Luther-Predigten, Zitate und Sprüche

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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Jörg
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Luther-Predigten, Zitate und Sprüche

Beitragvon Jörg » 02.01.2011 08:39

Am Sonntag nach Weihnachten.

Lukas 15


1. Dieses ist ein sehr schönes Evangelium, in welchen wir sehen, was der richtige Weg, der gewisse Weg zum ewigen Leben ist. Es scheint aber, daß man dieses Evangelium auf diesen heiligen Tag der Dreieinigkeit billigt, daß so fein der Unterschied der Personen angezeigt ist, in dem höchsten und größten Werk das Gott mit uns armen Menschen handelt, daß er uns von Sünden frei, die recht und selig macht. Denn hier steht vom Vater, daß er die Welt geliebt und ihr seinen eingeborenen Sohn geschenkt hat. Das sind die zwei unterschiedlichen Personen, Vater und Sohn, eine jegliche mit ihren besonderen Werk. Der Vater liebt die Welt und schenkt ihr den Sohn; der Sohn läßt sich der Welt schenken, und, wie Christus hier sagt, läßt er sich wie die Schlange in der Wüste am Kreuz erhöhen, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Zu solchem Werk kommt danach die dritte Person, der heilige Geist, welcher durch das Wasser der seligen Taufe den Glauben im Herzen anzündet, wohl uns also eine Wiedergeburt zum Reiche Gottes schenkt.

2. Dieses ist eine sehr tröstliche Predigt, die uns ein fröhliches Herz gegen Gott machen; darin wir sehen, daß alle drei Personen, die ganze Gottheit, sich dahin wendet und damit umgeht, daß den armen, elenden Menschen wider die Sünde, dem Tod und Teufel zur Gerechtigkeit, ewigem Leben und dem Reich Gottes geholfen werde. Wie können wir denn vor Gott unserer Sünden wegen uns fürchten? Wie können wir ein böses Herz zudem haben? Wenn er uns unserer Sünde willen verdammen wollte, wie wir immer wieder uns sorgen, besonders wenn das Stündlein kommt: so würde der Vater seinen eingeborenen Sohn nicht gegeben haben, Vater und Sohn würden uns nicht zum Bad der Wiedergeburt und unter das Heiligen Geistes Flügel gefördert haben. Also ist dieser Artikel von der Dreieinigkeit auf das schönste und freundlichste hier angezeigt. Aber davon ist in der nächsten Predigt noch genug gehandelt, wollen deswegen jetzt das Evangelium von Stück zu Stück vor uns nehmen, in welchem wir hören, wie der Herr mit Nikodemus, dem Schriftgelehrten, eine lange Diskussion hat, in welcher der alte gute Mann sich ganz und gar nicht zurecht finden dann. Wir müssen zu erst erkennen, was dem Nikodemus gehindert hat, daß er gar nicht weiß, was der Herr redet und haben will.

3. Eine gute Sache ist es, daß Nikodemus dem Herrn nach geht, und weil er öffentlich nicht darf, geschieht dieses zur Nacht. So sehen wir an seinen Worten auch, daß er es mit dem Herrn Jesus Christus nicht übel meint, sondern sehr viel von ihm hält, ihn hält für einen besonderen Prediger, welchen Gott in die Welt gesendet und seine Lehre mit herrlichen Wunderwerken bestätigt. Solche Worte redet er nicht aus einem falschen Herzen, wie die Pharisäer, Matthäus 22,16: " Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht du. " Nein, wie es Nikodemus redet, so meint er es auch in seinem Herzen, daß unser lieber Herr Jesus Christus muß ein besonderer und teurer Lehrer sein, weil Gott mit so trefflichen Wunderzeichen seine Lehre bestätigt.

4. Dieser Gedanke gefällt unseren Heiland wohl. Darum, weil Nikodemus ihn viel den höchsten Lehrer rühmt: also will er ihnen jetzt dafür die höchste Predigt halten, vor dem höchsten und größten Werk, wo man von predigen kann, nämlich, wie man das Reich Gottes sehen könne, das ist, wie man könne von Sünden los werden, zu Gottes Reich kommen und das ewige Leben erlangen. Denn dieses ist die Predigt, welcher allein der Sohn Gottes vom Himmel zu uns auf Erden gebracht hat, wie Johannes sagte: " der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hatten es verkündigt ".

5. Das ist wahr, daß alle Welt je und je sich damit bekümmert, und sich besonderer weisen und Wege gemacht und ausgedacht hat, selig zu werden. Denn Nikodemus selbst kommt mit den Gedanken, er wisse, Gott Lob! Auch ohne Cristum, wie er solle und könne selig werden. Meint, weil er ein Jude ist und das Gesetz hat, habe er den Vorteil, der könne wissen, was er tun soll, wenn er Gott zu gefallen leben und den besten Gehorsam erzeigen. An diesem meint er, hat der genug, denkt nicht, daß es eine ganz anderer Meinung hat, wie er jetzt von Christus hören wird. Wie wir auch an den Katholiken sehen. Wenn ein Mönch es soweit bringt, daß er seinem Orden oder Kloster genug bringt, so denkt er, er säße schon bei Gott im Schoß, wie der Pharisäer in Lukas 18. Kapitel, der sein Fasten, Zehnten geben und andere gute Werke rühmt. In der Summe, die Menschenherzen sind so gestaltet. Wenn sie sich fürchten und entsetzen, wenn sie ihre Sünde fühlen: also trauen und hoffen sie, sie sind mit Gott wohl dran, wenn sie äußerlich fromm, und keine bösen Taten haben, wo durch ihr Gewissen erschreckt und zaghaft wird. Darum nimmt sich einer dies, jener ein anderes vor, jeder wie es ihn am besten gefällt, womit er meint vor Gott bestehen zu können. Der Jude hat seinen Mose, ein Mönch sein Kloster. Wir sind alle in dem Wahn, wenn wir die Zehn Gebote halten, so hätten wir keine Not vor Gott. So denkt Nikodemus auch. Aber weil er Christus für einen hohen, besonderen Prediger hält, will Christus sich also gegen ihn beweisen und gibt ihm diesen Unterricht: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, daß jemand von neuem geboren werden, kann er das Reich Gottes nicht sehen.

6. Nun, hier steht der Handel mit klaren, runden Worten, und Christus läßt sich hier hören als ein besonderer Lehrer; denn so etwas hat Nikodemus zuvor nicht gehört, darum versteht er es auch nicht. Dieses aber versteht er wohl, daß er noch nicht wiedergeborenen ist. Wie er aber zur Wiedergeburt kommen soll, davon weiß er nichts.

7. Da denke nun du auch drüber nach, was doch unser Heiland mit diesem Spruch will. Denn so man das Reich Gottes nicht sehen kann, man sei erst wieder geboren: daraus folgt ja, daß wir, geboren sind, mit Vernunft, freien Willen, mit dem Gesetz und allen guten Übungen, welche beides die Vernunft und der Wille kann erfüllen, müssen verdammt sein; dieses alles hilft nicht zum Reiche Gottes. Was ist aber das für ein jämmerlicher Handel, daß man die Leute von dieser Wiedergeburt nichts lehrt, sondern zeigt ihnen bloß, wie der Papst tut, auf eigene Werke, daß sie dadurch selig werden sollen? Wie reimt sich diese Lehre mit Christus hier? Sie sprechen: gute Werke machen selig. Christus spricht: bist du nicht wieder geboren, so wirst du nicht selig.

8. Nun ist es aber wahr und kann man nicht leugnen, daß ein Mensch selbst und aus eigenen Kräften, wie man an den Heiden sieht, die sich zur Zucht, Ehrbarkeit und Tugend gewöhnen. Wie man sieht, daß nicht alle Menschen Mörder, Ehebrecher, Hurer, Diebe, Weinsäufer, Müßiggänger sind, sondern viel frommer, ehrbare Leute vor der Welt sind. Solches sind alles herrliche, schöne Tugenden und Werke, da zu man auch jedermann anhalten soll; denn Gott fordert dieses in den zehn Geboten. Aber das ist beschlossen, es können so viel gute Tugenden und gute Werke sein wie sie wollen, ist die Wiedergeburt nicht da, so gehört alles an Tugenden und Werken zum Teufel und in die Hölle. In den Himmel und in das Reich Gottes geht es dadurch nicht. Dieses sagt Christus selbst und es soll niemand daran zweifeln.

9. Die Vernunft aber ist gefangen, die Vernunft redet, Stehlen, Morden, Ehebrechen mißfällt Gott und er straft es, da muß man ja denken, daß, wenn man diese Sünden meidet es Gott wohl gefällt und er es belohnt, sonst spricht die Vernunft, müßte Gott ungerecht sein. Nun ist es wahr, es gefällt Gott wohl, solche und andere Sünde zu meiden und Gutes zu tun, dieses will er auch nicht unbelohnt lassen. Aber das Himmelreich sehen, da gehört etwas anderes und größeres zu, nämlich, daß man, wie hier steht, anders geboren werde. Darum ist Gott dem Pharisäer in Lukas 18., nicht darum Feind, daß er kein Räuber, kein Ehebrecher noch Ungerechter ist, wie andere Leute, daß der fastet und den zehnten gibt, solches läßt sich Gott wohl gefallen, wo nicht die schändliche Untugend daran hinge, daß er meinte, er würde dadurch in den Himmel kommen, meint auch er wäre viel besser als andere Sünder.

10. Darum ist es hier beschlossen: Vernunft ist ein edel, köstliches Ding, der Willen zum guten ist auch sehr edel und ein köstliches Ding, daß Gesetz und die Zehn Gebote, ein feiner, ehrbarer Wandel sind alles herrliche, große gaben, wofür man Gott danken soll: aber wenn man vom Reich Gottes sagt, wie man dazu kommen soll, da hilft weder Vernunft, Wille, Gesetz, oder andere gute Werke zu; allein das macht es, daß man von neuem geboren wird; anders kann man das Reich Gottes nicht sehen, sondern man muß mit Vernunft, freien Willen, Gesetz und zehn Geboten verdammt sein und bleiben.

11. Ja, sprichst du, so will ich besser gar nichts Gutes tun? Nein, das taugt auch nicht, und wird dir mit dieser Weise das Gericht Gottes nur noch schwerer werden. Darum tue beides, übe dich, die Zehn Gebote zu halten, und bekenne doch mit rechtem Ernst daneben, daß du ein armer Sünder bist, der wegen seines Tuns wegen ewig müßte verdammt sein. Danach wäre uns am Heiland Christo weiter zu, wie er wiederum tröstet, nachdem er, unserer ersten Geburt wegen, uns die Seligkeit so einfach abgesagt hat.

12. Nikodemus fühlt das harte Urteil sehr wohl, er denkt sich, was doch die Wiedergeburt sei, und merkt, daß er in leiblicher Weise nicht noch einmal wieder geboren werden kann von Vater und Mutter, fragt deshalb, wie so etwas zu gehen soll? Denn daraus kann ja nichts werden, spricht er, daß ich noch einmal in meiner Mutter Leib kriechen und auf ein neues sollte geboren werden. Mit solcher Frage bringt er unseren Heiland dahin, daß er lehrt, wie die Wiedergeburt zugehen muß, und spricht:

Wahrlich, wahrlich, die sage dir, es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist.

13. Hier spricht unser Heiland ein Urteil gegen die erste Geburt, daß diese fleischlich und voller Sünden ist, und zum Reich Gottes nicht gehört. Als wollte er sagen: du fragt, ob du von deiner Mutter anders geboren werden müßtest. Wenn du tausendmal anders von deiner Mutter geboren würdest, so wärest du und bliebest der alte Nikodemus. Von Fleisch denn nichts denn Fleisch geboren werden. Darum gehört zu dieser Wiedergeburt nicht Vater und Mutter, wie beide Fleisch und voll Sünden sind; sondern es gehört dazu Wasser und Geist. Wer also wieder geboren ist, der ist ein neuer Mensch und wird in das Reich Gottes kommen.

14. Dieses werde ohne Zweifel den Nikodemus ein sehr lächerlicher Handel gewesen sein, er wird gedacht haben: nun, soll es meint Vernunft und Wille, und auch das Gesetz und Mosel nicht können, und das Wasser vermag es: was ist dies für eine Meinung? Hier wird der gute Mann so irre, daß er nicht weiß, was er sagen soll, wohl muß frei bekennen, daß er kein Mord versteht, obwohl er Mose und die Zehn Gebote sehr gut versteht, deswegen meint er auch er sei ein großer Lehrer.

15. Laßt uns nun die Worte fleißig merken und den Handel gut zusammen fassen. Beschlossen ist es, gute Werke sollen wir tun, und uns im Gehorsam des Gesetzes üben; aber dadurch sehen wir das Reich Gottes nicht. Wollen wir es aber sehen, so müssen nicht unsere Werke, sondern es muß ein anderer und neuer Mensch werden. Dieses geschieht nicht durch die leibliche Geburt, sondern durch Wasser und Geist; dieses sind die rechten Vater und Mutter zu dieser neuen Frucht

16. Das Wasser nun ist anderes nichts, als die heilige Taufe. Denn also spricht Christus, Markus im 16. Kapitel, Vers 16: " wer glaubt rund getauft wird, der wird selig ". Nun aber hat das Wasser solche reine Kraft nicht von Natur aus. Denn Wasser ist Wasser, das ist, ein Element und Kreatur, die für sich selbst das Herz nicht rühren rund nicht ändern kann, oder die Sünden ab waschen kann. Kleider, und was Unflath an der Haut ist, kann man mit Wasser reinigen und säubern; aber die Seele läßt sich durch Wasser nicht rühren noch reinigen. Das Wasser aber, wovon der Herr hier spricht und wir dazu Taufwasser sagen, ist nicht ein bloßes, natürlich es Wasser; sondern es ist ein Wasser, da Gottes Worte, Befehl und Verheißung drin ist. Da kommen zwei Dinge zusammen, Wasser und Wort, rund werden so ineinander gefügt, daß man keines vom anderen Abschneiden kann. Tust du das Wort vom Wasser, so hast du keine Taufe; tust du das Wasser vom Wort, so hast du auch keine Taufe. Wenn aber Wasser und Worte zusammen bleiben, da ist dann ein solches Wasser, in welchem der heilige Geist ist, und durch dasselbe wirst du zum Reich Gottes wieder geboren, das ist, dir deine Sünde vergeben und dich selig machen will.

17. Darum sollen wir diesen Spruch fleißig merken, hauptsächlich gegen das blinde Volk der Wiedertäufer, welche die Kindertaufe für untüchtig und unfruchtbar achten. Aber wie kann diese Taufe untüchtig sein, so du hier hörst, daß Christus das Wasser dazu auch wird, daß es zur Wiedergeburt durch die Mitwirkung des heiligen Geistes helfen soll? So nun die Kinder bedürfen, daß sie wieder geboren werden, und sonst das Reich Gottes nicht sehen können: warum wollte man doch ihnen die Taufe verweigern? Oder es dafür halten, als sollte solches Wasser, so in Gottes Worte gefaßt und mit Gottes Wort verbunden ist, ihnen zur Wiedergeburt nicht hilfreich sein? Ist es nicht wahr, daß die Worte Christie uns dahin dringen, wer wieder geboren werden will, der muß durch das Wasser wieder geboren werden? Also, obwohl das Wasser ohne den heiligen Geist nichts schafft, so will dennoch der heilige Geist seine Wirkung ohne daß Wasser in uns nicht haben.

18. Deswegen ist es ein schrecklicher großer Irrtum, daß an etlichen Orten etliche Prediger die Kinder ohne Wasser gekauft haben. Denn soll die Taufe richtig sein und der Mensch zur Wiedergeburt kommen, so muß nicht allein Wort, nicht allein Geist, sondern auch Wasser dabei sein. Denn so hat es Christus hier geordnet, und dieser Ordnung soll niemand brechen.

19. Das Wassertaufen sieht man mit den Augen, aber die Wirkung der Wiedergeburt, welche der heilige Geist durch solches taufen dem Herzen anrichtet, sieht man nicht. Auf das man aber um solcher heimlicher, unsichtbarer Wirkung Willen des heiligen Geistes das äußerliche, schlechte, unansehnliche Wassertaufen nicht verachte, darum spricht der Herr zu Nikodemus weiter:

Laß dichs nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: ihr müßt von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein sausen wohl; aber du weißt nicht, von wo er kommt, und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.

20. Dieses sind sehr einfältige Worte, wie auch das Werk einfältig und schlecht ist. Denn es hat kein besonderes Ansehen bei unserer Vernunft. Daß man ein Kind, oder einen alten Menschen herbringt, und bekennt, es liege wegen der Sünden unter des Teufels Banden, und kann sich selbst davon nicht freimachen, und soll doch in solcher hoher, großer Not mehr nicht tun, denn das man im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes ein wenig ins Wasser tauche oder mit Wasser begieße. Aber, spricht Christus, verachte Jahr niemand um solches schlechten Aussehens willen dieses Werk. Denn der heilige Geist führt sein Werk heimlich; da gehört der Glaube zu, der die Worte faßt, und nicht daran zweifelt, es sei also, wie die Worte hier lauten. Denn mit den Augen wirst du es nie sehen, verstehen noch fassen können. Eben wie es mit dem Wind auch ist: den Wind hörst du sausen; aber das durch ihn so solltest fassen, daß du sagen könntest: hier fängt er an, da hörte auf, das ist nicht möglich. Also geht es hier auch zu. Das äußerliche Werk mit dem Wasser sieht man, und hört das Worte klingen oder sausen, daß es geschehe in Namen Jesu, zur Abwaschung der Sünden. Wer an das Wort sich nicht halten, und den Geist und seine Wirkung anders fassen oder suchen will, der wird fehlen. Denn soll er aus dem Geist geboren werden, so gehört mehr nicht dazu, denn das wer sich taufen läßt mit Wasser, und auf das sausen (das ist, auf das Wort) merke auf dasselbe und mit Glauben annehme; so wird er zu dem Reich Gottes wieder geboren, und durch nichts anderes.

