Was tun, wenn Versammlungen untersagt sind?

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Joschie
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Was tun, wenn Versammlungen untersagt sind?

Beitragvon Joschie » 29.03.2020 08:31

Hallo Ihr!
Ich möchte den folgenden Beitrag zur Diskussion stellen, Ich habe mir beim lesen die Frage gestellt wie gehen wir als einzelne Gemeindeglieder mit der jetzigen Situation um?

Was tun, wenn Versammlungen untersagt sind?

In dem Buch Das Spalier und der Weinstock plädieren die Autoren dafür, in der Gemeindearbeit nicht so sehr auf Programme zu setzen. Vielmehr komme es darauf an, eine evangeliumszentrierte Mitarbeiterkultur fördern.

Das Buch schließt mit einem Beispiel, das angesichts der Ausbreitung des Coronavirus Covid-19 besondere Aktualität erhält (Colin Marshall u. Tony Payne, Das Spalier und der Weinstock, Betanien, 02015, S. 186–188):

Stellen Sie sich vor …
Während wir dieses Buch schreiben, machen die ersten besorgniserregenden Anzeichen einer Schweinegrippe-Pandemie in aller Welt Schlagzeilen. Stellen Sie sich vor, die Pandemie würde in Ihrem Teil der Welt grassieren und die Regierung würde aus Gründen des Gesundheitsschutzes und der öffentlichen Sicherheit alle öffentlichen Versammlungen von mehr als drei Personen verbieten. Und nehmen wir an, dass dieses Verbot aufgrund irgendeiner katastrophalen Kombination lokaler Umstände 18 Monate lang in Kraft bliebe.

:arrow: Wie würde Ihre Gemeinde von 120 Mitgliedern dann weiter funktionieren – ohne regelmäßige Gemeindeversammlungen jeder Art und ohne Hauskreise (ausgenommen Gruppen bis drei Personen)?

Was würden Sie als Gemeindehirte tun?
Ich schätze, Sie könnten Ihren Gemeindemitgliedern Briefe und E-Mails schicken, Sie könnten Sie anrufen und vielleicht sogar einen Podcast bereitstellen. Wie aber würde die regelmäßige Arbeit des Lehrens, Predigens und der Seelsorge stattfinden? Wie könnte man die Gemeinde weiter anspornen, in Liebe und in guten Werken auszuharren, besonders unter solch widrigen Umständen? Und was wäre mit dem Evangelisieren? Wie könnte man neue Kontakte knüpfen, das Evangelium weitergeben und Neubekehrte im Glauben festigen? Es gäbe kein Männerfrühstück, keinen Morgenkaffee, keine evangelistischen Kurse oder Evangelisationen. Nichts.

Sie könnten natürlich zu der althergebrachten Praxis der Hausbesuche bei Ihren Gemeindegliedern zurückkehren und in der Umgebung Klinkenputzen gehen, um neue Kontakte zu knüpfen. Wie aber sollten Sie als Gemeindehirte jeden der 120 Erwachsenen in Ihrer Gemeinde besuchen und belehren, geschweige denn deren Kinder? Geschweige denn, in der Wohngegend alle Türen abzuklappern? Geschweige denn, allen Kontakten nachzugehen, die dabei entstanden sind?

Nein; in einer solchen Situation bräuchten Sie Hilfe. Sie müssten mit zehn Ihrer geistlich reifsten Männer anfangen und sich während der ersten beiden Monate mit jeweils zwei von ihnen zu einem intensiven Gespräch treffen (dabei blieben Sie mit allen anderen per Telefon und E-Mail in Kontakt). Sie würden diese zehn Männer darin trainieren, wie man die Bibel studiert und wie sie sich mit einem oder zwei weiteren Gläubigen treffen können, um dasselbe zu tun und sie auch zu Familienandachten anzuleiten. Diese Männer hätten dann eine doppelte Aufgabe: ihrer Frau und Familie als »Pastor« zu dienen, indem sie gemeinsam regelmäßig die Bibel lesen und beten, sowie sich mit vier weiteren Männern zu treffen, um sie zu schulen und zu ermutigen, dasselbe zu tun. Wenn 80 % Ihrer Gemeindeglieder verheiratet sind, würden die meisten verheirateten Erwachsenen durch diese ersten zehn Männer und durch die, die sie nachfolgend trainieren, regelmäßig auf biblischer Grundlage ermutigt.

Währenddessen (und während Ihrer zusätzlichen Telefon-und E-Mail-Seelsorge), könnten Sie die nächste Gruppe aussuchen, die Sie persönlich unterweisen – also Leute, die sich mit Singles treffen könnten, oder die fähig sind, von Haus zu Haus zu evangelisieren, oder Leute, die gut darin sind, neuen Kontakten nachzugehen.

