Typisch Jungen - typisch Mädchen

Empfehlungen, Kritik oder Rezensionen von christlichen Büchern und Medien

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H.W.Deppe
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Typisch Jungen - typisch Mädchen

Beitragvon H.W.Deppe » 21.05.2009 23:37

Bei Wolfgang Bühne ist ein neues Büchlein für Jugendliche über Partnerschaft und Sexualität erschienen.
Im Onlineshop steht es (noch) hier:
http://www.cbuch.de/product_info.php/in ... dchen.html

und als PDF hier:
http://www.leseplatz.de/download/pdf/Ty ... edchen.pdf

Mich würde eure Meinung dazu interessieren. Vielleicht war ich in meiner Beurteilung ja zu hart, aber ich war schon recht enttäuscht. Meine Rezension:


Das Buch ist ganz nett gemacht. In unaufdringlicher und unterhaltsamer Weise werden ethische Maßstäbe und Lebensweisen empfohlen, die im Wesentlichen der Bibel entsprechen. Zum Teil frag man sich, ob sündige Erfahrungen so real beschrieben werden sollten oder ob das nicht eher "schlafende Hunde weckt" (z.B. S. 46-47). Das gilt auch für detaillierte anatomische Einzelheiten wie z.B. auf S. 20. Gerade bei unverheirateten Jugendlichen wäre es wohl sinnvoller, delikate Details nur in speziellen Büchern für das jeweilige Geschlecht zu erwähnen. Die Vorgehensweise gegen Selbstbefriedigung kommt mir zumindest unkonventionell vor (Gott dafür danken, dann verginge die Lust, S. 24)

Vom geistlichen Anspruch scheint sich das Buch an nichtchristliche Jugendliche zu richten. Im missionarischen Sinne erwähnt der Autor kurz seine eigene Bekehrung etwas missverständlich ausgedrückt ("dass ich mein Leben ganz bewusst unter die Leitung von Jesus stellte") und spricht auch einmal in Bezug auf den Leser von "deiner Bekehrung zu Jesus". Die Begriffe Sünde und Schuld kommen nur indirekt und beiläufig vor.

Das Evangelium kommt in dem Buch gar nicht vor. Wenn lediglich moralische Werte vermittelt werden sollen, ist das auch nicht zu erwarten. Aber stattdessen ist doch recht enttäuschend, welch humanistisches und verweichlichtes Gottesbild durch Aussagen wie folgenden vermittelt wird:
(Über die Frau am Jakobsbrunnen:) Und sie entdeckte, dass Jesus derjenige war, bei dem sie all das finden konnte. Durch diese Begegnung kam sie ins Gleichgewicht. Die Spannung war gewichen. Und so funktioniert das noch immer. Jesus gibt dir echte Geborgenheit ... (S. 41)
Wenn das Evangelium an sich fehlt, sollte der Herr Jesus auch nicht als Therapeut für unbefriedigte Bedürfnisse dargestellt werden.
(Jesus) zwingt sie (die Menschen) zu nichts. Und er stellt sich auf ihr Auffassungsvermögen ein. Er kommt nicht direkt mit tiefen mystischen Erfahrungen oder beeindruckenden Offenbarungen. Er zwingt niemandem etwas auf. Er wartet auf eine Einladung. (S. 43)
Das ist leider nicht, was die Bibel lehrt, sondern was der humanistische moderne Evangelikalismus lehrt. Jesus wird als nicht souverän, sondern abhängig von uns dargestellt.

Leider wird auch die Bibel von Jesus getrennt:
Aus der Bibel wusste ich zwar schon viel, aber es sagte mir kaum etwas. Es war für mich nicht lebendig. Jesus persönlich kennen zu lernen, ließ mich in eine neue Welt hineingehen (S. 42).
Ich weiß nicht, ob es so gemeint ist, aber es hört sich an wie: Die Bibel ist tot und langweilig [und nicht das lebendige, wirkame und geisterfüllte Wort Gottes, das die Wiedergeburt bewirkt], stattdessen ist es besser, Jesus auf irgendeine andere Art und Weise persönlich [also mystisch? jedenfalls außerbiblisch] zu erleben". Das wäre leider genau die falsche Spur. Bleibt zu hoffen, dass die Leser es nicht so verstehen.
"Der Prophet, der einen Traum hat, erzähle den Traum! Wer aber mein Wort hat, rede mein Wort in Wahrheit! Was hat das Stroh mit dem Korn gemeinsam? spricht der HERR." (Jer 23,28)
Lasst uns bei dem bleiben, was geschrieben steht! Sola Scriptura!

johannesm
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Beitragvon johannesm » 22.05.2009 07:58

Ich habe das Buch nur kurz überflogen. Aber ein biblischer Ansatz ist darin nicht zu finden.

Irgendwie logidch, die Bibel wird so gut wie nie erwähnt und wenn, dann dur als nebensache.

Schade, dass dieses Buch über Wolfgang Bühne erscheint. Eigentlich ein bibeltreuer Verleger.

wir sollten beten, dass dies ein Ausrutscher bleibt.

lutz
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Beitragvon lutz » 22.05.2009 18:12

Also ich habe mir dieses Büchlein auch einmal angeschaut.
Die erste Frage, die ich mir stelle:
Was ist der Zweck eines solchen Büchleins?
Es wird sich hier mit einem ganz bestimmten Problemfeld (Sexualität speziell vor der Ehe) beschäftigt.
Dass eine solche Thematisierung wichtig ist, wird keiner bestreiten angesichts der Ausuferungen, mit denen heute so ziemlich jeder konfrontiert wird.
Ich denke, dass der Leser die Not nachvollziehen kann.