21. Wo sind nun die läßterlichen Rotten und Schwärmer, die mehr nicht können, denn vom Geist schreien und rühmen? Aber der ist der böse Geist, der Teufel selbst, der sie leibhaftig besessen hat, weil sie Taufe, Sakrament, Wort, die uns Christus selbst teuer erworben hat, als unnötige, unnütze Dinge zur Seligkeit, verworfen haben. Gott Strafe den Lästergeist. (Rotten und Schwärmer sind die Wiedertäufer) Also lehrt aber Christus hier nicht, sondern weißt uns auf die heilige Taufe und sausen, das ist, auf das Wort; und warnt, wo wir uns am Wasser und sausen nicht genügen lassen können so werden wir nichts vom heiligen Geist behalten und nie zu einer neuen Geburt kommen. Deswegen laßt uns unsere Taufe und das Wort als unseren höchsten Schatz befohlen sein, da wir gewiß wissen, wenn wir dabei bleiben, daß wir zum Reich Gottes wieder geboren sind.

22. Das ist nun die Lehre, wie man zur Wiedergeburt, das ist, zum Reich Gottes, kommen soll; eine neue, unerhörte Predigt in der Welt, aber die allein gewiß und richtig ist, und uns nicht belügt. Dagegen sind aber alle anderen Lehren falsch und belügen uns, sie haben vor der Welt einen großen Schein. Es hatte auch das Leben der Pharisäer und das Judentum, sowie das ganze Papsttum mit den Mönchen, dieses ist auch ein besonderer Schmuck und großer Schein, wenn Menschen sich fein züchtig, ehrbar und nach den zehn Geboten halten: aber durch dieses alles wird man nicht wieder geboren. Allein das Wasser und der Geist muß es tun, welcher doch sich nicht anders sehen oder merken lassen will, denn wie der Wind durch sein Sausen. Wer das Sausen annimmt, das ist, wer dem Wort glaubt und getauft wird, der ist wieder geboren und wird selig.

23. Aber Nikodemus steckt so tief in seinen Gedanken vom Gesetz und von guten Werken, daß er diese Predigt nicht fassen und verstehen kann. Wie wir ja bei den Katholiken auch sehen, die es richtig meinen und auch nicht böse sind, aber das liegt ihnen im Wege, daß sie denken, soll unser Tun denn nichts sein? Soll es den Gott nicht gefallen, daß wir so viel beten, fasten, Tag und Nacht ihm dienen, so ein strenges Leben führen? Darum fährt Christus den Nikodemus auch härter an, Walter unseren Heiland nicht Glauben und auch nicht weisen lassen will, so spricht er:.

Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht?

24. Als wollte er sagen: du bist ein Meister im Volk Gottes, daß du Lehren und ihm den Weg zur Seligkeit zeigen sollst. Ach deines lehrens und Wegweisens! Du bist nicht einmal so weit gekommen, daß du deine eigene Natur und dein eigenes Wesen gerecht erkennen kannst, dazu noch in den Gedanken stehst, du würdest denn den Himmel kommen, auch wenn du nicht von neuen geboren bist. Damit verwirft unser Heiland den Nikodemus und alle Prediger, die nicht mehr als von Gesetz und guten Werken predigen können, als irrige und verführerische Prediger: nicht darum, als sollte es nicht richtig sein Gute Werke zur Lehren und die Leute dazu vermahnen; denn dieses tut Gott selbst durch sein Gesetz, darum ist es recht gut getan, aber das ist Unrecht, daß man die Leute bei dieser Lehre läßt, als wenn man nicht mehr zum ewigen Leben braucht. Denn hier steht es klar, wenn man Gesetz und Werke aufs beste befolgt, so können Sie doch zum Reich Gottes nicht helfen, das sei denn, daß man wieder geboren wird durch Wasser und Geist.

25. Der Geist nun ist es, der durch das Wasser und Wort anderen Menschen und neue Herzen macht. Das Gesetz und die Werke ändern an den Menschen und an den Herzen nichts. Deswegen, wer die Leute zum Himmelreich richtig unterweisen will, der höre was der Heiland hier sagt, fange es nicht mit Werken und Gesetz an, welche das alte Herz nicht ändern, sondern weise die Menschen zur Taufe und Geist, das ist, zum Wort, dadurch der heilige Geist die Herzen anweht und neu gebiert. Denn eben wie wir von dem Winde mehr nicht erkennen und wissen, als das Sausen: also haben wir vom heiligen Geist auch nicht mehr denn als das Wort; da mögen wir uns dran halten, und des heiligen Geistes und seiner Wirkung warten. Was nun solches Wort sei, und wieder heilige Geist sause, lehrt der Herr Christus weiter, und spricht:

Niemand fährt in den Himmel, denn der vom Himmel herunter gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist.

26. Hier geht die Predigt an, da der Herr von sagt: " glaubt Ihr mir nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie werdet Ihr mir glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde "? Denn diese Predigt ist nie binnen eines Menschen Herz gekommen, sondern der eingeborene Sohn, in der in des Vaters Schoß ist, hat es uns verkündigt. Nun hat solche Predigt zwei Teile. Der erste Teil ist sehr hart und trefflich; denn da ist kurz beschlossen: ". Niemand fährt in den Himmel, denn der hernieder gekommen ist ".

27. Das ist genauso als wenn gesagt ist, wie oben: ". Es sei denn, daß jemand wieder geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen ".; das ist, kein Mensch kann zur Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Seligkeit und ewigem Leben kommen durch das Gesetz, Gute Werke, Vernunft noch freien Willen; ja wenn gleich das Gesetz, gute Werke, Vernunft rund freier Wille auf das beste ist, hilft es doch nicht, wir sind und bleiben arme, verdammte Sünder, und können in den Himmel nicht kommen. Dieses ist ein heller und klarer Spruch, der den Juden und Katholiken, wo sie es glaubten, alles Vertrauen auf eigene Werke und Frömmigkeit nehmen sollte. Denn, sage mir, welcher Mensch ist vom Himmel gekommen? Keiner, Adam und Eva selbst nicht; der eingeborene Sohn Gottes von der Jungfrau Maria ist es, wie Johannes hier sagt. So denn nun niemand in den Himmel fahren soll, denn der vom Himmel heruntergekommen ist, so ist es fest beschlossen, und wird immer mehr kein Mensch es anders machen können. Alle Menschen, wie sie von Vater und Mutter auf diese Welt geboren sind, müssen unten bleiben, und werden in den Himmel so nicht kommen, kommen sie aber in den Himmel nicht, wo werden sie denn bleiben? Auf Erden haben sie auch keine gewisse, beständige Herberge, denn sie müssen sterben. Wenn sie aber nicht in den Himmel kommen, so müssen sie im Tode bleiben. Dieses ist das Urteil, welches Christus über die ganze Welt fällt, niemand ausgenommen, es sei Adam, Eva, Abraham, Mose, David, alle müssen sie hier unten bleiben und können von sich selbst nicht in den Himmel kommen. Denn der allein fährt in den Himmel, der vom Himmel herunter gekommen ist. Wo bleiben denn nun die guten Werke, Verdienst, Gesetz, freier Wille? Alles dieses gehörte in die Hölle, und hilft uns nicht in den Himmel, das ist gewiß.

28. Ja, sprichst du, sollen denn alle Menschen verdammt sein und verloren werden? Ja, ihretwegen ist es unmöglich, daß es könnte anders sein, sie tun und lassen, was sie immer wollen oder können, sie werden doch keinen Weg oder ein Loch in den Himmel machen. Ein einziger Weg aber ist es, den wir nicht machen, sondern der Sohn Gottes. Davon Predigt Christus weiter, und sagt:

wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden. Auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

29. Dieses ist der andere Teil von dieser himmlischen Predigt, und das rechte sausen des heiligen Geistes; und es ist ja so tröstlich, wie der erste Teil schrecklich ist. Denn ein schreckliches Urteil ist es, daß niemand in den Himmel fahren und selig werden soll. Es dient aber solches schreckliches Urteil dazu, daß der Herr damit zeigen will, wie unsere erste Geburt sündhaft ist, und nichts an uns ist, dessen wir des ewigen Lebens wert sind, auf das wir nicht allein sicher, noch hoffärtig werden, sondern in uns schlagen, uns vor Gott demütigen und Gnade begehren. Da geht dann der richtige Trost an, daß, eben wie du vorher gehört hast, kein Mensch in den Himmel kommt: also hörst du hier, daß alle, die da glauben an Jesus Christus, die sollen nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Das ist nun das liebliche Sausen, wo man den heiligen Geist spüren und fassen kann.

30. Denn da müssen beide Predigten in der Christenheit gesprochen werden. Die erste, von der Sünde und unserer verdorbenen Art und Natur, daß wir unseres Werkes, Lebens, tun und Lassens wegen ganz verzagt sein müssen, daß wir merken, so kommen wir nicht in den Himmel. Wo nun die Herzen durch solche Predigt richtig getroffen und erschreckt sind, da muß auch der Trost folgen, wie Jesus Christus, der Sohn Gottes, vom Himmel herunter auf die Erde gekommen, unser Fleisch und Blut an sich genommen, und den Tod unserer Sünde erlitten hat, auf das wir dadurch von den Sünden frei und wieder zum Erbe des ewigen Lebens gebracht werden sollen. Wer diese Predigt annimmt, daß er es fürwahr hält und sich tröstet, der ist genesen, daß ihn Christus nicht hier unten auf Erden und im Tode lassen, sondern will ihn mit sich hinauf in den Himmel führen.

31. Dieses ist die Predigt von himmlischen Dingen, diese will aber auch heute nicht in die Leute, und besonders nicht in den Nikodemus, das ist, wenn die, so mit den Gedanken kommen, wenn man das Gesetz halte, so bedarf man weiter zur Seligkeit nichts mehr. Denn diese sind es, die erstlich nicht wissen, obgleich das Gesetz recht und gut ist, daß es doch uns darum nicht helfen und nützen kann, weil wir von Natur böse sind, und um solcher angeborenen mitgebrachten Bosheit bewegen dem Gesetz nicht genug können tun, ob wir auch gleich dem Schein der äußerliche Werke etwas tun. Zum anderen wissen sie das viel weniger, daß wir durch diesen Menschen, den Sohn Marias, der allein vom Himmel gekommen ist, in den Himmel kommen werden. Hier raus wächst ein anderer sehr großer Schaden, daß sie nicht allein sich auf Werke und eigene Gerechtigkeit verlassen, sondern sie verachten und verfolgen die Gerechtigkeit, die da kommt aus dem Glauben an Jesu Cristum. Wie wir an den Katholiken sehen, die nichts weniger dulden können, ja gegen nichts heftiger streiten, denn daß wir lehren, wir müssen allein durch den Glauben an Jesus Cristum selig werden, mit guten Werken werden wir es nicht ausrichten. Das haben wir nicht erdacht; Christus, unseren Herrn, reden wir das nach, der die Wahrheit selbst ist. Wer diesem nicht glauben will, der lasse es.

32. Im vierten Buch Mose, 21. Kapitel, steht eine solche Geschichte, daß das Volk Israels in der Wüste verdrossen geworden war und gegen Mose gemurrt, und besonders die herrliche Wohltat, daß ihnen Gott in der Wüste ein Himmelsbrot gegebenen hat, verachtet haben. Solche Sünde straft Gott also, daß er giftige Schlangen kommen ließ, die bissen die Israeliten. Von diesem Biß entzündete sich der Leib, und brannte wie das höllische Feuer das sie umfielen und viele davon sterben mußten. Da erkannten sie ihre Sünde, daß sie unrecht getan hatten, und gingen zu Mose, und baten, Mose soll den Herrn bitten, daß er ihnen von der Plage der Schlangen helfen soll. Der Herr befahl Mose, er sollte einen eherne Schlange machen und sie in der Wüste aufrichten, wer dann auf die eherne Schlange sieht, der soll gesund werden und nicht sterben.

33. Diese Geschichte führt der Herr hier ein und zieht sie auf sich, daß er auch also müsse erhöht werden, wie die Schlange. Wer dann das Ansehen, das ist, wie er selbst auslegt, an ihn glauben wird, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

34. Hier laßt uns zum ersten die Ursache des schrecklichen Urteils, daß der Herr vorher zweimal über alle Menschen gefällt hat, da er spricht: niemand fahre in den Himmel, denn des Menschen Sohn, der vom Himmel herunter gekommen ist, also: es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, könne er das Himmelreich nicht sehen. Wo kommt nun dem Menschen dieser Jammer her, daß er nicht so in den Himmel kommen und bleiben kann, so wie er von erster Geburt ist, auf ewig verloren ist? Nirgendwo anders wo her, denn daß die alte Schlange, der Teufel, den ersten Menschen so gebissen und durch die Sünde so vergiftet hat, daß er den Tod am Halse hat, und ist unmöglich, daß er sich selbst eine Arznei geben oder sich selbst helfen könnte. Wie man an den guten sieht, was gebissen war, war des Todes, es gab keine Arznei. Also ist es mit uns allen. Denn der Sünden Sold ist der Tod, und wo Sünde ist, da muß der Tod auch folgen. Weil nun alle Menschen in der ersten Geburt von Vater und Mutter als Sünder geboren werden, müssen sie auch das Urteil tragen und den Tod darum leiden. Wie der Herr dem Adam und Eva mit ausdrücklichen in Worten droht: ". Welchen Tag ihr von diesem Baum essen werdet, sollt ihr des Todes sterben ".

35. Aber da läßt Gott seine Barmherzigkeit leuchten, daß der solche arme, vergiftete und zum Tode verurteilte Menschen nicht verderben will, und eben, wie er dort heißt eine eherne Schlange aufrichten, die den anderen Schlangen gleich aussah, aber daß sie kein Gift hatte und wieder dem Gift helfen sollte, also läßt er seinen Sohn erhöhen am Stamm des Kreuzes, auf das alle, die ihn Ansehen, nicht verloren, sondern vom Tode Heil werden und das ewige Leben haben sollen. Unser Heiland führt am Kreuz auch die Gestalt der giftigen Schlange, aber wer ist kein Gift, sondern nur das bloße Ansehen. Denn Christus, ob er wohl unser Fleisch und Blut angenommen hat, so ist es doch ein Fleisch und Blut ohne Gift und Sünde, ja, es dient dazu, daß uns von den Gift und den Sünden geholfen wird.

36. Dieses ist das richtige sausen des Heiligen Geistes, dadurch Christus die neue Geburt im Herzen anrichtet, daß man glaube, und solche eherne Schlange mit gewisser Zuversicht Ansehen und gesund werde. Aber es wird bei den Juden nicht anders gegangen sein, einige werden es verachtet und gesagt haben, meinst du, daß dieser Anblick helfen wird? Ich glaube, wenn man diese oder einer andere Arznei hätte, was aber soll die eherne Schlange für eine Kraft haben? Oder, so eine Kraft bei ihr wäre, wie soll solche Kraft wirken, wenn man die Schlange anfassen und aufs Maul drücken, aber das nur durch das Ansehen uns soll geholfen werden?

37. So geht es noch heutigen Tages mit der rechten ehernen Schlange, unseren Heiland Jesus Christus. Alle Menschen denken, soll ihnen geholfen werden, so kann es das bloße Ansehen oder der Glaube nicht tun. Wer gute Werke tut und sich nicht versündigt, der müßte bei Gott mehr Vorteile haben. Darum predige man, es hilft doch nicht. Dieser nimmt sich dieses vor, ein anderer etwas anderes, denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Sie wollen einen anderen Weg zu der Gesundheit finden, denn das Ansehen, das ist, den Glauben an Jesu Christus. Aber du lerne:. Beschlossen ist es, der Teufel hat dich durch die Sünde so vergiftet, um das du den ewigen Tod am Halse hast; da kannst du nicht weglaufen, sondern mußt schlecht herhalten. Soll dir aber von solchen Gift und dem Tod geholfen werden, so denke du an keine andere Arznei, denn nur an diesen Anblick, daß du den erhöhten Christus am Kreuz mit rechten Augen an siehst, daß er für dich gestorben, sein Leben geopfert, mit seinem Tode für deine Sünde bezahlt, und dich also mit Gott versöhnt hat. Glaubt du das und bist getauft, so bist du richtig wieder geboren durch den Heiligen Geist zum Reich Gottes, da sollst du nicht dran zweifeln. Denn das hast du oben gehört, daß diese Wiedergeburt so zugeht, daß es auch kein anderes Mittel gibt denn nur das Sausen, das ist, an das Wort muß man sich halten, und Glauben, wie es Christus uns vorsagt, daß es also wahr und Armen sei.

38. Also haben wir auf das einfältigste die Lehre des heutigen Evangeliums: daß wir Menschen von Natur Sünder und des ewigen Todes würdig sind. Aber dadurch sollen wir vom ewigen Tod erlöst werden, wenn wir den Menschen Cristum Jesum am Kreuz Ansehen, daß er für uns da bezahlt, den Tod erwürgt, und uns mit Gott versöhnt und zum ewigen Leben gebracht hat.

