Die Relevanz der Geistesgaben in der Kirchengeschichte

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Jose
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Die Relevanz der Geistesgaben in der Kirchengeschichte

Beitragvon Jose » 10.05.2011 09:25

In der Auseinandersetzung zwischen Calvinismus und Arminianismus sind die Geistesgaben offensichtlich komplett "unter die Räder" gekommen, dabei war die biblische Handhabung der Geistesgaben nie dazu gedacht, das Erlösungswerk Christi und das "allein aus Gnaden" in Frage zu stellen, und das sollten wir m.E. klar unterscheiden. Missbräuche bzw. falsche Handhabungen kann es immer geben und zur Zeit Jesu waren gerade die Pharisäer ein trauriges Beispiel hierfür, denen Jesus sagen musste: "Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen" Joh 5,39. Die Gefahr, trotz klare Belehrung nicht in der Wahrheit erfunden zu werden, besteht immer, auch für uns.

Dieses Thema: "Geistesgaben: Ein Kind des Arminianismus !?" beschäftigt mich weiterhin sehr. Ich verstehe die Gründe, die zur Ablehnung der Geistesgaben führten, aber darf man die ganze Pfingstbewegung als Folge des Arminianismus sehen? Wenn der Arminianismus im Calvinismus von vielen pauschal abgelehnt wird, dann wundert es mich nicht, dass die Geistesgaben ebenfalls komplett abgelehnt werden, aber ist das Vorgehen wirklich biblisch?

Mir ist es ein Anliegen, dieses Thema hier als Thread in diesem neuen Bereich "Kirchen- und Dogmengeschichte" einzeln anzusprechen, da ich Aussagen wie diese von Peters nicht als biblisch belegt annehmen kann, auch wenn ich es in gewisser Weise nachempfinden kann auf Grund der wirklichen Missstände:
DIE ANPASSUNG DER EVANGELIKALEN DES 20. JAHRHUNDERTS
Nach der Reformation wurde das Prinzip, dass Christus allein das Heil wirkt und dass Gott uns in Christus allein alles gegeben hat, was wir zum Leben und zur Gottseligkeit brauchen, durch den Arminianismus und ihre Kinder verletzt: durch die Heiligungsbewegung und die daraus gewordene Pfingstbewegung. Hier nimmt der Mensch schrittweise den Platz Christi ein.
http://www.kfg.org/archiv/pdf/artikel/076%20Peters%20(K)ein%20anderes%20Evangelium.pdf, zu lesen im Abschnitt "Die Anpassung der Evangelikalen des 20. Jahrhunderts".


Ich möchte hierzu auch auf Beiträge von mir unter "Sind Arminianer unsere Brüder" hinweisen, der Beitrag: Wer sind meine Brüder?, und unter "Die Neuen Calvinisten und die charismatische Frage" der Beitrag: Kritischer Umgang mit den (heutigen) Geistesgaben. Mir lässt das Thema persönlich keine Ruhe.

Mir sind die Gefahren und Verführungen, die aus der Pfingstbewegung bzw. Heiligungsbewegung entstanden sind, sehr bewusst, aber es ist eben so, dass der Teufel immer bemüht ist Gottes Werk zu verhindern. Was mir große Sorge bereitet ist, dass wir möglicherweise den Heiligen Geist dämpfen, der nicht nur die Geistesgaben schenkt, sondern uns aus in alle Wahrheit leitet. Beachten wir bitte, dass selbst die Weisheit, Erkenntnis und der Glaube, als Gaben des Geistes bezeichnet werden (siehe 1. Kor 12,8.9).


Liebe Grüße,
José

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Beitragvon Joschie » 10.05.2011 13:16

Jose hat geschrieben:Geistesgaben: Ein Kind des Arminianismus!?

Die Fragestellung ist irreführend und schlichtweg falsch! Geistesgaben sind ja wie schon der Name sagt, die Gaben des Heiligen Geistes.Wir können hier gern in diesem Bereich auf die Frage eingehen, wie die Einstellung der verschiedenen Richtungen in der Kirchengeschichte, zu den Geistesgaben gewesen ist.Hier ist nicht der Bereich für die Frage, gibt es heute noch die Geistesgaben und was genau zählt man zu den Gnadengaben? Dafür ist ja der Bereich für die Lehrfragen da!
Ist der Wunsch sich über das Thema "Die Deutung der Geistesgaben in der Kirchengeschichte" auszutauschen, sagt bitte Bescheid und ändert bitte den Titel von diesem Bereich.
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

lutz
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Re: Geistesgaben: Ein Kind des Arminianismus !?

Beitragvon lutz » 10.05.2011 16:08

Jose hat geschrieben:...da ich Aussagen wie diese von Peters nicht als biblisch belegt annehmen kann, auch wenn ich es in gewisser Weise nachempfinden kann auf Grund der wirklichen Missstände:
DIE ANPASSUNG DER EVANGELIKALEN DES 20. JAHRHUNDERTS
"Nach der Reformation wurde das Prinzip, dass Christus allein das Heil wirkt und dass Gott uns in Christus allein alles gegeben hat, was wir zum Leben und zur Gottseligkeit brauchen, durch den Arminianismus und ihre Kinder verletzt: durch die Heiligungsbewegung und die daraus gewordene Pfingstbewegung. Hier nimmt der Mensch schrittweise den Platz Christi ein."
http://www.kfg.org/archiv/pdf/artikel/076%20Peters%20(K)ein%20anderes%20Evangelium.pdf, zu lesen im Abschnitt "Die Anpassung der Evangelikalen des 20. Jahrhunderts".


Hier bist du aber sehr schnell im Urteilen.
B. Peters hat in dieser Mitschrift von Vorträgen nicht das Ziel eine detaillierte Kirchengeschichte zu präsentieren. Ihm geht es nicht darum im Detail zu belegen wie die Pfingstbewegung und … entstand, woher sie ihre Kenntnisse hatten, … . Ihm geht es sicher auch nicht einfach um ein "was schief gelaufen ist" - ihm geht es um:
Man kann das Evangelium, das die Apostel predigten, mit folgenden fünf Merkworten zusammenfassen:
1. Solus Christus – Christus allein
2. Sola scriptura – Die Schrift allein
3. Sola gratia – Durch Gnade allein
4. Sola fide – Durch Glauben allein
5. Soli Deo gloria – Dem alleinigen Gott die Ehre (S. 1. – Anfang)


Dabei stellt er Parallelen her zu den Evangelikalen des 20. Jahrhunderts und …
Hier nimmt der Mensch schrittweise den Platz Christi ein.
a) indem er dem Heilswerk Christi seinen Glauben, seine Heiligung und sein Ausharren darin hinzuordnet. Entscheidend ist nicht mehr das reformatorische extra nos (außerhalb von uns) Gewirkte, sondern entscheidend wird das in uns Erfahrene.
b) indem ein Mensch durch Handauflegung (vermeintlich) den Heiligen Geist austeilt, dies entgegen Joh 15,26
c) indem „geisterfüllte“ Menschen zu Mittlergestalten werden (S. 3)


Es geht darum, dass der Mensch den Platz Christi einnimmt.

Mit dem Aufkommen der Pfingstbewegung wurde erstmals in einer evangelikalen Denomination das Prinzip, dass es außer der Schrift auch andere Offenbarungsquellen gibt, zum System. Visionen, Stimmen und damit einhergehend die Macht, Zeichen und Wunder zu tun, relativieren die Wahrheit, dass die Schrift allein genügt (2Tim 3,16.17) und drängen die Wahrheit von der Einmaligkeit der
Vollender der Schrift – der Apostel (1Thes 2,13) – an den Rand. (S. 4)


Es geht darum, dass die Schrift als Offenbarung nicht mehr genügt.

Die biblische und reformatorische Lehre von der Gnade allein wurde innerhalb der evangelikalen Welt erstmals auf breiter Front durch den Methodismus der Prägung Johann
Wesleys angegriffen.

Wesley und seine Schüler glaubten nicht, dass Gott allein alles wirkt bei der Errettung des Menschen.

Sie glaubten nicht, dass die Errettung am Gnadenwillen Gottes, sondern dass sie am freien Willen des Menschen hängt.

Entsprechend glaubten sie auch, dass der Errettete jederzeit frei sei, das Heil zu verlieren.

Das glauben heute die meisten Evangelikalen auch. Sie glauben der Mensch hat die Fähigkeit, aus sich heraus das Heil zu wählen. Sie glauben nicht, was der Herr selbst sagt: „Nicht ihr habt mich, sondern ich habe euch erwählt.“ Sie denken, Gott habe uns erwählt, weil wir gläubig wurden; sie glauben, unsere Errettung habe damit begonnen, dass
wir der Predigt glaubten und dem Ruf zur Buße gehorchten. Gott habe diesen Glauben und Gehorsam vorhergesehen und habe uns deshalb in Christus erwählt vor Grundlegung der Welt. (S. 8)


Es geht darum, dass die Gnade allein nicht reicht.

