Frage 69 bis 71.
Die Heilige Taufe.
Frage 69: Wie wirst du in der heiligen Taufe erinnert und versichert, dass das einzige Opfer von Christus am Kreuz dir zugute kommt?
Christus hat das äußere Waschen mit Wasser eingesetzt und mit der Verheißung verbunden: So gewiss mich das Wasser von der Unsauberkeit meines Leibes reinigt, so gewiss hat mich das Blut und der Geist von Christus von der Unreinheit meiner Seele gewaschen, nämlich von allen meinen Sünden.
Frage 70: Was heißt, „mit dem Blut und Geist Christi gewaschen sein“?
Wir haben Vergebung der Sünden von Gott aus Gnade um des Blutes von Christus willen, das er in seinem Opfer am Kreuz für uns vergossen hat. Auch werden wir durch den Heiligen Geist erneuert und zu einem Glied von Christus geheiligt, um je länger je mehr der Sünde abzusterben und ein Gott wohlgefälliges, unsträfliches Leben zu führen.
Frage 71: Wo hat uns Christus zugesagt, dass wir ebenso gewiss mit seinem Blut und Geist gewaschen sind, wie mit dem Wasser der Taufe?
In der Einsetzung der Taufe hat uns Christus verheißen: Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker: tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wer da glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden. Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Diese Verheißung wird auch wiederholt, wenn die Schrift die Taufe das Bad der Wiedergeburt und Abwaschung der Sünden nennt.
Die Taufe, welche an der Beschneidung statt eingesetzt ist, ist eine heilige Zeremonie, Gebrauch, Übung und Wasserbad, von Christo eingesetzt und seinen Kirchen befohlen, zum Zeichen, Pfand und Siegel unserer Reinigung und Wiedergeburt, da wir durch eine sehr gereimte Gleichheit und Vereinigung des Zeichens mit dem Ding, darauf es weiset, Christus mit allen seinen Gaben, die zur Seligkeit vonnöten, geistlicher Weise durch den Glauben anziehen, seinem Volke eingeleibet und mit seinem Blute abgewaschen werden, sterben mit ihm und werden mit ihm begraben, stehen mit ihm auf und wachsen in ihm, werden mit ihm ein Leib und ewig in ihm erhalten. Sehet, das ist die Taufe, nämlich ein Zeichen unseres Christentums, dadurch Gott die Verheißung seines gnädigen Willens in uns versiegelt und uns in die Gemeinschaft der Kirche versetzet, auf dass wir Christo eingeleibet und unter die Kinder Gottes gezählt werden.
Diese Definition und Beschreibung der Taufe begreift in sich sieben Stücke, wie die allgemeine Definition aller Sakramente. Denn sie saget, dass die Taufe eine Zeremonie sei, von Christo eingesetzt, zum Zeichen und Siegel unserer Reinigung, und wie nahe sie Zeichen und Siegel sei die zu Christo führen, was sie nütze, woher solcher Nutzen komme und wie wir desselbigen gemessen.
Dass wir bei der Taufe den Gebrauch des Eintauchens, davon die Taufe den Namen hat, nicht halten, geschieht wegen der Gefahr mit den Kindern. In den warmen Ländern, als in Judäa u. a. haben sie die Leute, zumal die alten, wohl untertauchen können ohne Gefahr, welches bei uns, zumal bei den zarten schwachen Kindern nicht sein kann. Darum begießen oder besprengen wir sie allein, nach der Reinigung im Gesetz, mit Wasser und solches ist nicht wider den Befehl Christi und nimmt der Taufe nichts. Denn das Wasser ist verordnet in der Taufe zur leiblichen Abwaschung und Reinigung, auf dass dadurch die innerliche Abwaschung und Reinigung von Sünden bezeugt werde. Nun kann aber die Reinigung durchs Wasser sowohl geschehen durchs Wassergießen oder Besprengen, als durch Eintauchen, darum ist Christi Ordnung hiermit nichts benommen.
