Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps42

Beitragvon Jörg » 13.11.2020 17:18

7. Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir;
darum gedenke ich an dich im Lande am Jordan und Hermonim,
auf dem kleinen Berg.
8. Deine Fluten rauschen daher, dass hie eine Tiefe und da eine
Tiefe brausen;
alle deine Wasserwogen und Wellen gehen über mich.
9. Der HERR hat des Tages verheißen seine Güte,
und des Nachts singe ich ihm
und bete zu dem Gott meines Lebens.
10. Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mein vergessen?
Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?
11. Es ist als ein Mord in meinen Gebeinen,
dass mich meine Feinde schmähen,
wenn sie täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?
12. Was betrübst du dich, meine Seele
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.


7. Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir. Das Lied hebt aufs neue im tiefen Ton an. Ein so liebliches Finale ist es wohl wert, dass der Psalmist um seinetwillen wieder von vorn beginne. Noch dauerte des Sängers Niedergeschlagenheit an, und die Anfälle des Verzagens kehrten wieder; wohlan, so will er nochmals in die Harfe greifen und ihre Macht an sich selber erproben, wie er einst in seinen jungen Tagen ihren Einfluss an Saul beobachtet hatte, als über diesen finstere Schwermut gekommen war. Noch bestimmter beginnt der Gesang beim zweiten Abschnitt mit Gott; auch bemerken wir beim Sänger etwas mehr Ruhe. Sein Sehnen gibt sich nicht mehr, wie V. 2, hörbar und sichtbar kund; sein Kummer hat sich in die Stille des Herzens zurückgezogen. Seine Seele ist niedergebeugt in ihm - und wahrlich, das ist nicht zum Verwundern, solange sich noch immer seine Gedanken mehr einwärts als aufwärts kehren. Wären wir darauf angewiesen, aus uns selber Trost zu schöpfen, wir bekämen wenig genug! Die schwankenden Gedankengebilde unseres Herzens geben keinen gediegenen Grund ab, auf dem wir uns aufrichten könnten. Es ist aber gut, wenn wir dem HERRN sagen, wie es uns ums Herz ist, und je einfältiger dies Bekenntnis ist, desto besser. David spricht wie ein krankes Kind zur Mutter, und wir sollen ihm darin nachahmen lernen. Darum gedenke ich an dich. Wohl uns, wenn wir zu unserm Gott fliehen. Da ist terra firma . Das ist gesegnete Trübsal, die uns antreibt, auf einem so sichern Felsen, wie du, HERR, es bist, Zuflucht zu suchen! In der Auffassung der folgenden Worte gehen die Ausleger weit auseinander. Haben wir (mit Bäthgen) zu übersetzen: Darum gedenke ich an dich fern von dem Land des Jordans und der Hermone, fern von dem kleinen Berge , so dass der Dichter damit das Land Kanaan bezeichnen will, aus dem er vertrieben ist? Ruft er sich so die seligen Zeiten in Erinnerung, da er mit Gott köstliche Gemeinschaft pflegte an dem Strome und auf den Bergen des heiligen Landes, und ganz besonders auf dem "kleinen Berge", dem Zion, wo sich ihm Gottes Liebe in der herrlichsten Weise geoffenbart hatte? Wir tun wohl daran, die auserwählten Gelegenheiten in unserem Gedächtnis zu bewahren, da wir vom HERRN trauter Gemeinschaft gewürdigt worden sind; wir mögen solche Erinnerung bald nötig haben, in Zeiten, wo der HERR uns in die Wüste führt und unser Herz vor Kummer krank ist. Gottes Huld, in vergangenen Tagen erfahren, ist schon manchem Verschmachtenden ein erquickendes Labsal gewesen; gleich einem sanften Lufthauch hat die Erinnerung daran schon manchmal den glimmenden Docht zu heller Flamme entzündet und das zerknickte Rohr aufgerichtet und verbunden. O du Tal Achor (Tal der Trübsal), wie könnt ich dein vergessen? Du bist mir zu einer Pforte der Hoffnung geworden! (Hos. 2,17 .) Ihr köstlichen Zeiten, ihr seid dahingeschwunden, aber ihr habt ein Licht hinter euch zurückgelassen, das mein gegenwärtiges Dunkel erhellt! Oder müssen wir übersetzen: Darum gedenke ich dein aus dem Lande des Jordans und der Hermonkuppen, vom Berge Mizar (dem kleinen Berge) her, so dass der Dichter damit das Ostjordanland, das Land seiner Verbannung, bezeichnete und sagen wollte, dass er auch von da aus des HERRN gedenke?5 Erklärt er wohl gar hiermit, dass er, Zeit und Ort vergessend, den Jordan so geweiht achte wie die Quelle Siloah, den Hermon so heilig wie den Zion, und selbst jenen unbedeutenden Hügel Mizar so herrlich wie die Berge, welche rings um Jerusalem her sind? Wohl dem, der also singen kann: Wo ich Ihn nur habe, ist mein Vaterland!