Wichtiger ist dann tatsächlich die Frage:
Wo steckt die "Frohe Botschaft"? Wo ist der Ausweg aus der Misere?
Dabei wird diese eng am Problemfeld zu zeigen sein und somit die Frage nach einer Erfüllung in der Sexualität mit dem Partner, den man wirklich liebt, ein ganzes Leben lang zu beantworten haben.

Die "Frohe Botschaft" ist nicht leicht auszumachen.
An einer Stelle flackert etwas vom Evangelium auf:
S. 40/41: " ... Sie hatte jemanden nötig, der die Verantwortung für ihre Vergangenheit und die Trümmer, die sie verursacht hatte, auf sich nehmen wollte; ... jemanden, der sie bedingungslos liebte. Und sie entdeckte, dass Jesus derjenige war, bei dem sie all das finden konnte ..."
Dass der Mensch Vergebung braucht, die ihm von einem anderen verschafft werden muss, ist durchaus zu sehen.

Es wird auch richtig erkannt, dass es nicht nur um Vergebung geht, sondern auch um eine Entsprechung in den Anforderungen.
S. 42: "Aber gehe hin und sündige nicht mehr!"
In diesem Punkt aber komme ich dahin anzunehmen, dass in dem Buch die Illusion vertreten wird, dass der Mensch nach dem "geistlichen Neustart" dies selbst erbringen muss (mit der Hilfe Gottes zwar).
Wie sieht nun dieser Weg aus?
Er umfasst Wissenserwerb über die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Es geht um das Schaffen hilfreicher Voraussetzungen und das Anwenden guter Tipps.
"Du kannst sehr wohl selbst bestimmen, wohin du schaust und worüber du nachdenkst und fantasierst." (S. 14)
"Wenn du vor der Ehe nicht gelernt hast, dein körperliches Verlangen zu beherrschen und deinem Willen unterzuordnen ..." (S. 20)
"Aber sobald du irgendwo bewusst hinschaust oder hinhörst, hast du dich dafür entschieden." (S. 26)
Es sind Ratschläge wie: die Leidenschaft nicht aufwecken, vorsichtig sein mit Alkohol und Aktivitäten mit körperlichem Kontak (Tanzen) - S. 37.

Eigentlich dachte ich noch auf Seite 19, dass hier sehr gut der Dressurakt des Ungläubigen am Beispiel des Hundes dargestellt wird und nun der Unterschied zum Gläubigen folgt - aber ich befürchte, dass dem nicht so ist. Das Glaubensleben wird dieser "Dressur" von Seite 19 ähneln und die Motivation ist Angst vor Strafe oder sonstige Risiken, die man eingeht bei keiner Veränderung.
Und dabei klingt doch am Ende etwas von dem an, was eigentlich ausgebaut und vertieft werden müsste: "So wie Jesus mit seinen Freunden umgeht, sollen auch ...." (S. 42)
Um zu einer erfüllten Ehebeziehung zu gelangen, ist doch ein intensives Studium der Beziehung Christus und die Gemeinde notwendig.
Die Tipps hingegen, die ich hier lese - sind gelinde gesagt naiv.
Wie soll man denn so leben? Wer kann mit einer Augenbinde laufen? Welches Kind kann das Fernsehprogramm der Familie bestimmen? Welches Kind bestimmt die Lehrinhalte (Tanzkurse inbegriffen) der Schule?
Hier wird die tatsächliche Not der Kinder weit unterschätzt, ebenso die Versklavung unter die Sünde. Der bösen Lust ist nicht mit einer Willensentscheidung beizukommen. Die Weltflucht als Alternative?
Auch ist eine "Lebensentscheidung für Jesus", eine "Gotteserfahrung" kein Garant für ein an Sünden ärmeres Leben.
Sicherlich sind es nicht die "Erfolgschristen", die damit Probleme haben werden, sondern eben die "Versager". Welche Optionen hat ein "Versager"? Sich immer und immer wieder "für Jesus entscheiden"?, Noch besser glauben?, Noch detaillierte Sünden bekennen? ...
Von der Gnade Gottes lese ich explizit gar nichts. Dass es trotz Fehlentscheidungen Beziehungen gibt, die nicht zerbrechen wird als "Glückstreffer" (S. 35) bezeichnet und es gäbe noch eine Reihe weiterer Themen (Menschenbild ...).

Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass der Autor tatsächlich aus dem Fundus seiner Erfahrungen heraus Ableitungen trifft und auch bei Anderen auf Zustimmung in diesen Erfahrungen stößt, aber es ist und bleibt doch so:
Gottes Wort erklärt mir meine Erfahrungen und nicht umgekehrt.
Dieses Büchlein mag ein Anlass für ein Gespräch geben, aber die Problemlösung erinnert mich eher an:
"Denn weil sie die Gottesgerechtigkeit verkannt haben und dagegen beflissen sind, ihre eigene Gerechtigkeit zur Geltung zu bringen, haben sie sich der Gottesgerechtigkeit nicht unterworfen." (Röm. 10, 3)

Lutz

PvE
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Beitragvon PvE » 20.06.2009 22:43

Vermutlich das alte Problem des "gut gemeint"... $:|

Man will nicht mit Fackel und Mistgabel daherkommen, sondern auf die Zielgruppe "eingehen". Das ist ja grundsätzlich erstmal nicht verkehrt, solange man die geistlichen Dinge beim Namen nennt und sie lediglich verständlich rüberbringt.

Das scheint mir hier aber nicht der Fall zu sein, auch verstehe ich nicht ganz, an wen sich das Buch eigentlich richtet (Christen/Nichtchristen).


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