Dagegen ist es nicht eine Teufelei mit Kreuzmachen, Beschwören und den Teufel austreiben (Exorzismus), da kein Teufel ist? Denn so sie einen alten Menschen taufen, so muss er glauben und seinen Glauben zuvor bekennen, und so er glaubet, so ist er gerecht, in Christi Reich versetzt, ein Glied Christi worden und vom Teufel erlöset. Taufen sie aber ein Kind, so ist es eines gläubigen Christen Kind, das im Bunde Gottes ist nach der Verheißung, so Abraham geschehen, da Gott spricht: Ich bin dein und deines Samens Gott, und hat keinen Teufel. Georg Spindler.
Dass die Taufe ein Sakrament sei, lehrt uns der Unterweiser in der 69. Frage. Er hatte nämlich in der 67. Frage. gelehrt, dass beides, Wort und Sakrament, ihr besonderes Absehen haben auf das Opfer Christi am Kreuz, zur Vergebung der Sünden und Seligkeit der Menschen. Darum fragt er jetzt: Wie wirst du in der h. Taufe erinnert und versichert, dass das einige Opfer Christi am Kreuz dir zu gute kommt? Und in der Antwort zeigt er, dass alle drei Stücke eines wahren Sakramentes auch in der h. Taufe gefunden werden. Wir finden nämlich in derselben:
1.Ein äußeres sichtbares Wahrzeichen, das Wasser. Desselben bediente sich Johannes, da er im Jordan taufte, Mark. 1,5; Joh. 3,23, auch Philippus Apg. 8,36, weshalb die Taufe heißt das Wasserbad. Eph. 5,26. In dieses Wasser wurden ehemals die Christen ganz getaucht, welches ohne einigen Schaden in den heißen Morgenländern geschehen kann. Und da es so schadenlos in den kalten Abendländern bei den jungen Kindern nicht würde geschehen können, so ist an dessen Statt die gewöhnliche Besprengung entstanden, die noch in der Kirche Gottes Platz hat. Und zwar ohne einige Verletzung des Sakraments, denn nicht allein wird die bezeichnete Sache in der Taufe genannt das Blut der Besprengung Hebr. 9,13.14; 12,24, sondern es ist auch glaublich, dass die Apostel jene 3000 Seelen am Tage der Pfingsten nicht durch Eintauchen, sondern durch Besprengungen getauft haben. Her gegen ist es nicht zu dulden, wenn man bei dem äußerlichen Element des Wassers anderswo noch Salz, Speichel u. a. Zeremonien füget, die bis auf 22 gestiegen sind. Diese können Gott nicht gefallen, der an allem eigenwilligen Gottesdienst einen Gräuel hat.
2. Diesem nächst ist auch die Taufe als ein wahrhaftiges Sakrament von Gott selbst eingesetzt. Denn Christus hat das äußerliche Wasserbad gestiftet.
3. Endlich findet sich auch in der Taufe ein evangelischer Zweck. Denn Christus hat verheißen, dass ich so gewiss mit seinem Blute und Geiste von der Unreinigkeit meiner Seelen, das ist, von allen meinen Sünden gewaschen sei, so gewiss ich äußerlich mit dem Wasser, welches die Unsauberkeit des Leibes pflegt hinweg zunehmen, gewaschen bin. Christus hat geliebt die Gemeine, und hat sich selbst für sie gegeben, auf dass er sie heiligte, und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Worte. Eph. 5,25.26. So können wir hinzu treten mit wahrhaftigem Herzen, in völligem Glauben besprengt in unsern Herzen, und los von dem bösen Gewissen, und gewaschen an unserm Leibe mit reinem Wasser. Hebr. 10,22.
In der 70. Frage wird die sakramentliche Redensart der h. Taufe erklärt. Der Unterweiser lehrt uns, dass durch die Abwaschung mit dem Blute Christi die Rechtfertigung, durch die Abwaschung aber mit dem Geiste Christi die Heiligung zu verstehen sei.