8. Eine Flut ruft der andern beim Rauschen deiner Wassergüsse . (Grundt.) Es ist, als reize dein strenges Verhalten gegen mich die ganze Schöpfung auf, mich anzugreifen. Die Fluten des Himmels und der Erde und der unterirdischen Örter6 rufen einander und reizen einander auf in schrecklicher Verschwörung, mir meine Ruhe zu nehmen. Wie sich bei einer Wasserhose die oberen und unteren Fluten die Hand reichen, so schienen sich dem Dichter Himmel und Erde zu vereinigen, um ein Unwetter über ihn zu entladen. Seine Leiden waren ein ununterbrochener überwältigender Schmerz. Woge folgte auf Woge, eine Sturzsee nahm das Getöse der vorhergegangenen auf. Die leiblichen Schmerzen erzeugten seelische Furcht, in sein Herz schlichen sich fanatische Einflüsterungen ein, die mit seinen argwöhnischen Vorahnungen übereinstimmten, und die Donnerschläge der äußeren Trübsale bildeten die erschütternde Begleitung der Klageseufzer seiner inneren Angst. Es war, als sollte seine Seele untergehen in dieser Sintflut von Trübsal, über deren Wogen die göttliche Vorsehung wie eine Wassersäule dahinschritt, deren erschreckende Majestät ihn mit Angst und Entsetzen erfüllte. Der so schwer Heimgesuchte kam sich vor wie eine einsame Barke auf weiter See, um welche ringsum die Wut des Sturmes losbricht, oder wie ein Schiffbrüchiger, der auf zersplittertem Mast dahintreibt und jeden Augenblick von der wilden Flut verschlungen zu werden erwartet. Alle deine Wasserwogen und Wellen gehen über mich . Der Psalmdichter meinte, alle Trübsale, die es nur geben könne, seien mitsamt über ihn hereingebrochen. Aber das war eine Übertreibung seiner aufs höchste erregten Einbildungskraft; denn alle Wasserwogen und Wellen Jehovas sind nie über einen Menschen, außer über unsern Heiland, gegangen. Es gibt Tiefen des Leides, die der HERR in seiner Liebe seinen Kindern unbekannt bleiben lässt. Es ist einem kummervollen Herzen natürlich, sein Leid so grell wie möglich darzustellen; gut, dass sich hintennach herausstellt, dass der HERR in Gnaden nicht, wie wir gefürchtet hatten, gehandelt hat. Aber traurig war die Lage des Psalmisten. Er ist allein auf weiter Flut; atlantische Wogen wälzen sich in ununterbrochener Reihenfolge über sein Haupt, Wasserhosen kommen näher und näher, das ganze Weltmeer ist in Aufruhr wider ihn, der nur noch mühsam mit den sich brechenden und brausenden Wellen kämpft. Nicht wenige von denen, die ein Anrecht auf den Himmel haben, können sich das, was der Psalmsänger hier schildert, lebhaft vergegenwärtigen, weil sie Ähnliches durchgemacht haben. Von derartigen tiefen Erfahrungen wissen allerdings solche nichts, die im geistlichen Leben noch Kindlein sind; desto bekannter sind jene den gereiften Christen, welche mit den tiefen Wassern der Trübsal vertraut geworden sind. Solchen mag es ein Trost sein, daran erinnert zu werden, dass der HERR der Gebieter der Wasserwogen und Wellen ist: deine Wasserwogen, deine Wellen, sagt David. Von Gott ist jede einzelne derselben gesandt, er leitet sie alle, und sie müssen seine Absichten ausführen. Damit magst auch du dein Herz stillen, liebes Gotteskind.

9. Des Tages entbietet der HERR seine Gnade. (Grundt.) Es ist nie fruchtlos, des HERRN zu gedenken, wie der Psalmdichter es nach V. 7 tat; das ersehen wir aus der getrosten Glaubenssprache dieses Verses. Mag kommen, was will, es wird doch immer ein gewisses geheimes Etwas sein, das alles Bittere versüßt. Gottes Gnade ist ein sicherer Rettungsgurt, der uns in stürmischer See über Wasser hält. Das Tageslicht kann sich in unzeitiges, unheimliches Mitternachtsdunkel verkehren; aber die Liebe Gottes, die von alters her zum ewigen Teil der Auserwählten bestimmt ist, soll diesen nach unverbrüchlichem Recht auch nicht eine Stunde fehlen. Nie wird einem Erben der Gnade ein Tag anbrechen, wo er gänzlich von Gott verlassen wäre. Der HERR herrscht, und als Gebieter entbietet er mit Machtvollkommenheit seine Gnade zum Frommen der Seinen. Und des Nachts. Die beiden Hälften des Tages werden von Gottes sonderlicher Liebe erleuchtet, und kein Unwetter der Trübsal kann dies Licht verdunkeln. Unser Gott ist der Gott unserer Nächte sowohl als unserer Tage; niemand wird je den Israel Gottes unbewacht finden, welche Stunde es immer sein mag. Singe ich ihm. Lieder des Dankes für empfangene Gnaden machen die Düsternis der Nacht heiter. Die Trübsal mag unsre Kerze ausblasen; aber wenn sie unsern Gesang nicht zum Verstummen bringen kann, so wird das Licht bald wieder brennen. Und bete zu dem Gott meines Lebens. Bitte und Dank gehen Hand in Hand. Der lebendige Gott ist der Gott unseres Lebens ; von ihm haben wir das Leben erhalten, in seiner Gemeinschaft verbringen wir es in Gebet und Lobpreis, ihm weihen wir es, und in ihm wird es einst seine Vollendung finden. Des gewiss sein, dass beides, unsere Bittseufzer und unsere Loblieder, zu unserm großen Gott dringen, das heißt in der allertraurigsten Lage guten Grund zum Hoffen haben.

Fußnoten
5. Dies halten wir für die richtige Übersetzung und Auffassung. Der nun folgende Satz Spurgeons übersieht hingegen, dass der Dichter hier, wie im ganzen Psalm, sein Fernsein von Zion beklagt, sein Gedenken des HERRN also das der Sehnsucht ist.

6. Diese Auslegung beruht auf dem Targum, welches das zweimalige MOhtI: auf die über dem Himmelsgewölbe und unter der Erde befindliche Flut bezieht, so dass das Bild auf eine zweite Sintflut ginge.