Finney wird hier auch erwähnt:
Da Finney glaubte, dass es ganz in der Hand des Menschen liegt, dass er ein Kind Gottes wird, glaubte er auch, es liege ganz in der Hand der Christen, eine Erweckung zu erzeugen. Er sagte: „Gott hat den Heiligen Geist unter eure Verfügung gestellt. Ihr seht, warum ihr keine Erweckung habt: Nur weil ihr keine gewollt habt.“ (S. 8)


Es geht darum, dass der Mensch den Heiligen Geist unter seiner Verfügung hat.

Wer B. Peters von seinen Vorträgen, Büchern … kennt, weiß, dass er sich durch eine gründliche Arbeit auszeichnet. Es besteht kein Anlass zu denken, er könne nicht jede seiner Behauptungen mühelos ausführlich belegen. Meines Wissens nach unterrichtet er u. a. an dieser Bibel- und Predigerschule: http://ebtc-online.org/ebtc/bibelschule/lehrer/lehrer/

Lutz
PS: Natürlich können wir in diesem Themenbereich der Sache kirchengeschichtlich nachgehen. Nur handelt es sich hier um Geschichtsabläufe, die man anderen Quellen entnehmen muss als der Bibel. Die Bewertung muss anhand der Schrift geschehen – nur ohne den Sachverhalt zu kennen, wird eine Bewertung unmöglich sachgerecht sein.
D. h. also erst die geschichtliche Rekonstruktion – dann die biblische Bewertung.

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Beitragvon Joschie » 10.05.2011 17:08

Lutz hat geschrieben:Natürlich können wir in diesem Themenbereich der Sache kirchengeschichtlich nachgehen. Nur handelt es sich hier um Geschichtsabläufe, die man anderen Quellen entnehmen muss als der Bibel. Die Bewertung muss anhand der Schrift geschehen – nur ohne den Sachverhalt zu kennen, wird eine Bewertung unmöglich sachgerecht sein.
D. h. also erst die geschichtliche Rekonstruktion – dann die biblische Bewertung.


Das ist was ich gemeint habe, mit meinem letzten Beitrag :!: Es besteht immer die Gefahr, wenn man nur einen Teilaspekt betrachtet, zu schwierigen Schlüssen kommt.Als Beispiel dazu:Erwin W.Lutzer "Gefährliche Weichenstellung Lehrstreit und Trennungen in 2000 Jahren Kirchengeschichte" erwähnt in Kapitel 7 über die Taufe den Donatismus, "das sie die Schau hatten von der Gemeinde, von Getauften Gläubigen".Zu dieser Aussage bringe ich mal die geschichtlichen Fakten Die Donatisten sahen die Kirche als eine Gemeinschaft von perfekten Heiligen, in der kein Raum für Sünder war. Einzig verborgene Sünder konnten in der Kirche bleiben. Öffentlich bekannte Sünder, sollten unter allen Umständen aus der Kirche ausgeschlossen werden. Am Anfang der Bewegung betraf dieses Prinzip besonders Christen, die während der Christenverfolgung durch Diokletian (303 bis 311) zeitweilig abgefallen (lapsi) oder als sog. traditores, als Auslieferer heiliger Schriften und Gegenstände, in Verruf geraten waren. Als diese Christen nach der Mailänder Vereinbarung 313 wieder in die Kirche zurückkehrten, verlangten die Donatisten ihren Ausschluss. Insbesondere erklärten sie alle Sakramente (Taufe, Eucharistie, Priesterweihe) für ungültig, die von einem Priester gespendet wurden, der zeitweilig abgefallen war, und griffen damit Positionen aus der Zeit des Ketzertaufstreits wieder auf.
Die Ablehnung der laxen Katholischen Kirche durch die Donatisten war so radikal, dass die Donatisten, unter Berufung auf den Kirchenlehrer Cyprian, die Wiedertaufe an von der Katholischen Kirche übergetreten Menschen vollzogen.Die Donatisten selbst lehnten die Kindertaufe nicht als solches ab.Denn nach ihrem Verständnis ist die Wirksamkeit der Taufe abhängig von der Reinheit dessen, der die Taufe vollzieht.
Gruß Joschie
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Deutung, Ursprung der Geistesgaben in der Kirchengeschichte

Beitragvon Jose » 10.05.2011 21:53

Joschie hat geschrieben:Ist der Wunsch sich über das Thema "Die Deutung der Geistesgaben in der Kirchengeschichte" auszutauschen, sagt bitte Bescheid und ändert bitte den Titel von diesem Bereich.

Ja, darum geht es mir. Bitte ändere administrativ den Namen des Threads um in: Deutung, Ursprung der Geistesgaben in der Kirchengeschichte. Danke!

In meinem ersten Beitrag habe ich gleich zum Ausdruck gebracht, was mich besonders bedrückt. Ich wäre dankbar, wenn wir uns darüber austauschen könnten, wie es soweit kommen konnte oder musste, dass die Heiligungsbewegung schließlich mit der Berliner Erklärung abgelehnt wurde und im Calvinismus allgemein als einen Auswuchs des Arminianismus gesehen wird.

José

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Beitragvon Joschie » 11.05.2011 07:18

Hallo Ihr!
Ich habe den Bereich umbenannt in "Die Relevanz der Geistesgaben in der Kirchengeschichte"
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 11.05.2011 18:34

Hallo Ihr!

Ich beginne das Thema "Die Relevanz der Geistesgaben in der Kirchengeschichte" mit einigen Zeilen von Benedikt Peters er schreibt in seinem Buch "Der Heilige Geist"Gaben,Werke,Wirkungen Ein wichtiges Kriterium, das uns hilft, echtes von nur vorgegebenem Wirken des Heiligen Geistes zu unterscheiden, ist die Kirchengeschichte. Die Lektionen aus der Kirchengeschichte sind uns eine wichtige Hilfe.Anschließend stehen von Louis Berkhof aus seinen Buch "The History of Christian Doctrines" folgende Zeilen.
»Das Studium lehrmäßiger Wahrheit ohne Berücksichtigung des historischen Hintergrundes führt zu einer verstümmelten Theologie. Solches ist in der Vergangenheit zu oft geschehen, und auch die heutige Theologie leidet zu einem großen Teil unter diesem Mangel. Das Ergebnis ist ein Mangel an gesundem Verständnis und ausgewogener Bewertung der Wahrheit gewesen. Man hat die Tatsache nicht gebührend berücksichtigt, dass der Heilige Geist die Gemeinde in ihrem Ringen um die Wahrheit, wie sie im Wort Gottes geoffenbart ist, geführt und gelehrt hat. Die Warntafeln und die Wegweiser aus der Vergangenheit wurden nicht beachtet, und alte Häresien, die von der Gemeinde längst verurteilt worden waren, werden immer neu aufgelegt und als neue Entdeckungen präsentiert. Die Lektionen aus der Vergangenheit werden sträflich missachtet, und viele haben den Eindruck, sie müssten gänzlich auf eigene Faust losziehen, als ob in der Vergangenheit sehr wenig erreicht worden wäre. Der ernsthafte Theologe muss selbstredend die gegenwärtige Lage in der religiösen Welt zur Kenntnis nehmen und zu verstehen suchen, und er muss die Wahrheit immer wieder von neuem studieren, aber er kann nicht ungestraft die Lektionen der Vergangenheit ignorieren«


Bei der Betrachtung der Kirchengeschichte ist es sehr hilfreich, um sie richtig zu verstehen, wenn man einige Dinge beachtet. Diese sind: Kirchengeschichte ist immer im Kontext der Gesamtgeschichte zu betrachten. Dazu einige Beispiele:

a.Nach der Zerstörung des Tempels (70 n.Chr.) und der Niederschlagung des Aufstands um Bar Kochba (135 n.Chr.) wird die jüdische Bevölkerung durch die Römer aus Jerusalem vertrieben. Damit endet auch die Jerusalemer Gemeinde.
b. Die Donatisten, wie oben erwähnt.
c.Bei vielen Ereignissen in der alten Kirche, soll man nicht vergessen, es war die Zeit der Völkerwanderung und am Ende begann die Sturme des Islams.

Alle Ereignisse in der Kirchengeschichte haben auch eine Vorgeschichte, dieses hört sich zwar sehr banal an, wird aber sehr oft vergessen. Bei der Beurteilung von Ereignissen in der Kirchengeschichte, sind Grenzen vorhanden, diese bestehen in der Begrenzung des historischen Faktenmaterials. Ich würde mich freuen, wenn ihr bei den Beiträgen mit ergänzenden Material helfen würdet.
Joschie
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Geistesgaben und die Kirchenväter

Beitragvon Joschie » 05.06.2011 17:45

Hallo Ihr!
Ich stelle hier die Aussagen der Kirchenväter zu den Geistesgaben rein die ich gefunden habe,ich schreibe bewusst keine Wertung zu den Aussagen der Kirchenväter.Wir können uns gerne über die Texte der Kirchenväter austauschen.Bitte sagt Bescheid, wen ihr noch relevante Texte der Kirchenväter dazu findet!