1. Mit Christi Blut gewaschen sein heißt Vergebung der Sünden von Gott aus Gnaden haben um des Blutes Christi willen, welches er an seinem Opfer am Kreuz für uns vergossen hat. An Christo haben wir die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade. Eph. 1,7; Offb. 1,5. 2. Mit dem Geist Christi gewaschen sein, heißt durch den heiligen Geist erneuert und zu einem Gliede Christi geheiligt sein. Denn Tit. 3,5 Gott macht uns selig nach seiner Barmherzigkeit durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes; dass wir je länger je mehr der Sünde absterben und in einem gottseligen, unsträflichen Leben wandeln. Denn wir sind mit Christo begraben durch die Taufe in den Tod usw. Röm. 6,4 6. Unter dem alten Testament geschah die Entsühnung mit Blut und die Reinigkeit mit Wasser. Beides wurde gar genau miteinander vermengt, anzuzeigen, dass eben der Christus, der gekommen ist mit Blut (s. Joh. 5,6) zu unserer Rechtfertigung und Vergebung der Sünden, auch gekommen sei mit Wasser und erworben habe den h. Geist zu unserer Heiligung und Reinigung von den toten Werken zu dienen dem lebendigen Gott. Hebr. 9,14.
Und so kommen wir nun zur näheren Betrachtung der Einsetzung der h. Taufe Fr. 71. In der Antwort zeigt uns der Unterweiser, dass wir diese Verheißung finden im Evangelium Matth. 28,19; Mark. 16,16; Tit. 3,5; Apg. 22,16. Gleichwie nämlich die Taufe, d. i. das Eintauchen ins Wasser schon vor Alters her in dem Gottesdienste der Heiden, so war es auch insbesondere bei den Juden üblich. Darum gedenkt der Apostel Paulus der mancherlei Taufe und äußerlichen Heiligkeit. Hebr. 9,10. Insbesondere war unter den Juden merkwürdig die Taufe der Proselyten oder Judengenossen, welche, wenn sie von dem Heidentum zu dem Judentum übergingen, nicht allein ein Opfer brachten, sondern auch neben der Beschneidung die Taufe empfingen. Woher diese Gewohnheit ihren Ursprung habe, ist ungewiss; das aber ist gewiss, dass eben deswegen die Taufe Johannis den Juden nicht fremd vorkam, auch das, dass die Taufe Johannis nicht allein göttlich war, denn Gott hatte ihn gesandt zu taufen (Joh. 1,33), sondern auch dem Wesen nach mit der Taufe Christi gar genau überein kam. Zwar ist nicht zu leugnen, dass zwischen der Taufe Christi und Johannis sich einiger Unterschied findet. Johannis Taufe war von Gott, Christi aber von Gott geoffenbart im Fleisch eingesetzt. Johannis Taufe versiegelte die Vergebung der Sünden, vermöge des Opfers Christi, welches noch allererst am Kreuz sollte geschlachtet werden. Christi Taufe aber versiegelt die Vergebung der Sünden vermöge des Opfers Christi, welches am Kreuz allbereits geschlachtet ist. Mit Johannis Taufe gingen nicht so viele außerordentliche und überflüssige Gaben des h. Geistes, als mit der Taufe Christi in der ersten apostolischen Kirche gepaart. Gleichwohl kommt die Taufe Johannis mit der Taufe Christi, dem Wesen nach, ganz überein. Beide haben ihren Ursprung von Gott, beide wurden verrichtet mit Wasser, beide bestätigen den Glauben und das Bekenntnis Christi. Apg. 19,4,5. Beide versiegeln die Vergebung der Sünden Luk. 3,4. Beide erforderten die Buße und Bekehrung Apg. 2,38. Und hilft nicht, dass jemand einwende: Johannes der Täufer mache ja selbst einen deutlichen Unterschied zwischen seiner und Christi Taufe, wenn er spricht: Matth. 3,11: Ich taufe euch mit Wasser usw. Denn in diesen Worten wird nicht die Taufe von der Taufe, sondern der Täufer vom Täufer unterschieden. Johannes konnte allein mit Wasser taufen, Christus aber auch zugleich mit dem h. Geist und mit Feuer. Johannes konnte allein das Zeichen, Christus aber auch zugleich das bezeichnete Gut geben.
Indessen hat unser Herr und Heiland Jesus Christus selbst die Taufe zu einem Sakrament eingesetzt, und zwar zuvorderst unter den Juden. Danach kam Jesus und seine Jünger in das jüdische Land, und hatte daselbst sein Wesen mit ihnen und tauften. Joh. 3,22 (wiewohl Jesus nicht selber taufte, Joh. 4,2, sondern seine Jünger). Danach auch unter Juden und Heiden. Gehet hin und lehret alle Völker usw. Matth. 28,19. Mark. 16,16.