7. Buchstäblich: unter Zermalmung in meinen Gebeinen schmähen mich meine Feinde, d. h., es ist dem Psalmisten bei ihrem Hohn, als zermalmten sie damit seine Gebeine.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps42

Beitragvon Jörg » 17.11.2020 11:06

10. Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mein vergessen? Es ist dem Glauben unverwehrt, von seinem Gott über die Ursachen seiner Ungnade Aufklärung zu erbitten; ja es ist ihm sogar gestattet, in gewissem Sinne mit Gott zu rechten, nämlich ihn . an seine Verheißungen zu erinnern und zu fragen, warum er diese, dem Anschein nach, nicht erfülle. Suchen wir wirklich beim HERRN Zuflucht und finden wir keine, so ist es an der Zeit, die Frage aufzuwerfen: Warum das? Doch dürfen wir darum unsern Halt nicht fahren lassen; der HERR soll dennoch unser Fels bleiben: mein Fels. An ihn als unsere alleinige Zuversicht müssen wir uns klammern und uns nie unseres Anteils an ihm begeben. Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt? Er, der sich’s gefallen ließ, von seinem Freunde Abraham zur Rede gestellt zu werden (1. Mose 18,23 ff.), erlaubt auch uns, dass wir ihm die Fragen unseres geängsteten Herzens vorlegen, um den Grund seiner Strenge gegen uns zu erfahren. Er kann doch wahrlich kein Vergnügen daran finden, das Angesicht seiner Knechte von Tränen benetzt und verunstaltet zu sehen; ihm kann die Härte, mit der die Feinde sie anfahren, kein Ergötzen gewähren. Es ist unmöglich, dass ihm die Tyrannei, mit der Satan sie quält, eine Lust sein sollte. Warum gibt er sie denn so dem Hohn ihrer Widersacher, die doch auch die seinen sind, preis? Wie kann der starke Gott, der so fest und unveränderlich ist wie ein Fels, auch so hart und unbeweglich sein wie ein Fels gegen die, welche auf ihn trauen? Solch eindringende Fragen, in Demut dem HERRN vorgelegt, erleichtern oft die Seele. Wissen wir die Ursache dessen, was uns solchen Kummer macht, so sind wir auf dem besten Wege, zu erkennen, wie wir dem Leid entfliehen, oder doch wenigstens, wie wir es ertragen mögen. Gerade der Mangel an aufmerksamer Erwägung lässt uns das Unglück oft grauenvoller und hoffnungsloser erscheinen, als es in Wirklichkeit ist. Es erregt unser tiefes Mitleid, wenn einem Menschen ein Glied abgenommen werden muss; doch wenn wir wissen, dass die Operation nötig war, um das Leben zu retten, so freuen wir uns bei der Kunde, dass sie glücklich ausgeführt worden ist. Ebenso wird die Trübsal in dem Maße leichter zu tragen, als sich der Zweck enthüllt, um dessentwillen Gott sie gesandt hat.

11. Es ist als ein Mord7 in meinen Gebeinen, dass mich meine Feinde schmähen. Grausame Spötteleien dringen tiefer als ins Fleisch; es ist dem Psalmdichter, als zerschmetterten ihm seine Feinde durch ihre Hohnreden wie mit Keulenschlägen die Gebeine. Wenn schmähende Vorwürfe nicht töten, so sind sie doch als ein Mord; der Schmerz, den sie verursachen, ist eine wahre Folterpein, und nur schwer heilen solche Wunden. Wenn sie täglich (wörtl.: den ganzen Tag) zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott? Das ist der unbarmherzigste Hieb, den man einem Gotteskind versetzen kann, da er sowohl die Treue des HERRN als den Charakter seines angefeindeten Knechtes angreift. So boshaft waren die Feinde Davids, dass sie diese grausame Frage, sobald sie ihnen eingefallen war, aussprachen, und das nicht einmal, sondern wiederholt, immer und immer wieder Tag um Tag, und zwar gegen David selbst. Wahrlich, das unaufhörliche Gekläff der Hunde, die ihm stets auf den Fersen waren, wäre genug gewesen, ihn wahnsinnig zu machen, und es wäre vielleicht wirklich so weit gekommen, wenn er nicht zum Gebet seine Zuflucht genommen und die Verfolgungen seiner Widersacher als Beweggrund zur Hilfe vor Gott geltend gemacht hätte.

12. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Der Psalmist hat sich seinen ganzen Kummer wieder vorgeführt, findet aber bei alledem keinen hinreichenden Grund, so unruhig zu sein. Er hat seinen Befürchtungen ins Angesicht geschaut und findet sie nicht so überwältigend, wie sie geschienen hatten, da sie noch im Dunkel verborgen gewesen waren. Harre auf Gott. Lass deinen Anker in diesem sichern Grunde eingesenkt bleiben. Gott ist treu, er ist die Liebe, darum bleibt noch Raum und vernünftiger Grund zum Hoffen. Denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist . Das ist der gleiche hoffnungsfreudige Ausspruch wie Vers 6, nur dass hier (im überlieferten Text) statt seines Angesichts Hilfe meines Angesichts Hilfe, d. i. die mein Angesicht erheiternde Hilfe, steht und überdies hinzugefügt ist: und mein Gott. Das letztere zeigt, dass der Dichter in seiner Glaubenszuversicht erstarkt ist und nun imstande ist, die hämische Frage: "Wo ist nun dein Gott? " mit kühnem Freimut zu beantworten. Mein Gott ist hier, ja, er ist hier, mich zu erretten. Ich schäme mich nicht, ihn all euren Sticheleien und Schmähreden zum Trotz als meinen Gott zu bekennen, denn er wird mich aus euren Händen erlösen. So führt der Glaube den Kampf zum Sieg. Das betrübteste Angesicht muss noch heiter werden, wo man Gott beim Wort nimmt und seiner Hilfe harrt.