Das wären eine Menge persönlicher Kontakte und eine Menge entsprechender persönlicher Treffen. Aber bedenken Sie: Es würden keine Gottesdienste abgehalten, keine Komitees tagen, keine Gemeinderatssitzung, kein Seminar würde stattfinden, ebenso keine Hauskreise, keine Mitarbeiterbesprechungen – ja, in der Tat überhaupt keine Gruppenaktivitäten oder Veranstaltungen welcher Art auch immer, die organisiert, durchgeführt, wofür die Werbetrommel gerührt oder die besucht werden müssten. Einfach nur persönliches Lehren und Jüngermachen und Ihre Gemeindeglieder trainieren, selbst Jüngermacher zu werden.

:arrow: Da stellt sich die interessante Frage: Wenn das Versammlungsverbot nach 18 Monaten wieder aufgehoben würde und die Sonntagsgottesdienste und alle weiteren Versammlungen und Aktivitäten des Gemeindelebens wieder aufgenommen werden können, was würden Sie dann anders machen?
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Sola Fide
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Re: Was tun, wenn Versammlungen untersagt sind?

Beitragvon Sola Fide » 30.03.2020 20:44

Hallo Joschie,

hm, ich sehe das sehr kritisch. Ich frage mich, ob es eine einzige Gemeinde in Deutschland gibt, die das Versammlungsverbot überhaupt hinterfragt? Warum wird das einfach so hingenommen? Ich verstehe das nicht. Das macht mir große Sorgen.

Das schließt natürlich nicht aus, dass man sich um konstruktive Lösungen bemüht. Aber wo bleibt das kritische Hinterfragen? Darf der Staat einfach machen, was er will?

Viele Christen warnen doch sonst immer gerne, dass man nicht "gesetzlich" sein solle. Aber warum darf der Staat jetzt gesetzlich (!) sein?

Würde mich mal sehr interessieren!

Viele Grüße

Sola Fide

joasch
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Re: Was tun, wenn Versammlungen untersagt sind?

Beitragvon joasch » 27.06.2020 21:48

Hallo Solafide,

mittlerweile sind zwar schon einige Monate ins Land gegangen, aber es ist leider nicht besser geworden. Was die Regierungsmaßnahmen betrifft, nicht die "Pandemie". Immerhin wurden die Versammlungsverbote wieder etwas gelockert; man kann wieder Gottesdienste feiern, aber unter Auflagen, die ich ausgesprochen lächerlich, teils auch schikanös nennen muß. Abendmahl jetzt nur noch per 2 m langem Besenstiel gereicht, oder wie? Man könnte auch ironisch sagen: Je geringer die Fallzahlen, desto strenger die Maßnahmen der Regierung. Viele Regierungen weltweit nutzen die Lage aus, um ihren Völkern per medialem Dauertrommelfeuer eine regelrechte Gehirnwäsche zu verpassen.

Ich will jetzt nicht allzusehr aus dem Nähkästchen plaudern, aber anscheinend bin ich in meiner Gemeinde der einzige "Corona-Skeptiker". Als ich die Problematik ansprach, nachdem uns im März gesagt wurde, daß wir die Räumlichkeiten bis auf weiteres nicht mehr nutzen dürfen (wir treffen uns in städtischen Räumen), war die einzige Reaktion, daß ein Bruder mich ziemlich übel anraunzte.

Ja, ich finde es auch erstaunlich und erschreckend, wie blauäugig und leichtgläubig viele Christen gegenüber der Politik sind! Man könnte "Politiker" und "Journalisten" auch als Synonym zu "notorische Berufslügner" sehen, aber trotzdem wählen die Leute immer wieder dieselben Lügner oder glauben alles, was die Medien absondern.

Wenn es sich wirklich um eine ernsthafte Gefährdung der Allgemeinheit handeln würde wie z.B. die Pest, die zur Reformationszeit wütete, wäre auch ich für strenge Vorsichtsmaßnahmen. Aber... ich wurde schon im März stutzig, als die "prophezeiten" Hunderttausende von Corona-Toten einfach nicht sterben wollten. Allein für Deutschland sagte Prof. Drosten 278.000 Tote voraus; im alten Israel wäre er wohl als falscher Prophet gesteinigt worden... Trotz "Corona-Pandemie" starben dieses Jahr nicht mehr Menschen als sonst während der Grippesaison! 2017/18 starben rund dreimal so viel an der Influenza-Grippe, und keinen interessierte es. Die Pest brachte, wann immer und wo sie ausbrach, rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung um; am Coronavirus sterben nicht einmal ein Prozent der Erkrankten. Etwa zeitgleich stieß ich auf fachkundige Mediziner wie Dr. Wolfgang Wodarg oder Prof. Sucharit Bhakdi und andere, die meine Einschätzung der Lage bestätigten. Und nach und nach kommen immer mehr Ungeheuerlichkeiten ans Licht.

Um es abzukürzen: Die von Presse und Regierung behauptete Gefährdungslage ist objektiv nicht gegeben, die verordneten Einschränkungen unserer Rechte somit nicht verhältnismäßig und damit rechtswidrig. Und da es sich um Grundrechte handelt, sogar verfassungswidrig.