Justin der Märtyrer (ca. 100 - 165 n.Chr.):
(christlicher Philosoph in Rom, Italien)


:arrow: “2. Gleichwie Gott damals um jener siebentausend Mann willen seinen Zorn zurückhielt, ebenso ließ beziehungsweise läßt er auch jetzt noch nicht sein Gericht kommen, da er weiß, daß es noch täglich solche gibt, die Jünger seines Christus werden und den Weg des Irrtums verlassen, welche auch, erleuchtet durch den Namen dieses Christus, je nach dem Maße ihrer Würdigkeit Gaben empfangen, indem der eine den Geist des Verstandes, ein anderer den des Rates, dieser den Geist der Stärke, jener den der Heilung, der eine den Geist der Prophetie, der andere den der Belehrung, wieder ein anderer den der Furcht Gottes erhält” [vgl. Jes 11,2 , 1. Kor 12,7-10 ] (...) Es wurde doch prophezeit, daß Christus nach seiner Himmelfahrt uns vom Irrtum befreie, gefangen nehme und uns Geschenke gebe. Es heißt [Ps 68,19 , vgl. Eph 4,8 ]: ,Er fuhr auf in die Höhe, nahm gefangen die Gefangenschaft, gab Geschenke den Menschen.’ 5. Da wir nun von Christus, der in die Höhe aufgefahren ist, Geschenke erhalten haben, beweisen wir euch, die ihr ,bei euch selbst weise und vor euren eigenen Augen verständig’ [Jes 5,21 ] seid, aus den prophetischen Worten, daß ihr töricht seid und Gott und seinen Christus nur ,mit den Lippen ehrt’ [Jes 29,13 ]; wir dagegen, die wir die Weisheit aus der Quelle der vollen Wahrheit geschöpft haben, ehren dieselben in der Tat, in der Erkenntnis und von Herzen bis zu unserem Tode.”
(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Justin der Märtyrer: Dialog mit dem Juden Trypho, Abs.39,1+4)

:arrow: “Bei uns gibt es nämlich noch bis auf den heutigen Tag prophetische Charismen. Daraus solltet auch ihr ersehen, daß sie von eurem Volke [der Jude], wo sie ehedem waren, auf uns übertragen wurden.”
(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Justin der Märtyrer: Dialog mit dem Juden Trypho, Abs.82,1)

:arrow: “5. Die Geistesgaben ruhten nun, das heißt sie hörten auf, sobald jener [Jesus Christus] kam, nach welchem sie infolge dieses unter den Seinigen in der Zeit verwirklichten Heilsplanes bei euch [Juden] aufhören mußten, um in ihm ruhend gemäß der Prophezeiung zu Geschenken zu werden, welche er an jeden Christgläubigen, den er für würdig hält, erteilt durch die Güte jenes mächtigen Geistes. 6. Daß es nun prophezeit worden war, er werde nach seiner Himmelfahrt so handeln, habe ich bereits gesagt, und ich wiederhole es. Der Logos sagte [Ps 68,19 , vgl. Eph 4,8 ]: ‚Er stieg in die Höhe, nahm gefangen die Gefangenschaft, gab Geschenke den Söhnen der Menschen.’ Und in einer anderen Prophezeiung heißt es [Joel 3,1-2 ]: ‚Hierauf werde ich ausgießen meinen Geist über alles Fleisch, über meine Diener und Dienerinnen, und sie werden prophezeien.’ .”
(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Justin der Märtyrer: Dialog mit dem Juden Trypho, Abs.87,5.-6.)



Irenäus von Lyon (ca. 135 - 202 n.Chr.):
(Bischof in Lugdunum in Gallien, heute Lyon/Frankreich)


:arrow: “Die Anhänger des Simon, Karpokrates [häretische Lehrer] und, wer sonst noch Zeichen wirken soll, die werden überführt werden, daß sie dies nicht durch die Kraft Gottes, noch in Wahrheit, noch zum Nutzen der Menschen verrichten, sondern zu ihrem Verderben und ihrer Irreführung, indem sie denen, welche ihnen glauben, durch magische Künste und allerlei Betrügereien mehr Nachteil als Nutzen bringen. Können sie Blinden das Gesicht, Tauben das Gehör wiedergeben, können sie andere Dämonen austreiben als höchstens die, welche sie selbst eingetrieben haben? Können sie Schwache, Lahme, Gichtbrüchige oder andere Kranke heilen, wenn es erforderlich ist bei irgend einem körperlichen Gebrechen, oder die Gesundheit wiederherstellen bei solchen Krankheiten, die von außen kommen? Unser Herr und die Apostel haben durch das Gebet Tote auferweckt, und unter unsern Brüdern ist sehr häufig wegen irgend einer Not, wenn die gesamte Kirche unter Fasten und vielem Beten darum flehte, der Geist des Toten zurückgekehrt und das Leben dem Menschen auf das Gebet der Heiligen geschenkt worden. Sie aber sind so weit davon entfernt, dies zu vermögen, dass sie nicht einmal glauben, es zu können. Vielmehr behaupten sie, die Auferstehung von den Toten sei nichts anders als die Erkenntnis ihrer sogenannten Wahrheit.”
(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Irenäus: Gegen dei Häresien, Zweites Buch, 31. Kap., Abs. 2)

“Ähnlich also wie diesen muß man jene [den Gnostikern] fliehen, und je größere Zaubereien man ihnen nachsagt, um so mehr muß man sich vor ihnen hüten, als hätten sie einen um so größeren Geist der Bosheit empfangen. Wer deshalb ihren täglichen Lebenswandel beobachtet, wird finden, daß er der gleiche wie bei den Dämonen ist.”
(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Irenäus: Gegen dei Häresien, Zweites Buch, 31. Kap., Abs. 3)

“In seinem [Christi] Namen wirken deshalb seine wahren Schüler [Jünger], die von ihm die Gnade empfangen haben, Wunder an den übrigen Menschen, wie ein jeder von ihm die Gnade empfangen hat. Die einen treiben wahrhaft und bestimmt Geister aus, so daß oftmals die ihnen glauben, die von den bösen Geistern befreit sind, und in die Kirche eintreten. Die andern schauen in die Zukunft, haben Gesichte und weissagen. Wieder andere legen den Kranken die Hände auf und machen sie gesund. Ja sogar Tote sind auferstanden, wie wir bereits gesagt haben, und lebten unter uns noch etliche Jahre. Doch wer vermöchte alle die Gnaden aufzuzählen, welche die Kirche auf der ganzen Welt von Gott empfängt und zum Heile der Völker im Namen Jesu Christi, des unter Pontius Pilatus gekreuzigten, Tag für Tag ausspendet. Und keinen verführt sie oder nimmt ihm sein Geld ab. Denn was sie umsonst von Gott empfangen hat, teilt sie umsonst auch aus.”
(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Irenäus: Gegen dei Häresien, Zweites Buch, 32. Kap., Abs. 4)

“Deshalb sagt auch der Apostel: „Weisheit reden wir unter Vollkommenen“: [1. Kor 2,6 ] , indem er die vollkommen nennt, die den Geist Gottes empfangen haben und durch den Geist wie er selber in allen Sprachen reden. Hören wir doch auch von vielen Brüdern in der Kirche, daß sie prophetische Charismen haben, in allerhand Sprachen durch den Geist reden, das Verborgene der Menschen zu ihrem Vorteil ans Licht bringen und die Geheimnisse Gottes erklären. Diese nennt der Apostel auch geistig wegen ihrer Teilnahme am Geist, aber nicht etwa, weil sie des Fleisches entkleidet und beraubt wären, sondern nur aus dem angegebenen Grunde.”
(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Irenäus: Gegen dei Häresien, Zweites Buch, 32. Kap., Abs. 4)



Eusebius von Cäsarea (ca. 260-340 n.Chr.):
(Kirchenhistoriker und Bischof von Cäsarea in Palästina)“