Erläuterungen und Kernworte

Zur Überschrift. Jener Korah, dessen Söhne oder Nachkommen hier genannt sind, ist aller Wahrscheinlichkeit nach der Levit, welcher den Aufruhr gegen Mose und Aaron in der Wüste ins Werk setzte. (4. Mose 16 .) Wir finden seine Nachkommen zur Zeit Davids als eine einflussreiche levitische Familie, vorausgesetzt, dass wir in ihnen mit Recht dieselben Leute wie die in 1. Chr. 12,6 erwähnten Korahiter sehen, die es, darin an unsere kriegerischen Bischöfe früherer Zeiten erinnernd, verstanden zu haben scheinen, unter Umständen den priesterlichen Leibrock mit dem Harnisch zu vertauschen, und deren Hand ebensogut das Schwert zu führen wie die Harfe zu spielen geübt war. Zu diesen Korahitern gehörten etliche der Helden, welche sich zu Ziklag um David als ihren Führer scharten. Nach 1. Chr. 9,19 hüteten die Korahiter zur Zeit Davids die Schwellen des heiligen Zeltes, wie schon zu Moses Zeiten ihre Väter im Lager des HERRN des Eingangs gewartet hatten. In 1. Chr. 26,1-19 finden wir zwei Zweige dieser Familie mit den Kindern Merari als Torhüter am Heiligtum, und in Ps. 84, 11 haben wir wahrscheinlich eine Anspielung auf dies ihr Amt. Aber die Söhne Korahs waren auch berühmte Musiker und Sänger; man schlage 1. Chr. 6,16-32 nach, wo Heman, einer der drei großen Sangmeister jener Zeit, als dem Geschlechte Korahs angehörig bezeichnet wird (vergl. 1. Chr. 25). Und noch zu Josaphats Zeiten (2. Chr. 20,19) stand dieselbe Familie im Rufe musikalischer Tüchtigkeit. J. J. Stewart Perowne 1864.

Ausleger des Mittelalters machen darauf aufmerksam, dass es im Fall der Söhne Korahs , wie sonst oft, der Wille Gottes gewesen sei, gerade da Exempel der Gottseligkeit auszustellen, wo man sie am wenigsten suchen würde. Wer hätte wohl gedacht, dass aus den Nachkommen des Mannes, der sich so freventlich wider Mose und Aaron empört hatte, jene frommen Sänger erstehen würden, deren liebliche Psalmen ein Erbteil der Gemeine Gottes bis zum Ende der Zeiten sein werden? John Mason Neale 1860.

Zum ganzen Psalm. Psalm 42 mit seinem Refrain: "Was betrübst du dich, meine Seele?" hat Zwinglis Nachfolger, Antistes Heinrich Bullinger († 17. Sept. 1575), in seinen letzten Schmerzen gebetet; ebenso der alte fromme Pfarrer Aloys Henhöfer und der heldenhafte Admiral Michael de Ruyter (1676), dem eine Kanonenkugel beide Beine zerschmettert hatte. A. von Salis 1902.

V. 2. Ich habe um die Wasserbäche in den großen Wüsten Zentral-Syriens sich ganze Rudel solcher lechzenden Hirsche sammeln sehen, die so vom Durst überwältigt waren, dass man ganz nahe an sie herankommen konnte, ehe sie flohen. W. M. Thomson 1859.

Unsere Zecher, die ein so großes Vergnügen daran finden, das Wirtshaus zu besuchen, lassen sich’s nicht träumen, dass die Gottseligen noch viel größere Freude am Besuchen des Gotteshauses haben. Aber von solcher heiligen Freude hat Gott schon vor langem durch den Propheten weissagen lassen: "Dieselbigen (die sich zum HERRN getan haben) will ich zu meinem heiligen Berge bringen und will sie erfreuen in meinem Bethause." (Jes. 56,7 .) Wie weideten sich die Frommen des alten Bundes an den schönen Gottesdiensten des HERRN! Wenn sie sie nur eine kleine Weile entbehren mussten, so verschmachtete ihr Herz vor Sehnsucht. Den armen nach Babel Verbannten kam die Stadt Gottes nie aus dem Sinn. "Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde meiner Rechten vergessen." Ja sie schätzten die Freuden des Heiligtums über alles: "Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wo ich dein nicht gedenke, wo ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein." (Ps. 137,5 f.) In Ps. 84,11 sagt der Psalmdichter: "Tag in deinen Vorhöfen ist besser denn sonst tausend. Ich will lieber der Tür hüten in meines Gottes Hause, denn wohnen in der Gottlosen Hütten." Und der eine große Wunsch Davids war, dass er im Hause des HERRN möge bleiben dürfen sein Leben lang. Zachary Bogan † 1659.

Sieh, wie der Psalmist, ein bedauernswerter, aus seinem Vaterlande verbannter Mann, sich in diesem großen Leid benimmt - wie verschieden von Themistokles oder Camillus oder andern ähnlichen berühmten Männern, die wie er in der Verbannung leben mussten. Er beklagt sich nicht über die Undankbarkeit seines Landes, über die Bosheit seiner Widersacher oder über das Unglück, das ihn getroffen hat. Nein, nicht Murren, sondern Sehnsucht erfüllt eine Seele, und zwar Sehnsucht nach Gott allein. Nathanael Culverwell 1650.

Fußnote
7. Buchstäblich: unter Zermalmung in meinen Gebeinen schmähen mich meine Feinde, d. h., es ist dem Psalmisten bei ihrem Hohn, als zermalmten sie damit seine Gebeine.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps42