39. Diese Lehre ist es, die andere Menschen und ganze neue Herzen macht, daß wir in Sünden, im Tod und anderen Anfechtung sagen können. " Es ist wahr, die alte Schlange, der Teufel, hat mich übel gebissen und schrecklich vergiftet, aber dagegen tröste ich mich, daß ich weiß, wenn auch mein Herr Jesus Christus seiner Menschheit wegen auch das Ansehen hat, er sei voller Gift wie eine andere Schlange, so hat er doch kein Gift an sich, sondern darum hängt, daß er mich von meinem Gift reinigen, und mir helfen will gegen meine Sünden, Tod und Teufel . Deswegen laß nur den Teufel getrost kommen, laß den Teufel mich fressen und mir alles Unglück anlegen, ich will mich an meinen Herrn und Heiland Jesus Christus halten, und mich dessen Trösten, daß er darum erhöht ist, auf das die, die an ihn Glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

40. Wo also dieser Trost gegen das ewige Gift in Herzen ist, da wird auch weiter ein feines, freundliches Leben folgen gegen andere Leute. Wir können so etwas von unseren Herrn Jesus Christus erwarten, daß er uns gegen alles Unglück hilft, so sollen auch wir Hilfe erweisen wo wir können. Denn ein solcher Mensch sieht weit um sich, und ob ihm gleich von anderen Leuten Unrecht geschieht, so läßt er sich doch nicht zum Zorn reizen, sondern erbarmt sich über sie. Denn er sieht, daß solches nirgends anders her kommt, denn von dem Gift, welches wir alles durch den Biß des Teufels empfangen haben, sucht deswegen Mittel, wie er andere auch dahin bringen kann, daß sie zu dieser Arznei kommen und von den schädlichen Gift erlöst werden. Also ist diese Lehre der rechte Brunnen und Quelle, da alle Tugend, alle Trost, alle Freude und Sicherheit her kommt. Gott, der allmächtige, barmherzige Vater, möchte uns um seines lieben Sohnes Christi Willen in dieser Lehre erhalten und daß wir von Tag zu Tag darin wachsen, daß wir ja den Anblick nicht verlieren, und also durch rechten Glauben an Jesus Christus vom ewigen Tode erlöst werden, Armen.
Zuletzt geändert von Jörg am 12.01.2011 05:31, insgesamt 2-mal geändert.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 09.01.2011 07:16

1. Sonntag nach Epiphanias

Lukas 2,41-52

Und seine Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da er 12 Jahr alt war, gingen sie hinauf denn Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußten es nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise und suchten ihn unter den Gefreundeten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. Und es gab sich nach drei Tagen, fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie in sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach:. Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich habe dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen:. Was ist es, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, daß meines Vaters ist? Und sie verstanden daß Wort nicht, daß er mit ihnen redete. Und erging mit ihnen hinab und kamen gen Nazaret und war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

1. Dies ist ein Evangelium, daß uns vorhält ein Beispiel des heiligen Kreuzes, wie es mit denen zugeht, die da Christen sind, und wie sich dieselben darin halten sollen. Denn wer ein Christ sein will, muß sich das überlegen, daß er helfe das Kreuz tragen; denn Gott wird ihn zwischen die Sporen fassen und prüfen, ob er weich werde, denn es wird keiner ohne Leiden zu Christus kommen. Darum ist uns hier dieses Beispiel erzählt, dem wir nachfolgen sollen. Das wollen wir hören.

2. Obwohl die Heilige Maria, die hoch begnadet ist, ohne Zweifel die größte Lust und Freude an ihrem Kind gehabt hat, hat sie doch der Herr also regiert, daß sie nicht das Paradies an ihm gehabt hat, und hat es ihr eben genau so aufgespart als den anderen für das zukünftige Leben. Darum hat sie auch auf Erden viel Unglück, Schmerzen und Herzeleid haben müssen. Dieses war der erste Jammer der ihr widerfuhr, daß sie mußte zu Bethlehem gebären an einem fremden Ort, da sie keinen Raum hatte mit ihrem Kinde, denn im Stall zu liegen. Das andere, daß sie bald danach, nach den sechs Wochen, mußte in ein fremdes Land, nach Ägypten mit dem Kind fliehen; welches alles ein schlechter Trost gewesen ist. Diese Stöße wird sie ohne Zweifel viel mehr gehabt haben, die hier aber nicht alle beschrieben sind.

3. Also ist dies hier auch von diesen eins, da er ihr aber ein Unglück auf den Hals legt, bleibt zurück von ihr im Tempel, und läßt sich so lange suchen und sie findet ihn nicht. Das hat sie so erschreckt und betrübt gemacht, daß sie verzagen wollte, wie sie auch sagt:. " Ich und dein Vater haben dich mit Schmerzen gesucht ". Denn es ist zu denken, daß ihr Herz also gedacht hat:. Siehe, daß Kind ist mein allein, daß weiß ich, das hat mir Gott gegeben, und befohlen, daß ich darauf aufpassen, wie kommt es nun, daß es verloren ist? Es ist nun meine Schuld, daß ich nicht genug Achtung gegeben habe; und vielleicht will Gott nicht, weil ich nicht würdig bin, seine Mutter zu sein, und Gott will es wieder von mir nehmen. Da wird ohne Zweifel ihr Herz erschrocken sein, und voll Schmerz gewesen.

4. Da siehst du, wie es ihr geht, ob sie gleich die Mutter ist und sich des Kindes wohl könnte rühmen vor allen anderen Müttern, also, daß sie eine große Freude wie nie zuvor gehabt hat, doch jetzt siehst du, wie Gott ihr Herz bloß und nackend auszieht, daß sie nicht mehr sagen kann, ich bin seine Mutter; und gemacht, daß sie also einen Schrecken kriegt von dem Kind, daß sie nun gewünscht haben möchte, daß sie ihn nie gesehen noch bekommen hätte, also hätte mögen größere Sünde tun, denn als nie eine andere Mutter getan hat.

5 . Also kann unser Herr Gott handeln, daß er uns unsere Freude und Trost nimmt, wann er will, und uns auch damit am meisten erschrecken, davon wir sonst die größte Freude haben; und wiederum, die größte Freude gibt davon, daß uns am meisten erschreckt. Denn das ist ihre größte Freude gewesen, daß sie des Kindes Mutter geworden war, so hat sie jetzt keinen größeren Schrecken, denn eben davon. Also haben wir auch keinen größeren Schrecken, denn von Sünde und Tod; doch kann uns Gott darin also trösten, daß wir uns wie Paulus rühmen dürfen: Römer 7: daß die Sünde eben dazu gedient habe, daß wir rechtfertigt würden, und das wir auch gern wollten tot sein und begehren zu sterben.

6. Also haben wir nun hier die großen Leiden dieser Mutter Christi, daß sie ihres Kindes beraubt war, dazu, daß ihr auch ihre Zuversicht gegen Gott genommen wird; denn sie mußte fürchten, daß Gott mit ihr zürnte und wollte sie nicht zur Mutter seines Sohnes haben. Es wird aber niemand recht verstehen, wie ihr da zu Mute gewesen ist. Darum sollen wir das Beispiel auch auf uns ziehen; denn es ist nicht um ihret-, sondern um unseretwillen geschrieben. Denn Maria braucht es nicht mehr; darum müssen wir uns danach richten, auf das wir uns, wenn uns auch solches wiederfährt, dazu gerüstet sind.

7. Also, wenn Gott uns einen feinen starken Glauben gegeben, daß wir daher gehen in starker Zuversicht und sicher sind, daß wir einen gnädigen Gott haben, und auch darauf trotzen können, so sind wir im Paradies. Wenn uns aber Gott das Herz entfallen läßt, daß wir meinen, er wolle uns den Herrn Christum aus dem Herzen reißen; also das unser Gewissen fühlt, daß es ihn verloren habe, und dann zappelt und verzagt, daß die Zuversicht untergeht: dann ist Jammer und Not da. Denn ob das Herz auch schon nichts von Sünden weiß, so kann es doch verzagen, daß es denkt:. Wer weiß, ob mich Gott haben will; wie hier die Mutter zweifelt, daß sie nicht weiß, ob er sie noch zur Mutter haben will. Also spricht das Herz auch, wenn es solche Stöße fühlt:. Ja, Gott hat dir wohl bisher einen feinen Glauben gegeben; aber vielleicht will er ihn von dir nehmen und dich nicht weiter haben. Aber solche Anstöße zu halten, gehören starke Geister zu, und sind nicht viel Leute, die Gott so angreift. Wir müssen uns aber dennoch darauf trösten, ob es uns auch so ginge, daß wir dann nicht verzweifeln.

8. Und solche Beispiele haben wir auch mehr in der Schrift; als, da wir lesen von Jusoa Kapitel 7,6.-7. Dem hatte Gott große und starke Verheißungen getan, daß er sollte die Heiden vertilgen, und vermahnt ihn selbst, daß er ja sollte keck sein und frisch gegen die Feinde gehen, wie er auch tat. Was geschah aber? Da er in solchem köstlichen Glauben stand, begab es sich, da er einmal bei 3000 Mann an eine Stadt richtet, daß sie sie gewinnen sollten; die waren auch Stolz weil sie sahen, daß es eine kleine Stadt und wenig Volk darin war. Und da sie nun an die Stadt kamen, brachen die Feinde aus der Stadt heraus und schlugen das Volk weg. Da viel Jusoa nieder auf die Erde auf sein Angesicht und durfte den ganzen Tag nicht zum Himmel sehen, und fing an zu schreien und klagen zu Gott und sprach:. Ach warum hast du uns hierher geführt, daß du uns in die Hände unserer Feinde kommen läßt? Sieh, da lag sein Glaube nieder und wollte verzagen, daß ihn Gott selbst mußte aufrichten. Solches tut Gott mit seinen großen Heiligen, denen nimmt er zuweilen den Christum aus dem Herzen, das ist, ihren Glauben und Zuversicht.

9. Aber das geschieht alles aus überschwenglicher Gnade und Güte, daß wir ja auf allen Seiten spüren sollen, wie freundlich und lieblich der Vater mit uns umgeht und uns bewährt, daß sich unser Glaube übe und je stärker und stärker werde. Und besonders tut er es, die Seinen wieder zweierlei Unglück zu bewahren, die sonst folgen möchten. Zum ersten, wenn sie so starken Geist und trotzig sind, möchten sie zuletzt auf sich selbst fallen, daß sie meinten, sie täten es aus eigenen Kräften. Darum läßt er manchmal ihren Glauben fehlen und niederlegen, daß sie sehen, wer sie sind, und sprechen müssen:. Wenn ich schon wollte Glauben, so kann ich nicht. Also demütigt der allmächtige Gott die Heiligen und hält sie in ihrer Erkenntnis. Denn die Natur und Vernunft will immer auf Gottes Gaben fallen und an denselben hängen. Darum muß er somit uns handeln, daß wir sehen, daß er uns den Glauben ins Herz geben muß und wir ihn nicht selbst machen können. Also soll bei einander stehen, beides Gottesfurcht und seine Zuversicht, daß wir durch beides gehen, auf das der Mensch nicht vermessen und sicher werde, und auf sich falle. Dies ist eine Ursache, warum Gott die Heiligen so hoch versucht.

10. Zum anderen, tut er es uns zu einem Beispiel. Denn wenn wir in der Schrift kein Beispiel hätten von den Heiligen, denen es auch so gegangen wäre, so könnten wir solches nicht tragen, und das Gewissen würde also sagen:. Ich bins allein, der in solchem Leiden steckt und Gott hat nie einen so liegen lassen; darum muß es ein Zeichen sein, daß Gott mich nicht haben will. Weil wir aber sehen, daß es der Jungfrau und anderen Heiligen auch so gegangen ist, so haben wir dennoch einen Trost, daß wir nicht verzagen, und ein Beispiel, daß wir sollen still halten und warten, bis Gott kommt und uns stärkt.

11. Denn von solchem Leiden haben wir mancherlei Beispiele in der Schrift, und daher gehört auch, was der Prophet David sagt im Psalm 31,23:. " Ich habe gesagt, da ich entzückt war:. Ich bin verworfen von deinem Angesicht "; das ist, wenn das Gewissen also sagt: Gott will mich nicht. Diese Leiden sind über allen Maßen schwer; darum schreien die Heiligen darin auch über die Maßen sehr; denn wenn Gott ihnen nicht heraus hülfe, so wären sie in der Hölle. Die anderen Anfechtungen und Leiden sind alles noch Fuchsschwänze dagegen wenn man einem sein Gut und Ehre nimmt und desgleichen: als, da man die unschuldigen Kindlein tötete und Jesus in Ägypten fliehen mußte. Das sagt der Prophet auch an einem anderen Ort, Psalm 94,17. " Hättest du mir, Herr Gott, nicht geholfen, so hätte es nicht um ein Haar gefehlet, daß meine Seele in der Hölle geblieben wäre ". So groß wird der Schrecken und die Angst in diesen Nöten. Darum läßt es nun Gott also gehen, daß wir solche Beispiele fassen und uns damit trösten, auf das wir nicht verzweifeln; denn wenn der Tod kommen wird, so werden solche Anfechtungen an uns fallen. Darum müssen wir uns darauf rüsten.

12. Das ist die Geschichte und Beispiel des hohen Leidens, daß uns in diesem Evangelium gezeigt ist; aber daneben ist wiederum angezeigt, wo man Trost finden soll. Denn seine Eltern verlieren ihn und kommen eine Tagesreise von ihm, suchen ihn unter den Freunden und Bekannten, da ist er nicht; und gehen weiter gen Jerusalem, da finden sie ihn auch nicht; am dritten Tag in dem Tempel, da läßt er sich finden. Da hat uns Gott angezeigt, wo wir Trost und Stärke finden sollen in allerlei Leiden, und besonders in diesem hohen Leiden, daß wir den Herrn Christum finden können, nämlich, daß wir ihn suchen im Tempel. Denn also spricht er zu ihnen:. " Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, daß meines Vaters ist? "

13. Und hier ist zu merken, daß Lukas sagt, daß sie das Wort nicht verstanden haben, welches er mit ihnen redete. Denn damit hat er den unnützen Schwätzern das Maul gestopft, die die Jungfrau Maria gar zu hoch heben und preisen, daß sie alles wohl gewußt und nicht hätten irren müssen. Denn hier siehst du, wie sie der Herr fehlen läßt, daß sie ihn lange sucht und doch nicht findet, bis am dritten Tag im Tempel. Da fährt er sie dazu an und spricht:. " Was ist es, daß ihr mich sucht; wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, was meines Vaters ist? " So versteht sie auch das Wort nicht, daß er zu ihr sagt. Darum sind jenes eitel Lügendinge, und die Jungfrau darf des erdichteten Lobes nicht. Gott hat sie also geführt, daß er ihr viel verborgen hat und in viel Unglück geworfen, auf daß er sie in Demut hielte, daß sie sich nicht ließe besser dünken denn andere.

14. Daß ist aber nun hier der Trost, wie ich gesagt habe, daß sich Christus nicht läßt finden denn allein im Tempel, das ist, in dem, daß Gottes ist. Was ist aber Gottes? Sind es nicht alle Kreaturen? Wahr ist es, daß alles Gottes ist: aber eigentlich ist es die heilige Schrift und sein Wort; denn das andere alles ist uns gegeben. So ist nun Summa Summarum hiervon:. Niemand soll sich unterstehen, einen anderen Trost zu schöpfen oder zu finden denn als in dem Wort Gottes; denn den Sohn wirst du nirgend finden denn als allein im Tempel. Da siehe nun die Mutter an, die versteht solches noch nicht, weiß nicht, daß sie im Tempel suchen soll, und weil sie ihn sucht unter den Bekannten und Freunden und nicht an dem rechten Orte, so fehlet sie.

15. Darum habe ich oft gesagt und sage noch, daß in der Christenheit nichts gepredigt werden soll denn als das lautere Wort Gottes. Dazu stimmt dies Evangelium auch, daß sie den Herrn nicht finden unter den Bekannten und Freunden. Darum gilt es nicht, wenn man sagt, man müsse glauben, was die Konzilien beschlossen haben, oder was Hieronimus, Augustinus oder andere heilige Väter geschrieben haben; sondern man muß einen Ort anzeigen, da man Christum findet, und kein anderen, nämlich, den er selbst anzeigt und sagt:. Er müsse sein in dem, daß seines Vaters ist, das ist, niemand würde ihn finden als allein im Wort Gottes. Darum was die Heiligen Väter lehren, soll man ja nicht so annehmen, daß man mit dem Gewissen darauf vertraue und darin Trost suche. Wenn man nun zu dir sagt:. Ei, soll man nicht den Heiligen Väter glauben? So kannst du antworten: Christus läßt sich nicht finden unter den Bekannten und Freunden. Und wäre es wohl recht, daß wir Christen dieses Beispiel aus dem heutigen Evangelium annehmen, um gleich ein Sprichwort daraus nähmen, daß wir brauchten wieder alle Lehre, die nicht Gottes Wort ist.

16. Daß wir aber dies besser behalten, und klar machen, müssen wir sehen, was man uns anderes gelehrt hat denn Gottes Wort. Bisher haben wir dreierlei Lehre gehabt. Zum ersten, ist das die gröbste, so St. Thomas gelehrt hat; welcher aus der heidnischen Lehre und Kunst kommt, von dem großen Licht der Natur, Aristoteles, geschrieben hat. Davon sagen sie so:. Das sei wie eine hübsche, helle Tafel, und Christi Wort sei wie die Sonne. Und gleich als die Sonne auf eine solche Tafel scheint, daß sie dann schöner leuchtet und scheint: also scheint auch das göttliche Licht auf das Licht der Natur und erleuchtet es. Mit diesem hübschen Gleichnis haben sie die heidnische Lehre auch in die Christenheit gebracht, daß haben die hohen Schulen allein gelehrt und getrieben, aus dieser Lehre hat man Doktoren und Prediger gemacht. Das hat sie der Teufel gelehrt zu reden. Also ist Gottes Wort zu Füßen gelegen; denn wenn das hervor kommt, so stößt es solche Teufelslehren alle zu Pulver.

17. Zum anderen, hat man uns Menschengesetz gelehrt und geboten, die man jetzt Ordnung und Gebot der heiligen christlichen Kirche heißt; dadurch haben die Narren gemeint, die Welt in den Himmel zu führen, und damit haben sie unser Gewissen trösten wollen und darauf gründen. Das hat man also in Schwung gebracht, daß es ist wie eine Sündflut in die ganze Welt gerissen, und ist alle Welt darin ersoffen, daß fast niemand zu retten ist aus der Hölle Grund.. Denn da schreien sie immer ohne Aufhören, als wären sie unsinnig:. Ei, daß haben die heiligen Konzilien beschlossen; das hat die Kirche geboten; das hat man so lange Zeit gehalten, sollen wir denn nicht daran glauben?