:arrow: 7. Übereinstimmend mit der Darstellung, die wir oben gegeben, hat Irenäus in seiner aus fünf Büchern bestehenden Schrift „Entlarvung und Widerlegung der fälschlich sog. Wissenschaft“ [.siehe “Gegen die Häresien”] diese Dinge berichtet. Im zweiten Buche der gleichen Schrift teilt er mit, daß es bis zu seiner Zeit noch in manchen Kirchen göttliche Wunder gegeben habe. Er sagt [vgl. Gegen die Häresien, II, 31. Kap., Abs. 2]: „Nicht haben (die Häretiker) die Kraft, in gleicher Weise einen Toten zu erwecken, wie der Herr sie erweckt hat oder wie es die Apostel getan haben durch ihr Gebet oder wie es oftmals in der Gemeinde der Brüder geschah, wo dann, wenn aus wichtigen Gründen die ganze Kirche einer Gegend unter vielen Fasten und Opfern darum gefleht hatte, der Geist des Verstorbenen zurückkehrte und der Mensch den Gebeten der Heiligen geschenkt wurde.“ Sodann erklärt Irenäus [vgl. Gegen die Häresien, II, 32. Kap., Abs. 4]: „Wenn (die Häretiker) aber einwenden sollten, daß auch die Taten des Herrn nur Gaukelei gewesen, dann wollen wir sie auf die Worte der Propheten verweisen und aus ihnen zeigen, daß über ihn alles so vorausgesagt wurde, wie es tatsächlich geschehen ist, und daß er allein der Sohn Gottes ist. Daher wirken auch seine wahren Jünger, die von ihm die Gnade empfangen haben, in seinem Namen zum Wohle der übrigen Menschen, entsprechend der Gabe, die der Einzelne von ihm erhalten hat. Die einen von ihnen treiben wirklich und wahrhaft Teufel aus, so daß oftmals diejenigen, welche von den bösen Geistern gereinigt wurden, den Glauben annahmen und nun zur Kirche gehören. Andere wiederum erkennen die Zukunft und besitzen die Gaben des prophetischen Schauens und Redens, wieder andere heilen die Kranken durch Handauflegung und machen sie gesund. Selbst Tote sind, wie wir erwähnten, bereits erweckt worden, um noch mehrere Jahre unter uns zu weilen. Wer vermöchte die Gnadengaben aufzuzählen, welche die Kirche auf der ganzen Erde von Gott empfangen hat und im Namen Jesu Christi, der unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden ist, tagtäglich zum Segen der Völker wirkt und durch welche sie niemanden betrügt und sich selbst nicht bereichert? Wie sie dieselben unentgeltlich von Gott empfangen hat, verwaltet sie dieselben auch unentgeltlich.“ An anderer Stelle schreibt Irenäus: [vgl. Gegen die Häresien, V, 6. Kap., Abs. 1]„Wie wir hören, besitzen viele Brüder der Kirche prophetische Gaben, sprechen durch den Geist in vielen Sprachen, offenbaren das Verborgene zum Nutzen der Menschen und verkünden die Geheimnisse Gottes.“ So viel über die Tatsache, daß sich noch bis zu den erwähnten Zeiten bei denen, die würdig waren, die Auszeichnung, Wunder zu wirken, erhalten hat.”
(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Eusebius von Cäsarea: Kirchengeschichte, Fünftes Buch, 7. Kap.)



Die Apostolischen Konstitutionen (ca. 4.Jh. n.Chr.):
(eine aus acht Bänden bestehende Sammlung von unabhängigen aber nahe verwandten Abhandlungen über Gottesdienst, Kirchenordnung und Lehre der frühen Kirche. Sie sind angeblich das Werk der Zwölf Apostel, deren Instruktionen von Clemens von Rom (ca. 50-100 n.Chr.) gesammelt und überliefert sein sollen. Die Synode von Konstantinopel 692 (Can. 2) hat die Apostolischen Konstitutionen jedoch - mit Ausnahme des Buch VIII 47 - als “von Häretikern verfälscht” verworfen
(siehe Karl Suso Frank, “Lehrbuch der Geschichte der Alten Kirche”, 3. Aufl. 2002, S.419)

:arrow: “Unser Gott und Erlöser Jesus Christus übergibt uns das große Geheimnis der Gottseligkeit [1. Tim 3,16 ] und ladet Juden und Heiden zur Erkenntnis des einen und wahren Gottes, seines Vaters, ein, wie er selbst, dankend für die Rettung der Gläubigen, sagt: „Ich habe deinen Namen geoffenbart den Menschen; ich habe das Werk vollendet, welches du mir gegeben hast;" [Joh 17,4-6 ] und unsertwegen zum Vater betet: „Heiliger Vater, die Welt kennet dich zwar nicht: ich aber kenne dich, und Diese haben dich erkannt." [Joh 17,11-25 ] Und von den Gnadengaben, welche er durch den hl. Geist gegeben hat, sagt er mit Recht uns allen zugleich, die wir nämlich zur Vollkommenheit gelangt sind: „Die Zeichen aber, die denen folgen, welche glauben, sind diese: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, sie werden neue Sprachen reden, sie werden Schlangen hinweg nehmen, und so sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; den Kranken werden sie die Hände auflegen, und es wird mit ihnen besser werden." [Mk 16, 17-18 ] Diese Gnadengaben oder Geschenke wurden zuerst uns Aposteln verliehen, die wir das Evangelium jeder Kreatur verkünden sollten; sodann aber werden sie notwendiger Weise auch Denen zu Teil, welche durch uns zum Glauben gelangt sind, und sie werden gegeben nicht zum Nutzen Derer, welche die Wunder wirken, sondern zur Umstimmung der Ungläubigen, damit Diejenigen, welche das Wort nicht überzeugte, die Wundermacht zu Schanden mache. Diese Zeichen werden nicht für uns, die wir gläubig sind, gegeben, sondern für die Ungläubigen, sowohl unter Juden, als auch Griechen. Auch die Austreibung böser Geister bringt nicht uns Gewinn, die wir sie vornehmen, sondern Denen, welche durch die Kraft des Herrn von den dämonischen Einflüssen befreit werden. Hierüber belehrte uns der Herr selbst und zeigte es mit den Worten: „Darüber sollt ihr euch nicht freuen, dass euch die Geister untertänig sind, sondern freuet euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben stehen." [Lk 10, 20 ] Denn Jenes geschieht durch die Kraft des Herrn selbst, Dieses aber durch unsere Sorge und Mühe, wobei wir bekanntlich von ihm unterstützt werden. Es ist also nicht notwendig, dass jeder Gläubige Teufel austreibe oder Tode erwecke oder in verschiedenen Sprachen rede, sondern derjenige, welchem besondere Gnaden- und Wundergaben aus irgend einem nützlichen Grunde verliehen sind, besitzt dieselben zum Heile der Ungläubigen, die sich häufig nicht durch einen Wortbeweis, wohl aber durch die Macht der Wunder überführen lassen, da sie des Heiles würdig sind; denn nicht alle Gottlosen lassen sich durch Wunder bekehren. Dies bezeugt der Herr selbst mit den Worten im Gesetze: „In fremden Sprachen und fremden Zungen will ich zu diesem Volke reden, und doch werden sie nicht glauben." [Jes 28, 11 ] [1. Kor 14, 21 ] Denn auch die Ägypter glaubten nicht an Gott, obgleich Moses so viele und so große Zeichen und Wunder tat. Auch die Mehrzahl der Juden glaubte nicht an Christum, der wie Moses jegliche Krankheit und Not heilte; die Ägypter ließen sich auch durch die Verwandlung des Stabes in eine lebendige Schlange, durch das an der Hand geschehene Wunder und durch die Umwandlung des Nil in Blut nicht im Mindesten bekehren; [Ex 7-11] auch die Juden blieben verstockten Herzens, obwohl sie gewahrten, dass Blinde sehen, Lahme geben, Tode aufstehen. [Mt 11, 5 ] Dem Moses widersetzten sich Jannes und Mambres, [2. Tim 3, 8 ] Christo aber Annas und Kaiphas. So werden nicht alle Menschen durch Zeichen und Wunder zum Glauben gebracht, sondern nur jene, welche ein unbefangenes Urteil über die Sachen haben, und zu deren Heile Gott, der Alles weise anordnet, Wunder wirken lässt; denn nicht in Folge menschlicher Kraft, sondern kraft göttlichen Willens werden Wunder gewirkt. Hiervon tun wir deswegen Erwähnung, damit ja Keiner, dem solche Gnadengaben verliehen sind, sich über Andere erhebe, welche nicht im Besitze derselben sind. Wir meinen hier jene Gnadengaben, die sich durch Wunder äussern; denn es gibt Niemanden, der durch Christus an Gott glaubt, welcher nicht eine geistige Gnadengabe erhalten hätte; es ist nämlich dies ein Gnadengeschenk Gottes, befreit zu sein von gottloser Verehrung vieler Götter und durch Christus an Gott den Vater zu glauben, gleichwie es eine Gnadengabe Gottes ist, abgeworfen zu haben die jüdische Decke und zu glauben, dass nach dem Wohlgefallen Gottes der Eingeborne, welcher vor Jahrtausenden das Dasein hatte, am Ende der Zeiten aus einer Jungfrau geboren wurde, ohne Zutun eines Mannes, und dass er als Mensch hienieden wandelte, ohne Sünde, und jegliche Gerechtigkeit des Gesetzes erfüllte, und dass Gott das Wort, unbekümmert um die Schmach, mit Gottes Zulassung das Kreuz auf sich nahm, und dass er gestorben und begraben wurde und nach drei Tagen auferstanden ist; und dass er nach seiner Auferstehung vierzig Tage mit den Aposteln beisammen blieb und nach Erfüllung aller Anordnung vor ihren Augen aufgenommen wurde zu Gott und dem Vater, welcher ihn gesandt hatte. Wer Dieses glaubt, nicht blindlings und nicht gegen die Vernunft, sondern auf Prüfung hin und mit voller Gewissheit, der hat von Gott eine Gnadengabe erhalten; in gleicher Weise auch der, welcher von jeder Ketzerei rein bewahrt worden ist. Wer also Zeichen und Wunder tut, verurteile und verdamme nicht jenen Gläubigen, welchem diese Gnadengaben nicht verliehen sind. Verschieden sind nämlich die Gnadengaben Gottes, die von ihm durch Christum ausgeteilt worden sind; und du hast [1. Kor 12, 8-10 ] diese empfangen, Jener wieder eine andere, nämlich entweder die Rede der Weisheit oder der (tieferen) Erkenntnis oder die Unterscheidung der Geister oder die Erkenntnis des Zukünftigen, oder die Lehrgabe, oder die Geduld, oder die gesetzliche Enthaltsamkeit. Denn auch Moses, der Mann Gottes, da er in Ägypten Wunder wirkte, erhob sich nicht gegen seine Landsleute, und da er ein Gott genannt worden, ward er nicht stolz gegen seinen Propheten Aaron. [Ex 7, 1 ] So auch Jesus, der Sohn des Nave, welcher nach Moses der Führer des Volkes gewesen, obgleich er im Kriege gegen die Jebusiten, da ein Tag nicht hinreichte zum Siege, die Sonne still stehen ließ gen Gabaon und den Mond gen Ajalon, war nicht übermütig gegen Phinees oder Kaleb. [Jos 10] Auch Samuel, welcher so viele Wunder getan, ließ sich gegen den frommen und Gott lieben David Nichts zu Schulden kommen, sondern beide waren Propheten, jener nämlich der Priester, dieser aber der König. Und da in Israel siebentausend Heilige waren, welche das Knie vor Baal nicht beugten [1. Kö 19, 18 ], und aus ihnen Elias und sein Schüler Elisäus allein Wunder wirkten, so hat doch Elias den gottesfürchtigen Hausmeister Abdias, welcher nicht Wunder tat, nicht verachtet, noch Elisäus [2. Kö 6] seinen Schüler, welcher vor den Feinden flüchtete, verhöhnt; aber auch der weise Daniel, [Dan 6,3ff] welcher zweimal aus dem Rachen der Löwen befreit wurde, noch die drei Jünglinge, welche aus dem Feuerofen befreit wurden, ließen den übrigen Männern ihres Volkes davon Etwas fühlen. Denn sie wussten, dass sie nicht durch ihre Kraft den Gefahren entkommen, sondern dass sie durch Gottes Kraft sowohl Wunder gewirkt haben als in den Bedrängnissen gerettet worden. Daher soll Niemand von euch, wenn auch Prophet oder Wundertäter, sich gegen seinen Bruder erheben. Denn ergäbe es sich, dass kein Ungläubiger mehr wäre, so wäre fürder jegliches Wunderwirken überflüssig. Denn fromm zu sein, entspringt aus dem guten Willen eines Jeglichen, aber Wunder zu wirken aus der Kraft Desjenigen, welcher die Wundergabe verleiht; das Erstere davon bezieht sich auf uns selbst, das Andere auf Gott, welcher aus oben genannten Gründen wirkt. Folglich soll auch der König die ihm untergebenen Feldherrn, der Herrscher seine Untergebenen nicht gering schätzen. Denn wenn es keine Untergeordneten gäbe, so wären die Präfekten überflüssig, und wenn es keine Führer des Heeres gäbe, so könnte das Reich nicht bestehen: so soll auch nicht der Bischof gegen die Diakonen oder Priester sich erheben und nicht die Priester gegen das Volk; denn aus beiden besteht die Gemeinschaft. Die Bischöfe und Ältesten sind Priester für Jemanden (für die Laien), und die Laien sind für Jemanden (für die Priester) Laien; und ein Christ zu sein, steht in unserer Macht, aber Apostel oder Bischof oder etwas Ähnliches, das ist nicht in unserer Macht, sondern wem Gott das Charisma verleiht. Dieses also bisher Gesagte bezieht sich auf Diejenigen, welche gewürdigt worden, Gnadengaben oder Würden zu empfangen.
(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Die apostolischen Konstitutionen: Achtes Buch: Von den Gnadengaben, 1. Kap.)