Beitragvon Jörg » 20.11.2020 15:08

Erläuterungen und Kernworte

V. 3. Es war dem Psalmsänger bei seinem Verlangen nach dem Hause Gottes und den Festen des HERRN um Gott zu tun. Nach Gott dürstete seine Seele. Sieh zu, dass du bei deinem Beten, Singen, Predigthören usw. wirklich Gemeinschaft mit Christo genießest, und suche ihn, bis er sich dir offenbart. Bradford, der Märtyrer († 1555), sagte, er könne nicht ablassen, seine Sünden zu bekennen, bis er finde, dass sein Herz wirklich zerknirscht sei, nicht mit Flehen, bis sein Herz von der Schönheit der begehrten Segnungen hingenommen sei, nicht mit Danken, bis sein Herz sich durch das Danken neu belebt fühle, nicht mit irgendeiner gottesdienstlichen Übung, bis sein Herz dadurch in die rechte innere Verfassung gebracht und mit Christo selber in Gemeinschaft getreten sei. So sagt auch Bernhard von Clairvaux († 1153): Nunquam abs te absque te recedam Domine, d. h.: Nie will ich von dir gehen, HERR, ohne dich. Und Augustinus († 430) sagt, er finde an Ciceros feinen Reden nicht mehr (wie früher) Gefallen, weil er Christum nicht in ihnen finden könne. Ja, es ist so, blumenreiche Reden, kunstvolle, aber geistlose Gebete und Predigten sind für eine nach Gott dürstende Seele nicht nährendes Brot, sondern klingende Schellen, und sie lässt sich nicht mit windbeuteligen Phrasen oder den Ohren schmeichelnden, aber nicht von Herzen kommenden und darum nicht zu Herzen gehenden Reden und Gesängen befriedigen. Wenn Christus mit dir redet, dann wird dein Herz dir brennen. (Lk. 24,16.32.) Christopher Neß 1679.

Nach dem lebendigen Gott. In drei Beziehungen namentlich wird in der Schrift unser Gott der lebendige Gott genannt. Erstens, weil er allein das Leben in sich selber und aus sich selber hat und er somit der Ursprung des Lebens ist. Zweitens, weil er allein aller Kreatur das Leben gibt. Das natürliche, das geistige und das ewige Leben fließt uns aus Gott zu. Drittens wird Gott der lebendige Gott genannt im Gegensatz zu den falschen Göttern. Thomas Horton † 1673.

Der Psalm lässt uns einen tiefen Blick tun in des Königs Herz. Das erweckt mehr als alles seinen Schmerz, dass er von Gott, dessen Haus und Gemeinde geschieden ist. Vergl. 2. Samuel 15,25: Werde ich Gnade finden vor dem HERRN, so wird er mich wiederholen und wird mich sie (die Lade) sehen lassen und sein Haus. - Nach Prof. Joh. Wichelhaus 1891.

Ein gottloser Mensch kann nie im Ernst sagen: Wann werde ich hingelangen und vor Gottes Angesicht erscheinen? (Grundt.) denn er wird ja nur zu bald vor Gott treten müssen, ehe er will und ohne dass er es will. Man vergleiche, wie die Dämonen sagten, Christus sei gekommen, sie zu quälen, ehe denn es Zeit sei. Frage einen Dieb oder andern Missetäter, ob er willig vor dem Richter erscheine. Nein, ich versichere dir, mit Willen tritt er nicht vor ihn; er möchte, dass es gar keinen Richter gäbe, vor dem er erscheinen müsste. Und so haben es auch die Weltmenschen in Bezug auf Gott; sie wünschten nichts lieber, als dass sie vor ihm verborgen bleiben könnten. Thomas Horton † 1673.

Wenn wir in der Kirche gewesen sind, lasst uns uns selber prüfen, was wir dorthin gegangen sind zu sehen. Schöne gottesdienstliche Formen? Oder einen beredten Kanzelredner? Wahrlich, dann wäre es eben so weise (nur ein gut Teil unschuldiger) gewesen, wenn wir in die Wüste hinausgegangen wären, ein Rohr zu sehen, das vom Winde bewegt wird (Lk. 7,24). Können wir wie jene Griechen, die zum Laubhüttenfest nach Jerusalem hinaufgekommen waren, sagen: Wir wollten Jesum gerne sehen? (Joh. 12,21.) Oder wie Absalom (2. Samuel 14,32): Was nützt mich’s, dass ich nach Jerusalem gekommen bin, wenn ich das Angesicht des Königs nicht sehen soll? Es nützt uns in der Tat wenig oder nichts, dass wir zur Kirche gehen, wenn wir nicht Gott dort suchen und vor seinem Angesicht erscheinen. Isaak Watts † 1748.

Du magst es versuchen, einen hungrigen Säugling mit allerlei Spielzeug und hübschen Sächelchen zu vertrösten; er wird nicht lange damit zufrieden sein, sondern bald wieder nach der Mutterbrust schreien. So geht’s auch, wenn ein Prediger allerlei feine lateinische und griechische Sprüchlein auf die Kanzel bringt oder seine Zuhörer mit wohlklingenden Phrasen und schönen Geschichtchen abspeist; hungrige Seelen lassen sich damit nicht stillen, sie begehren nach der lautern Milch des Worts. Oliver Heywood † 1702.

V.4. Weil man täglich zu mir sagt usw. Sie reden nicht nur über ihn, sondern zu ihm; sie sagen ihm ins Angesicht, dass Gott ihn verlassen habe, als wären sie jeden Augenblick bereit, dies als eine unbestreitbare Tatsache zu erweisen. Jemand hinter seinem Rücken verleumden beweist mehr Gemeinheit, dagegen verraten solch offene Vorwürfe ein größeres Maß von Roheit, Schamlosigkeit und Unverschämtheit; und dieser Untugenden machten sich die Feinde Davids in diesem Fall schuldig. D. Thomas Horton † 1673.