18. Darum soll man darauf antworten, wie ich gesagt habe, aus diesem Evangelium:. Wenn es gleich Maria, die heilige Jungfrau, selbst getan hätte, wäre es kein Wunder, daß sie geirrt hätte: die war doch eine Mutter Gottes; noch kommt sie in die Unwissenheit, daß sie nicht weiß, wo sie Christum finden soll, die ihn unter den Freunden und Bekannten sucht und fehlt damit, daß sie ihn nicht findet. Hat sie denn nun gefehlt und Christum nicht mögen finden unter den Freunden, sondern mußte zuletzt in den Tempel kommen: wie wollen wir denn ihn finden außer Gottes Wort in Menschenlehren, und das was die Konzilien beschlossen oder Doktoren gelehrt haben? Die Bischöfe und Konzilien haben ohne Zweifel des heiligen Geistes nicht so viel gehabt, als sie. Hat die Jungfrau Maria gefehlt: wie sollten denn jene nicht irren, weil sie Christum meinen anderswo zu finden, denn in dem, daß seines Vaters ist, das ist, in Gottes Wort?

19. Darum wenn du einen hörst, der an den zweierlei Lehren hängt, und glaubt, daß es recht sei, steht und vertraut darauf, so frage ihn, ob er auch gewiß vertraue, daß er seine Seele damit möge trösten, wenn der Tod kommt, oder Gottes Gericht und Zorn, daß er damit unverzagtem Gewissen dürfte sagen:. Also hat der Papst und die Bischöfe in den Konzilien gesagt und beschlossen, da verlasse ich mich drauf und bin gewiß, daß ich damit nicht fehle. So wird er bald sagen müssen:. Wie kann ich mich dessen gewiß sein? Also, wenn es nun zum Treffen kommt, daß der Tod kommt, wird dein Gewissen sagen:. Es ist wohl wahr, die Konzilien haben es beschlossen, ja, wenn sie aber gefehlt haben, wer weiß, ob es recht sei? Wenn du denn in solchen Zweifel kommts, so kannst du nicht bestehen, da kommt der Teufel, und rückt dich herum, und stürzt dich, daß du danieder liegst.

20. Zum dritten, neben diesen zwei Lehren haben sie uns dennoch auf die heilige Schrift geführt, und gesagt, daß ja vor allen Lehren des Papstes Gesetz, und was er schließt und in den Dingen, so dem Glauben angehören, soll gehalten werden; doch ausgenommen etlicher heiligen Väter Lehre, die die Schrift ausgelegt haben, die haben sie dennoch so groß gemacht, daß sie sollen gleich so viel gelten, als der Papst zu Rom, oder ein wenig mehr; und haben aber daneben gesagt, sie könnten nicht irren, und fallen auch darauf, daß sie schreien:. Ei, wie sollten diese heiligen Väter die Schrift nicht verstanden haben? Aber last die Narren sagen, was sie wollen, und wirf ihnen immer das vor, daß hier Christus spricht:. " wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, daß meines Vaters ist? " Gottes Wort muß man vor allen Dingen haben und allein an dem hangen; denn da will Christus sein und an keinem anderen Ort. Darum ist es vergebens, daß du ihnen anderswo suchst. Denn wie kannst du mich gewiß machen, daß die heiligen Väter das Ding sei, da Christus sein muß?

21. Darum ist dies Evangelium ein harter Stoß wider alle Lehre und allen Trost, und was es sein mag, daß nicht Gottes Wort ist und aus dem Wort fließt. So kannst du nun also sagen:. Ich laß geschehen, hebt die Vernunft und das natürliche Licht so hoch als du willst; doch will ich mir vorbehalten, daß ich mich nicht müsse darauf verlassen. Es haben die Konzilien beschlossen und der Papst oder die heiligen Väter gelehrt, was sie wollen, daß lasse ich stehen, ich will mich aber nicht darauf verlassen. Wollen sie mir das zugeben, so wollen wir bald eins sein, daß ich die Freiheit behalte, daß sie schließen und setzen, was sie nur wollen; ich aber darf sagen:. Gefällt es mir, so halte ichs; aber also will ich es nicht halten, als tät ich etwas Köstliches daran. Aber das werden sie uns nicht zugeben; denn sie haben nicht genug daran, daß man es frei dahin halte, sondern wollen den Zusatz dabei haben, daß man sein Vertrauen und Trost darauf setze, und soll so viel gelten, wenn du darauf traust, als du auf Christum und den Heiligen Geist traust. Diese falschen Wahn und Vertrauen sollen wir nicht leiden, da sie meinen: man tue ein gutes Werk, wenn man es hält; und wiederum, wenn man es nicht hält, sei es Sünde. Denn sie sprechen, was der Papst und Kirche gebietet oder lehrt, das ist der heilige Geist und Gottes Wort, darum soll man es glauben und halten: welches eine öffentliche unverschämte Lüge ist; denn wie können sie solches beweisen?

22. Ja, sprechen sie, die christliche Kirche hat ja den Heiligen Geist, der läßt sie nicht irren noch fehlen. Antwort, wie oben gesagt:. Die Kirche sei wie sie wolle, so hat sie dennoch nicht so viel Geist gehabt als Maria; und obwohl er sie regiert hat, läßt er sie dennoch auch irren uns zum Beispiel. Wenn die Kirche ungewiß ist, was soll mich gewiß machen? Wo sollen wir denn hin? In den Tempel müssen wir auch kommen, das ist, wir müssen das Wort Gottes fassen, das ist mir gewiß und fehlt nicht, da finde ich Christum gewiß. Darum, wo das Wort ist, da muß ich auch bleiben, wenn ich daran hänge. Wie das Wort mitten in den Tod geht, und durchdringt und lebendig bleibt; so muß ich auch durch den Tod dringen und ins Leben kommen, daß mich nichts aufhalten noch umstoßen kann, weder Sünde, noch Tod, noch Teufel. Den Trost und solchen Trotz, den ich aus Gottes Wort habe, kann mir keine andere Lehre geben; darum ist es mit keinem anderen Weg zu vergleichen.

23. Darum ist es Not, daß man solches wohl fasse und setze weder das Vertrauen auf Menschenlehre und der heiligen Väter. Denn Gott hat solches auch in vielen anderen Beispielen angezeigt, daß man sehe, wie gar nicht auf Menschen zu bauen und zu trauen ist; weil besonders auch die Heiligen fehlen können; als, da wir lesen Apostelgeschichte 15,5 ff., daß kurz nach der Himmelfahrt Christi, ungefähr 18 Jahre später, die Apostel zusammen kamen, und der vornehmste Haufe derer, die da Christen waren da erhob sich eine Frage:. Ob man die Heiden müßte zwingen, daß sie sich beschneiden ließen? Und traten auf die obersten aus der Pharisäer Sekte und Gelehrte, die da gläubig geworden waren, und sprachen: man müßte sie beschneiden und gebieten zu halten das Gesetz Mose, und erhob sich darüber ein Streit, daß der ganze Haufe diesen zufallen wollte. Da trat allein Petrus, Paulus, Barnabas und Jakobus auf und traten dem entgegen, und besonders Petrus stand auf und schloß also: Gott hat den Heiden, die aus meinem Mund gehört haben das Evangelium, den Heiligen Geist gegeben, ebensowohl als uns, und hat keinen Unterschied zwischen ihnen und uns gemacht, sondern reinigte ihre Herzen durch den Glauben. Haben sie denn den Heiligen Geist bekommen und sind nie beschnitten gewesen: was wollt ihr sie denn dazu binden, und ein Joch auf ihren Hals legen, welches weder unsere Väter noch wir haben können tragen? Denn wir glauben durch die Gnade des Herrn Christi selig zu werden gleichwie auch sie.

24. Nun siehe, hier sind so viel Christen gewesen, die da geglaubt haben, da die Kirche noch jung war und am besten gestanden ist, Gott läßt sie alle irren ohne diese drei oder vier allein; also wenn sie nicht gewesen wären, so wären da irrige Dinge gelehrt und ein Gebot wider Christum aufgesetzt worden. Noch sind wir solche Narren und so blind, daß wir nichts anderes könnten sagen, denn: das haben die Konzilien und die Kirche geboten, die können nicht irren, und was sie schließen, dem soll man folgen.

25. Mehr lesen wir auch, daß danach die Vornehmsten, beide Petrus und Barnabas, auch fielen und mit ihnen die anderen Juden allesamt; da trat als einziger Mann Paulus auf und strafte ihn öffentlich, wie er selbst schreibt zu den Galatern Kapitel 2,11. Haben nun diese heiligen Konzilien und die heiligen Leute geirrt, was sollen denn wir auf unsere Konzilien vertrauen? Welche, wenn man sie gegen die hält, die von Aposteln gehalten sind, ihnen nicht das Wasser reichen können.

26. Warum läßt denn Gott solches geschehen? Darum tut er es, daß er nicht will, daß wir uns auf einen Menschen verlassen noch trösten auf irgend eines Menschen Wort und Lehre, wie heilig sie auch sein mögen, sondern allein unser Vertrauen auf sein Wort setzen darum, wenn gleich ein Apostel käme, oder gleich ein Engel vom Himmel, wie Paulus sagt: Galater 1,8-9, und etwas anderes lehrt, soll man frei sagen:. Das ist nicht Gottes Wort, darum will ich es nicht hören. Und bleib nur dabei, daß man das Kindlein nirgends finden wird denn im Tempel, oder in dem, daß Gottes ist. Maria sucht ihn auch wohl unter den Freunden, das sind freilich große, Gelehrte und fromme Leute; aber da findet sie ihn nicht.

27. Gleiche Beispiele und Figuren haben wir auch an anderen Stellen im Evangelium, welche auch eben das anzeigen, daß man nichts anderes lehren soll denn Gottes Wort, und keine andere Lehre annehmen, weil man Christum nicht findet denn als allein in der Schrift. Also lesen wir im Evangelium am Christtag Lukas 2,12. Da spricht der Engel, der den Hirten verkündigt die Geburt Christi:. " Daß sollt ihr zum Zeichen haben: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen ". Warum gib er nicht die Mutter Maria und Josef zum Zeichen, sondern allein die Windeln und Tücher, und die Krippe? Darum, daß uns Gott auf keinen Heiligen weisen will, auch zu der Mutter selbst nicht; denn das kann alles fehlen. Darum muß er uns einen gewissen Ort anzeigen, da Christus liegt; das ist die Krippe, da findet man ihn gewiß, wenn gleich Josef und Maria nicht da wären. Das ist so viel gesagt: Christus ist in der Schrift eingewickelt durch und durch, gleich wie der Leib in den Tüchern, die Krippe ist nun die Predigt, darin er liegt und gefaßt wird, und daraus man Essen und Futter nimmt. Nun hat es wohl einen größeren Schein, daß das Kind sollte da liegen, da Maria und Josef sind, die großen heiligen Leute; doch zeigt der Engel allein auf die Krippe, die will er nicht verachtet haben. Es ist ein geringes einfältiges Wort: doch liegt Christus darin.

28. Also, daß sehen wir auch in anderen Geschichten; als, von dem heiligen Simeon, der von Gott eine Verheißung hatte, der sollte nicht sterben, er hätte denn zuvor den Christum gesehen. Der kommt aus Anregung des Heiligen Geistes in den Tempel, da findet er das Kind und nimmt es auf seine Arme. Das ist aber allein darum angezeigt, daß er Christum im Tempel findet. Darum ist das Summa Summarum, daß uns Gott vor Menschenlehren warnen will, wie gut sie auch sein mögen, daß man sich ja nicht darauf verlasse, sondern allein dem einigen und rechten Wahreichen glaube, welches ist das Wort Gottes. Das andere laß alles fahren. Es mag wohl gut und recht gesagt oder beschlossen sein, doch wollen wir nicht mit dem Herzen darauf vertrauen.

29. Dies ist nun der Trost, den wir haben aus diesem Evangelium, wenn das hohe Leiden anfängt, davon wir oben gesagt haben, daß wir dann wissen, wie kein anderer Trost zu finden ist denn allein in der Schrift und Gottes Wort. Und darum hat es Gott schreiben lassen, daß wir solches daraus lernen, Paulus sagt Römerbrief 15,4.: " was geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf das wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben ". Da spricht er auch, daß die Schrift tröstlich ist, oder Geduld und Trost gebe, darum kann kein anderes Ding sein, daß die Seele tröstet, auch in den geringsten Anfechtungen. Denn was etwas anderes ist, dadurch sich ein Mensch trösten will, wie groß es auch ist, das ist alles ungewiß; da denkt das Herz immerdar: Ei, wer weiß, ob es recht sei? Ei, wenn ich es doch gewiß wüßte! Aber wenn es an Gottes Wort hängt, so kann es ohne wanken also sagen:. Da ist Gottes Wort, das kann nicht genügen noch fehlen, dessen bin ich gewiß. Das ist der höchste Streit, den wir haben, daß wir das Wort behalten und dabei bleiben; wenn das aus dem Herzen gerissen wird, so ist der Mensch verloren.

30. Darum laßt uns ja darauf rüsten, wenn man kommt und uns vorhält, daß die christliche Kirche nicht irren könnte, daß wir dem Wissen zu begegnen, und sprechen:. Siehe, das ist nicht Menschen, sondern Gottes Wort; das steht hier im Evangelium, daß die Mutter voll, voll heiligen Geistes ist; und doch fehlt sie. Also, auch in der Apostelgeschichte waren die, die da glaubten und den Geist hatten, und dennoch fehlten, und hätten ein unchristliches Gesetz gemacht, wenn nicht ein paar andere Apostel aufgestanden wären. Darum soll man keinen Konzilien noch anderen Heiligen glauben, wenn sie nicht Gottes Wort bringen. Also haben wir das Hauptstück in der Summe dieses Evangeliums; was aber mehr darin ist, wollen wir denen befehlen zu handeln, die da müßig sind; und wer Achtung darauf hat, wird es leicht selbst finden.

31. Über den Satz, den Lukas sagt: Christus habe zugenommen an Weisheit und Gnade; so er doch Gott gewesen ist und volle Gnade und Weisheit gehabt, sobald er in den Mutterleib gekommen ist, hat man viel gestritten. Da haben sie den Text schändlich verkehrt mit ihren Glossen. Darum laßt solch erdichtetes Gerede fahren, und last die Worte liegen, wie sie liegen, ohne alle Glosse, und verstehe es nur aufs einfältigste, daß er immer mehr und mehr gewachsen und stärker geworden ist im Geist, wie ein anderer Mensch, wie oben im Evangelium am Sonntag nach dem Christtag weiter gesagt ist.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 12.01.2011 05:33

Luther hat einmal gesagt: „Alle, die Gott im rechten Glauben mit Ernst von Herzen anrufen, werden gewiss erhört und empfangen, was sie begehrt und gebeten haben, wiewohl nicht sobald auf diese Stunde, Zeit, Maß oder eben das, darum sie bitten; doch sie kriegen ein viel Besseres, Größeres und Herrlicheres...“.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 14.01.2011 06:30

Martin Luther hat einmal gesagt: „Wenn du Gott erkennen willst, dann musst du auf Christus schauen, da siehst du Gott mitten ins Herz und erkennst, dass es ein glühender Backofen der Liebe ist“.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 16.01.2011 07:01

Am 2. Sonntag nach Epiphanias


Johannes 2,1-11

Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Kanaan in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm:. Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weibe, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: was er euch sagt, daß tut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen in je einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen:. Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen:. Schöpfet nun, und bringt es dem Speisemeister. Uns sie brachtens. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam (die Diener aber wußtens, die das Wasser geschöpft hatte), ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht:. Jedermann gibt zuerst den guten Wein, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringeren; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, daß Jesus tat, geschehen zu Kanaan in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

1. Dies ist das erste Wunderzeichen, daß unser lieber Herr Jesus auf Erden getan hat, damit er, wie Johannes selbst meldet, seine Herrlichkeit seinen Jüngern hat wollen offenbaren, auf das sie an solchem Wunderzeichen ihn kennenlernten und für den Sohn Gottes und rechten Messias hielten; besonders weil er das kann, daß sonst kein Mensch auf Erden kann, nämlich die Kreatur ändern und aus Wasser Wein machen. Solche Kunst ist allein Gottes Kunst, der ein Herr über die Kreatur ist; die Menschen können es nicht.

2. Deswegen soll dies Wunderwerken besonders dazu dienen, daß wir unseren lieben Herrn Christus recht kennenlernen, und mit gewisser Zuversicht, wo Mangel und Not sich bei uns findet, zu ihm Zuflucht haben, Hilfe und Gnade bei ihm suchen; die soll uns gewiß zu rechter Zeit wiederfahren. Solches ist das vornehmste Stück aus dem heutigen Evangelium.

3. Weil man aber bei allen Wunderwerken Christi solche Lehre und Trost findet, wollen wir jetzt besonders von dem handeln, daß der Herr solches Wunderzeichen eben auf der Hochzeit tut, auf das die Lehre vom Ehestand auch unter den Christen bleibe; denn es ist viel daran gelegen.

4. So ist es auch besonders darum sehr nötig. Denn wie ihr wisset, ist der Ehestand unter dem Papsttum sehr verachtet, und allein die Jungfrauschaft und Keuschheit gepriesen worden. Wie aber Gott die ehelosen Geistlichen wiederum bezahlt und gestraft hat, wissen wir, daß ihnen nicht allein Lust und Liebe zum Ehestand genommen, sondern auch die Liebe zu den Frauen ganz ausgelöscht ist. Daß es ein großes Wunder ist, daß nicht längst der gottlose Sodomitische Haufe in den Stiften und Klöstern im Papsttum allein dieser Sünde wegen, welche aus Verachtung des ehelichen Lebens gefolgt, mit höllischem Feuer angezündet und in den Abgrund der Hölle versenkt ist.

5. Daß wir aber andere Gedanken vom Ehestand fassen, und denselben nicht, wie der Papst, fliehen und hassen, dient dies Evangelium zu; darin wir sehen, daß der Herr sein erstes Wunderzeichen auf der Hochzeit zu Kanaan in Galiläa, eben dem armen kleinen Flecken tut, da er dreißig Jahr alt, von Johannes schon getauft, und jetzt angefangen hatte, ein Prediger zu sein. Nach des Papstes Heiligkeit und Weisheit hätte es dem Herrn Christus viel besser angestanden, daß er es zuvor getan hätte, ehe er in das geistliche Amt getreten, und vom Heiligen Geist zum Prediger gesalbt und berufen worden wäre.

