gewußt, dass er mir nichts hat tun können.
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