Wo ist nun dein Gott? Gotteskinder sind in ihrer Eigenschaft als Menschen empfindlich gegen Verwürfe; aber als Christen finden sie es vor allem unerträglich, wenn das, was sie glauben, und namentlich der Gott, dem sie dienen, und ihr Verhältnis zu ihm die Zielscheibe der Angriffe bilden. Die Lästerer, welche den Psalmisten täglich mit ihren höhnenden Reden quälten, waren nicht so freche Atheisten, dass sie das Dasein Gottes in Zweifel gezogen hätten, wiewohl sie nicht viel besser waren; sie machten dem Knecht des HERRN vielmehr die besondere Verbindung mit Gott, deren er sich rühmte, zum Vorwurf: "Wo ist nun dein Gott? Du wolltest ja einer von Gottes Lieblingen sein; du meintest ja, niemand diene Gott so wie du; du hattest die Frömmigkeit für dich gepachtet, und Gott sollte ganz speziell dein Gott sein. Nun, wie steht’s denn jetzt mit dem, was du vorgegeben hast? Was hast du nun von all deinem Eifer und deiner übertriebenen Frömmigkeit? Was ist es nun mit deinem Gott, mit dem du so geprahlt hast, und in dem du dich so glücklich fühltest, als ob er einzig dein Gott und sonst niemandes Gott wäre?" Solche Stichelreden brauchen die Gottlosen gern gerade gegen die besten Menschen, zumal wenn diese im Elend sind, und wir mögen daraus die Bosheit der Gottlosen recht erkennen; denn es ist ein Zeichen einer ganz vergifteten und fluchwürdigen Gesinnung, wenn man einen redlichen Menschen mit seiner Frömmigkeit aufzieht. Aber was wollten sie damit? Der Zweck war noch schlechter als die Worte selbst. Der Zweck war, seinen Glauben, sein Gottvertrauen zu erschüttern, und das war es, was ihm so nahe ging. Der Teufel weiß gar wohl, dass es verlorene Mühe ist, einen Menschen zu quälen, solange dessen Gemeinschaft mit Gott ungetrübt bleibt. Darum sucht er die beiden zu entzweien, klagt Gott beim Menschen und den Menschen bei Gott an. Er weiß, dass nichts in aller Welt Gott widerstehen kann. Solange wir Gott zu unserer Zuversicht haben, sind alle eine Anläufe vergeblich. Darum sucht er uns von Gott loszubringen. "Wo ist dein Gott?" Mit solcher Frage machte er sich an den Heiland selber. "Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden." (Mt. 4,3 .) Er wollte ihm Zweifel an seiner Gottessohnschaft einflüstern. Der Satan hat sich einst selbst von Gott losgerissen, und seither geht sein ganzes Bestreben daran, auch andere von Gott zu scheiden, und er hat sogar versucht, zwischen Gott dem Vater und dem Sohn eine Kluft zu machen. So arbeitet er auch darauf hin, die Christen von ihrem Haupte, Christus, zu trennen. O dass uns stets bewusst sei, was er im Sinn hat! Richard Sibbes † 1635.

In den französischen Religionskriegen verwendeten die fanatisierten Pöbelhaufen und die Henker die Psalmen in ihrer Weise. Im Massacre von Orange rissen sie Blätter aus den Psalmbüchern und steckten sie den Erschlagenen in ihre Wunden. Die Soldaten Montlucs sagten höhnisch ihren Opfern Psalmworte vor, wie: "Wo ist nun dein Gott?", ohne zu merken, unter was für ein Gericht sie sich damit stellten. Psalms 42; 50; waren den Henkern besonders ärgerlich und verhasst. A. von Salis 1902.

V. 5. Wenn ich dessen gedenke. (Grundt.) Der Segen der Gottesdienste ist so groß, dass er auch selbst in der Erinnerung noch eine angefochtene Seele vor Verzweiflung bewahren kann. Gen.-Sup. D. Bernhard Moll † 1878.

Die Erinnerung an die Freuden, welche er früher genossen hatte, lockte dem Psalmsänger nur desto heftiger die Tränen hervor. Im Elend vermehrt es unseren Jammer, dass wir einst glücklich gewesen sind. Es hat eine Zeit gegeben, klagt die arme Seele, da mich der Gedanke an Gott mächtig tröstete, weil ich ihn meinen Gott nennen konnte. Solch einen Gott verlieren, der meine Freude und Wonne war, das ist der schlimmste aller meiner Verluste und der schrecklichste aller meiner Schrecken. Einst konnte ich mit Zuversicht zu ihm flehen und mein Herz im Gebet erleichtern; aber jetzt fehlt mir aller Freimut, vor ihn zu treten, ich habe keine Hoffnung, erhört zu werden, und sehe auch keine Wirkung von meinen Gebeten. Es gab eine Zeit, wo ich mit Freuden in dem Worte Gottes lesen, die Verheißungen in meinem Herzen aufspeichern und gleichsam das Gelobte Land als mein Erbe überschauen konnte; aber jetzt wage ich kaum einen Blick in die Bibel zu werfen, aus Furcht, meine eigene Verdammung darin zu lesen. Der Sonntag war mir früher ein Vorgeschmack des Himmels, aber jetzt ist er mir, so gut wie die übrigen Tage, ein trüber, trauriger Tag. Ehemals war Jesu Name meine Wonne, ich "saß unter seinem Schatten" (Hohelied 2,3) und genoss seine Liebe; aber jetzt ist meine Seele gleich den Wüsten Arabiens, ich bin ausgedörrt von brennender Hitze. Einst grünte und blühte ich in den Vorhöfen des HERRN, doch nun ist all meine Frucht versengt und verwelkt. Hätte ich nie das Evangelium gehört, ich hätte nicht so voll Jammers sein können, wie ich es jetzt bin; hätte ich Gott nie gekannt, so wäre meine Lage, so schrecklich sie wäre, doch nicht so entsetzlich wie jetzt. O, dass ich wäre wie in den vorigen Monden, in den Tagen, da Gottes Leuchte mir über meinem Haupte schien! (Hiob 29,2.) Timothy Rogers † 1729.

Hätte der Psalmist Vater, Mutter, Weib, Kinder, Vermögen, Freiheit, ja sein Leben verlieren müssen, es wäre ihm nicht so nahe gegangen wie diese Entbehrung der Gemeinschaft mit Gott. Henry Smith † 1591.