Johannes Chrysostomos (ca. 349 - 407 n.Chr.):
(Erzbischof von Konstantinopel, heute Istanbul/Türkei)


:arrow: Neunundzwanzigste Homilie

I.
Kap. XII.

1. 2. Bezüglich aber des Geistigen (der Geistesgaben), Brüder, will ich euch nicht unwissend lassen. Ihr wisset, daß ihr, als ihr Heiden waret, zu den stummen Götzen gleichsam hingezogen geführt wurdet.

I. Diese ganze Stelle ist sehr dunkel; diese Dunkelheit rührt aber her von unserer Unkenntniß Desjenigen, was damals stattfand, jetzt aber nicht mehr geschieht. Und warum geschehen jetzt solche Dinge nicht mehr? Siehe, die Ursache dieser Dunkelheit führt uns wieder auf eine andere Frage: warum nämlich geschahen sie damals, jetzt aber nicht mehr? Jedoch Das verschieben wir auf spätere Zeit; einstweilen wollen wir anführen, was denn damals geschah. Sobald Jemand getauft war, redete er alsbald in (fremden) Sprachen, ja nicht nur in Sprachen, sondern Viele weissagten auch, und Manche zeigten auch mehrere andere Wunderkräfte. Denn weil die Neubekehrten aus dem Heidenthume keine klaren Religionskenntnisse hatten, auch von den Büchern [S. 493] des alten Testamentes Nichts wußten und sogleich nach der Taufe den hl. Geist empfingen, aber den Geist nicht sahen, — denn er ist unsichtbar, — so gab ihnen die Gnade einen fühlbaren Beweis seiner wirkenden Kraft; der Eine redete die Sprache der Perser, der Andere die der Römer, wieder ein Anderer die der Inder, Andere wieder eine andere; und Dieses war den Heiden Beweis, daß der Geist in dem Sprechenden wirke. Darum nennt er ihn auch Geist: „Jedem aber wird die Erweisung des Geistes gegeben zum Gemeinnützlichen“ und nennt so die Wundergaben Erweisung des Geistes. Denn weil die Apostel die Gabe der Sprachen als das erste Zeichen empfangen hatten, so empfingen sie auch die Gläubigen, jedoch nicht diese allein, sondern noch mehrere andere; denn Viele erweckten Todte, trieben Teufel aus und wirkten vielerlei andere Wunder: von den Wundergaben aber besaßen Einige eine größere, andere eine geringere Zahl; am allerhäufigsten aber fand sich bei ihnen die Gabe der Sprachen. Dieses wurde nun auch eine Ursache der Spaltung, nicht wegen der Sache an sich, sondern wegen der Undankbarkeit Derjenigen, die sie empfangen hatten. Denn Jene, welche größere Wundergaben erhalten hatten, erhoben sich über Diejenigen, welchen geringere gegeben waren, und Diese hinwieder fühlten sich gekränkt und beneideten Jene, was Paulus in weiterem Verlaufe bezeugt. Da nun Dieses für sie eine tödtliche Wunde geworden, weil dadurch das Band der Liebe zerriß, so gibt sich Paulus eine gewaltige Mühe, das Übel zu heilen, auch zu Rom herrschte das nämliche Übel, aber nicht in dem Grade,



Augustinus von Hippo (354-430):
(Kirchenlehrer in Hippo Regius in Numidien, heute Annaba in Algerien)


:arrow: "In der ersten Zeit "fiel der Heilige Geist auf die Gläubigen und sie sprachen in Zungen", welche sie nicht gelernt hatten, "wie der Geist ihnen gab, auszusprechen." (Apg 2,4) Dieses waren Zeichen für die damalige Zeit, denn es war damals üblich, dass der Heilige Geist sich in allen Sprachen erwies, um zu zeigen, dass das Evangelium Gottes alle Sprachen der Erde erreichen würde. Diese Sache wurde als Zeichen gegeben und hat dann aufgehört. Schauen wir heute beim Auflegen der Hände zum Empfang des Heiligen Geistes darauf, dass sie in Sprachen reden sollten? Oder wenn wir die Hand auf diese Säuglinge gelegt haben: Hat jeder von euch darauf geachtet, ob sie auch in Sprachen reden würden, und als ihr gesehen habt, dass sie es nicht tun, war da irgendjemand von euch so irrgeleitet zu sagen, "Diese haben den Heiligen Geist nicht empfangen, denn hätten sie ihn empfangen, dann würden sie in Sprachen reden, so wie es damals üblich war."? Wenn nun das Zeugnis der Gegenwart des Heiligen Geistes heute nicht mehr durch diese Wunder gegeben wird, wie geschieht es dann? Wie kann jemand wissen, dass er den Heiligen Geist erhalten hat? Lass ihn sein eigenes Herz fragen. Wenn er seinen Bruder liebt, dann wohnt der Geist Gottes in ihm."