6. Aber es ist solches ein trefflich und nützliches Beispiel, nicht allein gegen des Papstes Irrtum, derweil uns, Gott Lob! Tot und hin ist, sondern auch gegen die zukünftigen Rotten, die es für eine große Heiligkeit halten, den Ehestand und anderes bürgerliches Wesen lassen, und hin in die Wüste oder Einöde laufen, da man besserere und ruhigere Tage hat, denn im Ehestand, da man sich mit Weib, Kindern, Knechten, Mägden, bösen Nachbarn zanken schelten und auch häufig schlagen muß. Daher muß der Ehestand ein mühseliger Stand genannt werden, da Mühe und Arbeit genug ist, wenn du Gottes Geschöpf, Stiftung, Segen und Wort aus den Augen setzen willst. Dagegen haben die Mönche ihr Leben ein heiliges, vollkommenes Leben geheißen. Aber, wie vor Augen ist, ist es wahrhaftig ein faules, gutes und süßes Leben, da sie alles genug haben, ohne die armen Leute in der Welt gelassen haben, die ihre Nahrung müssen sauer verdienen, und haben dennoch den Namen, daß sie in einem guten Stand sind.

7. Wiewohl nun das Beispiel, welches uns Christus hier zeigt, groß und trefflich ist; so hat es doch bei den heillosen Leuten nicht geholfen. Man hats in der Kirche gelesen; aber da ist keiner gewesen, der dies Licht hätte können sehen und sagen: wenn es denn so gut ist, in die Wüste gehen, oder in das Kloster laufen, warum ist Christus auf die Hochzeit gegangen? Ist denn das so bös, in der Welt leben und ehelich werden: warum ehret denn Christus in den ehelichen Stand mit seiner Gegenwärtigkeit und mit so einem herrlichen Wunderwerk?

8. Nun hätte es seine Meinung gehabt, wenn solch ein Kloster -oder Einsiedlerleben auf zwei oder drei Wochen, auf ein Jahr oder zwei angestellt wäre. Aber daß man die Ehe nicht nur flieht, sondern auch für alle Ewigkeit absagt, das heißt den ehelichen Stand aufs höchste verachtet und verunehrt, und anstatt desselben nicht einen heiligen Stand, sondern Ruhe und ein stilles Leben gesucht, wider Gottes Befehl und Ordnung.

9. Darum lernet hier, daß unser Herr Gott das vierte Gebot ehrt. Denn wo Hochzeit, das ist, Vater und Mutter ist, da muß ein Haushalten sein, da wird Weib und Kind, Knechte und Mägde, Vieh, Acker, Handwerk und Nahrung sein. Dies alles will der Herr uns, als ein heiliges Leben und seligen Stand, hiermit befohlen haben, daß ihn niemand verachten, sondern ehren und für groß halten soll, wie er ihn ehret.

10. Darum ist dies Evangelium eine rechte Predigt für das junge Volk, daß es lerne, wie man unserem Herrn Gott auch wohl im Hause dienen kann, und es nicht nötig ist, etwas Besonderes anzufangen; wie die Katholiken getan haben. Denn ein Hausvater der sein Haus in Gottesfurcht regiert, seine Kinder zu Gottesfurcht und Erkenntnis, zu Zucht und Ehrbarkeit erzieht, die er ist in einem seligen, heiligen Stande. Also eine Frau, die der Kinder wartet mit Essen, Trinken geben, Wischen, Baden, die darf nach keinem heiligeren, gottseligeren Stand fragen. Knecht und Magd genau so, wenn sie tun, was ihre Herrschaft sie heißt, so dienen sie Gott; und wenn sie an Christum glauben, gefällt es Gott viel besser, wenn sie auch die Stube kehren, oder Schuhe auswischen, denn als aller Mönche Beten, Fasten, und was sie noch alles für hohe Gottesdienste rühmen.

11. Deswegen solle man solch ein Hausleben im Ehestande nicht verachten, noch, wie es die Mönche gelästert haben, wir einen weltlichen, unseligen Stand halten. Denn hier sehen wir, daß der Herr Christus selbst zu Hochzeit geht. Solches gilt aber nicht allein der Hochzeit, sondern dem ganzen Haushalten; das will Gott geehrt haben, wie das vierte Gebot, welches das höchste in der anderen Tafel ist, ausweist.

12. Deswegen, bist du Vater und Mutter, so bleibe in solchem Stande, und lerne, daß Gott ein Gefallen daran geschieht, wenn du tust, was du in solchem Stande tun sollst. Bist du ein Knechte oder Magd, so lerne, daß Gott einen Gefallen an deinem Stand hat. Denn Gott hat den Ehestand selbst gesegnet und geehrt, hat die Hochzeit geehrt mit seiner Gegenwärtigkeit und erstem Wunderwerk, da er schon ein Prediger war. Er hätte ja auch sagen können:. Ich will nicht kommen, will meines Predigens warten; es ist etwas weltliches; mir ist ein geistliches Amt befohlen, danach muß ich mich halten.

13. Aber er, der höchste Bischof, läßt das Amt, dem er einen besonderen Befehl hatte, sich nicht beirren, verachtet die Hochzeit nicht, welche des Haushaltens Anfang ist; sondern ehrt, lobt und ehrt also die Werke in solchem Stand, daß jedermann dazu willig sein soll, und sagen:. Weil Gott mich so gesetzt und geordert hat, daß ich als eine Magd, als ein Knecht, als ein Kind, als ein Ehemann, als eine Hausmutter soll dem Ehestand und zum Haushalten dienen, so will ich es gern tun und meinem Gott in solchem Stande mit Freuden dienen. Denn ich sehe, daß der hohe Prediger, mein Herr und Gott, Christus Jesus, sich selbst hierher gibt, und auf die Hochzeit, diesem Stand nicht allein zur ehren, sondern auch zur Hilfe und Erhaltung.

14. Diese Lehre ist nötig gewesen wider die Ketzer und dem Papst, ist noch heute not wider die Rottengeister, als da sind die Wiedertäufer und dergleichen, die da kommen, und sagen:. Es ist nichts mit dem Haushalten, es geht so und so zu, jetzt hat man untreues Gesinde, jetzt muß man sich mit den Nachbarn zanken, jetzt steht einem ein anderer Unfall mit Weib, Kindern, Nahrung zu; wie kann man bei so viel Unruhe, deren kein Maß noch Ende in ehelichen Leben ist, an Gott denken und Gott dienen? Ich will es nicht ansehen, will in ein Kloster laufen, da will ich aller Unruhe von frei sein. Sind also hingefahren in des Teufels Namen, der in dieses, der andere in ein anderes Kloster.

15. Solches soll man merken, auf das dergleichen tolle Geister nicht wieder kommen. Denn hier steht es klar, wie der Herr Christus selbst, da er auf die Hochzeit kommt, Braut und Bräutigam nicht von einander scheidet, sondern sie bei einander gelassen, und selbst dazu geholfen hat, daß diese Hochzeit desto ehrlicher ausgerichtet werde. Mit solchem schönen Beispiel hat er uns wollen lehren, daß es ihm auch wohl gefällt, wo man zum Haushalten treulich hilft und dient. Denn ob sich auch dort ein Mangel findet, sollst du nicht erschrecken; siehe nur, daß du Christus bei dir hast und nicht gottlos seist: so will er aus Wasser Wein machen, und deinen Stand so segnen, daß du genug haben sollst, und es wird sich endlich finden, was man bedarf, ob es auch wohl eine Weile lang mangelt.

16. Solches sieht man auch in der Erfahrung. Wenn Mann und Weib fein christlich mit einander Leben, so ernährt sie unser Herr Gott so leicht, daß sie mehr kriegen, denn als sie hoffen. Und ich glaube es ist kein Handwerker, der fleißig bei seiner Arbeit und dazu gottesfürchtig ist, wenn man ihm so viel Geld auf einen Haufen auf einen Tisch schüttet, wie viel er im ganzen Jahr erarbeiten kann, der glauben würde er könnte sich damit erhalten. Aber da geht Gottes Segen heimlich, daß man heute einen Pfennig, morgen wieder einen, und sich dabei behilft, daß man Gottes Segen bei solchen stillen Haushalten spüren muß. Das also unser lieber Herr Christus noch heutigen Tages in meinem und deinem Hause (wenn wir nur gottselig und fromm sind, und ihn sorgen lassen) Wasser zu Wein macht. Also, er macht, daß aus einem Stück Brot 10 werden müssen, und ein Rock so lange hält, als sonst drei. Daß wir auch solcher Erfahrung bewegen, wenn wir nur die Augen auftun wollten, sagen sollten: Herr, die Werke der Haushaltung gehören dir, dir dient man damit; denn du hast sie geehrt und ehrst sie noch mit deinem Segen. Darum will ich sie auch nicht verachten, sondern fleißig dazu helfen in meinem Stande.

17. Der Evangelist meldet besonders, wie die Mutter Jesu auch dabei gewesen ist. Die wird vielleicht die Brautmutter auf der Hochzeit gewesen sein. Denn sie kümmert sich um das tun, daß ihr daran alles besonders gelegen sei, weil sie den Mangel sieht. Denn es scheint, als sei es eine große Hochzeit gewesen, auf welcher es nicht an Brot und Wein gemangelt habe. Dann denke du nun, so Gott der Ehestand nicht gefiele, sollte nicht Jesus zu ihr gesagt haben:. Ei Mutter, du bist so herrlich und groß, bist unter allen Weibern eine Jungfrau und eine Mutter des Sohnes Gottes, solltest du deswegen allein der Kirche und des Gottesdienstes warten: du begibst dich hierher in diese Arbeit, wie man die Hochzeit wohl verrichte? Und es ist wahr, lächerlich ist es, daß die heilige Mutter sich in dieses geringe Werk geben soll, und auf der Hochzeit eine Magd sein, und den Leuten mit Kochen und anderem dienen. Aber es geschieht alles, wie ich zuvor oft gesagt habe, daß wir daraus lernen, diesen Stand recht zu erkennen, welchen Christus und die Jungfrau Maria so hoch ehren.

18. Dennoch hat solch ein Beispiel nichts im Papsttum geholfen, und hilft bei dem ungehorsamen, untreuen Hausgesinde auch nichts. Denn niemand will es glauben noch für wahr halten, daß damit Gott gedient sei, wenn man im Hause treu und fleißig dient. Sonst würden Knecht und Magd, Kind und Gesinde lustig und guter Dinge sein zu aller Arbeit, und sich aus ihrem Hausdienst ein Paradies machen, und sagen:. Ich will meinem Herrn, meiner Frau zu Gefallen tun und lassen, was sie wollen. Ob ich auch dabei beschimpft werde, was schadet es; weil ich doch gewiß weiß, daß mein Stand unserem Herrn Gott ein Dienst und wohlgefälliges Leben ist; denn mein Erlöser, Christus selbst, ist zu Hochzeit gegangen, und hat dieselbe mit seiner Gegenwärtigkeit und seiner Mutter Maria Dienst geehrt: sollte ich nun solchem Stand nicht zu Ehren und Dienst auch so etwas tun und leiden? Aber man findet solche Dienstboten sehr wenig; der meiste Teil ist so verstockt, wenn er auch gleich diese Geschichten hört, daß er es dennoch nicht bedenken, noch sich bewegen lassen will, daß er es im Hause bekommen und haben kann, daß er damit Gott auf das Beste dienen, mehr als eine Nonne oder ein Mensch im Kloster, und wenn es diesen noch so sauer würde. Aber niemand nimmt es zu Herzen, niemand glaubt es. Darum geschieht es alles mit einem Unwillen und Unlust, und ist nicht möglich, das Glück oder Heil bei solchem unbilligen Gesinde sein könne.

19. Denn sollte nicht eine gottesfürchtige und fromme Magd im Hause, die Kochen und anderes tun muß, solchem Beispiel der Mutter Gottes sich trösten und freuen, und sagen:. Das ich Kochen und anderes tun muß, das ist eben der lieben Jungfrau Maria Dienst auf der Hochzeit gewesen; die machte sich auch zu schaffen, sah zu, wie alles wohl verrichtet würde. Und ob es wohl ein geringes Werk ist, daß ich im Hause tue, und kein Ansehen hat, so tue ich es doch Gott zu ehren, der das befohlen hat, und will, daß ich solchen Gehorsam und Fleiß tun soll, und weiß, wenn ich dies tue, daß es Gott wohlgefällt. Es achte nun die Welt solchen Gehorsam, wofür sie will; so sollen doch die, so da Christen sein wollen, ihn für groß und einen rechten Gottesdienst halten, und mit allem Willen ausrichten. Also könne eine Magd oder Knecht im Hause sich selbst in seinem Stande über seine Arbeit eine Freude bereiten und Freude dabei haben und Gott ein Wohlgefallen tun, und sagen:. Ich danke dir, Herr, daß du mich in diesen Dienst befohlen hast, der ich weiß, daß ich dir damit mehr diene denn alle Mönche und Nonnen, die zu ihrem Dienst keinen Befehl haben. Ich aber habe Gottes Befehl, im vierten Gebot, daß ich Vater und Mutter ehren, Herren und Frauen mit allem Fleiß und Treue dienen, und zum Haushalten helfen soll; will darum mit Lust und Liebe denselben nachkommen.

20. Der sich so zu der Sache stellt, der täte, was er tun soll, mit Freude und Lust, und wäre hier bereits im Paradies; unser Herr Gott würde auch ein Wohlgefallen daran haben, mit allen seinen Engeln. Desgleichen Herr und Frau, die würden wiederum solche Treue und billigen Dienst reichlich belohnen. Denn treues, frommes Gesinde wird überall hoch gehalten.

21. Und da sieht man, daß es dazu nicht kommen will, und es jedermann eher für einen Gottesdienst halten will, wo man in ein Kloster geht, denn daß man Herren und Frauen fleißig zum Haushalten dient. Weil man aber das vierte Gebot so mit Füßen tritt und den Ehestand so verachtet hat, hat Gott recht getan, daß er sie zu Mönchen und Nonnen hat werden lassen und in solchen Stand, daß sie sich jetzt zermartern, Gott den höchsten Ungehorsam damit tun, denn er hat es ihnen nicht befohlen.

22. Darum laßt uns dies Beispiel wohl lernen, daß jedermann willig und gerne diene, und helfe zudem Stand, welchen unser Herr Gott selbst gesetzt und geehrt, und einen Brunnen und Quelle aller anderen Stände auf Erden gemacht hat. Denn das Haushalten oder Ehestand muß alle Könige und Fürsten erhalten: aber nicht allein deshalb, daß Könige und Fürsten aus dem Ehestand kommen, sondern daß man weder Leute noch Zinsen haben würde, wenn die Eheleute nicht wären. Denn der Haushalter muß es erwerben, davon alle Stände in der Welt, vom größten bis auf den kleinsten, erhalten werden.

23. Solches soll man lernen, und willig und Gehorsam dazu sein, daß dieser Stand von uns auch geehrt und gefördert werde; auf das ein jeder Ehemann oder Dienstbote lernen sagen: Herr, es ist dein Wohlgefallen, du bist selbst auf der Hochzeit zu Kanaan gewesen, und deine Mutter, die gesegnete unter allen Weibern, hat eben das auf der Hochzeit getan, daß ich im Haus meines Herrn tue. So sie nun solcher geringen Arbeit sich nicht geschämt, sondern es von sich aus getan: warum wollte ich armer Madensack mich für besser halten, und mich solcher Hausarbeit schämen, denn ich lauter Dreck bin gegen die reine Jungfrau Maria?

24. Besonders aber sollen die Eheleute den Trost hier fassen, wenn sie fromm und gottesfürchtig sind, daß sie Gott nicht lassen, sondern mit seinen Segen gerne bei ihnen helfen will, und allen Mangel wenden, wie er hier tut. Denn es wird nichts anderes daraus, Eheleute müssen viel Anstöße haben auf Nahrung und anderes wegen. Aber hat man Christum auf der Hochzeit, daß man gottesfürchtig ist, so soll der Segen und die Hilfe nicht außen bleiben. Das sollt ihr heute lernen und wissen; denn darum wird es gepredigt, daß ihr desto billiger in den Diensten, so zur Haushaltung geordnet, bleiben sollte, und euch nicht verführen lassen von denen, so kommen und sagen: Haushalten, ehelich werden, ist ein weltliches Ding, wenn Gott dienen will, muß es anders machen, daß es ihm sauer werde und weh tue.

25. Wie die Widertäufer, das blinde Volk, wie es zur Zeit tun, laufen von Weib und Kindern weg; solches trüben sie für ein großes Kreuz und große Heiligkeit, weil es weh tut. Aber es ist lauter Büberei mit den Schälken. Ursache, daß tut nicht weh, was sich einer selbst vornimmt und auflegt. Jenes tut viel mehr weh, davor man sich scheut, daß man bei Weib und Kindern bleiben, vom Gesinde, bösen Nachbarn viel leiden muß; denn da ist einer so als wäre er in zwanzig Stricken gefangen. Von solchen Stricken machen die argen Buben sich los und leben nach ihrem eigenen Willen. Das heißt aber sich nicht weh tun. Das aber tut weh, daß nun nach Gottes Befehl gebunden sein mußt an dein Weib, Fürsten, Nachbarn, Dienstboten, da du auf allen Seiten aller Hände voll hast, christliche Liebe und Geduld zu beweisen. Denn da mußt du hören, sehen, leiden, daß du weit dir denkst; du möchtest davon laufen, muß aber dennoch bleiben und sagen:. Ich will es alles gern tun und leiden; denn ich weiß, daß Gott bei dem Haushalten mit seinen Gnaden sein will. Ja, ich danke Gott von Herzen, der mich in diesen seligen und ihm wohlgefälligen Stand gesetzt hat. Wird etwas mangeln, so kann er helfen. Und er beweist es hier auf dieser Hochzeit, daß er als gern und mit Lust tun will.