Woran unser Herz hängt, das erweist sich auffällig daran, was für Dinge uns Gegenstand sehnsuchtsvollen Gedenkens sind. Henry March 1823.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps42

Beitragvon Jörg » 24.11.2020 14:02

Erläuterungen und Kernworte

V. 6. Athanasius der Große († 373) riet einem seiner Freunde, er solle, wenn eine Trübsal über ihn komme, diesen 42. Psalm lesen; es gebe nämlich ebensowohl eine Methode, Gleiches durch Gleiches zu heilen, wie durch das Gegenteil.
Was betrübst du dich? Man beachte die (auch im Grundt.) aktive Form des Zeitworts, wörtlich: Warum beugst du dich nieder, meine Seele? Daraus mögen wir entnehmen, dass Gottes Kinder durch eigene Schuld zu tief bekümmert sein können. Nicht Gott und nicht der Teufel drückt dich so tief nieder, sondern du selber tust es. Christopher Love † 1651.

Wann immer dich Kummer niederdrückt, so lege deiner Seele die Frage vor, die der Psalmsänger hier dreimal an sich richtet: Warum betrübst du dich, meine Seele, und warum bist du so unruhig in mir? Ohne Zweifel wird die Seele dir antworten: Meine Schwermut und Unruhe kommt vom Unglauben her. Du magst die Krankheit an dem Heilmittel erkennen, das in den nächstfolgenden Worten angegeben ist: Harre auf Gott . Aller Herzenskummer hat seinen eigentlichen Grund in unserm Unglauben und nicht in der Größe des Unglücks, das uns getroffen hat. Ich rede von solcher Traurigkeit, die die Seele verwüstet; denn die göttliche Traurigkeit hat göttliche Freude zur Gefährtin. Es ist nicht so sehr das Gewicht der Bürde wie der wunde Rücken, was das bedauernswerte Lasttier so quält; so ist es auch wohl nicht der Druck der äußeren Übel, was uns arme Geschöpfe so peinigt und beunruhigt, als vielmehr dies, dass unser Gewissen verwundet und nicht gereinigt und geheilt ist. Matthew Lawrence 1657.

Bedenke doch nur, meine Seele, in wie vielen Beziehungen du Gottes Walten in deiner Trübsal erkennen kannst. 1) Ist sie etwa über dich gekommen, ohne dass Gott es wusste? Warum bist du denn dann so beunruhigt? Dein Vater weiß um dein Unglück, und er hätte gewiss dessen Lauf gehemmt, wenn das für dich gut gewesen wäre. 2) Ist deine Trübsal ohne Gottes Befehl gekommen? Wenn nicht, warum bist du so unruhig? Es ist der Kelch, den dein Vater dir gibt; willst du ihn nicht trinken? 3) Ist es deines Vaters Wille, dass du leiden sollst, und solltest du dich wider ihn auflehnen wollen? 4) Hat Gott dir etwa mehr Leid auferlegt, als er hätte tun dürfen? Was murrst du denn, als ob er dir unrecht getan hätte? 5) Ist nicht auch diese Führung eine seiner weisen Taten? Wie kannst du deinen törichten Willen über seine unendliche Weisheit stellen? 6) Ist nicht sein Weg ein Weg der Gnade? Wie kommt es denn, dass du darauf stolperst, als ob er voller Steine läge? 7) Ist, was dir begegnet ist, gut? Was haderst du denn mit Gott, als wäre es etwas Böses? 8) Leidest du nicht immer noch weniger als andere Menschen, andere Gotteskinder, ja Gottes eingeborener Sohn selbst gelitten hat? Hast du dann Ursache zur Klage? 9) Leidest du nur nach Verdienst, und sogar weniger, als du verdient hast? Und sollte ein Mensch, dem Gott noch das Leben geschenkt hat, sich darüber beklagen, dass er für seine Sünden gezüchtigt wird? 10) Züchtigt dich der HERR mit Maßen und ist der bittere Trank dir mit Sorgfalt angeordnet von des Arztes Hand, in kleinen Portionen, im genauen Verhältnis zu dem, was du vertragen kannst und zu der Kraft, die er selber dir darreichen will? Warum bist du denn so aufgeregt? Hat deine Züchtigung nur den Zweck, dich von alten Sünden zu reinigen und vor neuen zu bewahren? Und merkst du schon jetzt etwas von ihrer guten Wirkung? Wohlan, dann beruhige dich, sei getrost, Gott wird’s zum rechten Ende führen! John Collinge 1652.

Und bist du so unruhig in mir, wörtlich: tobst du in mir? Das Wort wird sehr häufig vom Tosen und Wogen der See gebraucht, z. B. Jes. 17,12; Jer. 5,22; 6,23; 51,55; Henry March 1823.

Harre auf Gott. Macht dich deine Ungeduld in der Trübsal missmutig und quält dich der Geist der Unzufriedenheit, so denke nicht, es sei genug, wenn du dein Herz soweit beschwichtigt hast, dass es nicht mehr mit Gott hadert, sondern ruhe nicht, bis du dein Herz dazu gebracht hast, mit stiller Zuversicht auf Gott zu trauen. Auch der Dichter dieses Psalms tadelte seine Seele nicht nur wegen ihrer Unruhe, sondern forderte sie auch auf, glaubensvoll auf Gottes gewisse Hilfe zu harren. William Gurnall † 1679.

Eine gewisse Alice Benden saß mit andern um des Glaubens willen in dem Schloss zu Canterbury gefangen, wurde aber nach einiger Zeit auf Befehl des Bischofs in einen tiefen Kerker geworfen, wo keiner ihrer Gesinnungsgenossen zu ihr kommen konnte. Dort saß sie auf ein wenig Stroh, an einer Mauer, die Füße in den Stock geschlossen. Die ihr gereichte Nahrung - ein wenig Brot und Bier - schützte sie nur vor dem Hungertode, und es durfte ihr auch für ihr Geld nicht mehr gereicht werden. Diese traurige Lage drückte sie so nieder, dass sie ihr Elend bitter beweinte und bejammerte und darüber brütete, warum der HERR, ihr Gott, sie doch so schwer heimsuche, und warum er es zugelassen habe, dass man sie der tröstlichen Gemeinschaft ihrer liebevollen Mitgefangenen beraubt habe. In diesem Zustand tiefer Schwermut blieb sie, bis ihr in einer Nacht die Worte des Psalmisten: "Was betrübst du dich usw.; harre auf Gott " und die andern: "Aber doch sprach ich: Ich muss dies alles leiden; die rechte Hand des Höchsten kann alles ändern" in den Sinn kamen, wodurch sie mächtig getröstet wurde mitten in ihrem Elend. Und fortan blieb sie fröhlich, bis die Stunde ihrer Befreiung schlug. Samuel Clarke † 1682.