Zur Erläuterung der Einsetzung dieser Taufe merken wir zuvorderst an, dass Christus die Taufe bei der Lehre fügt: Gehet hin, und lehret alle Völker, und taufet sie; weil die Taufe alle ihre Kraft vom Worte der Verheißung empfängt. Es heißt von der Taufe wie von allen Sakramenten: Est elementum, addatur verbum, et fit sacramentum. Die Taufe heißt deshalb das Wasserbad im Worte Eph. 5,26. Deswegen sollen auch allein diejenigen die Taufe verrichten, die das Wort verkündigen. Sie heißen in Ansehung der Taufe, wie in Ansehung des Wortes und aller Sakramente Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Muss daher die Handlung der Taufe auf keine Weise und in keinem Fall den Personen weiblichen Geschlechts gestattet werden, denn wie die Weiber in der Gemeine schweigen und nicht lehren (1. Kor. 14,34), so sollen sie auch nicht taufen. Daher auch die Weibertaufe von Tertullianus und Epiphanius als eine Ketzerei betrachtet und auf dem vierten Konzil zu Karthago von 214 Bischöfen ist verworfen worden; zu geschweigen dass keine Ursache kann gegeben werden, warum man im Notfall den Personen weiblichen Geschlechts nicht eben so wohl zulassen sollte, das h. Abendmahl zu reichen, als zu taufen; welches erstere doch kein Mensch behaupten wird. Es gilt hier nicht, dass man einwende, Zippora habe ihren Sohn beschnitten 2. Mos. 4,25. Dies hat sie nicht aus Gottseligkeit, sondern Unwillen und Zorn getan. Eben so wenig gilt, wenn man einige Weiber anführt, als Debora, Hanna, Priscilla, die öffentlich gelehrt haben. Denn so lange man keine weissagende Weiber, wie Debora und Hanna waren, anführen kann, so lange bleibt allerdings das öffentliche Weissagen und Lehren den Weibern verboten. Priscilla hat überdies nur daheim gelehrt und sich mit Apollo unterredet, welches allerdings erlaubet ist (Apg. 18,26; 1. Kor. 14,34.35). Dass aber daheim die Nottaufe zu verrichten den Weibern sollte zugelassen sein, wird niemand aus der Schrift beweisen können.
Zum andern, wenn Christus spricht: Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes, so will er, dass wir sollen getauft werden auf den Namen des dreieinigen Gottes, ihn für unsern Bundesgott zu erkennen, ihn zu bekennen, an ihn zu glauben und ihm zu dienen unser ganzes Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist (Luk. 1,74.75). Daher bedienen wir uns auch dieser Formel bei der Taufe. Und ob zwar die Apostel bisweilen allein in dem Namen Jesu oder Christi getauft haben (Apg. 2,38; 8,16); so haben doch Basilius und Ambrosius gar wohl angemerkt, dass in dem Namen Christi schon die ganze h. Dreieinheit enthalten sei. Denn wer Christum den Gesalbten nennt, der bekennet auch zugleich den Vater, der ihn gesalbt hat, und den h. Geist, das Freudenöl, damit er gesalbt worden ist. Auch ist es glaublich, dass die Apostel die Juden getauft haben in dem Namen Jesu oder Christi, die Heiden aber in dem Namen des Vaters und des Sohnes und des h. Geistes, als der ihnen bisher unbekannten h. und hochgelobten Dreieinheit.
Endlich verknüpft der Herr Jesus mit der Taufe diese Verheißung: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden. Zeiget damit an, dass die Taufe sei ein Mittel zur Seligkeit. Denn sie versiegelt die Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden; durch welche beide Stücke wir allerdings aus Gottes Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens, nach der Hoffnung.
Indessen erweckt das Sakrament der h. Taufe bei uns allen billig 1. einen Abscheu vor der Sünde; 2. ermuntert uns, der wahren Heiligkeit und Gottseligkeit uns zu befleißigen; 3. muntert uns auch zur Geduld in allem Leiden auf. Reinhold Schödde.
Zu Frage 70. bemerkt P. de Witte: Blut und Geist Christi heißt hier geistlich Christi Verdienste.