26. Solches sollt ihr aus dem heutigen Evangelium lernen, und Gott um seine Gnade anrufen, daß wir es erhalten, und also christliche uns in unseren Beruf schicken können, Amen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 22.01.2011 06:07

Am 3. Sonntag nach Epiphanias


Matthäus 8,1-13

Da er aber vom Berge herab ging, folgte ihm viel Volks nach. Und siehe, ein Aussätziger kam und betete ihn an und sprach: Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach:. Ich wills tun; sei gereinigt. Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein. Und Jesus sprach zu ihm:. Siehe zu, sags niemand; sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Moses befohlen hat, zu einem Zeugnis über sie. Da aber Jesus einging zu Kapernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn, und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gichtbrüchig und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm:. Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit untertan und habe unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem:. Gehe hin, so geht er; und zum anderen:. Komm her, so kommt er; und zu meinem Knecht:. Tu das, so tut ers. Da das Jesus hörte, verwunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten:. Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch:. Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich sitzen. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähneklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann:. Gehe hin, die geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde.

1. Im heutigen Evangelium werden uns zwei Stücke vorgehalten: das erste von dem Aussätzigen, welchen der Herr rein macht; das andere von einem Hauptmann, der einen kranken Knecht hatte. Solche Wunderzeichen, meldet der Evangelist, habe Christus bald nach der langen Predigt auf dem Berge getan. Denn also sollte es gehen, daß er erst Predigt und danach solche Predigt mit Wunderwerken bezeugt, daß jedermann darüber urteilen kann, daß die Predigt recht und nicht falsch ist, und desto eher geglaubt wird.

2. Wir bedürfen, Gott Lob! Der Wunderzeichen nicht; denn die Lehre ist bereits mit Wunderzeichen so bezeugt, daß niemand daran zweifeln soll. Aber dennoch will es besonders mit denen, die das Wort führen, nötig sein, daß sie nicht allein als Christen reden können, sondern auch als Christen leben, und mit dem Werk der Lehre Zeugnis geben und ihren Glauben sehen lassen. Denn das Reich Gottes stehet nicht, wie Paulus sagt, in den bloßen Worten, sondern in der Kraft. Wo nun Lehre und Werk zusammen stimmen, da schafft es Frucht. Da dagegen jedermann sich ärgern muß, wenn das Leben böse ist und sich mit der Lehre nicht reimt.

3. Nun sind aber solche zwei Wunderwerke hier nicht allein anzusehen als Zeugnis der Lehre (denn weil es solche Werke sind, die über alle menschliche Kraft und Vermögen sind, muß die Vernunft für sich selbst schließen, wie wir an Nikodemus, Johannes 3,2, hören, daß solche Zeichen niemand tun kann, denn Gott sei mit ihm); sondern sind auch anzusehen als Beispiel des Glaubens und der Liebe. Denn wer sieht nicht, was für ein freundliches Herz unser lieber Herr Christus hat, daß er sich mit einem Wort läßt dazu bringen und hilft, wo sonst alle Welt nicht helfen kann? Das ist ja ein Zeichen, daß er es mit den armen, betrübten, elenden Leuten nicht übel meine; sonst würde er tun, wie wir tun, wenn wir unlustig und zornig sind, so man kommt und etwas von uns begehrt oder haben will, geben wir niemand ein gutes Wort. Das tut Christus nicht. Der Aussätzige hat den Mund noch nicht recht aufgetan, bald ist Christus da, rührt ihn an, und sagt, er wolle ihm gern helfen; und hilft ihm auch.

4. Solche Gutwilligkeit soll uns nicht allein reizen, daß wir in unseren Nöten auch Hilfe bei ihm suchen und hoffen, er werde uns nicht lassen, sondern sollte uns vorleuchten, daß wir die gleiche Liebe und Freundlichkeit unserem Nächsten auch beweisen, und in solchem Werk, gleichwie Christus, auf nichts, denn auf den Gehorsam gegen Gott und des Nächsten Not und Besserung sehen. Denn Christus sucht mit solche Hilfe weder Ehre noch Gut; allein sieht er dahin, daß der arme Mensch solcher Hilfe bedarf, und das Gottes Ehre damit gefördert und ihm also der Gehorsam geleistet wird.

5. Damit aber dienst du Gott nicht, wenn du einem etwas zu gute tust, daß er dir wieder dienen und du seiner Wohltat wieder genießen möchtest, sondern du dienst dir damit dann nur selber. Er aber Gott und seinen Nächsten recht will dienen, der sehe nicht auf seinen Nutzen, sondern nur auf die Not, die vorhanden ist, und daß es Gott haben will und so befohlen hat, daß man den Nächsten in der Not nicht soll stecken lassen, wenn man es gleich auch nie genießen, ja, noch allen Undank damit verdienen sollte. Wie wir in einer anderen Geschichte sehen, der Christus zehn Aussätzige reinigt, und nur einer kommt wieder welcher sich für die Wohltat bedankt, die anderen neun hätten ihn nicht angesehen. Das Christus solchen Undank nicht vorher gewußt hätte,, ist nicht möglich. Aber obwohl er von solchem Undank schon vorher wußte, heißt sie ihn bitten, hilft der ihnen und befiehlt das übrige Gott.

6. So mag man auch von der Liebe sagen welche in dem Wunderzeichen mit dem Hauptmann. Christus läßt es geschehen, daß Gottes Gnade und Güte gepriesen und den armen Leuten in ihrer Not geholfen werde. Das heißt eine rechte Liebe, die auf nichts denn auf Gotteswort und Befehl sieht.

7. Das Beispiel des Glaubens ist auch über die Maßen schön, daß der aussätzige Mensch, der sonst wegen des Gesetzes nicht unter die Leute gehen, mit ihnen in der Nähe weder reden noch anderes tun durfte, sich zum Herr Christus ohne alle Scheu findet, fällt vor ihm nieder, und bittet: " Herr, so du willst, so kannst du mich wohl reinigen ". Da sieht man beides: er glaubt fest und ungezweifelt, Christus sei so gütig und daneben so allmächtig, daß er ihm könne helfen in der Krankheit, da sonst allen Menschen und möglich war, daß sie konnten helfen; so doch er, der Herr Christus, gleichwie andere Menschen, daher ging, keine besondere Pracht noch Schein hatte; dennoch, weil er solches fest glaubt, besetzte er solche Bitte dem Herrn Christus an, wo er ihm nicht wolle helfen, das ist, so es wieder Gottes Ehre und seine Seligkeit wäre, so wollte er solchen Jammer gern dulden und tragen.

8. Das heißt nicht allein recht glauben, sondern auch recht beten; so ist es immer bei denen:. Wer recht glaubt, der betet auch recht; wer nicht recht glaubt, der kann auch nicht recht beten. Denn mit dem Gebet muß es erstlich so sein, daß das Herz gewiß ist, Gott sei so gnädig und barmherzig, daß er unsere Not gern wenden und uns helfen will.

9. Besonders aber soll solch ein Vertrauen fest fest und gewiß sein in den Stücken, welche Gottes Ehre und unsere Seligkeit belangen, als da ist, Vergebung der Sünden, Rettung wider den Teufel und Tod, daß Gott seinen Heiligen Geist in unsere Herzen geben, uns in seinem Wort erhalten, in keine Anfechtung sinken, im Glauben und Liebe alle Tage zunehmen lassen will. Solche Stücke dienen vornehmlich zur Ehre Gottes und unserer Seligkeit. Darum soll das Herz nicht zweifeln, wenn man Gott darum bittet, er werde es gern geben und uns solche Bitte nicht versagen. Denn dazu bedürfen wir der Hilfe Gottes, und Gott hat sie uns in seinem Wort versprochen.

10. Wer aber in solchen Sachen bitten wollte, wie der Aussätzige hier: " Herr, so du willst ", so vergib mir meine Sünde, mache mich selig, der betet unrecht. Denn da können wir an Gottes Willen nicht zweifeln, daß er solches tun will, weil er uns in seinem Wort seinen Willen schon offenbart hat, daß er wolle, daß jedermann selig werde, und um dieser Ursache seinen Sohn, unseren Herrn Jesum Christum, am Kreuz für aller Welt Sünde bezahlen lassen hat, und geboten, jedermann soll ihn hören, annehmen und an ihn glauben.

11. Warum stellt der Aussätzige seine Bitte also, daß er dies Wort hinzu setzt, und spricht: " so du willst, so kannst du mich reinigen "? Hier muß man auf die Geschichte sehen, worum es geht. Zuvor habe ich gesagt, was unsere Seligkeit und ohne Mittel Gottes Ehre belangt, da dürfe man das Gebet in keinen Zweifel setzen. Denn Gottes Wille ist offenbar, daß er seine Ehre und unsere Seligkeit will ungehindert haben. Aber eine solche Meinung hat es nicht mit dem Zeitlichen. Es kann einer arm, krank und verachtet sein, und dennoch selig werden, wie es denn mit allen Christen geht. Weil nun an solchen zeitlichen Mangel die Seligkeit nicht liegt, sondern solcher Mangel kann oft zu etwas Gutem dienen, darum wer um Rettung und Hilfe bittet, der soll wohl glauben, daß Gott helfen kann und helfen wird; aber doch soll er seinen Willen in Gottes Willen setzen: wo es zu Gottes Ehre nicht dienen, oder uns an unsere Seligkeit sollte nachteilig sein, so wollten wir solch ein Kreuz gern länger tragen.

12. Das heißt in solchen Sachen recht beten, nämlich glauben, Gott könne helfen; und dennoch Gott weder Zeit, Maß noch Ziel setzen, wie und wann er uns helfen soll. Denn es hat oft mit uns den Mangel, daß wir immer nicht wissen, was und wie wir bitten sollen; wie Paulus sagt Römer 8,26. Dagegen aber müssen wir bekennen, daß Gott wohl wisse, was zu seiner Ehre und unserer Seligkeit am besten sei. Darum sollen wir unseren Willen in seinen setzen, und nicht zweifeln, so solche Bitte zu seiner Ehre und unserer Seligkeit kommen soll, er wird uns gewiß erhören.

13. Darum sollen wir dies Beispiel wohl merken, daß wir auch also lernen beten, und ja in unseren Herzen keinen Zweifel haben, Gott sei uns gnädig, er wisse wohl unsere Not und Jammer, und wolle unsere Not und Anliegen sich befohlen lassen sein. Solches sollen wir fest glauben, und dennoch uns herunter werfen und sprechen: Herr, du weißt Zeit und Stunde, darum tue, was mir nütze und deinen Namen Ehre ist. Wie der Aussätzige hier auch tut: das Christus ihm helfen könne, da zweifelt er nicht daran; das sei ihm helfen wolle, da zweifelt er auch nicht daran; denn sonst würde er ihn nicht angeschrieen haben, wenn er an seinem Willen einen Zweifel gehabt hätte. Aber neben dem muß er bekennen, daß ihm nicht gebühren wolle, Ort, Stunde, Weise und Wege zu bestimmen, wann und wie ihm geholfen werden soll. Solcher Glaube und Gehorsam gefällt dem Herrn Christus sehr wohl; darum hilft er dem Armen eben zu der Stunde, an dem Ort und auf die Weise, da er es nicht hätte begehren dürfen.

14. Daher kommen die schönen Sprüche aus den Propheten, Psalm 27, 14.: " Harre des Herrn, sei getrost und unverzagt, und Harre des Herrn "; Psalm 130,5. 6.: " meine Seele wartet auf den Herrn, von einer Morgenröte zur anderen "; Habakuk 2,3: " ob die Verheißung verzieht, so harre ihrer, sie wird gewißlich kommen, und nicht verziehen ". Denn das sieht man in allen Geschichten, daß die Hilfe endlich kommt, wenn es auch eine Zeit dauert. So hat Gott eine besondere Rechnung darauf. Denn darum erhört er nicht so schnell, und verzieht die Hilfe, auf das er Ursache hat, mehr und reichlicher zu geben, als wir beten oder verstehen können, wie Paulus sagt in Epheser 3,20.

15. Was meint aber der Herr damit, nachdem er den Aussätzigen rein gemacht hat, daß er ihn zum Priester schickt, und heißt ihn das Opfer bringen, wie Moses befohlen hat? Es ist nicht falsch geantwortet, daß man sagt:. Der Herr Christus habe in diesem Fall uns ein Beispiel der Liebe vorgestellt; weil er, der doch die Macht hatte, den Priestern das nicht entziehen will, was ihnen von Gott gegeben und gegönnt war; das wir auch jedermann bei seinem Rechten bleiben lassen, und niemand was ihm gebührt, entziehen sollen.

16. Aber die vornehmste Ursache dieses Befehls geht dahin, daß der Herr sein Wunderwerk öffentlich bezeugt haben will, auch von seinen Feinden. Denn daß der Priester das Opfer von diesem annimmt, und gibt ihm das Zeugnis, er sei rein, das dient dazu, daß er und alle Menschen Christum sollten angenommen und an ihn geglaubt haben, als den rechten Messias. Denn da standen die Prophezeiungen, Christus sollte solche Wunderwerke tun, wenn er in die Welt kommen würde. Darum führt der Herr diese Worte, und spricht:. " Opfere die Gaben, die Moses befohlen hat, zum Zeugnis über sie ". Als sollte er sprechen:. Sie werden bekennen müssen, du bist rein und dir sei recht geholfen; daß sie aber dennoch an mich nicht glauben und mich für den Messias halten und annehmen wollen, das ist lauter verstockter Mutwille, der soll wohl gerächt werden. Das Zeugnis aber soll wieder ihnen anderen dienen, daß sie mich annehmen und an mich glauben.

17. Der Papst hat aus diesem Befehl die Beichte gründen wollen, weil die Sünde dem Aussatz verglichen werden kann, daß man sich dem Priester zeigen und also von Sünden reinigen lassen soll. Aber es ist ein sehr fauler Grund. Denn was geht es uns an, was Gott den Juden des Aussatzes wegen geboten hat? Haben wir doch keine solchen Priester. Und wenn wir es schon hätten, so ist es gewiß, die Priester haben die Aussätzigen nicht rein gemacht; sondern wenn sie rein gewesen sind, so haben sie ihnen das Zeugnis gegeben, daß sie rein sind. Wie reimt sich aber das auf die Beichte, weil man sie dafür hält, daß sie zur Vergebung der Sünden sei? Denn die Aussätzigen haben den Priestern nicht den Aussatz, sondern einen schönen reinen Leib zeigen sollen, wenn sie mit dem Opfer vor den Priester gekommen sind.

18. Aber es ist nicht nötig, solche faulen Zoten zu widerlegen. Wer da beichten will, der mag es tun. Wir wissen aber nur von einer rechten und nötigen Beichte, wenn das Herz sich gegen Gott auftut und seine Sünde bekennt. Das ist eine Herzensbeichte, die nicht lügt, wie die Ohren -oder Mundbeichte. Dennoch macht solche Beichte, so gegen Gott geschieht, nicht rein noch fromm; wie könnte es denn die Ohrenbeichte tun? Das aber macht rein und fromm, daß man sich mit dem Glauben an den Herrn Jesu und sein Wort hält, und glaubt in Namen Jesu Vergebung der Sünden, wie dies uns im Wort zugesagt wird. Das sei genug von diesem ersten Beispiel.

19. Das andere Wunderwerk mit dem kranken Knecht ist auch ein Zeugnis der Lehre Christi, daß man bekennen muß, weil Gott mit Wunderwerken es geschehen läßt, daß seine Lehren, recht und gut, und er der rechte Messias oder Christus sei.

20. Aber daneben ist hier ein gutes Beispiel, hohen und großen Glaubens in dem Hauptmann; wie denn der Herr selbst solchen großen Glauben rühmt, daß er desgleichen in Israel und unter dem heiligen Volk nicht gefunden habe.

21. Solchen Glauben spürt man besonders in dem, daß dieser Hauptmann, obwohl er kein Jude war, sondern Heide, dennoch zum Herrn Christus schickt, in vollem Vertrauen, er werde ihn nicht ohne Hilfe lassen; sondern wie er könne, ganz bestimmt helfen. Denn wo diese Zuversicht nicht fest in seinem Herzen gewesen wäre, so würde er, wie Lukas schreibt, die ältesten der Juden nicht bemüht und zu Jesus geschickt haben. Daß er sie aber zu ihm geschickt, ist ein Zeichen, daß er hofft, er wolle etwas bei ihm erlangen.

22. Bei solchem Vertrauen und Glauben steht eine sonderliche und hohe große Demut, daß er sich nicht würdig achtet, daß er selbst zu Christus gehen und ihn bitten soll: sondern schickt zur erst die ältesten der Schulen, und danach, wie er hört, daß der Herr komme, schickt er, wie Lukas sagt, seine Freunde ihm entgegen, läßt ihn bitten, er wolle sich nicht bemühen; denn er erkenne sich unwürdig, daß der Herr ihm nachgehen soll. So könne er, der Herr, die Sache, darum er gebeten sei, mit einem Wort ausrichten, ob er gleich nicht persönlich da sei. Solches glaubt dieser Hauptmann so gewiß, daß er sein eigen Beispiel dazu anzeigt, und spricht:. " Ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Kriegsknechte unter mir, und spreche zu einem:. Gehe hin, so geht er hin; zum anderen:. Komm her, so kommt er; und zum einen Knecht:. Tu das, so tut ers ". Ist nun mein Wort so kräftig, der ich ein Mensch bin; wieviel mehr muß kräftig sein, spricht er zu Christus, wenn du ein Wort sagst! Das heißt nicht allein glauben, sondern vom glauben und seiner Art auf das beste und herrlichste predigen und lehren. Darum wäre es wohl zu wünschen, daß wir an Christum dermaßen auch glauben könnten, der durch sein Wort so reichlich bei uns wohnt, ob wir gleich seine Person nicht sehen.

23. Ein sehr feines Beispiel ist es, daß dieser Mann so gewiß auf das Wort Christi bauen kann. Erstlich hofft er von Christus alles Gute; danach bittet er nicht mehr, denn er soll nur ein Wort sagen. Auf dasselbe beharrt er mit höchstem Vertrauen und Freude, als auf den einzigen Schatz; wenn er den habe, daß seinem Knecht nichts mehr fehlen, sondern er frisch und gesund sein werde.