Das törichte Vöglein, das in einem Zimmer gefangen ist, dessen Türen und Fenster verschlossen sind, stößt gegen Wände und Scheiben, bricht sich die Federn aus und verletzt sich schwer, während es doch, wenn es nur in Geduld harren wollte, bis man ihm den Ausweg geöffnet hat, unverwundet davonkommen könnte. Gerade so geht es uns; denn wenn der HERR uns einschließt und uns für eine Weile die Freiheit nimmt, wollen wir uns selber den Ausweg bahnen, machen viele Pläne und möchten wohl gar durch die Wände seiner Vorsehung brechen; während wir, wenn wir nur Gottes Zeit abwarten, auf sein Wort bauen und uns seiner Hand überlassen wollten, die Gefangenschaft viel leichter ertragen und mit viel weniger Schaden zu guter Zeit zur Freiheit kommen könnten. Denn Gott ist unwandelbar; was er uns zugesagt hat, das hält er gewiss. John Barlow 1618.

Denn ich werde ihm noch danken usw. Wenn man sagen kann: "Herr, siehe, den du lieb hast, der liegt krank", dann kann man auch sagen: "Die Krankheit ist nicht zum Tode". (Joh. 11,3 f.) Wer hätte, als Jona im Meer war, denken können, dass er noch in Ninive predigen werde? Oder wer hätte von Nebukadnezar, als er in eisernen und ehernen Ketten mit den Tieren auf dem Felde weidete, meinen können, dass er wieder in Babel auf dem Thron sitzen werde? Wer hätte gedacht, als Joseph von seinen Brüdern verkauft wurde, dass diese seine Brüder noch einmal sein Antlitz suchen würden, als ob sie seine Sklaven wären? Wer hätte sich’s träumen lassen, als Hiob auf dem Aschenhaufen saß und sich die Schwären schabte, seine Häuser verbrannt, sein Vieh geraubt, seine Kinder dahingerafft waren, dass er noch einmal reicher werden würde, als er je gewesen? Ja, das sind Wunder der göttlichen Barmherzigkeit, ob denen die Gerechten fröhlich rühmen. Henry Smith † 1591.

V. 7. Mein Gott . Wer wagt es, den Schöpfer der Welt, die erhabene himmlische Majestät, also anzureden? Ein Verbannter, der ruhe- und heimatlos umherirrt, ein Ausgestoßener; ein Mensch, den alle im Stich gelassen haben, alle verachten und schmähen; ein Elender, dessen Seele aufs tiefste niedergedrückt und beunruhigt ist; der wagt es. Und auf Grund welches Rechts? Auf Grund des Bundes. Henry March 1823.

Darum. Gerade weil meine Seele so bekümmert und verzagt ist, darum will ich deiner gedenken . Ich will dessen gedenken, wie herablassend du dich stets zu den Deinen neigst, wenn sie in Elend und Drangsal sind; wie bereit du stets bist, sie an dein Herz zu drücken, wenn sie von den Menschen im Stich gelassen oder verstoßen sind; wie leutselig und geduldig du ihre Klagen anhörst, wenn sie ihre Seele vor dir ausschütten. Ich will dessen gedenken, wie gütig du gegen mich in vergangenen Zeiten gewesen bist, wie du mein Elend angesehen, auf die Stimme meines Flehens gehört und mich aus der Trübsal errettet oder aber mir Kraft gegeben hast sie zu ertragen. Ich will dessen gedenken, wie oft ich deine Gnadennähe empfunden habe, wenn ich in deinem Heiligtum vor dich trat und dich dort mit deinen Heiligen pries. Ich will gedenken, wer du bist, wie würdig du dessen bist, dass ein Verlassener und Betrübter wie ich auf dich traue. Denn ob ich arm bin, du bist reich; ob ich schwach bin, du bist mächtig; ob ich tief unglücklich bin, du bist der Selige. Und ich will dessen gedenken, dass du mein Gott bist, dass du dich meiner Seele geoffenbart hast, dass du mir Gnade gegeben hast, dich als mein Teil zu erwählen, und dass ich in meinem Vertrauen noch nie zuschanden geworden bin. Ich will gedenken des Wortes der Verheißung, auf welches du mich lässest hoffen und dem du bisher treu gewesen bist und in alle Zukunft gewisslich treu sein wirst. - O glücklich sind mitten in ihrer Unglückseligkeit die Seelen, die in der Anfechtung also zu ihrem Gott Zuflucht nehmen können. Henry March 823.

V. 8. Auch das Schöne, ja Schönste bietet dem Tiefbetrübten Analogien und Bilder für seine trüben Erfahrungen, die seine Betrübnis noch steigern. Prof. Fr. W. Schultz 1888.

Eine Flut ruft der andern beim Rauschen deiner Wasserfälle. Die wasserreiche Gegend, in der sich der Dichter befand, legte es ihm nahe, dies anschauliche Bild seiner innern Verfassung zu gebrauchen. Er sah die Wasserfälle sich von den Felsen stürzen, er hörte ihren Widerhall, und es war ihm, als riefen sie einander zur Hilfe auf wider ihn; so, sagt er, gehen auch alle deine Wasserwogen und Wellen, das ist, die Trübsale und Anfechtungen, über mich. John Morison 1829.
Wer sich nur nach dem, was er fühlt, richtet, der verliert Christus. (Martin Luther)


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