So viel allgemein. Was uns als Christen betrifft, gilt hier der Grundsatz: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. Wir sollen unsere Versammlungen nicht versäumen – auch dann, wenn ein antichristlicher Staat sie verbietet. Ebenso stehen wir in der Pflicht, Witwen und Waisen zu besuchen, uns um Geschwister zu kümmern usw. usf. Das alles wird durch die Kontaktverbote oder -einschränkungen verunmöglicht. Darum müssen wir Wege finden, solche boshaften Menschengebote zu umgehen, um Gott gehorsam zu sein und unseren Nächsten die schuldige Liebe zu erweisen.

Ich möchte jetzt nicht so weit gehen wie manche Christen, die dahinter eine gezielte Verschwörung von langer Hand gegen Christen wittern. Nein, ich denke, wir sind nur der "Beifang", wie man in der Fischerei so sagt. Unsere Politiker sind dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind, aber nachdem sie erst einmal erkannt haben, daß man mit einer solchen Angst- und Panikmache die Leute prima gefügig machen kann, werden sie diesen Ausnahmezustand vermutlich immer wieder verlängern – bis zum Sankt Nimmerleinstag.

O tempora, o mores!

P.S.: Der jetzt von den Medien hochgepuschte "neue Ausbruch" von Corona bei der Großschlachterei Tönnies in Gütersloh läßt sich recht einfach dadurch erklären, daß Rinder standardmäßig gegen das Coronavirus geimpft werden. Besonders bei Kälbern verursacht es oft schweren Durchfall, während wir Menschen es meist problemlos wegstecken (!). Nach einer solchen Impfung wird ein Test immer fündig – sei es, daß er nach Virenbestandteilen sucht (daraus besteht der Impfstoff!), sei es, nach Antikörpern (d.i. das gewünschte Ergebnis einer jeden Impfung).

P.P.S.: Zum Stichwort Schweinegrippe: Wer erinnert sich noch an den Schweinegrippe-Skandal 2009? Und wer war darin maßgeblich verstrickt? Prof. Christian Drosten, Frau Merkels Haus- und Hof-Astrologe, äh, Virologe. Damals wie heute schürte er Panik vor einem relativ harmlosen Virus und empfahl eine teure, aber nutzlose (wenn nicht gar gefährliche) Impfung. Die Regierung verschwendete deshalb hunderte Millionen Euro an Steuergeldern. Aber das ist ein Thema für sich, über das man ganze Bücher schreiben könnte.
Solus Christus - Sola Gratia - Sola Fide - Sola Scriptura - Tota Scriptura

Jose
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Re: Was tun, wenn Versammlungen untersagt sind?

Beitragvon Jose » 27.06.2020 23:38

Die Zeiten sind sehr schwer und für unsere Landesregierungen und der Bundesregierung ist es nicht einfach. Insgesamt bin ich aber sehr dankbar für das bisherige Vorgehen und finde es angemessen, bei allen Schwächen im System und alle Fehler, die auch geschehen.

Wir haben aber, nach über 3 Monaten, die Möglichkeit, Deutschland mit anderen Ländern zu vergleichen und ich persönlich bin der Meinung, dass wir in Deutschland doch recht viel Gnade erlebt haben. Aber das ist auch dem vorsichtigen Vorgehen der Regierung zu verdanken. Durch viel Druck, seitens der Gesellschaft und der Wirtschaft, riskieren wir, vieles wieder zu verlieren.

Ich persönlich lehne unvorsichtige Lockerungen ab und bin besonders dagegen, wenn die Versammlungsverbote als satanisch bezeichnet werden, wie ich in einer Predigt hörte, von einem Prediger, der mir schon vor Jahren als Verschwörungstheoretiker aufgefallen ist. Möchte hier keinen Namen nennen.

Wer von Betroffenen weiß, wer von Beschwerden weiß, auch bei solchen, die als „Genesen“ gelten, kann nicht anders, als die Corona-Pandemie ernst zu nehmen. Es ist für mich auch keine Hysterie, sondern Realismus. Vorsicht ist geboten.

Und zu der Frage, was tun, wenn Versammlungen untersagt sind? Für mich persönlich stellt sich in den letzten Monaten die Frage, wie wichtig ist mir die Gemeinschaft mit Gott, die Beschäftigung mit Seinem Wort, die Treue zum Herrn. Neben der persönlichen Bibelarbeit und der Gemeinschaft mit Gott im Gebet, durch gezielte Online-Gottesdienste und Bibelarbeiten, habe ich viel Segen erfahren.

Zum Schluss: Ich musste in dieser Zeit, der geringen Entbehrungen – was mich anbetrifft -, an die Menschen denken, die nicht nur auf Urlaub und andere Annehmlichkeiten verzichten müssen, sondern vor Krieg und Verfolgung und Hungersnot fliehen müssen. Und ganz besonders an die, die um des Glaubens Willen in Gefängnissen sind oder anderswie unterdrückt werden. Uns geht es doch gut, meine ich.


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