24. Das lerne ihm nachtun, der du das Wort schon hast. Denn da sind die tröstlichen Zusagungen das Gott durch Christum gnädig sein, und wir durch den Glauben an Christum Vergebung der Sünden und das ewige Leben haben sollen. Aber es mangelt uns an dem Herzen, daß dieser Hauptmann hier hat; der denkt:. Wenn ich das Wort habe, so habe ich alles, so wird sobald folgen, was das Wort zugesagt. Solches können wir nicht tun; darum folgt, daß wir das Wort nicht achten und dieweil auf andere Dinge gaffen; so doch das Wort allmächtig ist und, wie dieser Hauptmann hier glaubt, nicht lügen kann. Was er verheißt, daß soll gewiß so geschehen und uns widerfahren.

25. Nun ist aber solcher Glaube auch darum umso mehr zu preisen, daß dieser Hauptmann ein Heide ist, der keine Verheißung hat wie die Juden, der darf deswegen die Ehre sich nicht anmaßen noch rühmen, welche die Juden, als das Volk Gottes, hatten. Denn das ist es Glaubens eigene Art, daß er demütige Herzen macht, die von sich nicht viel halten noch hoffärtig sind, und deswegen sich an die bloße Gnade und Barmherzigkeit Gottes hängen.

26. Über solches sollen wir uns trösten, auf das wenn dieser Gedanke in unserer Herzen auch kommt, daß wir bekennen müssen, wie wir arme, elende Sünder sind, und uns keiner Würdigkeit noch Verdienstes rühmen können: wir aber dennoch nicht verzagen, sondern uns an die Verheißung Gottes hängen und seiner Gnade begehren. Solches gefällt Gott wohl, und will es von uns haben. Denn sonst wäre und hieße es nicht Gnade, wenn wir nicht immer unwürdig und unverdient zu der Verheißung kämen. Wie dieser Hauptmann: der kann nicht rühmen, wie die Juden, daß ihm Gott etwas schuldig sei; darum darf er selbst nicht vor den Herrn Christum, sondern denkt:. Mit mir ist es verloren, ich muß anderen Leute schicken; hält aber dennoch fest an dem:. Der Mann ist so gütig und freundlich, er wird mich nicht lassen.

27. Das heißt und ist ein rechter Glaube und rechte Demut, daß man sich der Unwürdigkeit wegen fürchtet, und dennoch nicht verzagt. Denn Gott will beides von uns haben: daß wir zum einen nicht stolz sein sollen; und zum anderen, daß wir nicht verzweifeln, sondern auf die Gnade warten sollen; wie der Psalm 147,11 sagt: " der Herr hat Wohlgefallen an denen, die ihn fürchten, und die auf seine Güte warten ".

28. Solches taten Juden nicht, die dachten bei sich: das Gott ihnen günstig wäre und alles Gute für sie täte, das müßte er so tun; denn sie meinten sie hielten sich nach seinen Willen, und verdienten es darum; wurden stolz und sicher, und verachteten die Gnade. Darum fällt der Herr so ein schweres Urteil über sie und spricht: " viele werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich sitzen. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die Finsternis hinaus, da wird ein Heulen und Zähneklappen sein ". Das macht der schändliche Unglaube, daß sie so hoffärtig sind und die Gnade verachten. Darum, es ihnen wenig hilft, daß sie Abrahams Same sind; ebensowenig soll es den Heiden schaden, daß sie nicht Abrahams Kinder sind, wenn sie nur an Christum mit festem Glauben halten und nach der Gnade und Barmherzigkeit zeufzen. Denn dazu hat Gott Lust, daß er die, die satt sind, läßt hungern; wiederum aber die Hungrigen sättigen will, unangesehen, es sind Heiden oder Juden. Denn vor Gott gilt weder Heide noch Jude, weder Beschneidung noch Vorhaut, sondern allein der Glaube an Christum, daß man in aller Demut sich herunter werfe und nichts denn Gnade begehre.

29. Also lehrt dies Evangelium neben der Liebe sehr fein vom Glauben, was für eine Art er sei, wie er sich an das Wort halte, auf die Gnade Gottes in aller Demut harre. Wer solches tut, dem wird es gelingen, wie dem Aussätzigen und danach diesem feinen Hauptmann, daß ihm geschehen wird, wie er glaubt; das ist, gleichwie er allein Gottes Güte und Gnade im Herzen hat, derselben begehrt und sich darauf verläßt: also will Gott allein nach Gnaden mit ihm handeln, ihn annehmen und ihm helfen. Gott verleihe uns seinen Heiligen Geist, der solche Zuversicht auf die Gnade durch Christum in unsere Herzen auch erwecken und also uns zur Seligkeit führen wolle, Amen
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 30.01.2011 07:25

Am 4. Sonntag nach Epiphanias

Matthäus 8,23-27

Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein Ungestüm im Meer, also, daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilft uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen:. Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; da war es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen:. Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist?

1. Wir sehen im heutigen Evangelium, daß uns eine solche Geschichte darin vorgehalten wird, aus welcher wir nicht lernen, was man tun soll; denn von unseren Werken wird hier nichts gehandelt: sondern was man in Not und Widerwärtigkeit glauben, und wie man sich trösten soll. Darum ist es eine hohe Predigt vom Glauben, wovon jedermann sagen könnte, er kenne und könne sie; weil es ein nötiges Ding sei.

2. Darum wollen wir diese Geschichte teilen: zuerst reden vom Kreuz und Leiden; danach vom Herrn Christus und vom Glauben an ihn, daß derselbe allein, als der eine und beste Trost, gelte und helfe; zum dritten, von der Frucht und dem Nutzen, welche nach einer Anfechtung aus dem Glauben folgt. Solche Stücke werden fein anzeigen, was für eine tröstliche Geschichte der Evangelist uns mit so wenig Worten erzählt.

3. Das erste Stück ist, daß der Herr Jesus mit seinen Jüngern in das Schiff tritt. Da ist noch kein Ungewitter, sondern ein feines freundlich, still Wetter; so ist das Meer auch sanft und still. Anders würden sich die Jünger gescheut haben, daß sie nicht ins Schiff getreten wären. Aber kurz nach dem Christus mit seinen Jüngern im Schiff sitzt, und sie vom Land abgestoßen und auf das Meer kommen, da erhebt sich ein großes Ungewitter, daß das Schiff mit Wellen bedeckt wird, als wollte es untergehen.

4. Diese Geschichte laßt uns wohl merken, und ein Sprichwort daraus machen, daß wir sagen:. So gehts; kommt Christus in das Schiff, so wird es nicht lange still bleiben, es wird ein Ungewitter kommen. Denn gewiß geht es also, wie Christus in Lukas 11, 21. 22 auch sagt, daß der starke Gewappnete seinen Palast in Ruhe und Frieden besitzt, bist ein Stärkerer kommt, dann geht der Unfriede an, und es fängt ein Schlagen und Kämpfen an. Also sieht man in dieser Geschichte des Evangeliums auch: wenn es zuvor alles still ist, sobald Christus sich mit einer Predigt hören und mit einem Wunderwerk sehen läßt, da brennt es in allen Gassen. Die Pharisäer, Schriftgelehrten, Hohenpriester rotten sich, wollen ihn einfach tot haben; und besonders der Teufel fängt erst recht an zu toben und zu wüten. Solches sagt Christus lange vorher, Matthäus 10, 34-36.: " ihr sollten nicht meinen, daß ich gekommen bin, Friede zu senden auf Erden. Ich bin nicht gekommen, Friede zu senden, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater, und die Tochter wieder ihre Mutter, und die Schnur wieder ihre Schwieger. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Haus genossen sein ".

5. Das dient aber alles miteinander dazu, daß du vorher bedenken möchtest, ob du ein Christ sein möchtest, oder nicht. Denn so du ein Christ sein willst, so richte dich auf dieses Ungewitter und diesen Unfrieden, anders wird es nicht werden; wer in Christus gottselig leben will, sagt Paulus, der muß Verfolgung leiden. Daher ermahnt auch Jesus Sirach, Kapitel 2., alle Gläubigen und spricht Vers 1.: " mein Sohn, willst du Gottes Diener sein, so schicke dich zur Anfechtung, halte fest, und leide dich ". Als wollte er sagen:. Wenn du Gottes Diener nicht sein willst, so fahre hin, der Teufel wird dich wohl zufrieden lassen, bis zu seiner Zeit. Wiederum aber, so du begehrst Gott zu dienen und ein Christ zu sein, so gib dich willig dahin: das Wetter und die Verfolgung werden nicht ausbleiben. Darum fasse einen Mut, daß du davor, als vor einem plötzlichem Zufall, nicht erschreckst. Fürchte dich vor solchen Wetter nicht, sondern fürchte dich vor Gott, daß du der Welt wegen von seinem Wort nicht abweichst, und wag es trotzig darauf. Es sei um der Welt Gunst willen nicht angefangen; darum wollest ihrer Ungunst und Zorns halben auch nichts unterlassen. Das ist es, daß der Evangelist uns lehren will in dem, da er sagt: das Unwetter habe sich erst erhoben, da Christus in das Schiff getreten, und auf das Meer vom Land weg gekommen sei.

6. Es dient aber solches uns auch dazu, daß wir den bösen unnützen Lästermäulern wissen zu antworten, die nicht mehr können, denn das Evangelium lästern und sprechen:. Vorher, ehe diese Lehre aufgekommen, war es alles fein still, jetzt ist so viel Unglück, daß niemand es zählen kann, Rotten, Krieg, Aufruhr, teure Zeit, Türke und aller Jammer. Wer nun solche schändliche Lästermäuler stopfen will, der spreche zu ihnen: Lieber, hast du es nie im Evangelium gelesen, wenn Christus in das Schiff und auf das Meer kommt, daß sich ein Ungewitter erhebt?

7. Nun ist es aber nicht des Herrn Christi, sondern des Teufels Schuld, der ihm feind ist und will ihn nicht leiden. Also ist er dem Evangelium auch feind, will darum so gerne viel Unruhe und Jammer auf Erden anrichten, daß es müßte zu Boden gehen. Aber das blinde, verstockte Volk will solches nicht sehen noch merken. Allein sieht es auf das Unglück und den Mangel, und lästert, es sei das Evangelium daran schuld. Was aber Gutes aus dem Evangelium kommt, wie man Gott dadurch erkennen, zur Vergebung der Sünden kommen und heilig werden kann, solches wollen sie nicht sehen.

8. Eben wie das undankbare, störrige und unbändige Volk, die Juden in der Wüste, auch taten. Da sie in Ägypten waren, und einem die Arbeit von zwei aufgelegt war, da rufen sie zu Gott, er solle ihnen von diesem Jammer helfen, sie wollten fromm sein. Aber was geschah? Da sie Gott von diesem Jammer erlöste und sie in die Wüste kamen, da war alles vergessen. Das aber war das Ärgste, daß alles bei ihnen vergessen war, was und wieviel sie in Ägypten haben arbeiten und leiden müssen. Allein gedachten sie an die Fleischtöpfe und an das Brot in Ägypten. Die konnten die Kunst des Papstes auch, nahmen fein heraus, was sie Gutes gehabt hatten; was sie aber dazu gelitten hatten, darüber konnten sie wohl schweigen. Daher, da ihnen Gott danach das Himmelsbrot gab, verachteten sie es auch, dachten bei sich, es wäre nicht so gut, als das Fleisch in Ägypten. So ist unsere Natur und böse unserer Art durch die Erbsünde verdorben, so mache es Gott mit uns, wie er will, so kann ER es uns nicht recht tun. Darum gehört eine große und göttliche Geduld dazu, daß er solche bösen Buben so lange dulden kann.

9. Wer uns vor zwanzig Jahren gefragt hätte: ob wir lieber ein Jahr Teuerung haben, oder uns von den Menschen und Pfaffen plagen lassen wollten, wie es damals geschehen; meinst du nicht, jedermann würde mit Freuden die Teuerung gewählt haben, daß man der schweren, unerträglichen, dazu, als sie anzusehen war, unendlichen Schinderei von gekommen wäre? Denn da wäre die Hoffnung gewesen, was ein Jahr nicht gewesen, das würde das andere geben; so doch jene Schinderei für und für ging, und von Tag zu Tag je länger je mehr wurde. Solches und anderen Unrat haben wir vergessen, rühmen die Ruhe und das vorige Wesen, sehen nicht, was für eine schreckliche Sache daran hängt, daß man uns nicht allein in solchem Frieden um Geld und Gut, sondern auch um Leib und Seele, durch falsche Lehre und Abgötterei, gebracht hat. Wir haben es nicht erkennen können, denn es sind zur selben Zeit, Teuerung, Pestilenz, Krieg und andere Plagen mit zugeschlagen. Weil jetzt solches auch geschieht, will man dem Evangelium Schuld geben.

10. Wie meinst du aber, daß Gott solches gefallen werde, der doch keinen höheren Schatz hat denn als sein Wort, und uns durch dieses besser nicht helfen nach Raten kann wie wir von Sünde und Tod, denn allein durch das Evangelium: wo es doch so greulich verunehrt und gelästert wird indem, daß man ihm die Schuld gibt, es komme durch dieses das ganze Unglück? Was wird aber für eine Strafe auf solche Lästerung folgen? Diese, das Gott solcher Lästerer Herzen und Augen ganz verblenden wird, daß die herrlichen, großen Wohltaten Gottes nicht sehen, und mit den Juden also müssen verstockt werden und bleiben, daß sie mehr nicht können, denn Gott lästern und zuletzt zum Teufel fahren. Solcher Lohn gehört auf sie, und wird ihnen gewißlich begegnen. Mußt du doch sonst leiden, wo das Evangelium nicht ist, daß ihr nicht jemand hold sei, und du Feindschaft habest. Also hat Rom Krieg und allerlei Unglück leiden müssen, ehe das Evangelium gekommen ist.

11. Darum hat das Evangelium an solchem keine Schuld. Alle Schuld ist des Teufels und unserer Undankbarkeit. Der Teufel kann das Evangelium nicht leiden wollte es gern niedrig halten, darum richtete er so viel Unglück an. Und je mächtiger das Wort geht, desto zorniger wird er darüber. Wenn wir uns nun gegen solchen großen Schatz so undankbar stellen, ihn nicht annehmen noch brauchen, ja, noch hassen und verfolgen wollen, so kann es auch Gott nicht dulden; muß deswegen mit allerlei Strafen und Plagen kommen, daß er dem Undank wehre.

12. Das ist das erste Stück, daß du lernst, so du ein Christ sein willst, daß du dich auf das Ungewitter einstellst. Willst du es aber nicht tun, so fahre hin; du wirst es wohl erfahren, wenn du sterben sollst, was du getan hast.

13. Das andere Stück ist von der rechten Art des Glaubens: der geht in solchem Kampf und Ungewitter her, und findet sich zu Christus, und weckt ihn auf. Das lerne auch wohl merken. Denn unsere Widersacher, die Katholiken, halten den Glauben für ein sehr geringes Ding. Dagegen aber halten sie viel vom freien Willen ich wollte ihnen aber wünschen, daß sie auch mit im Schiff wären, daß sie versuchten, was in solche Angst und Nöten der freie Wille vermag.

14. Die Apostel haben es hier fein gelernt es sei der Glaube so schwach und gering bei ihnen gewesen, wie er wolle; dennoch, wo solcher schwache, geringe Glauben nicht gewesen wäre, hätten sie mit dem freien Willen verzweifeln müssen, und wären in den Abgrund des Meeres gesunken. Aber weil ein kleiner Glaube da ist, wie Christus selbst zeugt, da er spricht:. " o ihr Kleingläubigen ", so haben sie eine Hilfe, daß sie nicht ganz verzagen, und laufen zu Christus, wecken ihn auf und begehren seiner Hilfe.

15. So nun solches der kleine, schwache Glaube tut, was sollte wohl der starke, große Glaube tun? Wie vor acht Tagen das Beispiel an dem Aussätzigen und dem Hauptmann zu Kapernaum zeigt. Darum ist es mit dem freien Willen nichts, er verliert sich und kann nicht bestehen, wenn die Züge kommen, und es an das Treffen geht. Denn da sind unsere Gedanken anders nichts, denn daß wir schreien und uns um hundert Meilen Wegs davon wünschen. Das ist, der freie Wille tröstet das Herz nicht, sondern macht es nur je länger je mehr verzagt, daß es sich auch vor einem rauschenden Blatt fürchtet.

16. Aber der Glaube, ob er gleich klein und schwach ist, steht er dennoch und läßt sich nicht gar zu Tode schrecken. Wie man hier an den Jüngern sieht. Der Tod war ihnen vor Augen; denn da schlugen die Wellen so mit Macht überall zu, daß sie das Schifflein gar bedeckten. Wer wollte in solcher Not und Todesgefahr nicht erblassen? Aber der Glaube, wie schwach er auch ist, hält er doch wie eine Mauer, und legt sich wie der kleine David wider Goliath, das ist, wider Tod, Sünde und alle Gefahr, verzagt nicht, sondern sucht Hilfe, da sie zu suchen ist, nämlich, bei dem Herrn Christus, weckt ihn auf, schreit ihn an:. " Ach Herr, hilf uns, wir verderben ".

17. Also macht der Glaube, obwohl das Verderben vor Augen ist, daß man dennoch Hilfe erwartet, und betet, wie der Psalm sagt: " ich glaube, darum rede ich ". Denn niemand kann beten, er Glaube denn. Der freie Wille kann es nicht; denn er sieht allein auf die gegenwärtige Not und Gefahr, die Person aber, die in solcher Not und Gefahr helfen kann, sieht er nicht; und muß also des freien Willens wegen der Menschen in seinen Sünden sterben. Der Glaube aber ist es, wenn er gleich klein und schwach ist, der diese Person, den Herrn Christum, ergreift und Hilfe durch ihn erlangt.

18. Wo nun solcher Glaube stark und fest gewesen wäre, wie des Propheten Jonas, der im Walfisch ist an den dritten Tag blieb, so hätten sie zum Meer und Wellen sagen können: Schlagt immer herein; so stark sollt ihr nicht sein, daß ihr das Schiff umstürzt: und wenn er es schon vollendet, wollen wir doch mitten im Meer ein Gewölbe finden, da wir trocknen sitzen und nicht ersaufen. Denn wir haben einen Gott, der kann uns erhalten, nicht allein auf den Meer, sondern in und unter dem Meer.