Die Wohltaten, welche durch die Taufe versiegelt werden, sind die Gerechtmachung und Heiligmachung, d. i. Abwaschung. Was haben wir davon, wenn wir durch das Blut Christi abgewaschen werden? Die Rechtfertigung oder Vergebung der Sünden. Mark. 1,4; Apg. 2,38. Was, wenn wir durch den Geist Christi abgewaschen werden? Die Heiligung oder Erneuerung der verderbten Natur. Röm. 6,4. Sind beide Wohltaten in diesem Leben vollkommen? Nein; die erste wohl, die Rechtfertigung Röm. 8,1, nicht aber die Heiligung Röm. 7. Was ist die Wirkung solcher Wohltaten? Die Vereinigung mit Christo als Glieder mit dem Haupte. 1. Kor. 12,13; Gal. 3,26.27. Wie viel Stücke betrachtest Du in der Heiligung? Die Absterbung des alten und Lebendigmachung des neuen Menschen. Fr. 88, 89, 90. Haben wir nicht auch die Versicherung der Vereinigung mit Christo durch das h. Abendmahl? In der h. Taufe ist die Versicherung der ersten Auf- und Annehmung, aber in dem hl. Abendmahl die Versicherung der Beharrung und Verbleibung. Was für herrliche Dinge sind denn in der Taufe zu finden? Ein kurzer Begriff der Religion, denn man findet darin die Verderbnis, die Erlösung und die Dankbarkeit. Die Abwaschung weiset auf die Unflätigkeit, die Erlösung durch das Opfer Christi auf die Vergebung der Sünden, und darauf folgt dann der neue Gehorsam bei denjenigen, welche geheiligt sind durch den Geist Christi.
Sehr schön schreibt 1612 Valentin Nikolai, Inspektor zu Steinau an der Straße: 1. Christus ist ein Zeichen aller Zeichen, auf welchen alle anderen Gnadenzeichen weisen, wie er denn auch ein Zeichen genannt wird. Jes. 7; Luk. 2. Ein Gnadenzeichen ist uns 2. das Wort des hl. Evangelium, in welchem unser Herr Gott uns verheißt, dass er um Christi willen unser und aller Gläubigen Gott und Vater sein, uns nicht Waisen lassen, noch versäumen, sondern heben, tragen, schützen und rette und mit Christo alles schenken wolle. 1. Mos. 17; 2. Mos. 20; Jes 47; Röm. 8. 3. Sind es die hochwürdigen Sakramente der h. Taufe und des Nachtmahles des Herrn Christi. Lasset uns doch nur bedenken, was für reiche Verheißungen uns unser Herr Gott nur in der h. Taufe, gibt, als nämlich, dass wir da Christum anziehen Gal. 3, zu einem Leib mit ihm und seiner Gemeine durch den h. Geist getauft werden 1. Kor. 12, dass wir in seinen Tod getauft werden Röm. 6, dass wir empfangen Vergebung der Sünden und den h. Geist Apg. 2, die Wiedergeburt und Erneuerung des h. Geistes Tit. 3. und die ewige Seligkeit Mark. 16. Diesen Verheißungen Gottes glauben wir von Herzen und zwar billig. Und ob wir schon allezeit bei der Taufe einen Unterschied machen zwischen dem Werk des Dieners und Gottes des Herrn selbst, wie auch tun Johannes der Täufer Joh. 1 und St. Paulus 1. Kor. 3, so trennen wir doch solche beide Werke nicht, sondern so gewiss wir das Werk des Dieners in der hl. Taufe suchen, gebrauchen, sehen und fühlen, also gewiss verlassen wir uns auch auf Gottes Verheißung und glauben, dass er die darin uns verheißene und versiegelte Gnadengaben durch den hl. Geist gewisslich und wahrhaftig widerfahren lasse. Deswegen bringen wir auch unsere Kinder zur hl. Taufe, weil auch ihnen die Verheißung gilt und sie der versprochenen Güter bedürfen. Sie sagen, es sei dennoch ein Unterschied zwischen Christi und Johannis Taufe, da dieser spricht Matth. 