(aus New Advent, Fathers of the Church, Homilies on First John (Augustine), Homily 6, par. 10)

Ich habe die Aussagen von verschiedenen Kirchenväter etwas umfangreicher reingesetzt um die Gefahr einer, zu einseitigen Darlegung zu vermeiden.Bei den Aussagen der Kirchenväter ist der Zeitpunkt, wie auch der Grund weswegen die Aussage gemacht wird zubeachten.Irenäus meint in den oben genannten Schreiben die Monanisten.

:arrow: Montanismus
Wir haben es beim Montanismus mit einer sehr frühen schwärmerisch-charismatischen Bewegung, die vom nahen Weltende überzeugt war, zu tun. Überspitze Weltflucht steigerte sich im Montanismus in unbiblische Askese.
Der Montanismus (oder wie ihn die damaligen Gegner, nach seiner geographischen Herkunft nannten, die phrygische Häresie) war eine Reaktion auf die bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. geistlich verflachte Kirche. Im Gegensatz zu altkirchlichen Sekten, etwa den Gnostikern oder den Anhängern des Marcion, blieb der Montanismus im Spektrum der gesamtchristlichen Lehre. Auch organisatorisch blieb er anfangs innerhalb der etablierten Kirche, vergleichbar mit der heutigen Gemeinschaftsbewegung. In Karthago kam es erst 207 zur Trennung.

Montanus, der vor seiner Bekehrung ein Priester des Apoll war, predigte seit etwa 156/157 n. Chr. das nahe Ende der Welt. Er regte das Praktizieren der >Geistesgaben, der >Prophetie und des Zungenredens an. Die bis ins Extrem gesteigerte Askese der Montanisten verwarf teilweise die Ehe und verlangte, zwei Tage in der Woche zu fasten, was auch das Baden einschloss. Priska und Maximilla, prägende Frauengestalten der ersten Zeit, verließen, nachdem sie sich zu dieser Form des Christentums bekehrten, ihre Ehen. In der Zeit der altrömischen Verfolgungen ermunterten die Montanismus die Christen nicht nur, das Martyrium zu ertragen, sondern es geradezu zu suchen. Schwerpunkt der Predigt des Montanus war das nahe Weltende und der Anbruch des 1000jährigen Reiches (Chiliasmus). Wahrscheinlich gab er sich selbst als der verheißene Tröster (Joh. 14,16; 16.26) aus. Auf jeden Fall betrachteten seine Anhänger ihn so. Sein prophetischer Anspruch wurde zuerst nur von wenigen akzeptiert. Nachdem zwei charismatisch geprägte Frauen, die als Prophetinnen betrachteten Priska und Maximilla, zu ihm stießen, wuchs die Bewegung und breitete sich im Bereich der ganzen damaligen Kirche aus. Nach dem Tod der drei Gründungsgestalten (als letzte starb im Jahr 179 Maximilla) veränderten sich die Schwerpunkte der Verkündigung. Das charismatisch-endzeitliche Element trat in den Hintergrund. Die Frage der Abkehr von der Welt und noch stärkere Askese wurden prägend.

Einen großen Aufschwung bekam die Bewegung, als sich der bedeutende Theologe >Tertullian (ca. 160-220 n Chr.) im Jahr 207 den Montanisten anschloss. Er sah im strengen Montanismus die richtige Reaktion auf die laxe Bußpraxis der Kirche. Die Kirche nahm in Verfolgungen abgefallene Gemeindeglieder, die nach den Verfolgungszeiten um Wiederaufnahme in die Gemeinde baten, sehr schnell wieder auf. In Verfolgung abgefallene Priester setzte sie teilweise wieder in ihre Ämter ein. Dies entfremdete den Kirchenvater Tertullian immer mehr von seiner Kirche. So sehr Tertullian früher für die Kirche stand, so sehr bekämpfte er ihre Lauheit, nachdem er Montanist geworden war.
Man muss bei der Beurteilung dieser Bewegung berücksichtigen, dass sich in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts bereits ein gewisses Traditionschristentum in den Gemeinden eingebürgert hatte.

Wichtig der ganze Beitrag zu den Montanismus

:arrow: Quelle: Kirchenväter
Gruß Joschie
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Beitragvon Manfred01 » 24.03.2012 19:32

B. Peters Zitat:
Mit dem Aufkommen der Pfingstbewegung wurde erstmals in einer evangelikalen Denomination das Prinzip, dass es außer der Schrift auch andere Offenbarungsquellen gibt, zum System. Visionen, Stimmen und damit einhergehend die Macht, Zeichen und Wunder zu tun, relativieren die Wahrheit, dass die Schrift allein genügt (2Tim 3,16.17) und drängen die Wahrheit von der Einmaligkeit der
Vollender der Schrift – der Apostel (1Thes 2,13) – an den Rand. (S. 4)
--------------------------------

Das ist nicht wahr: Die Pfingstbewegung hat nie solche Lehren vertreten, sondern stets darauf hingeweisen, dass die Gaben zum Aufbau des Leibes Christi - der Gemeinde - bis zu ihrer Vollendung nötig sind.

Wer solche Lehren vertreten hat, sind solche, die wir mit Recht "Sekten" nennen, denn diese haben "Lehren die von neben kommen".

Bibelfundi
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lutz
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Beitragvon lutz » 25.03.2012 21:01

Mir ist jetzt nicht klar, was in deinem Fall „die Pfingstbewegung“ oder „wir“ sein soll.
Zur Verdeutlichung des Endergebnisses von B. Peters (der das ja nicht zum ausführlichen kirchengeschichtlichen Schwerpunkt erhoben hat in dieser konkreten PDF
http://www.kfg.org/archiv/pdf/artikel/076%20Peters%20(K)ein%20anderes%20Evangelium.pdf )
stelle ich mal den Fünfteiler von distomos.blogspot in Fragmenten und Links ein:
(Übrigens ist mir diese Quelle nicht als „unsauber recherchiert“, „verleumderisch“ … bekannt. Ist ja wichtig, wenn man auf Experten angewiesen ist.)

http://distomos.blogspot.de/2011/11/anf ... ung-i.html
Im Kern hatten sowohl die Pfingstbewegung als auch die Heiligungsbewegung eine Reihe positiver Merkmale gemeinsam. Sie verkündigten Christus, glaubten an die Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Schrift und die Wiederkunft Christi, sie betonten persönliche Heiligung, und sie brachten eifrige Missionare hervor. Manche Pfingstler sahen so viele Gemeinsamkeiten mit dem Methodismus des 18. Jahrhunderts und den Heiligungsbewegungen des 19. Jahrhunderts, dass einige unter ihnen in John Wesley den eigentlichen Vater ihrer Bewegung sahen.


Angefangen von den Montanisten des 2. Jahrhunderts über die Katharer, Waldenser und Kamisarden des Mittelalters bis hin zu Edward Irving und der Pfingstbewegung im 20. Jahrhundert zieht sich die Sehnsucht von durchaus aufrichtigen Christen nach charismatischer Bevollmächtigung und einem „besonderen“ Geisteswirken Gottes.


Es geht um Grundsätzliches. Spurgeon würde die pfingstlichen Irrwege als falschen Eifer, Unverstand, Fanatismus und, vielleicht am vordringlichsten, als menschenzentriertes Evangelium bezeichnen - „eine Frömmigkeit, die auf dem Vesuv gedeiht.“ Dem würde er eine „Frömmigkeit, die auf Golgatha gedeiht“ gegenüberstellen, ein Evangelium, das Gott und das Kreuz Christi zum Mittelpunkt hat, besonnenen Eifer, Demut und einer stillen Beharrlichkeit in der Nachfolge Christi sowie die Erkenntnis Christi und der Gnade durch beharrliches Studium und Nachsinnen in Gottes Wort.


http://distomos.blogspot.de/2011/11/anf ... ng-ii.html

http://distomos.blogspot.de/2011/11/anf ... g-iii.html
Dennoch lehnten die Leiter der Azusa Mission theologische Studien nicht grundsätzlich ab, wie es beispielsweise Parham getan hatte, denn sie riefen immer wieder dazu auf, sich in die biblische Lehre zu vertiefen, was notwendigerweise das Studium der Schrift beinhaltete. Lehrfragen sollten gleichwohl keine Spaltungen unter den christlichen Gemeinden und Werken hervorrufen. Alles Tun sollte in Liebe und Respekt geschehen. Seymour betrachtete gesunde Lehre als Bedingung für wahre geistliche Gemeinschaft.