19. Das heißt ein rechter Glaube, der nicht, wie der freie Wille, allein auf das Gegenwärtige sieht, und deswegen erschrickt und verzagt, sondern er sieht auf das Künftige und das Widerspiel. Darum, wenn er gleich in des Todes Rachen steckt, stärkt er sich doch, und hält sich an diesen Trost, es könne ihm geholfen werden wie wir hier sehen an dem schwachen Glauben der Jünger. Darum ist es nicht eine kleine und geringe Kunst, noch ein schlechtes Ding um den Glauben; es ist eine göttliche Kraft, die nicht vom freien Willen kommt, sondern durchs Wort vom Heiligen Geist uns gegeben wird.

20. Das wissen unsere Widersacher, die Katholiken, nicht; sonst würden sie es nicht zur hart anfechten, wenn wir sprechen:. Der Glaube macht allein selig, das ist, der Glaube allein findet Trost, wenn Sünde, Tod und ewige Verdammnis auf uns dringt und zu Boden stoßen will. Darum sieht man, daß sie frech und stolz sind, solange das Meer still und schön das Wetter ist. Wenn habe ein Ungewitter sich erhebt und es übel zu gehen will, da fällt Mut und Trost alles dahin. Denn da ist kein Glaube, sondern der ohnmächtige, trostlose Freiwille, der Gottes und seines Wortes vergißt, und nirgends weiß, wohin.

21. Nun ist es aber hier ein besonderes Unglück, daß Christus eben in solcher Todesnot ruht, und schläft eines rechten, natürlichen, starken Schlafs, der vielleicht ihm daher gekommen ist, daß er sich den Tag müde gearbeitet und gepredigt, oder die Nacht über gebetet und seine Anfechtung gehabt hatte. Denn ich achte es dafür, daß er bei Nacht sehr viel Anfechtung vom Teufel erlitten habe, wie er im Psalm 88,16 klagt " von Jugend auf bin ich Elend gewesen, und habe viel erlitten, ich leide deine Schrecken, daß ich schier verzage ". Darum ist er selten fröhlich gewesen, immer in schweren Gedanken daher gegangen, als der voll Jammers und Traurigkeit gewesen ist; wie zuvor der gleiche Psalm an zeigt, Vers 4: " meine Seele ist voll Jammers, und mein Leben ist nahe bei der Hölle ". Und dennoch obwohl solcher Schlaf recht und natürlich ist, so hatte er dennoch zum Glauben seiner Jünger dienen müssen, wie alle seine Werke.

22. Solches geschieht heute noch alle Tage, daß der Herr sich gegen seine Christen stellt, als sehe er uns nicht, ja, hätte uns gar außer Acht gelassen; wie er hier im Schiff tut, liegt und schläft, bekümmert sich gar nichts um das Wetter, für seine Jünger, noch für das Schiff. Aber er ist dennoch mit im Schiff, ob er gleich schläft.

23. Das sind nun die Anfechtungen, die immer mit zuschlagen, daß unser Herr Christus die Wellen über das Schiff fallen läßt; das ist, er läßt den Teufel und die Welt wider die Christen toben, daß man sich besorgen muß, wie es denn heute auch vor Augen ist, es werde ganz und gar zu Boden gehen. Der Papst und sein Haufe ist dem Worte feind, hetzt die großen Fürsten gegen uns. So läßt der Teufel den Türken auch nicht feiern. Da sitzen wir im Schiff, und haben Wetter und Wind, daß wir denken es könnte besser sein und taugt nicht. Dennoch soll der Herr wohl still dazu sitzen, und sich nicht merken lassen, daß er uns helfen wolle. Das ist sein Schlaf, den er im Schiff tut.

24. Aber da müssen wir uns aufraffen, und denken, es hat keine Not. Denn er ist der Herr, ist auch bei uns im Schiff. Auch er sich nun also stellt, als sehe ER uns nicht, so sollen wir uns so stellen, daß wir ihm sehen, und ihn dafür halten, daß er das Meer still machen kann, wenn es noch so sehr tobt und wütet.

25. Also sollen wir auch tun, in unserer eigenen Gefahr und Anfechtung, die einem jeglichen auf seine Weise begegnen wird. Wenn der Teufel kommt, dir deine Sünde vorhält, und dich mit dem Zorn Gottes erschreckt, und die ewige Verdammnis droht; da denke und zweifle ja nicht:. Mein Herr Christus ist nicht weit, aber er schläft. Da gehört denn zu, daß ich mich zu ihm durch ernstes Gebet finde und ihn aufwecke; wie die Jünger hier tun. Denen liegt mehr an ihrem Verderben, denn an des Herrn Schlaf; darum denken sie:. Kurz und gut, wir müssen jetzt einen wachenden Christum haben, sonst ist es aus mit uns; lassen ihm deswegen keine Ruhe und wecken ihn. Also lerne du auch tun; denn es muß beides also geschehen. Willst du mit Christus in das Schiff, so wird das Wetter nicht still bleiben, und Christus wird schlafen wollen, auf das wir die Anfechtung recht fühlen. Sonst, wo er nicht schliefe und dem Wetter sobald wehrte, würden wir es nie erfahren, was es um einen Christen wäre, und sollten wohl denken, wir täten es aus unserer Kraft. Hier aber wird der Glaube durch die Versuchung gestärkt, daß man sprechen muß:. Keine menschliche Kraft hat helfen können; allein hat es Gott und sein liebes Wort getan.

26. Neben dieser schönen und tröstlichen Lehre wird uns der Herr Christus hier auch vorgebildet wie ein rechter, natürlicher Mensch, der Leib und Seele hat, und deswegen Essen, Trinken, Schlafen, und anderer natürlicher Werke, so ohne Sünde geschehen, bedarf, wie wir: auf das wir nicht in den Irrtum fallen und Christum für ein Gespenst, nicht für einen rechten Menschen hielten.

27. Gleich wie aber der natürliche Schlaf eine gewisse Anzeigung ist, daß der Herr Christus ein rechter, natürlicher Mensch sei: also beweist er seine allmächtige Gottheit in dem, daß er mit einem Wort das Meer stillt, und macht, daß sich der Wind legt; welches nicht ein Menschenwerk ist; es gehört eine göttliche Kraft dazu, daß ungestüme Meer mit einem Wort zu wehren.

28. Das also dies Wunderwerk auch darum uns lieb sein soll, daß wir sehen, wie Gott und Mensch in Christus eine einige Person ist. Darum er in allen Nöten und Anfechtungen helfen kann und will allen, die Hilfe bei ihm suchen. Ob wir nun etwas darüber leiden und wagen müssen, wenn es nicht anders sein kann, was liegt daran? Müssen doch die Gottlosen auch ihr Leiden und Kreuz tragen, dennoch ein böses Gewissen dazu haben und endlich der ewigen Verdammnis warten.

29. Das Drittel Stück ist von der Frucht, die aus solchem Glauben entsteht, nämlich, daß auch andere solche Wunderwerke wahrnehmen, und sprechen:. " Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? " Diese haben ihn bisher vielleicht für einen schlechten Menschen angesehen und gehalten, und nicht gewußt noch geglaubt, daß man bei ihm in Todesnöten Hilfe suchen und finden soll. Aber jetzt lernen sie ihn erkennen, daß er der höchste und beste Nothelfer sei, wo sonst kein Mensch helfen kann.

30. Also geht es allewege, daß die Anfechtung, je schwerer sie ist, je größere Frucht und Nutz sie schafft. Die Welt setzt uns jetzt sehr hart zu, daß wir immer denken, wir müssen herhalten, daß Meer und Ungewitter werde über uns wachsen und zu Grunde reißen. Aber laßt uns nur fest am Wort und Glauben halten. Was gilts, er solle eine schöne, herrliche Frucht folgen, darüber wir lachen und fröhlich sein werden. Der bittere Haß, der im Papst und Türken steckt wider unsere Kirche, darüber uns, als einem Weib in Kindesnöten, bange ist, kreischen und ächzen müssen, der soll, ob Gott will, etwas mitbringen. Dergleichen soll ein jeder für seine eigene Person auch hoffen, wenn die Anfechtung ihn ergreift, daß sie ohne Frucht nicht werde abgehen.

31. Also ihr Lieben, hier sehen wir wie tröstlich dieses Evangelium ist, und uns eine treffliche und schöne Lehre vorhält, daß so wir wollen Christen sein, mit dem Herrn Christo in der Schiff treten, und da auf das Wetter und Ungewitter warten müssen. Wenn nun solches angeht, daß wir dann im festen Glauben und am Wort halten sollen, und hoffen, daß nicht allein dem Wetter oder der Anfechtung gewehrt und wir davon sollen errettet werden: sondern daß auch eine gewisse Frucht und Nutzen darum folgen soll; das wir nichts anderes wünschen sollen, denn wir hätten es versucht, und durch eigene Erfahrung des Wortes und Glaubens Kraft und Tugend erlernt. Wer wollte denn des Kreuzes sich beschweren, weil so gewisse Hilfe und Frucht folgen soll? Aber es tut dem alten Adam weh, der ärgert sich über solchen bitteren und sauren Trank, und wollte es lieber nicht haben. Darum ist es nötig, daß wir an solche Beispiele oft und viel denken, und mit dem Wort fleißig umgehen, auf das wenn die Anfechtung kommt, wir gefaßt sind, und uns Christus der bei uns schläft und sich stellt, als nehme er sich unser nicht an, finden, Hilfe und Rettung bei ihm durch emsiges Gebet suchen.

32. Solches verleihe uns allen unser lieber Vater im Himmel, um Christus willen, durch seinen Heiligen Geist, Amen.
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Beitragvon Jörg » 31.01.2011 21:59

Hunderttausenderlei Sünden und Tode stehn um dich her. Alle Steine, Wasser, Feuer sind voll Tod jeden Augenblick. Alle Bissen, Trünke, Pfade und Tritte sind eine Gefahr deines Lebens. Weib, Kind und du selber stehen in Gefahr des Todes, allerlei Irrtums und Sünden jeden Augenblick. Wohin sollen wir gehen? Zu Christus. Da kommen dir andre Gedanken, so daß du sprichst: ich fühle Sünde, Welt und Fleisch nicht, wiewohl ich tief darinnen stecke, gib Gnade, daß ich anders werde!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 06.02.2011 08:36

Leider habe ich für diesen und nächsten Sonntag keine Luther-Predigten gefunden. Als Ersatz werde ich kurze Andachten abtippen aus “Dr. Martin Luther Christlicher Wegweiser für jeden Tag“, herausgegeben von Helmut Korinth, Hamburg 1980:

Wir rühmen uns Gottes durch unsern Herrn Jesum Christum, durch welchen wir nun die Versöhnung empfangen haben. Römer 5, 11


Es pflegt der Teufel oft eine geringe Sünde zu erwischen, damit er alle guten Werke, die du jemals dein Leben lang getan hast, also verdunkle, dass du in dir nichts anderes als dieselbe einige Sünde siehst. Das kommt aber daher, wenn du dich mit dem Teufel in eine Disputation begibst. Darum überwindet ein Christ solche bösen Gedanken nimmer ganz, als wenn er sie verachtet. Denn der hoffärtige Geist, der Teufel, kann die Verachtung nicht leiden. Aber dazu gehört der heilige Geist und eine fleißige Übung im Gebet und dass man auch die heilige Schrift treulich lese; denn es ist kein menschliches Werk, die Gedanken überwinden und aus dem Sinne zu schlagen.
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Beitragvon Jörg » 07.02.2011 05:19

Christus ist des Gesetzes Ende; wer an ihn glaubt, der ist gerecht. Römer 10, 4.

Das Gesetz sagt: Du hast Sünde. Spreche ich: Ja, so bin ich verloren. Spreche ich: Nein, so muß ich einen starken Grund haben, darauf ich stehe, dass ich´s widerlegen kann und das Nein erhalten. Wie kann ich´s aber sagen? Ist es doch wahr; dazu bezeugt es auch die Schrift, dass ich in Sünden geboren bin. Wo will ich denn das Nein hernehmen? In meinem Busen werde ich´s freilich nicht finden, sondern in Christo, da muß ich´s holen, dem Gesetz vorwerfen und sprechen: Siehe, der kann Nein sagen wider alles Gesetz, hat auch seinen Grund; denn Er ist rein und ohne Sünde. Das Nein gibt er mir auch, dass, wiewohl ich da müßte sagen, wenn ich mich ansehe, dass ich ein Sünder bin und mit dir nicht rechten kann, sondern fühle, dass nichts Reines an mir ist und ich Gottes Zorn sehe, so habe ich doch das daneben, dass seine Gerechtigkeit mein ist, so bin ich nicht mehr in Sünden.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 08.02.2011 05:05

Ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleische, wohnet nichts Gutes. Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht. Römer 7, 18.

Alle Heiligen werden das Lied müssen singen: Vater unser….vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern. Die andern, die ihrer Heiligkeit ein Ende wissen, verstehen hiervon gar nichts, darum ist´s ihnen auch nicht gepredigt, weil sie meinen, es sei mit dem Reiche Christi also getan, dass gar keine Sünde da sei, es müsse alles rein und sauber sein, als hätten´s die Tauben erlesen, wollen einen solchen Chrsiten, der gar ohne Sünde und heilig, ja wie Christus selbst ist. Noch lange nicht. Das ist aber ein Christ, der ein Sünder ist und erkennt seine Sünde, verdrießt ihn und ist ihm von Herzen zuwider, dass er Sünde noch fühlt. Der ist kein Christ, der gar keine Sünde hat noch fühlt. Findest du aber einen solchen, der ist ein Widerchrist, kein wahrer Christ. Der Mißbrauch dieser Worte ist schwere Sünde
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Beitragvon Jörg » 09.02.2011 05:23

Ich harre des Herrn, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort. Psalm 130, 5.

Es sind etliche, die wollen Gott das Ziel weisen, Zeit und Maß legen und gleich ihm selbst vorschlagen, wie ihnen geholfen werden soll. Und wenn es ihnen nicht so widerfährt, verzagen sie, oder sie möchten anderswo Hilfe suchen. Diese harren nicht, sie warten des Herrn nicht, Gott soll ihrer warten und alsbald bereit sein und nicht anders helfen, als wie sie es abgemalt haben; die aber des Herrn harren, die bitten um Gnade, aber sie stellen es Gottes gutem Willen frei, wann, wie, wo und durch was er ihnen helfe. An der Hilfe zweifeln sie nicht, sie geben ihr auch keinen Namen, sie lassen sie Gott taufen und nennen, und sollte sie auch lange und ohne Maß verzogen werden. Wer aber der Hilfe einen Namen gibt, dem wird sie nicht; denn er leidet Gottes Rat, Willen und Verziehen nicht.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 10.02.2011 05:38

Als die Sterbenden und siehe, wir leben. 2. Korinther 6, 9.

Gott läßt seine Kinder oft kraftlos und unterdrückt werden, dass jedermann meint, es sei mit ihnen aus und habe ein Ende, und eben in denselben ist er am stärksten da. Denn wo Menschkraft ausgeht, da geht Gottes Kraft ein, wenn der Glaube da ist und dessen wartet. Wieder läßt Gott seine Feinde sich groß und mächtig erheben. Er zieht seine Kraft heraus und läßt sie sich von eigener Kraft aufblasen. Denn wo Menschkraft eingeht, da geht Gottes Kraft aus. Wenn nun die Blase voll ist und jedermann meint, sie liegen oben, haben gewonnen und sie auch selbst sicher sind und haben´s an´s Ende gebracht, so sticht Gott ein Loch in die Blase, so ist´s gar aus. Die Narren wissen nicht, dass eben, indem sie aufgehen und stark werden, sie von Gott verlassen sind und Gottes Arm nicht bei ihnen ist.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 11.02.2011 05:30

Sehet die Vögel unter dem Himmel an; sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Matthäus 6, 26.

Es fliegen die Vögelein vor unsern Augen über uns zu kleinen Ehren, dass wir wohl möchten unsere Hütlein gegen sie abtun und sagen: Mein lieber, kleiner Herr Doktor, ich muß bekennen, dass ich die Kunst nicht kann, die du kannst. Du schläfst die Nacht über in deinem Nestlein ohne alle Sorge. Des Morgens fliegst du wieder aus, bist fröhlich und guter Dinge, setzest dich auf einen Baum und singest, lobest und dankest Gott; darnach suchest du dein Körnlein und findest es. Pfui, was habe ich alter Narr gelernt, dass ich´s nicht auch tue, der ich doch so viele Ursachen dazu habe? Daher: Das Vögelein läßt sein Sorgen und hält sich in solchem Falle wie ein lebendiger Heiliger und hat doch weder Äcker noch Scheunen, weder Kasten noch Keller; es singt, lobt Gott, ist fröhlich und guter Dinge.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 12.02.2011 05:51

Herr, sei mir gnädig; denn ich bin schwach. Heile mich, Herr; denn meine Gebeine sind erschrocken, und meine Seele ist sehr erschrocken. Psalm 6, 3-4.

Erbarme dich, Herr, denn ich bin schwach; heile mich, denn meine Gebeine sind erschrocken…Ich weiß, was ich rede. Andere mögen zusehen, ob sie auch wissen, was sie reden. Das ist gewiss, dass niemand zur Barmherzigkeit Gottes gelangt, der nicht auf´s heftigste nach ihr hungert und dürstet, wie der Psalm (42, 2ff.) sagt: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Keine satte und überdrüssige Seele darf hoffen, von Gott erfüllt zu werden; denn allein die Hungrigen füllt er mit Gütern. Wieviel weniger wird er den Überdrüssigen das ewige Leben schenken, die es ja doch gegen dieses Leben verachten. Allein denen, die das ewige Leben auf´s glühendste und mit unaussprechlichem Seufzen suchen, erbitten und seinetwegen anklopfen, wird er´s geben. Weil wir dies aber in diesem Leben, zumal in einem ruhigen Leben, nicht tun, so legt Gott den Tod und allerlei Anfechtungen auf uns, deren Druck uns treiben soll, dass wir Barmherzigkeit und Leben suchen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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