5,11; Joh. 1,27. Aber Johannes will mit diesen Worten nicht einen Unterschied seiner und Christi Taufe machen, sondern nur einen Unterschied der Personen und den Herrn von den Dienern unterscheiden. St. Johannes, die Apostel und alle treue Lehrer, die auf Christi Befehl taufen, sind nur Diener, reden das Wort und gießen das Wasser, aber Christus ist der Herr, der ist durch ihr Wort und Sakrament kräftig und richtet das in der Getauften und Gläubigen Herzen aus, was das Wort verheißt und worauf die Taufe deutet, gibt den h. Geist, der die Vergebung der Sünden in der Gläubigen Herzen versiegelt, sie zum Bilde Gottes erneuert und Fried, Freud und Trost in den Neugeborenen anrichtet. Dennoch, sprechen sie, hat St. Paulus die zwölf Jünger in Ephesus, die auf St. Johannis Taufe getauft waren, wieder getauft, damit sie den h. Geist empfangen möchten (Apg. 19). Solches verhielt sich nicht also. St. Paulus kommt gen Ephesus und wie er etliche Jünger Christi findet, fraget er sie, ob sie auch den h. Geist (verstehe: sichtbarer Weise in Gestalt feuriger Zungen) empfangen hätten? Und wie sie dazu nein sagen und bekennen, dass sie noch nicht gehört hätten, dass der hl. Geist auf solche Weise gegeben würde, fragt er sie, worauf sie getauft wären? Sie sagen, auf St. Johannis Taufe. Darauf zeigt ihnen St. Paulus an: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volke gesagt, dass sie sollten glauben an den, der nach ihm kommen sollte, d. i. an Jesus, dass der Christus sei. Und wie solches das Volk gehört, haben sie sich taufen lassen auf den Namen, das Verdienst und die Genugtuung des Herrn Christi, und haben also bekommen durch den Glauben Vergebung der Sünden und heiligen Geist, aber unsichtbarer Weise, und nicht wie hernach nach dem Pfingsttage viele aus Juden und Heiden ihn auch empfangen hatten in sichtbarer Gestalt. Da nun Paulus die Hände auf sie legte, kam der h. Geist auf sie und sie redeten mit Zungen und weissagten. Daraus ist das gewiss, dass sie nicht sind wieder getauft worden. Es leugnet auch Paulus nicht, dass sie den h. Geist empfangen hätten. Denn wo sie den nicht gehabt, wie hätten sie Christi Jünger sein und Christum predigen können, weil niemand Christum einen Herrn heißen kann, denn durch den heiligen Geist (1. Kor. 12,3). Aber sie hatten ihn nicht empfangen in feuriger Zungengestalt, dass sie mit mancherlei Zungen hätten reden können wie auch andere, ob sie schon mit der
Taufe Christi getauft waren, wie in der Apostelgeschichte 8,15 geschrieben steht von Johannes und Petrus. Darum leget St. Paulus auch die Hände auf sie, alsbald fangen sie an, mit neuen Zungen zu reden. Und das nennen die Gelehrten baptismus fluminis, des hl. Geistes Taufe, darum dass was in der Wassertaufe baptismus fluminis gedeutet, allda öffentlich von Gott geleistet wird, wie sie das baptismus sanguinis, eine Bluttaufe, nennen, da einer um seines Glaubens und Bekenntnisses willen sein Blut vergießt und seinen alten Adam recht töten lässt, damit er der Sünde gar absterbe und zum ewigen Leben auferstehen könne. Welche Tötung durch das Eintaufen in der Wassertaufe vorgebildet wird. G. Spindler.
Die Sakramente sind den Christen eine süße Quelle. Zwar scheint’s, dass man den Glaubensgrund zu wenig beachte, welchen uns fortwährend unsere Taufe gewährt. In derselben hat es der dreieinige Gott an unserem Leibe versiegeln lassen, dass er unser Gott sei und dass alle drei glorwürdige Personen der hochgelobten Dreieinigkeit das Ihre gnadenvoll zu unserem Heil beitragen wollen; dass Gott unser Vater sei und uns mit aller Notdurft Leibes und der Seele versorgen wolle; dass alles, was der Sohn Gottes getan und gelitten, uns angehören solle; dass der h. Geist unser Lehrer, Tröster und Erneuerer sein wolle. Wie sollte also unser Heil nicht Zustandekommen, da drei solcher Personen die Bewirkung desselben auf sich genommen haben? G. D. Krummacher.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31