Seymour war dennoch stets bereit, für gesunde Lehre zu kämpfen. Er wusste, dass eine Reihe von Personen innerhalb der Pfingstbewegung theologische Differenzen einfach ignorierten und eine nebulöse "Einheit im Geist" propagierten. Seymour vertrat die Ansicht, dass man ohne ein gewisses Maß an Einheit in der Lehre wahre Einheit nicht verwirklichen konnte. Wenn eine Lehre nicht mit der Schrift übereinstimmte, musste sie seiner Ansicht nach von der Gemeinde verworfen werden. Der einzige Weg, um reine Lehre aufrechtzuerhalten, bestand für ihn darin, durch ein klares Bekenntnis Grenzen zu setzen. Das war der einzige Weg, um „faule und falsche Geister der Hölle von der Gemeinde Christi fernzuhalten.“ (Apostolic Faith, September 1906)


Obgleich Seymour weniger radikale Lehren als Parham vertrat, hatte er die Prägung Parhams nie ganz abschütteln können. Seymour war es, der der von Parham formulierten Lehre über die Geistestaufe zu globalem Durchbruch verhalf. In einem Klima schwärmerischer Suche nach Erfahrungen und einer Zeichen- und Wundersucht konnte sich der Pfingstgeist unter vielen Gotteskindern, die durchaus aufrichtig nach Vollmacht und einer wahren Gottesbegegnung strebten, Bahn brechen.


In Deutschland reagierten die nüchternen Brüder mit der Berliner Erklärung im Jahre 1909. Einige der Unterschreiber dieser Erklärung (wie bspw. August Dallmeyer) waren anfänglich selbst überzeugt, dass es sich bei der aufkommenden Pfingstbewegung um eine echte Erweckung handelte und nahmen sogar teil an pfingstlichen Versammlungen. Doch an den Früchten erkannten sie, dass dies nicht der Heilige Geist sein konnte, der in dieser Bewegung am Wirken war. Sie zogen sich von der Pfingstbewegung zurück und unterschrieben nach reiflicher Überlegung die Berliner Erklärung.


http://distomos.blogspot.de/2011/11/anf ... ng-iv.html
Aus diesem Grund gilt vielen Pfingstlern nicht das Ereignis in der Azusa Street im April 1906, sondern Parhams Bibelschule in Topeka und Agnes Ozmans erste Geistestaufe im Januar 1901 als eigentlicher Geburtsort der Pfingstbewegung.


Im letzten Teil dieser Artikelreihe wird deutlich, wie schnell die gerade entstandene Pfingstbewegung von ihrer Lehre abrückte, das Zungenreden (Sprachenrede) sei eine tatsächliche Fremdsprache, die der "geistgetaufte Missionar" für seine Verkündigung unter fremden Völkern einsetzen konnte. Leider waren die ersten Pfingstler nicht bereit, den biblischen Tatsachen ins Auge zu schauen und sich radikal durch das Wort Gottes korrigieren zu lassen. Sie deuteten die Erfahrung der Zungenrede einfach um in eine persönliche Gebetssprache, die der Erbauung des Einzelnen diente.


Hier der letzte Teil:
http://distomos.blogspot.de/2011/11/anf ... ung-v.html

Die Zitate von mir sollen wenigstens Folgendes zeigen:
Wenn man sich solchen Lehren öffnet, dann hat man eine Spirale in Gang gesetzt, die man nicht mehr kontrollieren kann. Die Gemeinde des Herrn wird nicht inniger an Sein Wort gebunden – sondern triftet immer mehr ab. Natürlich kann man jetzt als „Organisationen“ meinen, das Ganze sei mit einem Urteil: „Sekte“ zu begrenzen. Ich halte es für eine Illusion, weil diese „Dynamik“ und dieser „Drang“ sich nicht mit „Gesetzesregeln“ aufhalten lässt. Außerdem: welche „Organisation“ hat das Recht im Namen der ganzen Bewegung zu sprechen? Wo sollte sie die Autorität auch hernehmen?
B. Peters hat nicht Unrecht, wenn er die von dir genannte Aussage einfach mal so als hinreichend belegten Fakt einwirft.

Lutz

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Beitragvon Manfred01 » 26.03.2012 14:54

Ich rede von der heutigen deutschen Pfingstbewegung und ihrer Lehre und nicht was vor 100 Jahren war.

Bibelfundi
1.Kor.14. 26: Lasset alles geschehen zur Auferbauung.

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Beitragvon lutz » 26.03.2012 21:34

Bibelfundi hat geschrieben:Ich rede von der heutigen deutschen Pfingstbewegung und ihrer Lehre und nicht was vor 100 Jahren war.

Bibelfundi


Du hast in der Form geschrieben:
Das ist nicht wahr: Die Pfingstbewegung hat nie solche Lehren vertreten, sondern stets darauf hingeweisen, dass die Gaben zum Aufbau des Leibes Christi - der Gemeinde - bis zu ihrer Vollendung nötig sind.

Wer solche Lehren vertreten hat, sind solche, die wir mit Recht "Sekten" nennen, denn diese haben "Lehren die von neben kommen".


Wir sind hier in einem Themenbereich, der sich speziell der Kirchengeschichte zuwendet. Als Leser erwarte ich entsprechende Inhalte …
Als Schreiber gehe ich davon aus, dass sich Inhalte darauf beziehen …

Also bleibe ich bei der Zielsetzung dieses Themenbereichs:
Nach wie vor ist mir dieses: „die deutsche Pfingstbewegung“ und „die Pfingstbewegung“ und das „wir“ viel zu schwammig und nicht greifbar.
Aber ich kann mich erinnern, dass der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) anderweitig eine Rolle spielte.

Um nun die Rückkopplung zum Bereich „Kirchengeschichte“ zu machen mal ein Zitat von der entsprechenden Homepage (http://www.bfp.de ):
Wir sind als evangelisch-pfingstliche Freikirche Teil der weltweiten Pfingstbewegung, der größten protestantischen Kirche mit globaler Einbindung.

Also Deutschland ist keine „Insel“.
Auf derselben Seite unter dem Thema „Wir über uns“ („Geschichte“):
In den Jahren 1906-1908 entstanden die ersten Gemeinden der heutigen Pfingstbewegung in Deutschland, und mit ihnen begann die Geschichte der freikirchlichen Pfingstbewegung. Die ältesten Gemeinden im Bund aus diesen Jahren sind in Berlin, St. Ingbert und Velbert.


Da ja gerade die Berliner Erklärung „100 Jahre“ „Geburtstag“ hatte, findet man auch entsprechende Informationen, wie bspw. hier:
http://cms.bibelbund.de/gemeinde-und-mi ... hnung.html
Die deutsche Pfingstbewegung hatte zwei Wurzeln: Eine in Deutschland besonders gepflegte überzogene Heiligungslehre und die teilweise ekstatischen Frömmigkeitsäußerungen der in den USA entstanden Los Angeles-Bewegung, die die Mutter der weltweiten Pfingstbewegung wurde.
Aufgrund der kirchengeschichtlichen Besonderheiten Deutschlands [6] hatte am Anfang vor allem die aus dem Pietismus kommende Gemeinschaftsbewegung Probleme mit der Pfingstbewegung. Die Pfingstbewegung entstand in Deutschland als Abspaltung der im Gnadauer Verband zusammengeschlossenen Landeskirchlichen Gemeinschaften. Deshalb hatte der größte Teil der Akteure auf beiden Seiten einen landeskirchlich-pietistischen Hintergrund.

Also mit „vor 100 Jahren“ hat es denn doch etwas zu tun …

Um den Bogen von der Gegenwart zur Kirchengeschichte zu machen:
Was vor 100 Jahren richtig als unbiblisch bewertet wurde ist nach wie vor richtig und wird in 100 Jahren noch genauso richtig sein …
Momentan erschließt es sich mir nicht (u. a. aufgrund der schwammigen Definitionen von „Pfingstbewegung in Deutschland“ und „wir“), wie hier unter biblischer Bewertung Vergangenheitsbewältigung stattfindet mit Auswirkung auf die Gegenwart und Zukunft. ;

Mit anderen Worten: Was ich habe ist eine Behauptung deinerseits aber eben keine Fakten (Belege, Beweise …)!

Lutz

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Beitragvon Joschie » 17.05.2012 18:40

Bibelfundi hat geschrieben:Ich rede von der heutigen deutschen Pfingstbewegung und ihrer Lehre und nicht was vor 100 Jahren war.

Es gilt auch für die Gemeinden, es gibt kein Heute, ohne ein Gestern. Ob wir uns mit der Kirchen/Gemeindegeschichte befassen und ob wir uns mit den positiven wie den negativen Aspekten befassen, ist erstmal irrelevant. Fakt ist, dass uns die Kirchen/Gemeindegeschichte viel mehr beeinflusst, als es vielen Geschwistern bewusst ist.

:arrow: Zu den frühen Wurzeln der Pfingstbewegung zählt das Heiligungsverständnis von John Wesley (1703-1791). Wesley veröffentlichte 1767 seine Gedanken über den Perfektionismus unter dem Titel „Plain Account on Christian Perfection“. In diesem Werk behauptete er, daß der Christ zu einem Zustand der Sündlosigkeit kommen könnte. John Wesley hatte gelehrt, dass der Christ nach der Rechtfertigungserfahrung durch einen längeren Prozess im Glauben weiter fortschreiten könne bis zur Stufe der „Christlichen Vollkommenheit“, d.h. dem Unterlassen jeder bewussten willentlichen Sünde.Da John Wesley aber kein systematischer, sondern mehr ein praktischer Theologe war, der nüchtern, demütig und aufrichtig genug war, seine Überzeugung nicht starr festzuhalten und jedem aufzudrängen, kam es zu seinen Lebzeiten in der Frage der „Vollkommenheit“ nicht zu schwärmerischen Auswüchsen.

:arrow: Dieser sogenannte Perfektionismus wurde in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts in Amerika aufgenommen und von einigen Heiligungspredigern vertreten. Hier war es vor allem der Evangelisten Charles G. Finney, der die Lehre Wesleys aufnahm und ab 1836 das „höhere christliche Leben“ predigte.1835 nahm Finney eine Berufung als Professor am Oberlin-Predigerseminar in Ohio an, von wo aus er Vorträge über Erweckung hielt und sich von Gott gedrängt fühlte, die Heiligungsfrage zu behandeln. Angesichts des Schwächezustandes der christlichen Kirche,wie er mir in meiner Evangelisationsarbeit entgegengetreten war, drängte sich mir die Frage auf, Ob es nicht doch eine höhere Stufe christlicher Erfahrung gäbe, als sie die Gemeinde Gottes bisher gekannt habe, und ob nicht im Evangelium Verheißungen zur Befestigung und Vertiefung des Glaubenslebens vorhanden seien. Charles G. Finney hat die Heiligungsbewegung durch seine Perfektionismuslehre und die Evangelisationsbewegung durch seine Lehre, dass man jederzeit Erweckung erleben könne, wen man die von Gott dafür vorgesehenen Mittel gebraucht, maßgeblich beeinflusst.

:arrow: Durch Dwight Lyman Moodys Evangeliums-Feldzüge von 1874 wurde diese Heiligungungs/Evangelisationslehren zuerst in England und danach in Deutschland/Schweiz bekannter und populärer. Zusammen mit dem Sänger Ira David Sankey (1840-1908) war er einer der größten Evangelisten seiner Zeit.

:arrow: Ruben Archer Torrey (1856-1928) wurde der Nachfolger von Dwight Lyman Moodys. Auf der Jahreskonferenz der Evangelischen Allianz in Bad Blankenburg (Thüringen) predigte Torrey über „Die Taufe im Heiligen Geist“,welche er nach Apostelgeschichte 1:8 als Empfang der „Kraft aus der Höhe für den Zeugendienst“ deutete. Torrey verbreitete das Verständnis der Geistestaufe als Durchbruch zu einem höherem Glaubensniveau, auf dem ein Siegesleben über die Sünde und vermehrte Kraftausrüstung für den Dienst gegeben sei.

:arrow: Es kam es unter dem jungen Bergmann Evan Roberts (1878-1947) in den Jahren 1905/06 zu einer großen Erweckung in Wales,die Hunderttausende erfasste. Bei den Zusammenkünften kam es oft zu tumultartigen Szenen, da viele Gottesdienste auf jede Ordnung verzichteten, um sich der unmittelbaren Geistesleitung zu überlassen. Es kam zu Schreien, Umfallen, Visionen und Prophetien, allerdings noch nicht zu Zungenreden. Roberts selbst zog sich nach nur zwei Jahren aus der Öffentlichkeit zurück; er hatte mehrere Nervenzusammenbrüche und depressive Zustände erlebt. Mit der Zeit sah er die vielen übernatürlichen Erfahrungen der Erweckung in einem kritischeren Licht, lebte Jahrzehnte lang überaus zurück gezogen und gab sich leidensmystischen Ideen und depressiven Zuständen hin. Doch viele von der damaligen Erweckung Berührte öffneten sich in der Folgezeit der Pfingstbewegung.

:arrow: Charles Fox Parham (1873-1929) gründete 1900 eine Einrichtung unter dem Namen Bethel. Hier konnten Studenten wohnen, um von Parhams evangelistischen Fähigkeiten zu lern. Hier konnten Studenten wohnen, um von Parhams evangelistischen Fähigkeiten zu lernen.Bevor er 1900 zu einer Reise aufbrach ersuchte er seine Studenten Bibelstellen zu finden, die sich mit der Taufe im Heiligen Geist beschäftigen. Die Studenten arbeiteten heraus, dass die Zungenrede ein Zeichen der Taufe sei. Der Überlieferung zufolge beteten Parham und seine Studenten am Abend des 31. Dezember 1900 um die Taufe im Heiligen Geist, bis schließlich in den frühen Morgenstunden des 1. Januar 1901 Agnes Oznam diese Erfahrung empfangen haben soll und begann in Zungen zu reden.Die Verbindung der Taufe im Heiligen Geist und der Zungenrede gilt seitdem als Erkennungsmerkmal für Christen mit pfingstlerischer Prägung. Aufgrund seiner Herkunft aus der Heiligungsbewegung erklärte Parham die Taufe im Heiligen Geist als dritten Akt der Gnade im Leben eines Gläubigen, der zuvor die Heiligung erfahren habe.

:arrow: William Joseph Seymour (1870-1922) war ein afroamerikanischer US-amerikanischer Prediger und wesentlicher Mitbegründer der pfingstlerischen Azusa-Street-Erweckung (1906 bis 1909).Im Jahr 1903 zog Seymour nach Houston (Texas), wo er die Bekanntschaft mit Charles Fox Parham machte, vom dem er über die Taufe mit dem Heiligen Geist und die Zungenrede erfuhr. 1906 trat Seymour eine Pastorenstelle in Los Angeles an, wurde jedoch aus der Gemeinde ausgeschlossen, nachdem er dort eigene Glaubensansichten einführen wollte.Daraufhin begann Seymour Gottesdienste in dem Privathaus von Richard D. Asberry in der Bonnie Brae Avenue zu feiern. Dort gründeten die Gläubigen um Seymour die Azusa Street Mission, die einen raschen Zuwachs verzeichnen konnte und bald Gäste und Besucher aus aller Welt anzog und der aufstrebenden Pfingstbewegung den Namen Azusa Street Revival gab. Zwei Gemeindemitglieder, Clara Lum und Florence Crawford, entwendeten im gleichen Jahr die Adresskartei von Seymour und gründeten eine Konkurrenzgemeinde in Portland (Oregon). Das Gemeindezentrum in der Azusa Street konnte sich nicht wieder von dem Mitgliederverlust erholen, die Erweckung in der Azusa Street kam zu einem Ende.


:arrow: BARRATT, Thomas Ball (1862-1940) - Der norwegische Methodistenprediger B., Leiter der Stadtmission in Oslo (damals noch Christiania), reiste 1905 nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, um um Geld für die Stadtmission zu sammeln. Er machte Bekanntschaftmit der Pfingstbewegung, dort ließ er sich von einer Pastorenfrau aus Los Angeles und einem Norweger die Hände auflegen und begann in Zungen zu reden. Am nächsten Tag fuhr B. nach Norwegen zurück. In Oslo entfachte er das Feuer einer pfingstlichen Erweckung. Bald trat in seinen Versammlungen das Zungenreden auf. In wilder Ekstase stürzten die Geistgetauften auf den Fußboden, so daß er mitunter »buchstäblich mit hingestreckten Menschen bedeckt« war. Im Juni 1907 besuchte Emil Meyer(1869-1950), der Leiter der »Strandmission« in Hamburg, B. in Oslo, um als Augenzeuge sich ein sachliches und gerechtes Urteil über die dortige Erweckung bilden zu können, da der »Brüderbote« laufend ohne jede Kritik Berichte von dem neuen Pfingsten in Norwegen gebracht hatte. Noch am Abend der Ankunft in Oslo besuchte Meyer die Versammlung. »Die erste Begegnung mit solchen Leuten überzeugte mich gleich von der Echtheit der Bewegung.« Es folgten 14 Tage »genauester Überprüfung der einzelnen Geistbegabten«. Was er sah und hörte, weckte in ihm den Wunsch: »Ach möchte Gottes Geist bald auch in Deutschland große Dinge tun!« Mit zwei norwegischen Zungenrednerinnen kehrte Meyer nach Hamburg zurück. Durch diese beiden sprang das Pfingstfeuer von Norwegen nach Deutschland und der Schweiz über: nach kurzem Wirken in Hamburg folgten sie einer Einladung nach Kassel und später nach Zürich.
Dieses ist von mir eine reine geschichtliche Darstellung, ohne eigene Wertung.Diese Darstellung ist in ihrem Umfang sehr komprimiert, eine umfangreichere Darstellung wird, so Gott will, hier folgen.
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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